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| Friedrich, Caspar David (1774- 1840)
Friedrich, Caspar David (1774- 1840)
Caspar David Friedrich (1774- 1840)
Der Künstler und seine Zeit
Seit etwa 1750 Neugotik in England.
1755 Das Nauener Tor in Potsdam, erstes neugotisches Bauwerk in
Deutschland.
1760- 1763 Der Schottische Dichter Macpherson gibt die “Lieder des
Ossian” heraus,
sentimental- romantisch Nachahmung alter gälischer
Volksdichtung.
1761/62 Jean- Jacques Rousseau veröffentlicht seine Abhandlung
über den “Gesellschaftsvertrag” und seine Romane
“Julie” und “Emile”, die wesentliche philosophische
Grundlagen der Romantik enthalten.
Sei 1764 Der Wörlitzer Park bei Dassau als erster großer
Naturpark nach englischen Vorbild in Deutschland wird angelegt.
1774 Caspar David Friedrich wurde am 05. September 1774 in
Greifswald als 6. von 10 Kindern als Sohn des Seifensieders Adolph Gottlieb
Friedrich in Greifswald geboren. Erste Depressionen und Selbstmordgedanken bekam
er bereits in seiner Kindheit, als sein Bruder, nachdem er Caspar David vor dem
Ertrinken gerettet hatte, selbst ums leben kam. Das Erlebnis lastete sein ganzes
Leben lang auf ihm.
1778 Johann Gottfried Herder beginnt mit der Veröffentlichung
seiner Sammlung von Volksliedern.
1789 Ausbruch der Großen Französischen
Revolution.
Den ersten Kunstunterricht erhielt Caspar David Friedrich seit 1790 in
Greifswald von dem Architekten, Universitätszeichenmeister und
Universitätslehrers Dr. Johann Gottfried Quistop, einem Schüler Anton
Graffs.
Dieser war es auch, der Friedrich für ein Stipendium an der
Kunstakademie in Kopenhagen vorschlug, welches er von 1794-1798 in Anspruch nahm
(u. a. bei Nicolai Abraham Abildgaard, dem Hauptvertreter des dänischen
Klassizismus. Die Akademie genoß zu dieser Zeit den Ruf, die liberalste
Ausbildung in Europa zu vermitteln. Friedrich begann während seiner
Studienzeit, sich mit frühromantischen Schriften zu beschäftigen. Er
blieb bis in das hohe Alter sehr eng mit den geistigen Strömungen seiner
Zeit verbunden.
1797 Wackenroders “Herzensergießung eines
kunstliebenden Klosterbruders” und Schellings “Ideen zu einer
Philosophie der Natur” erscheinen.
1798 Ludwig Tieck veröffentlicht seinen Roman “Franz
Sternbalds Wanderungen”.
1798 Erster Besuch in Dresden , wo Friedrich nach vorübergehender
Rückkehr in die Heimat noch im selben Jahr seßhaft wurde und seinen
Lebensabend verbrachte. Studienreisen nach Italien, wie es die konservative
Zeichenausbildung verlangte, lehnte er kategorisch ab. Statt dessen fährt
er immer wieder für ein paar Monate in seine Geburtsstadt Greifswald, nach
Rügen, in den Harz oder in das böhmische Randgebirge.
1798- 1800 Die Brüder Schlegel geben die Zeitschrift
“Athenäum” heraus, worin Friedrich Schlegel mit seinen
“Fragmenten” die romantische Ästhetik begründet. Novalis
veröffentlicht im “Athenäum” seine “Fragmente”
“Blütenstaub” und “Glaube und Liebe”.
1799 Schleiermachers Werk “Über die Religion”
erscheint.
1801 Im Frühjahr in Greifswald Begegnung mit dem ebenfalls von der
Kopenhagener Akademie kommenden Philipp Otto Runge (1777 bis 1810), der sich von
Juni 1801 bis November 1803 an der Dresdener Kunstakademie weiterbildet.
Friedrich empfängt von ihm bedeutsame Anregungen.
Im Sommer erste Rügenwanderung.
1802 Im Sommer zweite Rügenwanderung
1802 Novalis‘ (gest. 1801) hinterlassene Schriften werden von
Tieck und Friedrich Schlegel herausgegeben.
Friedrich wurde sehr schnell zum Mittelpunkt der romantischen Bewegung in
Dresden. Der Kreis seiner Anhänger beschränkt sich aber nur auf
Wenige. Mit seinen wichtigsten Bildern stieß er zur Jahrhundertwende auf
Ablehnung. 1803 stand er wahrscheinlich auf dem Tiefpunkt seiner
persönlichen Entwicklung und bekam starke Depressionen.
1804 Napoleon krönt sich zum Kaiser der Franzosen.
Schiller schreibt sein Drama “Wilhelm Tell” als Aufruf zur
nationalen Einigung und Befreiung.
1805 Friedrich gewinnt mit zwei Sepiablättern beim Preisausschreiben
der Weimarer Kunstfreunde unter Goethe die Hälfte des Preises. Goethe
schreibt über ihn im Neujahrsprogramm 1806 der “Japanischen
Allgemeinen Literaturauszeichnung”.
1806 Reise nach Greifswald. Dritte Rügenwanderung.
1806 Napoleon besiegt Preußen bei Jena und Auerstedt. Sachsen
schließt mit Frankreich Frieden, tritt dem Rheinbund bei und wird
dafür von Napoleon zum Königreich erhoben.
Ernst Moritz Arndts Hauptwerk “Geist der Zeit” (Bd.1)
erscheint.
1806- 1808 Achim von Arnim und Clemens Brentano veröffentlichen die
Volksliedersammlung “Des Knaben Wunderhorn”.
1807 Wanderung Friedrichs durch Nordböhmen.
1807 Der Frieden von Tilsit bringt für Preußen harte
Bedingungen.
Fichte hält in Berlin seine “Reden an die Nation”.
Joseph Görres gibt “Die teutschen Volksbücher”
heraus.
1808 Friedrich findet in Dresden zunehmend freundschaftlichen
Anschluß bei bedeutenden Vertretern des geistig- künstlerischen
Lebens, unter ihnen Heinrich von Kleist, der Publizist Adam Müller, der
Maler und spätere Akademieprofessor Franz Gerhard von Kügelgen, der
Friedrich auch wirtschaftlich fördert, und der Maler Georg Friedrich
Kersting.
Friedrich findet endgültig seine persönliche künstlerische
Ausdrucksweise.
Friedrich beendet sein erstes größeres und bedeutendes
Ölgemälde, “ Kreuz im Gebirge”, welches heute in der
Gemäldegalerie “Neue Meister” in Dresden zu sehen ist. Die
Kritik des Freiherrn von Rambohr, im Januar 1809 in der “Zeitschrift
für die elegante Welt” veröffentlicht, führt zum
“Rambohrstreit”, einer grundsätzlichen Auseinandersetzung um
die romantische Kunst.
1808 Heinrich von Kleist schreibt sein Drama “Die
Hermannsschlacht” und gibt zusammen mit Adam Müller in Dresden die
Zeitschrift “Phoebus” heraus. Goethes “Faust” Teil1
erscheint
1809 Besuch in Greifswald. Tod des Vaters.
1810 Im Sommer Wanderung mit dem Maler Kersting über das Zittauer
Gebirge bis zur Schneekoppe im Riesengebirge. Am 18.9. besucht Goethe Friedrich
im Atelier. Aber er ließ den Kontakt zu Goethe alsbald wieder
“einschlafen”, da auch bei Goethe seine Gemälde kein Gedallen
fanden.
