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Ruanda
RUANDA
(Referat von Thomas Gakire)
Gliederung:
I) Überblick über Ruanda
II) Landeskunde
1) Relief
2) Klima
3) Vegetation
III) Bevölkerungsgeschichte
IV) Wirtschaft
1) Bevölkerung
2) Landwirtschaft
3) Handwerk
4) Industrie
5) Tourismus
V) Religion
I) LANDESKUNDLICHER
ÜBERBLICK
Ruanda ist ein tropisches Bergland im Herzen Afrikas und liegt ein bis
zwei Grad südlich des Äquators in einer mittleren Höhenlage
zwischen 1200 und 2000 m. Seine Anrainer sind im Norden Uganda, im Westen Zaire,
im Süden Burundi und im Osten Tanzania. Ruanda wird auch das "Land der
tausend Hügel" genannt, die sich auf einer weitgespannten Rumpffläche
des alten Gondwanasockels erheben. Mit einer Oberfläche von 26338 km²
zählt Ruanda zusammen mit Burundi zu den Kleinstaaten Afrikas. An seiner
Westgrenze erstreckt sich das viele Kilometer breite Ostafrikanische
Grabenbruchsystem mit dem 1550 m hoch gelegenen Kivu See. Die Östliche
Grabenflanke steigt als Randstufe und Wasserscheide zwischen Nil und Kongo fast
bis auf 3000 m Höhe empor. Im leichten Abschwung geht die Randschwelle dann
in die oben bereits erwähnte Hügellandschaft über. Von einigen
Flüssen tief zertalt, neigt sie sich mit leichtem Gefälle zur
Ostgrenze nach Tanzania hin. Besonders beeindruckend sind an der Grenze zu Zaire
und Uganda die Virunga-Vulkane, von denen der Karisimbi die Höhe von 4500 m
übersteigt und in Gipfellage gelegentlich mit Schnee bedeckt ist.
Klimatisch zählt Ruanda zu den immerfeuchten Inneren Tropen mit zwei
Regenzeiten und einer ausgeprägten Trockenzeit von Ende Mai bis September.
Die Mittleren Jahresniederschläge reichen von über 1600 mm auf der
Wasserscheide Zaire-Nil im Westen bis zu weniger als 900 mm in der
Savannenregion im Osten des Landes und gewährleisten einen zweisaisonalen
Ackerbau. Anhaltende Dürreperiode wie in den westafrikanischen Ländern
der Sahelzone gibt es nicht. Dank der Höhenlage sind die Temperaturen
gemäßigt, angenehm zu ertragen und erreichen Durchschnittswerte von
18° bis 21° Celsius. Die jährlichen Temperaturschwankungen sind
gering. Die Jahreszeiten werden von der Niederschlagstätigkeit bestimmt.
Frost und Schneefall gibt es nur in der Gipfellage der Vulkane.
Das ausgeprägte Flusssystem zeigt eine deutliche Anpassung an junge
geologisch-tektonische Strukturen. Die meisten Wasser werden von dem
mächtigen Nyabarongo aufgenommen und über den Akagera durch Tanzania
dem Victoriasee zugeführt.
Vom tropischen Regenwald bis hin zur Baum- und Grassavanne ist die
natürliche Vegetation nur noch in den geschützten Reservaten in ihrer
Urprägung erhalten, überall anderswo hat der Mensch sie zerstört
und in Kulturland überführt.
II) LANDESKUNDE
1) Relief
Nordosten nach Südosten: An die Savannenebenen des
Akagera-Nationalparks schließt das zentrale Hochland an und steigt bis auf
die beinahe 3000 Meter hohen Grabenrandschwelle des zentralafrikanischen
Grabens. Steil abwärts wird schließlich der eineinhalbtausend Meter
tiefer gelegene Kivu-See erreicht.
Ein Profil von Südosten nach Nordwesten nimmt seinen Anfang
auf dem Plateau von Bugesera. Dieses Plateau ist eine Sumpf- und Savannenregion,
die von einem scheinbar regellosen System langgestreckter Seen und seenartig
aufgestauter Flußabschnitte umrahmt wird. Durch das anschließende
Kernland des zentralen Hochplateaus wird das Profil fortgesetzt bis zu den
Vulkanriesen der Virungakette mit der höchsten Erhebung Ruandas, dem 4507 m
hohen Karisimbi.
