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Scharsach, Hans-Henning: Haiders Kampf
Referat über das Buch
HAIDERS KAMPF
1. Autor und Allgemeines
Der Autor dieses Buches ist Hans-Henning Scharsach, geboren 1943, Buchautor
und Politischer Journalist mit internationalem Background. Er ist Chef des
Auslandsressorts einer großen österreichischen Tageszeitung. In
diesem Buch wird die Vorgehensweise von Jörg Haider, Klub- und Parteiobmann
der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ), erklärt und mit der
von Adolf Hitler, die nicht weiter erklärt werden muß, verglichen.
In dem Buch werden Parallelen zwischen den beiden Personen beschrieben und mit
Fakten untermauert. Diese Parallelen und Vergleiche beziehen sich nur auf die
Zeit vor der Machtergreifung Hitlers. Viele der unzufriedenen Bürger
Österreichs identifizieren sich mit Haiders extremen Aussagen, ohne deren
weltanschaulichen Zusammenhang zu erkennen, welchem dieses Buch Abhilfe schaffen
soll. Dieses Buch ist mit mehr als 600 Quellennachweisen abgesichert und auch
von Historikern und Sprachwissenschaftlern als richtig eingestuft.
2. Inhalt
Das erste Kapitel beschreibt wie Rechtsextremisten und nationale Populisten
in der heutigen Zeit auftreten. So ist der neue Führer jung, attraktiv,
fortschrittlich, dynamisch, modisch gekleidet und er wirbt nach "amerikanischem
Prinzip" überall um Stimmen im Scheinwerferlicht. Weiters verleugnet er die
Vergangenheit. "Historiker" von zweifelhaftem Ruf sprechen den Vätern und
Großvätern die Schuld und Verantwortung der früheren Zeit ab, da
sie "nur ihre Pflicht getan haben". Die Geschichtsschreibung wird nach dem Krieg
in Frage gestellt und als Ergebnis bewußter Manipulation hingestellt. Im
Prinzip waren die Judenvernichtung und der Krieg falsch, aber über die
Ordnung und die "Beschäftigungspolitik im dritten Reich" darf man doch
wohl noch reden, oder?
Weiters distanziert er sich vom Faschismus, Nationalismus, Antisemitismus,
und fordert einfach die Zukunft heraus, um die ideologische Abstammung seines
Gedankenguts hinter modernen Fassaden verstecken zu können. Sie wenden sich
gegen Bürokratie, Privilegienwirtschaft und Machtmißbrauch der
Altparteien. Die Ausländerfeindlichkeit hat den Antisemitismus
abgelöst und wird alibihaft als Sorge um kulturelle und sprachliche
Identität getarnt, was "Solidarität" mit anderen Völkern
heißen soll. Sie sind für ein Europa, in dem der "weiße Mann"
regiert, sortiert nach Völkern, Sprache und Kultur. Vor allem gilt es,
Europa (den weißen Mann) gegen eine Emanzipation der 3. Welt und gegen ein
Hereinfluten fremdrassiger Flüchtlingsströme zu schützen. Selbst
die Naturwissenschaft wird für ihre Weltanschauung mißbraucht.
"Reflex der Ausschließung" (instinktive Ausländerfeindlichkeit) sind
nach dem Weltbild naturgemäße Instinktverhalten der Tiere und somit
auch der Menschen [1]. Intelligenz ist nach ihrer
Meinung rassenspezifisch und es "hat daher beispielsweise keinen Zweck, schwarze
Kinder zu fördern" [2]. Weiters sollte der
Schutz der unverwechselbaren Eigenart der Völker erhalten bleiben und nicht
durchgemischt werden (wiederum Vergleiche mit der Pflanzenwelt), d.h.
vereinfacht Gastarbeiter = Umweltschädling.
Junge Nazis sind schwerer zu erkennen und anzugreifen, da sie aggressiver
als bisher versuchen, jeden Verdacht brauner Anfälligkeit
zurückzuweisen und diese Leute als "ewiggestrige
Nazijäger" [3] denunzieren, die eine
Medienhetze und Menschenjagd gegen sie unternehmen.
