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Bradbury, Ray: Fahrenheit 451
Leonhard Rathner
Fahrenheit 451 -
Ray Bradbury
Autor
Raymond Douglas Bradbury wurde am 22. August 1920 in Waukegan (Illinois)
als Sohn einer Familie mit einer langen Tradition als privater Buchverlag und
somit in gewisser Weise literarisch geprägt geboren. Seit 1935 begann er
mit ersten schriftstellerischen Gehversuchen und verfaßte vornehmlich
Kurzgeschichten. 1937 schloß er sich der Los Angeles Science Fiktion
League an. “The Illustrated Man” begründete neben “The
Martian Chronicles” und dem Roman “Fahrenheit 451” Bradburys
Weltruhm und internationalen Erfolg. Heute lebt er mit seiner Familie in Los
Angeles.
Inhalt
Guy Montag ist Feuerwehrmann und seine Aufgabe ist es, Bücher zu
verbrennen. Doch als er Clarisse McClellan kennenlernt, ändern sich seine
Ansichten, und er beginnt Dinge zu hinterfragen. Das geht sogar so weit,
daß er Bücher gegen den Willen seiner Frau Mildred stiehlt und liest,
obwohl das strengstens verboten ist. Mit seinem Komplizen Faber will er aktiv
etwas gegen die Regierung tun, aber er muß wegen Buchbesitz sein Haus
verbrennen. Dabei tötet er seinen Vorgesetzen Beatty, und flieht über
einen Fluß in ein Land, in dem die Polizei keinen Eifluß hat. Dort
schließt er sich einer Gruppe Ausgeschlossener unter der Führung des
belesenen Grangers an, und beginnt ein neues Leben. Das Buch endet mit dem
Untergang des Heimatstadt Montags, den er aber als Neubeginn sieht.
Stoff
In diesem Buch geht es um eine Gesellschaft, in der Bücher verboten
worden sind. Der Weg des ordentlichen Bürgers und Feuerwehrmanns Guy Montag
zum Rebellen ist der Stoff dieses Romans.
Schauplatz
Das Stück spielt in der Zukunft. Die Welt, in der die Charaktere
leben, ist streng diktatorisch aufgebaut, die Bürger werden durch Verbote
und direkte Manipulation durch Werbung kontrolliert, und oppositionelle Menschen
sind Außenseiter, die verhaftet werden. Das Land befindet sich im
Atomkrieg, und geht am Schluß unter. Der Begriff Glück hat sich stark
gewandelt. So gibt es überdimensionale Fernsehschirme, Tempolimits sind
nicht vorhanden. Als Montag einmal die Straße überquert macht es den
Jugendlichen sogar Spaß, ihn überfahren zu wollen, sie haben kein
schlechtes Gewissen. Moral ist in dieser Gesellschaft vollkommen
abgeschafft.
Obwohl man sehr viel über solche Details erfährt, werden die
politischen Strukturen des Landes, die Staatsverfassung, die Funktion der
Wissenschaft und sogar der Zeitpunkt zu dem sich die Handlung zuträgt nicht
näher behandelt. Vor allem aus diesem Grund ist Bradbury oft von Kritikern
angegriffen worden, andererseits ermöglicht das eine Verallgemeinerung der
Situation, und Teile des Buches sind (selbst heute) als zeitkritisch anzusehen.
Charaktere
Die Charaktere in Bradburys Buch sind alle durch ihre oppositionellen
Einstellungen gepaart. Die zwei weiblichen Hauptrollen, Mildred (systemkonform)
und Clarisse (oppositionell) stellen einen sehr großen Gegensatz dar. Das
selbe geschieht zwischen Beatty und Faber. Durch Eigenheiten gepaart sind die
Feuerwehrmänner Stoneman und Black, sowie Mildreds Freundinnen Frau Bowles
und Frau Phelps. Die einzige Sonderrolle außer Montag selbst nimmt Granger
ein, der wesentlich zu seinem Gewissensbildungsprozeß beiträgt.
