|
Du bist hier: Referate Datenbank | Deutsch
| Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832)
Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832)
Goethes Leben in den Jahren
1786-1832
Als Goethe nun 1788 wieder aus Italien zurückgekehrt war, erlebte er
zahlreiche Enttäuschungen. Zwar hat er von Rom aus versucht, seine Freunde
in Deutschland - speziell in Weimar - nicht nur an seinen äußeren
Erlebnissen teilhaben zu lassen, sondern auch an seinen inneren, menschlichen
Erfahrungen. Doch es gelang ihm dabei kaum, seine früheren Beziehungen und
Kontakte wieder aufzunehmen - er fühlte sich isoliert. Herzog Karl August -
zu dem er den Kontakt vielleicht am schnellsten wieder aufnehmen hätte
können, war aufgrund seiner Verpflichtung als preußischer General
viel außer Landes. Herder meinte, daß er seinen früheren
Einfluß auf Goethe verloren hatte - deswegen zog er sich voll Mißmut
zurück. Charlotte von Stein war ihm aufgrund seiner heimlichen Abreise nach
Italien vor knapp 2 Jahren auch noch immer beleidigt. Goethe versuchte zwar, das
ganze mit ihr wieder ins Reine zu bringen - aber vergeblich: Anfang 1789 kam es
zum Bruch mit ihrer Freundschaft.
Deswegen versuchte Goethe, nun Kontakte zu ihm wohlwollenden Menschen der
Universität Jena zu knüpfen - teils mit Erfolg, denn er begegnete dort
des öfteren Schiller. Auch lernte er im Jahre 1788, kaum einen Monat nach
seiner Heimkehr nach Weimar, die erst 23jhrige Christiane Vulpius kennen, die
ihn durch ihre "naturhafte Persönlichkeit" anzog. Bald darauf wurde sie zu
seiner Geliebten und dauerhaften Hausgenossin. Mit den Worten "Ich bin
verheiratet, nur nicht durch Zeremonie" charakterisierte er selbst diese
Verbindung, in der er wider allen gesellschaftlichen Verleumdungen, große
Beglückung fand: - nunja, ein Jahr später wird sein erster Sohn August
geboren. Er blieb ihm als Einzigster von weiteren 4 Kindern mit Christiane. Zu
dieser Zeit entstanden auch die "Römischen Eligien", in denen er seine
Zuneigung zu ihr dichterisch fest hielt.
Seine Aufgaben als weimarischer Staatsbeamter übernahm Goethe nach
1788 nur noch in beschränktem Umfang. Er konzentrierte seine Aufmerksamkeit
fast nur noch ausschließlich auf die wissenschaftlichen und
künstlerischen Anstalten des Herzogtums. Ein besonderes Auge legte er dabei
auf das 1791 begründete Weimarer Hoftheater, welches er binnen weniger
Jahre zu einer der angesehensten deutschen Bühnen werden ließ -
allerdings nur bedingt durch selbst geschriebene Werke, denn die Zuschauer
damals wollten nur unterhalten werden, als daß sie seine Dichtkunst
interessierte. Deswegen entstanden in dieser Zeit, also nach der Rückkehr
aus Italien, nur wenige Werke. Goethe trieb es aber dafür um so mehr in
Richtung Naturwissenschaften. Unermüdlich stellte er Versuche zur Anatomie,
Optik und Botanik an - selbst als er 1790 wieder nach Italien fuhr, entwickelte
er seine naturphilosophischen Gedanken weiter: als er bei Lido ein Schafgerippe
fand, kam er auf die Entdeckung, daß bei Tieren wie bei Menschen
sämtliche Schädelknochen aus verwandten Wirbelknochen entstanden. Von
hier aus war es dann nur noch ein kleiner Schritt zu seiner in den kommenden
Jahren umfassend ausgebildeten Lehre von der Morphologie, nach der alle Gestalt
"ein Bewegliches, ein Werdendes ein Vergehendes ist: Gestaltungsllehre ist
Verwandlungslehre".
In etwa zur gleichen Zeit fand auch die Französische Revolution statt.
