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Arbeitslosigkeit
Adam Kraft
Gymnasium Kollegstufenjahrgang 1995/97
Schwabach
Facharbeit
aus dem Leistungskurs
Wirtschafts- und Rechtslehre
Thema:
Arbeitslosigkeit
Verfasser: Markus
Hoffmann
Leistungskurs: Wirtschafts- und
Rechtslehre
Kursleiter: Herr StD. Dr.
Xxx
Bearbeitungszeitraum: 1
Jahr
Abgabetermin: 3. Februar
1997
Erzielte Note:
Erzielte Punkte:
(einfache Wertung)
Eintrag des
Ergebnisses:
................................................
(Unterschrift des Kursleiters)
Gliederung:
Titelseite 1
Gliederung 2
1. Einleitung 3
2. Arten der
Arbeitslosigkeit 3
2.1. Allgemeines 3
2.2. Subjektive
Arbeitslosigkeit 3
2.3. Objektive
Arbeitslosigkeit 4
2.4. Beschäftigungsgrade 5
3. Erwerbs- und
Arbeitslosenquote 6
3.1. Begriffe und Ermittlung der
Zahlen 6
3.2. Arbeitslosigkeit seit
1946 7
4. Der Arbeitsmarkt im 1. Halbjahr
1996 8
4.1. Januar 1996 9
4.2. Februar 1996 10
4.3. März 1996 11
4.4. April 1996 11
4.5. Mai 1996 12
4.6. Juni 1996 13
4.7. Zusammenfassung 13
5. Auswirkungen 14
5.1. ..auf den Einzelnen 14
5.2. ..auf die
Betriebswirtschaft 15
5.3. ..auf die
Volkswirtschaft 15
6. Maßnahmen gegen die
Arbeitslosigkeit 16
6.1. Allgemeine
Maßnahmen 16
6.2 Die Bundesanstalt für
Arbeit 18
7. Schlußfolgerung 19
Literaturverzeichnis 20
Erklärung über selbständiges
Erarbeiten der Facharbeit 21
1. Einleitung:
Während des Wirtschaftswunders in den 50er
und 60er Jahren kaum beachtet und heute eines der meist diskutierten Probleme
Deutschlands ist die ARBEITSLOSIGKEIT zu einem der wichtigsten Anliegen der
Deutschen geworden. In einer Umfrage des ZDF-Politbarometers nannten im
Januar 1996 mehr als 80% der Befragten dies als Ihre größte
Sorge.
Zugleich ist Arbeitslosigkeit aber auch die
primäre Ursache für viele andere Probleme, die uns heutzutage in
Deutschland begegnen. Sinkende Steuereinnahmen, sinkende Einnahmen der
Sozialversicherungen und gleichzeitig höhere Ausgaben für die
Arbeitslosen.
Die Facharbeit soll einen Überblick über
das Thema Arbeitslosigkeit geben und dabei sowohl theoretische Aspekte, wie z.B.
Arten der Arbeitslosigkeit aufzählen, als auch auf die tatsächliche
Entwicklung des Marktes eingehen und speziell auf den Zeitraum von Januar bis
Juni 1996. Des weiteren sollen Lösungsansätze aufgezeigt werden, die
zur Beseitigung der momentan sehr hohen Erwerbslosigkeit führen
können.
2. Arten der
Arbeitslosigkeit:
2.1. Allgemeines:
Die Ursachen für Arbeitslosigkeit sind sehr
vielfältig begründet, so daß man auch verschiedene Arten
differenzieren muß. Im folgenden soll ein Überblick gegeben werden.
Da es weder eine einheitliche Definition, noch eine eindeutige Gliederung gibt,
findet man in der einschlägigen Literatur unterschiedliche
Ansätze.
2.2. Subjektive
Arbeitslosigkeit:
Darunter versteht man zum einen die
persönlich verschuldete Tatsache keine Anstellung zu haben. Gründe
hierfür liegen allein beim Arbeitnehmer, z. B. Verstoß gegen
Firmenregelungen, Unehrlichkeit oder starke
Unzuverlässigkeit.
Aber auch persönlich unverschuldete
Begebenheiten können zum Verlust des Arbeitsplatzes führen. Einen
solchen Anlaß kann z. B. eine Erkrankung sein, die zur Berufs- oder
Erwerbsunfähigkeit führt.
Da in beiden Fällen einzelne Individuen
verantwortlich sind, spricht man auch von unechter
Arbeitslosigkeit.
2.3. Objektive
Arbeitslosigkeit:
Im Gegensatz zur Subjektiven bezeichnet man die
objektive Arbeitslosigkeit auch als echte Arbeitslosigkeit, denn sie
schließt Faktoren ein, die nicht im Ermessen des einzelnen Arbeitnehmers
liegen. Man unterscheidet daher:
Saisonale Arbeitslosigkeit ist durch
die jahreszeitlichen Umstände begründet, die aller zwölf Monate
wiederkehren. In einigen Wirtschaftszweigen kommt es zu bestimmten Zeiten zu
Einschränkungen. Im Winter herrscht beispielsweise in der Bauindustrie
Flaute, da physikalische Eigenschaften von Baustoffen bestimmte Arbeiten bei
Minus-Temperaturen verhindern. Zwar kann es auch im Sommer z. B. bei Skilehrern
oder Skiliftbetreibern zu saisonaler Arbeitslosigkeit kommen, doch
überwiegt die im Winter bei weitem.
Friktionelle- oder
Fluktuationsarbeitslosigkeit tritt auf, wenn ein Arbeitnehmer zur Zeit
der Erhebung der amtlichen Statistik gerade seinen Arbeitsplatz wechselt. Auch
nach Abschluß einer Ausbildung oder Umschulung kann friktionelle
Arbeitslosigkeit auftreten, bis ein Arbeitsplatz gefunden ist. Sie dauert daher
normalerweise nur wenige Wochen an.