Die Landschaft Ruandas hat fünf wichtige Teile:
- Die Plateauzone des östlichen Ruandas
- Das Zentrale Hochland
- Die Randschwelle des zentralafrikanischen Grabens
- Die Grabensenke am Kivu-See
- Die Region der Virunga-Vulkane
2) Klima und Vegetation
Das Klima Ruandas, das unmittelbar unter dem Äquator liegt, hebt sich
stark von den anderen Ländern der feucht-heißen Äquatorzone ab.
Die Temperaturen sind milder, die Niederschläge bleiben
geringer.
Der Großteil des besiedelten und kultivierten Landes liegt zwischen
etwa 1500 und 2100 m. Liegt das jährliche Temperaturmittel in den
Tiefländern unter 1500 m bei etwa 21°C, so sind es in 2000 m
Meereshöhe, die weite Teile Ruandas erreichen und übertreffen, nur
noch 17°C. Diese Temperaturen ändern sich das ganze Jahr durch nur um
etwa 3 Grad. Im wärmsten Monat, dem August, erreichen sie kurzfristig
zwischen 22 und 24°, in der kältesten Zeit, dem März und
Oktober-November, erreichen sie 8 - 16°C. Es gibt eine kleine Regenzeit im
Oktober-November und eine kleine Trockenzeit im Dezember-Jänner.
Sie erlauben die für Ruandas Bevölkerung so wichtige zweite
Anbauphase, ohne die das Existenzminimum an Nahrungsmitteln nicht mehr
produziert werden könnte.
3) Vegetation
a) natürliche Vegetation: Wenn auch Ruanda
flächenmäßig zu den kleinen Ländern der Erde gehört,
so findet sich innerhalb seiner Grenzen doch ein breites Spektrum
unterschiedlicher ökologischer Eigenschaften. Dazu trägt vor allem die
ungewöhnlich starke Höhendifferenz bei, die mehr als 3500 m ausmacht
und damit von der tropischen bis in die afro-alpine Stufe reicht.
b) Papyrus
c) Akagera Nationalpark
d) Der Nationalpark der Vulkane
III)
BEVÖLKERUNGSGESCHICHTE
Für die ersten Menschen auf Ruandas Boden war Wald der Lebensraum,
der ihnen alles bot, was sie zu ihrer Existenzsicherung
benötigten.
Die Bevölkerung Ruandas teilt sich in drei Gruppen auf:
1.) Die HUTU
2.) Die TWA
3.) Die TUTSI
1.) TWA
Die Geschichte sage, daß die Twa die Ureinwohner des Landes waren.
Als Jäger und Sammler gehörten sie der großen Gruppe der
Pygmäen an. Sie nutzten die natürlichen Reichtümer, wurden aber
schließlich - wie überall in Afrika - von den vordringenden
Bauernvölkern in unzugängliche Randgebiete abgedrängt.
2.) HUTU
Es waren die Bantu-sprechenden Völker, die am Beginn unserer
Zeitrechnung vermutlich von Nordkamerun aus (andere setzen den Ausgangspunkt
eher in die Nähe des Tschadsees) sich nach Osten und Süden
verbreiteten und damit eine afrikanische Völkerwanderung einleiteten. Etwa
zwischen dem 7. und 10. Jahrhundert siedelten sie sich auf den Hügeln
Ruandas an und brachten den dort siedelnden Twa ihre Kenntnisse der
Landwirtschaft und der Eisenverarbeitung.
Die Hutu, die heute zwischen 80 und 89% der Bevölkerung ausmachen,
gehören zu diesen Bantu-sprechenden Völkern, die sich vom Norden
Ugandas bis nach Zimbabwe ausgebreitet haben. Sie waren die ersten Ackerbauern
der Geschichte, verdrängten die Wälder des zentralen Hochlandes und
griffen massiv in die natürliche Vegetation ein. Durch Brandrodung machten
sie große Flächen für den Anbau frei, mit Axt und Hacke setzten
sie das Werk fort, und ihre ewig hungrigen Ziegenherden fraßen jeden
aufkommenden Schößling weg.
