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Brecht, Bertolt: Mutter Courage und ihre Kinder
walter-ludwig skolud <waluliso@gmx.net>
Autor: Bertold Brecht
Werk: Mutter Courage und ihre Kinder
Geschrieben: 1938/39 Musik : Paul Dessau
Personen
Mutter Courage
Kattrin ihre stumme Tochter
Eilif der ältere Sohn
Schweizerkas der junge Sohn
Feldprediger
Feldwebel
Feldhauptmann Tilly
Werber des protestantischen Heeres
Inhalt
Mutter Courage trifft,mit ihrem Wagen durch Südschweden ziehend,auf
Werber, die ihr den Sohn Eilif abspenstig machen.Sie weissagt dem Feldwebel den
Tod, die Lose zeigen aber auch an,daß sie ihre Kinder ebenfalls verlieren
wird. Zwei Jahre später trifft Courage Eilif in Polen wieder.Sein Hauptmann
lobt ihn gerade für den Streich gegen die Bauern.Sie hört dies alles
von der Küche des Hauptmannes mit.Doch sie belohnt sein Heldentum mit einer
Ohrfeige Ihr Sohn Schweizerkas wurde inzwischen Zahlmeister.Er ist,wie seine
stumme Schwester Kattrin nicht besonders klug.Doch sie wurden beide redlich
erzogen. Courage nimmt den protestantischen Feldprediger und Schweizerkas zu
sich auf als die Katholischen angreifen.Sie wechselt die Seite und versucht
Kattrin vor den Soldaten zu schützen.Schweizerkas fühlt sich für
die Regimentskasse verantwortlich und versteckt sie.Er rettet zwar das
Geld,kommt aber vor Gericht Die Mutter verleugnet ihn,will aber ihren Wagen
verpfänden,um ihm auszulösen.Doch sie verhandelt zu lange.Schweizerkas
wird hingerichtet.Ihre Waren werden beschädigt und sie will sich
beschweren,doch sie entsinnt sich anders.Sie schließt sich dem Heer der
Katholischen an.Der protestantische Feldprediger,der seine Soutine versteckt
hat,hilft ihr und macht ihr auch einen Heiratsantrag. Feldhauptmann Tilly ist
aber gerade gefallen,und deswegen droht Friede auszubrechen.Dadurch stehen die
Chancen zu heiraten, für Courage die vom Krieg,lebt schlecht.Courage
wechselt die Front,aber nun droht auch der Tod des Schwedenkönigs Gustav
Adolf den Krieg zu beenden. Eilif ist das erste Opfer des kurzen Friedens.Er ist
wie üblich bei einem Bauern eingebrochen,und hat dabei die Frau
getötet.Da Friede ist kommt er vor Gericht.Er will nocheinmal seine Mutter
besuchen,doch diese ist zur Zeit mit dem Handel beschäftigt.Er wird
weggeschleppt und verurteilt.Seine Mutter erfährt allerdings nichts
davon.Der Krieg geht weiter.Vier Jahre später, schlechte Jahre für
Courage,zwingen ein paar katholische Soldaten einen Bauern ihnen einen Weg in
die belagerte Stadt Halle zu zeigen.Kattrin belauscht die Szene,steigt mit der
Trommel auf das Dach des Bauernhauses und trommelt die belagerte Stadt wach.Sie
wird erschossen.Courage kommt von einem Geschäftsgang aus der mittlerweile
geretteten Stadt zurück.Sie kann es nicht fassen das ihre Tochter tot ist
und singt ihr ein Schlaflied.Dann zieht sie alleine weiter,den Soldaten
folgend,in der Hoffnung Eilif zu finden.Der Krieg geht weiter.Er hat Mutter
Courage ins Elend gestürzt,doch sie hat daraus nichts gelernt.Mühsam
ihren Karren ziehend,stimmt sie in den Gesang der Soldaten ein.
Interpretation
Was demonstriert wird ist nicht nur die Inhumanität des Krieges und
die Notwendigkei ihn für alle Zeiten zu ächten. Es ist andererseits
schon gar nicht die hereinbrechende und hinzunehmende Schicksalhaftigkeit des
Kriegs. Exemplarisch wird gezeigt der Nährboden des Krieges: das
Gewinnstreben, das sich vom Krieg Bereicherung erhofft.
B.Brecht stellt die Fragwürdigkeitdes Krieges dar.Er zeigt das der
Krieg mit wirtschaftlichen Interessen verbunden ist und deswegen auch
geführt wird. Der Krieg ist nur für die Reichen interessant,das Volk
wird noch ärmer. Der Krieg ist für Mutter Courage die Einnahmequelle ,
andererseits ist sie auch Mutter. Ihre beiden Hauptinteressen stehen miteinander
immer in Konflikt. Zuerst glaubt sie , sie könne ihre Kinder und sich aus
dem Krieg heraushalten , dies gelingt ihr aber nicht.Mutter Courage lebt vom
Krieg.Sie will von ihm leben aber nichts hergeben.Sie will zuerst ihre Kinder
aus dem Krieg heraushalten doch es gelingt ihr nicht. Mutter Courage , obwohl
sie einen hohen Preis zahlt,lernt nichts aus dem Krieg . Sie verliert alle ihre
Kinder muß aber wieder in den Handel kommen .
