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Gauß, Carl Friedrich (1777-1855)
Carl Friedrich
Gauß
Er hatte 2 Frauen, 6 Kinder und war wohl der bedeutendste
Mathematiker der letzten Jahrhunderte.
Jeder von Euch hat ihn schon einmal gesehen. Jeder von Euch
trägt ein Bild von ihm vielleicht gerade bei sich: die Rede ist von Carl
Friedrich Gauß, dem Princeps mathematicorum
Ihn, sein Leben und seine Werke möchte ich nun
vorstellen.
Carl Friedrich Gauß wurde am 30. April 1777 in
Braunschweig geboren. Er wuchs unter ärmlichen und beengten
Verhältnissen auf.
Der Vater Gerhard Dietrich Gauß hatte eine Reihe
verschiedenartigster Berufe ausgeübt - darunter Gassenschlächter,
Gärtner und Maurer. Durch seinen Fleiß brachte er es
schließlich zu einem gesicherten, aber bescheidenen Lebensunterhalt
für seine Familie.
Das Verhältnis des jungen Carl Friedrich zu seinem
Vater ließ allerdings zu wünschen übrig, denn Gauß
beschreibt ihn selbst als "sehr herrisch, rauh und unfein".
Besser verstand er sich hingegen mit seiner Mutter Dorothea,
die ebenfalls aus niederen Verhältnissen stammte - sie konnte kaum lesen
und schreiben.
Gauß pflegte gegen Ende seines Lebens oft und gern aus
seiner Kindheit zu erzählen. Auf diese Quelle geht eine Reihe von Anekdoten
zurück, von denen man wohl annehmen darf, daß sie richtig
sind.
So etwa hatte der damals 3-jährige Gauß
mitgehört, wie sein Vater den Lohn für seine Gärtnereigehilfen
zum Auszahlen noch einmal zusammensummierte. Dabei wurde er aber durch den
Zwischenruf "Papa, Du hast einen Fehler gemacht" von seinem Sohn unterbrochen.
Zur allgemeinen Verblüffung bestätigte eine Nachprüfung den
Einwand des Jungen.
Seitdem redet man davon, daß Gauß früher
rechnen, als sprechen gelernt habe.
Im Jahre 1784, also 7-jährig gaben ihn seine Eltern in
die Katharinen-Schule, etwa der heutigen Grundschule. Hier trat dann auch bald
wieder seine ungewöhnliche mathematische Begabung auf.
Es wird erzählt, der Lehrer Büttner habe den
Schülern die Aufgabe gestellt, alle ganzen Zahlen von 1 bis 100
aufzusummieren, das Ergebnis auf eine Schiefertafel zu schreiben und diese dann
auf sein Pult zu legen - wohl als Zeitgewinn für den Lehrer, denn der
mußte damals sehr große Klassen mit Schülern der
unterschiedlichsten Jahrgänge gleichzeitig unterrichten. Statt nun, wie es
für einen Schüler dieses Alters üblich ist, der Reihe nach zu
rechnen, also etwa 1+2 = 3; 3+3=6 usw. fiel dem jungen Gauß auf, daß
in der Summation der Zahlen von 1 bis 100 am Anfang und Ende der Reihe die Zahl
101 zu bilden ist: 1+100=101, 2+99=101 usw. Er stellte nun fest, daß es 50
solcher Paare gibt. Deswegen sei dann nur eine einfache Multiplikation - dies
hatte er sich wohl selbst beigebracht - durchzuführen: 50*101=5050.
Deswegen war es nicht verwunderlich, daß Gauß das Ergebnis in
Handumdrehen hatte.