3.) TUTSI
Im 14./15. Jahrhundert wanderten von Norden kommend die Tutsi ein, ein
Hirtenvolk, das ständig auf der Suche nach neuen Weidegründen für
sein Vieh war. Sie sind höher gewachsen als die kräftigen
Hutubauern.
IV) WIRTSCHAFT
1.) Bevölkerungsentwicklung
Die Gesamtbevölkerung beträgt etwa 8 Millionen Menschen, das
bedeutet bei einer Gesamtfläche von 26.338 km² eine durchschnittliche
Bevölkerungsdichte von 274 Einwohner pro km². Dir Bevölkerung
Ruandas teilt sich folgendermaßen in die drei Stämme auf:
Twa: 2%
Tutsi: 15%
Hutu: 83%
Bezieht man die Bevölkerungszahl aber auf die landwirtschaftliche
Nutzfläche, bringt man also die Flächen der Naturparks wie das
Regenwaldgebiet Nyungwe, die Park- und Vulkanregion von Virunga, die
Natursavannenareale des Akageraparkes und die Sumpfgebiete im Südosten des
Landes in Abzug, so ist die Bevölkerungsdichte erheblich größer
und liegt zwischen 400 und 500 Einwohner pro km² landwirtschaftlicher
Nutzfläche.
So gesehen ist Ruanda das am dichtesten besiedelte Land Afrikas.
2.) Die Landwirtschaft
Ruanda ist ein Land mit einer überwiegend bäuerlichen
Bevölkerung. Mehr als 95% der Einwohner leben von der Landwirtschaft. Dies
spiegelt sich auch im Siedlungsbild wider. Die ländlichen Siedlungen
bestimmen das Gesicht der Kulturlandschaft (kompakte geschlossene
Dörfer).
Ruanda ist ein geradezu klassisches Beispiel für ein Land mit
Streusiedlungsweise. Hütten und Häuser sind dicht über das ganze
Land verteilt, doch immer mit deutlicher Distanz zu Nachbarn. Jedes Anwesen
liegt innerhalb seiner landwirtschaftlich genutzten Fläche, häufig
versteckt in der Bananenpflanzung.
Das Wirtschaftsziel des durchschnittlichen landwirtschaftlichen Betriebes
in Ruanda ist die Selbstversorgung mit den wichtigsten Grundnahrungsmitteln. Die
bedeutendsten Nahrungsmittel sind Sorgho, Bohnen und Bananen. Die Bohne ist
davon für die Ernährung am wichtigsten, nicht nur weil sie insgesamt
die größte Fläche einnimmt, sondern auch weil ihr Ertrag
ausschließlich der Ernährung dient. Sie ist das Grundnahrungsmittel
des Landes, der entscheidende Bestandteil der täglichen Hauptmahlzeit, die
am Abend eingenommen wird. In Ruanda kann man aber auch Kartoffeln und Maniok
finden..
Ruanda ist auch ein Land mit uralter Hirtentradition. Die strikte Trennung
zwischen Landwirtschaft und Viehhaltung wurde noch bis zum Ende des 19.
Jahrhunderts aufrechterhalten. Im Unterschied zu anderen tropischen Ländern
ist in Ruanda dank seiner Höhenlage Großviehhaltung möglich und
auch schon seit langer Zeit bekannt. Es waren vor allem die aus dem Norden, aus
Äthiopien, kommenden Tutsi, die traditionell Weidewirtschaft betrieben und
Halter großer Rinderherden mit entsprechenden Weidegebieten waren. Mit der
Übernahme der Großviehhaltung durch die Hutus wurde das Rind
hofgebunden. Am Tag ließ man es unter Aufsicht von Kindern im Wald und
Brachland oder am Wegrand weiden, über Nacht kehrte es dann in den
Bauernhof zurück. Die Hofhaltung der Tiere hatte den großen Vorteil
der besseren Beaufsichtigung, des Schutzes vor Krankheiten und der
Möglichkeit der Verwendung des Dinges für den Garten und hofnahen
Feldbau.
