|
Du bist hier: Referate Datenbank | Deutsch
| Böll, Heinrich: Ansichten eines Clowns
Böll, Heinrich: Ansichten eines Clowns
HEINRICH BöLL: “ANSICHTEN EINES CLOWNS” (1963)
Lebenslauf: Heinrich Böll[1]
Heinrich Böll wurde am 21. Dezember 1917 in Köln geboren. Sein
Vater war gelernter Bildhauer und Schreinermeister, seine Mutter war Hausfrau.
Er lebte zwar in einem Haus in einer bürgerlichen Familie, war jedoch
lieber mit Kindern der Arbeiterklasse zusammen. Ab 1928 besuchte er ein
Kölner Gymnasium.
Durch die Wirtschaftskrise 1929 bekam Heinrich Böll die politischen
Kämpfe, die Regierungskrise und die Inflation der Weimarer Republik, die
den Weg für den Faschismus ebneten, am eigenen Leibe zu spüren. Er
selber entwickelte eine Sympathie für sozialistische Ideen. Er war Mitglied
in einem katholischen Jugendclub, trat aber aus, als alle anderen
zusätzlich in die Hitlerjugend eintraten. Auch auf Druck der Nazis trat er
nicht der HJ bei. 1937 machte Böll sein Abitur, begann eine Buchhandeslehre
und ein Germanistikstudium, jedoch wurde er 1939 zur Wehrmacht einberufen. Er
versuchte sich immer dorthin versetzen zu lassen, wo wenig geschossen wurde. Er
spielte Krankheiten vor, um sich vor dem Krieg zu drücken. 1942 heiratete
er seine Jugendfreundin Annemarie Cech. Den Krieg begann er zu hassen, deshalb
schlug er sich mit gefälschten Papieren und der Hilfe seiner Frau nach
Köln durch, kehrte aber in den letzten Kriegsmonaten freiwillig zu seiner
Einheit zurück. Daraufhin geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft,
wurde aber 1947 wieder freigelassen.
Um seiner Frau und sich eine Existenzgrundlage zu bieten, arbeitete er in
mehreren Jobs. Später ließ er sich wieder in der Uni einschreiben. Er
begann auch seine Schriftstellerkarriere mit Kurzgeschichten, angelehnt an die
Short story in der Tradition Ernest Hemingways. Seine Kurzgeschichten
schilderten zu dieser Zeit die Kriegsgräuel und stellten die Frage nach der
Schuld Deutschlands. Diese wurden in “Der Zug war pünktlich”
(1949) und “Wanderer kommst du nach Spa” (1950) gesammelt
gedruckt. Auch der Roman “Wo warst du, Adam?” (1951) handelt
von diesem Thema. Danach stellte Böll vor allem
das Leben im zerbombten Nachkriegsdeutschland in den Mittelpunkt seiner Werke
und schuf mit dem Roman “Und sagte kein einziges Wort”
(1953) ein zentrales Beispiel für die so genannte
Trümmerliteratur. Geschildert wird hier – ebenso wie im
Nachfolgeroman “Haus ohne Hüter” (1954) –
vor allem das materielle und seelische Elend der Bevölkerung, namentlich
das trostlose Schicksal einer “Generation ohne Väter”.
Bölls Flucht vor seinen Gläubigern nach Irland fand in der
Sozialreportage “Irisches Tagebuch” (1957) seinen
Niederschlag; diese gewährt einen realistischen Einblick in die politischen
Gegebenheiten des Landes. Das “Irische Tagebuch”, der erste
Band des Deutschen Taschenbuch-Verlages (dtv), avancierte zu einem der
erfolgreichsten Bücher Bölls überhaupt. In “Ansichten
eines Clowns” (1963), einer Spätform und Variante des
Schelmenromans (“Ich bin ein Clown und sammle Augenblicke”),
übte der Autor dezidiert Kritik an der deutschen Wohlstandsgesellschaft und
der als heuchlerisch empfundenen Moral der katholischen Kirche.
Heinrich Böll verfasste nun auch weiterhin Romane wie
“Billard um halb zehn” (1959) und “Gruppenbild mit
Dame” (1971). Die Erzählungen “Ende einer
Dienstfahrt” (1966) und “Die verlorene Ehre der
Katharina Blum” (1974) waren zornige Kommentare gegen den
Dienst in der Bundeswehr bzw. die Sensationspresse und Terroristenangst im
Deutschland der siebziger Jahre.
Im Jahre 1967 bekam Heinrich Böll den Georg-Büchner-Preis
zugesprochen, 1972 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Nachdem er 1972
aus der Kirche ausgetreten war, wollte man ihm im Jahre 1979 das
Bundesverdienstkreuz verleihen, doch Böll lehnte dies ab.
Böll starb am 16. Juli 1985 in Langenbroich. In Köln wurde ein
von Dani Karavan konzipierter Platz nach ihm benannt, auch stiftet die Stadt
einen nach ihm benannten Literaturpreis (Preisträger war u.a. Alexander
Kluge). Neben Erzählungen und Romanen schrieb er auch zahlreiche Essays,
Kritiken, Kommentare und Hörspiele. Darüber hinaus tat er sich auch
als Übersetzer hervor. Auch fungierte er lange Zeit als Mitherausgeber der
Literaturzeitschrift “L 76” (später “L
80”).
Weitere Werke des Autors sind die Erzählungen “Nicht nur zur
Weihnachtszeit” (1952), “Das Brot der frühen Jahre”
(1955), “Doktor Murkes gesammeltes Schweigen” (1958),
“Entfernung von der Truppe” (1964), “Du fährst zu oft
nach Heidelberg” (1979), “Das Vermächtnis” (1981) und
“Die Verwundung” (1983), die Theaterstücke “Ein
Schluck Erde” (1962) und “Hausfriedensbruch/Aussatz”
(1969), der Gedichtband “Wir kommen weit her” (1986)
sowie die Kindheitserinnerungen “Was soll aus dem Jungen bloß
werden?” (1981).
Aufsätze, Essays, Interviews und Reden wurden in den Bänden
“Aufsätze, Kritiken, Reden” (1967), “Neue politische
und literarische Schriften” (1973), “Drei Tage im März”
(1975), “Berichte zur Gesinnungslage der Nation” (1975),
“Einmischung erwünscht” (1977), “Vermintes
Gelände” (1982), “Bild, Bonn, Boenisch” (1984),
“Ein- und Zusprüche. Schriften, Reden und Prosa 1981-1983”
(1984), “Die Fähigkeit zu trauern. Schriften und Reden
1983-1985” (1986) und “Gedanken über Lebenslust,
Sittenwächter und Lufthändler” (1986) veröffentlicht.
Darüber hinaus übersetzte er gemeinsam mit seiner Frau die Biographie
des Clowns Joseph Grimaldi.
Inhaltsangabe
Charakteristik: Hans Schnier
S.16: “Ich lag auf dem Bett in einem Zustand, den ich mir manchmal
für das Ende meiner Tage erhoffte: betrunken und wie in der
Gosse.”
[1] Quelle: Microsoft
® Encarta ® 98 Enzyklopädie. © 1993-1997 Microsoft
Corporation. Alle Rechte vorbehalten
|