|
Du bist hier: Referate Datenbank | Erdkunde
| Alternative Energiequellen: Windenergie
Alternative Energiequellen: Windenergie
Thomas Göken und Christopher
Eineke
Bio-Referat : Alternative
Energiequellen
2.
Windenergie
Im Grunde gehört der Wind zur Sonnenenergie; denn die Sonne
erwärmt die Luftschicht der Erde. Durch lokale Erwärmungsunterschiede
bilden sich dabei Zonen unterschiedlichen Luftdrucks, sogenannte Hoch- und
Tiefdruckgebiete. Die "Wind" genannte Luftbewegung entsteht, wenn die Luft vom
Hoch- zum Tiefdruckgebiet strömt. Infolge der Erdrotation erfolgt dieser
Druckausgleich nicht geradlinig, auf kürzestem Wege, sondern in einer
spiralförmigen Bewegung um das Zentrum der jeweiligen Hoch- und
Tiefdruckgebiete. Entsprechend weisen die "Isobaren", wie man die Linien
gleichen Luftdrucks auf der Wetterkarte nennt, einen spiralförmigen
gekrümmten Verlauf auf. Dasselbe gilt für die Wolken der
Tiefdruckgebiete, deren Wirbel auf Satellitenfotos gut zu erkennen sind. Der
Wind ist strömende Luft in der freien Natur. Ruht die Luftströmung,
sprechen wir von Windstelle, ist sie sehr heftig, von Sturm. Ein kräftiger
Windstoß heißt Böe. Normalerweise ändern sich Windrichtung
und Windgeschwindigkeit ständig. Denn ursächlich ist die Windenergie
eine Folge der Sonnenenergie: so steigt zum Beispiel über einer von der
Sonne erwärmten Landoberfläche auch die Lufttemperatur. Dabei dehnt
sich die Luft aus. Über einem daneben befindlichen Meer bleibt die
Oberfläche - und damit auch die Luft - kühler. Die so entstehenden
Luftdichteschwankungen verursachen Luftdruckunterschiede und diese wiederum
erzeugen Luftströmungen. An der Erdoberfläche beginnt ein Wind vom
Meer zum Land zu wehen. Nachts kehrt sich die Windrichtung um, weil dann das
Wasser wärmer ist als die schneller abkühlende Erdoberfläche. Was
wir hier im kleinen einsehen konnten, entsteht auch großflächig.
Immer strömt die Luft von Gebieten hohen in Bereiche niedrigen Luftdrucks.
Darüber hinaus beeinflussen zwei weiter Faktoren den Wind; zum einen ist es
die Erddrehung, wie die Entstehung der Passatwinde sehr schön zeigt; zum
anderen ist es die Struktur der Erdoberfläche, wobei Bäume, Bauwerke,
Hügel oder gar Berge einen Einfluß auf die Stärke der
Luftströmung nehmen. An jedem Standort auf unserer Erde überlagern
sich alle Einflußfaktoren. Hier hat der eine, dort ein anderer besonderes
Gewicht. Will jemand einen Windkonverter aufstellen, muß er
sorgfältig prüfen, von welchen Voraussetzungen er hinsichtlich seines
Energielieferanten ausgehen muß. Das Windpotential der Erde entspricht
etwa 2 % der gesamten Sonneneinstrahlung bzw. 2 Millionen Terawattstunden
jährlich (das sind 20 Billionen Kilowattstunden). Auf die bewohnten Gebiete
entfallen davon etwa 270 Millionen Gigawatt. Das ist immer noch ein Vielfaches
des gesamten Weltenergiebedarfs. Praktisch nutzbar wäre freilich nur ein
geringer Teil. Optimisten rechnen mit etwa 3 %. Das hieße, daß die
Windenergie maximal ein Drittel des gegenwärtigen Gesamtenergiebedarf
decken könnte. Aber diese Zahl ist nur ein Durchschnittswert. Sie
berücksichtigt weder die unterschiedliche Verteilung der Windenergie noch
