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Porto, Hafenstadt in Portugal
Porto, Hafenstadt in Portugal
Autor:
E-Mail: rudo6101@uni-trier.de
© 1995 Die Stadt Porto, eine
portugiesische Hafen- u. Industriestadt am nördlichen Ufer des Douro, mit
327000 Einwohnern gilt als kultureller u. wirtschaftlicher Mittelpunkt
Nord-Portugals. Porto ist die zweit größte Stadt Portugals und
bildete mit dem Minho eine politische Einheit. Heute ist Porto eine eigene
Provinz, Douro Litoral.
Porto besitzt eine auf engen Raum zusammengedrängte Gestalt des
Stadtkerns. Im Vergleich zu Lissabon mit seinem weitgespanntem hügligen
Gelände weist das Stadtbild Portos eine intensiv genutzte Dichte des
begrenzteren Raumes auf und konzentriert sich viel augenfälliger auf eine
City hin als das weitläufiger angelegte Lissabon.
Die Atmosphäre der Stadt wirkt im Vergleich zu Lissabon hektisch und
kühl. Der Portuenser unterwirft sich nicht der weitverbreiteten
portugiesischen Gefälligkeit des Schicksals, sondern ist geschäftig
und selbstbestimmend. Porto ist eine Arbeitsmetropole.
Die Namengebung
Der Stadtname, der nichts anderes als "Hafen" bedeutet, geht zurück
auf die ehemalige römische Bezeichnung "Portus". Die eigentliche Ansiedlung
an der Mündungsbucht des Rio Douro tauften die Römer "Cale", was
soviel wie "schön" oder "lieblich" besagt. Aus der Zusammensetzung Portus
Cale entstand dann auch der Provinzname Portucale mit der späteren
Hauptstadt Guimaraes. Und schließlich wurde aus “Portucale" im Laufe
der Zeit Portugal, worauf Portos Einwohner, die Portuensen, heute noch stolz
sind.
Geschichte
Die Gründung der Stadt wird für das 200. Jahrhundert v. Chr.
geschätzt; ein Königssohn aus Thrakien oder Athen soll die Stelle als
günstigen Hafenplatz empfunden haben. Porto war bereits unter den Goten
Festungsstadt und Bischofssitz. Im Jahre 997 wurde die Stadt von islamischen
Mönchssoldaten besetzt und bauten sie weiter aus. 53 Jahre später
besetzt König Ferdinand I. von Kastilien und León die Stadt. Von nun
an blieb die Stadt vor maurischen Besetzern verschont und der wirtschaftliche
Aufstieg begann. 1394 wurde Heinrich der Seefahrer in Porto geboren und
erforschte später die afrikanische Westküste und gab damit den
Anstoß für die portugiesische Seemachtstellung. So wurden bis ins
späte 15. Jahrhundert in Portos Werften Schiffe der Entdeckerflotten aber
auch Handels- und Kriegsschiffe gebaut. Seit dieser Zeit werden die Einwohner
Portos, nicht zuletzt aus Neid der Lissabonner, Tripeiros benannt,
Kuttelesser. Für die Ausrüstung der in Porto gebauten Flotte, die
unter dem Kommando des Infanten 1415 zur Eroberung von Ceuta in See stach,
schlachtete die Bevölkerung alles Vieh. Das Fleisch wurde gepökelt und
als Proviant mit auf den Weg gegeben. Zurück behielt man lediglich die
Kaldaunen. Aus der Einschränkung hat man eine Tugend gemacht und so ist das
Nationalgericht der Kutteleintopf, der auch heute noch, schmackhaft serviert mit
weißen Bohnen, Kalbshaxe, Schweinewurst, Huhn und Knoblauch in
tönernen Schüsseln serviert wird. Viele Revolutionen oder auch nur
Unzufriedenheiten Portugals sind von der regen Stadt am Unterlauf des Rio Douro
ausgegangen. So beispielsweise 1756; das Rebellieren gegen überzogene
Steuerforderungen und einem ungerechten Weinmonopol, oder zur Zeit des
französisch-spanisch-portugisischen Krieges. Hier hat man I808 dem
Einmarsch des französischen Marschalls Junot dem napoleonischen
Imperialismus erstmals Halt geboten. Altüberlieferte freiheitliche
Gesinnung wehrte sich gegen diktatorische Unterdrückung, gegen das Verbot
des Welthandels. Und als, nach dem napoleonischen Spuk, die Liberalen Portugals
I832 gegen den absolutistischen Anspruch des aufsässigen Braganca Dom
Miguel auf den Plan traten, taten sie dies in Porto, der klassischen Stadt der
Liberalität. Der Anführer der Liberalen, Dom Pedro I., hatte hier
seinen zuverlässigen, siegentscheidenden Brückenkopf. Nicht
zufällig ruht in der Hauptstadt des Douro Litoral das Herz Pedros.