Guy Montag
Beatty
Clarisse
Mildred
Faber
Granger
Frau Bowles+
Frau Phelps
Stoneman+
Black
systemkonform
oppositionell
Guy Montag
Der 30-jährige Protagonist Guy Montag ist Feuerwehrmann. Aber im
Gegensatz zu den jetzigen Aufgaben dieser Berufsgruppe muß er nicht Feuer
löschen, sondern es machen. Sein Job ist es, Bücher zu verbrennen, da
Bücher von der Regierung verboten wurden - lesen ist illegal. Für ihn
selbst ist das nichts außergewöhnliches, er kennt es nicht anders. Er
ist Angestellter, denk nicht darüber nach, was er tut, und führt seine
Befehle aus. Er empfindet sogar Lust Feuer zu legen. [Das
gelbe Strahlrohr in der Hand, die Mündung dieser mächtigen Schlange,
die ihr giftiges Kerosin in die Welt hinaus spie, fühlte er das Blut in
seinen Schläfen pochen. Und seine Hände waren die eines erstaunlichen
Dirigenten, der eine Symphonie des Sengens und Brennens aufführte, um die
kärglichen Reste der Kulturgeschichte vollends auszutilgen. Auf dem Kopf
den Helm mit dem Zeichen 451, in den Augen einen flammenden Widerschein dessen,
was nun kommen sollte, knipste er das Feuerzeug an, und das Haus flog auf in
eine gierige Lohe, die sich rot und gelb und schwarz in den Abendhimmel
hineinfraß.]...[Auch nachher, wenn er sich schlafen legte, spürte er
jeweils im Dunkeln seine Züge noch zu dem brandigen Lächeln
verkrampfen. Es verließ ihn nie, dieses Lächeln, er konnte sich
überhaupt nicht erinnern, es jemals abgelegt zu
haben.]
[1]
Selbst der Titel des 1. Kapitels, “It was a pleasure to
burn” [2], der in der Übersetzung
leider verlorenging, symbolisiert Montags anfängliche Faszination und ein
gewisses Machtgefühl bei der Arbeit der Bücherverbrennung.
Alles ändert sich erst, als er zum ersten mal Clarisse trifft. Er
fühlt sich gleich durchschaut von ihr. [ Ihm war, als ob
ihn das Mädchen in Gedanken umkreise, als ob es ihm das Innerste nach
außen kremple, ohne sich selber von der Stelle zu
rühren.] [3] Auf die Frage, ob er
jemals eines der Bücher, die er verbrennt, gelesen hätte, meint Montag
lachend, daß das ja verboten sei. Als Clarisse geht stellt sie ihm noch
die Frage, ob er glücklich sei. Blitzschnell sagt er:
[ Selbstverständlich bin ich glücklich. Was glaubt
das Ding eigentlich? Ich sei nicht
glücklich?] [4] Alleine in der dunklen
Wohnung bestätigt er aber, daß er doch nicht glücklich ist.
[ Er war nicht glücklich. Noch während er die Worte
vor sich hin sagte, erkannte er, daß sie seinen wahren Zustand
wiedergaben. Er trug sein Glück wie eine Maske, und das Mädchen war
damit davongelaufen; es bestand keine Möglichkeit, bei ihr anzuklopfen und
die Maske zurückzufordern.] [5]
Clarisse schafft es, Guy Montag zu irritieren, und sie weckt ein
Unzufriedenheitsgefühl in ihm.
Nach dem Selbstmordversuch von seiner Frau Mildred merkt er, daß ihr
Bezug zur Realität sich geändert hat und er scheint die Welt schon mit
anderen Augen zu sehen.
Am nächsten Tag trifft Guy Montag Clarisse zufällig wieder auf
der Straße. Er bemerkt, daß sie ihm älter wie seine
30-jährige Frau vorkommt. Im Laufe des Gespräches erfährt der
Leser das erste mal, daß Guy Montag nicht wie alle anderen
Feuerwehrmänner ist, ihn ihm schlummert die Neugier, die Logik und der
Wille zum Nachdenken. [ Sie sind nicht wie die anderen. Ich
kenne einige, ich weiß Bescheid. Wenn ich spreche, sehen sie mich an. Als
ich etwas vom Mond sagte, gestern nacht, haben sie zum Mond hinauf geschaut. Das
würden die anderen nie
tun.] [6]
Sieben Tage lang sieht er Clarisse McClellan noch täglich, dann bleibt
sie plötzlich weg, er kann sie nirgends finden. Durch seine Frau
erfährt er vier Tage später, daß Clarisse überfahren worden
sei, aber sie ist sich nicht sicher, ob sie auch wirklich tot
sei. [7] Auf alle Fälle ist ihre Familie
weggezogen.
