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Eco, Umberto: Der Name der Rose
Der Name der Rose - Umberto Eco
von Leonhard Rathner
Umberto Eco kam am 5. Jänner 1932 in Alessandria / Piemont in Italien
zur Welt. Durch seine Lehrtätigkeit als Universitätsdozent und durch
zahlreiche wissenschaftliche Publikationen ist er schonbekannt geworden, doch
mit seinem Erstlingswerk "Der Name der Rose" kam er 1980 zuWeltruhm.
Die Zeitspanne der Handlung dieses Buches beschränkt sich auf sieben
Tage im November 1327. Die Geschichte spielt in einem Bergkloster in Italien. Da
sich Umberto Eco dieses ganze Kloster mit all den Leuten bis ins kleinste Detail
vorgestellt hat, und sich eine fiktive Welt erschaffen hat, muß ich zum
Verständnis des Romans noch auf die Architektur der Abtei eingehen. Von der
Kirche zum Aedificium führt ein Geheimgang. Das Aedificium ist das
Hauptgebäude. Es beinhaltet eine Küche, einen Schreibsaal und die
Bibliothek. Es wird an allen Ecken mit einem Turm abgeschlossen. Die
Schlafsäle der Mönche befinden sich gleich neben der Kirche. Weiters
wichtig sind auch noch der Schweinestall, das Hospital, und das Badehaus. Zu der
Bibliothek ist zu sagen, daß sie wie ein Labyrinth aufgebaut ist. Ein
Raum, das Finis Africae ist nur durch einen Geheimgang zu erreichen.
Der Roman wird in der Ichform aus der Sicht des jungen Adson von Melk,
eines Novizens, vorgetragen.
Adson wandert mit seinem englischen Meister William zu einem in den Bergen
Italiens gelegenen Kloster. Sein Lehrer hat den Ruf sehr schlau zu sein. Im
Kloster angekommen werden die zwei vom Abt Abbo begrüßt und in ihr
Zimmer begleitet. William gibt dem Abt zuvor noch einen Brief des Kaisers. Nach
dem Essen führt der Abt mit William ein vertrauliches Gespräch,
daß Adson unabsichtlich mithört.
Leseprobe Seite 47 ff [Inhalt: Abbo bittet ihn die sonderbaren
Umstände am Mord des Mönches Adalus aufzuklären. Dieser ist vor
kurzem in der Früh unter dem Ostturm des Aedificiums tot aufgefunden
worden. Da kein Fenster offen war, kann er keinen Selbstmord begangen haben.
Seltsam ist auch, daß dieses Gebäude, in dem sich die Küche, ein
Schreibsaal und die Bibliothek befindet, nachts verschlossen ist.]
William, der früher Inquisitor gewesen war, nimmt sich des Falles
sofort an. Der Abt erlaubt den zwei Reisenden, sich frei in der Abtei zu
bewegen, nur die Bibliothek dürfen sie nicht betreten. Das darf nur der
Bibliothekar und dessen Gehilfe, weil es dort auch heidnische und ketzerische
Bücher gibt. Nach dem Essen bemerkt William in der Kirche, daß der
Bibliothekar Malachias plötzlich erscheint, ohne aus dem Hauptgebäude,
dem Aedificium, gegangen zu sein. Der schlaue Mönch schließt sofort
daraus, daß es einen Geheimgang vom Aedificium zur Kirche geben muß.
Am Morgen des zweiten Tages wird der Mönch Venantius kopfüber in
einem Bottich mit Schweineblut tot aufgefunden. Venantius ist nicht ertrunken,
sondern wurde vorher schon getötet. Spuren im Schnee deuten darauf hin,
daß der Tote vom Aedificium hierher getragen worden ist. William versucht,
mit allen Klosterbewohnern ins Gespräch zu kommen, um die Todesfälle
zu klären. William zieht danach seinen ersten wichtigen Schluß:
Adelmus hatte eine Missetat begangen, die er dann einem Mitbewohner gebeicht
hatte. Nach dieser Beichte ist er in Richtung Ostturm gegangen. Dort hatte er
sich von der hohen Mauer in den Tod gestürzt. In der Nacht ist dann seine
Leiche über den Hang abgerutscht, so daß es aussieht, als wäre
er von dem Aedificium aus in den Tod gestürzt worden. Bei der Untersuchung
des 2. Todesfalles sehen Adson und William im Schreibesaal, daß der tote
Venantius an einem heidnischen Buch gearbeitet hatte. Dies wollen sie genauer
untersuchen, doch der Mönch Benno lenkt sie ab, und fordert sie auf, mit
ihm zum abgelegenen Badehaus zu gehen. Dort möchte er ihnen eine Geschichte
erzählen. William und Adson erfahren eine Ungeheuerlichkeit: Berengar und
Adelmus hatten Unzucht getrieben. Der Bibliothekarsgehilfe Berengar hatte ihm
ein Geheimnis anvertraut. Adelmus hatte sein Wissen mißbraucht, ist
weggelaufen, und hatte das alles Venantius erzählt. Dieses Wissen hatte
Venantius in den Tod geführt. Nun wissen William und Adson über die
Todesfälle, doch das Geheimnis ist noch lange nicht gelöst. Einige
Zeit später erfährt William vom ältesten Mönch des Klosters,
daß die Bibliothek wie ein Labyrinth aufgebaut ist. Auch gibt es einen
Geheimgang von der Kirche in das Hauptgebäude. Nach der Messe untersuchen
William und Adson diesen Gang, und kommen dabei in den Schreibesaal. Nun wollen
sie das Buch, daß William zuvor bei Venantius Tisch gesehen hatte,
untersuchen, doch es ist verschwunden. Ein Dieb muß es entwendet haben. Er
hat aber ein Blatt des Buches vergessen. Adson hält es zur öllampe.