Während die Gebeine 1972 anläßlich der 150-Jahrfeier der
Unabhängigkeit Brasiliens nach Rio de Janeiro verfrachtet wurden, blieb das
Herz des liberal gesinnten Monarchen, der eine Kaiser- und eine Königskrone
trug, in der Stadt Porto, wie er dies testamentarisch bestimmt hatte.
Porto besaß nie Residenz-Atmosphäre. Porto ist demokratisch,
bürgerstolz, hansisch, liberal, anti-monarchisch. Selbst der König
besaß hier weder einen Palast noch eine Burg. Stadtpaläste wie
anderswo fehlen also im Stadtbild.
Das Stadtbild
Porto wird mit dem gegenüberliegendem Flußufer des Rio Douro mit
drei Brücken verbunden. Die am weitesten stromaufwärts gelegene
Eisenbahnbrücke Dona Maria II, von Eiffel erbaut, die mittlere, Ponte Dom
Luis I, ebenfalls von Eiffel erbaut und die im Mündungstrichter des Douro
gelegene moderne Ponte da Arrábida, die der Ponte Salazar in Lissabon
entspricht. Um das Panorama der Stadt zu überblicken, ist der südliche
Brückenkopf der Ponte Dom Luis I gut geeignet. Der Geist Eiffels wird an
dieser Brücke durch die Eisenkonstruktionen mit einer Vielzahl sich
überkreuzender Verstrebungen gut erkennbar (wurde 1886 dem Verkehr
freigegeben). Die Brücke besitzt zwei Ebenen und ermöglicht so das
Überqueren von der Ober- und der Unterstadt aus.
Ein Blick, links am Brückenkopf entlang, zeigt die ehemalige
Stadtbegrenzung in Form von Resten einer fernandinischen Mauer, die zum
Fluß hin durch einen schroffen Felsabsturz, im Sinne einer
natürlichen Barriere, abgelöst wird. Die Vorstadt, stromaufwärts,
wird mit ihren kaskadenartig abfallenden Häusergewirre von den Portuensern
"Kaskade" genannt. Die eigentliche Vorstadt baut sich links der Ponte Dom Luis I
etagenförmig am Hang entlang, bis auf eine Höhe von 140 Meter, auf.
Die Häuser besitzen, sofern sich nicht weiß gekalkt sind, die Farbe
des unter ihnen liegenden Granits. Der höchste Punkt der Stadt bildet der
Glockenträger der Klerikerkirche, das mit 75 Meter größte
Bauwerk Portos. Im Vordergrund liegt auf einem Plateau der zwar klassizistisch
wirkende doch barocke Erzbischöfliche Palast und die im Hintergrund empor
ragenden Kathedraltürme. Etwa auf halber Höhe ist Praca do Infante Dom
Henrique auszumachen, an der die Börse liegt. Die untersten Gebäude am
Fuße der Stadt sind die ältesten, die erhalten geblieben sind.