Konjunkturelle Arbeitslosigkeit
tritt auf, wenn durch eine kurzfristig abgeschwächte Konjunktur, also durch
einen Nachfragerückgang, Arbeitskräfte entlassen werden. Ein
besonderes Merkmal ist dabei, daß alle Wirtschaftszweige betroffen sind,
was Massenarbeitslosigkeit zur Folge haben kann. Ein extremes Exempel dafür
ist die Weltwirtschaftskrise von 1932, bei der die Arbeitslosigkeit auf
über 30% angestiegen war.
Strukturelle Arbeitslosigkeit liegt
im Unterschied zur saisonal oder konjunkturell bedingter Arbeitslosigkeit bei
Veränderungen langfristiger Art zugrunde. Im Laufe der Jahre verlieren
einige Wirtschaftsbereiche an Bedeutung oder verschwinden fast ganz,
während jedoch auch Neue entstehen. Auch können Regionen an
Attraktivität verlieren. Da jedoch bei dieser Art von Arbeitslosigkeit nur
einzelne Wirtschaftsbereiche oder Regionen betroffen sind, besteht die Gefahr
von Massenarbeitslosigkeit nicht so stark. Die Ursachen sind sehr
verschiedenartig. Die Nachfrageverlagerung von Kohle zu Erdöl und Gas,
sowie die niedrigen Weltmarktpreise für Importkohle haben zum Beispiel die
Kohlekrise ausgelöst und zu hoher Erwerbslosigkeit in den entsprechenden
Gebieten geführt. Aber auch der technische Fortschritt, Billigimporte und
politische Ereignisse tragen zur strukturellen Arbeitslosigkeit in Deutschland
bei.
Technologische Arbeitslosigkeit ist
eng mit struktureller Arbeitslosigkeit gekoppelt. Sie entsteht, wenn durch den
technischen Fortschritt Arbeitskräfte entlassen werden. Dies kann sowohl
durch Automation, als auch durch neuartige Produktionsverfahren zustande kommen.
Ein Beispiel wäre die Einführung des mechanischen Webstuhls, die zu
großen sozialen Konflikten in der Geschichte geführt hat. Der Vorteil
Arbeitskräfte durch Maschinen zu ersetzten liegt auf der Hand. Sie sind
belastbarer und genauer in durchzuführenden mechanischen Arbeitsprozessen.
Hinzu kommt, daß große Teile der Bevölkerung in Deutschland
skeptisch bis ablehnend gegenüber neuen Technologien, vor allem Gen- und
Kerntechnik, eingestellt sind. Dies führt zu einer Verlagerung von
Arbeitsplätzen ins Ausland und läßt somit technologische
Arbeitslosigkeit in Deutschland entstehen.
Versteckte bzw. Verdeckte
Arbeitslosigkeit beruht auf der Tatsache, daß Bürger, die
zwar arbeitswillig sind, sich aber, z. B. wegen momentan ungünstig
eingeschätzter Vermittlungschancen, gar nicht erst als arbeitssuchend bei
den Arbeitsämtern registrieren lassen. Diese "stille Reserve" wird in der
Arbeitslosenstatistik nicht erfaßt. Als verdeckt Arbeitslos gelten aber
auch Menschen, die sich in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Umschulungen
der Bundesanstalt für Arbeit befinden.
2.4. Beschäftigungsgrade:
In der Volkswirtschaftslehre unterscheidet man
grundsätzlich drei Beschäftigungsgrade. Je nach Land schwankt jedoch
die Bemessungsgrenze für die Einteilung.
Vollbeschäftigung: Dieser
Beschäftigungsgrad ist in der deutschen Volkwirtschaft als einer der vier
Ziele des Stabilitätsgesetzes von 1967 festgesetzt. Im Idealfall liegt
Vollbeschäftigung dann vor, wenn alle Arbeitswilligen und
Arbeitsfähigen einen Arbeitsplatz haben, also wenn es keine Arbeitslosen
gibt. In der Realität ist dies kaum möglich, da es z. B. einen
bestimmen Prozentsatz gibt, der zum Zeitpunkt der Erhebung der Statistik gerade
einen Berufswechsel vollzieht (friktionelle Arbeitslosigkeit). Auch gibt es
etliche Personen, die arbeitslos registriert sind um Anspruch auf entsprechende
Sozialleistungen zu haben, jedoch konsequent nicht arbeiten wollen. Daher
spricht man in unserer Volkwirtschaft bei einer Arbeitslosenquote bis maximal
2,0% noch von Vollbeschäftigung.
Überbeschäftigung: Bei
einem Fallen der Arbeitslosenquote unter 0,7% liegt nicht
Vollbeschäftigung, sondern eine sogenannte Überbeschäftigung vor,
d. h. das volkswirtschaftliche Arbeitskräftepotential ist nahezu
ausgeschöpft.
Arbeitslosigkeit: Steigt die
Arbeitslosenquote über 2,0%, so ist Arbeitslosigkeit vorhanden, d. h. es
gibt ein Überangebot an Arbeitskräften. Das
Arbeitskräftepotential wird also nicht optimal ausgenutzt.
3. Erwerbs- und
Arbeitslosenquote:
3.1. Begriffe und Ermittlung der
Zahlen:
Erwerbspersonen sind alle Menschen,
abzüglich der Nichterwerbspersonen (Kinder, Schüler, Rentner, nicht
berufstätige Hausfrauen usw.). D. h. alle Personen die aktiv im Berufsleben
stehen oder vorübergehend arbeitslos, aber dennoch arbeitsfähig und
arbeitswillig sind.
Der Quotient von Erwerbspersonen und
Wohnbevölkerung gibt an, wieviel Prozent der Gesamtbevölkerung
Arbeitsleistung erbringen kann.
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Arbeitslose im Sinne der amtlichen
Statistik sind nur Personen, die arbeitsfähig und auch beim Arbeitsamt als
arbeitssuchend registriert sind.