Auf der Herbstausstellung der Berliner Kunstakademie werden Friedrichs
Gemälde “Der Mönch am Meer” und “Abtei im
Eichenwald” vom Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen angekauft
und 1812 zwei weitere. Im Zusammenhang damit wird Friedrich zum Auswärtigen
Mitglied der Berliner Akademie ernannt.
1811 Im Sommer Fußwanderung durch den Harz mit dem Bildhauer Gottlob
Christian Kühn. Besuch bei der Malerin Caroline Bardua in Ballenstedt und
auf der Rückreise bei Goethe in Jena.
1812 Friedrichs Gemälde “Morgen im Riesengebirge” auf der
Berliner Akademieausstellung vom preußischen Kronprinzen
erworben.
1812 Napoleons “Große Armee” wird in Rußland
fast völlig aufgerieben.
1812-1814 Mit Bildern von patriotischen Gehalt schließt sich
Friedrich der nationalen Erhebung an. Einige davon werden 1814 auf der vom
russischen Generalgouverneur Repnin veranstalteten Akademieausstellung gezeigt.
1812- 1815 Die Brüder Grimm geben die “Kinder- und
Hausmärchen” heraus.
1813 Während der französischen Besetzung Dresdens zieht sich
Friedrich im Juli zeitweilig ins Elbsandsteingebirge zurück.
1813 Im Frühjahr beginnt in Preußen die nationale
Befreiungsbewegung. In Sachsen kommt es nicht zu einer allgemeinen nationalen
Erhebung. Theodor Körner und der Maler Kersting nehmen in den Reihen der
Lützower Schwarzen Schützen am Befreiungskampf teil; Körner
fällt.
Nach Napoleons Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig im
Oktober wird der sächsische König Friedrich August 1. als
Verbündeter Napoleons gefangengesetzt und Sachsen erst unter russische,
dann unter preußische Verwaltung gestellt.
1815 Im September kurzer Aufenthalt in Greifswald.
1815 Napoleon wird bei Waterloo von den Engländern und
Preußen geschlagen und muß endgültig abdanken. Der Wiener
Kongreß unter Metternich macht die Hoffnung der deutschen Patrioten auf
eine nationale Einigung zuschanden.
1816 wurde Friedrich als Mitglied der Dresdener Akademie aufgenommen
(bleibt aber ohne Lehramt), was ihm ein Mindesteinkommen sicherte und ihm die
Möglichkeit gab, 1818 Caroline Bommer zu heiraten.
1817 Beginn der Freundschaft mit dem Arzt, Philosophen und Maler Dr. Carl
Gustav Carus, der in seinen1831 veröffentlichten “Briefen über
Landschaftsmalerei” eine grundlegende Analyse der Kunst Friedrichs
gibt.
1816 Das Wartburgfest der deutschen Studenten wird zur Demonstration
für ein geeintes Deutschland.
Carl Maria von Weber kommt als Kapellmeister der Deutschen Oper nach
Dresden und schreibt hier seine Oper “Der Freischütz”
1816- 1818 Die Brüder Grimm geben die gesammelten “Deutschen
Sagen” heraus.
1818 Friedrich heiratet Caroline Bommer aus Dresden. Reise mit der jungen
Gattin zu den Verwandten nach Neubrandenburg, Greifswald, Stralsund und
Rügen. Beginn der Freundschaft mit dem norwegischen Maler Johann Christian
Clausen Dahl, der 1818 nach Dresden kommt und 1823 mit in Friedrichs Haus An der
Elbe 33 zieht.
1819 Geburt der Tochter Emma
1819 Erlaß der Karlsbader Beschlüsse als Maßnahme der
Reaktion gegen alle freiheitlichen Bewegungen.
1820 Peter von Cornelius aus München besucht Friedrich im Atelier.
Beginn einer bescheidenen privaten Lehrtätigkeit.
1823 Geburt der Tochter Agnes Adelheid.
1823 Beethoven schreibt seine 9, Sinfonie.
1824 wurde, von ihm lang ersehnt, Caspar David Friedrich vom
sächsischen König zum außerordentlichen Professor der
Kunstakademie Dresden ernannt, doch bleibt ihm auch nach dem Tode Klengels im
gleichen Jahr die Leitung der Landschaftsklasse verwehrt. Gleichzeitig wurde ihm
verhindert, daß er eine Lehrtätigkeit aufnehmen konnte, und seine
für die Zeit unkonventionellen Ansichten nicht weiter geben konnte.
Trotzdem bildete sich ein kleiner privater Kreis von Schülern, dem unter
anderen Carl Gustav Carus und August Heinrich angehörten. Sein
Gesundheitszustand ist angegriffen. Geburt des Sohnes Adolf, der sich
später als Tiermaler einen gewissen Ruf erwirbt.
1826 Nach überstandener Krankheit im Mai und Juni Reise nach
Greifswald und Rügen, um Erholung zu suchen.
1826 Der erste Band der “Monumenta Germaniae historica”, der
wichtigsten Sammlung mittelalterlicher Quellen zur deutschen Geschichte, und
Eichendorfs Novelle “Aus dem Leben eines Taugenichts”
erscheinen
1828 Kuraufenthalt in Tepitz. Friedrich wird Mitglied des Sächsischen
Kunstvereins.
1830 Besuch des Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen im
März in Friedrichs Atelier.
Friedrichs strenge Bildsprache, die der Gemütlichkeit des Biedermeier
und der Erzählfreude der Düsseldorfer Malerschule entgegenstand,
stieß jedoch gegen 1830 zunehmend auf das Unverständnis der
Zeitgenossen.
1830 Die Pariser Julirevolution führt auch in Sachsen zu
revolutionären Erhebungen.
1831 Der Ständestaat Sachsen wird in eine konstitutionelle
Monarchie umgewandelt und erhält eine Verfassung.
1833 Sachsen schließt sich an den preußisch- hessischen
Zollverein an, der als “Deutscher Zollverein” die Grundlage der
wirtschaftlichen Einheit Deutschlands bilden wird.
1834 Der französische Bildhauer David d’Angers besucht im Herbst
Friedrich im Atelier.
1835 Die zunehmende Ablehnung seiner Malerei führte wiederholt zu
Depressionen und Schlaganfällen.
Ein Schlaganfall lähmt Friedrichs rechte Hand. Kuraufenthalt in
Teplitz. In seinen letzten Lebensjahren ist Friedrich zu künstlerischer
Tätigkeit nicht mehr fähig.
1835 Die erste deutsche Eisenbahn Nürnberg- Fürth wird
eröffnet.
1836 erhoffte sich Caspar David Friedrich, zum Honorarprofessor ernannt zu
werden. Ludwig Richter wurde ihm vorgezogen und Friedrich brach daraufhin
psychisch zusammen.
1836 Der “Bund der Gerechten” als erste deutsche
Arbeiterorganisation wird in Paris gegründet.
Ludwig Richter wird Lehrer an der Dresdener Akademie.
1836/37 Die Ausstellung der Düsseldorfer Malerschule findet in
Dresden großen Anklang.
1839 Die Eisenbahn Leipzig- Dresden wird eröffnet.
1840 Friedrich starb einsam und geistig völlig erloschen am 7. Mai in
Dresden und wird am 10. Mai auf dem Trinitatisfriedhof in Dresden- Johannstadt
beigesetzt. Zum Zeitpunkt seines Todes war er hoch verschuldet. Eine geldliche
Zuwendung des russischen Kaisers erreichte Dresden zu spät, konnte aber die
Familie Friedrichs unterstützen.