Travessas und Gassen führen hügel auf und hügel ab durch das
dunkle Viertel. Die Gegend ist ärmlich und verfallen. Hier leben die
ärmsten von Porto. Überraschend ist, das hier einige noble Bauten des
Mittelalters erhalten geblieben sind, die daran erinnern, daß der
topographisch unterste Bezirk nicht immer auch der sozial unterste gewesen war.
In der Rue Alfândega Velha steht ein dreistöckiges
Renaissance-Haus an jenem Ort, wo sich angeblich das Geburtshaus Heinrich des
Seefahrers befunden hat. Der Steinbau wurde denkmalpflegerich instand gesetzt
und beherbergt ein kleines Museum mit Modellen von Karavellen, Utensilien der
Conquista, alte Karten und Stiche des Século de Ouro, Schaubilder der
Entdeckungswege und Mobiliar aus der Zeit Henriques.
Verkehrsanbindung
In Porto besteht ein dichtes Buslinien- und Straßenbahnsystem. Die
Busverbindungen in die nähere Umgebung sind mäßig, es
können jedoch alle größeren Städte wie Viana do Castelo,
Braga oder Vila Real wenn auch teilweise mit Umsteigen - problemlos angefahren
werden. Zentraler, aber nicht einziger Busbahnhof findet sich in der Rue
Alexandre Herculano.
Es gibt drei Bahnhöfe in Porto, Estacao Campanha, der ca. 1,5 km
östlich des Stadtkerns gelegen ist, mit Verbindung von und nach Lissabon
und in Richtung Mitteleuropa. Estacao St. Bento der zentral in der Nähe des
Praca da Liberdade liegt. Von dieser Station starten die Züge in Richtung
Norden und zu den Orten an der südlich von Porto gelegenen Küste.
Zwischen diesem Bahnhof und dem erst genannten besteht ein
Bummelbahnanschluß. Estacao Trindade liegt ein paar Straßen
nördlich des Rathauses von wo die Züge nur in Richtung Osten, z.B.
nach Guimaraes starten.
Der Flughafen "Pedras Rubas" befindet sich ca. 13 km nördlich der
Stadtgrenze. Erreichbar mit dem Auto über die N 13 in Richtung Povoa de
Varzim oder mit dem Bus. Von dort fliegt die TAP mehrmals täglich nach
Lissabon, einmal wöchentlich nach Faro und zweitägig nach
Mitteleuropa.
Im Hafen können im Gegensatz zu Lissabon die Hochseeschiff nicht bis
zu den Kais des unteren Flußlaufes gelangen. Der Hafenbezirk liegt somit
abseits der Stadtgrenze am offenen Meer. Es sind die beiden Häfen Leixoes
und Matosinhos.
Der Portwein
Über die Stadt zu schreiben ohne den legendären Portwein zu
erwähnen, der seinen Namen der Metropole verdankt, wäre eine Untat.
Portugal besitzt drei hauptsächliche Weinanbaugebiete: den Minho, wo
vorwiegend der Vinho Verde zu hause ist; Beira Alta mit Viséu als
Zentrum, wo der Dao erzeugt wird und die Douro Provinzen, wo der Portwein reift,
der in erster Linie dem Export dient. Wein, der in den Douro Provinzen erzeugt
wird darf nicht generell als Portwein etikettiert werden, vielmehr sind es fest
umrissene Gebiete, die vom Portwein-Institut in Porto mit dem Anbau privilegiert
sind. Das Gebiet erstreckt sich ungefähr hundert Kilometer entlang des Rio
Douro, von Barqueiras bis Barca de Alva.
Die Konjunktur des Portweins hat zu heftigen Bodenspekulationen
geführt mit einem rapiden Anstieg der Grundstückpreise. Als 1886 eine
zehnjährige Portweinkrise ausbrach, durch die Reblaus verursacht, gingen
die Betriebe vieler Kleinwinzer bankrott, so daß die Betriebe zum Teil
auch in britische Hände vielen, die über die nötigen Mittel
verfügten.