Diese Erklärung von Rechtsextremen Politikern ist bis jetzt
allgemein für Europa gehalten. In dem nun folgenden Teil wird versucht
diese Einstellungen mit denen Haiders zu vergleichen und einen Schluß
daraus zu ziehen.
Hitler begann als Populist. Wie die Nachahmer in der heutigen Zeit bot er
damals seinen Anhängern ein unterhaltsames Kontrastprogramm zum mausgrauen
politischen Alltag. Vor allem vermittelte er Zugehörigkeitsgefühl und
Gemeinschaftserlebnis. Er nützte die Politikverdrossenheit der Menschen und
hetzte somit das Volk gegen das demokratische System auf. Diesen Vergleich
muß sich Jörg Haider schon deshalb gefallen lassen, da er sich der
gleichen Methoden bedient. Genauso wie Hitler "alles oder nichts" spielte (er
lehnte Kompromisse von vornherein ab), spielt es Haider auch: Er hat mehrmals
schon erklärt, als Vizekanzler nicht in die Regierung gehen zu wollen. Er
will die ÖVP überflügeln und Kanzler werden, um `seine Politik`
kompromißlos durchsetzen zu können [4].
Auch Hitler hat als Populist auf "alles oder nichts" gesetzt und gewonnen. Das
Angebot, Vizekanzler zu werden, schlug er 1932 aus und wartete....
Haiders Weg nach oben an die Spitze der Partei ist gesäumt von
politischen Leichen: Steger, Krünes, Mautner-Markhof und Gugerbauer sind
nur einige, die er bei seinem Aufstieg "abgeschossen" hat. Nachdem Haider an die
Parteispitze gekommen ist, beginnt sich die weltanschauliche Ausrichtung der
Partei zu wandeln. Er geißelt das Klima von Anpassung und
Unterwürfigkeit und fordert Rückrad und aufrichtigen Gang. Er selbst
aber duldet weder Kritik noch Widerspruch. Wer nicht kuscht,
fliegt [5]. Selbst Heide Schmidt hat sich beugen
müssen, um nicht gebrochen zu werden. Sie, sowie alle anderen, unterwerfen
sich den Spielregeln, die Haider aufstellt, um ihre Jobs nicht zu verlieren.
Haider macht Existenzangst zum Zuchtmeister [6].
In Zeitungsinterviews formuliert er: "Wer von der politischen Linie abweicht,
muß gehen. Da muß man Härte
zeigen" [7]. Haiders Grundsatzreferent Andreas
Mölzer hat mit seiner Warnung vor "Umvolkung der deutschen Volks- und
Kulturgemeinde" [8] erkennen lassen, wie extrem
rechts er bzw. die ganze Partei eingestellt ist. Er ist, nach Haider, die
treibende Kraft zum Rechtsextremismus. Mölzer hat offensichtlich in der
FPÖ Karriere gemacht, nicht obwohl, sondern weil er kaum verhüllte
Anschlußpropaganda betreibt, nicht obwohl, sondern weil er die
österreichische Nation ablehnt und er somit mit Haider einer Meinung ist.
Der Unterschied zwischen den beiden liegt darin, daß sich Mölzer in
die Karten schauen läßt und die Dinge nicht nur anspricht, sondern
auch zu Ende spricht.
Noch nie in der österreichischen Nachkriegsgesschichte hat ein
Politiker Grundsätze seiner Partei derart auf seine Person zugespitzt. Noch
nie hat sich einer derart als Maß und Mittelpunkt aller Dinge
herausgestellt. Haider definiert sich selbst als Rechtsaußen der
österreichischen Politik. In einem Interview mit dem "Standard" bekennt er
offenherzig, daß es rechts von der FPÖ "keine demokratische
Alternative geben darf" [9].
Zur Zeit werden die Inhalte der Parteipolitik von Haider vorgegeben. Altes
Gedankengut tarnt er im Kleid des Fortschritts. In Wahlkämpfen nach
amerikanischem Muster präsentiert er die FPÖ als Partei der Zukunft.