Es ist Wichtig zu unterscheiden zwischen der
Arbeitslosenquote bezogen auf abhängige Erwerbspersonen und bezogen
auf alle Erwerbspersonen. In Zeitungen und Büchern finden sich
Quoten, die entweder nach der einen oder anderen Formel ausgerechnet worden
sind:
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3.2. Arbeitslosigkeit seit
1946:
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Die Entwicklung der Arbeitslosenquote in
Deutschland stand nach dem zweiten Weltkrieg im Zeichen des
"Wirtschaftswunders". Viele Faktoren wirkten zusammen, so daß sich die
Wirtschaft vom Zusammenbruch 1945 sehr rasch erholte und ebenso die
Arbeitslosigkeit leicht zurückging. Zwar stieg die Quote Anfang 1950
nochmals auf 11%, nahm dann aber stetig ab, bis Ende der 50er Jahre sogar
Vollbeschäftigung zu herrschen begann, Unterbrochen nur durch eine
Rezession Mitte der 60er Jahre. Strukturkrisen im Bergbau und in der
Bauindustrie, aber auch konjunkturelle Faktoren führten zum Anstieg der
Quote, die aber rasch wieder auf Vollbeschäftigungsniveau zurückging.
Hierfür sind wiederum verstärkte Auslandsnachfrage und ein
Investitionsboom verantwortlich.
Ab 1973 ist wiederum ein deutlicher Anstieg der
Arbeitslosigkeit zu beobachten und 1975 klettert die Zahl auf über eine
Millionen Erwerbslose. Nach leichter Erholung in den folgenden Jahren
erhöhte sich die Zahl 1983 auf über 2 Millionen. Entsprechend den
Verläufen der Konjunkturzyklen sank die Quote in den Folgejahren zwar,
jedoch nicht wieder auf das Niveau der 70er Jahre. Die Wiedervereinigung
Deutschlands leitete nach einiger Zeitverzögerung eine Phase extrem hoher
Arbeitslosigkeit, vor allem im Osten ein, die bis heute
anhält.
4. Der Arbeitsmarkt im 1.
Halbjahr 1996:
Die folgenden
Grafiken[2] geben
einen Überblick über die Entwicklung am Arbeitsmarkt in den Monaten
Januar bis Juni `96. Nachfolgend wird ausführlich zur Grafik und zum
Fortgang am Arbeitsmarkt Stellung genommen:
Grafik 2:
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Grafik 3:
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Grafik 4:
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Grafik 5:
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4.1. Januar 1996:
Nachdem Anfang Februar die neuesten Zahlen der
Arbeitslosenstatistik für den Vormonat veröffentlicht worden sind,
geisterten beunruhigende Überschriften durch die Presse. "Über vier
Millionen ohne Arbeit" hieß es da beispielsweise im
Handelsblatt.
Dies ist gleichzeitig ein neuer negativer
Nachkriegsrekord in Deutschland. Der absolute Wert lag bei 4,159 Millionen
Arbeitslosen, entsprechend 10,8%, gemessen an der Zahl aller zivilen
Erwerbspersonen. Die Zahl der Kurzarbeiter hat im Januar sehr stark zugenommen
und war mit 293900 deutlich über dem Niveau des Vorjahres. Die
Arbeitslosigkeit Älterer hat sich ebenso erhöht. Über 0,8
Millionen Arbeitslose, 112000 mehr als vor einem Jahr, sind über 55Jahre
alt. Das entspricht einem Anteil von 20%. Leider sind diese ohnehin schon
erschütternden Zahlen nur die "halbe Wahrheit". Mehr als eine Million
weitere Menschen wurden nur, dank unseres Sozialstaates, durch
Arbeitsförderungsmaßnahmen, wie z. B. Umschulungen und ABM-Stellen
vor der Arbeitslosigkeit bewahrt.
Der enorme Anstieg läßt sich zum
großen Teil durch die Kältewelle begründen, die verstärkt
zur saisonalen Arbeitslosigkeit, vor allem auf dem Baugewerbe, geführt
hat.
Angesichts der negativen Entwicklung appellierte
der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda, das
Bündnis für Arbeit zum Erfolg zu verhelfen. Dabei handelt es sich um
ein von der Bundesregierung vorgeschlagenes Programm, daß Investitionen
fördern und die Beschäftigung erhöhen soll.
4.2. Februar 1996:
Auch im Februar hat sich der Arbeitsmarkt in
Deutschland weiter dramatisch verschlechtert. Nachdem schon im Januar die Zahl
der erwerbslosen Personen auf ein neues Nachkriegsniveau kletterte, stieg sie im
Februar um 0,3% auf nunmehr 11,1%. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Anstieg
um über einen Prozentpunkt. Erheblich zu der Entwicklung trug die
Baubranche bei. Die Beschäftigung in diesem Sektor lag im Winter 95/96 im
Westen knapp 4% niedriger als noch ein Jahr zuvor. Aber auch die derzeit
gedämpfte allgemeine Konjunkturlage in Deutschland ist
mitverantwortlich.
Zwar erhöhte sich die Zahl der offenen
Stellen im Februar leicht, doch ging die Zahl der Vermittlungen durch das
Arbeitsamt binnen Jahresfrist um 6% zurück. Dramatisch stieg im gleichen
Zeitraum die Zahl der Kurzarbeiter um 64% auf mehr als 0.4 Millionen an. 1,5
Millionen Menschen wurden nur durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen des
Staates vor der Beschäftigungslosigkeit bewahrt.
Politiker, führende Gewerkschafter und
Arbeitgeber machten sich erneut gegenseitige Schuldzuweisungen über die
Ursachen der Arbeitsmarktzahlen und Auswege. So wurde beispielsweise kritisiert,
daß über eine Millionen Nicht-EU-Bürger eine Arbeitserlaubnis in
Deutschland erhielten. Die Ausländerbeauftragte der Bundesregierung,
Schmalz-Jacobsen, wies dies jedoch mit der Begründung zurück,
daß eine Arbeitserlaubnis nur ausgestellt werde, wenn kein deutscher
Arbeitnehmer für den jeweiligen Arbeitsplatz zur Verfügung stehe. Im
Hinblick auf die auch schon 1995 angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt, ist dies
jedoch nur schwer nachzuvollziehen.
