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Total global - Wie der Turbo-Kapitalismus die Welt
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Wie der
Turbo-Kapitalismus die Welt verändert
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Referat von Andre
Gastreich
für den
PKG-Unterricht
GO-11
Allein der Markt
regiert
E
ine neue industrielle Revolution bricht an :
Kapitalismus ohne Grenzen. Der weltweite Wettstreit um Jobs und Löhne wird
das Leben radikal verändern. Hilflos stehen nationale Regierungen, die
allein das Wohl ihres Landes im Auge haben, Konzernen und Anlegern
gegenüber, die längst global denken. Verliert die Politik ihre Macht
?
W
enn Heinrich von Pierer einen Globus in die Hand
nimmt, kann er ihn drehen und wenden, wie er will: Siemens ist
überall.
Im indischen Bangalore entwickeln die
Programmierer einer Subfirma hochintelligente Software. In Brasilien,
Argentinien und Mexiko formen Billigkräfte gute alte Osram-Leuchten. Und in
North Tyneside, einer Stadt in Nordengland, entsteht für ca. 2 Milliarden
Mark eine Chipfabrik, in der bald 1500 Briten arbeiten werden.
Siemens ist in 190 Ländern dieser Welt
präsent. Globaler geht es wohl kaum. Dazu gehören 400
Produktionsstätten auf sechs Kontinenten, ca. 382 000 Mitarbeiter, davon
170 000 im Ausland. Schon lange macht Siemens im Ausland mehr Geld als in der
Heimat. Sie haben die Produktion verlagert, aber vor allem neue Märkte
erschlossen. Da planen Siemens-Techniker in Aktjubinsk, einem Landstrich in
Kasachstan, ein Kraftwerk. Da treiben sie in der chinesischen Stadt Guangzhou
ein U-Bahn-Netz durch das Erdreich und verlegen in Südafrika ein
superschnelles Multimedia-Netz. Da kommen Transformatoren “made by
Siemens” aus Ungarn oder Glasfaserkabel aus Indonesien; immer seltener
heißt es “made in Germany”. Ohne das globale Geschäft
wäre die Firma aus Bayern wohl ein Nichts. Siemens will allein in
Indonesien in den nächsten 4 Jahren bis zu 40 000 Menschen
beschäftigen. Es ist unmöglich, diesen Wachstumsmarkt allein mit
Exporten aus Europa oder Amerika zu beliefern. Globalisierung heißt die
magische Macht, die Konzerne wie Siemens antreibt und deren wichtigste
Triebfeder sie zugleich sind. Längst reicht es ihnen nicht mehr, ihre Waren
in alle Welt zu exportieren. Sie wollen da produzieren, wo unerschlossene neue
Märkte sind - oder billige Arbeitskräfte !
Gleichzeitig bewegen Anleger Milliarden von einer
Börse zur nächsten, aus Derivaten in Aktien, aus Aktien in Anleihen.
Ländergrenzen spielen auch im globalen Kasino längst keine Rolle mehr.
Die gewaltigen Kräfte, die da wirken, werden die Welt verändern wie
nie zuvor und; die Konzerne treiben diesen Wandel immer schnelle voran. Hilflos
schauen die Nationalstaaten zu, nach und nach verlieren sie ihre Macht an die
Firmen. Es kommt eine ökonomische Zeitwende, man registriert einen noch nie
dagewesenen Wettbewerbsdruck. Die Welt wächst zusammen, wird immer mehr
vernetzt durch CNN, Telefax, Internet. Immer schneller entstehen neue Produkte,
werden billiger.
Es entsteht ein gnadenloser Kampf um Lohn und
Arbeit. Wohlstand und Armut werden neu verteilt. Die Standorte der Firmen
liefern sich harten Konkurrenzkampf um Investoren, Kapital und
Arbeitsplätze. Kein Wunder, daß die Konzerne, die weltweit planen und
die Regierungen, die das Wohl des Landes im Auge haben,
auseinandergehen.