In der Arbeit fühlt er sich nicht mehr wohl. Seit einiger Zeit wird er
vom “Mechanische Hund”, einer künstliche Lebensform die die
Aufgabe der Polizisten übernommen hat, verfolgt, und er kommt sich von
allen Seiten bedroht vor. Er macht sich auch das erste mal Gedanken, wie es
wäre, wenn er Bücher hätte, wenn seine Bücher verbrennt
würden und wenn er dafür eingesperrt werden würde.
Bei einem Einsatz muß Montag miterleben, wie eine alte Dame mit den
Worten: [Seid ein Mann, Meister Ridley; wir werden heute, so
Gott will, in England eine Kerze anzünden, wie sie wohl nie mehr
auszulöschen ist.][8] Selbstmord
begeht, indem sie ihre Bücher anzündet und ins Feuer springt. Sie ist
lieber gestorben, als ohne ihre Bücher zu leben. Guy Montag wird durch
diesen Zwischenfall sehr verwirrt [9] aber zum
Glück hat er vorher noch ein Buch mitgenommen, er will endlich wissen, was
er eigentlich zerstört.
In der Nacht stellt Montag fest, daß ihm seine Frau fremd vorkommt,
als kenne er sie nicht. Nach zehn Jahren Ehe bemerkt er ihre Unfähigkeit
zur Kommunikation und ihre Flucht aus der Realität durch das Fernsehen.
[Und plötzlich kam sie ihm so fremd vor, daß er
nicht mehr wußte, ob er sie überhaupt
kannte.][10]
Zu diesem Zeitpunkt, als ihm seine Frau kurz vorher den Tod von Clarisse
mitgeteilt hatte, deutet der Autor den Gedanken an Selbstmord Montags
an. [11]
Nach dem Selbstmord der Frau bleibt Guy morgens von der Arbeit fern, doch
Beatty kommt ihn besuchen. Er beginnt einen Monolog mit Montag, und sagt ihm,
daß er glücklich sei. Dies ist der ausschlaggebende Punkt, nachdem
Montag sagt, daß etwas geschehen müsse, da er nicht (mehr)
glücklich sei. Er geht in den Flur, und holt mehrere Bücher hinter der
Klappe der Klimaanlage heraus. Er will diese Bücher endliche einmal selbst
lesen, obwohl es verboten ist. Er setzt sich und Mildred dadurch einem
großen Risiko aus, da Beatty noch einmal zurückkehrt, aber diese
Information ist ihm die Gefahr wert.
Bereits am Ende dieses Kapitels bricht Guy Montag mit anti-utopischen Staat
und dem System der Bücherfeindlichkeit. Für ihn haben die Bücher
aber noch nicht die Funktion der Orientierungshilfe im Hinblick auf den in
seinem Inneren schwelenden Wertekonflikt.
Am Anfang des zweiten Kapitels [12] sind
Guy Montag und Mildred noch immer damit beschäftigt, Bücher zu lesen.
Mildred will ihm nicht helfen, und Montag fragt sich, wer ihn noch in seinen
Ansichten unterstützen könnte. Er erinnert sich jedoch an eine
Begegnung mit einem alten Mann, Faber, den er ihm Park getroffen hatte. Er hatte
Montag damals auch seine Adresse gegeben, und diese kann sich dazu
entschließen, ihn anzurufen. Hier erfährt er, daß seine Bibel
wohl die letzte in diesem Erdteil sei, und er überlegt, welches Buch er
sonst Beatty, der vom Diebstahl weiß, geben soll. So fährt er mit der
Untergrundbahn zu Faber. Ihm kommt die Idee Bücher zu vervielfältigen,
bei Feuerwehrleuten einzuschmuggeln, daß diese angezeigt und ihre
Bücher verbrennt werden. Guy zwingt Faber, daß er ihn mit seinem
Wissen unterstützt, und ihn von den Büchern lehrt. Doch bevor Guy
Montag wieder geht verspürt er Angst, Angst daß Beatty ihn
überreden könnte, daß Bücher doch schlecht sind, und
daß er nicht widerstehen könnte. So gibt Faber ihm noch einen
kleinen, grün-metallischen Gegenstand mit, der einen Ohrhörer
darstellt, mit dem Faber und Montag immer kommunizieren können.
