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Anno Domini
Anno Domini
Stephan Ilaender
12. Januar 1989
Freie Literatur
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Eigene Veröffentlichungen im
Rahmen der Freien Literatur sollten im Aufbau diesem Dokument ähneln
und insbesondere den obigen rechtlichen Hinweis und ein kurzes Vorwort
enthalten.
Vorwort:
Die folgende Kurzgeschichte entstand im Rahmen eines
Philosopie--Grundkurses, welchen ich im 12. Schuljahr belegen
,,musste´´. Aufgabe war es eine Kurzgeschichte zum Thema ,,Liebe und
zwischenmenschliche Beziehungen´´ zu verfassen. Der gesamte Text
entstand einen Tag vor dem letzten Abgabetermin (also bitte nicht so pingelig
bei Stil und Inhalt ...).
Anno Domini
Heather schrie. Schweratmend schnellte sie hoch und sah sich mit weit
aufgerissenen Augen um. Erst nach einigen Minuten wurde sie sich ihrer selbst
wieder einigermaßen bewußt. Langsam konnte sie ihre Umgebung wieder
klar erkennen, aber immer noch atmete sie schwer und zuckte bei jedem noch so
leisem Geräusch zusammen. Nach einer Viertelstunde erst fand sie die Kraft,
sich langsam zu erheben. Sie setzte sich aufrecht auf die Bettkante, ließ
ihre Füße baumeln und schlug die Hände vors Gesicht. Wieder ein
Alptraum. Kaum eine Nacht hatte sie in letzter Zeit durchschlafen können.
Immer wieder war sie aus abstrusen Alpträumen hochgeschreckt, und jeder
Traum war schlimmer als der vorhergegangene, schien es ihr. Sie stand schwankend
auf und bewegte sich auf die Waschnische in der anderen Ecke ihres Zimmers zu.
Ihre Wohnung bestand nur aus diesem einen Zimmer. Heather lebte im 212. Stock in
einer Einraumwohnung eines Hochhauses. Das war das einzige, was sie sich hatte
leisten können, denn den Rest ihres Gehaltes musste Heather für
Grundnahrungsmittel ausgeben, die in letzten zehn Jahren zu den teuersten
Gütern überhaupt avanciert waren.
Heather tauchte den Kopf für einige Sekunden in das mit eiskaltem
Wasser gefüllten Waschbecken. Erst danach fühlte sie sich stark genug,
sich mit ihrem Alptraum zu beschäftigen, aber alles, was von ihm noch
übriggeblieben war, waren dunkle, schemenhafte Bilder. Nach einigen Minuten
gab sie es auf und begann, obwohl es noch viel zu früh war, sich für
den Tag fertigzumachen. Als sie sich angezogen hatte, warf sie sich auf ihr
Bett, drehte das Gesicht zur Decke und dachte an nichts. An manchen Tagen
brachte es Heather eine fast schon perverse Freude, sich dieser inneren Leere
hinzugeben, für einen Moment wie tot zu sein. Aber dieses Gefühl
brachte ihr auch Kummer und Schmerz. Jedesmal mehr.
Heather sprang auf, begab sich zu ihrer Wohnungstür und trat nach
einem vorsichtigen, prüfenden Blick in den übelriechenden Flur des
212. Stocks hinaus. Zwei Tote allein in diesem Monat, in diesem Hochhaus --
dieser Gedanke schoß Heather immer wieder durch den Kopf, wenn sie ihre
Wohnung verließ. Die Kriminalität hatte in den letzten Jahren
gigantische Ausmaße angenommen, und deshalb war Heather immer vorsichtig,
wenn sie den mit Abfall halb versperrten Flur bis zum Fahrstuhl
durchquerte.
Im Fahrstuhl selbst traf sie nur einen kleinen, scheinbar
übelgelaunten Mann an, der sich mißtrauisch in die andere Ecke des
Fahrstuhls verzog, als sie eintrat. Freunde zu suchen in diesem gigantischen
Hochhaus, hatte sie schon längst aufgegeben, aber daß ihr andere fast
nur mit Mißtrauen, ja sogar Angst begegneten, versetzte ihr jedesmal einen
Stich. Ich lebe mit 100.000 Menschen unter einem Dach, und ich kenne nicht einen
einzigen mit Namen, hatte sie einmal lachend festgestellt. Hinterher hatte sie
sich besoffen, nur um all die Menschen zu vergessen, die sie nicht einmal
kannte. Der Aufzug kam ruckelnd zum Stehen. Heather stockte der Atem, als die
Türen sich öffneten.