Arbeitgeber wiesen den Gewerkschaften die Schuld
zu, da deren Forderungen nach 5-6% mehr Lohn ohne Rücksicht auf
Arbeitsplätze geschehe. Gewerkschafter verteidigten ihre Politik und
forderten die Regierung auf, geplante staatliche Investitionen nicht zu
streichen.
Die äußerst negativen Zahlen vom
Arbeitsmarkt sollten allerdings viel mehr zum Anlaß genommen werden, auf
"gegenseitige Schuldzuweisungen zu verzichten und endlich Nägel mit
Köpfen zu
machen"[3].
4.3. März 1996:
Erwartungsgemäß setzte im März die
Frühjahrsbelebung ein. Diese war aber wegen der kalten Witterung nur
schwach ausgeprägt. Der Rückgang sei ausschließlich auf
jahreszeitliche Gründe zurückzuführen. Jagoda sprach allgemein
von einer enttäuschenden Entwicklung. Die Zahl der Arbeitslosen reduzierte
sich um knapp 130000 auf 4,14 Millionen. Dies entspricht einer Quote von 10,8
bezogen auf alle Erwerbspersonen. Im Vergleich zum Vorjahr, liegt diese Zahl
über 1% oder 0,47 Millionen höher. Die Kurzarbeit wurde nur noch
geringfügig ausgeweitet und liegt bei 420000.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) appellierte
erneut an Politiker und Arbeitgeber endlich zu Handeln. Die Deutsche
Angestellten Gewerkschaft wertete die immer noch dramatische Arbeitslosenzahl
als Ausdruck einer gravierenden Konjunkturschwäche und forderte daher eine
Senkung der Leitzinsen, um die Wirtschaft anzukurbeln.
Weiterhin schlecht sieht es auf dem
Ausbildungsstellenmarkt aus. Von Oktober 1995 bis März 1996 lag die Zahl
der Ausbildungsplätze im Westen mit 413100 um 8% niedriger als im
Vorjahreszeitraum. Andererseits ist die Zahl der Bewerber um 7% gestiegen. Eine
ähnliche Entwicklung wurde auch im Osten verzeichnet. Jagoda appellierte
erneut an die Wirtschaft ihre Zusage, 1997 10% mehr Ausbildungsplätze
bereitzustellen, zu realisieren.
4.4. April 1996:
Erstmals in diesem Jahr ist die Zahl der
Erwerbslosen wieder unter die vier Millionen Marke gefallen. Der Rückgang
auf 3,97 Millionen entspricht einer Quote von 10,4%, im Vorjahr lag sie in
diesem Zeitraum jedoch mit 9,4% deutlich niedriger. Die Kurzarbeiterzahl
verminderte sich im April auf 390400, nachdem sie in den letzten Monaten stetig
bis auf über 0,42 Millionen gestiegen war. Diese Rückgänge sind
allerdings nur saisonal begründet, da z. B. in Angestellten-Berufen, die
weniger von den saisonalen Schwankungen beeinflußt werden, ein weiterer
Anstieg zu verzeichnen war.
Der sehr kalte Winter und konjunkturelle
Einflüsse waren auch im April noch für sehr hohe Zugänge in die
Arbeitslosigkeit verantwortlich (521900, +18% zum Vorjahr).
Außergewöhnlich hoch waren überdies die Abgänge aus
Arbeitslosigkeit mit fast 0,7 Millionen und die Stellenmeldungen und
-vermittlungen. Diese Zahlen lassen sich allerdings nicht als konjunkturelle
Impulse interpretieren, sondern sie spiegeln die nachgeholte
Frühjahrsbelebung wider.[4]
Der DGB wies auf die Tatsache hin, daß trotz
guter Ertragslage der Unternehmen keine zusätzlichen Arbeitsplätze
geschaffen würden, obwohl die Unternehmen dies behaupteten. Es besteht
weiterhin akuter Handlungsbedarf, um die Arbeitslosigkeit zu
senken.
4.5. Mai 1996:
Im Mai ging die Arbeitslosenzahl saisonbedingt
weiter leicht zurück und liegt nun bei 3,18 Millionen. Dies entspricht
einer Quote von genau 10% (-0,4% im Vergleich zum Vormonat). Dämpfend hat
sich die schlechte Auftragslage am Bau ausgewirkt und andere Bereiche in
Mitleidenschaft gezogen. Zwar ging auch die Kurzarbeit zurück, diese lag
jedoch noch sichtlich über dem Vorjahresniveau.
Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit ist aber
keineswegs bei allen Personengruppen gleich. Die Arbeitslosigkeit erhöhte
sich bei Arbeitern im Verlauf der letzten 12 Monate mit +10% im Westen eindeutig
stärker als bei Angestellten mit +7%. Der Grund hierfür liegt nach
Meinung Jagodas in der "schwachen Tendenz im Produzierenden Gewerbe". Bei den
Frauen ist dagegen ein geringerer Anstieg als bei Männern zu verzeichnen
gewesen. Der Grund hierfür liegt in der Teilzeitarbeit, die immer noch eine
Domäne der Frauen ist. In den neuen Bundesländern läßt sich
insgesamt ein ähnlicher Trend beobachten.
Weiterhin wies Jagoda in dem Bericht für Mai
auf die Kosten der Arbeitslosigkeit hin. Die Ausgaben der Bundesanstalt für
Arbeit sind von Januar bis Mai 1996 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 6%
angestiegen. Daher ist es fraglich, ob der Bundeszuschuß von 4,3 Mrd. DM
reichen wird.
Kritik und Besorgnis kamen vor allem aus Kreisen
der Gewerkschaften, die befürchteten, daß die Arbeitslosenzahl im
Durchschnitt dieses Jahres bei fast 4 Millionen konsolidieren würde. Sie
griffen vor allem das Sparpaket der Bundesregierung an. Bonner Politiker der
CDU/CSU Fraktion verteidigten ihr Sparpaket und warfen den Gewerkschaften, durch
ihre Tarifpolitik, Mitverantwortung für die Arbeitslosigkeit
vor.