Als Guy geht, macht er seinen ersten wirklich selbst überlegten
Schritt zum eigenen Denken. Er fragt Faber, wann denn er endlich selbst etwas
denken würde, da er jetzt ja wieder die Befehle von ihm ausführe.
Zuhause angekommen muß Montag erkennen, daß Frau Bowles und
Frau Phelps zu Besuch waren. Nach einer Diskussion reagiert er zu heftig, holt
ein Buch und liest den beiden daraus vor. Er sieht aber nicht wirklich ein,
daß er einen Fehler begangen hat, aber nach einer Zeit bekommt er doch ein
schlechtes Gewissen, da eine der Frauen zu weinen begonnen hat, und er ist sich
nicht mehr sicher, ob Bücher doch nützlich sein können. Faber
hilft ihm jedoch in diesem schweren Augenblick.
Beatty, dem Montag das Buch übergibt, wirft er sofort weg, ohne den
Titel anzusehen. Er glaubt, daß Montag endlich verstanden hat, was
problematisch an Büchern ist, und hält ihn für
“geheilt”. Doch er sagt nur so, denn er weiß mehr. Beim
nächsten Alarm hält der Wagen von der Feuerwehr vor Montags
Haus.
Das dritte und letzte Kapitel [13] ist
für Montag der endgültige Umbruch. Beatty sagt zum überraschten
Montag [Jetzt hast du’s. Freund Montag wollte zur Sonne
emporfliegen, und nun, wo er sich die Schwingen versengt hat, wundert er
sich.”][14]
Montag sieht Mildred aus dem Haus kommen, und stellt sich dann seiner
Arbeit die Bücher zu verbrennen, gestärkt von Faber, den er immer noch
durch den Kopfhörer empfangen kann. Als Demütigung darf er es nicht
wie üblich mit Kerosin begießen, und anzünden, sondern muß
die ganze Prozedur langsam mit dem kleinen Flammenwerfer erledigen. Montag gibt
es aber die Chance mit seinem vorigen Leben abzuschließen.
[Er verbrannte die Schlafzimmerwände und das
Kosmetikkästchen, weil er alles verwandeln wollte, die Stühle, die
Tische, und im Eßzimmer das Silberzeug und Plastikgeschirr, alles, was
verreit, daß er hier in diesem Haus gelebt hatte mit einer fremden Frau,
die morgen schon nicht mehr an ihn denken würde,...] Erst als alles
zerstört ist, fragt er Beatty, ob ihn Mildred angezeigt hat. Dieser bejaht,
entdeckt den Ohrhörer, entwendet ihn Montag und sagt, daß er auch den
Sender finden werde. Erst diese Handlung gibt Guy den Anstoß, sich zu
wehren. Er entsichert den Flammenwerfer, und als Beatty ihn noch reizt,
drückt er mit den Worten [Wir haben nie richtig
gebrannt...][15] ab, und tötet
seinen Vorgesetzten. Sofort vom mechanischen Hund attackiert, kann er diesen
abwehren, und es gelingt ihm nach einem Besuch bei Faber über den
Fluß in ein anderes Land zu flüchten, ein Land ohne Verfolgung, ohne
Polizei, aber auch ohne Freunde, ohne Bücher.
Schön langsam wird ihm klar, daß Beatty sterben wollte. Er hatte
keinen Versuch gemacht, sich selbst zu retten, er hat Montag sogar provoziert
seine Tat zu vollenden. Für das erste mal in seinem Leben ist es Still um
ihm, und er nimmt plötzlich Sinneseindrücke wie Düfte und
Geräusche wahr. Das geht so lange, bis er Feuer sieht. Er trifft auf eine
Gruppe ausgestoßener Literaten, von denen er sofort aufgenommen wird. Erst
jetzt erkennt er, daß Feuer nicht nur verbrennen, sondern auch wärmen
kann. Granger, der Anführer der Staatsfeinde, erzählt ihm, daß
jeder von ihnen ein Buch gelesen hat, und daß sie es auswendig
können, so lassen sie die Literatur nicht vergessen werden.