den besonders hohen Energiebedarf der hochindustrialisierten Länder. In
Mitteleuropa herrschen Winde vom Atlantik vor. Am ergiebigsten sind sie auf
offener See oder an der Küste. Landeinwärts nimmt die
Windgeschwindigkeit generell ab. Im Einzelfall können die Windstärken
jedoch recht verschieden sein. Sie sind abhängig von der "Höhe
über dem Meer" sowie von Geländeform, Bebauung, Bewuchs usw. Zum
Beispiel herrscht auf dem 840m hohen Kahlen Asten im Sauerland eine
Windstärke von 5,9m/sec. Das ist annähernd derselbe Wert wie auf dem
1838m hohen Wendelstein in Oberbayern, der fast dreimal so weit von der
Küste entfernt ist. Übertroffen werden jedoch beide Gipfel von List
auf Sylt, wo auf Meereshöhe im Jahresmittel eine Windstärke von
6,8m/sec herrscht. Die jährliche Energiemenge die sich mit einer
Windkraftanlage erzielen läßt, errechnet sich aus der dritten Potenz
der mittleren Windgeschwindigkeit. Das heißt konkret, daß z.B. eine
mittlere Windgeschwindigkeit von 2 m/sec im Vergleich mit einer solchen von 6
m/sec nicht bloß ein Drittel an Energieausbeute ergibt, sondern gerade
noch den siebenundzwanzigsten Teil. Die Nutzung der Windkraft kommt deshalb
hauptsächlich in Küstengebieten und in den Hochlagen der Mittelgebirge
in Frage. Denn nur hier findet sich eine mittlere Windgeschwindigkeit von 4 bis
5 m/sec, die als Richtwert für die wirtschaftliche Nutzung von
Windkraftanlagen gilt. Zum Beispiel gibt es in den küstennahen
Bundesländern Schleswig-Holstein und Niedersachsen eine weitaus
größere Fläche, die dieses Limit erfüllt, als in Bayern
oder Baden-Württemberg. Insgesamt dürfte der mögliche Betrag der
Windenergie zum deutschen Gesamtenergiebedarf nicht mehr als einige Prozent
ausmachen. In einer besseren Lage befinden sich natürliche
Küstenländer wie Dänemark oder die Niederlande. Innerhalb der
gesamten EG könnten langfristig schätzungsweise 3 bis 4 % des heutigen
Strombedarfs durch Windkraftanlagen gedeckt werden.
Die Windenergie
Wind ist eine kostenlose Energiequelle. Wir könnten sie nutzen, das
heißt, in eine erwünschte andere Energieform überführen,
wenn wir besondere, eigen auf die Luftströmung abgestimmte Windkonverter an
geeigneten Orten aufstellen. Die allermeisten Windkonverter nutzen, wenn sie dem
Wind Energie entnehmen, das gleiche physikalisch-technische Prinzip, das auch
Flugzeuge in der Luft hält, indem ihre Tragflügel umströmt
werden. Es heißt "Auftriebsprinzip". Die Kraft, die sich am
Windradflügel entfaltet, nutzt ihn selbst als Hebel, der sich endlos um die
meist horizontal liegende Achse dreht. So entsteht der erforderliche Drehmoment,
um den Generator oder andere Kraft- und Arbeitsmaschinen anzutreiben. Es scheint
erstaunlich, daß es für eine optimale Energieausnutzung kaum auf die
Anzahl der Flügel ankommt, die eine bestimmte Anlage hat: Ein Windrad mit
nur einem Flügel kann dem Wind die gleiche Leistung entnehmen, wie einen
mit zwanzig. Natürlich muß ein Rotor mit wenigen Flügeln
schneller gedreht werden, wenn er den gesamten überstrichenen
Kreisquerschnitt >>abkassieren<< soll, als einer mit vier
Flügeln.