4.6. Juni 1996:
"Kaum Bewegung am
Arbeitsmarkt"[5]
titelte das Handelsblatt über die jüngste Entwicklung im Juni. Die
Zahl der Arbeitslosen ging um nur 0,1% auf 9,9% zurück. Das entspricht
einer absoluten Zahl von 3,784 Millionen registrierten Arbeitslosen für
ganz Deutschland. Obwohl die Zahl der Kurzarbeiter gesunken ist und eine
kräftige Zunahme bei den Stellenangeboten zu verzeichnen war, kann dies
keineswegs als eine konjunkturelle Belebung gedeutet werden, da die Meldungen
überwiegend aus der Baubranche und Landwirtschaft kamen. Vielmehr ist die
Besserung auf saisonale Gründe zurückzuführen. Insgesamt ist die
Entwicklung gleichwohl negativ, da zum Beispiel die Erwerbslosigkeit unter
Angestellten merklich zunahm. Desweiteren befanden sich auch im Juni weit
über eine Millionen Menschen in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Mit
einer Verbesserung der Lage sei zumindest in diesem Sommer nicht mehr zu
rechnen, so Jagoda in seiner Stellungnahme. Handlungsbedarf bestehe auch bei den
Lehrstellen. Berechnungen des DGB ergaben, daß jeder fünfte 1996
keinen Ausbildungsplatz bekommen werde.
Wie schon im letzten Monat wurde das Bonner
Sparpaket energisch abgelehnt, da Gewerkschaften dadurch eine weitere
Verschlechterung sehen. CDU-Generalsekretär Hinze hingegen sprach sich,
gerade im Angesicht der hohen Arbeitslosigkeit, für eine konsequente
Umsetzung des von seiner Partei beschlossenen Maßnahmenkatalogs
aus.
4.7. Zusammenfassung:
Insgesamt läßt sich feststellen,
daß sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt im 1. Halbjahr 1996, trotz leichter
Frühjahrsbelebung, dramatisch verschlechtert hat. Die Quote verharrte fast
konstant 1% höher als 1995 (vgl. Grafik 4). Die Arbeitslosenzahlen für
Ostdeutschland näherten sich nur sehr geringfügig an die im Westen an.
Wie in Grafik 2 dargestellt, fiel der Anstieg im Februar sogar höher aus
als im Westen. Ebenfalls markant ist der Verlauf der Kurzarbeiterzahlen (vgl.
Grafik 5). Während 1995 kaum saisonbedingte Anstiege zu verzeichnen waren,
kletterte die Zahl vor allem im Februar 1996 stark an. Ein Grund für diesen
starken Anstieg ist die Neuregelung von witterungsbedingten
Einkommensausfällen, die seit Januar 1996 nicht mehr von den
Arbeitsämtern getragen werden müssen. Als Folge sind Baufirmen auf
Kurzarbeit ausgewichen oder haben verstärkt entlassen, was sich im Januar
und Februar sehr stark ausgewirkt hat (vgl. Grafik 3 und 5). Über eine
Million weitere Menschen befanden sich in diesem Zeitraum in Maßnahmen der
Arbeitsämter und entfielen somit der Statistik.
Hauptursache lag also im kalten Winter 1995/96,
und somit in saisonalen Gründen. Auch suchten immer mehr Frauen
Beschäftigung, was zu einer zusätzlichen Anspannung auf dem
Arbeitsmarkt führte. Demographische Entwicklungen in Deutschland sind nur
untergeordnet als Ursache zu sehen. Die Zuwanderung wird durch niedrige
Geburtenraten in Deutschland und Abwanderung fast ausgeglichen, so daß die
Bevölkerung insgesamt nur leicht zunimmt.
5. Auswirkungen:
Während viel über die Arbeitslosigkeit
und ihre Ursachen in den Medien diskutiert wird, werden die Folgen oft
vernachlässigt. Die Tatsache, daß es massive Auswirkungen gibt, ist
allerdings unbestritten und wird mit zunehmender Arbeitslosigkeit immer
deutlicher sichtbar.
5.1. ...auf den Einzelnen:
So hoch die wirtschaftlichen Kosten der
Arbeitslosigkeit auch sein mögen, so vermittelt doch der DM-Wert allein
kein Eindruck der anhaltenden Arbeitslosigkeit.
Der Verlust des Arbeitsplatzes ist zunächst
mit einem Schock verbunden; dann folgt eine aktive Phase der Stellensuche,
während der der Einzelne noch optimistisch ist und sich mit seinem Los noch
nicht abgefunden hat. Im zweiten Stadium, wenn alle Bemühungen und Versuche
fehlgeschlagen sind, wird der Betroffenen zunehmend pessimistisch und leidet
unter Ängsten. Dies kann bis hin zu Depressionen führen. In der
dritten und letzten Phase schließlich wird er fatalistisch und findet sich
mit seiner Lage ab.[6]
Darunter zu Leiden hat hauptsächlich die
Familie des Arbeitslosen. Besonders betroffen sind auch ältere Leute,
für die die Aussichten eine neue Anstellung zu bekommen erheblich
schlechter sind. Jüngste Untersuchungen aus den USA zeigen, daß
Arbeitslosigkeit sowohl physisch als auch psychisch zu einer
Beeinträchtigung der Gesundheit führt. Vermehrte Herzkrankheiten,
Alkoholismus und sogar Selbstmord sind nur einige
Beispiele.[7] Die
finanziellen Einbußen verstärken die Probleme noch zusätzlich.
Zwar bezieht ein Arbeitsloser unter bestimmten Voraussetzungen ein
Arbeitslosengeld, dies ist allerdings nur ein festgelegter Prozentsatz von
seinem vorherigen Einkommen.
