|
Du bist hier: Referate Datenbank | Deutsch
| Goethe, Johann Wolfgang von: Römische Elegien V; S
Goethe, Johann Wolfgang von: Römische Elegien V; S
Hübler, Thomas
LK D
Belegarbeit
“Römische Elegien V” -
“Die Worte des Wahns”
Johann Wolfgang von Goethe Friedrich
Schiller
Aufgabe: Interpretieren Sie vergleichend die klassischen
Gedichte!
Wortzahl: 5130
Gliederung:
I. Literaturtheoretischer Teil
I.1. Klassik allgemein
I.2. Biographie von Johann Wolfgang von Goethe
I.3. Biographie von Friedrich Schiller
II. Vergleichende Gedichtsinterpretation
II.1. “Römische Elegien V” (von
Goethe)
II.2. “Die Worte des Wahns” (von
Schiller)
Johann Wolfgang von Goethe:
“Römische Elegien
V”
Froh empfind ich mich nun auf klassischem Boden
begeistert,
Vor- und Mitwelt spricht lauter und reizender
mir.
Hier befolg ich den Rat, durchblättre die Werke der
Alten
Mit geschäftiger Hand, täglich mit neuem
Genuß.
Aber die Nächte hindurch hält Amor mich anders
beschäftigt;
Werd ich auch halb nur gelehrt, bin ich doch doppelt
beglückt;
Und belehr ich mich nicht, indem ich des lieblichen
Busens
Formen spähe, die Hand leite die Hüften
hinab?
Dann versteh ich den Marmor erst recht: ich denk und
vergleiche.
Sehe mit fühlendem Aug´, fühle mit sehender
Hand.
Raubt die liebste denn gleich mir einige Stunden des
Tages,
Gibt sie die Stunden der Nacht mir zu Entschädigung
hin.
Wird doch nicht immer geküßt, es wird
vernünftig gesprochen;
Überfällt sie der Schlaf, lieg ich und denke mir
viel.
Oftmals hab ich auch schon in ihren Armen
gedichtet
Und des Hexameters Maß leise mit fingernder
Hand
Ihr auf den Rücken gezählt. Sie atmet in
lieblichem Schlummer,
Und es durchglühet ihr Hauch mir bis ins Tiefste der
Brust.
Armor schüret die Lamp´ indes und denket der
Zeiten,
Da er den nämlichen Dienst seinen Triumvirn
getan.
Friedrich Schiller:
“Die Worte des Wahns”
Drei Worte hört man bedeutungsschwer,
Im Munde der Guten der Besten;
Sie schallen vergeblich, ihr Klang ist
leer,
Sie können nicht helfen und
trösten.
Verscherzt ist dem Mensch des Lebens
Frucht,
Solang er die Schatten zu haschen sucht.
Solang er glaubt an die Goldene Zeit,
Wo das Rechte, das Gute wird siegen.-
Das Rechte, das Gute führt ewig
Streit,
Nie wird der Feind ihm erliegen,
Und erstickst du ihn nicht in den Lüften
frei,
Stets wächst ihm die Kraft auf Erden
neu.
Solang er glaubt, daß das buhlende
Glück
Sich dem Edeln vereinigen werde -
Dem Schlechten folgt es mit Liebesblick,
nicht dem Guten gehöret die Erde.
Er ist ein Fremdling, er wandert aus
Und suchet ein unvergänglich Haus.
Solang er glaubt, daß dem irdschen
Verstand
Die Wahrheit je wird erscheinen,
Ihren Schleier hebt keine sterbliche Hand,
Wir können nur raten und meinen.
Du kerkerst den Geist in ein tönend
Wort,
Doch der freie wandelt im Sturme fort.
Drum, edle Seele, entreiß dich dem
Wahn
Und den himmlischen Glauben bewahre!
Was kein Ohr vernahm, was die Augen nicht
sahn,
Es ist dennoch das Schöne, das Wahre!
Es ist nicht draußen, da sucht es der
Tor,
Es ist in dir, du bringst es ewig
hervor.
I. Literaturtheoretischer Teil
I. 1. Klassik (1786-1905)
Klassik - Goethe - Schiller. Diese Begriffe stehen in der dt. literarischen
Klassik eng nebeneinander. Aus diesem Grund muß man, um literarische Werke
dieser berühmten deutschen Philosophen interpretieren zu können,
näher auf die Klassik und den Biographien beider eingehen. Das Wort Klassik
stammt von dem griechischen Wort “classicus” ab. Im allgemeinen ist
die Klassik Bezeichnung für kulturelle Höhepunkte, wie zum Beispiel
der Kunst, der Musik und, besonders für uns von Interesse, der Literatur.
Beispiele für Höhepunkte der Literatur außerhalb Deutschlands
ist die Zeit Shakespeares in England und die des Raciens und Molier in
Frankreich. In der deutschen Literatur folgt nach der heute weniger bekannten
mittelhochdeutschen Klassik des 12 Jh., eine jüngere und gleichzeitig
stärker nachwirkende Klassik im 18. Jh.. Unabstreitbar wurde diese
“zweite” Klassik hauptsächlich durch Goethe und Schiller
geprägt. Aus diesem Grund und der Tatsache, daß beide teilweise in
Weimar seßhaft waren, wird diese Epoche als “Weimarer Klassik”
bezeichnet. Begrenzt wird die Weimarer Klassik zeitlich durch Goethes
Italienreise (1786) und Schillers Tod (1805). Sie verdient ihren Namen nicht nur
als eine zweite Gipfelleistung der deutschen Literatur, sondern auch weil sie an
das Humanitätsideal bzw. der Kunstauffassung der Renaissance anknüpft.