Man prognostiziert, daß schon im Jahre 2004
die Entwicklungsländer mehr produzieren als alle Industrieländer
zusammen.. Im Jahre 2020 wird Deutschland unter den Wirtschaftsmächten nur
noch auf Platz 6 zu finden sein, zwischen Indonesien und Südkorea und weit
hinter der neuen Nummer 1, China ! Vor allem in Europa entstehen Ängste
unter den Menschen, wenn sie diesen Wandel beobachten. In Deutschland suchen
fast 5 Millionen Menschen einen Arbeitsplatz - so viele wie seit dem Krieg nicht
mehr. Gleichzeitig drängen die Firmen ins Ausland wie noch nie zuvor.
Deutschland hat, schenkt man den Arbeitgebern glauben, einen neuen
Exportschlager : Arbeitsplätze ! Es treten nun immer wieder dieselben
Fragen auf : Wandert die Wirtschaft aus ? Werden die Löhne bald so niedrig
sein wie in Malaysia oder Tschechien ? Müssen wir sogar bald mit dem
Flugzeug jeden morgen zum Arbeitsplatz nach Japan ?
Es gibt aber auch eine andere Sicht des
Turbo-Kapitalismus. Demnach bringt dies mehr Wohlstand, laut dem G-7-Gipfel.
Schon im 19. Jahrhundert formulierte der Brite David Ricardo das “Gesetz
der komparativen Vorteile” - ein Lehrsatz, der bis heute die
Wirtschaftswissenschaft beherrscht : Jedes Land soll das herstellen, was es im
Vergleich zu anderen am besten kann; wenn sich jeder spezialisiert, steigen
Produktion und Einkommen. Der freie Handel bringt demnach Wohlfahrtsgewinne
für jeden, der mitmacht.
S
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päter verfeinerten zwei Schweden diesen
Vorsatz. Eli Hekscher und Bertil Ohlin. Ihre Kernthese : Länder, die viel
Geld haben, sollen sich auf kapitalträchtige Produkte spezialisieren - auf
High-Tech; Länder mit vielen Arbeitsplätzen sollen Güter
herstellen, die nicht unbedingt viel Kapital abwerfen, aber viel Arbeitseinsatz
erfordern - Massenware. Tatsächlich nahm der Wohlstand der
Industrienationen in den letzten Jahrzehnten nahezu kontinuierlich zu. Dann fiel
der eiserne Vorhang, der die kapitalistische von der kommunistischen Welt
getrennt hatte. Neue Märkte taten sich auf, die noch nicht gedeckt waren.
Konsumenten und billige Arbeitskräfte waren genug vorhanden. Dutzende von
Entwicklungsländern folgten.
Die Regierungen orientieren sich am Weltmarkt.
Und die Multis, die immer als Ausbeuter galten, sind nun vielerorts
hochwillkommen. Schließlich bringen sie doch Kapital und Technik ins Land.
In der ganzen Welt fallen Handelsschranken, der Zollsatz wird auf ca. 5 Prozent
gedrückt. Nur zur Erinnerung : vor 50 Jahren verlangten die Staaten noch 40
Prozent ! Auch das Kapital muß auf den Finanzmärkten weniger
Hindernisse überwinden als zuvor. Vorbei sind die Zeiten, als der
Wettstreit allein zwischen den USA, Europäischer Union und Japan
ausgetragen wurde. Mittlerweile betrachten die Konzerne die ganze Welt als ihren
Marktplatz, auf dem sie vor allem eins erzielen wollen : Profit. Schneller als
bisher kaufen die großen Konzerne Produktionsstätten. Man plant in
der Kommunikation und Luftfahrt strategische Allianzen. Sie wollen die besten
Techniker, die billigsten Arbeiter, den schnellsten Lieferanten, egal, woher
diese kommen. Das Herzstück des Kapitalismus sind die Minimierung der
Kosten und die Maximierung der Gewinne. Die Produktion wird schlanker und
zugleich internationaler. Ein gutes Beispiel für Globalisierung ist
sicherlich Percy Barnevik. 1982 übernahm er die Firma Asea, ein
schwedisches Elektrounternehmen. Dessen Techniker waren zu 95 Prozent in
Schweden beschäftigt. Barnevik gilt unter Managerkollegen als Vorbild in
Sachen Globalisierung. Er verlegte die Zentrale nach Zürich, entließ
in Westeuropa und Nordamerika 54.000 Mitarbeiter und heuerte in Osteuropa und
Asien 46.000 neue an. Er kaufte über 200 Firmen hinzu und verwob sie in
einem weltweiten Netz aus etwa 5000 eigenständigen Profitcentern. Knallhart
konkurrieren seine Unternehmen nun untereinander um fremde Aufträge. Nur
171 Angestellte steuern von Zürich aus den verzweigten Konzern mit 212 000
Mitarbeitern, Barnevik, der globale Firmenchef jettet derweil von Fabrik zu
Fabrik. Die Geschäfte werden in Dollar und nicht in der nationalen
Währung abgerechnet, eine Heimatverbundenheit gibt es bei den Firmen nicht
mehr. Steuern werden da gezahlt, wo die Sätze niedrig sind. Das ist
einfach, denn Gewinne können von Konzern zu Konzern verschoben werden - zum
Schaden von Ländern wie Deutschland oder Schweden. Technik spielt dabei
eine wichtige Rolle, ohne Telefax, Glasfaserkabel und ähnliches wäre
so etwas wohl kaum möglich. Die Industrie ist einfach mobiler geworden.