5.2. ...auf die
Betriebswirtschaft:
Durch die hohe Arbeitslosigkeit in der
Bevölkerung sinkt naturgemäß die Kaufkraft stark ab. Sicherlich
muß der Arbeitslose weiterhin seine Grundbedürfnisse erfüllen,
doch wird er deutlich weniger Luxusgüter nachfragen. Dies gilt ebenso
für viele Arbeitnehmer, die vielleicht von Arbeitslosigkeit bedroht sind,
und daher lieber Sparen als irgendwelche Güter zu konsumieren.
Betriebswirtschaftlich führt dies zu einem deutlichen Umsatzrückgang
verschiedener Wirtschaftsbereiche. Ein Beispiel ist der Einzelhandel, der
bereits 1994 und 1995 einen Umsatzrückgang von jeweils 1% und 1996 sogar
von 2% zu verkraften hatte. Lebensmittelgeschäfte, die hauptsächlich
die Grundbedürfnisse befriedigen, konnten ein Plus von 0,3% verzeichnen,
der aber sicherlich auf die leichte Bevölkerungszunahme in Deutschland
zurückzuführen ist. Um mit dem stagnierenden oder gar
rückläufigen Umsätzen dennoch einen Gewinn zu erwirtschaften,
versuchen viele Unternehmen ihre Kosten zu senken. Daher tätigen
Unternehmer verstärkt Rationalisierungsinvestitionen, entlassen
Arbeitskräfte und Intensivieren die Arbeit mit der verbliebenen
Belegschaft. Mehr Arbeitslose bedeuten ein weiteres Absinken der Kaufkraft und
somit schließt sich ein Teufelskreis.
5.3. ...auf die
Volkswirtschaft:
Volkswirtschaftlich führt die hohe
Arbeitslosigkeit auch beim Staat zu niedrigeren Einnahmen. Weniger
Lohnempfänger bedeuten primär weniger Steuerzahler und somit geringere
Einnahmen. Darunter zu leiden hat auch die Sozialversicherung, die immer wieder
durch diverse Defizite in den einzelnen Bereichen Schlagzeilen macht. Trotz der
geringeren Staatseinnahmen bleiben die bisherigen Aufgaben und Ausgaben bestehen
und erhöhen sich sogar noch. So mußte der Staat 1996 zum Beispiel
über 4,3 Mrd. DM Zuschuß an die Bundesanstalt für Arbeit zahlen,
damit diese ihren Verpflichtungen nachkommen konnte. Das Resultat ist zum einen
eine höhere Kreditaufnahme des Staates bzw. ein Leistungsabbau des Staates,
der allerdings nur schwer zu verwirklichen ist. Daher sind Erhöhungen der
Sozialversicherungsbeiträge, vor allem bei der Kranken- und
Rentenversicherung geplant. Diese Maßnahme führt jedoch zu steigenden
Lohnnebenkosten, die zur Zeit im internationalen Vergleich in Deutschland
ohnehin schon an der Spitze liegen. Diese zusätzlichen Belastungen geben
allerdings einen erneuten Anreiz zu gunsten des Personalabbaus in Deutschland
und somit schließt sich auch in diesem Bereich ein
Teufelskreis.
6. Maßnahmen gegen die
Arbeitslosigkeit:
Anhand der dramatischen Entwicklung auf dem
Arbeitsmarkt, der wie der Name schon sagt, eigentlich nur von Angebot und
Nachfrage beherrscht wird, sollte jedem klar sein, daß es Maßnahmen
von Seiten des Staates bedarf. Leider läßt sich nicht ohne weiteres
ein Wundermittel finden, mit dem man die Probleme beseitigen kann. Im
internationalen Vergleich, z.B. mit den Vereinigten Staaten von Amerika
läßt sich veranschaulichen, daß mit bestimmten staatlichen
Mitteln die Arbeitslosigkeit reduziert werden kann. In den USA ist seit einigen
Jahren ein stetiger Rückgang bis auf aktuell unter 6% zu verzeichnen. Im
folgenden soll versucht werden Maßnahmen für Deutschland
aufzuführen, deren Auswirkungen zu analysieren und
auszuwerten.
6.1. Allgemeine
Maßnahmen:
Lohn- und Lohnnebenkosten: Mit
über 43DM je Arbeitsstunde in der Industrie wies Westdeutschland 1994 die
höchste Arbeitskostenbelastung aller Industriestaaten auf. Und auch 1996
lag Deutschland im internationalen Vergleich an der Spitze. Ein Großteil
dieser Kosten sind auf Personalzusatzkosten, vor allem
Sozialversicherungsbeiträge zurückzuführen, die der Arbeitgeber
zu einem bestimmten Prozentsatz mittragen muß. Im Durchschnitt betragen
Lohnnebenkosten 80% des Direktentgeltes. Zugegeben ist auch die
Produktivität hoch, dennoch ist der Standort Deutschland zu teuer geworden,
was das derzeitige Abwandern von Unternehmen ins billigere Ausland erklärt.
Eine Senkung der Kosten könnte diesen Trend aufhalten und sogar vermehrt
ausländische Unternehmen nach Deutschland locken. Erreicht werden
könnte dies, indem versicherungsfremde Leistungen aus der
Sozialversicherung herausgenommen werden. Die Beiträge würden sich
dadurch um über 8% reduzieren und die Arbeitskosten um 3,5%
mindern.[8]
Überstunden abbauen:
Während die Zahl der Arbeitslosen in den letzten Jahren stetig gestiegen
ist, nahm auch die Zahl der Überstunden der Arbeitnehmer immer weiter zu.
Eine logische Schlußfolgerung daraus wäre, diese Überstunden
abzubauen. Nach Berechnungen der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg,
könnten dadurch bis zu 400000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.
Leider fehlt jedoch die Bereitschaft der Arbeitgeber, da Überstunden, trotz
Zulage, immer noch billiger kommen, als die zusätzlichen Aufwendungen einer
Neueinstellung. (Siehe auch den ersten Punkt: Lohn- und
Lohnnebenkosten)
Teilzeitarbeit erhöhen:
Idealerweise könnten sich zwei Teilzeitarbeiter einen Arbeitsplatz teilen.