Durch einen Atombombenangriff wird am Ende des Buches die Stadt von der
Montag geflüchtet ist zerstört. Für Guy Montag ist das aber nicht
der Abschluß seines Lebens, es ist der Neubeginn. Granger erzählt
noch einmal die Phönix-Sage, und er vergleicht die Menschheit mit diesem
Vogel - sie muß sich wohl immer wieder selbst verbrennen.
Clarisse McClellan
Die 17-jährige Clarisse ist die Nachbarin von Guy Montag. Sie ist
für ihre Zeit und ihre Umgebung nicht normal, da sie spazieren geht, Dinge
hinterfrägt, und sich den gesellschaftlichen Zwängen nicht unterwirft.
Beim ersten Treffen zwischen ihr und Montag zeigt sie einerseits Respekt dem
Feuerwehrmann gegenüber, andererseits sieht sie in Guy auch den Menschen.
Sie ist eindeutig optimistisch, sie glaubt sie kann die Welt verändern. Und
wenn nicht, so wird sich sicherlich nicht SIE anpassen. Es gelingt Clarisse
immer wieder, Montag einen Denkanstoß über irgendwelche Dinge zu
geben, will er jedoch hinterfragen, ist sie bereits gegangen. Montag selbst
empfindet große Zuneigung zu ihr, und ist sehr Zerstört, als er von
ihrem Unfall erfährt. Im Buch wird aber nicht aufgeklärt, ob sie den
Autozusammenstoß überlebt hat, oder nicht.
Clarisse ist mit Sicherheit der entscheidende Faktor, der Montags Wandlung
zum Rebellen einleitet. Sie scheint vernünftig zu sein, andererseits ist es
nicht einzusehen, warum sie sich der Gefahren der rasenden Autos auf den
Straßen ausliefert. Ob sich Montag in sie verliebt hat ist schwer zu
sagen, es könnte auch die Neugier auf das Neue sein.
Montag fallen an ihr besonders ihre Augen auf, in denen er sich gespiegelt
sieht.
Von der Gesellschaft als Außenseiter behandelt ist Clarisse unter
Psychologischer Betreuung. Sie ist eine sehr naturverbundene Person, was sich
schon im schottischen Präfix Mc in ihrem Namen zeigt. Ihre ganze Familie
ist außergewöhnlich, und sie werden vom Staat nicht gerne
gesehen.
Mildred
Mildred ist die 30-jährige Frau von Montag. Sie ist ein typischer
Vertreter der Gesellschaft dieser Zeit. Ihre einzige Freizeitbeschäftigung
ist es, die Fernsehfamilie, eine Seifenoper die auf vier Wand-großen
Bildschirmen ausgesendet wird, zu beobachten. Ihr ist alles irgendwie
gleichgültig, und ihr ist egal, was hinter den Dingen steckt. Zum Beispiel
überlegt sie sich, welcher der Kandidaten für die nächste Wahl
optisch am besten Aussieht, da sie für den stimmen wird. Sie scheint Montag
nicht mehr wirklich zu lieben, ihre Beziehung ist Alltag geworden, Guy stellt
keine Freude oder Herausforderung für sie da. So scheint es fast
vorprogrammiert, daß sie einen Selbstmordversuch begeht, der jedoch
mißglückt. Am nächsten Tag verleugnet sie, das getan zu haben,
denn sie sei ja glücklich.
Anfangs scheint sie Montags Vorhaben Bücher zu lesen zu tolerieren,
aber sie selbst findet nichts in Büchern, was ihr einen Lebensinhalt geben
könnte. Schließlich ist es sogar sie, die Montag anzeigt.
Faber
Faber ist ein älterer Mann, der sich den Büchern verschrieben
hat. Er unterstützt Montag sehr, genaugenommen ist er sein Lehrer. Ohne ihn
wäre Montag nie so weit gekommen. Obwohl er mit Montag voller Tatendrang
ist, konnte er sich alleine nicht dazu entschließen, etwas zu unternehmen.
Für ihn sind es nicht die Bücher selbst, die Freude und Glück
bringen, sondern die damaligen Zeiten. Für ihn sind Fotos und
Kassettenaufnahmen auch wichtige Überlieferungen aus der guten Zeit.