Goethes Haltung zu diesen Vorgängen im Nachbarland war im Grunde durch die
Überzeugung festgelegt, daß sich alle Veränderungen in der
menschlichen Gesellschaft wie auch in der Natur durch Evolution vollziehen
müssen. Doch er war von der Gefahr erschüttert, die durch
revolutionäre Gesinnungen auf die geistige Kultur einging. In verschiedenen
Dramen, wie im "Groß-Cophta", "Der Bürgergeneral" oder "Die
Aufgeregten", die alle zwischen 1791 und 1794 entstanden, distanzierte er sich
von dem Gedanken, politische Mißstände durch gewaltsamen Umsturz zu
beseitigen. Deswegen warf man Goethe auch vor, daß er kein Interesse an
der Sache der Freiheit vorwies. Dies zeigte sich auch in seinem Verhalten. Als
er 1792/93 auf Bitte von Herzog Karl ihn auf einen Feldzug nach Frankreich
begleitete, galt etwa bei der Schlacht um Verdun nicht sein Interesse dem
Kriegsgeschehen, sondern einem mit Wasser gefüllten Erdtrichter, in dem
durch kleine Fische prismatische Farbeffekte entstanden. Als aber dann gegen
Ende eines Kriegstages die Niederlage der Verbündeten offenbar wurde, war
gerade er es, der die politische Entwicklung bis zum Zusammenbruch des Heiligen
Römischen Reiches klar voraussah.
Nachdem Goethe die Kriegsgeschehen auf sich wirken hat lassen - sie
brachten ihm viel innere Unruhe -, konnte er sich in Weimar wieder mehr
geistigen Arbeiten widmen. Nach einer Sitzung der Jenaer "Naturforschenden
Gesellschaft" ergab sich aus Zufall ein tiefgreifendes Gespräch mit
Schiller, er an der Universität Jena unterrichtete. Schiller
beschäftigte sich damals intensiv mit Schriften des Philosophen Immanuel
Kant. Dies vollzog in ihm - ähnlich wie nach Goethes Italienreise - eine
innere Wandlung, die über die Gegensätze zwischen ihm und Goethe
waren, hinwegzog. Das Kantstudium bildete somit den Grundstock für eine
sehr gute Freundschaft zwischen zwei bedeutenden Menschen der damaligen Zeit. In
ihrem gehaltvollen Briefwechsel versuchten die beiden Freunde sich Klarheit
über ihre eigene geistige Position zu verschaffen. Goethe
mäßigte in diesem regen Gedankenaustausch Schillers Hang zum Extremen
und seine Tendenz zu "philosophischen Spekulationen". Schiller hingegen brachte
Goethe wieder weg von seinen Naturwissenschaftlichen Studien hin zu wieder mehr
dichterischen Produktion. So schrieb er bereits 1794 für Schillers "Horen"
"Die Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten". Als die "Horen" dann jedoch nur
schwache Resonanz fanden, verfaßten beide Dichter zusammen nahezu 1000
Epigramme, die Xenien, in denen sie ihren Unmut über das Publikum und
mißwollende Rezensenten freien Lauf ließen. Goethe Schloß
während dieser Zeit um 1795 "Willhelm Meisters Lehrjahre" ab. Wilhelm
Meister wurde auch als Musterstück des formstrengen Epos bezeichnet. Der
Entwurf des Willhelm Meister reicht wiederum in die Sturm-und-Drang-Zeit
zurück; und wie der Faust wurde dieser Entwurf erst auf Schillers
Drängen hin nach Goethes Italienreise weiterbearbeitet.
Schiller gab seine Professur in Jena auf und siedelte dann 1799 nach Weimar
über. Vor allem Goethes Tätigkeiten im Hoftheater fanden dadurch neue
Impulse. Die Aufführung der "Maria Stuart" oder des "Wilhelm Tell", sowie
weitere Werke gaben Gelegenheit, die gemeinsam entwickelten klassizistischen
Stilisierungsprinzipien auf der Bühne zu erproben. Nicht zuletzt durch
diese Bemühungen gewann die kleine Residenzstadt Weimar damals immer mehr
Ansehen als Zentrum der deutschen Kultur. Leider fand diese fruchtbare Zeit im
Jahr 1805 schon ein jähes Ende. Sowohl Goethe als auch Schiller waren schon
seit Januar an krank - ihr gewohnter Gedankenaustausch war somit unmöglich
geworden. Goethe konnte sich wieder genesen - Schiller jedoch nicht.
Mit dem Tod Schillers sah Goethe selbst eine Epoche seines Lebens zu Ende
gehen. Und die nächste Epoche begann auch noch mit einem schlechtem Ohmen.