Bekräftigt wird diese Maßnahme außerdem durch die rege
Nachfrage nach Teilzeitarbeit, vor allem durch berufstätige Mütter,
die z. B. aus familiären Gründen nicht den ganzen Tag arbeiten wollen.
Allerdings rechnet sich für die meisten Betriebe Teilzeitarbeit kaum, weil
zusätzliche Aufwendungen auf das Unternehmen zukommen.
Mindestlöhne einführen:
Diese, Ende 1996 für die Baubranche beschlossene Maßnahme, zielt
nicht darauf ab neue Arbeitsplätze zu schaffen, sondern Arbeitsplätze
für Deutsche zu sichern. Durch die Öffnung der Grenzen Europas kamen
in den vergangenen Jahren immer mehr Bauarbeiter aus Niedriglohnländern, z.
B. Portugal, Griechenland und andere, vor allem osteuropäischen Staaten
über Arbeitsverträge nach Deutschland. Entsprechend dem niedrigeren
Niveau der dortigen Löhne arbeiteten diese Menschen billiger auf
Deutschlands Baustellen als Deutsche, da dieser Lohn nicht ausreichte, um in
Deutschland den Lebensunterhalt finanzieren zu können. Durch die
Mindestlöhne, die seit Januar 1997 gelten, muß jedem Arbeiter ein
bestimmter Stundenlohn gezahlt werden. Dadurch wird erhofft, daß
Arbeitgeber wieder vermehrt Deutsche anstellen.
Staatlichen Investitionen
erhöhen: Durch diese Aktion würde der Staat auf dem Markt
verstärkt als Nachfrager auftreten. Hieraus resultiert indirekt auch eine
größere Nachfrage nach Arbeitskräften und somit ein
Rückgang der Arbeitslosigkeit. Dies entspricht der Lehrmeinung von John
Maynard Keynes: Ist die Nachfrage zu schwach, um Vollbeschäftigung zu
gewährleisten, soll der Staat zum Ausgleich mehr Güter und Dienste
nachfragen und dazu notfalls ein Haushaltsdefizit in Kauf
nehmen.[9]
Allerdings kann eine solche Maßnahme nur von vorübergehender Dauer
sein, z. B. zur Überbrückung einer Rezessionsphase.
Mehrwertsteuer anheben: Obwohl die
Erhöhung der Mehrwertsteuer von momentan 15 auf 16% eine Maßnahme
ist, die sowohl die Bundesanstalt für Arbeit als auch die Regierung
befürworten, sollte diese Aktion vorsichtig betrachtet werden. Dadurch
würden sich die Steuereinnahmen erhöhen, was zum Beispiel zu einer
Entlastung der Sozialversicherung, also der Lohnnebenkosten führen
könnte. Gleichzeitig wird der Bevölkerung aber Kaufkraft entzogen.
Dies könnte zu weniger Konsumausgaben bzw. Investitionen führen, somit
zu weniger Unternehmensgewinnen und letztlich in einem gewissen Grad zur
Arbeitslosigkeit.
Qualifikation anpassen: Es ist auch
äußerst wichtig zu beachten, daß die derzeitigen Arbeitslosen
zum Teil eine niedrige Qualifikation aufweisen oder zumindest nicht die auf dem
Arbeitsmarkt Nachgefragte. Umschulungen und Weiterbildungen der Bundesanstalt
für Arbeit sind wichtige Mittel dem Trend entgegenzuwirken. Oftmals wird
von der Wirtschaft beklagt, daß Lehrlinge oder Hochschulabgänger
nicht das notwendige und wünschenswerte Wissen mitbringen. Es besteht also
bei Schulen und Hochschulen Reformbedarf, um die schulische Ausbildung der
Nachfrage anzupassen.
Dienstleistungssektor ausbauen: Im
internationalen Vergleich wird deutlich, daß es in Deutschland noch ein
großes Potential an Arbeitsstellen im Dienstleistungssektor gibt, die es
auszunutzen gilt. Starre Landenöffnungszeiten und die Haltung der
Gewerkschaften behindern flexible Unternehmenspolitik im Mittelstand und der
Industrie. Aber auch die steuerliche Anerkennung für Ausgaben im
Haushaltsbereich, z. B. für Putzfrauen, Gärtner usw. würde eine
positive Auswirkung auf den Arbeitsmarkt haben.
Nach Berechnungen der Bundesanstalt für
Arbeit würden solche Maßnahmen, werden sie konsequent und schnell
umgesetzt, bis zum Jahr 2000 weit über eine Million neue Arbeitsplätze
schaffen.
6.2. Die Bundesanstalt für
Arbeit:
Das erklärte Ziel der Bundesanstalt für
Arbeit in Nürnberg, die 1952 gegründet wurde, ist es einen hohen
Beschäftigungsstand zu verwirklichen und aufrechtzuerhalten. Die
gesetzliche Grundlage liefert das Arbeitsförderungsgesetz (AFG) von 1969,
daß unter anderem die Zahlung von Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe und
Kurzarbeitergeld regelt. Zum Ausführen der entsprechenden Maßnahmen
verfügt sie über 9 Landesarbeitsämter, etwa 150 Arbeitsämter
und 550 Nebenstellen. Zu den direkten Maßnahmen der Bundesanstalt für
Arbeit gehören unter anderem:
Arbeitsvermittlung: Vermittlung von
Arbeitslosen in eine neue Beschäftigung und Zuführung neuer
Arbeitskräfte in ein Unternehmen.
Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen:
Der Grundgedanke besteht darin, die Zahlung des Arbeitslosengeldes mit einer
produktiven Arbeit zu verbinden, die der Wiedereingliederung von Arbeitslosen in
den Wirtschaftsprozeß dient. Berufliche Fortbildung und Umschulungen, um
die Qualifikation der Arbeitslosen zu erhöhen bzw. dem Arbeitsmarkt
anzupassen, sind weitere Aktionen.
Sonstige Aufgaben: Sie umfassen vor
allem das Erstellen von Statistiken, die bei der Lenkung der Wirtschaft helfen
sollen. Außerdem muß die Bundesanstalt für Arbeit sogenannte
Lohnersatzleistungen bei Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit
erbringen.
