|
Du bist hier: Referate Datenbank | Deutsch
| Peron, Marìa Eva Duarte de (1919-1952)
Peron, Marìa Eva Duarte de (1919-1952)
1.Einleitung
Marìa Eva Duarte de Peron.Wer war diese
Frau, die Argentinien so geprägt hat, die von ihrem Volk als
heroisch Halbgöttin dargestellt und von der Opposition spöttisch
verachtet wurde?
Evita war eine Mythos,vergleichbar mit Lady Di oder
Marylin Monroe. Sie war schön, pompös und wurde früh aus ihrem
Leben gerissen; aber war sie auch Mensch? War ihre Politik eine Show oder
wirklich ernst gemeint? Hätte sie den gleichen Weg geschafft, wenn sie
nicht so schön gewesen wäre, oder muss man sich eher fragen, wenn sie
nicht zur richtigen Zeit die richtige Liebschaft gehabt hätte? War es die
Kraft der Liebe oder die Begierde nach Macht, die Evita zur grössten
Peron-Fanatikerin machte?
Diese Fragen habe ich mir gestellt, während ich den
Spuren Evitas gefolgt bin.
2.Evitas Weg nach Buenos Aires
Am Morgen des 7. Mai 1919 gebar Juana Ibaguren in
Los Toldos, dem Meer von Wiesen, noch ein uneheliches Kind. Juana war als arme
Frau schon Mutter vier Kindern, deren Vater, ihr Geliebter Juan Duarte, ein
Angesehener und reicher Bürger war. Ihr Geliebter war verheiratet und so
musste Juana ihre fünf Kinder alleine ernähren, und das war nicht die
einzige Last, die sie zu überwältigen hatte. Als moralisch nicht
einwandfreie Frau, die eine verbotene Liebe führte und beschimpft wurde
Bastarde als Kinder zu haben, wurde sie zur Zielscheibe der bösen
Sprüche des ganzen Dorfes. Nach Evas Geburt verliess Juan Duarte seine
Estancia (=Landgut) und kehrte zu seiner ehelichen Familie zurück. Der
Ueberlebenskampf fing an. Juana versuchte mit Näharbeiten und Prostitution
ihre “kleine Sippschaft” über Wasser zu halten.
Im Jahre 1930, vier Jahre nach dem Tod ihres
Ex-Geliebten, zog sie mit ihren Kindern nach Junin, um nach einer
Erwerbstätigkeit zu suchen. Genau zur gleichen Zeit ereignete sich der
Militärputsch, gegen eine demokratische Regierung, der den
Präsidenten Hipolito Irigoyen stürzte. Der Arbeiterkampf
erreichte noch im selben Jahr einen Höhepunkt, als Hunderte
Schienenarbeiter entlassen wurden; doch selbst politische Streitigkeiten
berührten die Frauen auf dem Land nur indirekt durch die
Preise.
Trotzdem ging es Evas Familie finanziell besser als in
Los Toldos, schulisch aber hatte Eva selbst grosse Probleme, so dass sie zwei
Mal sitzen blieb und die Grundschule 1935 verliess. Sie setzte sich in
den “Zug der Sehnsucht mit Endstation Buenos Aires”, um dort bei
ihrem Bruder, ihrem engsten Vertrauten zu wohnen und ihr Glück beim Theater
und dem neu aufkommenden Kino zu suchen. Durch den Tangosänger Augustin
Magaldi lernte sie einige wichtige Kritiker kennen. Die erste
“Bekanntschaft”, die ihr geholfen hat.
Zu dieser Zeit, mit erst siebzehn Jahren, war die
künftige Präsidentenfrau arm, mager und steckte in einer tiefen Krise.
Die italienische Schauspielerin Pierina Dealessi über Eva:”Sie war
ein fast durchscheinendes, winziges, mageres Etwas. Sie war so mager, dass man
nicht wusste, ob sie kam oder ging. Bei all dem Hunger, dem Elend und der
Verwahrlosung hatte sie immer eiskalte, schweissige Hände.” Erst als
sie, vier Jahre nach ihrer Ankunft in Buenos Aires, beim Radio ihre ersten
Erfahrungen sammelte, ging es langsam bergauf. Sie wurde zur ersten Besetzung
einer populären Radioserie gewählt. Aber auch der Erfolg machte sie
nicht zur Senorita. Sie pflegte immer Liebhaber zu haben, die ihr auf irgend
eine Weise zu helfen wussten und vulgär ausgedrückt, was ihr den Ruf
einer Prostituierten verlieh.