1806 geriet Goethe selbst in den Strudel kriegerischer Auseinandersetzungen -
Franzosen, die Weimar besetzten, bedrohten ihn in seinem Haus. Wohl nur durch
das energische Eingreifen von Christiane Vulpius kam er mit dem Leben davon.
Deswegen faßte er nun endlich den Entschluß: "Ich will meine kleine
Freundin, die so viel an mir getan und auch diese Stunden der Prüfung mit
mir durchlebte, völlig und bürgerlich anerkennen, als die Meine." Am
19. Oktober, 5 Tage nach der Schlacht bei Jena, ließ er sich mit
Christiane trauen. 1808 kam es dann zu einer Begegnung mit Napoléon, die
von wechselseitiger Hochschätzung bestimmt war.
1811, nach intensiven Vorbereitungen begann Goethe selbst über sein
Leben zu schreiben. Das Werk Dichtung und Wahrheit enthält den Versuch, die
gelebte Wirklichkeit dichterisch sinngebend nachzugestalten. Bereits im Oktober
1812 konnte er die beiden ersten Teile abschließen, der dritte folgte ein
Jahr später.
Goethe war es inzwischen zur Gewohnheit geworden, regelmäßig die
böhmischen Bäder aufzusuchen. Manchmal zog es ihn damals für fast
zwei Monate nach Karlsbad, Franzensbad, Teplitz oder Marienbad. Neben den
Trinkkuren, denen er einen heilsamen Einfluß auf seine Gesundheit
zuschrieb, waren seine Aufenthalte durch Arbeit und Forschung, aber auch viel
gesellschaftlichen Umgang bestimmt.
1814 machte er dann eine Reise in seine Heimat: er besuchte die Rhein -
Maingegenden, sowie seinen Geburtsort Frankfurth. Hier machte er Bekanntschaft
mit Marianne von Willemer. Durch ihre Schwärmerei wurde in ihm die fast
verstummte Fähigkeit geweckt, in Gedichten aus vollen Herzen sprechen zu
können.
Hatte Goethe seine Reisen in die Rhein- und Maingegenden ähnlich wie
früher die Reisen nach Italien als eine Art von Wiedergeburt empfunden, so
erlitt er in den folgenden Jahren erneut Schmerz und Enttäuschungen. Am 6.
Juni 1816 starb seine Frau Christiane - und 1817 mußte er aufgrund von
Intrigen mit einer Schauspielerin den Posten der Direktion des Hoftheater
aufgeben. Im Grunde war es aber in den beiden letzten Jahrzehnten in Goethes
Leben ruhig um ihn geworden. Es war weniger durch markante äußere
Ereignisse geprägt, sondern durch tägliches, regelmäßiges
Arbeiten. Schließlich hatte er seit 1815 die Oberaufsicht über die
unmittelbaren Anstalten für Wissenschaft und Kunst in Weimar und Jena"
inne. Trotz Konzentration auf seine Arbeit isolierte sich der alte Goethe nicht
mehr, wie er es in früheren Jahren oft getan hatte, von seiner Umgebung.
Fast täglich empfing er in seinem Haus Gäste. Je weniger er Weimar
verließ - und das tat er damals doch ziemlich oft - desto mehr
öffnete er seinHaus der Welt. Seine Gäste waren dabei nicht nur
Schriftsteller und Dichter, sondern vor allem auch Naturforscher, Kunstgelehrte,
Erzieher und Politiker.
1821 veröffentlichte er dann die Fortsetzung des Wilhelm Meister mit
seinen "Wanderjahren".
1823 machte er die letzte Badereise nach Böhmen, und verliebte sich
dort als 74-jähriger in die 19-jährige Ulrike von Levetzow, um deren
Hand er bat. Natürlich wurde aus dieser fast jünglinghafter Liebe
nichts.
Am 10. November 1830 erhält er die Nachricht, daß sein Sohn
August Ende Oktober in Rom verstorben sei. Kurz darauf erleidet er selbst einen
Blutsturz, also einen Herzinfarkt.
1831 wird Faust II abgeschlossen; am 16. März 1832 erkrankte er, was
ihm dann am 22. März 1832 den Tod brachte.
Quellen: Bertelsmann Discovery
Lexikon RORORO
© 1996 Peter Appel
|