Lehrer Büttner erkannte bald das Talent des jungen
Gauß und bemühte sich um eine starke Förderung des
Schülers. Dabei stand ihm sein Gehilfe Bartels zur Seite, den die
Mathematik ebenfalls sehr interessierte. Büttner und Bartels konnten den
Vater von Gauß davon überzeugen, daß seinem Sohn eine über
die Volksschule hinausgehende Ausbildung zuteil werden müsse. Gauß
junior wurde nun vom allabendlichen Arbeiten zu Hause befreit und durfte sich
statt dessen der Lektüre wissenschaftlicher Bücher widmen. Zugleich
suchten Bartels und Büttner einen finanzkräftigen Förderer des
Jungen, denn der Vater konnte das Geld für ein späteres Studium nicht
aufbringen. Ostern 1788 wurde Gauß am Braunschweiger Gymnasium
aufgenommen, und zwar wegen seiner guten Leistungen gleich in die zweite Klasse.
Gauß überraschte dort seine Lehrer durch die Schnelligkeit und
Präzision, mit der er sich die alten Sprachen wie Latein und Griechisch
aneignen konnte.
1791 wird Gauß dem Herzog von Braunschweig, Karl
Wilhelm Ferdinand vorgestellt, der ihm dann mit den notwendigen finanziellen
Mitteln für sein Studium unterstützte. Während seiner Studienzeit
am Collegium Carolinum traten bei Gauß Eigenschaften hervor, die seine
künftige Produktivität bereits erahnen lassen: eine rasche
Auffassungsgabe, Beharrlichkeit, Zähigkeit, eine geschickte
Rechenfertigkeit und Abstraktionsvermögen. Diese verhalfen ihm dazu, seine
Fähigkeiten nicht nur in der Theorie, sondern auch in der praktischen
Mathematik und später der Physik zu beweisen. Ab 1795 studiert Gauß
an der Göttinger Universität, wo er sich nun endgültig zum
Mathematikstudium entschloß.
Von diesem Zeitpunkt an kann man sagen, daß nun
Gauß als bedeutender Mathematiker wirkt. Damals, als 19-jähriger
löste er ein Problem, das seit 2000 Jahren aufgestellt, aber nicht
beantwortet werden konnte: er vermochte anzugeben, welche
regelmäßigen Polygone (Vielecke) mit Zirkel und Lineal konstruiert
werden können.
1798 kehrt Gauß, nachdem er sein Studium in
Göttingen beendet hat, wieder nach Braunschweig zurück. Seine
finanzielle Lage war zu diesem Zeitpunkt noch ungeklärt, denn der Herzog
äußerte sich nicht, ob und wie er die Unterstützung
weiterführen wolle.
1799 lieferte Gauß den vollständigen Beweis
für einen Fundamentalsatz der Algebra: Eine Gleichung n-ten Grades hat
genau n Lösungen, wie es ja allen aus den Komplexen Zahlen - die hat
Gauß ebenfalls mit entwickelt - bekannt sein dürfte. Einen Beweis
dafür fand man in seinem Tagebuch bereits im Jahre 1797, nämlich mit
Hilfe der Gauß´schen Zahlenebene - dürfte doch ebenfalls bekannt
sein - doch Gauß lehnte es zu diesem Zeitpunkt ab, den angestrebten Beweis
mit Hilfe der Komplexen Zahlen durchzuführen, denn die damaligen
Mathematiker hatten mit ihnen noch so manche Probleme.
1801 erscheint die "Disquisitiones arithmeticae". Diese im
lateinischen verfaßte Abfassung enthält 3 Teile: die Theorie der
Kongruenzen, die quadratischen Formen und die Theorie der Kreisteilung.
Gauß rückte mit diesem Werk in die Riege der anerkanntesten
Mathematiker seiner Zeit auf.
Kaum war diese Arbeit veröffentlicht, wandte er sich
seinem nächsten Interessen bzw. Arbeitsgebiet zu: der Astronomie. Er
führte hier unter Berücksichtigung seiner eigens entwickelten
Fehlerkorrektur Bahnberechnungen kleinerer Planeten durch. Dabei muß man
bedenken, daß Gauß keine mechanischen Rechenhilfsmittel, geschweige
denn Rechenschieber, Taschenrechner oder Computer zur Verfügung standen.