Die Rindviehzucht dient auch heute in erste Linie der Fleischproduktion,
da die Milcherzeugung und die Herstellung von Molkereiprodukten in Ruanda noch
sehr schwach entwickelt ist. Es sind auch Hühner und anderes Federvieh auf
allen Höfen vorhanden. Es muß sich seine Nahrung aber selbst suchen
und bleibt nur während der Erntezeit im urugo (Umzäunung)
eingesperrt.
Bienenzucht gibt es überall im Land, wobei die Völker meist in
ausgehöhlten Baumstämmen gehalten werden. Allerdings läßt
die Qualität des Honigs aufgrund mangelhafter Verarbeitung noch viele
Wünsche offen.
Bei einer mittleren Betriebsgröße von heute weniger als einem
Hektar muß das erste Ziel der Agrarproduktion die Selbstversorgung der
ländlichen Bevölkerung sein. Alle anderen Aktivitäten haben dem
Rechnung zu tragen. So unterliegen mehr als 85 Prozent der landwirtschaftlichen
Nutzfläche der Subsistenzwirtschaft.
3) Handwerk
In einem Land, in dem Einkommen und Beschäftigung der
Bevölkerung nicht mehr durch die Landwirtschaft gewährleistet werden
können, kommt dem Handwerk vor allem im ländlichen Raum eine besondere
Bedeutung zu. An diesem Punkt ist Ruanda aber noch lange nicht angekommen. Hier
liegt die Bedeutung des Handwerks vielmehr in der preiswerten Versorgung der
Bevölkerung mit Gütern und Dienstleistungen des täglichen
Bedarfs, wie zum Beispiel Kleidung, Wohnung, Möbel, sowie in der Schaffung
von Einkommen und Beschäftigung außerhalb der
Landwirtschaft.
Die ursprünglich auf dem Territorium des heutigen Ruanda beheimateten
Twa haben sich nach der Landnahme durch die Hutu und später durch die Tutsi
teilweise recht schnell wirtschaftlich angepaßt, indem sie sich auf die
Töpferei spezialisierten. Die Produkte der Töpferkunst fanden
früher und finden auch heute noch guten Absatz, obwohl die billigere
Konkurrenz von importierten Kunststoffprodukten stark auf den Markt drängt.
Die Töpfer-Twa betreiben ihr Handwerk arbeitsteilig. Die Männer
beschaffen den Ton und das Brennmaterial, die Frauen stellen die Produkte her,
transportieren und verkaufen sie auf dem Markt. Inzwischen hat sich aber auch
eine Vielzahl von Hutu-Familien auf die Töpferei spezialisiert. Insgesamt
leben heute etwa 5000 Familien von diesem Handwerkszweig.
Es gibt auch alte Handwerkszweige wie Pfeil- und Lanzenhersteller,
Schmiede und Holzarbeiter. Schmiede findet man noch vereinzelt auf dem Land.
Früher wurde Eisenerz an Ort und Stelle verhüttet und zu
Ackergeräten oder Messern und Lanzen verarbeitet. Heute werden Haushalts-
und Handwerksgeräte auf dem Rohstoff Schrott gefertigt. Das
Schmiedehandwerk in dieser Form ist aber im Aussterben begriffen.
Die modernen Handwerke haben ihren Ursprung in der Gründung von
Werkstätten durch christliche Missionare kurz nach der Jahrhundertwende.
Hier wurden beispielsweise Maurer, Zimmerleute, Schreiner und Schlosser
ausgebildet. Heute wird auf den Missionsstationen darüber hinaus das
Kunsthandwerk gepflegt, das eine breite Palette von Produkten umfaßt:
Perlstickereien, Flechtwaren, Zierlanzen Teppiche, Matten, Holzschnitzereien und
Bilder aus Bananenblättern. Durch ihre Beziehungen in die Mutterländer
Missionsorden ist hierfür auch ein begrenzter Absatzmarkt
gesichert.