Ob Mitläufer oder nicht, immer müssen die Kleinen sogar die Siege
des eigenen Lagers mitbezahlen.So ist das Stück aus der Perspektive des
Volkes geschrieben.Wäre nun die Courage eine Gestalt des traditionellen
Volkstheaters, so wäre ihr die Sympathie des Publikums sicher - Brecht
verlieh ihr deswegen ihren Händlergeist, um das Publikum auf kritische
Distanz zu bringen.Der Mutterinstinkt der Courage steht aber im krassen
Widerspruch zu ihrem Geschäft mit dem Krieg, dem sie ihre Kinder
opfert.Aber erst das Geschäft liefert die Grundlage ihrer
Existenz.
Brecht lud seine wachsende Verachtung gegenüber den krämerischen
Kleinbürgern auf sie ab, und zwar weil er von der verhängnisvollen
Wechselwirkung zwischen Kleinbürgertum und Faschismus
wußte.
Die Courage spricht in Verhüllungen, die enthüllen sollen, ihre
Klagen gegenüber den Krieg aus: "Mir tut so ein Feldhauptmann leid, er hat
sich vielleicht gedacht er tut was übriges, von dem die Leut noch in
zukünftigen Zeiten reden - und dann scheiterts an den einfachen Leut, die
bloß einen Krug Bier wollen,ein bisserl Gesellschaft- nichts
Höheres".Die Courage stellt sich dumm und verteidigt eine Ansicht mit
solchem Eifer, daß ihre Falschheit jedermann einsieht.Weiters wird die
Anpassung der Courage gezeigt, als sie in kath. Gefangenschaft nach der
Einkaufsmöglichkeiten von Weihkerzen frägt.Die Courage deckt die
billigen Klischeewerte den Spichwörter haben können auf: Der Mensch
denkt: Gott lenkt - .
(Doppelpunkt: Bedeutung!!) Die kritische Korrektur eingefahrenen Denkens
zeigen sich in der Demontage der Kriegs - und Herrschaftsideologie.Die Figuren,
Soldaten haben eine Redeweise mit der entlarvenden Überspitzung und
Demaskierung.Der Feldprediger ist die Figur, mit der Brecht die ideologische
Unterstützung der Militärs durch die Religionsvertreter, sowie die
Verschleierung eines Machtkrieges als Glaubenskrieges zeigen will.
Im Lied von der "großen Kapitulation" lehrt vordergründig die
Courage einen Soldaten vor der Obrigkeit zu kuschen. Doch singt sie auch von
einer Hochmütigen die schließlich doch gezähmt wurde.Nun ist der
Drang des Einzelnen über seine eigene Gesellschaft hinauszuragen und etwas
Außergewöhnliches zu sein fragwürdig, so sind die folgenden
Sanktionen der Gesellschaft noch fragwürdiger.Die Kapitulation erscheint
als Beugung des Einzelnen durch die Gesellschaft.
Die stumme Tochter Kattrin ist der krasse Gegensatz zur Courage. Sie ist
eine tragische Figur insofern sie die Notwendigkeit von Hilfsbereitschaft und
Tugend aufzeigt und demnach handelt - Sie selber ist stumm, kann nie Kinder
bekommen und rettet trotzdem die Stadt Halle.Sie entwickelt sich auch in die
Gegenrichtung der Courage - Sie ist der Widerpart im Geschäftlichen und
geht sogar auf die Mutter mit einem Holzscheit los, als diese kein Leinen
für die Verwundeteten herausrücken will.
Das Volksstück sorgt normalerweise dafür, daß die
Unverbesserlichen wenigstens am Ende zur Räson gebracht werden. Im
kritischen Volksstück von Brecht soll aber auch eine über das Ende
hinausreichende Beunruhigung des Zuschauers zum Nachdenken anregen.
Mutter Courage ist ein Lehrstück.Brecht will,daß das Publikum
aus den Fehlern der Figuren etwas lernt.Er will,daß das Publikum MITDENKT
und nicht mitleidet.
Um dies zu erreichen verwendete er sogenannte
Verfremdungseffekte:
Titelüberschriften ; Kurze Inhaltsangaben (Spruchbänder) ; Songs
in Handlung eingebaut (Paul Dessau) ; zynische Textstellen
Darstellung
Es wird der wirtschaftliche Aufschwung und Fall im Krieg dargestellt
werden.
Beispiel: Menschen(Mutter Courage) müssen den Wagen ziehen. Gegen Ende
ist sie alleine,zerlumpt und zieht den ebenfalls zerlumpten Wagen alleine.Das
Bühnenbild wird gegen Ende immer grauer und armseliger. Brecht zeigt das
Kriegsgeschehen von der Seite der Leidtragenden-dem Volk. Er sieht die wahre
Seite des Krieges und nicht den Heldenepos.Seine Figuren haben nichts
heldenhaftes an sich. (Protagonisten - Antihelden)
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