Damit steht sie, wie die Renaissance in enger Verbindung zur Antike. Infolge
dieser Verbindung kommt es in der Klassik, in Bezug auf den Inhalt und im
formalen Aufbau, zu einer Anlehnung an das Beispiel der griechischen und
lateinischen Dichter, wie Homer, Aischylos, Sophokles, Euripdes, Vergil und
Horaz. Eine weitere inhaltliche Auswirkung dieser Beziehung, zwischen Klassik
und Antike, wird durch die vorrangige Benutzung von Maß und Form anstatt
der Neuheit und Kraft verdeutlicht. Dabei besteht zwischen Klassik und Antike
jedoch kein Nachahmungsverhältnis, sondern eine Art Spannung, wie es sich
in Goethes Werk “Iphigenie” ausdrückt.
Welche historischen - geistesgeschichtlichen Hintergründe bestimmen
die deutsche Klassik?
Das prägenste historische Ereignis für die Klassik stellt die
Französische Revolution mit ihren Forderungen nach Freiheit, Gleichheit und
Brüderlichkeit dar. Mit ihr im engen Zusammenhang steht das Ringen um eine
bürgerliche Verfassung, der Prägung des Begriffs “Nation”
und daraus entstehend die drei Grundstrukturen der Gesellschaft - Nationalismus,
Liberalismus und Imperialismus. Mit den politischen Vorgängen in Frankreich
setzen sich die deutschen Intellektuellen und Künstler philosophisch, nicht
politisch, auseinander. Somit kam es, in Anbetracht der Ereignisse, teils zu
Abscheu und teils zu Begeisterung unter den Philosophen. Als
geistesgeschichtlicher Hintergrund, ist wohl die Lehre Immanuel Kants zu
betrachten. Seiner Ansicht nach ist der Mensch, als Person, an das Naturgesetz
gebunden und folgt seinen äußeren Einflüssen. Kant spricht im
Gesamten einerseits den Idealismus der Vernunft an, von dem besonders Schiller
nachhaltig beeinflußt wurde und andererseits den Idealismus der Natur, der
besonders in Goethes Werken Anklang fand.
I. 2. Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28.08.1749 als Kind angesehener und
wohlhabender Bürger in Frankfurt am Main geboren. Unter diesem Aspekt wuchs
Goethe in einer Umgebung bürgerlicher Erziehung heran. Durch diese
Erziehung lernte der junge Goethe sechs Sprachen und den Umgang mit
entsprechender Literatur. Schon jetzt verfaßte er eine Vielzahl von
Erzählungen und kleineren Stücken. 1765 begann er, auf Wunsch seines
Vaters, das Rechtsstudium in Leipzig. Dies tat er jedoch nicht aus Neigung
für das Gebiet, sondern sich auf einen Beruf, der ihm Geld zum leben gibt,
vorzubereiten. In dieser Zeit zeichnete und malte er bzw. schrieb Gedichte im
Stil des Rokoko, welche auf die weltstädtische Atmosphäre Leipzigs
zurückzuschließen sind. Drei Jahre später (1768 ) mußte er
sein Studium in Leipzig, wegen schwerer Krankheit, vorzeitig abbrechen und kehrt
daraufhin in seine Heimatstadt zurück. Hier, unter dem Einfluß der
Pietistin Susanne von Klettenberg, beschäftigte er sich mit Fragen der
Alchemie und Mystik. Alle Bemühungen Klettenbergs, Goethe zu
religiösen Erfahrungen anzuleiten, waren durchaus erfolgreich und
vermittelten ihm so die Fähigkeit zu physiologischen Wahrnehmungen. Im
Jahre 1770 konnte Goethe, nach längerer Zeit der Genesung, sein Studium in
Straßburg fortsetzen, um es schließlich mit dem Lizentat der Rechte
abzuschließen. Zu dieser Zeit (1770-1771) macht er die Bekanntschaft mit
Johann Gottfried Herder, die für ihn wichtiger als sein formaler
Studienabschluß war. Herder machte Goethe mit der deutschen Vergangenheit,
mit Shakespeares Dichtungen und dem Volkslied vertraut. Ebenfalls war es Herder,
der Goethe die Liebe zur Sesenheimer Pfarrerstochter Frederike Brion
eröffnete. Durch diese Liebe und der Beschäftigung mit der
Volksdichtung wurde seine Lyrik, die im Gegensatz zur Rokokolyrik
persönliche Erfahrungen zum Ausdruck brachte, gekennzeichnet. Im selben
Jahr war Goethe als Rechtsanwalt in Frankfurt tätig. Ebenso, wie in der
Zeit mit Herder, waren ihm auch hier der Umgang mit künstlerisch -
literarisch interessierten Freunden wichtiger als seine Arbeit in der Kanzlei.