Bis zu 4000 Ziffern rechnete er dabei täglich aus.
1807 wurde er an die Göttinger Universität als
Professor der Astronomie und Direktor der dortigen Sternwarte berufen. Das
machte ihn nun endgültig finanziell vom Herzog, der bereits verstarb,
unabhängig.
Aber auch die Geometrie gehört bei Gauß zu jenen
Arbeitsgebieten, die sein Lebenswerk geprägt haben. Als er 1827
fundamentale Sätze zur Kugelgeometrie veröffentlicht, tritt er in
Fußpfade bekannter zeitgenössischer Mathematiker wie etwa Leonhart
Euler ein. In seiner "Flächentheorie" erörterte er allerdings
allgemeinere, übergreifendere Methoden der Differentialgeometrie, die sich
dann zu einem umfangreichen, selbständigen Gebiet der Mathematik
erweiterte.
In Hinblick auf die Leistungen, die Gauß immer wieder
in der abstrakten Mathematik bewiesen hat, vergißt man oft das praktische
Werk von C.F. Gauß bei der Landvermessung des Königreichs Hannover.
Gauß setzte all seinen Ehrgeiz dazu ein, daß diese Vermessung zu
einem Muster an Genauigkeit werden sollte, an dem man sich orientieren konnte
und auch sollte. Anschließend bedurfte es dann natürlich auch noch
die rechnerisch-mathematische Aufbereitung des ungeheuren Zahlenmaterials der
Gradmessung von 1821 bis 1825 sowie der Landesvermessung von Hannover in den
Jahren 1828 bis 1844. Bei all den Vermessungen half besonders der Heliotrop, den
Gauß bereits 1820 erfand.
Neben der Geodäsie beschäftigte sich Gauß
auch mit der Physik. Nicht nur deswegen, weil sich die gesellschaftliche Lage
von Mathematik und Naturwissenschaften sich änderten, sondern auch weil es
die industrielle Revolution in den 20er und 30er Jahren des 19. Jahrhunderts in
Deutschland forderte.
Zusammen mit Wilhelm Weber machte Gauß im Jahre 1831
an der Göttinger Uni Untersuchungen zum Erdmagnetismus. Dabei stellte
Gauß rechnerisch fest, daß sich die geometrischen Pole von den
magnetischen unterscheiden. Auch konnte er die magnetischen
Grundgrößen wie Polstärke und Feldstärke auf die
physikalischen Grundgrößen Länge, Zeit und Masse
zurückführen.
1833 entwickelt er den Telegraphen, mit dem über eine
lange Drahtleitung durch elektromagnetische Impulse Informationen weitergegeben
werden können.
Am 18. April 1839 stirbt seine Mutter, die bei ihm
lebte.
Im Jahre 1849 feiert er sein Goldenes Doktorjubiläum in
Göttingen. Außerdem erscheint seine letzte wissenschaftliche
Abhandlung. Allmählich machen sich Alterbeschwerden bei ihm bemerkbar. 1854
stellt man bei ihm eine stark vorangeschrittene Herzerweiterung fest - sie
schritten rasch fort. Die letzten Lebenswochen waren für Gauß
ausgefüllt mit schmerzhaften Beschwerden, die durch eine zunehmende
Wassersucht verursacht wurden. Gauß starb am 23. Februar 1855 (5.01
Uhr)
Der in Sparsamkeit lebende Mann hinterließ seiner
Nachwelt einen unschätzbaren Wert an grundlegenden naturwissenschaftlichen
Errungenschaften. Zu seiner Ehre wurde noch im Todesjahr eine Gedenkmünze
herausgegeben. Früher wurde die Einheit der magnetischen Flußdichte
nach ihm benannt - und heute ist er und sein Heliotrop auf dem 10 D-Mark Schein
verewigt.
© 1997 Peter Appel
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