|
Du bist hier: Referate Datenbank | Deutsch
| Fontane, Theodor: Effi Briest (Else von Ardenne, d
Fontane, Theodor: Effi Briest (Else von Ardenne, d
Referat für den LK Deutsch - gehalten am 23.11.1997
von Klaus Schurg
Else von
Ardenne
Die Frau hinter Effi
Briest
Effi Briest basiert wie fast alle Fontane Romane auf
einem tatsächlichen Vorfall, der sich 1886 in Preußen ereignete.
Öffentlich bekanntgeworden war diese Geschichte durch ihr Ende: ein Duell
das größte öffentliche Beachtung fand (Zeitung und Reichstag).
Beteiligt waren Rittmeister Armand von Ardenne, seine Frau Elisabeth und er
Amtsrichter Emil Hartwich. Fontane veränderte den Stoff allerdings ein
wenig. Er tat dies zum einen aus künstlerischen Gründen, zum anderen
um die Ardennes nicht bloßzustellen; ob sie selbst den Roman lasen ist
unbekannt, Zeitgenossen aber erkannten die “Story”.
Die
Lebensgeschichte
Die 1853 auf einem märkischen Landgut geborene
Elisabeth Freiin von Plotho verlobt sich im Jahre 1871 mit einem 22
jährigen Leutnant namens Armand von Leon von Ardenne, der bei den
Zieten-Husaren in Rathenow in der Nähe des Landguts von Plotho dient. Die
Familie bekommt eine Tochter, Elisabeth. Diese wird allerdings von ihrer Mutter
Else gerufen. Dieses bildschöne Mädchen versuchte stets die
Inbesitznahme durch einen Mann abzuwehren und war so bereits zweimal verlobt.
Die Verlobung mit Ardennne kommt nach mehreren vergeblichen Abweisungen durch
Else unter Vermittlung der Mutter zustande. 1873 heiraten die Verlobten und
ziehen nach Berlin. 1881 kehrt Ardenne als Rittmeister nach Düsseldorf
zurück, Else folgt.
Seit 1880 ist die Familie Ardenne dem Amtsrichter Emil
Hartwich, er ist 10 Jahre älter als Else, freundschaftlich verbunden. Aus
dieser Verbundenheit wird mehr.
Mit 31 Jahren geht Else mit Hartwich eine Beziehung ein,
die auch noch weiter fortdauert, als ihr Mann 1884 an das Kriegsministerium nach
Berlin abkommandiert wird. Die Beziehung Elses zu dem ebenfalls verheirateten
Hartwich geht schließlich soweit, daß beide sich mit
Scheidungsgedanken tragen und eine gemeinsame Ehe erwägen. Der inzwischen
mißtrauisch gewordene Ehemann von Else entdeckt in einer verschlossenen
Kassette die Pläne der beiden, reicht seinerseits die Scheidungsunterlagen
ein und fordert Emil Hartwich zum Duell, das am 27. November 1886 mit schwerer
Verwundung Hartwichs endet. Am 1. Dezember stirbt Hartwich an den Folgen der
Verwundung. Im Frühjahr 1887 wird die Ehe Ardenne geschieden, die Kinder
werden dem Vater zugesprochen. Von Ardenne wird nach kurzfristiger Festungshaft
wegen Duellvergehens vom Kaiser begnadigt, bleibt im Kriegsministerium und ist
zur Entstehungszeit von Fontanes RomanMajor im Landwehr- Dragonerregiment. 1896
wird er Oberst und erwirbt weitere militärische Ränge. Die geschiedene
Else von Ardennen widmet sich dem Dienst an hilfsbedürftigen und kranken
Menschen u.a. in der Schweiz, Schlesien sowie in Berlin.
Nachdem Else 1904 mit der inzwischen verheirateten
Tochter Margot und fünf Jahre später mit dem ebenfalls verheirateten
Sohn Egmont Verbindung aufgenommen hatte - beide Male gegen den erbitterten
Widerstand Ardennes -, stellte sich besonders zu den Enkeln ein herzliches
Verhältnis her. Sie äußert sich 90-jährig
folgendermaßen über Hartwich: “Hartwich hat mit seiner
lebenswarmen, begeisternden, hinreißenden Manneskraft unendliches Leid,
aber auch unendliches Glück in meinem Leben
gebracht...”
Am 4. Februar 1952 starb Else von Ardenne fast
99jährig in Lindau am Bodensee.
Vergleich zwischen Roman und
Realität
- Elisabeth wie Effi besitzen Liebe zum
Unkonventionellen, zur Natürlichkeit und Lebendigkeit und werden dafür
von der “guten Gesellschaft” kritisch beäugt.
- Die Eheleute Ardennen sind sich ähnlicher als
Effi und Instetten; beide genossen als Kunstliebhaber das Leben in einem
Künstlerkreis. Effi und Elisabeth waren freilich bildungsmäßig
ihren Männern unterlegen. Daß Elisabeth unter Langeweile oder
Gefühlskälte ihres Mannes gelitten hätte, ist nicht
überliefert. Allerdings war auch sie phasenweise Leidtragende der
Dienstpflichten ihres dann recht zerstreuten, karrieregierigen
Mannes.
- Hartwich, kein Damenmann war bei beiden
Eheleuten gern gesehen, war wie -Crampas unglücklich
verheiratet.
-Sozialer Rahmen ist - mehr als bei Effi Briest - das
Militär; Ardenne zweifelte nicht am Sinn von Duellen.
- Als das Verhältnis bekannt wurde, bestand es
noch, während das von Effi und Crampas Jahre zurücklag; Elisabeth und
Hartwich wollten zudem heiraten. Effi aber ist froh über das Ende ihres
Abenteuers und auch Crampas bewertete es nur als Affäre. Diese
Veränderung waren zur Realisierung der Botschaft Fontanes besonders
wichtig.
- Ardenne und Instetten wurde nach nur kurzer
Festungshaft vom Kaiser begnadigt und setzen ihre Karriere
fort.
- Else von Ardennen resignierte im Gegensatz zu Effi
Briest nicht, sondern baute sich eine eigene, neue Zukunft auf.
- Effi und Elisabeth dürfen nach der Scheidung ihre
Kinder nicht mehr sehen und leiden darunter sehr und beide leben fortan im
sozialen Abseits; Effi stirbt freilich schon früh, Elisabeth aber erst 1952
im Alter von 99 Jahre.
Fontane verarbeitete in “Effi Briest” noch
weitere persönliche Einflüsse z.B. eine Scheidungsaffäre in
England, bei der die Frau Effi hieß. Sowie seine eigene erste Liebe Minna,
die sich von ihm abwandte, um einen Adeligen in sicherer Stellung zu heiraten.
Quellen: Klett Lektürehilfen: Effi Briest,
Mentor:Effi Briest, SZ Ausschnitt.
|