1844 Aufstand der schlesischen Weber.
Zu den Wiederentdeckern Friedrichs um die Jahrhundertwende zählte
Alfred Lichtwark, der erste Direktor der Kunsthalle. Von 1904 bis 1913 erwarb er
zwölf Bilder Friedrichs, darunter Das Eismeer. 1970 und 1992 gelangten
Wanderer über dem Nebelmeer und Meeresufer bei Mondschein in die
Sammlung.
Würdigung
In seinen Gemälden erreichte Friedrich eine überirdische
Transparenz. Er malte akribisch genau, ergänzte und vertiefte seine
Gemälde immer wieder, was dazu führte, daß er manchmal zur
Fertigstellung eines Bildes mehrere Jahre benötigte. Typisch für die
romantische Bewegung malte Friedrich Menschen immer als Silhouetten als
Staffagefiguren. Nur selten zeichnete er Gesichter.
Zweifelsohne war Caspar David Friedrich einer der wichtigsten
Repräsentanten der Romantik in Deutschland. Sein Zeitgenosse, der
französische Bildhauer David d’Angers bezeichnete Friedrich als den
“Entdecker der Tragödie in der Landschaft”.
Autor: Uta Meißner
Zitat: “Die einzig wahre Quelle der Kunst ist unser Herz, die
Sprache eines reinen kindlichen Gemütes. Jedes echte Kunstwerk in geweihter
Stunde empfangen und in glücklicher geboren, oft dem Künstler
unbewußt aus innerem Drange des Herzens. Schließe dein leibliches
Auge, damit du mit dem geistigen Auge zuerst siehest dein Bild. Dann
fördere zutage, was du im dunkeln gesehen, daß es zurückwirke
auf andere von außen nach innen.”
C.D. Friedrich
Caspar David Friedrich, der am 7. Mai 1840 fünfundsechzigjährig
in Dresden starb, war schon vor seinem Tode vergessen. Erst die deutsche
Jahrhundertausstellung 1906 in Berlin, die der Kunst zwischen1775 und 1875
gewidmet war und 40 Arbeiten von ihm zeigte, brachte seinem Werk wieder
merkliche Beachtung. Seitdem wird Friedrich in wachsendem Maße verehrt als
Erneuerer der deutschen Landschaftsmalerei, der zugleich in vorher ungekannter
Weise das Kunstwerk zum Mittel persönlicher Aussage erhob.
Caspar David Friedrichs Name ist untrennbar mit der Romantik verbunden, die
als eine vom Bürgertum getragene, überaus vielschichtige Stilbewegung
nach Vorstufen seit dem Ausgang des 18. bis gegen die Mitte des 19. Jahrhunderts
des europäischen Geistesleben entscheidend bestimmt hat. Sie war
gekennzeichnet durch eine pantheistische Verherrlichung der Schöpfung
verstandenen Natur, zu der die menschliche Existenz in sentimentaler Reflexion
in Beziehung gesetzt wurde. Dabei traten gegenüber dem Rationalismus der
Aufklärungszeit nun die Kräfte des Gefühls, der Phantasie und
Intuition in den Vordergrund.
Das subjektive Empfinden des Einzelmenschen, der sich in die großen
kosmischen Bewegungen, in das ewige Werden und Vergehen der Natur einbezogen
fühlte, wurde zum Ausgangspunkt des Welterlebnisses, und der von
gesellschaftlicher Bindungen befreite Künstler wurde selbst zum Maß
der Kunst. Getrieben von einer unstillbaren Sehnsucht nach dem Wunderbaren,
wofür die “Blaue Blume” zum Symbol geworden ist, suchten die
Romantiker im Endlichen den Abglanz des Unendlichen, “zwischen Heimweh und
Fernweh hin- und hergerissen” (A. Hauser). So kam es zu dem großen
Aufschwung in der Landschaftsmalerei, wie er sich in Friedrichs Oeuvre
manifestiert.
Die Romantik, die eine christlich- religiöse, bürgerlich-
demokratische und damit patriotische Grundhaltung hatte, verlief zeitlich zum
Teil parallel mit dem antik- heidnischen, kosmopolitischen und gesellschaftlich
etwas indifferenten Klassizismus, dem sie in den formalen Mitteln in gewissen
Umfang ähnlich und verpflichtet war. Obwohl die zwei Strömungen
einander bekämpfen und der Klassizismus, der die Akademien beherrschte,
auch zum Stil an den Fürstenhöfen wurde, richteten sich doch beide als
Ausdrucksformen des revolutionären Bürgertums gegen das feudalistische
Rokoko. Während die Romantik sich besonders dem christlichen Mittelalter
zuwandte und dessen nationale kulturelle Werte erschloß, rezipierte der
Klassizismus die Antike und hatte damit ebenfalls nostalgischen Charakter.
Stand die Romantik mit ihrer Gefühlsbetontheit im Gegensatz zur
Aufklärung, so war sie doch zugleich von dieser wie auch von der Bewegung
des Sturm und Drang vorbereitet worden. Mit seiner Lehre von der Autonomie des
Einzelmenschen, der Bedeutung des Gefühls und der Forderung nach
Rückkehr zur Natur als der das Gleichgewicht der Welt bewirkenden
Universalmacht wurde Jean- Jacques Rousseau zum hervorragenden Ideologen der
Französischen Revolution. Die der Umwälzung vorausgehenden Jahrzehnte
erscheinen als ein “Zeitalter der Empfindsamkeit”, eines
Gefühlskultes, der besonders in der sentimentalen Natursehnsucht seinen
Ausdruck fand. Das Landschaftserlebnis der Romantik wurde vorbereitet in den von
England ausgehenden, von ostasiatischer Gartenkunst beeinflußten
Landschaftsgärten, die als scheinbar ursprüngliche Natur die streng
symmetrisch
architektonisierten Barockparks ablösten und der allgemeinen Tendenz
zum Natürlichen, Ungekünstelten und Gefühlsbetonten entsprachen.
Sie wurden zur Stätte innerer Einkehr, wehmutsvoller Besinnung und
Erinnerung, zumal sie auch Bauwerke und Denkmäler als Träger von
Gefühlswerten einbezogen, häufig in Form von Ruinen, die sowohl
antikische wie mittelalterliche- meist gotische, aber auch romanische-
Stilformen nachahmten. Die Ausstattung des englischen Gartens macht deutlich,
wie sehr die Antiken- und Renaissance- rezeption des Klassizismus der
romantischen Wiederbelebung des Mittelalters- in Gestalt von Neugotik und
Neuromanik- entsprach. Das neue enge Verhältniss zur Landschaft und der
damit verbundene Aufschwung ihrer künstlerischen Darstellung in der
Romantik entsprangen nicht nur der pantheistischen Weltsicht und der
Verknüpfung des Landschaftlichen mit emotionalen Werten. Es offenbart sich
darin vielmehr zugleich das Erwachen des Nationalbewußtseins und des
Gefühls für Heimat und Vaterland. Entsprechend war die romantische
Bewegung eng mit der Auflehnung gegen die napoleonische Fremdherrschaft
verbunden und empfing ihrerseits aus dem Widerstand gegen diese wesentliche
Impulse. So erklärt sich dann auch ihre Hinwendung zum christlichen
Mittelalter nicht nur daraus, daß sie dort ihre eigenen sittlichen und
religiös- weltanschaulichen Ideale verwirklicht zu sehen glaubte. Es
offenbart sich angesichts der herrschenden nationalen Erniedrigung und
Zersplitterung auf eine Zeit vermeintlicher nationaler Einheit und Stärke
besann und darin sein geschichtliches Vorbild suchte. Das führte zu dem
Bestreben, längst überwundene Formen gesellschaftlichen und
politischen Lebens zu restaurieren, brachte aber zugleich die Wiederentdeckung
und Neubelebung lange verschüttet gewesenen Kulturgutes an Literatur, Musik
und bildender Kunst, alten Sagen, Märchen und Volksliedern ebenso wie
vieler über lange Zeit hinweg unbeachtet gebliebener mittelalterlicher
Werke der Baukunst, Plastik und Malerei. In Verbindung mit der Reflexion
über den ewigen Wandel der Dinge und die Zeitlichkeit der menschlichen
Existenz kam es zur Herausbildung des historischen Denkens und des
Geschichtsbewußtseins und damit der Geschichtswissenschaften wie der
Anfänge der Denkmalpflege. Darin offenbaren sich wichtige Errungenschaften
dieser Epoche, die auch fortwirkten, als die Romantik ihre revolutionären
Züge schon weitgehend verloren hatte und nach 1815 das deutsche
Bürgertum sein Ziel der Errichtung eines Nationalstaates aufgeben
mußte. Sie spiegeln sich auch in den Auffassung Caspar David
Friedrichs.