Die Türpfosten, auf die sie durch die geöffnetten
Aufzugstüren blickte, waren über und über mit Blut bespritzt,
welches langsam den Türpfosten hinunterlief. Etwas weiter auf dem Boden lag
der zusammengekrümmte Körper einer Frau. An der Stelle, an der vorher
ihr Kopf gewesen sein mußte, existierte nur noch eine blutige Matsche.
Heather war wie gelähmt. Sie starrte mit aufgerissenen Augen auf die
Leiche. Sie hatte diese Frau nie gekannt, und dennoch krampfte sich in ihrer
Brust etwas zusammen, etwas Unbeschreibliches. Eine unheimliche Trauer
übermannte sie, hielt sie fest, füllte ihre sonstige Leere aus. All
die unbestimmten Gefühle, die sie schon in ihren Alpträumen bedroht
hatten, brachen durch, wüteten in ihr. Sie war unfähig, sich zu
bewegen, zu reagieren, und wie in Trance nahm sie wahr, daß der kleine
Mann angefangen hatte zu sprechen. ,,Sauberer Kopfschuß,´´
stellte dieser fest. ,,Das hat man davon,´´ sprach er weiter, ,,wenn
man zu hoch hinaus will. Sie war wohl jemandem im Weg. Pech gehabt.´´
Er lachte wie ein Mensch, der froh war, daß es nicht ihn erwischt hatte.
Nun breitete er seine Zeitung über der Blutlache aus und gelangte so,
trockenen Fußes, aus dem Fahrstuhl. Erst nach einer Viertelstunde
vermochte Heather dasselbe zu tun, und sie verließ den Aufzug, ohne noch
einmal einen Blick auf die Leiche zu werfen. Erst im Zug zur Arbeit, beim Blick
durchs Zugfenster auf die riesigen, schwarzen, bedrohlichen Arbeits- und
Wohnbunker, fand sie sich dazu in der Lage, das Geschehene irgendwie
aufzuarbeiten. Wozu eigentlich leben, fragte sie sich. Für die Wohnung?
Für den Job? Für diese Leere? Die Tote hatte es hinter sich.
Irgendwie. Heather versank immer wieder in ihre innere Leere, bis sie
schließlich nur noch dumpf aus dem Fenster starrte, alle Ereignisse hinter
sich lassend, an nichts mehr dachte. Und das tat gut. Es tat nicht
weh.
Sie erreichte ihren Arbeitsplatz etwas zu spät, aber noch rechtzeitig,
um den nächsten Schock zu erleben. Als sie das Großraumbüro
betrat, war die Luft erfüllt vom kreischenden Gezeter einer Frau. ,,Das
könnt ihr nicht machen. Ich brauche den Job,´´ schrie sie immer
wieder, hoch, schrill und verzweifelt. Als Heather näherkam, erkannte sie,
daß es Marie war, die hysterisch schrie. Marie war die einzige Frau, die
Heather in ihrem Büro namentlich kannte und mit der sie sich schon einige
Male mehr als nur oberflächlich unterhalten hatte. Mit ihr standen zwei
Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes vor ihrem Arbeitsplatz, die wenig liebevoll
den Inhalt von Maries Schreibtisch in zwei Plastiksäcke beförderten.