1772 ging Goethe als Referendar nach Wetzlar, an das dortige
Reichskammergericht. In den Jahren bis 1775 schrieb er außer seinem
Briefroman “Die Leiden des jungen Werthers”, satirische Schauspiele,
sowie das Drama “Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand”
und den “Urfaust”. Das Jahr 1775 bedeutete einen wichtigen
Einschnitt im Leben des Dichters, einerseits begründet durch die
Einberufung als Mitglied der Regierung des Herzogtums Weimar und andererseits
durch das Antreten als Vertrauter des Erbprinzen bzw. des Herzogs. Hiermit
endete das jungendlich -
ungebundene Leben und es begann ein neuer Lebensabschnitt, der Goethe an
die Pflichten der Verwaltung band. Dabei kümmerte er sich um Bergbau,
Wegebau, Militärwesen und leitete die Direktion der staatlichen Finanzen.
Außerdem begleitete er das Amt des Leiter am Lieb-habertheater des Hofes.
Aufgrund der Liebe zur verheirateten Hofdame Charlotte von Stein, welcher er
immer mit der gesellschaftlich gebotenen Distanz gegenüberstand, empfand er
dieses Leben als Einengung. Aus diesem Grund, ist sein Aufbruch nach Italien
(1796) durchaus als Flucht zu verstehen. In Italien setzte er seine Naturstudien
fort bzw. vertiefte sie. Auch in Italien wurde ihm endlich klar, daß sein
Talent im Dichten lag und nicht im Malen. Nach seiner Rückkehr nach Weimar
(1788) ließ er sich von einer Vielzahl seiner Verpflichtungen entlasten
und wurde schließlich, durch seine Beziehung mit Christiane Vulpius, die
er 1806 heiratete, zu einem seßhaften Hausherr. 1794 begann die
Freundschaft mit Schiller, die trotz eines gewissen
Konkurrenzverhältnisses, das zwischen den beiden herrschte, von intensivem
Gedanken-austausch und gegenseitiger Förderung geprägt war. Schiller
drängt Goethe so zur Weiterführung von Werken, wie “Faust”
(1831 beendet) und “Wilhelm Meister” (1828 beendet). Auf der
Grundlage gemeinsamer Überzeugung von der Aufgabe und vom Wesen der Kunst
bildeten beide eine Partei, die sich polemisch mit abweichenden
Kunstauffassungen auseinandersetzte. Mit Schillers Tod (1805) setzte sich die
Einsamkeit, trotzt aller Geselligkeit im Haus Goethe ein. Er distanzierte sich
zunehmend von den Romantikern, was sich jedoch nicht auf die Elemente der
Romantik in seinen Werken auswirkte. Goethe starb 1832 in Weimar, nachdem ihn
der Tod seiner Frau (1816), der Tod des Herzogs und der seines Sohnes (1830)
seelisch schwer mitgenommen hatte.
I. 3. Friedrich Schiller (1759-1805)
Friedrich Schiller wurde 1759 in Marbach am Neckar als Sohn eines
herzoglich - würtenbergischen Leutnants und Wundarztes geboren. Gebunden an
diesen Beruf war ein schlechtes Endgeld und ein mehrfacher Wohnungswechsel der
Familie Schiller. Schillers eigener Berufswunsch, Pfarrer zu werden, wurde von
Herzog Carl Eugen übergangen, da dieser durchaus dieses Recht als
Vorgesetzter seines Vaters besaß. Unter diesen Umständen tritt
Schiller in die Militärsakademie des Herzogs in Stuttgart ein. Im Jahr 1772
begann Schiller dort zunächst mit dem Studium der Rechte, von dem er sich
1776 jedoch abwandte und zur Medizin überging. Zu dieser Zeit, trotz
geringer Freizeit, schrieb Schiller Gedichte und arbeitete an seinem ersten
Drama “Die Räuber”. 1782 wurde das Stück in Mannheim mit
großen Erfolg zum ersten Mal aufgeführt. Bedingt durch die
Aufführung war Schiller zweimal ohne Urlaub nach Mannheim gereist. Der
Herzog ließ Schiller, seinen Militärarzt, daraufhin für zwei
Wochen einsperren und verbot ihm weitere literarische Tätigkeit. Schiller
entzog sich der Reglementierung des Herzogs mit der Flucht in das
kurpfälzische Mannheim. Durch die Ablehnung seines neuen
Theaterstückes “Fiesco” wuchsen seine finanziellen
Schwierigkeiten. Erst durch das Angebot von Henriette von Wolzogens, auf ihrem
thüringischen Gut “Bauerbach” unterzukommen, ging es Schiller
finanziell wieder besser. Gleichzeitig schrieb er hier sein Werk “Luise
Millerin” (“Kabale und Liebe”) und begann die Arbeiten an
“Don Carlos”. Von Dalberg, dem mannheimer Theaterintendanten bekam
Schiller 1783 einen befristeten Vertrag als Theaterdichter angeboten. Mit dem
Ende seines Vertrages, verließ er Mannheim und war aus finanziellen
Gründen auf Kredite und Vorschüsse von Verlegern und diversen Freunden
angewiesen. Dazu gehörten vor allem sein Freund Christian Gottfried
Körner und der Verleger Göschen. Seine unsichere wirtschaftliche Lage
zwang Schiller zu einem Wanderleben, in dem er Städte, wie Leipzig,
Dresden, Weimar und Jena besuchte. In dieser Zeit begann er mit seinen
historischen Studien, unter dessen Voraussetzung und Goethes Unterstützung
ihm eine Professur für Geschichte übertragen wurde. Auch diese
Tätigkeit bedeutete für Schiller eine Last, da er zunächst kein
festes Gehalt bekam und sein Interessen nach wie vor der Dichtung galten. Erst
1790 sicherte der Herzog ihm ein festes Gehalt zu. Dieses ermöglichte
Schiller, den neugegründeten Haushalt mit seiner 1790 geheirateten
Charlotte von Lengenfeld zu sichern und mit dem Existenzminimum denselbigen
aufrechtzuerhalten. 1791 erkrankte Schiller an einer lebensgefährlichen
Lungenentzündung, von dessen Zeitpunkt an sein gesamtes restliches Leben
stets mit Beschwerden und Krankheiten verbunden war. 1794 begann bei Schiller,
durch die Freundschaft mit Goethe, die letzte sehr produktive Lebensphase, in
welcher er frei von jeglichen wirtschaftlichen Problemen war. Grund für
diese wirtschaftliche Freiheit ist die jährliche Pension in Höhe von
1000 Talern, welche er vom dänischen Prinz von Augustenberg bezog. Gerade
in dieser Zeit entstanden Werke, wie “Wallenstein” (1797-1799),
“Maria Stuart” (1799-1800), “Die Jungfrau von Orleans”
(1800-1801) u.v.a. . Im Jahre 1805 verstarb Schiller und wurde später,
ebenso wie Goethe, in Weimar beigesetzt.