Es ist kein Zufall, daß Friedrich gerade Dresden zum Wohnort
erwählte. Diese Stadt, die während der Hälfte des 18.
Jahrhunderts unter den Kurfürsten und Polenkönig August 2. (dem
Starken) und August 3. Zu einer “nach Norden vorgeschobenen Kolonie der
Künste” geworden war, entwickelte sich nach Überwindung der
Folgen des Siebenjährigen Krieges(1756- 1763) mit Beginn des neuen
Jahrhunderts zum bedeutendsten Zentrum der deutschen Frühromantik. Für
eine künstlerische Existenz romantischer Prägung bot die Elbestadt mit
der anregenden Schönheit ihrer Lage und Umgebung, den berühmten
Kunstsammlungen und einer angesehenen Malerakademie denkbar günstige
Voraussetzungen. Die alten Traditionen in der Kunstpflege bedingten eine
kulturelle Regsamkeit, die freilich inzwischen zum wesentlichen Teil vom Hof auf
private Kreise bürgerlicher und adliger Kunstfreunde übergegangen war.
Man folgte im allgemeinen untertänig dem
“landesväterlichen” Walten Friedrich Augusts, der als Preis
für seine Erhöhung vom Kurfürsten zum König von Sachsen
schließlich in völlige Abhängigkeit von Napoleon geriet.
Dresden zog zu Beginn des 19. Jahrhunderts zahlreiche bedeutende
Persönlichkeiten des deutschen Geisteslebens an und wurde Ort vieler
wichtiger Begegnungen. Nach Friedrich fand sich 1801 für zweieinhalb Jahre
auch sein norddeutscher Landsmann Philipp Otto Runge als der zweite
führende Maler der deutschen Frühromantik hier ein. Mit Kersting und
dem Norweger Dahl folgen 1808 und 1818 noch zwei weitere Schüler der
Kopenhagener Akademie in die sächsische Residenz nach. Zu den romantischen
Dichtern, deren Biographie sich in Dresden verbindet, gehören die
Geschwister Schlegel, von denen August Wilhelm und Caroline 1798 die
Gespräche über Bilder der Dresdener Galerie veröffentlichten,
weiterhin Novalis, Jean Paul und Heinrich von Kleist, der 1808/09 mit Adam
Müller in Dresden die Kunstzeitschrift “Phoebus” herausgab.
1806 kam für einige Jahre der Naturphilosoph Gotthilf
Heinrich von Schubert . Gebürtiger Dresdner war Theodor Körner,
dessen Vaterhaus am Kohlmarkt, der späteren Körnerstraße in der
Neustadt, eine gerühmte Pflegestätte nicht nur des geistigen Lebens-
auch Schiller genoß hier Gastfreundschaft-, sondern auch patriotischer
Bestrebung war, bis der Konsitstorialrat Gottfried Körner nach dem
Soldatentod Theodors 1815 nach Berlin ging. 1813/14 wirkte in Dresden der
Musiker- Dichter E.T.A. Hoffmann als Musikdirektor der Secondaschen
Schauspielerschaft. 1817 wurde Carl Maria von Weber als Hofkapellmeister
berufen, der in Dresden mit dem – 1821 in Berlin uraufgeführten-
“Freischütz” die Romantische Oper schuf und damit zugleich der
deutschen Oper gegenüber der italienischen zum Durchbruch verhalf. Nach
wiederholten früheren Aufenthalten, zuerst 1798, kam 1819 Ludwig Tieck als
Dramaturg des Hoftheaters. Schon 1814 war als Professor und Philosoph Carl
Gustav Carus von Leipzig in die Residenz übersiedelt, wo er bald zu einer
zentralen Gestalt des geistigen Lebens wurde. Als autodidaktischer Maler folgte
er dem eng befreundeten Caspar David Friedrich, von dessen Werk ausgehend er in
seinen 1815 bis 1824 verfaßten “Briefen über
Landschaftsmalerei” grundlegende Theorie über romantische Kunst
entwickelte.
Die Landschaftsmalerei war im vorausgegangenen, vorwiegend dem Bildnis
gewidmeten Jahrhundert nicht hoch bewertet und wenig gepflegt worden und infolge
ihrer Erstarrung in barocken und klassizistischen Kompositionsformeln auf die
Stufe einer bestenfalls “feineren Tapetenmalerei” hinabgesunken.
“Ein paar dunkle manierierte Bäume zu beiden Seiten des
Vordergrundes, einige Ruinen alter Tempel oder ein Stück Felsen daneben,
dann im Mittelgrunde einige Staffage zu Fuß oder zu Pferde, womöglich
mit einem Flusse oder einer Brücke und einigem Vieh, eine Partie blaue
Berge hinter all diesem und einige tüchtige Wolken darüber, das war so
ungefähr, was dazumal eine Landschaft gelten durfte”- so hat Carus
die Lage treffend gekennzeichnet, um von daher die Bedeutung Friedrichs
hervorzuheben. Dabei boten sich gerade in Dresden günstige Voraussetzung
für eine Wiederbelebung des Kunstgenres. Hier hatte von 1747 bis 1767 der
Venezianer Bernardeo Bellotto genannt Canaletto eine neue, vom Geist der
Aufklärung bestimmte realistische Landschaftsdarstellung gepflegt, und es
ist kein Zweifel, daß seine Veduten andere Künstler zum Erfassen
landschaftlicher Eigenarten entscheidend anregen konnten. Die Fülle
interessanter Motive in der Umgebung bewirkte ein übriges. Schon
früher hatte der Hofmaler Johann Alexander Thiele neben anderen Gebieten
auch das Elbsandsteingebirge für die Kunst zu entdecken begonnen. Die
beiden Schweizer Anton Graff und Adrian Zingg, die 1766 an die
neugegründete Kunstakademie berufen worden waren, gaben dieser Landschaft
den Namen “Sächsische Schweiz”. Graff, der vor allem durch
seine menschlich schlichten, auf die Geistlichkeit der Dargestellten gerichteten
Porträts bekannt geworden ist, hat in gleicher Unmittelbarkeit auch eine
Anzahl kleinformatiger Landschaftsbilder gemalt. Er gehörte beim Erscheinen
Friedrichs zu den wichtigsten Persönlichkeiten der Dresdner Malerwelt.