Die Strategie rechtsextremer Vordenker wird von ihm nicht nur übernommen,
sondern übertroffen und perfektioniert. Er verbirgt seine Einstellungen,
denn je besser er sie tarnt, desto einfacher ist es für ihn, die Freiheiten
des demokratischen Systems zu nützen.
Der Antisemitismus gehört zu jenen Bereichen, in denen er besonders
bemüht ist, sich keine Blöße zu geben. Er verwendet für den
industriell organisierten Völkermord verharmlosende Vokabeln und vergleicht
diesen mit jenem, was auch Deutschen angetan wurde. Während er
regelmäßig der Kriegsgeneration und ihrer Opfer gedenkt,
übergeht er die Opfer von Massenvernichtung und Völkermord, meist
gepaart mit Aufforderungen, die Vergangenheit doch endlich ruhen zu
lassen.
Obwohl er sich beim Antisemitismus keine Blöße gibt, ist er
dennoch nie selbst wirkungsvoll gegen rassistische und antisemitische
Schreibweisen von FPÖ-Publikationen eingeschritten, obwohl er darauf
hingewiesen und um Distanzierung gebeten worden war. Nicht einmal eine
Ankündigung eines FPÖ-Funktionärs, "man baue für die Juden
schon wieder Öfen" [10], fand Haider einer
Entschuldigung wert, im Gegenteil, er nimmt den Funktionär in Schutz und
meint, er sei ein Opfer einer "Medienhatz" und "Menschenjagd" der "ewiggestrigen
Nazijägern".
Haider wiederholt seinen Aufstieg nach altem Muster, wenn auch in
modernisierter Form: Krisenängste wecken, Patentrezepte anbieten,
Sündenböcke nennen, Gemeinschaftserlebnisse vermitteln. Der Rassismus
ist als Politische Waffe auch wiederentdeckt, nicht gegen Juden, sondern gegen
Gastarbeiter und Asylanten. Haiders "manipulative Sprache" macht sich die
Erkenntnisse moderner Psychologie zunutze: manipulative Wortwahl, Verschweigen
eines Teils der Wahrheit, Verknüpfung von Tatbeständen, die nichts
miteinander zu tun haben. Er ist ein Meister dieser Strategie.
Gekonnt verbindet er das Ausländerthema mit anderen (Krisen)-Themen
der Politik. Virtuos verwendet er suggestive Begriffsbestimmungen:
Asylantenstrom und Ausländerflut, Völkerwanderung und
Überschwemmung durch Fremde. Diese Begriffe sind sorgfälltig
gewählt. Gemeinsam ist ihnen, daß sie Angst auslösen, da dem
Menschen durch die Worte "Flut, Strom, Überschwemmung" das Gefühl
vermittelt wird, daß etwas Entsetzliches auf sie zukommt. Man kann durch
geschickte Wortwahl Unschuldige zu Kriminellen machen. Haider manipuliert nicht
nur durch Sprache, sondern auch durch eine Selektion von Informationen. Immer
wieder appelliert er an die Regierung, gegen "Scheinasylanten und
Kriminelle" [11] vorzugehen. Die formelhafte
Wiederholung dieser Aussage hat Methode. Sie macht die Zuhörer glauben, von
Asylanten und Kriminellen gehe ähnliches Risiko aus. Weiters entnehmen die
Zuhörer Haiders Aussagen: Ausländer sind krimineller als
Österreicher, also dürfen wir unserer Sicherheit zuliebe, keine
zusätzlichen mehr ins Land lassen. In immer neuen Auftritten stellt Haider
Einwanderung und Kirminalität als Begriffspaar dar. Die Wahrheit ist:
Eingewanderte Gastarbeiter sind wesentlich weniger kriminell als
Österreicher [12].