Zu diesen, in der Klassik entstandenen Werken, gehören auch die
Gedichte: “Römische Elegien V” von Johann Wolfgang Goethe und
“Die Worte des Wahns” von Friedrich Schiller, welche nach dem etwas
ausführlichen aber jedoch notwendigen Exkurs interpretieren zu vergleichen
sind.
II. Vergleichende Gedichtsinterpretation
Die “V. Römische Elegie” ist eins von insgesamt 24
Elegien, welche von Goethe, nach seinem Italienaufenthalt (1786-1788)
verfaßt und später in Weimar niedergeschrieben worden. Alle Gedichte,
dieses sehr umfassenden Werkes stehen thematisch im Zusammenhang und bilden
einen klar gegliederten Folgeablauf der Geschehnisse bzw. Handlungen Goethes in
Italien. In den einzelnen Werken wird deutlich, daß “Die
Römischen Elegien” nicht unter Einwirkung der Klassik, wie es Goethe
in der ersten Zeile der V. Elegie vermuten läßt (“[...] auf
klassischem Boden [...]”), entstanden sind. Sie entstanden vielmehr in der
nachitalienischen Zeit, in der Goethe durch neue historische Ereignisse (vor
allem derjenigen der Französischen Revolution) und durch persönliche
Erlebnisse mit Christiane Vulpius beeinflußt wurde. Besonderen
Einfluß nahmen die persönlichen Erlebnisse auf den Inhalt der
Elegien, in welchen überwiegend die Erotik im Mittelpunkt steht. Deutlich
wird dies auch, wenn man sich den ursprünglichen Titel der
Sammelhandschrift der “Römischen Elegien” anschaut -
“Erotica Romana”. Inhaltlich schildert Goethe in seiner
“Fünften Elegie” einerseits die Begeisterung des lyrischen Ich,
sich auf “klassischem Boden” zu befinden, um genußvoll die
“Werke der Alten” (Vers 3) durchzublättern, aber andererseits
auch die Vorteile des praktischen Studiums am weiblichen Körper, welches
ihm durch Amor ermöglicht wird. Den Zweck des praktischen Studiums sieht
das lyrische Ich dabei ebenso im Vergnügen, wie auch im besseren Verstehen
und Vergleichen mit den “Werken der Alten” (Vers 9). Schon in dem
ersten Vers der “Fünften Elegie” schildert Goethe die
nachdrücklichen Empfindungen, welche ihn und alle anderen Rom Besucher auf
“klassischem Boden” bewegt. Zu dem “Froh” (Vers 1), was
er zum Zeitpunkt seines Rombesuches ist, kommt ein “begeistert”
(Vers1) hinzu, das seine Fröhlichkeit noch verstärkt. Ebenfalls mit
dem ersten Vers scheint ein neues und verändertes Lebensgefühle des
Dichters einzutreten. So äußert sich dies auch in dem zweiten Vers.
Seine Sinne scheinen offener für Eindrücke aus der Außenwelt,
welche ihm zudem “lauter” und “reizender” erscheinen als
vorher (“[...]spricht lauter und reizender mir”, Vers 2).
Die zweite Strophe trägt neben der Veräußerung seiner
zunehmenden Sensibilität eine weitere Funktion. In ihr legt Goethe die Zeit
fest, von der er die Eindrücke für seine Veränderung erhält.
Für ihn sind auf “klassischem Boden” die Vergangenheit
(“Vorwelt”) und die Gegenwart (“Mitwelt”) gleichsam
präsent und wirksam. Goethe verfolgte mit seiner Italienreise also
verschiedene Absichten. Auf der einen Seite will er aus der Verengung seines
Lebens, bedingt durch die ihm auferlegten Pflichten, entfliehen, um andererseits
seine Naturstudien hier in Italien fortzusetzen und zu vertiefen. Letztere
Absicht wird deutlich in Vers 3 bemerkbar, in der er auf Rat einer
außenstehenden, nicht näher bestimmten Person die “Werke der
Alten” mit täglichem Genuß durchblättert (“Hier
befolg ich den Rat, durchblättre die Werke der Alten [...]”, Vers 3).