Früher baute man Stahlwerke dort, wo Kohle vorhanden war. Die
Transportkosten sind stark gesunken und viele Industriezweige sind
Standortunabhängig und dadurch wesentlich flexibler
geworden.
Es gab schon einmal eine Zeit, wo die Wirtschaft
zusammenwuchs, der Imperialismus. Amerikanische Industriemagnaten und
europäische Handelsgesellschaften zogen nach Asien und Afrika. Die Kolonien
allerdings waren für sie nur Rohstoffquellen und nicht Markt oder Standort
für Fabriken. Doch dann kam der schwarze Freitag an der New Yorker
Börse und damit die Weltwirtschaftskrise, die Staaten vielen wieder
auseinander. Damals bezog sich die Globalisierung auf den Handel heute dagegen
auf Produktion. Die Voraussetzungen haben sich ja auch sehr geändert : die
Zukunftsbranchen kommen ohne Rohstoffe aus, Firmen können überall in
der Welt bei Banken und Börsen Kapital aufnehmen. Wissen spielt heute eine
große Rolle, wer viel weiß, kann viel verdienen. Wissen ist als
Produktionsfaktor mittlerweile auch wichtiger als Arbeit und Kapital.
Mikrotechnologie und Biologie, Branchen mit Kopfarbeit, können sich
überall ansiedeln, ebenso Werkstoffindustrie, Telekommunikation,
Flugzeugbau und Computerindustrie. Der Computerhersteller Hewlett-Packard zum
Beispiel hat seinen Konzernsitz in Kalifornien. Sein weltweites Zentrum für
medizinische Einrichtungen befindet sich aber an der amerikanischen
Ostküste, jenes für Personalcomputer in der Schweiz, jenes für
Fiberglasoptik in Deutschland und jenes für Laserdrucker in
Singapur.
A
uch Fiat läßt sein neuestes Auto, den
Palio, demnächst in 13 Ländern gleichzeitig vom Band rollen, in
Ecuador ebenso wie in Algerien, Indien oder Venezuela; ein Rechner in Turin, in
dem via Satellit alle Materialbewegungen zusammenlaufen, kontrolliert die
Montage. Unaufhaltsam arbeiten Unternehmen, die überall und nirgends
Zuhause sind, an einer neuen Weltkultur. Regionale Vorlieben spielen in ihren
Produkten seltener eine Rolle, der Kommerz bestimmt unmerklich, was die Menschen
und wahrnehmen. Hollywood beglückt Millionen mit Arnold Schwarzenegger und
Sharon Stone, Gillette wirbt auf der halben Erdkugel für “das beste
im Mann”, der Marlboro-Cowboy reitet in den Anden genauso wie im
Hunsrück. Und der Big Mac schmeckt sowieso überall
gleich.