Neues Interesse an der Windenergie
Der Ölpreisschock der siebziger Jahre ließ verstärkt nach
anderen Energiequelle Ausschau halten. Damit erwachte auch erneut das Interesse
an der Nutzung der Windenergie, die als "additive" (zusätzliche) Energie
die Palette der Energiequellen ergänzen konnte. In Deutschland begann man
um diese Zeit mit der Planung der "Großen Windenergieanlagen",
abgekürzt Growian, die alle bisherigen Anlagen übertreffen sollte und
in der kurzen Zeit ihres Bestehens hunderttausende von Neugierigen anzog. Als
Growian 1983 im Kaise-Wilhelm-Koog fertiggestellt war, hatte allein die Gondel
mit dem 345 t schweren Maschinenhaus die Größe eines
Einfamilienhauses. Die beiden Rotorflügel erreichten zusammen eine
Spannweite von 100m. Der aus 3cm dickem Stahl errichtete Turm der Anlage war 96m
hoch und hatte einen Durchmesser von 3,50m. Bei Windstärke 6
(=12 m/sec) erzeugte die Anlage 1MW, bei voller Leistung 3MW. Oft stand sie
aber auch still, weil technische Probleme auftraten, die nicht vorherberechnet
werden konnten. Nach Beendigung des Forschungsprojektes im Sommer 1987 wurde sie
deshalb wieder abgebaut. Aus dem Growian-Projekt lernte man, daß den
theoretischen Vorteilen solcher Riesen-Anlagen erhebliche Schwierigkeiten bei
der technischen Ausführung und entsprechend hohe Kosten
gegenüberstehen. Die öffentlichen Stromversorger setzten deshalb
fortan auf kleinere Anlagen mit Leistungen zwischen 25 und 300kW, die mit ihrer
ausgereiften Technik weniger störanfällig waren. Der erste deutsche
Windenergiepark "Westküste", der im August 987 eingeweiht wurde,
umfaßte 30 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 1MW. Der im März 1988
folgende Windenergiepark Cuxhaven zählte 25 Anlagen mit insgesamt 1MW. Im
Januar 1989 nahm der Windenergiepark Krummhörn mit 10 Anlagen und einer
Gesamtleistung von 3MW den Betrieb auf. Die Anlage bei Niebüll, die Ende
1990 als bis dahin größter Windenergiepark Europas eröffnet
wurde, umfaßte insgesamt 35 Windkonverter mit mittleren Leistungen.
Daneben sammelte man weiterhin Erfahrungen mit "Großwindanlagen" (mehr als
1MW Leistung). Im Juli 1990 ging auf der Insel Helgoland der
Horizontalachsenkonverter WKA 60 mit 1,2MW in Betrieb. 1991 folgte eine
Schwesteranlage im Windpark Westküste (auf dem Fundament des abgebauten
Growian). Zur selben Zeit begann im Windpark Jade bei Wilhelmshaven die
Errichtung des zweiflügeligen "Aeolus II", der mit 3MW die Leistung des
ehemaligen Growian erreicht. Die zunehmende Verknappung günstiger
Standorte begünstigte den neuen Trend zu größeren Anlagen. Der
Bau von Windenergieanlagen wurde durch öffentliche Mittel gefördert.
Von 1986 bis Ende 1988 erhöhte sich die in Betrieb befindliche Leistung der
deutschen Windkraftanlagen um das 2,4fache. Die Stromeinspeisung ins
öffentliche Netz stieg sogar um das achtfache.
Die installierte Gesamtleistung der Windkraftanlagen betrug Ende 1990 in
Deutschland über 60MW. Das entsprach etwa einem Zehntel der Leistung eines
Kohlekraftwerks. Im Unterschied zu Kohle- und Kernkraftwerken bedeutet
technische Verfügbarkeit bei Windkonvertern aber nicht, daß die
Leistung tatsächlich verfügbar ist. Letzten Endes hängt es vom
Wind ab, wann und wieviel Strom produziert wird. Schon aus diesem Grund
können Windkonverter für die Stromversorgung nur eine ergänzende
Funktion haben. Das gilt selbst für windreiche Länder wie
Dänemark oder die Niederlande, wo man hofft, schon demnächst bis zu 10
% des nationalen Energiebedarfs mit Windkonvertern decken zu können. Nach
der Erfindung des Generators lag es eigentlich nahe, diesen auch mit einer
"Windmühle" zu koppeln und auf diese Weise Strom zu erzeugen. Dennoch wurde
davon bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts kaum Gebrauch gemacht,
da die Stromerzeugung mit Kohle, Öl, Gas oder Wasserkraft ungleich
ergiebiger und wirtschaftlicher war.
Wirkungsgrad begrenzt
Aus physikalischen Gründen kann ein frei umströmtes Windrad
höchstens 59 % der Windenergie aufnehmen. Dies ist der theoretisch
mögliche Wirkungsgrad. In der Praxis werden Werte von etwa 45 % erreicht.
Da hinter dem Windrad jedoch weitere mechanische, elektrische und
reglungstechnische Verluste auftreten, beträgt der tatsächliche
Wirkungsgrad bei der Umwaldung von Windenergie zu Strom nur etwa 25 bis 30
%.
|