Die Vorurteile der Mehrheit triumphieren über die Empörung
weniger. So leitet Haider von der ausländischen Resonanz, die sich nunmehr
verstärkt einstellt, ein moralisches Alibi seiner Anhänger ab, das er
geschickt zu nutzen versteht: "Wenn die Ausländer alle gegen
Österreich sind, kann man als Österreicher guten Gewissens gegen die
Ausländer sein!" [13]. Das ist der Stoff,
aus dem Haider-Siege gemacht sind.
Die einzigen, die von der Ausländerkampagne ausgenommen sind, sind
"Angehörige von deutschen
Minderheiten" [14], die keine Asylanten, sondern
"Umsiedler" sind. Die Bemühungen, fremdrassige Einflüsse abzuwehren,
dienen also nicht dem Schutz der österreichischen, sondern dem Schutz der
deutschen Identität. Diese Resolution ist damit ein eindeutiges Dokument,
daß die rechtsextreme Einstellung der Partei beweist.
Das Märchen von der Ausländerkriminalität ist nicht das
einzige Angstthema, auch Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot zählen dazu. Die
Nationalsozialisten rechneten einst Arbeitslose und Juden auf. Haider macht
dasselbe mit Arbeitslosen und Ausländern. "Ist es notwendig, daß wir
bei 140.000 Arbeitslosen 180.000 Gastarbeiter im Land
haben?" [15], fragt er bei einer Wiener Wahl
1987. Aber was hätte es für einen Sinn, wenn eine Sekretärin in
St. Pölten ihren Arbeitsplatz verliert und ein Gastarbeiter dafür, der
in Innsbruck arbeitet, nach Hause geschickt wird? Das gleiche Spiel macht er mit
der Wohnungsnot in Österreich. So geht Haider aber immer wieder mit seinen
Zahlenspielerei auf Wählerfang. Er provoziert den Trugschluß,
daß man nur die Gastarbeiter nach Hause schicken müßte, um eine
Vollbeschäftigung erzielen zu können und das Wohnungsproblem
wäre somit auch gelöst. Aber er spricht diese Unwahrheiten nur an,
aber nie wirklich zu Ende. Den letzten Schritt müssen die Zuhörer tun.
Wovon redet nun der FPÖ-Chef überhaupt? Ist es möglich,
daß er so unverschämt lügt, ohne daß ihm einer auf die
Schliche kommt? Tatsache ist: Er lügt nicht! Er verbreitet die Unwahrheit,
indem er wichtige Teile der Information verschweigt und Dinge verknüpft,
die nichts miteinander zu tun haben. Er präzisiert nicht, von welchen
Ausländern er spricht, und führt seine Zuhörer damit in die Irre.
Seine Ausländerkampagne entspricht jener Strategie der Aufwiegelung und
Verhetzung, mit der Rechtsextremisten in ganz Europa ihre Geschäfte
machen.
Natürlich hat Haider auch eine eigene Geschichtsinterpretation, die
nahezu der der Nationalsozialisten gleicht. Er spricht den Vorfahren die Schuld
an der Vergangenheit ab, gibt die Wehrmacht und die Waffen-SS als "Kämpfer
für die Freiheit Europas" [16] aus, und
Widerstandskämpfer sind für ihn Verräter, weil "sie sich damit
gegen Kameraden wenden" [17]. Er tritt bei den
Veranstaltungen rechtsextremistischer Geschichtsfälscher nicht nur als
prominenter Gast, sondern auch als Hauptdarsteller in Erscheinung. Selbst seine
Interpretation von der "ordentlichen Beschäftigungspolitik" ist falsch.
Erstens sind Verbrechen und die seiner Durchführung dienenden Vorbereitung
nicht "ordentlich" und zweitens ist sie von einer naiven, irrationalen
Einseitigkeit. Man kann einen Kriegstreiber, der große Teile Europas in
Schutt und Asche hinterlassen hat, nicht für ein paar Autobahnen loben. Man
kann einem, der Millionen Kriegstote auf dem Gewissen hat, nicht zugute halten,
diese seien wenigstens nicht arbeitslos
gewesen [18]. Selbst in FPÖ-Publikationen
wird Geschichtsfälschung betrieben: "Die Behauptung, in den deutschen
Konzentrationslagern seien im Auftrag des verbrecherischen NS-Regimes an die
sechs Millionen Juden umgebracht bzw `vergast` worden, entpuppt sich immer
sicherer als eine ungeheure Lüge...Es dürfte vielmehr zutreffen,
daß kein einziger Jude im Auftrag oder mit Zustimmung Hitlers...umgebracht
wurde..." [19].
