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Alternative Energiequellen: Wasserkraft
Thomas Göken und Christopher
Eineke
Bio-Referat : Alternative
Energiequellen
2.
Wasserkraft
Weltweit werden derzeit etwa 5 % des Bedarfs an Primärenergie und 20 %
des Bedarfs an elektrischer Energie aus Wasserkraft gedeckt. Das nutzbare
Potential an Wasserkraft ist jedoch fünfmal so groß, so daß
Wasserkraftwerke einen wichtigen Beitrag zur Lösung des Weltenergieproblems
leisten können. Geographisch sind die Wasserkräfte allerdings sehr
unterschiedlich verteilt: Rund zwei Drittel des auf der Erde nutzbaren
Potentials an Wasserkraft liegen in Ländern der dritten Welt. Die
größten Wasserkraftwerke - an der installierten Leistung gemessen -
befinden sich durchweg außerhalb Europas: Die Rangliste führt
neuerdings das brasilianische Kraftwerk ITAIPú am Parana mit einer
Kapazität von 12600MW. Die weiteren Plätze belegen Anlagen in Nord-
und Südamerika, Asien oder Afrika. Erst auf Platz 13 erscheint - als
einziges europäisches Wasserkraftwerk unter den ersten 25 - Kuybischew an
der Wolga mit 2563MW. Deutschland nutzt seine Wasserkräfte derzeit schon zu
etwa 70 % für die Stromerzeugung. Das sind im Durchschnitt 18 Mrd. kWh
jährlich. Die Elektrizitätswirtschaft schätzt, daß bis
Anfang des nächsten Jahrtausends eine weitere Steigerung auf 20 Mrd. kWh
jährlich möglich wäre. Rein technisch ließen sich noch etwa
weitere 7 Mrd. kWh nutzen, doch müßten dann vielfach Gesichtspunkte
des Landschaftsschutzes und auch betriebswirtschaftliche Überlegungen
zurückstehen. Bei den Wasserkraftanlagen der öffentlichen
Elektrizitätsversorgung in den alten Bundesländern bietet sich nach
Art, Anzahl und Leistung folgendes Bild (Bild siehe letzten Seiten). Insgesamt
verfügen die öffentlichen Elektrizitätserzeuger damit in den
alten Bundesländern über 604 Kraftwerke, die mit einer installierten
Leistung von 3728MW Strom aus natürlicher Wasserkraft erzeugen (die reinen
Pumpspeicher-Kraftwerke ohne natürlichen Zufluß nicht mitgerechnet).
Daneben gibt es noch 97 industrielle Eigenanlagen mit 225MW, 9 Wasserkraftwerke
der Bundesbahn mit 189MW und schätzungsweise 3700 andere Eigenanlagen mit
376MW. Der Geographie entsprechend liegen die meisten Wasserkraftwerke im
Süden Deutschlands: An der Donau mit ihren Nebenflüssen Iller, Lech,
Isar und Inn, sowie an Rhein, Mosel, Neckar und Main. In den fünf neuen
Bundesländern gibt es weniger Möglichkeiten zur Nutzung von
Wasserkräften als im westlichen Teil. So wurden 1990 in den alten
Bundesländern knapp 4 % der öffentlichen Stromversorgung durch
Wasserkraftwerke bestritten, während im Osten der entsprechende Anteil nur
bei 0,4 % lag, also zehnmal geringer war. Der Hauptgrund dafür ist in der
Topographie zu suchen: Flüsse wie Elbe, Oder und Saale haben ein weniger
günstiges Gefälle als Rhein, Main oder Donau. Insgesamt gibt es in den
fünf neuen Bundesländern 7 größere Laufwasser-Kraftwerke
(ab 1MW) mit einer installierten Leistung von 14,3MW, 1 Speicherwasser-Kraftwerk
mit 0,7MW sowie 7 Pumpspeicherwerke (davon drei mit natürlichem
Zufluß). Wasserkraftwerke sind nicht gerade billig, aber robust und
wartungsarm, so daß sie auf längere Sicht sehr rentabel
arbeiten.