Friedrichs Auftreten wurde aber vor allem durch Johann Christian Klengel
vorbereitet, den Runge 1801 als einen der größten lebenden
Landschaftsmaler pries. Klengel schilderte in einer neuartigen Stimmungsmalerei
die heimatliche Natur und überwand die noch bei Thiele bestehende
Abhängigkeit von niederländischen Vorbildern. Friedrich verdankt ihm
bedeutsame Anregungen. Mit der Einrichtung einer Klasse für
Landschaftsmalerei im Jahre 1800 reagierte auch die Dresdener Kunstakademie auf
die neue Entwicklung. Klengel wurde zum Lehrer für diese Fachrichtung und
blieb es bis zu seinem Tode 1824. Friedrich bemühte sich vergeblich um die
Nachfolge.
Daß Caspar David Friedrich die Landschaft zum alleinigen Gegenstand
seiner Kunst machte, geschah mit einem zutiefst philosophischen Anliegen. Als
Romantiker hatte er ein ganz persönliches, lyrisch bestimmtes
Verhältnis zur Natur, in die er sich voller Andacht vertiefte. In allen
ihren Erscheinungsformen, “auch im Sandkorn”, sah er voll frommer
Ergriffenheit “das Göttliche”, so daß ihm nichts als
Bildgegenstand zu gering erschien, um damit “Erhebung des Geistes und
religiösen Aufschwung zu bewirken”. In einem verinnerlichtem Sehen
nahm er nicht nur die optischen Eindrücke in sich auf, sondern lauschte
auch den seelischen Regungen nach, die diese bei ihm hervorriefen. So wird seine
Person im Prozeß der Entstehung des Kunstwerkes zum Gegenpol der Natur,
und es kommt zwischen beiden zu Wechselwirkung. Der Anblick der Landschaft
löst in der aufnahmebereiten Seele des Künstlers mannigfaltige
Empfindungen und Gedanken aus, die im Bilde ihrer Widerspiegelung finden und von
da aus auch beim Betrachter geweckt werden sollen. Runges Forderung, die Malerei
sollte das seelische Leben des Menschen, “in welchem sein Zusammenhang mit
Gott gegeben ist”, durch die Natur darstellen, ist hier verwirklicht. Mit
dem von der Romantik vertretenen Recht des Künstlers, seiner
Individualität zu folgen, hat Friedrich die Landschaft zum
“Ausstrahlungfeld” seiner eigenen Gefühle gemacht. Naturleben
und Seelenleben, Stimmungen der Atmosphäre und Stimmungen des Gemüts
werden gleichgesetzt- wie Carus es erläuterte. Naturerscheinung erhalten
tiefen Sinn als Gleichnisse für menschliches Fühlen und Denken,
für Leiden und Freuden, Kämpfe und Hoffnungen und werden damit
romantisiert. Im Sinne der Erschütterung und inneren Erhebung durch die
Natur als ein auf den Menschen beziehbares dramatisches Schauspiel hat Friedrich
“die Tragödie der Landschaft entdeckt”, wie es der
französische Bildhauer David d’Angers vor Friedrichs Bildern in
Dresden formulierte. Dabei ist diese Malerei nicht nur in ganz neuartiger Weise
persönliches Bekenntnis, sondern erschließt zugleich eine Fülle
neuer objektiver Beobachtungswerte, die den Charakter der verschiedenen
Landschaften in ihrer Ganzheitlichkeit, die Bodenformationen und Pflanzen, die
atmosphärischen Erscheinungen zu den verschiedenen Jahres und Tageszeiten
unter dem Wandel der Gestirne und die damit verbundenen Gesamtstimmungen
umfassen.
Weil dieser Maler in der Natur vor allem die ewige Bewegung suchte, zogen
ihn die Grenzsituationen zwischen Tag und Nacht besonders an. “Die
Dämmerung war sein Element”, wie Carus berichtet, wie es aber auch
aus der Häufigkeit solcher Darstellungen zu erkennen ist. Zugleich ist
jedoch die Natur in den verschiedensten Zuständen wiedergegeben; im Licht
der Morgenfrühe und des Mittags, des Sonnenuntergangs und des
heraufsteigenden Mondes, bei Nebel und bei Sturm, nach dem Gewitter unter dem
Regenbogen, im Glanz des Frühlings wie im Schnee eines hellen oder
düsteren Wintertages. Der Himmel als wesentlicher Träger der
Stimmungen wie auch als ideelle Sphäre ist dabei immer von ganz besonderer
Bedeutung. Ihm hat Friedrich größte Aufmerksamkeit und viel Raum in
seinen Bildern gewidmet; wenn er ihn malte, durfte niemand das Zimmer
betreten.
Caspar David Friedrich fand seine Motive in Dresden und dessen näherer
und weiterer Umgebung, im Plauenschen Grund wie im Elbtal und in der
Sächsischen Schweiz. Andere Bilder führen hinüber ins
Böhmische Mittelgebirge oder entstanden nach der Wanderung von 1810, die
ihn gemeinsam mit seinem Freund Kersting über den Oybin, das Zittauer und
Isergebirge bis zur Schneekoppe im Riesengebirge führte. Auch im Harz
erscheint, das Ziel einer anderen Wanderung mit Bildhauer Kühn im Sommer
1811. Immer wieder aber zog es den Maler in seine alte Heimat an der
Ostseeküste, nach Greifswald und hinüber auf die Insel Rügen. Die
damals noch fast unberührte norddeutsche Landschaft sprach ihn in ihrer
Herbheit besonders an. Daneben hat Friedrich aber auch eine Anzahl von Motiven
wiedergegeben, die er nicht aus eigener Anschauung kannte. Das gilt besonders
für seine Bilder von den Alpen. Es ist verständlich, daß die
elementare und großartige Erscheinungsform der Hochgebigsnatur-
ähnlich wie das Meer- den Künstler stark beschäftigen
mußte. Friedrich folgte damit einem allgemeinen Interesse, das die Zeit
für Gebirgswelt entwickelte und dem auch die Erschließung des
Elbsandsteingebirges, der “Sächsischen Schweiz”, mit zu danken
ist.
Ausgangspunkt der Kunst Friedrichs war das intensive Erleben der Natur, das
der Maler auf seinen meist einsamen Wanderungen und Spaziergängen immer von
neuen suchte. Leidenschaftlich drang er in die Natur ein, ging ganz in ihr auf
und vergaß darüber sich selbst. Rügener Fischer, wie der
Naturphilosoph Gotthilf Heinrich von Schubert berichtet, sahen ihn mit Sorge um
sein Leben an der Steilküste herumklettern und vermuteten wohl gar einen
Selbstmörder in ihm; sein Tun mußte ihnen unverständlich
bleiben. “ Wenn der Sturm am kräftigsten war und die Wogen, mit
Schaum bedeckt, am höchsten heranschlugen, da stand er, von dem spritzenden
Schaume oder auch von dem plötzlichen Ergusse des Regens
durchnäßt, hinschauend wie einer, der sich an solcher gewaltigen Lust
der Augen nicht satt sehen kann. Wenn ein Gewitter mit Blitz oder Donner
über das Meer daherzog, dann eilte er ihm wie einer, der mit diesen
Mächten ein Freundschaftsbund geschlossen, entgegen auf dem Felssaum der
Küste oder ging ihnen nach in den Eichenwald, wo der Blitz den großen
Baum zerspaltete, und murmelte da sein halblautes “wie groß, wie
herrlich, wie mächtig”.” Friedrich nahm wie ein Geschenk auf,
was andere in Stuben flüchten ließ. Meist war es eine einsame
Zwiesprache mit der Natur, wenngleich- wie Carus mitteilt- Friedrich die
Begleitung eines Freundes nicht ungern gesehen haben soll. Indem der Maler sich
dermaßen in seine Motive einlebte, sie gleichsam mit dem Herzen studierte,
kam er ihrer Eigenart so nahe, daß bei der Wiedergabe der Konventionen der
alten Landschaftsmalerei sich von selbst verloren. So entstanden Bilder, die bei
aller ideellen Verallgemeinerung als überzeitlich gültige
Landschaftsinterpretationen mit ihrem hohen Realitätsgehalt vor der
Wirklichkeit immer wieder auf die Probe gestellt werden können.
