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Die Erkundung im Nahraum
FAU
Erlangen-Nürnberg
Geographisches
Institut
Blocksem.: Exkursion als
Unterrichtsgegenstand
Dozent: Prof. Dr. Ph.
Hümmer
Referentin: Stefanie
Glaßl
Datum: 21.06.1997
Die Erkundung im
Nahraum
Gründe für eine "Originale
Begegnung"
Die originale Begegnung ist
lebendiger und erlebnisbetonter, sie fordert zu einem aktiven Lernen heraus.
Daher ist ein höherer Grad an innerer Aufmerksamkeit nötig und die
Vergessensquote wird gesenkt.
Es werden Qualifikationen erworben,
die dem Schüler bei der Bewältigung von Lebenssituationen unmittelbar
helfen können. Außerdem muß eine Fachdidaktik, die "ein
operational gehandhabtes Leistungswissen" höher schätzt als ein "ohne
Motivation passiv entgegengenommenes Verfügungswissen" (zit. nach Geipel
1971, S. 141) außerschulische Lernsituationen bevorzugt
aufgreifen.
Bei der originale Begegnung
fällt es leicht, sich im Fragehorizont der Schüler zu bewegen; sie
eröffnet günstige Möglichkeiten für eine innere
Differenzierung mit Hilfe von Gruppenarbeit.
Die originale Begegnung
beeinflußt die Einstellungen der Schüler, sie fördert eine
wissenschaftliche und soziale Haltung. Dabei fordert sie aber auch Genauigkeit,
Sorgfalt und Sachlichkeit bei der Materialsammlung, Selbstvertrauen, Ausdauer
und Kooperationsbereitschaft.
Zuletzt eröffnet die originale
Begegnung die Möglichkeit, in exemplarischer Vertiefung
fachwissenschaftliche Kategorien zu erschließen, die dann durch einen
Transfer abgesichert werden können. Auch wird die Einübung
fachwissenschaftlicher Methoden geschult.
Trotz ihrer allgemein hohen
Wertschätzung wird die originale Begegnung im Schulalltag selten oder nur
unzureichend verwirklicht. Gründe dafür sind eine mangelnde
Elastizität des Stundenplans, Mehrbelastung durch die Planung,
Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung und eine häufig mangelhafte
Ausbildung der Lehrer für eine solche Unterrichtsform.
Für die Arbeit vor Ort gibt es
verschiedene Bezeichnungen: Lehrwanderung, Unterrichtsgang oder
Schülerexkursion. Dies sind recht variabel zu handhabende
Unterrichtsformen, die sich nach den unterrichtlichen Intentionen, nach der
Intensität der Vor- und Nachbereitung, nach dem Grad der
Selbständigkeit der Schüler oder der Belehrung durch den Leiter, nach
den thematischen Zuschnitt wie nach der Funktion innerhalb einer
Unterrichtseinheit unterscheiden.
Bei der Erkundung hat man z.b. ein
hohes Maß an Schüleraktivität, einen strengen Zuschnitt,
umfangreiche Vor- und Nachbereitung und eine Einbindung in eine
übergreifende, curricular bedeutsame Fragestellung.
Die Ergebnisse der bei der Erkundung
gestellten Fragen werden in Erkundungsbögen festgehalten.
Lernpsychologisch haben diese
Erkundungsbögen eine sehr große Bedeutung. Sie lenken den Blick auf
Phänomene, die Schüler müssen selbst Belangloses von Belangvollem
trennen.
Die Arbeitsaufträge auf diesen
Erkundungsbögen müssen knapp und überschaubar bleiben (->
Kriterium der Übersichtlichkeit), sie dürfen nicht zu zahlreich sein
und müssen sich leicht ausfüllen lassen (-> Kriterium der
Handlichkeit) und die Beobachtungsergebnisse sollen sich leicht zusammenstellen
und auswerten lassen (-> Kriterium der Auswertbarkeit).
Schrittfolge bei der
Erkundung:
Bei einer originalen Begegnung sollte
folgende Schrittfolge erkennbar sein:
1) Problemstellung
2) Planung
3) Durchführung der
Erkundung
4) Auswertung und Ausweitung der
Erkundungsergebnisse
5) Beurteilung der Ergebnisse,
Methoden und der Problemstellung
Am Ende könnte man noch eine
Hypothese formulieren, die durch die Erkundungsergebnisse zu bestätigen
oder zu widerlegen ist.
Zur
Durchführung:
Der Lehrer muß für die
Einführung in den Themenkreis detailliertes Arbeitsmaterial bereitstellen,
er muß sich über Sachzusammenhänge und ihre
Interpretationsmöglichkeiten informieren, er muß rechtzeitig mit
betroffenen Personen Kontakt aufnehmen, er muß Material sichten und im
voraus auswerten. Außerdem hat er, da er weitgehend ohne Lehrbuch arbeiten
muß, zahlreiche Arbeitsblätter für die Schüler zu
erstellen.
Der Unterricht, der eine Erkundung
vorbereitet, zielt in viel stärkeren Maße auf konkrete Operationen
hin. Er fördert eine aktive Auseinandersetzung mit der Realität, er
stellt Methoden und Arbeitsmittel für diese Auseinandersetzung bereit und
macht in optimaler Weise das operative Denken zur Basis des Lernens
überhaupt.
Mit Hilfe der Taxonomie von
Lernzielen im kognitiven Bereich nach Bloom (1972) kann nachgewiesen werden,
daß es bei einem solchen Unterricht nicht nur um die Stufen des Wissens,
des Verstehens und der Anwendung geht, sondern daß alle
Komplexitätsgrade bis hinauf zur Evaluation einbezogen werden
können.
Gegenstand einer
Erkundung:
Gegenstand einer Erkundung kann sein:
ein Sanierungsgebiet, die Nutzungsformen eines Naherholungsgebietes, der
Einzugsbereich eines Warenhauses, die Lage und Gestaltung eines
Kinderspielplatzes, die Wohnformen in verschiedenen Vierteln einer Stadt,
etc.
Literatur:
Kross, E.: Die Erkundung im
Nahraum. Beiheft zur Geographischen Rundschau 4, 1974, Heft 1, S.
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