Eine kleine Anzahl von imperialen Konzernen
prägt das neue Bild der Erde. Die 20 größten Unternehmen der
Welt, darunter Mitsubishi (Platz 1), die Royal Dutch / Shell (Platz 10) und
Daimler Benz (Platz 17), setzen mehr um, als die 80 ärmsten Länder
zusammen erwirtschaften. Und die Menge an Waren, die sie kontrollieren,
wächst gewaltig : Die Giganten der “Global 500”, die das
amerikanische Magazin Fortune jährlich begutachtet, steigerten ihren Umsatz
um elf Prozent; sie wuchsen damit viermal schneller als die Weltwirtschaft. Beim
Gewinn legten die Multis noch mehr zu : fast 15 Prozent im Jahr 1995 und sogar
62 Prozent ein Jahr zuvor. Neben diesen Firmen registriert die Handels- und
Entwicklungsorganisation Unctad 40 000 andere Unternehmen, die ebenfalls in die
Kategorie Multis fallen. Darunter sind auch Mittelständler, die nur ein
paar Dutzend Angestellten jenseits der Grenzen beschäftigen. Insgesamt
kontrollieren diese Unternehmen etwa 250 000 ausländische
Tochtergesellschaften. Auch die Deutschen mischen in diesem Spiel immer mehr
mit. Im vergangenen Jahr investierten die Firmen 50 Milliarden Mark
außerhalb der Republik, fast doppelt soviel wie zwölf Monate zuvor
(siehe Grafik im Anhang). So gab Hoechst allein 7,1 Milliarden Mark für den
amerikanischen Pharmaproduzenten Marion Merrel Dow aus. Hoechst bezeichnet sich
selbst mittlerweile nicht mehr als deutsches Unternehmen. Seit dem Fall der
Mauer produzieren auch die Deutschen vorzugsweise in Billiglohnländern. Die
Löhne in den Reformstaaten liegen 80-90 Prozent unter den deutschen ! Aber
viele Firmen ziehen auch um, um neue Kunden zu gewinnen. Man will das Risiko von
Dollar-Kursschwankungen vermeiden oder Handelsbarrieren überwinden. BMW zum
Beispiel spart riesige Zölle dadurch, daß sie ihre Autos in
Indonesien zusammenschrauben.
W
ie viele Arbeitsplätze Deutschland
verlassen, ist strittig. 300 000 in 5 Jahren, behauptet BDI-Chef Hans-Olaf
Henkel; nur 75 000, glaubt der DGB. Bisweilen jedenfalls sichert das
Auslandsgeschäft auch Arbeitsplätze im Inland. Bedenklich ist
hingegen, wie oft ausländische Firmen einen Bogen um Deutschland machen.
Sie steckten 1995 gerade 14 Milliarden Mark in hiesige Fabriken - 36 Milliarden
Mark weniger, als die Deutschen ins Ausland pumpten. Japaner und Amerikaner
siedeln sich lieber dort an, wo sie weniger Steuern zahlen und
bürokratische Hürden überwinden müssen. Überall fordern
internationale Anleger jetzt den gleichen Erlös, von Firmen in South
Carolina genauso wie in Schwaben; überall streichen Unternehmer deshalb
teure Jobs und schaffen billige in der Fremde. Denn das steigert die Rendite.
Allmäh
Staaten müssen sich dieser Macht
beugen - ob sie wollen oder nicht
lich geraten so auch deutsche Konzerne in die
Abhängigkeit von Großinvestoren, die mit einem Federstrich über
Wohl und Wehe der Aktienkurse entscheiden - und darüber, wo
Arbeitsplätze entstehen. Wer sich nicht fügt, dem droht der
Kapitalentzug.
Die USA sind das beste Beispiel hierfür.
Hier operieren institutionelle Anleger mit gewaltigen Summen. Dezent nutzen
Investmentgesellschaften diese Macht aus und schreiben - wenn ihnen der
Aktienkurs mißfällt - bisweilen auch blaue Briefe an die Konzerne.
Dann kommt es auch schon mal zu, nennen wir es mal Empfehlungen, ganze
Abteilungen zu schließen.