Auffällig ist der im Gesamtwerk viermalige Gebrauch des Begriffes
“Hand”. Die “Hand”, welche in Vers 4, 8, 10 und 16
auftritt, scheint dabei offenbar als Symbol des weltlichen Seins zu fungieren
bzw. Goethes Handlungen zu beschreiben. So ist es die Hand, welche in Vers 3 die
“Werke der Alten” durchblättert. Die gleiche Hand ist es, die
über die Hüfte der Geliebten gleitet oder gar leise des Hexameters
Maß auf ihren Rücken zählt (“[...]die Hand leite die
Hüften hinab?”, Vers 8; ”Und des Hexameters Maß leise mit
fingernder Hand [...]”, Vers 16). Eine besondere Aussage über die
Hand trifft Goethe in Vers 10 (“Sehe mit fühlendem Aug’,
fühle mit sehender Hand”). Goethe vertauscht somit die Rollen von
Hand und Auge. Die Hand, welche eigentlich fühlt, ist bei ihm
“sehend”. Das Auge, welches normalerweise sieht, wird in Goethes
Werk “fühlend”. In seinem Werk sieht Goethe letztendlich die
Hand als das Organ des Verstehens, des Fühlens und seiner dichterischen
Produktivität. Was der ursprüngliche Titel “Erotica
Romana” über den Inhalt der “Römischen Elegien”
aussagt, spiegelt sich ebenfalls in Goethes “Fünfter Elegie”
wieder. Dieser unterteilt seine Studien in einen “theoretischen” und
einen “praktischen” Teil. In dem theoretischen Teil, welchen er
tagsüber nachgeht, bezieht sich Goethe auf das Studium in den “Werken
der Alten”. Nachts aber wendet er sich von diesen ab und widmet sich, mit
Amors Hilfe, ganz dem praktischen Teil - der Liebe zu. Im umfassenden Sinn ist
Amor so in der “Fünften Elegie” doppelt tätig.
Tagsüber wird er von Goethe in den “Werken der Alten”
vorgefunden, aber nachts ist er gegenwärtig im Dienst der Liebe und
der Philosophie (Vers 5).
Goethe selbst sieht das praktische Studium zwar für nur halb so
lehrsam, nimmt dies aber unter Anbetracht des doppelten Glücks infolge der
Liebe gern in Kauf (“Wird ich auch halb nur gelehrt, bin ich doch doppelt
beglückt [...]”, Vers 6). Gut wird an dieser Stelle des Werkes
Goethes innerliche Beunruhigung, infolge der Vernachlässigung des Lernens,
deutlich. Um sein Handeln nun weiterhin zu rechtfertigen, schließt sich in
Vers 7 bis 8 eine rhetorische Frage an. In ihr versucht Goethe, die Liebe und
das damit verbundene Glück zu formalisieren und ihr eine Form der
Lehrsamkeit zuzuordnen (“Und belehr ich mich nicht, indem ich des
lieblichen Busens / Formen spähe, die Hand leite die Hüften
hinab?”). Mit diesem Versuch will es ihm offenbar gelingen, die Liebe und
die Lehre zu verbinden, so daß sie sich nicht gegenseitig
ausschließen bzw. weitere Rechtfertigungen nicht mehr nötig sind. In
dem folgenden neunten Vers bringt Goethe schließlich auch die Vorteile
für die Liebe als Studium an (“Dann versteh ich den Marmor erst recht
[...]”). Denn erst durch diese Empfindung wird es Goethe möglich, den
“Marmor”, welcher hier als Symbol für die Stadt Rom und ihre
Werke steht, zu verstehen. Weiterhin kann er über die errungenen
Empfindungen reflektieren und sie mit dem niedergeschriebenen, wie zum Beispiel
den “Werken der Alten”, vergleichen (“[...] erst recht: ich
denk und vergleiche.”, Vers 9). Besonders gut kann man an diesem Satz die
Bedeutung des Wortes Liebes, wie sie Goethe erlebte, nachvollziehen. Die Liebe
ist für ihn die fehlende Ergänzung in Bezug auf die theoretischen
Werke, wobei sie auf Grund des körperlichen und geistigen Glücks keine
Abneigung findet. Selbst wenn die Geliebte ihm einige Stunden des Tages
“raubt”, ist die Erwartung der Nacht und ihre Hingabe für
Goethe ausgleichend genug
(“Raubt die Liebste denn gleich mir einige Stunden des Tages, / Gibt
sie die Stunden der Nacht mir zur Entschädigung hin.”, Vers 11).
Dabei beschränkt er die Beziehung zu seiner Geliebten jedoch nicht nur auf
das Küssen oder den körperlichen Kontakt, sondern räumt seiner
Beziehung ebenso Platz für Gespräche ein, welche so schon oft zur
Anregung und Inspiration für seine Werke wurden (“Wird doch nicht
immer geküßt, es wird vernünftig gesprochen [...]”, Vers
13). Sollte sie dann darausfolgend dem Schlaf ermatten, so tut er ihr es nicht
gleich, sondern legt sich nur hin und überdenkt so manch Gesagtes und
Erlebtes (“Überfällt sie der Schlaf, lieg ich und denke mir
viel.”, Vers 14). An diesem Punkt, der “Fünften Elegie”,
läßt sich eine Parallele zu Vers 9 feststellen, wobei lediglich das
Motiv wechselt. In Vers neun ist die Liebe, in engen Bezug auf den
körperlichen Kontakt, Anlaß zum nachdenken. Im Vers 14 dagegen ist
das Gespräch der Auslöser des Denkens. Durchaus läßt sich
bei genaueren hinsehen, in der sich äußernden Liebe, eine Abfolge
erkennen, die Goethe durch gezieltes Einsetzen von bestimmten Verben hervorhebt.