Arten von Turbinen
Francis-Turbine: Bei der Francis-Turbine wird das Wasser durch ein
feststehendes "Leitrad" mit verstellbaren Schaufeln auf die gegenläufig
gekrümmten Schaufeln des Laufrads gelenkt. Da das Wasser vor dem Eintritt
in die Turbine unter höherem Druck steht als nach dem Austritt spricht man
auch von einer Überdruckturbine.
Pelton- oder Freistrahlturbine: Bei der Pelton- oder
Freistrahlturbine wird ausschließlich die Bewegungsenergie des Wassers
genutzt, das aus einer oder mehreren Düsen auf die becherförmigen
Schaufeln des Laufrads trifft. Da das Antriebswasser nach dem Austritt aus der
Düse auf Umgebungsdruck entspannt wird, spricht man auch von einer
Gleichdruck-Turbine. Die Pelton-Turbine wird in Wasserkraftwerken mit sehr hohen
Fallhöhen (bis 1800m) bei vergleichsweise geringen Wassermengen eingesetzt.
Sie ist typisch für Speicherwasser-Kraftwerke im Hochgebirge.
Ein Nachteil von Fourneyrons Reaktions-Turbine war, daß sich beim
Übergang des Wassers aus dem innen angebrachten Leitwerk in den Schaufeln
des Laufrads Turbulenzen ergaben, die bremsende Wirkung hatten. 1837 kam der
Deutsche Karl Anton Henschel auf die Idee, dies zu vermeiden, indem er die
Leitschaufeln oberhalb des Laufrads statt in dessen Zentrum anordnete. Weitere
Verbesserungen ersannen der Amerikaner Samuel B. Howd, der 1838 das Laufrad ins
Innere des Leitwerks verlegte, sowie der Engländer James Thomson, der
verstellbare Leitschaufeln und gekrümmte Laufradschaufeln einführte.
1849 konstruierte der anglo-amerikansiche Ingenieur James B. Francis auf diesen
physikalischen Grundlagen eine auch technisch verbesserte Turbine, die einen
Wirkungsgrad von rund 90 % erreichte. Von ihm hat die Francis-Turbis ihren
Namen, die heute die verbreitetste und am universellsten verwendbare Turbinenart
ist. Die größten Francis-Laufräder erreichen ein
Gußgewicht von ca. 150 t und eine Leistung von über 700MW. Die
Francis-Turbine kann auch als Pumpe arbeiten. Dies macht man sich in den
Pumpspeicher-Kraftwerke zunutze, wo eine Francis-Turbine und der Generator
häufig zu sog. Pumpturbine vereinigt sind, die sich wahlweise auf
(stromverbrauchenden) Pumpbetrieb oder (stromerzeugend) Generatorbetrieb
umstellen läßt.
Kaplan-Turbine: Für geringe Wasserdrücke bei großen
Durchflüssen wurde aus der Francis-Turbine die Kaplan-Turbine entwickelt.
Bei ihr lassen sich sowohl die Schaufeln des Laufrads wie auch die des Leitwerks
verstellen. Das Laufrad gleicht einem Schiffspropeller. Weiterentwicklungen sind
die Rohr-Turbine für besonders geringe Fallhöhen und die
Straflo-Turbine, bei der der Generator und Turbine eine Einheit bilden. Speziell
für geringe Wasserdrücke entwickelte zu Beginn der zwanziger Jahre der
österreichische Ingenieur Viktor Kapla die nach ihm benannte
Kaplan-Turbine. Ihr Laufrad gleicht einem Schiffspropeller, durch dessen
verstellbare Schaufeln die Wassermassen strömen und - umgekehrt wie beim
Schiffsantrieb - den Propeller antreiben. Das Leitwerk der Kaplan-Turbine lenkt
die einströmende Wassermassen so, daß sie parallel zur Welle der
Turbine auf die drei bis sechs Schaufeln des Laufrads treffen. Sowohl die
Laufradschaufeln als auch das Leitwerk sind verstellbar. Dies ermöglicht
das Anpassen an Schwankungen der Wasserführungen und des Gefälles.
Große Kaplan-Turbinen werden vor allem vertikal eingebaut, so daß
das Wasser von oben nach unten durchströmt. Die äußerst
schnellaufende Turbine weist in einem weiten Belastungsbereich einen
Wirkungsgrad von 80 bis 95 % auf.