Ein Handwerk, das einem überall in der Landschaft begegnet, ist die
Dachziegel- und Backsteinherstellung. Man sieht in den Tälern unmittelbar
dort, wo Ton und Lehm gewonnen werden, die Rauchfahnen der Brennöfen, die
teilweise von beträchtlicher Größe sind. Ziegel und Backsteine
werden mit der Hand vorgefertigt, an der Luft getrocknet und anschließend
im Brennofen (bei Dachziegeln) oder in aufgeschichteten Meilern (bei
Backsteinen) gebrannt. Ein Meiler von 70.000 - 80.000 Backsteinen ist mindestens
erforderlich, um rationell zu arbeiten. Nach dem Brennvorgang und dem
Auskühlen werden die Steine einzeln, zum Teil über Monate hin,
verkauft. Die Arbeiter werden größtenteils erst dann entlohnt, wenn
der Verkauf abgeschlossen ist.
Weit verbreitet auf dem Land ist auch das Schneidern. In den Dörfern
sieht man an Markttagen immer eine ganze Anzahl Schneider, die ihre gesamte
Ausrüstung, die Nähmaschine bei sich haben und gegen geringen Entgelt
Änderungsarbeiten vornehmen oder einzelne neue Kleidungsstücke
fertigen, während die auftraggebenden Frauen ihre Marktprodukte
verkaufen.
Handwerksbetriebe, die einen größeren Investitionsaufwand
erfordern, sind selten auf dem Land, weil hier sowohl das Kapital fehlt, als
auch die Absatzbedingungen sehr schlecht sind. Die steigende Arbeitslosigkeit
erfordert aber gerade auf diesem Sektor Investitionen von dritter Seite, um die
Landflucht zu stoppen.
Die Notwendigkeit, den Wirtschaftszweig Handwerk zu fördern, ist von
Regierung und Kirche gleichermaßen erkannt worden. So gibt es verschiedene
Initiativen, jungen Leuten handwerkliche Fähigkeiten zu
vermitteln.
4) Industrie
Die Industrie steht in Ruanda erst am Beginn einer breiteren Entwicklung.
Vorerst basiert sie auf der Verarbeitung heimischer Agrarprodukte und Rohstoffe.
Im Gegensatz zu den meisten benachbarten Ländern stehen einer gezielten
Entwicklung aber große, vielfach kaum überwindbare Hindernisse im
Weg: Es fehlt ein ausreichendes Infrastruktursystem wie beispielsweise
genügend Allwetterstraßen; Zudem ist der Binnenmarkt zu klein,
ausgebildete Fachleute sind kaum vorhanden, die Transportkosten ins Ausland,
bedingt durch die Binnenlage, sind sehr hoch, und das Risiko durch politische
Instabilität der benachbarten Transitländer, vor allem Uganda, bedingt
große Abhängigkeiten.
Die Situation der Industrie spiegelt sich auch im vergleichsweise geringen
Anteil des Bruttoinlandsproduktes wider, der für 1984 auf knapp 22 Prozent
geschätzt wurde.
Die wirtschaftliche Abhängigkeit Ruandas von den benachbarten
Ländern führte bereits zu zwei internationalen Zusammenschlüssen
mit dem Ziel ökonomischer Kooperationen. Einmal ist das die 1976
gegründete Wirtschaftsgemeinschaft CEPGL der Länder an den
großen Seen zwischen Ruanda, Zaire und Burundi mit Sitz in Gisenyi.
Hauptaufgabe dieser Gemeinschaft ist die Konzeption gemeinsamer Projekte in den
Bereichen Transport, Straßenbau, Industrie und Elektrifizierung.
Erfolgreicher agierte bisher die 1977 gegründete OBK (Organisation pour les
Bassin de la Kagera) zwischen Ruanda, Burundi und Tanzania, seit 1981 ist auch
Uganda Mitglied. Sie konzentriert sich auf die Nutzung des Akageraflusses durch
den Ausbau des Rusumo-Kraftwerkes. Außerdem sollen Straßen- und
Eisenbahnverbindungen hergestellt werden.
Das verarbeitende Gewerbe erwirtschaftet 14% des Bruttoinlandsproduktes.