Marie war puterrot im Gesicht, und Tränen rannen ihre Wangen hinunter,
während sie heiser immer wieder wiederholte: ,,Das geht nicht. Ich
brauche den Job.´´ ,,Was geht hier vor?´´ fragte Heather
, obwohl sie es nur zu gut ahnte. ,,Die Mitarbeiterin 42-C31 wurde entlassen
und wird durch Jung--Mitarbeiterin 12-Z44 ersetzt,´´ antwortete einer
der Sicherheitsbeamten leicht gereizt. ,,Sie kriegt den Job, doch nur weil
sie den Chef geb... hat,´´ brüllte Marie. ,,Diese
Hure,´´ kreischte sie verzweifelt. Aber das ´Sich Hochschlafen`
bzw. ´Hochmorden` hatte sich längst als legitim etabliert, das
wußte Heather. Sie versuchte Marie erst einmal zu beruhigen, auf sie
einzureden. Als die Beamten begannen, die Plastiksäcke mit Maries
Habseligkeiten zum Aufzug zu schleifen, konnte jedoch auch Heather Marie nicht
mehr aufhalten, die sich losriß und mit wutverzerrtem,
tränenüberströmtem Gesicht auf die Sicherheitsbeamten
losstürmte. Aus den wirren Wortfetzen, die Heather von Marie aufschnappte,
verstand sie nur: ,,Wie soll ich überleben?´´,
,,Hure!´´, ,,herzlose Bestien.´´ Heather konnte es nicht
mehr ertragen. Sie fühlte die Wut in sich hochkochen. Schon mehrfach hatte
sie erlebt, daß Leute vom Arbeitsplatz verschwanden, aber nie war sie
selbst dabeigewesen, ja nicht einmal ihre Kollegen, außer denen, die davon
profitiert hatten, war jemals etwas von solchen Geschehnissen ansehbar, denn sie
blieben immer, wie auch jetzt, unbeteiligt, Zuschauer. Jetzt erst bemerkte
Heather, wieviel ihr das bißchen Freundschaft mit Marie bedeutete; sie war
der kleine Motor gewesen, der sie trotz ihrer inneren Leere, trotz der sinnlosen
Umgebung, jeden Morgen hatte aufstehen lassen, der sie daran hinderte, das Atmen
aufzugeben. Heather wollte Marie nicht verlieren, sie durfte Marie nicht
verlieren. Sie stürmte los.
Es war zu spät. Aus dem Handgemenge zwischen Marie und den Beamten hob
sich der Arm eines der Beamten mit der Pistole in der Hand, und der Griff der
Waffe sauste mit roher Gewalt in Maries Gesicht nieder. Knochen splitterten,
Blut spritzte, und Marie sank lautlos zu Boden. Heather stürzte auf Marie,
während die Beamten es eilig hatten, den Fahrstuhl zu erreichen.
Heather klinkte aus. Alles, was sich in den letzten Jahren in ihr angestaut
hatte, brach mit einem Mal hervor. Sie ließ ihrer tiefen Abneigung
gegenüber der Welt, in der sie lebte, freien Lauf. Sie schrie, rannte auf
und ab, heulte, schnodderte und keifte. Sie brüllte ihre Kollegen an,
beschimpfte sie, schlug auf sie ein und steigerte sich dabei immer wieder mehr
in einen tosenden Wirbel von Schmerz und Zorn, der sie mitriß, bis auf
einmal alles um sie herum in ein schwarzes Nichts zerbarst, und sie
bewußtlos wurde.
Heather wachte in einem halbdunkelen Raum auf, den sie nach einem zweiten
Blick als Krankenhauszimmer erkannte. Sie bemühte sich, aus den dunkelen
Fetzen ihrer Erinnerung, die sich mit Stücken ihrer Alpträume
vermischt hatten, ein klares Bild herauszufiltern, was ihr mislang, bis ihr
Marie durch den Kopf schoß. Sie wollte aufspringen und das Krankenhaus
nach ihr durchsuchen, aber sie überlegte sich, daß, da Marie keinen
Job mehr hatte, kein Krankenhaus der Welt sie noch aufnehmen würde, da sie
nicht würde zahlen können. Sozialleistungen jeder Art waren schon
lange abgeschafft. Marie würde zusehen müssen, daß sie sich zu
den Slums durchkämpfen konnte. Dort bestand wenigstens die Chance,
daß sie vielleicht überleben würde. Wenn sie länger in der
Stadt blieb, würde einer der umherstreunenden Gangs sie wahrscheinlich bald
in die Finger bekommen. Heather versuchte sich zu beherrschen, aber sie konnte
nicht mehr, und sie begann zu weinen, und erst Stunden später erlöste
sie ein wirrer Halbschlaf von ihrem Schmerz.