Die Populisten von heute betreiben, wie einst Hitler, das Geschäft mit
der Angst, preisen sich als Retter in der Gefahr. Auch sie geben vor, die
Schuldigen zu kennen, auch sie nennen und ernennen Sündenböcke. Hier
sind nun die Sündenböcke und Feindbilder gefunden: Ausländer
und jene, die der Ausländerfeindlichkeit der FPÖ kritisch
gegenüberstehen (=Altparteien). Haider personifiziert die Rettung all
dieser Probleme.
Um seine Kritik gegenüber der "rot-schwarzen-Belastungsmaschinerie" zu
verstärken, greift der demokratisch gewählter FPÖ-Chef zu einem
Mittel, das sonst nur in Diktaturen üblich ist. Er organisiert eine
Demonstration für sich selbst, um damit zu "beweisen": Die rot-schwarze
Koalition habe zwar "die Macht in diesem Staat, aber das Volk steht auf meiner
Seite" [20]. Genauso hatte Hitler in den Jahren
sines Aufstiegs argumentiert. "Wir müssen dem Krebsgeschwür der
Parteibuchwirtschaft endgültig Schluß machen", erklärte Haider
im Mai 1990 [21]. Auch Hitler hatte gerne
Begriffe aus der Medizin verwendet. "Krebsgeschwür" und "Blutegel"
zählten zu seinen Lieblingswörtern. "Gaunerrepublik", "rot-schwarze
Belastungsmaschinerie", "Bankrottminister" usw. nennen die Wissenschaftler
"Nominalverbindung", die Haider nicht nur vom NS-Regime übernahm, sondern
auch perfektionierte. [22]
Schmähung und Verspottung durch Stigmatisierung des Namens zählt
auch zu Haiders Kampfmitteln ("Ferdinand der Sparstrumpfplünderer" oder
"Ferdinand der Ahnungslose). Der Name des Finanzministers wird so zum Synonym
für Unfähigkeit und Rücksichtslosigkeit.
Weiters werden Vergleiche mit dem Tierreich gemacht, die bereits Hitler als
Kampfmittel gegen politische Gegner einsetzte. Diese waren vor allem für
Juden gedacht: Parasiten, Bazillen, Läuse und Blutegel waren die meist
verwendeten. Haider verwendet diese Wörter meist gegen gegen Künstler
(z.B.: "Burgschauspieler sind Parasiten, die keine Leistung
erbringen" [23]) und Politiker (z.B.: "Am
Bundeskanzler gemessen, ist ein Siebenschläfer ... ein Bündel an
Energie" [24]). Die Herabsetzung des Feindes zum
Tier hat die Funktion der Herabsetzung der Hemmschwelle gegen Gewalt.
In der Sprache der Nationalsozialisten wurden gesellschaftliche
Vorgänge vielfach als Körperaktivität dargestellt. Haider spricht
die gleiche Sprache: Die ÖVP hat "Schwindsucht". Der Bundeskanzler ist
"blind und taub" [25]. Dies sind aber nur zwei
von vielen Beispielen.
Haider ist ein Gewalttäter der Sprache. In seinen Reden lassen sich
deutliche Parallelen zum Sprachschatz des Dritten Reiches nachweisen. Er bedient
sich dieser tabuisierenden Begriffe nicht zufällig oder unbedacht. Hinweise
darauf, daß von ihm regelmäßig verwendete Begriffe wie
"Altparteien" von Hitler in der Zeit seines Aufstiegs geprägt wurden, haben
ihn nicht beeindruckt. Er verwendet sie weiter. Nicht nur seine Anhänger
werten das als Bekenntnis.