Sie beherrschte die Kunst geschickt mit den Waffen einer
Frau umzugehen. Das wurde ihr später als Präsidentenfrau auch mehrfach
angekreidet, da sie Macht über andere gewann, indem sie Unschuld durch
Erfahrung ersetzte.
3.Peron und ihre Begegnung
1940 war der 2. Weltkrieg zwar bedrohend, da sich
die Bevölkerung in Gruppen spaltete, aber in weiter Entfernung. Einige
ergriffen Partei für die Alliierten, andere für die
Nationalsozialisten und wiederum andere wollten sich aus den Konflikten der
Grossmächte heraushalten. Der korrupte Präsident Castillo wurde
anfangs Juni 1943 von den Obristen der GOU (Grupo de Oficials
Unidos = unzufriedene nationalistische Offiziere) gestürzt. Sie wollten ihr
Vaterland “retten”. Die Macht übernahm provisorisch General
Pedro Ramirez und er übergab dem beliebten Oberst Juan Domingo Peron
ein unbeliebtes Amt, die Leitung des Arbeitsministeriums “Oficina de
Asuntos Laborales”, weches später in die “Secretaria de Trabayo
y Revision” umorganisierte. Dieser Putsch führte zu enormen
Veränderungen. Man wollte das Volk mehr in die Politik miteinbeziehen und
so wählte man die Medien als Verbindungsmittel, die auch die Verbindung
zwischen Eva und dem 24 Jahre älteren Peron sein sollte.
Ein mächtiges Erdbeben erschütterte eine der
ärmsten Provinzen und deren Bewohner. Peron übernahm die Leitung der
Hilfsaktion und die Organisation der Spendensammlung, die die Schauspieler von
Buenos Aires für ihn einkassierten. Als Eva ihre Sammelbüchse leerte,
sah Peron sie zu ersten Mal: “Ich sah sie an und fühlte, wie ihre
Worte mich überwältigten; so erlag ich vor allem der Macht ihrer
Stimme und ihres Blickes.” An jedem Abend nach einem
Wohltätigkeitsfest, nahm er sie mit zu sich nach Hause. Eva beschrieb es
so: “ Es war die Begegnung zwischen einem Spatz in einer Spatzenschar und
einem riesigen Kondor, der dem Gott so nahe, durch die Lüfte
schwebt.”
Der Kondor war ein hochgeschätzter Redner und
Strategiker, seine Intelligenz unterstrich und betonte er mit seiner Eleganz. Er
war schon mit einer sehr jungen Frau, namens “Potata”, verheiratet
gewesen, die nach kurzer Ehe (auch) an Unterleibskrebs starb. Der junge Wittwer
schiffte nach Europa über, wo er im Namen des Militärs Studien betrieb
und auch Benito Mussolini vorgestellt wurde. Diese Europareise
prägte ihn sehr und gewisse Ideen nahm er auch mit nach Hause, wie die
Wichtigkeit, die Gewerkschaftler auf seiner Seite zu haben. Peron war ein
effizienter Vermittler zwischen den Arbeitern und der Militärregierung.
Auch pflegte er den Kontakt zu sozialistischen, kommunistischen und
anarchistischen Führern, die später dann auch auf seiner Seite
standen. So gründete er den Peronismus, den er dann auch mit Eva
ausübte. Peronismus war eine politisch soziale Bewegung und wendet
sich an die ärmeren Schichten der Bevölkerung. Ihre Ziele bestanden
darin, die Herrschaft der Grossgrundbesitzer zu beseitigen, grössere
wirtschaftliche Unabhängigkeit vom Ausland zu erzielen und die Bildung
einer umfassenden Sozialgesetzgebung zu gewähren. Der Peronismus vertratt
die populistische antiparlamentarische Ideologie des starken Staates und hob die
Stellung des Militärs hervor.
Peron galt als “Prototyp des erfolgreichen
Argentiniers” und erreichte seinen ersten politischen Höhepunkt als
er am 24. Februar 1944 das wichtigste und angesehenste Amt, das des
Kriegsministers, übernehmen durfte. General Edelmiro Farrell,
der seit Anfangs Februar, nach dem Bruch der Achsenmächte, von der GOU
neu gewählte Präsident war, übergab seinem
persönlichen Freund, eben Peron, diesen begehrten Posten. Dazu kam noch das
Glück mit Eva.