Die Reben sehen auf steinigem Schieferuntergrund entlang des oberen Douro,
dem Terra Quente. Die Bewirtschaftung erfolgt meist durch Arbeiter, die auf Zeit
angeheuert werden. Die Lese beginnt im September und zieht sich bis zum
späten Oktober hin. Wenn die Trauben dann gekeltert werden, wird der
anfallende Most mit Branntwein versetzt, wodurch der Gärungsprozeß
unterbrochen wird. Der Wein gewinnt so an Schwere und Süße. Danach
wird der in Fässer gefüllte Wein in Weinkeller eingelagert. Die
Lagerzeit beträgt im Schnitt acht Jahre. Hauptabnehmer ist England (85.000
Hektoliter im Jahr), Frankreich (45.000 Hektoliter/Jahr), Belgien (25.000
Hektoliter/Jahr) und mit 20.000 Hektoliter/Jahr die Bundesrepublik Deutschland
(alle Zahlen von 1970).
Wirtschaft
Porto ist wirtschaftlicher und industrieller Mittelpunkt von Nordportugal
und neben Lissabon ein zweites städtisches Zentrum des Landes. Im Vergleich
von Porto und Lissabon übertrifft Porto die Produktion Lissabons bei
weitem. Baumwolle, Seide, Papier und Stahlwaren werden in Porto gefertigt. In
der Umgebung findet man die größten Fischverarbeitungsindustrien des
Landes, Fischkonservenfabriken aber auch Schiffsbauindustrie. Das eigentliche
Industriegebiet liegt westlich der Stadt in Matosinhos und Leixoes, wo sich die
Werften befinden und die Hochseefrachter ankern. Außerdem sind zahlreiche
Klein- und Mittelbetriebe in vielerlei Branchen sowie eine Erdölraffinerie
ansässig. Durch die Auslagerung der Industrie in küstennähe
erweckt Porto nicht den Eindruck einer Industriestadt. Lediglich in den
nördlichen Stadtrandbezirken sind Wohnkasernen zu finden, die die
Fabrikarbeiter beherbergen.
Für viele Portugiesen bietet Porto mehr Zukunft als die Dörfer
mit ihrer kargen Landwirtschaft.
Wanderungsbewegung
An dieser Stelle soll lediglich festgestellt werden, daß im Laufe der
Jahrzehnte die Anzahl der Wanderungsziele in Portugal abnahm. Ab etwa 1930 haben
die Distrikthauptstädte an Anziehungskraft verloren und die Binnenwanderung
konzentrierte sich fast ausschließlich auf die beiden
Großstädte Lissabon und Porto, von denen inzwischen auch Porto seine
Attraktivität eingebüßt hat.
Kunsthistorie
Die Börse, ein mächtiger Vierflügelbau aus dem Jahre
1842. Eine doppelläufige Treppe führt zum Eingang des
spätklassizistischen Gebäudes. Bemerkenswert der Maurische Saal,
ausgestattet mit islamischer Kunst des 19. Jahrhunderts.
Die Kirche Sao Francisco ursprünglich gotischer Stil (13.
Jahrhundert) wurde mit dem Goldprunk des Barock überzogen, vor allem der
Hauptaltar, der mit erdrückend wirkendem Goldschmuck ausgestattet ist.
Mit einem schönen Kreuzgang aus dem 14. Jahrhundert stellt sich die
Se-Kathedrale dar. Das mächtige, grundsolide Bauwerk stammt aus dem
12. Jahrhundert und ist ursprünglich romanisch, wurde aber öfter durch
gotische und barocke Elemente erweitert.
Literaturauswahl:
- GUSTAV, Faber (1972): Portugal.- München
- FREUND, Bodo (1979): Portugal.- Stuttgart
- SCHWANFELDER, Werner u. Susanne (1986): Unbekannter Nachbar Portugal.-
Stuttgart
- SARAMAGO, José (1993): Kleines Land, was nun?, Merian Februar 93,
S. 30-36
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