Faber ist ein eindeutiger passiver Charakter, der aber durch Montags
Tatendrang wieder ins Leben zurückgebracht wird.
Beatty
Beatty ist Montags Vorgesetzter. Er ist ein Handlanger des totalitären
Systems, er durchschaut Guy von Anfang an, er scheint alles zu wissen. Er will
Montag helfen, indem er ihm den mechanischen Hund nachschickt, doch Guy reagiert
nicht darauf. Auch redet er oft mit ihm, er will nicht, daß Montag den
Büchern verfällt. Aber eines ist sicher: er ist sehr gut gebildet. Er
kennt viele Stellen aus Büchern, und er scheint auch viele gelesen zu
haben. Deswegen ist es unverständlich, daß er diesen Job hat. Es
kommt zwar die Überlegung auf, daß Beatty auch zu den
Bücherfreunden gehört, diese werden jedoch vernichtet, als er seinen
Tot provoziert. Sicher war er mit seinem Leben nicht zufrieden, konnte jedoch
nicht zu den anderen überwechseln, so wie Montag. Beatty ist für mich
der Charakter, aus dem ich am wenigsten schlau wurde.
Granger
Granger ist der Anführer der Literaten auf der anderen Seite des
Flusses. Er hat Montag sofort in die Gruppe integriert, und beginnt eine
Freundschaft mit ihm.
Frau Bowles und Frau Phelps
Frau Bowles und Frau Phelps sind wie Mildred typische Vertreter der
Gesellschaft, also angepaßte Staatsbürger. Sie haben nie etwas mit
Büchern zu tun, und als Montag aus einem davon vorliest, fangen sie zu
weinen an. Vielleicht sind die zwei durch dir Ewige Manipulation so
leichtgläubig geworden, daß sie im Lesestück nur die grauenvolle
Information sehen.
Erzählform und
Erzählperspektive
Der Roman ist durchgehend im Präteritum geschrieben. Die Handlung wird
von einem unbekannten Erzähler vorgebracht, der aber auf Guy Montag bezogen
schreibt, und nur das weiß, was diesem auch bekannt ist.
Sprache
Das Buch ist für Science Fiction üblich in sehr attribuisierender
Sprache geschrieben. Sehr detaillierte Schilderungen von Einzelheiten bringen
jedoch keinen Abbruch der Handlung, sondern schaffen ein zeitlich gleichsam
verlaufendes, ruhiges Fortgehen der Geschichte. Die besonders spannenden Stellen
werden durch enorme Zeitverlängerung dargebracht. Auffallend ist auch der
für Trivialliteratur sehr hohe Wortschatz, der in diesem Roman verwendet
wir.
Leider handelt es sich bei diesem Buch um eine schlecht Übersetzung.
So sind zum Beispiel die Kapitelüberschriftn vollkommen verloren gegangen,
andere Stellen wurden nur unzureichend oder schlecht übersetzt. Zum
Beispiel [I’d have known it with my eyes
shut][16] wird
als [Ich hätte es sagen können, ohne die Augen
aufzumachen.][17] wo sich
[Ich hätte es mit geschlossenen Augen sagen
können][18]
sicher besser und flüssiger angehört hätte. Teilweise
wurden sogar Wörter falsch übersetzt. Zum Beispiel “brass
nozzle” mit “gelbes Strahlrohr”, was eigentlich
“Messingdüse” heißen hätte sollen.
Oft werden im Buch auch wichtige Wörter kursiv gedruckt, aber nicht
alle Wörter in der Übersetzung auch kursiv wiedergegeben.
Zugang
Das Buch ist ohne irgendwelche Vorkenntnis zu benötigen lesbar. Es
bereitet keine Schwierigkeiten sich in das Leben von Guy Montag
hineinzuversetzen.