Die erste Krankenhauswoche verstrich wie die meisten Krankenhauswochen in
festgesetzter Routine, und Heather vegetierte mehr schlecht als recht vor sich
hin. Einzig und allein ein Pfleger fiel ihr auf, der sie anders behandelte als
die anderen Pfleger. Er war immer freundlich zu ihr, lächelte sie an und
führte lange Unterhaltungen und Diskussionen mit ihr. Sein Name war Steve,
und in Heathers letzte Krankenhauswoche schienen die beiden unzertrennlich. Er
brachte ihr Blumen, begleitete sie auf ihren Spaziegängen durch die
Korridore und tat alles, sie bei Laune zu halten.
Heather fühlte sich unsicher. Sie war immer noch verbittert,
deprimiert, aber die Freundschaft zu Steve gab ihr mehr als sie jemals gehabt
hatte. Sie hatte sich verkriechen wollen, hatte in ihrer Einsamkeit ertrinken
wollen, aber Steve bedeutete ihr etwas, er half ihr, ihren Schmerz zu
überwinden. Heather fühlte sich innerlich zerrissen. Noch nie hatte
sie für einen Menschen mehr als nur Freundschaft empfunden. Es fiel ihr
schwer, sich zu öffnen, aber Steve schien sie mehr und mehr
auszufüllen. Ihr Leben hatte einen Sinn gefunden. Stündlich ging es
ihr besser. Sie dachte nicht mehr an das Blut im Fahrstuhl, an das krachende
Geräusch der splitternden Knochen, sondern sie dachte an Steve, an den
nächsten Tag, und sie freute sich. ,,Warum tust du das für
mich?´´ fragte sie ihn einmal, als er sie durch den künstlichen
Park des Erdgeschosses begleitete. ,,Was?´´ fragte Steve
zurück. ,,Alles,´´ antwortete Heather, und Steve erwiderte
lächelnd: ,,Ich mag dich halt,´´ und da konnte nun auch Heather
nicht mehr anders als lächeln. Steve nahm ihren Arm. Heather wußte
nicht, wie sie reagieren sollte, und so ließ sie es geschehen.
Zwei Wochen später wurde Heather entlassen. Panische Angst
erfüllte sie, als sie daran dachte, an ihren Arbeitsplatz
zurückzukehren, alle ihre Ängste, all das Erlebte stürzte wieder
auf sie ein. Marie verfolgte sie nachts in ihren Alpträumen, peinigte sie,
quälte sie. Heather fürchtete nichts mehr, als wieder in die
trübe Leere ihres Alltags zurückzukehren. Sie konnte es nicht. Sie
wußte, daß sie es nicht überstehen konnte. Sie sprach mit Steve
über ihre Probleme, und sie war erleichtert, als er versprach, jeden Tag
bei ihr vorbeizuschauen. Einzig und allein die Freude auf Steves Besuch am Abend
gab ihr die Kraft, sich durch den Müll bis zum Fahrstuhl durchzuarbeiten,
den Tag mit ihren stummen Arbeitskollegen zu überstehen, die dumpfe Stadt
zu ertragen, und die Augen vor den Schrecklichen zu schließen und
weiterzumachen. Und Steve kam jeden Abend. Sie aßen zusammen, schwatzten,
lachten, schmusten und liebten sich. Heather konnte wieder atmen, wieder leben,
überleben. Auch an ihrem Arbeitsplatz besuchte Steve Heather, und sie war
über jede Sekunde, die sie sich aus dem dumpfen Kreis ihrer Kollegen
befreien konnte, glücklich. Wenn Steve lächelnd aus dem Aufzug,der zum
Großraumbüro Heathers führte trat, begann für Heather der
Tag. Alles, was vorher gewesen war, und alles, was nachher folgen sollte,
drängte Heather beiseite, Steve war da, und das zählte. Steve gesellte
sich zu Heather, und sie lachten, tuschelten, waren glücklich. ,,So
kann es von mir aus immer weitergehen,´´ sagte Heather an einem dieser
Nachmittage glücklich lächelnd zu Steve, aber er erwiderte ihren Blick
nicht,sondern blickte stumm zu Boden.