Die beiden verband etwas, das mehr als
“Liebe” war. Er unterstützte ihre Karriere als Radiosprecherin,
und stellte ihren Einfluss zu Diensten des Militärs. Da die beiden total
verschiedenen Menschen so schnell von einander Besitz nahmen und ihre Liebe auch
nie leugneten, wurden sie schnell zum Hauptthema übler Reden. Sie vor allem
galt als skrupellose Intrigantin, da sie sich ungeniert zur Generalsgattin
erheben liess und schon bald an wichtigen politischen Verhandlungen teilnahm.
Endgültig riss der Faden der Oligarchie, als Peron Eva am Nationalfeiertag
1944 mitnahm und sie vorstellte. Böse Blicke und Herablassungen mussten
ertragen werden, aber anstatt entmutigt, fühlte sie sich innerlich
angefeuer. Eva gab alles, was sie an Kraft hatte, um stark an Perons Seite zu
stehen und ihn stark zu machen.
4.Neue Politik
Im September 1945 war er der starke Mann und
hatte drei Aemte inne. Die Opposition betrachtete ihn auf Grund seiner
Mehrgleisigkeit als gefährlich, auch das Wort Nationalismus, welches
er häufig wählte, hatte in der Zeit des 2. Weltkriegs einen bitteren
Nachgeschmack. Mit seinem materialistischen Stil wurde er oft “Mussolini
der Pampas” genannt. Am 19. September maschierten 200000
Demonstranten aufklärerische Fahnen schwingend in Buenos Aires und sangen
die Parole: “ Bücher ja, Stiefel nein!” Aus Angst vor
Faschismus wurde Präsident Farrell durch einen Aufstand gezwungen Peron
abzusetzen. Der Leader wurde festgenommen. Als Antwort rief der
Arbeitergewerkschaftsbund CGT zum Generalstreik auf. Am (ersten) 17. Oktober
strömten die Arbeiter, die sogenannten Descamindos, zu
Hunderttausenden zur Plaza del Mayo, um die Freilassung ihres Führers
Peron zu fordern. Durch ihren Druck schafften sie es auch, und Peron
schenkte ihnen von nun an diesen Tag als festen Feiertag: Der Grundstein
für den Peronismus war gelegt.
Fünf Tage später wurde Eva Maria Duarte mit
Juan Domingo Peron verheiratet. Am 24. Februar 1946 wurden Wahlen
durchgeführt: Das Gespann Peron und Hortensio Quijano gewann
überwältigend mit Zweidrittelmehrheit gegen die Union Democratica und
übernahm 28 der 30 Sitze im Senat. Senora Duarte de Peron entwickelte
ungewöhnliche Aktivitäten: Sie begleitete ihren Mann auf
Reisen, besuchte Kranken- und Waisenhäuser und liess Gewerkschaftsvertreter
zu sich kommem, um eine direkte Verbindung zwischen der Regierung und dem Volk
zu bilden. Ihre Arbeit erwies sich als langersehntes Bedürfnis. Die Perons
erschufen die Politik neu und waren beide bereit für die Erreichung ihrer
Ziele alles zu geben. Sie arbeiteten sicher auch mit korrupten Methoden, die
aber gut vertuscht worden sind.
Eva kompensierte ihr mangelndes Wissen durch Neugier,
Arbeitseifer und mit ihrem Charme, der wie ein Magnet anzog und auch Neider
hervorrief. Eva wurde z.B. nicht automatisch zur Vizepräsidentin, weil sie
zu jung wäre, aber auch ihre Mutter wurde abgelehnt. Sie erwies sich als
Spiegelbild ihres Mannes und stand hundertprozentig hinter ihm, wie selten eine
Frau in der Geschichte. “Schreitet über mich als Brücke zu
Peron”, so stellte sie ihren Mann auf ein Podest auf dem er wahrhaftig
heroisch erschien. Oder stellte sie sich selber mit diesen Worten auf ein
Podest?
5.Die peronistische Propaganda
Die peronistische Propaganda war sehr augwendig und sehr
geschickt. Evita schien immer beliebter, und das musste man auch nutzen. Ihr
Auftreten wurde strategisch eingesetzt, immer, um etwas Gezieltes zu bewirken.
Nur wirkte dies auf alle Schichten verschieden. Die Aristokratie verabscheute
ihren Prunk aus Neid, die Mittelschicht versuchte sie zu imitieren, und die
Frauen der Descaminsados vergötterten sie und ihre
Aufmachung.
Evitas eigenes Bild, zuerst sehr luxuriös und
pompös mit extravaganten Abendkleidern und glamurösem Schmuck, dann
die Strenge, die sie mit dem typischen Haarknoten aufwies, zeichnete die
Voraussetzung für ihre Wirkumgskraft auf. Sie suchte nach einem Symbol,
einem Modell ihrer selbst. Gewirkt hat sie auch durch die kitschige Propaganda,
Evita wurde verhältnismässig so viel abgelichtet wie Lady Di. Die
Fotos und Filme wurden im Kino als Vorspann gezeigt, so dass man fast von einer
kleineren Hirnwäsche sprechen kann.