7. Schlußfolgerung:
Wie Eingangs bereits erwähnt, stellt die
Arbeitslosigkeit momentan die größte Sorge der Deutschen dar. Die
Entwicklung der Arbeitslosenzahlen in den vergangenen Jahren und die Entwicklung
im 1. Halbjahr 1996 zeigen sehr genau, warum die Deutschen so denken. Anzeichen
für eine Besserung sind kaum in Sicht. Ganz im Gegenteil! Im Winter 1996/97
wurde wiederum ein neuer negativ Rekord verbucht und auch in den nächsten
Jahren wird die Arbeitslosigkeit wohl auf hohem Niveau verharren, selbst wenn
sich, wie von Experten erwartet in der zweiten Hälfte 1997 eine leichte
Besserung einstellen würde. "Am Ziel der Vollbeschäftigung muß
[weiter] festgehalten werden, auch wenn Vollbeschäftigung heute nicht
realistisch
erscheint"[10].
Es sollte ein primäres Ziel der Politik sein, schnell zu Handeln.
Maßnahmen um die Arbeitslosigkeit und damit ihre Folgen einzudämmen
gibt es schließlich genug. Geschaffen werden sollten aber keine hoch
subventionierten Stellen, sondern rentable Arbeitsplätze, deren zu
erwirtschaftender Erlös die anfallenden Kosten
übersteigt.
Literaturverzeichnis:
Literatur:
- Schiller, G.,
Volkwirtschaftslehre - Eine Entscheidungsorientierte Einführung, Darmstadt,
Winklers Verlag, 1990
- Jeske, J. / Barbier, H.
B., So nutzt man den Wirtschaftsteil einer Tageszeitung, Frankfurt,
Societäts-Verlag, 1993
- Niess, F., Geschichte
der Arbeitslosigkeit, Köln, Pahl-Rugenstein Verlag, 1979
- Wagenblaß, H.,
Volkswirtschaftslehre, öffentliche Finanzen und Wirtschaftspolitik,
Heidelberg/Hamburg, R. v. Decker`s Verlag, 1981
- Hübl, L. /
Schepers, W., Arbeitslosigkeit, Hannover, Hrsg. von der Niedersächsischen
Landeszentrale für politische Bildung, 1981
- Andersen, U. / Lange,
T., Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik Deutschland, Stuttgart, Ernst Klett
Verlag, 1980
- Fröhlich, T. /
Gertoberens K., Der Wirtschaftsteil der Zeitung Richtig gelesen
und
genutzt, München, Wilhelm
Heyne Verlag, 1989
- Hof, B., Arbeitsmarkt
und Arbeitsmarktpolitik, Köln, Deutscher Instituts-Verlag, 1979
- Samuelson P. A. /
Nordhaus W. D., Volkswirtschaftslehre 1, Köln, Bund-Verlag,
1987
Sonstige Quellen:
- Handelsblatt vom
4.1.1996, Seite 4
- Handelsblatt vom
9./10.2.1996, Seite 1, 2, 3, 4, 6
- Handelsblatt vom
26.2.1996, Seite 1, 6, 2
- Handelsblatt vom
6.3.1996, Seite 2
- Handelsblatt vom
7.3.1996, Seite 1, 2, 5
- Handelsblatt vom
20.3.1996, Seite 7
- Handelsblatt vom
11.4.1996, Seite 1, 6
- Handelsblatt vom
7.5.1996, Seite 1, 5
- Handelsblatt vom
11.6.1996, Seite 1, 2, 5
- Handelsblatt vom
10.7.1996, Seite 1, 2, 6
- Süddeutsche Zeitung
vom 10.7.1996, o. S.
- Frankfurter Allgemeine
Zeitung vom 10.7.1996, Seite 13, 15
- Schwabacher Tagblatt vom
1.2.1997, o. S.
- Schwabacher Tagblatt vom
30.11/1.12.1996, Seite 6
- Schwabacher Tagblatt vom
17./18.2.1996, Seite 4
- Schwabacher Tagblatt vom
20.8.1996, o. S.
- Bertelsmann Universal
Lexikon, CD-Rom, Ausgabe 1995
- Ringvorlesung der
Friedrich Alexander Universität Erlangen-Nürnberg:
Arbeitsmarktentwicklung und Arbeitslosigkeit im Überblick am 21.11.1996,
19.00Uhr
- diverse
Fernsehsendungen
Ich erkläre hiermit, daß ich die
Facharbeit ohne fremde Hilfe angefertigt und nur die im Literaturverzeichnis
angeführten Quellen und Hilfsmittel benützt habe.
, den
Ort Datum Unterschrift des
Schülers
[1] Zahlen aus:
Schwabacher Tagblatt vom 20.8.1996, o. S.; Schiller, Volkswirtschafts-
lehre, Seite 40; Niess, F., Geschichte der Arbeitslosigkeit, Seite
236ff
[2] Nachfolgende
Grafiken sind aus den Zahlen des Handelsblattes erstellt (Ausgaben siehe
Bibliographie)
[3] Handelsblatt
vom 7.3.1996, Seite 2
[4] Handelsblatt
vom 7.5.1996, Seite 5
[5] Handelsblatt
vom 10.7.1996, Seite 1
[6] nach Andersen,
U. / Lange, T., Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik Deutschland,
Stuttgart, Ernst Klett Verlag, 1980, Seite 74f
[7] nach Samuelson
P. A. / Nordhaus, W. D., Volkswirtschaftslehre 1, Köln, Bund-Verlag,
1987, Seite 334
[8] Nach
Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.
Veröffentlicht im Handelsblatt vom 20.3.1996, Seite
7
[9] J. Jeske / H.
D. Barbier, So nutzt man den Wirtschaftsteil einer Tageszeitung, Seite
523
[10] Bernhard
Jagoda, Präsident der Bundesanstalt für Arbeit. Aus dem Handelsblatt
vom 26.2.1996, Seite 6
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