Hier dominiert die Weiterverarbeitung agrarischer Produkte. Der
größte Industriebetrieb des Landes ist die Brauerei (BRALIRWA:
Brasserie - Limonaderie - Rwandaise) in Gisenyi (Biermarke: Primus), eine
Tochtergesellschaft der Heineken-Gruppe aus den Niederlanden. Sie
beschäftigt mit einer Zweigniederlassung (Limonadenfabrik) in Kigali mehr
als 1000 Personen und erwirtschaftet 20% des gesamten Steueraufkommens von
Ruanda. Weitere Betriebe im verarbeitenden Gewerbe bestehen in den
Wirtschaftszweigen Tabakverarbeitung, Leder- und Textilindustrie,
Möbelherstellung, Druckgewerbe und chemische Industrie.
Obwohl der Bergbau nur etwa ein Prozent zum Bruttoinlandsprodukt
beiträgt, nimmt dieser Sektor eine ganz wichtige Stellung in der
ruandischen Volkswirtschaft ein. Mehrere tausend Angestellte Minenarbeiter und
weitere, die auf eigene Rechnung schürfen, sind hier beschäftigt. Sie
erwirtschafteten 1983 mit dem Halbfertigprodukt Zinn fast 15% der gesamten
Exporteinnahmen. Der "Societé Minière du Rwanda" (SOMIRWA)
untersteht fast die gesamte Bergbauwirtschaft. Die wichtigsten Mineralien sind
Kassiterit (Zinnstein) und Wolfram, die etwa 95% des gesamten Erzexportes
ausmachen. Von geringerer Bedeutung ist der Abbau von Beryllium, Niobit-Tantalit
und Gold. Insgesamt verschlechtert sich die Situation der Bergbauwirtschaft, da
die Weltmarktpreise sinken, und die Prospektierung neuer Fundstätten hohe
Investitionsmittel erfordert.
5) Tourismus
Badeurlaub an den Ufern des Kivu-Sees, Safaris in den wildreichen Savannen
des Akagera-Nationalpark und Gorillabeobachtungen in den Bergwäldern des
Parks der Vulkane- das sind die wichtigsten touristischen Attraktionen, mit
denen Ruanda um seinen Anteil am internationalen Ostafrika-Tourismus werben
kann.
Der Kivu-See mit seiner gleichbleibenden Jahrestemperatur von 25°C,
mit der idealen Gebirgsumrahmung der Wasserscheide Kongo-Nil und der Vulkane,
mit seinem klaren Wasser und ohne Flußpferde und Krokodile, mit
Uferstädtchen wie Cyangugu, Kibuye und vor allem Gisenyi bieten nahezu
perfekte Erholungsbedingungen. Am Strand von Gisenyi erholten sich bereits die
deutschen Schutztruppensoldaten ebenso wie die Angehörigen der belgischen
Mandatsverwaltung, und heute sind es vom internationalen Flughafen Goma im
benachbarten Zaire nur wenige Autominuten bis zum Meridian-Hotel der Air-France
in Gisenyi. Doch schon weitere Hotels mit gehobenem internationalen Standard
sind rar im Lande, man kommt höchsten auf ein gutes halbes Dutzend. Davon
liegen allein vier in Kigali und seiner näheren Umgebung, und zwei dienen
als Ausgangspunkte für Exkursionen im Akagera-Nationalpark. Für den
Park der Vulkane fehlt ein solcher Stützpunkt, verständlich deshalb,
daß sich die Stadt Ruhengeri am Fuße der Vulkankette um eine
entsprechende Einrichtung bemüht.
V) RELIGIONEN
In Ruanda gibt es 3 dominierende Religionen:
1) Die katholische Kirche:
80% der Bevölkerung bekennen sich zur katholischen Kirche. Sie ist die
erste christliche Religion, die im 19. Jahrhundert von belgischen Missionaren
nach Ruanda gebracht worden ist.
2) Die Protestantische Religion
15% der Bevölkerung bekennen sich dazu. Im 20. Jahrhundert wurde sie
von England, Amerika und Dänemark nach Ruanda gebracht.
3) Die moslemische Religion
Die kleinste Religion, 4% der Bevölkerung mit vielen Problemen
bezüglich der Integration in Ruanda.
4) Animistische Religionen
Religionen, die vor der Kolonialisierung in Ruanda ausgeübt wurden.
Sie werden heute noch gemeinsam mit den 3 anderen großen Religionen
praktiziert.
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