Wertung
Dieser Roman hat mir sehr gut gefallen. Ich habe ihn zuvor schon auf
Englisch gelesen, ein Referat und eine Buchbesprechung (beides auf Englisch)
verfaßt, und habe die englische Version des Buches eigentlich immer
eingeschoben. Ich lese immer wieder daraus, aber nicht chronologisch, sondern
irgend welche Seiten vollkommen durcheinander. Als ich beschloß, dieses
Buch auch für eine Deutsche Buchbesprechung auszuwählen, und mir die
deutsche Übersetzung gekauft habe, mußte ich mit großem
Schrecken feststellen, daß dieses Buch nahezu unleserlich ist, wenn man
das Original kennt. Die Spannung wird stark dezimiert, die Lesefreude
läßt eindeutig zu wünschen übrig, obwohl man sich nach
vielen Seiten auch daran gewöhnt. Da ich teile dieses Buches auf Englisch
auswendig kann, und vor allem den Anfang sehr sorgfältig gelesen habe,
fallen mir schlecht übersetzte Stellen natürlich besonders auf. Auch
wenn sie oft sprachlich richtig sind, gäbe es doch oft bessere Wege, die
Spannung auch in die Deutsche Sprache zu übertragen. Das hat meine Meinung,
daß man wenn Möglich auch immer das Original eines Buches lesen
sollte, nur bestärkt. Die deutsche Fassung würde ich so niemanden
empfehlen.
Die Englische Reclam-Ausführung dagegen ist durch eine gute
Hilfestellung durch Auflisten von im Alltag nicht gebräuchlichen Englischen
Wörtern, durch die Kommentare und die Interpretation herausstechend. Es
dürfte kein Problem sein, durch diese Hilfe das Buch auch im Original zu
lesen.
Der Inhalt des Buches hat mich beim ersten Lesen sehr positiv
überrascht. Das Buch kann man nicht auslesen, man kann jeden Tag wieder ein
paar Seiten lesen, und Hinweise entdecken, die man zuvor nicht bemerkt hat.
Montags Wandlung vom Mitläufer zum Rebellen ist sehr interessant zu
verfolgen. Besonders aufgefallen ist mir jedoch der Charakter Beatty, der,
obwohl sehr gut gebildet und belesen, sich dem System verschrieben hat.
Bemerkenswert ist die WWW-Homepage von Richard Johnston, der Tonnen von
Material über Ray Bradbury zusammengesammelt hat. Leider finden sich aber
wenige Interpretationen und Buchkritiken, als vielmehr Informationen und Fotos
über den Autor selbst.
Zum Abschluß sollte noch erwähnt werden, daß dieser Roman
schon einmal Verfilmt wurde, aber eine weiter Bearbeitung für das Kino mit
Shean Connery als Beatty geplant ist.
Quellen
Fahrenheit 451 - Ray Bradbury - Heyne
Fahrenheit 451 - Ray Bradbury - Reclam englische Ausgabe mit
Interpretation
Fotos von der meiner Meinung nach besten Ray Bradbury Homepage
unter
http://www.on-ramp.com/johnston/bradbury.htm
[2] siehe englische Ausgabe
[7] doch noch ein positives Zeichen ->
offener Schluß???
[8] Seite 37 - Das Zitat nimmt bezug auf den
Tod der englischen Reformatoren Hugh Latimer und Nicholas Ridley, die 1955 unter
der Herrschaft der katholischen Maria I. ihrer innersten Überzeugung wegen
als angebliche Häretiker auf dem Scheiterhaufen einer inquisitorischen
Kirche ihr Leben ließ. Diese Formulierung weißt darauf hin,
daß ihr Märtyrertod letztlich nicht vergeblich war und daß
deren Ideen und Ziele in den Köpfen und Herzen der Menschen bis zur
Verwirklichung weiterleben.
[9] Seite 48 - zu Mildred
[Diesen Brand werde ich in meinen ganzen Leben nicht
vergessen. Herrgott, ich wollte das Feuer löschen, in Gedanken, die ganze
Nacht! Ich bin außer mir!]
[11] Zuvor sprach Beatty über
Selbstmord durch den Mechanischen Hund. Montag denkt auf Seite 48:
[ Der Hund ist heute noch dort draußen. Er steht jetzt
vor dem Haus. Wenn ich das Fenster aufmachte... Er machte das Fenster nicht
auf.]
[12] “The Sieve and the Sand”
- siehe englische Ausgabe
[13]“ Burning Bright” - siehe
englische Ausgabe
[16] Seite 9 - englische Ausgabe
[17] Seite 9 - deutsche Ausgabe
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