Für ihn entwickelt sich die Wirkung der Liebe in folgenden Schritten: Der
Liebende belehrt sich (Vers 7), er versteht, denkt und vergleicht (Vers 9), er
sieht und fühlt (Vers 10), “es wird vernünftig gesprochen”
(Vers 13), der Liebhaber denkt sich viel (Vers 14) und hat schließlich,
wie er selbst erwähnt, schon oft in den Armen der Geliebten gedichtet (Vers
15). Durch diese Wahl der Wörter und vor allem dem damit verbundenen Inhalt
offenbart Goethe, daß das Empfinden, das Denken und das Dichten in dieser
Liebesdichtung aufs engste zusammengehören. Bestätigt wird die
Tatsache, daß sich hierbei um eine Liebesdichtung handelt , durch das
mehrfache Auftreten von Amor, dem Gott der Liebe. In der Klassik selbst war Amor
der Inbegriff der Stetigkeit zwischen dem Alten und dem Neuen. Seine Macht, ist
die Macht der Sinnlichkeit. Besonders zum Ausdruck kommt diese Definition in den
Schlußzeilen der “Fünften Elegie” (“Amor
schüret die Lamp’ indes und denket der Zeiten, / Da er den
nämlichen Dienst seinen Triumvirn getan.”, Vers 19 bis 20). Zu den
Merkmalen dieses Amors gehören sowohl die Betätigung als Gott der
Liebe als auch die Nachdenklichkeit (“[...] denket der Zeiten
[...]”). Den sich Liebenden stellt er das Licht der Lampe zur
Verfügung. Genau so, wie er es ist, der das Feuer ihrer Liebe schürt
bzw. es immer wieder entflammt. Wie zu Zeiten der altrömischen
Liebesdichter. Goethes Stärke seiner Gefühle werden vor allem in den
Versen 17-18 deutlich. In diesen verwendet er Wörter, wie
“durchglühet” und “lieblich” , welche von sehr
starken Liebesgefühlen zeugen. Neben der inhaltlichen Anlehnung an die
spätrömischen Liebeselegien kommt es in Goethes “Fünften
Elegie” ebenfalls zu einer formellen Anlehnung. Mit diesem Werk bedient er
sich zum ersten Mal der elegischen Versart. Diese benutzt Goethe, indem er
Hexameter und Pentameter verbindet, so daß die 20zeilige Elegie aus einer
Reihe von Distichen besteht. Er selbst beschreibt diese Aneignung der
römischen Formentradition in der “Fünften Elegie” so:
“[...] des Hexameters Maß leise mit fingernder Hand [...]”,
Vers 16.
Im Gegensatz zum formalen Aufbau Goethes “Fünfter Elegie”,
welche beim ersten überfliegen mehr oder weniger einer Erzählung
anstatt einem Gedicht ähnelt, macht Schillers “Die Worte des
Wahns” einen klar gegliederten Eindruck. Optisch auffällig ist vor
allem die Einrückung des zweiten und vierten Verses, welche sich bei jeder
Strophe wiederholt und somit völlig im Kontrast zu Goethes kontinuierlichen
Linkszentrierung steht. Ein weiterer Unterschied liegt im Versbau bzw. Metrum.
Während Goethe mit dem Distichon arbeitet, verwendet Schiller in seinem
Gedicht einen standbildhaften Versbau. So wirken bei Schiller die Verse
jederzeit bestimmt und sicher der Aussage, wodurch man dem Gedicht mühelos
die Eigenschaften einer Spruchdichtung zuordnen kann. Zu weiteren Eigenschaften
der Spruchdichtung, welche ebenfalls auf “Die Worte des Wahns”
zutreffen, gehört die zunehmende Charakterannahme der Aussage in bezug auf
das Unumstößliche und Allgemeingültige. Weiterhin besitzt
Schillers “Die Worte des Wahn” im Gegensatz zu Goethes Gedicht eine
Reimform, welche sich aus Kreuz- und Paarreim zusammensetzt. Neben dem formalen
Aufbau findet sich ein weiterer Unterschied im Inhalt der beiden Gedichte.