Dabei entzündet er es fast. Auf dem rußgeschwärztem Blatt wird
so eine Geheimschrift sichtbar. Ohne Brille kann William diese Geheimschrift
aber nicht entziffern. Darauf hin besuchen sie die Bibliothek, verirren sich,
können aber durch einen Zufall wieder ins Freie gelangen. Draußen
erwartet sie schon der aufgeregte Abt, und teilt ihnen mit, daß der
Bibliothekarsgehilfe Berengar nicht zu finden sei. Auch am Morgen des
nächsten Tages taucht er nicht auf. In der Zwischenzeit hat William die
Geheimschrift teilweise entschlüsselt, doch es ergibt alles noch keinen
Sinn. In der Nacht geht Adson alleine ins Hauptgebäude. In der Küche
sieht er ein Mädchen und einen Mann, der flüchten kann. In dieser
Nacht kann Adson nicht widerstehen, und schläft mit dem Mädchen. Nach
dieser Sündtat schläft er in der Küche ein. In der Zwischenzeit
wird er von William schon gesucht. Dieser findet Adson in der Küche
liegend, und weckt ihn auf. Beide wollen zurück zu ihrer Unterkunft. Der
Weg führt vom Aedificium zur Kirche, und weiter zu ihren Schlafsälen.
Sie werden aber zuvor vom Klosterältesten in der Kirche aufgehalten. Der
Alte glaubt, daß die Morde alle etwas mit der Offenbarung Johannes zu tun
haben. Nach dieser Annahme müßte der vermißte Berengar an einem
Ort, der irgend etwas mit Wasser zu tun hat, sein. Und tatsächlich, William
und Adson finden die Leiche gleich darauf im Badehaus.
Am nächsten Morgen wird entdeckt, daß die Fingerspitzen und die
Zunge des Toten Berengars schwarz sind. Der Botaniker hat kein Gift, das solche
Wirkungen hätte. Aber vor vielen Jahren ist ihm ein Mittel, das er noch
nicht untersuchen konnte, das aber angeblich sehr gefährlich ist, entwendet
worden. Vielleicht hätte dieses Gift so eine Wirkung haben können,
niemand weiß es bis jetzt. Im Laufe des Vormittages trifft William auf den
Mönch Salvatore. Auch dieser weiß eine Geschichte, die er ihm
anvertraut. Er hatte das Mädchen für den Kellermeister eingeschleust.
Er gibt auch zu, daß er und der Kellermeister früher bei einer Sekte
gewesen sind, die streng verboten war, und noch immer ist. Daraufhin
konfrontiert William den Kellermeister mit dieser Aussage. Er bestätigt
das, und ergänzt, daß er gestern Venantius tot in der Küche
gesehen hatte, es aber nicht melden konnte, da man sonst sein nächtliches
Treiben bemerk hätte. Als er in der Früh wieder in die Küche
gekommen ist, war die Leiche schon weggebracht worden. An diesem Tag gelingt es
William auch, die Geheimschrift zu entschlüsseln. Dabei stellt sich heraus,
daß das gestohlene Buch vom Geheimort Finis Africae kommt. Dieser befindet
sich im Labyrinth der Bibliothek. In den letzten Tagen hatte William schon viel
von den geheimnisvollen Morden im Kloster erfahren können, doch ist der
Fall noch lange nicht geklärt. Seine eigentliche Aufgabe das Kloster zu
besuchen ist nämlich eine ganz andere: Er soll Verhandlungen zwischen den
Legationenen des Kaisers und des Papstes führen. Ihre Aufgabe ist es, einen
Vertrag für ein Treffen von Kaiser und Papst zu erstellen. Für die
Sicherheit der Legationen ist der unbarmherzige Inquisitor Bernard Gui
verpflichtet worden. An diesem 4. Tag im Kloster kommen nun diese Legationen an.