Eine wesentliche Grundlage dieses Charterisierungsvermögens war die
persönliche Verbundenheit Friedrichs mit den wiedergegebenen
Landschaftsmotiven, die ihn auch den Italiendrang seiner Zeitgenossen ablehnen
ließ. “Denen Herren Kunstrichtern genügen unsere teutsche
Sonne, Mond und Sterne, unsere Felsen, Bäume und Kräuter, unsere
Ebenen, Seen und Flüsse nicht mehr. Italienisch muß alles sein, um
Anspruch auf Größe und Schönheit machen zu können”,
äußerte er erbittert über den herrschenden klassizistischen
Geschmack. Aus der patriotischen Liebe zu seinem Lande resultierte auch seine
leidenschaftliche Anteilnahme an der Befreiungsbewegung gegen Napoleon, die um
so höher zu bewerten ist, als es in Sachsen infolge des unentwickelten
politischen Denkens 1813 trotz der Aufrufe der Preußen und Russen nicht zu
einer allgemeinen Erhebung kam. Vor allem Kleist, der 1808 in Dresden sein Drama
“Die Hermannsschlacht” als “politisches Programm für die
Gegenwart” verfaßte, hat den befreundeten Maler “zu einem
politischen Menschen” gemacht, “ bei dem man von dem Tode der
äußeren politischen Stürme am öftesten etwas hören
konnte”. Eine ganze Anzahl von Friedrichs Gemälden verstehen sich als
Appelle gegen die französische Fremdschaft und zur nationalen
Besinnung.
Hatte Friedrich die Natur draußen in sich aufgenommen, so vollzog
sich der eigentliche Schöpfungsprozeß daheim in der mönchisch
kahlen Malerstube, worin Friedrich nach den Schilderungen Wilhelm von
Kügelgens nichts duldete als die Staffelei, einen Stuhl und einen Tisch, um
nicht abgelenkt zu werden. “Schließe dein leibliches Auge, damit du
mit dem geistigen Auge zuerst siehest dein Bild. Dann fördere zutage, was
du im Dunkeln gesehen, daß es zurückwirke auf andere von außen
nach innen”, so hat Friedrich gefordert und damit seine eigene
Schaffensweise charakterisiert.
“Ein Bild muß nicht erfunden, sondern empfunden sein”,
war sein Leitsatz. So lauschte er seinen Empfindungen nach, um sie im Bilde
sichtbar zu machen und an andere fühlende Menschen weiterzuvermitteln. Es
war das Neue bei Friedrich und kennzeichnet die Kunstauffassung der Romantik im
ganzen, daß er anstelle allgemeinverbindlicher ästhetischer Regeln
sein eigenes Gefühl zum Gesetz der Kunst erhob, allein “ das Herz des
Künstlers” als deren “einzig wahre Quelle” gelten
ließ. Seine persönlichen Regungen angesichts der Natur waren der
eigentliche Inhalt seiner Bilder, die er nicht als artistische Leistungen,
sondern als Selbsterkenntnis verstand. “Wenn man der Welt etwas
brauchbares hinterlassen will, so müssen es Konfessionen sein”, hat
Goethe gesagt, und Friedrich als sein Zeitgenosse hat dem entsprochen. Wohl
wissend, “Jedes Bild ist mehr oder weniger eine Charakterstudie dessen,
der es gemalt”, und “keiner ist Maßstab für alle, jeder
nur Maßstab für sich und für mehr oder weniger ihm verwandten
Gemüter”, hoffte Friedrich- wie auch schon Runge-, “daß
der andere das gleiche Gefühl in sich haben möchte”. Um aber
seiner Vermittlermission gerecht werden zu können, stellte er an sich
selbst hohe sittliche Anforderungen, “denn nur ein reiner Spiegel gibt ein
reines Bild”.
Friedrich war sich auch der historischen Bedingtheit aller Kunst, der
Abhängigkeit des Künstlers von der Zeit voll bewußt. Jedes Jahr
hundert solle sich selbst schaffen und sich nicht in knechtischer
Nachäffung verlieren, forderte er und wandte sich damit vor allem gegen die
Nazarener, die in reinem Epigonentum eine Erneuerung der Malerei Dürers und
der italienischen Renaissance herbeiführen wollten. “Wenn auch in
unserer Zeit wiederum ein Raffael oder sonst ein ausgezeichneter Künstler
... aufstünde... , er würde dennoch nicht wie jene malen. Seine werke
würden und müßten immer das Gepräge seiner Zeit an sich
tragen. “Friedrich läßt eine beachtliche Einsicht in die
Dialektik der Entwicklung erkennen, wenn er sagt: “ ... wo in der Welt
sich etwas Neues gestalten will, und wäre es auch noch so entschieden wahr
und schön, wird es dennoch vom Alten, Bestehenden bekriegt, und nur durch
Kampf und Streit kann sich das Neue Platz machen und behaupten, bis es wieder
verdrängt dem Neueren weichen muß.”
War das tragende Gefühl bei Friedrich die Ehrfurcht vor der
Schöpfung, so ist in seinen Werken doch seit jeher und schon von den
Zeitgenossen ein melancholischer Grundzug erkannt worden, den Tieck als
“feierliche Wehmut” bezeichnete und der nicht nur aus den
Friedhofsbildern spricht, sondern ebenso aus den Darstellungen des Abendlichen
Scheidens der Sonne, der Düsternis herbstlicher Tage oder der Starre des
Winters. Friedrich ist darum zweifellos zu Recht als Melancholiker bezeichnet
worden. Sein Schwermütiges Wesen wurde nicht zuletzt aus den traurigen
Kindheitserlebnis erklärt, da sein jüngerer Bruder Christoph beim
Schlittschuhlaufen vor seinem Augen unter dem Eis versank, nachdem dieser ihn
selbst vor dem Ertrinken gerettet hatte. Dabei blieb Friedrich aber schon durch
seinen christlichen Erlösungsglaube vor selbstquälerischer
Hoffnungslosigkeit und fruchtloser Resignation
bewahrt . Fern jedem philosophischen Pessimismus,
empfand er zwar zutiefst die Begrenztheit und Vergänglichkeit alles
menschlichen Seins und vertraute sich damit seiner Kunst an. Daß er aber
im Innersten glücklich war, bestätigt seine schriftliche
Äußerung über einen Maler XX, die wir sicherlich auf ihn selbst
beziehen dürfen: Die Freunde möchten jenen nötigen, heitere
Gegenstände zu malen, was ihm aber schwer fällt, während er die
düsteren Dinge frohen Herzens schildert. “Oh, ihr
Gutmütigen”, ruft er aus, “die ihr so ganz und gar nicht das
innere Drängen und Treiben der Seele erkennet!” Demgemäß
offenbaren Friedrichs Bilder auch dort, wo ein melancholischer Ton anklingt,
stets eine tiefe Freude an der Natur. Viele Werke sind erfüllt von stillem
Jubel, vom Ausdruck froher Erwartung, Hoffnung und Zuversicht im Anblick der
Morgenfrühe oder des hellen Tages, von Abendfrieden, Heimkehrstimmung und
dem gläubigen Wissen um Geborgenheit, wenn der Tag sich neigt oder der Mond
sein Mildes Licht über das Land aussendet. Bis heute haben diese zuerst von
Friedrich so anschaulich gemachten Sinnbezüge ihre Gültigkeit
behalten, wirkt in solcher Erlebnissfähigkeit ein Erbe der Romantik fort,
ohne daß uns dies im allgemeinen bewußt wäre. Friedrich hat uns
für den möglichen Bedeutungsgehalt vieler Erscheinungsformen der Natur
erst den Blick geöffnet.