Rohr-Turbinen: Für niedrige Fallhöhen wurde aus der
Kaplan-Turbine die Rohrturbine entwickelt, die in Laufwasser-Kraftwerken
Leistungen bis 75MW erzielt. Die Rohrturbine werden horizontal, in der Richtung
des strömenden Wasser, eingebaut, so daß Umlenkverluste weitgehend
vermieden werden. Der Generator befindet sich in Verlängerung der
Turbinenwelle in einem vom Wasser umströmten, wasserdichten Gehäuse.
Rohrturbinen sind platzsparend und ermöglichen deshalb hervorragend die
landschaftliche Einpassung von Wasserkraftwerken.
Die Leistung einer Turbine errechnet sich aus dem Produkt der
Erdbeschleunigung (9,81 m/sec²) mit der Fallhöhe des Wassers (in m),
dem Durchfluß durch die Turbine (in m³/sec) und dem Wirkungsgrad. Um
einen optimalen Wirkungsgrad zu erzielen, muß man die Turbine den
unterschiedlichen Fallhöhen und Wasserdurchflußmengen angepaßt
sein. Die größte Verbreitung hat die Francis-Turbine, deren
Einsatzbereit sich nach oben mit dem der Pelton-Turbine und nach unten mit der
Kaplan-Turbine überschneidet. Welche Turbine im konkreten Fall gewählt
wird, hängt nicht nur von der nutzbaren Fallhöhe des Wassers ab,
sondern auch vom Wasserdurchfluß und anderen Faktoren.
Die Geschichte der Turbine
Die Vorläufer unserer heutigen Turbinen waren Wasserräder, wie
sie bereits um das Jahr 3500 v.Chr. in Mesopotamien zum Schöpfen von Wasser
verwendet wurden. Auch Inder, Ägypter und Chinesen kannten diese Technik.
Im Römischen Reich fanden Wasserräder vielfältige Verwendung
für Göpelwerke, Getreidemühlen, Sägewerke,
Schöpfvorrichtungen und sonstige Zwecke. Die Durchmesser der Räder
erreichten bis zu 30 Metern. Die älteste Form des Wasserrads ist das
"Stoßrad", das mit seinen Schaufeln horizontal in den Fluß
eintaucht. Hier wird ausschließlich die Bewegungsenergie des Wassers
genutzt. Daraus abgeleitet ist das "unterschlächtige" Wasserrad, bei dem
zwischen Ein- und Austritt des Wassers eine leichte Höhendifferenz besteht
und so neben der Bewegungsenergie auch die Schwerkraft bzw. der Druck des
Wassers von der Bergseite her genutzt wird. Anders beim "oberschlächtigen"
Wasserrad, das im Mittelalter entwickelt wurde: Hier fließt das Wasser von
oben auf die muldenförmigen Schaufeln, so daß das Rad
hauptsächlich durch das Gewicht des Wassers angetrieben wird. Als Mischform
mit vorwiegender Nutzung der Lageenergie wäre noch das
"mittelschlächtige" Wasserrad zu erwähnen.
Die verschiedenen Arten von Wasserkraftwerken
Nach der Betriebsweise unterscheidet man Laufwasser- und
Speicherwasser-Karftwerke. In einem Fall (Flüsse) wird die zur
Verfügung stehende Energie des Wassers kontinuierlich, im andern
(Talsperre) nach Bedarf zur Stromerzeugung genutzt. Man kann die
Wasserkraftwerke aber auch nach der Fallhöhe unterscheiden: Im Bereich bis
etwa 25 m spricht man von Niederdruckkraftwerken und über 100 m von
Hochdruckkraftwerken. Im Niederdruckbereich werden außer der
Pelton-Turbine alle Turbinenkonstruktionen in sehr unterschiedlichen
Einbauvarianten verwendet. Im Mitteldruckbereich verwendet man
hauptsächlich senkrecht angeordnete Kaplan-Turbinen oder auch - je nach
Wasserdurchfluß und Fallhöhe - Francis-Turbinen. Die
Hochdruckkraftwerke schließen sich eine Domäne der Francis- und
Pelton-Turbine, wobei letztere um so eher eingesetzt werden. Je höher die
Fallhöhe bei relativ geringer Wassermenge ist.
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