6. Evita, die
Feministin
Aber Evita kümmerte sich nicht nur um ihr
Auftreten, sondern auch um Sozialarbeiten und Politik: Die feministische
Bewegung war bis dahin eigentlich nur auf die gebildete Elite beschränkt
gewesen. Das Frauenwahlrecht war von Seiten der Konservativen immer abgelehnt
worden, trotzdem waren die Frauen in den Städten nie politisch passiv
gewesen. Das Einzige was eingerichtet worden war, war die
Frauenförderungsstelle, die Peron 1944 eingerichtet hatte. Die Frauen
wollten mitbestimmen: Die Ideologinnen auf der Seite der Opposition, die
Arbeiterinnen und Hausfrauen auf der Seite Perons.-Aber nicht auf Evitas Seite,
noch nicht. Bei einer Demonstration im Februar 1946 verweigerten die
historischen Feministinnen, die Sozialistinnen, Evitas Rede, weil sie sich von
einem “Püppchen” repräsentiert fühlten und auch weil
Evita das Frauenwahlrecht einführen sollte und ihnen somit den Triumph
raubte.
Evita wurde 1947 Präsidentin der
parlamentarischen Kommission für Frauenwahlrecht. Politisch wurden noch
mehr Steine in den Weg gelegt als sonst: Die katholische Kirche, die auch in der
Politik viel zu sagen hatte, konnte all ihre Innovationen nicht akzeptieren,
weil sie ihre Vergangenheit nicht akzeptieren konnte. So musste Evita mit
“doppelter Botschaft” handeln, um sich nicht mit der Kirche
anzulegen. Am Tag ihrer Einführung sagte sie: “Ist die beste
feministisch Bewegung der Welt nicht diejenige, die sich aus Liebe der Sache und
den Lehren des Mannes verschreibt?” - Ziemlich paradox.
Mit der Gründung der Peronistischen Frauenpartei
setzte sie eine Bewegung in Gang, die einem Dominospiel glich. Zwar sollten die
Frauen nicht politisieren, aber Sozialarbeit betreiben um die Leute zu
peronisieren. So eröffneten die Frauen sofort Basiseinheiten &
Büros, in denen sie fleissig arbeiteten. Sie boten Frauenkurse an und
führten die Alphabetisierung ein. Die Gymnasien und die Studienplätze
füllten sich allmählich mit Frauen. Dennoch blieb die
Krankenschwester,aktiv und doch traditionell, als Symbol der modernen Frau, und
nicht die Akademikerin.
7. Ihr Meisterwerk
Evita hetzte die Frauen nie auf feministisch zu sein,
sondern eher sich zu opfern. Opfern für ein besseres Argentinien, alles was
sie an Liebe hatten, hätten sie opfern sollen. Am 19. Juni 1948
gründete sie die “Fundacion de Ayuda Social Maria Eva Duarte de
Peron”. Die Stiftung war eine Art Hilfskampagne, die einerseits das bisher
unzuverlässige Gesundheitswesen fördern sollte. Evita eröffnete
ein allgemein zugängliches, sozial faires Gesundheitszentrum nach dem
anderen. Diese wurden vor allem von Anteilen der Arbeitslöhne, Geld der CGT
und Kinosteuern finanziert. Ab 1951 fuhren sogar Sanitätszüge in das
schwer zugängliche Landesinnere, um auch die “Ausgeschlossenen
umarmen” zu können. Andererseits hatte sie ein Projekt laufen, durch
das Schulkinder die Möglichkeit erhielten, in ihrem eigenen Land
herumzureisen und ihre Berge und Küsten kennenzulernen, um den Kleinen
schon beizubringen, was Nationalgefühl und Peronismus, anstatt Patriotismus
war.
8. Die Abdankung
Evita lud sich irrational viel Arbeit auf, sie
verlangsamte nicht einmal ihr Tempo, als sie Anfang 1950 während
eines Staatsaktes ohnmächtig wurde und anschliessend am Blinddarm
operiert werden musste. Ausserdem stellte sich noch heraus, dass sie an
Fieberschüben und Blutungen litt. Da sie meinte, man wolle sie mit diesen
Diagnosen nur “wegschaffen”, damit sie in der Politik nichts mehr zu
sagen habe, liess sie sich nicht gynäkologisch untersuchen, obwohl der
Minister Uvanissevich schon damals Gebärmutterleiden und Krebs
Prophezeit hatte, da sie immer an Hüftschmerzen litt. Wenn Peron damals auf
eine Operation bestanden hätte, wäre sie am Leben geblieben. Ausserdem
wäre Evita dann kein Mythos, denn Mythen werden immer früh aus dem
Leben gerissen.