Der Finanzmarkt verschwindet immer mehr von der
realen Welt. Tag für Tag rauschen 1,5 Billionen Mark über
Datenleitungen, hinter denen keine Firmen und Waren stehen. Nirgends ist der
Rausch der Globalisierung so groß wie dort, wo die Broker der Börse
dicht auf dicht hocken. Die Technik spielt auch hier mal wieder eine
entscheidene Rolle. Börsenkurse gelangen in “real time” zum
Empfänger, überall in der Welt zur gleichen Zeit. Wer eine Sekunde
schneller reagiert, kann Millionen verdienen oder verlieren. Und mit dem
Internet gelangen auch kleine Leute immer näher an die Börse heran.
Das globale Kasino kommt nie zur Ruhe : Morgens eröffnet die Börse in
Tokio, weiter geht’s nach Hongkong, dann nach Europa. Schließen
Frankfurt und London, übernimmt New York - ein ewiger Kreislauf. Die
Summen, die dabei täglich verschoben werden, sind fast doppelt so hoch wie
die Währungsreserven aller Zentralbanken. Staaten müssen sich dieser
Macht beugen - ob sie wollen oder nicht; schließlich finanzieren sie
über den Kapitalmarkt ihre Schuldenlast. Übertreibt es eine Regierung
zu sehr, fordern die Anleger prompt eine Prämie : höhere Zinsen
für höhere Risiken !
Es zeigt sich immer wieder, wie
Kapitalmärkte den Politikern das fürchten lernen. So knackten sie z.
B. im Herbst 1992 die Bank von England. Die Devisenhändler brachten mit
einer Spekulationswelle, die auf ein fallendes Pfund und eine schwache Lira
setzte, das europäische Währungssystem zu Fall. Die Aussagen der
Politiker sind sinngemäß immer gleich : “Spekulanten sind das
Aids der Weltwirtschaft” (Jacques Chirac), “Die Welt liegt in den
Händen dieser Leute” (Währungsfond-Präsident Michael
Camdessus), “Überall regiert der Markt, allein der Markt”
(Lester Thurow). Können die Regierungen also abdanken ? Haben sie die Macht
über jenes unheimliche Wesen verloren, das sie mit der Liberalisierung und
Deregulierung selbst gerufen haben : den Markt ? Bestimmen nur noch Broker,
Investmentfonds und Konzerne über die globale Zukunft ?
Die Staaten sind viel zu sehr erpreßbar.
Wenn Konzerne es fordern, bekommen sie Subventionen oder
Steuervergünstigungen. Bekommen sie sie nicht, gehen sie halt ins
Nachbarland. Der Wettbewerb der Standorte scheint zum Subventionswettlauf zu
werden. Viele Gesetze lassen sich einfach nicht gegen den vereinten Widerstand
der Industrie durchsetzen. Ein gutes Beispiel : die Öko-Steuer. Der
Standort wäre dann noch schlechter gestellt, hieß es,
Kündigungen seien vorprogrammiert. Die Folge : Bonn parierte. Nur durch
internationale Zusammenarbeit werden sich die Konflikte der Zukunft lösen
lassen, doch Organisationen wie die WTO und die EU haben kaum Mittel, um
wirklich durchzugreifen :
- Die USA zetteln, allen
Grundsätzen zuwider, immer wieder politisch motivierte Handelskriege an :
mit Japan über Autos oder mit Europa über die Beziehungen zu
Iran.
- Die Länder der
Dritten Welt beschweren sich derweil über Protektionismus, denn mit dem
schnellen Hinweis auf Sozial- und Ökodumping machen die
Industrieländer ihre Grenzen für Billigware dicht.
- Die Deutschen
schützen mit dem Entsendegesetz zwar ihre Bauarbeiter. Gleichzeitig
unterlaufen sie aber die Ziele des Binnenmarktes, denn durch Mindestlöhne
bremsen sie indirekt die freie Mobilität von
EU-Arbeitern.
D
er Standort Deutschland ist also gefährdet,
der Turbo-Kapitalismus verändert die Welt. Er ist sicherlich unaufhaltsam,
bringt Vor- und Nachteile mit sich. Was sich letztendlich entwickeln wird, kann
niemand genau sagen. Da heißt es wohl abwarten. Nur eins steht fest :
Deutschland laufen die Firmen weg, wenn nicht bald etwas getan wird
!
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Quelle : Der Spiegel Nr. 39 / 23.9.96 / Seite
80 - 105 (Titelhema)
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