Daß sich manche Personen solche Aussagen nicht gefallen lassen, ist
natürlich verständlich. Diese Personen reagieren nun mit
Gegenaussagen, und es stellt sich heraus, daß der größte
Ausleiler des Landes kleinlich reagiert, wo er einstecken muß. Er
überrollt seine Gegner und Kritiker mit einer Prozeßlawine, die
jedoch meist zu Mißerfolgen führt. Die Liste der prominenten
Personen, gegen die Haider schon Prozeß geführt hat, geht von Simon
Wiesenthal, Prof. Dr. Erwin Ringel, Robert Jungk, Peter Pilz, über Zeit im
Bild Moderator Josef Broukal und Andre Heller, bis zu Stefanie Werger und Thomas
Spitzer (EAV), und immer wieder erweisen sich seine juristischen Attacken als
Seifenblasen.
Haider bedient sich absichtlich der Gewalt der Sprache. Hitler hatte
bereits vorexerziert, wie man die Sprache als Kampfmittel einsetzt. Er schaute,
was das Volk sagte, sprach nicht den Intellekt, sondern Gefühl und Instinkt
seiner Zuhörer an. Haider jedoch distanziert sich vom Nationalsozialismus
wie kein anderer Politiker. Durch ständige Distanzierung werden Zweifel
eher geweckt als beseitigt, wobei er signalisiert: Seht her, ich stehe in
Verdacht. Hier knüpft er nun mit seinen "ewiggestrigen Nazijägern" an,
die endlich damit aufhören sollten, den Leuten, die die Wahrheit sagen, den
Mund zu verbieten.
Rechtsextremisten ganz Europas verwenden jenes "Bedrohungsvokabular", das
aus dem Mund Jörg Haiders und den Zeitungskommentaren seines nationalen
Chefpropagandisten Andreas Mölzer bekanntgeworden ist. Haider
läßt kaum etwas aus, was Ängste schüren und Panik
auslösen könnte. Haider ist nur einer von jenen, die in ganz Europa
am rechten Rand Karierre machen, aber er ist der erfolgreichste. Auslandsmedien
haben den Begriff "Haiderismus" kreiert [26]:
"Der `Haiderismus`, die nach dem österreichischen FPÖ-Chef benannte,
modernisierte Variante des Rechtsradikalismus, ist ein Stück
europäischer Normalität" [27].
Was ist Haider nun? Ist er Rechtsextremist, Neonazi, Faschist oder
Demokrat? Nun, die Bestadsaufnahme dieses Buches ermöglicht eine
weitgehende Beurteilung:
1. Entsprechend der Rechtsextremismus-Definition von Willibald Holzer wurde
Kapitel für Kapitel untersucht und belegt, welche Merkmale auf Jörg
Haider zutreffen. Man kann anhand des hier vorgelegten Materials zu keinem
anderen Schluß kommen: Haider ist Rechtsextremist. Die FPÖ ist zum
gegenwärtigen Zeitpunkt ganz auf Haider zugeschnitten, und somit eine
autoritäre, deutschnationale, ausländer- und minderheitenfeindliche
Führerpartei.
2. Ist Haider das, was man umgangssprachlich als "Neonazi" bezeichnet? Wer
offen für nationalsozialistisches Gedankengut wirbt, macht sich strafbar.
Wer seine Sympathie zu deutlich zeigt, riskiert gesellschaftliche und politische
Isolation. Da er aber die Dinge nur anspricht und nicht zu Ende spricht, kann
man ihm diesen Vorwurf nicht so leicht nachweisen, obwohl er antisemitische
Äußerungen duldet, obwohl er als Referent mit Neonazis und Rassisten
auftritt und obwohl er aus der FPÖ eine Führerpartei mit seiner
Politik gemacht hat. Trotz allem ist zweifelhaft, ob Haiders politische
Einordnung als "Neonazi" vor Gericht Bestand hätte.