“Meine Zeit läuft ab”, hörte man
sie sagen, aber niemand verstand ihre Eile wirklich.
Evita zeigte ihre kämpferische Seite. Opferte sie
sich tatsächlich für ihre Descaminsados oder um sicher zu gehen, dass
sie wirklich als Evita unvergesslich werden würde?
Das Volk und die CGT wollten Evita als
Vizepräsidentin neben Peron haben. Am 22. August 1951 versammelten
sich mehr als eine Million Demonstranten vor dem Sozialministerium, um dem
Ehepaar ihre Unterstützung für die Wahlen zu versichern. Aber Evita
sollte nicht Vizepräsidentin werden, obwohl ihr Volk es dringend forderte.
Erstens weil sie vom Krebs geschwächt war und zweitens, weil eine Zusage
Perons sichere Stelle gefährdet hätte. Die Opposition hätte
diesen ersten Schritt als reine Provokation verstanden. Evita dankte per Radio
ab.
Gut einen Monat später, am 28. September 1951
führte Obrist Benjamin Menedez einen Militärputsch, der
aber innert Stunden von Peron, dank der Macht der CGT, niedergeschlagen wurde.
Nervosität breitete sich aus, und Evita liess auf Kosten ihrer Stiftung,
also auf Kosten ihrer Descaminsados, Pistolen und Maschinengewehre an das Volk
verteilen, damit man sich gegen einen erneuten Putschversuch wehren
könne.
9. Evitas Abschied
Doch gegen den Krebs am Muttermund konnte selbst ihr
Volk nichts tun; höchstens die rettende Operation, gegen die sie sich so
wehrte. An ihrem letzten 17.Oktober erschien sie schon halbtot. Der Tag der
Descaminsados wurde zum ersten Mal ihr gewidmet. An diesem Tag nahm Evita zum
ersten Mal von ihrem Volk Abschied und rief ihnen nochmals ins Gedächtnis,
dass ihr Name als Siegesbanner getragen werden solle. Das Land veranstaltete
Messen, um für sie zu beten, um sich auf den Tod der “Mama
Argentinia” vorzubereiten.
Am 6. November liess sie sich doch noch zur Operation
überreden. In einem von ihr selbst gegründeten Hospital wählte
sie zum ersten Mal und letzten Mal in ihrem Leben. Sie erfüllte noch mit
letzten Kräften offizielle Pflichten, die sie nur noch schwächer und
schlechter aussehen liessen, aber genau deshalb verglichen sie die Argentinier
mit Jesus Christus und sie erkorten sie zu zur “Geistigen Führerin
der Nation”.
Ein halbes Jahr später, am 4.Juni 1952
sollte sie ihren letzten Auftritt erleben. Peron wurde zur neuen
Legislaturperiode vereidigt, und das konnte und wollte sie nicht verpassen. Man
verabreichte ihr drei Morphiumspritzen und baute ihr eine Gipsstütze, die
sie während der Parade stützte. Sie wog zu diesen Zeitpunkt 33
Kilogramm. Am 26. Juli 1952 um viertel nach acht starb sie im
Kreise ihres Mannes und ihrer Familie. Argentinien weinte.
Die Totenwache zog sich offiziell bis zum 11. August
hin. Mit einem Meer von Blumen, Fackelumzügen und Schweigeminuten
verkündeten die Zurückgelassenen ihren Schmerz und ihre Trauer. Wenn
man nicht trauerte, dann wurde man dazu verordnet, denn das Leiden war kollektiv
und obligatorisch. Nach der Totenwache setzte Dr. Ara, die Einbalsamierung fort,
mit der er schon unmittelbar nach ihrem Tod begonnen hatte. So wurde Evita
“unsterblich” und ihr Leichnam unverwesbar.
Die Gedenktafel an ihrem Grabe ist noch heute
blumengeschmückt und Evita immer noch Herzen der
Argentinier:
“Wenn das Land von mir verlangte, mein Leben zu
geben, täte ich es mit Freuden, denn das Glück eines einzigen
Descaminsado ist mir mehr wert, als mein Leben...Ich drücke euch fest, ganz
fest an mein Herz und hoffe, dass ihr spürt, wie sehr ich euch
liebe.”
|