Währenddessen Goethe in seiner “Fünften Elegie”
hauptsächlich die liebe auf “klassischem Boden” thematisiert,
beschäftigt sich Schiller viel mehr mit historischen Ereignissen, wie der
Französischen Revolution und Reformen im Staat. Eine Besonderheit stellt
deshalb Schillers Forderung an alle Philosophen, sich aus der Geschichte
zurückzuziehen, dar. “Die Worte des Wahns” setzen sich aus
fünf Strophen mit je sechs Versen zusammen, wobei die erste und fünfte
Strophe eine Art Rahmenfunktion einnehmen. Die drei mittleren Strophen, welche
von der ersten und fünften Strophe eingeschlossen werden, besitzen den
gleichen Aufbau, als auch den gleichen Anfang. Sie alle beginnen mit dem Vers:
“Solang er glaubt [...]” und enden mit den Wort bzw. Worten, von
denen Schiller in der oben vorangegangenen Rahmenstrophe spricht: “Drei
Worte hört man, bedeutungsschwer [...]. Bei diesen Worten handelt es sich
in der zweiten Strophe um die “Goldene Zeit”, in der dritten Strophe
um das “buhlende Glück” und in der vierten um den
“irdischen Verstand”. Außer der inhaltlichen Vorbereitung auf
die Wörter des Wahns, trägt die erste Strophe noch zwei weitere
Funktionen. Einerseits soll sie offenbaren, von wem und vor allem welche
Bedeutung Schiller den Worten zumißt. Andererseits ist sie die
Überleitung von der ersten zur zweiten Strophe, welche Schiller durch den
gleichen Anfang der Verse 6 und 7 erreicht (“Solang er die Schatten zu
haschen sucht. / Solang er glaubt an die Goldene Zeit [...]”). Gleich zu
Beginn der ersten Strophe legt Schiller durch die Zeile 2 (“Im Munde der
Guten und Besten”) den Ursprung der Wörter des Wahns fest, welchen er
offenbar ironisch eindeutig auf den Mund der Guten und Besten beschränkt.
Nicht weniger spottend ist die Bedeutung, die er den Wörtern zumißt.
Für ihn sind diese Worte nutzlos, ja geradezu vergleichbar mit dem Schatten
der Wahrheit. In den darauffolgenden Zeilen 4 bis5 zeigt Schiller, mit Hilfe
einer Metapher, das Ergebnis, welches die Menschen ereilt, falls sie nach diesen
“Schatten” greifen (“Verscherzt ist dem Menschen des Lebens
Frucht, / Solang er die Schatten zu haschen sucht.”, Vers 5 bis 6). Somit
sind diese beiden letzen Verse als eine Art inhaltliche Zusammenfassung und
sprachlichen Abschluß der gesamten Strophe anzusehen. Eine weitere
Besonderheit der letzten beiden Verse jeder Strophe, ist die Verbindung durch
einen Paarreim, anstatt des sonst verwendeten Kreuzreims. Nach der
Aufzählung des ersten Wortes des Wahns zu Beginn der zweiten Strophe
ergänzt das Schiller die Aussage der Zeile 7 bzw. stellt diese näher
dar (“[...] an die goldene Zeit, / Wo das Rechte, das Gute wird
siegen.”, Vers 8). In den Zeilen 9 bis 11 enthüllt er
schließlich die Worte des Wahns und betont , daß das
“Böse” im Streit gegen das Gute stets siegen wird. Die Verse 11
bis 12, der Funktion ähnlich, wie die beiden letzten Verse der ersten
Strophe, fassen die gesamte Strophe inhaltlich zusammen und belehren den
Menschen, was er zu tun hat, um den Schein - Wahrheiten nicht zu unterliegen
(“Und erstickst du ihn nicht in den Lüften frei, / Stets wächst
ihm die Kraft auf Erden neu.”). Aus diesem Grund soll der Mensch das
“Böse” schon in der Luft ersticken, da ihm, sobald es die Erde
berührt, neue Kräfte wachsen. In Schillers dritter Strophe
beschäftigt er sich mit dem Wahn des Glücks. Schnell wird ihm klar,
daß das “buhlende Glück”, ähnlich dem ständigen
Sieg des Bösen über das Gute, sich nie mit dem Edlen vereinigen,
sondern stets dem Bösen mit “Liebesblick” folgt (“Solang
er glaubt, daß das buhlende Glück / Sich dem Edeln vereinigen werde
Dem Schlechten folgt es mit Liebesblick [...]”, Vers 14-16). Durch diese
Erkenntnis geläutert, wird Schiller deutlich, daß die Erde dem
“Bösen” und nicht dem “Guten” gehört
(“Nicht dem Guten gehöret die Erde.”, Vers 16). Die Zeilen 17
bis 18 stellen Schillers Sicht auf das Leben der Menschen dar, denn nur dem
Mensch, der als Fremdling seiner eigenen Welt auswandert, wird es möglich
sein, ein “unvergänglich Haus” zu finden (“Er ist ein
Fremdling, er wandert aus / Und suchet ein unvergänglich Haus”).
Dieses “unvergänglich Haus” benutzt Schiller offenbar als
Gegenstück zum Leben auf der Erde. Nur hier ist für ihn das Glück
dem “Edlen” hold. Um den “irdischen Verstand” geht es in
Schillers vierten Strophe. In diesem Moment, mit der Aussprache des 3 Wortes des
Wahns, steht für Schiller eindeutig fest, daß die Wahrheit nie durch
den irdischen Verstand erscheinen wird (“[...] dem irdischen Verstand /
Die Wahrheit je wird erscheinen [...], Vers 19-20). Er steigert seine Aussage in
den Versen 21 und 22 sogar noch und sagt, daß keine “sterbliche
Hand” je den Schleier der Wahrheit heben kann (“Ihren Schleier hebt
keine sterbliche Hand [...]”). Aufgrund dieser Tatsache können wir,
wobei er sich
als Dichter mit einschließt, stets die Wahrheit nur raten und meinen.
Durch die Wortwendung “tönend Wort” konkretisiert Schiller die
in Vers 19 erwähnte “sterbliche Hand”. Gemeint ist damit
speziell die Hand des Dichters, der nur dann den rettenden Hinweis erhält,
wenn er den “Geist” nicht in ein tönendes Wort einsperrt.