3. Das oben Gesagte gilt sinngemäß auch für eine
undifferenzierte Einstufung Haiders als "Faschist".
4. Ist Haider Demokrat? Hier sind Zweifel angebracht. Seine "Soziale
Volksgemeinschaft" setzt einen autoritären Staat voraus. Haiders
diskriminierende Ausländerpolitik, sein Vorzug für Eliten und sein
gesellschaftliches Rollenverhältnis (dem Mann gehört die
führende, der Faru die dienende Funktion) scheint nicht dem demokratischen
Prinzip der Gleichberechtigung nahe zu sein. Man kann also von keinem Demokrat
Haider sprechen.
Der FPÖ-Chef ist nicht mehr einer von vielen, er ist der, an
dem die Populisten Europas gemessen werden. Haider ist keine Kopie, er ist
echter als die Originale. Nicht nur liberale Kommentatoren sehen in Haider eine
Führungsfigur des europäischen Rechtsextremismus. Obwohl der
FPÖ-Chef diszipliniert den demokratischen Schein zu wahren versucht, ist er
Held und Vorbild des nationalradikalen Lagers. Die begeisterten Kommentare
lassen erkennen: Europas Rechtsextremismus hat einen neuen Hoffnungsträger.
Sir Karl Popper sagte über Haider einmal:" Haiders Ideal ist der
Hitler. Er würde gerne tun, was Hitler getan hat... Er sagt es deutlich
genug, daß man es heraushören kann. Für die, die es hören
wollen, sagt er`s." [28]. Die Wähler warten
nicht auf Rezepte gegen die FPÖ. Sie warten auf Rezepte für das Land.
Wer Österreich nach vorne bringt, läßt Haider hinter
sich [29].
[1]) Quellennummer 7 im Buch: Hellmut Diwald
1985: Mut zur Geschichte
[2])Zitat von Seite 17; Quellennummer 8 im
Buch: Arthur Jensen: Zum Stand des Streits um die Intelligenz; in : Neue
Anthropologie, 2/1978
[7]) Zitat von Seite 203; Quellennummer 539
im Buch: Basta, 6/1991
[8]) Zitat von Seite 170; Quellennummer 419
im Buch: Andreas Mölzer, Vortrag vor dem Freiheitlichen Akerdemikerbund,
Februar 1992
[9]) Zitat von Seite 35; Quellennummer 40 im
Buch: Der Standard, 4.5.1990
[15]) Zitat von Seite 70; Quellennummer
124 im Buch: Wochenpresse, 18.9.1987
[16]) Zitat von Seite 104
[17]) Zitat von Seite 117; Quellennummer
251 im Buch: profil, 16.3.1987
[18]) Zitat von Seite 130
[19]) Zitat von Seite 98f; Quellennummer
197 im Buch: Kärntner Nachrichten 10.10.1985
[20]) Zitat von Seite 155; Quellennummer
362 im Buch: profil, 24.6.1991
[21]) Zitat von Seite 205; Quellennummer
548 im Buch: APA, 17.5.1990
[22]) Zitat von Seite 213; Quellennummer
574 im Buch: Franz Januschek 1990: Rechtspopulismus und NS-Anspielungen am
Beispiel des österreichischen Politikers Jörg Haider (Studie vom
September 1990).
[23]) Zitat von Seite 214; Quellennummer
581 im Buch: profil, 17.6.1991
[24]) Zitat von Seite 215; Quellennummer
584 im Buch: Neue Freie Zeitung, 13.10.1988
[25] ) Zitat von Seite 216; Quellennummer
590 und 592 im Buch: FPÖ-Pressedienst 17.10.1987 & 13.7.1988
[26]) Zitat von Seite 31; Quellennummer 31
im Buch: Die Zeit, 10.4.1992
[27]) Zitat von Seite 38; Quellennummer 45
im Buch: Die Zeit, 10.4.1992
[28]) Zitat von Seite 232; Quellennummer
631 im Buch: Der Spiegel, 13/1992
[29]) Zitat von Seite 236
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