Den nächsten Nachmittag wartete Heather vergeblich auf Steve. Sie
wurde unruhig. Etwas konnte nicht stimmen. Er war bisher jeden Nachmittag
gekommen. Wenn es ihn bloß nicht erwischt hat, dachte Heather. Sie
ließ ab von ihrer Arbeit und wanderte unruhig das Büro auf und ab,
immer wieder hoffnungsvoll einen Blick zum Aufzug werfend. Angst stieg in ihr
hoch. Wenn irgendein karrieregeiler Fatzke ihn ´beseitigt` hat, weiß
ich nicht, was ich tue, dachte Heather bei sich. Angst umkrampfte sie immer
mehr, verzehrte sie. Etwas Unfaßbares schien ihren ganzen Körper
einzuquetschen. Sie schwitzte. Steve durfte nichts passiert sein. Heather begann
zu fluchen. Irgendwie mußte sie ihrer Angst Luft machen, aber es half
nichts, noch immer fühlte sie sich wie eingeschnürt. Wieder allein zu
sein würde sie nicht durchstehen. Sie konnte nicht, sie wollte
nicht.
Heather hielt es nicht mehr aus. Sie packte ihren Krempel zusammen und
stürmte los in Richtung des Büros des Abteilungsleiters. Sie wollte
sich den Rest des Tages freinehmen, um Steve zu suchen. Ihr fiel auf, daß
Steve ihr nie gesagt hatte, wo er wohnte. Sie wußte überhaupt recht
wenig von ihm. Egal. Sie mußte hier raus, raus aus diesem stickigen
Büro. Vielleicht würde er in ihrer Wohnung auf sie warten, er hatte ja
einen Schlüssel. Ja, er würde bestimmt zu Hause auf sie warten.
Heather beschleunigte ihren Lauf und stürzte schließlich Hals
über Kopf, ohne anzuklopfen, in das Büro des Abteilungsleiters.
,,Ich brauche den Rest des Tages frei!´´ keuchte sie in das
verdutzte Gesicht des Abteilungsleiters.
Dieser erholte sich nach einigen Sekunden und sagte dann: ,,Ich wollte
sie sowieso gerade rufen lassen´´. ,,Später,´´
stieß Heather hervor. ,,Bitte, ich muß nach
Hause.´´ ,,Dies ist wichtiger,´´ antwortete der
Abteilungsleiter kurz angebunden, und seine plötzliche Härte machte
Heather stutzig. ,,Setzen Sie sich!´´ befahl er, und Heather
ließ sich ohne Widerrede in einen der Sessel fallen. ,,Sie wissen es
vielleicht nicht,´´ begann der Abteilungsleiter jetzt wieder
freundlicher, aber Sie sind in den letzten Wochen einem Sicherheitstest
unterzogen worden´´. Heather schwieg verwirrt. ,,Vermissen Sie nicht
etwas?´´ fragte der Abteilungsleiter mit dümmlich schadenfrohem
Grinsen, als er Heathers Datenbankzugriffskarte vor sie hinwarf. ,,Der
Sicherheitsbeamte, der Sie überprüft hat, meint, es war ein
Kinderspiel, die Karte zu entwenden. Sie sind somit ein untragbares
Sicherheitsrisiko geworden, und deshalb sehen wir uns gezwungen, uns von Ihnen
zu trennen. Sie sind hiermit entlassen. Guten Tag.´´ Damit wandte sich
der Abteilungsleiter wieder interessiert seinen Unterlagen zu.
Heather war unfähig, etwas zu sagen oder zu tun. Sie fühlte sich
völlig taub, völlig benebelt. ,,Wie ist sein Name?´´
fragte sie wie in Trance. ,,Steve Jordan,´´ antwortete der
Abteilungsleiter. ,,Ein ehrgeiziger Mann. Er will hoch hinaus,´´
fügte er noch hinzu, widmete sich dann aber wieder voll und ganz seinen
Unterlagen.
Erst im Zug erwachte Heather wieder aus ihrer Trance, die sie nebelartig
umgeben hatte. Sie hatte keine Ahnung, wie sie es bis zum Zug geschafft hatte,
und es war ihr auch egal. Sie starrte trübe auf die an ihr vorbeihuschende
Stadt. Sie dachte an das Blut im Fahrstuhl, an Marie, an Steve, an alles, an
nichts. Es war ihre letzte Fahrt mit dem Zug.
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