Sein Gemälde “Der Mönch am Meer”, das wie kaum ein
anderes die Größe und Erhabenheit der Natur erahnen läßt,
wirkte in seiner Einsamkeit auf die Zeitgenossen noch bedrückend:
“Man könnte die Füchse und Wölfe” mit solcher Art von
Landschaftsmalerei “zum Heulen bringen”, schrieb Clemens Brentano in
den “Berliner Abendblättern” und stellte außerdem die
Wahrhaftigkeit der Darstellung hinter die der Holländer zurück.
Friedrich aber hat Pionierarbeit geleistet. Wir haben mit seinen Augen sehen
gelernt, und heute gehört für nicht wenige Menschen der Anblick des
einsamen, vielleicht stürmischen Meeres zu den großen
Erlebnissen.
Caspar David hat die Möglichkeiten zu Gedenken- und
Gefühlsverbindungen noch erweitert, indem er den Charakter der Landschaft,
wie er ihn auffaßte, durch symbolhafte Zufügungen unterstrich. Ein
Kreuz oder Kruzifix auf hohem Berggipfel ist Zeichen der Erlösung und
Verheißung. Auf den Meeresbildern erscheint als Metapher für die
menschliche Lebensfahrt alter Tradition gemäß das Schiff, als Ziel
dieser Fahrt der Hafen, während der Anker der Hoffnung verbürgt. Kahle
oder abgestorbene Bäume sind Ausdruck der Vergänglichkeit, doch
können die öfters auftretenden wetterharten Eichen auch
Beständigkeit andeuten, und das entlaubte Gebüsch im Schnee weist
tröstlich auf die überdauernden Lebenskräfte und den neuen
Frühling hin.
Häufig wiederkehrende Stimmungsträger als
Vergänglichkeitssymbole sind die zumeist den gotischen Bauden von Eldena,
Oybin oder auch Meißen ähnlichen Kirchenruinen, deren Wiedergabe in
solchem Sinne auf die Einbeziehung derartiger Bauwerke in die sentimentalen
Landschaftsparks zurückgeht, aber noch tiefer in den Venitasdarstellungen
der Barockzeit wurzelt. In Jacob van Ruisdaels “Judenfriedhof” der
Dresdener Galerie fand Friedrich ein berühmtes Vorbild dafür. Seine
Ruinendarstellung bezeugen zugleich das von der Romantik entwickelte neue
Interessen für die mittelalterliche Kultur. Symbole der Zeitlichkeit
menschlichen Wirkens und Lebens sind auch die Bilder von Gräbern und
Grabmälern- von Gedanken an den Tod aber nur dort eindeutig beherrscht, wo
sie im Bereich des Friedhofs auftreten. An andere Stelle, wie in den
“Grabmalen alter Helden” oder dem “Grab Huttens”,
bedeuten die Grabstätten und Gedenksteine Mahnung zum nationalen Aufbruch
im Geiste dieser Toten, und auch die Hünengräber als Zeugen
germanischer Vorzeit sollten in echt romantischer Auffassung angesichts der
herrschenden nationalen Ohnmacht die Hoffnung auf das Wiedererstehen alten
Heldengeistes erwecken. Der verschlüsselte patriotische Gehalt wurde von
den an solche Ausdrucksformen gewöhnten Zeitgenossen auch richtig erkannt,
wie es etwa von Dahl bestätigt worden ist.
Neben diesen Symbolzügen können noch manche anderen gesehen
werden, läßt sich etwa ein ins Bild führender Weg als Lebensweg,
ein Sturzacker als Gleichnis vergänglichen Erdendaseins, die im Hintergrund
erscheinende Stadt als Zukunftsvision deuten. Es ist weithin üblich
geworden, Friedrichs Bilder nach solchen Metaphern gleichsam abzusuchen und
damit zuweilen symbolisch allzusehr zu befrachten. Das kann dazu führen,
diese Kunst zu vordergründig als eine “Gedankenmalerei” zu
interpretieren, ihren hohen Grad an Realismus zu unterschätzen und ihre aus
der emotional bestimmten Anschauung hervorgegangene Ganzheitlichkeit zu
verkennen. Es ist aber nicht zu bezweifeln, daß Friedrich ganz
entscheidend von der sichtbaren Wirklichkeit ausging, sonst würden wir uns
nicht so oft vor der Natur an seine Bilder erinnert fühlen.
Eine besondere Funktion kommt bei Caspar David Friedrich der menschlichen
Gestalt zu, die der Maler ebenso sparsam eingesetzt hat, wie es vor allem um das
Erlebnis der einsamen Natur ging. Zuweilen der Mensch als anwesend zu denken,
ohne sichtbar zu sein, etwa als Schiffsbesatzung. Wo er erscheint, einzeln oder
auch in der Gruppe, nicht selten im Sinne eines Gedachten Dialogs zu zweien, ist
er niemals nur belebende, Maßstab und Tiefenwirkung schaffende Staffage,
sondern soll eine unmittelbare Beziehung zur Landschaft zuwendet als Medium
verstärkt den Zugang zum Motiv erschließt.
Kompositionell zeigen Friedrichs Bilder nicht mehr das bis dahin
übliche Schema mit den das Hauptmotiv kulissenartig rahmenden Bäumen
oder Felsen. Bei den Zeitgenossen riefen sie daher Verwunderung und Unbehagen
hervor. Bezeichnend ist die Empfindung, die Brentano und Kleist zu den
Gemälde “Der Mönch am Meer” mit den Worten
äußerten: “ ... Da es in seiner Einförmigkeit und
Uferlosigkeit nichts als den Rahmen zum Vordergrund hat, so ist es, wenn man es
betrachtet, als wenn einem die Augenlieder weggeschnitten wären.”