In der Nacht beginnen die Bogenschützen des Inquisitors ihre Arbeit. Sie
schnappen Salvatore und das Mädchen. Zur gleichen Zeit durchsuchen William
und Adson das Labyrinth der Bibliothek, das sie endlich durchschauen, und sich
so nicht mehr verirren. Sie finden dabei den Raum Finis Africae, nur der Eingang
dorthin bleibt ihnen noch verborgen. Am 5. Tag beginnen die Legationen der
verschiedenen Parteien über ein mögliches Treffen zu verhandeln. Im
laufe des Tages wird der Gärtner Tod aufgefunden. Er ist erschlagen worden.
Da der Kellermeister am Tatort gefunden wird, wird er verhaftet, und Gui beginnt
die Verhandlung gegen ihn.
Am nächsten Morgen ist der Bibliothekar Malachias am Beginn der Mette
nicht da. Er kommt jedoch bald, kollabiert aber, und stirbt. Auch seine Finger
und seine Zunge sind schwarz, auch er ist vergiftet worden. Benno, der
inzwischen zum Bibliothekarsgehilfen ernannt worden ist, erzählt, daß
man vom alleinigen berühren des Buches nicht stirbt. Er hatte es schon in
der Hand gehabt! Am Abend erkennt William erst durch eine unbeabsichtigte
Wortspielerei von Adson, wie man ins "Finis Africae" vordringen kann. So gehen
sie in die Bibliothek, und hören in der Wendeltreppe zum obersten
Geschoß, daß neben ihnen jemand eingesperrt sein muß. Im
"Finis Africae" erwartet sie schon Jorge. Er sagt, daß der Eingesperrte
der Abt sei, er sei lebendig begraben, man könne ihm nicht mehr helfen. Der
Abt hatte gewollt, daß sich Jorge das Leben nimmt, um die Ehre der Abtei
zu retten. Darum muß Abbo sterben. Der Blind erklärt den beiden, wie
er die restlichen Morde begangen hatte. Er hatte es geschafft, den
Bibliothekaren zu überzeugen, daß er das Buch um jeden Preis
zurück holt. William sieht sich das Buch, das eine Abschrift der Coena
Cypriani ist, an. Alle anderen, die sich den Teil, den Jorge schützen
wollte, ansahen, mußten sich die Finger befeuchten, um das verklebte
Papier auseinander zu bekommen, und so schluckten sie das tödliche Gift,
daß Jorge vor vielen Jahren gestohlen und auf die Seiten aufgetragen
hatte. So hatte er Venantius, Berengar und Malachias vergiftet. Der Grund, warum
Jorge das Buch so verteidigt, ist ganz einfach:
auf den vergifteten Seiten ist eine Abschrift von Aristoteles Coena
Cypriana. Dieses Werk ist für Jorge immer ein Feind der Weisheit des
Christentums gewesen. Daß die Toten nicht umsonst gestorben sind, beginnt
Jorge, daß vergiftete Buch selber zu essen. Dabei löscht er das Licht
aus, und so müssen William und Adson ihn im Labyrinth suchen. Als die zwei
ihn endlich finden, springen sie auf ihn, lassen dabei die öllampe fallen,
und zünden die ganze Bibliothek an. Adson läutet Sturm, alle
Mönche kommen zum Löschen, doch bald greift der Brand sogar auf die
Kirche über. Bald brennt die ganze Abtei.
Nach diesem schrecklichen Unfall ziehen William und Adson weiter. Einige
Jahre später kommt Adson wieder in diese Gegend Italiens zurück und
sieht das Land, trostlos, alles verlassen. Das Buch endet mit den Worten "Die
Rose von einst steht nur noch als Name, uns bleiben nur nackte Namen." Da dieses
Werk einen schlechten Ausgang hat, in dem ein ganzes Kloster und die dort
gelegenen Städte zerstört werden und der Detektiv den Fall erst zu
spät löst, kann man eigentlich nicht von einem Kriminalroman sprechen.
Eco hat es mit diesem Werk geschafft, ein Bild vom Mittelalter zu schaffen,
daß alle wichtigen historischen Merkmale enthält, aber auch etwas vom
Leben der Mönche berichtet. Mit dem Erzähler Adson gelingt es ihm, ein
Medium zu entwickeln, mit dem er auch die geschichtlichen Hintergründe
genau beleuchten kann. Ein besonderes Augenmerk gilt aber der Erzählweise
selber, so berichtet zum Beispiel der Icherzähler eigentlich aus zwei
Stadien seines Lebens. Er spring immer von der Figur des 80jährigen Adsons,
der die Geschichte niederschreibt, in die Person des 18jährigen Adson, der
selber gerade vor Ort ist.
Umberto Eco behauptet noch immer, daß er das Buch nur geschrieben
hat, da er den Drang fühlte, einen Mönch zu vergiften. Erst so hat er
mit den langwierigen Recherchen begonnen.
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