Was Schiller mit den je zwei letzten Versen einer jeden Strophe bildhaft
ausdrückt, bringt er in seiner letzten Strophe mit gezielter Wort- und
Satzwahl auf den Punkt. So unterstreicht er gezielt durch Ausrufesätze, wie
in Vers 26 und 28, den Inhalt seiner Aussagen, die dem Mensch in einer Art
Aufforderung entgegensteht. Schiller fordert den Mensch mit “edler
Seele” auf, sich dem Wahn zu entreißen und gleichzeitig bzw. gerade
dafür den himmlischen Glauben zu bewahren. Selbstverständlich ist
für ihn, daß das Schöne und Wahre, welches man das ganze Gedicht
über vergeblich sucht, dennoch existiert. Er versteht das Wahre und
Schöne als Produkt der Seele und somit nie durch Auge oder Ohr vernehmbar
(“Was kein Ohr vernahm, was die Augen nicht sahen, Es ist dennoch das
Schöne, das Wahre!”, Vers 27-28). Mit seinem letzten Satz “Es
ist nicht draußen, da sucht es der Tor, / Es ist in dir, du bringst
es ewig hervor.” spricht Schiller die Leser direkt an und bestätigt
seine vorangegangenen Aussagen.
Trotz der thematischen und formalen Unterschiede zwischen Goethes
“Römischen Elegien V” und Schillers “Die Worte des
Wahns”, spiegeln sich die allgemeinen Merkmale und Tendenzen der Weimarer
Klassik wieder. Die Idealvorstellung der Weimarer Klassik bezieht sich auf die
Natur und Welt, welche zusammen einen gemeinsamen Organismus bilden und jeweils
frei von Willkür und Gewalt sind. Die höchste Bestimmung des Menschen
ist die harmonische Entfaltung aller seiner Kräfte. Aus Läuterung, wie
in Schillers “Die Worte des Wahns” und der Reifung, anzutreffen in
Goethes “Römischen Elegien”, entsteht eine Vereinigung mit dem
Weltkosmos und Weltseele. Das Geistige (“Und den himmlische Glaube
bewahre”, Vers 26 aus “Die Worte des Wahns”) ist Ursprung,
Gegenwart und letzter Sinn alles Seienden. Ihm gegenüber steht das
Kunstwerk, das in sich das Maß und die Vollendung vereint. Das griechisch
- klassische Schönheitsideal wird durch Iphigenie verkörpert. Sie
vereint in sich das Reine, Schöne, Wahre und Gute. Aus der Epoche der
Aufklärung werden die Humanitätsidee und der Toleranzgedanke
übernommen und in bezug auf den vollendeten Mensch noch weiter vertieft.
Das seit dem Sturm und Drang bestimmende tiefe Empfinden wird in der Klassik
verfeinert. Die Formlosigkeit der Empfindung, wie sie früher bestand, gibt
es nun nicht mehr. Der tragische “Wertekonflikt” wird durch
Sittlichkeit überwunden bzw. ermöglicht eine Aussöhnung mit der
Gesellschaft (Schillers Briefe zur Ästhetischen Erziehung).
Quellenverzeichnis:
- Mettenleiter, Peter; Knöble, Stephan:
Blickfeld Deutsch. Paderborn: Ferdinand Schöningh, 1991,
S.211f.
- Kabisch, Eva-Maria: Literaturgeschichte
kurzgefaßt. Stuttgart: Ernst Klett Schulbuchverlag GmbH, 1995,
S.14f.
- Werner Winkler: Abiturtraining Deutsch: Deutsch
3:Leistungs- und Grundkurs.2 Auflage. Freisingen: Stark Verlagsgesellschaft mbH,
1992
- Stadler, Hermann; Dr. Dickopf, Karl: Abitur
Wissen. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag GmbH, 1983, S. 82
f.
- Prof. Dr. Dr. h. c. Gunther Brosdowski, Dr.
Wolfgang Muller: Duden. Mannheim: Dudenverlag, 1996
Literaturverzeichnis:
- Gigl, Claus J.: Deutsche Literaturgeschichte.
Freisingen: Stark Verlagsgesellschaft mbH, 1993, S. 87
ff.
- Brockhaus Enzyklopädie.19. Auflage.
Mannheim: F.A Brockhaus GmbH, 1989, Band 1,
S. 506 ff.
- Brockhaus Enzyklopädie.19. Auflage.
Mannheim: F.A Brockhaus GmbH, 1989, Band 8,
S. 625
ff.
- Brockhaus Enzyklopädie.19. Auflage.
Mannheim: F.A Brockhaus GmbH, 1989, Band 12, S. 51 ff.
- Killy, Walther: Literatur Lexikon: Autoren und
Werke deutscher Sprache. Gütersloh: Bertelsmann Lexikon Verlag, 1989, Band
4, S. 196ff.
- Killy, Walther: Literatur Lexikon: Autoren und
Werke deutscher Sprache. Gütersloh: Bertelsmann Lexikon Verlag, 1989, Band
10, S. 229ff.
- Voigt, Wolfram; Sucker Ulrich: Johann Wolfgang
Goethe als Naturwissenschaftler. 2. Auflage. Leipzig: BSB B. G. Teubner
Verlagsgesellschaft, 1982
- Reclam: Johann Gottfried Herder. 2 Auflage.
Leipzig: Verlag Phillip Reclam jun., 1988
|