Ähnlich wie dieses Bild, wenn auch nicht immer in so ausgeprägter
Form, sind auch zahlreiche andere Werke durch solche Horizontalen bestimmt, in
denen die verschieden Pläne der Landschaft- Himmel und Erde, Land und
Wasser, Vorebene und Gebirge, Vorder- und Hintergrund- voneinander geschieden
werden. Mann konnte von den alten Sehgewohnheiten her dem Maler hier nur schwer
folgen, und auch Goethe nahm daran Anstoß, weil es ihm schien, als ob die
Bilder um einen Mittelpunkt drehbar wären und auf dem Kopf gestellt werden
können. Friedrich hat den Vordergrund häufig dunkel gehalten und-
indem er den Mittelgrund durch Überschneidungen stark verkürzte- nicht
selten zu einer Raumschranke gemacht, über der die Ferne als das
eigentliche Ziel des Schauens hell aufsteigt. In religiös- allegorischem
Sinne ist diese darum als lichte Vision und Symbol für das ersehnte
jenseitige, als unbetretbar gedachte Reich des Friedens und der Freude
interpretiert worden. Es ist aber zu bemerken, daß Friedrich sich auch
hier offenbar weitgehend von ästhetisch- gestalterischen Erwägungen
leiten ließ. “Auge und Phantasie fühlen sich im allgemeinen
mehr von der duftigen Ferne angezogen als von dem, so nah und klar vor Augen
liegt”, äußerte er im Wissen um die psychologischen Wirkungen
künstlerischer Mittel und warnte davor, Luft und Ferne zu dunkel
anzufangen, weil sonst “im Mittelgrund schon alle Kraft und Saft der
Farben verwendet ist und für den Vordergrund nichts übrig bleibt". Die
Farbe in Friedrichs Bildern überwindet in feingestimmten Akkorden von
größere Zartheit, Transparenz und Helligkeit restlos die vordem
üblich gewesene Tonigkeit. Von ihr gehen zum großen Teil die
Stimmungswerte aus, und somit ist diese Malerei ein Exempel auf die
Bemühungen Runges um eine symbolische Interpretation der Farben zur
Belebung der Landschaftsmalerei, aber ebenso auf die Farbenlehre Goethes, die
der psychologischen Bedeutung der Farben nachgeht.
Friedrich zeichnete seine Kompositionen in höchster Sorgfalt in den
Umrissen auf, legte sie mit einer monochromen Untermalung an und arbeitete dann
mit leuchtenden Lasuren. Wie Carus mitteilt, sahen seine Bilder in jedem Stadium
bestimmt und geordnet aus, wie es seiner Lauterkeit und eher biedermeierlichen
Ordnungsliebe entsprach. Bei fast aquarellartiger Wirkung hat Friedrich die
feinsten Tonabstufungen erzielt und mit ihrer Hilfe atmosphärische
Situationen in der Differenzierung wiederzugeben vermocht wie kein Künstler
je zuvor. Was er beim intensiven Naturstudium an Form- , Licht- und Farbenwerten
aufnahm; wurde beim Malen aus der Vorstellung der Bildidee untergeordnet. Um die
feinen atmosphärischen Schwebezustände und die damit verbundenen
Stimmungswerte sichtbar zu machen, mußte der Maler die Materialität
der Dinge oft bis zur Schemahaftigkeit zurückdrängen- wie es auch der
optischen Realität entspricht. So enthalten Friedrichs Bilder für den,
der sie nicht von ihrer Stimmung her zu erfassen vermag, rein quantitativ in der
Tat nur wenig. Sie sind nicht pittoresk und dekorativ, sondern eher karg und
spröde, fern jeder artistischen Routine, vielmehr oft von scheinbarer
Zaghaftigkeit und Naivität. Selbst Carus verstand wohl ihre ungewohnte
Schönheit nicht völlig, wenn er schreiben konnte: “Die Dinge
geben dem Sinn nur wenig, dem Geist das meiste” und von einem zwar
“tiefpoetischen, doch oft auch etwas finsteren und schroffen Stil der
Landschaft” sprach. Goethe, der ihn übrigens beachtlich
gefördert hat, nannte die Gedanken der Arbeiten Caspar Friedrichs
“zart, ja fromm, aber in einem strengen Kunstsinne nicht durchgängig
zu billigen”, lobte die “bewunderungswürdig sauber getuschten
Landschaften”, vermißte aber “wohltuende Befriedigung”,
“wahres Colorit”, “ gefällige Beleuchtung” und
“Formen der schönen Natur” und war der Meinung, daß der
Maler sich “wegen Vernachlässigung der Kunstregeln mit allen seinen
Geschmacksgenossen... im gleichen Nachteil” befände- ein Urteil, das
deutlich von der klassizistischen Kunstauffassung geprägt erscheint.
“Sehr einfach, ärmlich, ernst und schwermutsvoll, glichen Friedrichs
Phantasien ... den Liedern jenes alten Keltensängers, deren Stoff nichts
ist als Nebel, Bergeshöhe und Heide”, schrieb Wilhelm von
Kügelgen, und die Malerin Caroline Bardua bezeugte: “Wie er in seinem
Wesen erschien: still, verschlossen, weltscheu, absonderlich, tief denkend, voll
warmer Liebe für Kunst und Natur- so waren auch seine Bilder: wunderbar
einfach, melancholisch, eigentümlich, voll geistreicher religiöser
Bedeutung”.
Bei aller Selbstgewißheit und Entschiedenheit des Wollens war
Friedrich gegen sich selbst stets kritisch bis zum Zweifel am eigenen
Können und gleichzeitig zur Anerkennung der Leistungen anderer bereit, ein
Mensch “von strenger Rechtlichkeit, Geradheit und Abgeschlossenheit ... ,
aller Ostentation fremd wie jeder luxuriöse Geselligkeit”.
Bescheidenheit bestimmte sein Lebensstil, und auch die überraschende Heirat
mit Caroline Bommer, einer “einfachen und stillen Frau, die ihm nach und
nach einige Kinder gebar”, änderte sein Wesen und Leben kaum, wie wir
von Carus erfahren.
Daß Caspar David Friedrich sich mit seiner Kunstauffassung
völlig von den Traditionen der Akademie löste, mußte ihm
schließlich zum Nachteil gereichen. Da er die Kunst als Sprache der
persönlichen Empfindung ansah und somit auch zu ganz persönlichen,
nicht übertragbaren Gestaltungsmitteln fand, konnte er als Lehrer nicht
geeignet erscheinen. Solche Äußerungen wie: “ Nicht unterwiesen
zu sein, ist oft für geistig begabte Menschen ein Glück. Das viele
Lehren und Unterweisen ertötet nur zu leicht das Geistige im
Menschen”, stellten den Wert von Kunstschulen schließlich
überhaupt in Frage. Friedrichs Kunst hat ebenso außerhalb der
Akademie und im Widerspruch zu dieser gestanden wie etwa die große
französische Malerei des 19. Jahrhunderts von Delaroix und der Schule von
Barbizon über Courbet bis zu den Impressionisten. Mit der an sich logischen
Begründung- in richtiger Erkenntnis der entschiedenen Subjektivität
seines Schaffens- , daß Friedrich seine Höhe weniger seinem Studium
als seinem Genie verdankte, wurde ihm die ersehnte Professur an der
Landschaftsklasse verweigert. Hier liegt ein Teil der Tragik dieses Malers:
Gerade er, dem es um den sittlichen Einfluß der Kunst so ernst war, konnte
die Möglichkeit für ein Wirken in die Breite nicht gewinnen. Daß
Caspar David Friedrich nicht im engen Sinne schulbildend wurde und kaum
unmittelbare Nachfolger fand- ausgenommen Carl Gustav Carus und in gewissen
Maße den in der Motivik seiner Werke sehr ähnlichen Norweger Johan
Christian Clausen Dahl, mit dem Friedrich zwei Jahrzehnte lang in einem Hause
wohnte, weiterhin den mehr biedermeierlichen Georg Friedrich Kersting und Ernst
Ferdinand Oehme- , lag freilich mehr in der Unwiederholbarkeit dieser Kunst
begründet. Friedrichs revolutionierende Auffassung, seine
künstlerischen Prinzipien wie der Schatz seiner überaus
eigenständigen Ausdrucksmöglichkeiten haben die Malerei der Folgezeit
wesentlich bereichert, ohne daß sie im einzelnen daraus zu lösen
wären.
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