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Borchert, Wolfgang: Draußen vor der Tür
Literarische Facharbeit
Deutsch
Thema: Draußen vor der
Tür
Autor: Wolfgang Borchert
Verfasser: David Wenzel
65366 Geisenheim
wenzel@rheingau.netsurf.de
12 Seiten, 4640 Wörter,124 Absätze, 569
Zeilen
Note 1-
Berufliche Schulen Untertaunus des Rheingau -
Taunus - Kreises
Fachoberschule für Wirtschaft und
Verwaltung
Klasse 12
Inhaltsverzeichnis
Seite
- Entstehungsbedingungen und Biographie
1-2
- Struktur des Textes
- Vorbemerkung 3
- “Vorspiel” und “Der
Traum” 3-4
- 1. Szene 4
- 2. Szene 4-5
- 3. Szene 5
- 4. Szene 5-6
- 5. Szene 6-7
- Zentrale inhaltliche
Aussage 7-8
- Darstellung der eigenen Einschätzung des
Textes 8
- Literaturverzeichnis
5.1 Primärliteratur 9
5.2 Sekundärliteratur 9
Anlage: Kurzinformation für die
Schüler
1. Entstehungsbedingungen und
Biographie
Wolfgang Borchert wurde am 20. Mai 1921 in Hamburg geboren. Sein Vater,
Fritz Borchert, war Lehrer, seine Mutter, Hertha Borchert, eine in
Norddeutschland schon damals recht bekannte Schriftstellerin.
Im Alter von 15 Jahren beginnt er erste Gedichte zu schreiben, die der
Hamburger Anzeiger ab 1938 veröffentlicht. Den Wunschberuf des
Schauspielers kann er bei seinen strengen Eltern nicht durchsetzen.
Gezwungenermaßen tritt er eine Buchhändlerlehre an. Parallel hierzu
nimmt er jedoch Schauspielunterricht. 19-jährig stellt er sich der
Schauspiel - Abschlußprüfung, besteht sie, gibt die
Buchhändlerlehre auf und schließt sich ab März 1941 der
“Landesbühne Osthannover” - einem Wandertheater - an.
Nach viermonatigem Engagement muß er Bühnenbretter gegen
Panzergräben eintauschen: Im Juli 1941 tritt er als Panzergrenadier seinen
Wehrdienst in einer Nachrichten - Ersatzabteilung in Weimar - Lützendorf
an. Drill und Demütigungen der Militaristen, aber auch Denunziationen und
Despotie im faschistischen Staat treiben ihn rasch als erklärten
Regimegegner in die Oppositionsrolle. Die unmittelbare Nachbarschaft des
Konzentrations-lagers Buchenwald trägt ihr übriges hierzu
bei.
Im November 1941 erhält Borchert seinen Marschbefehl an die Ostfront.
Bei Königsberg (Kalinin) besteht er im Dezember seinen ersten Einsatz. Zu
Beginn des Jahres 1942 erkrankt er (zum erstenmal) an Gelbsucht und erleidet
eine Handverletzung. Überführung in ein Lazarett in Schwabach. Dort
wird Borchert im Mai festgenommen und nach dreimonatiger Untersuchungs -
Einzelhaft in Nürnberg vor Gericht gestellt.
Der Antrag lautet auf Tod durch Erschießen wegen des dringenden
Verdachts auf Selbstverstümmelung. Nach einem Freispruch erneute
Verhaftung. Diesmal lautet der Vorwurf, Borchert habe sich “mündlich
und schriftlich negativ gegen Staat und Partei” geäußert, des
weiteren habe er sich der “Zersetzung der Wehrkraft” schuldig
gemacht. Bemerkungen, wie: “Meine Kameraden, die vor vierzehn Tagen
herausgekommen sind, sind alle gefallen. Für nichts und wieder nichts. Ich
empfinde die Kasernen als Zwingburgen des Dritten Reiches. Ich fühle mich
selbst als wesenlosen Kuli der braunen Soldateska.” bringen ihm vier
Monate Gefängnis, anschließend sechs Wochen verschärfte Haft mit
nachfolgender Frontbewährung ein.
Als Waffenloser nimmt er ab Dezember 1942 in den Kämpfen um Tropez
Melder-Aufgaben war. Fußerfrierungen und erneute Gelbsuchtanfälle
zwingen ihn im Januar 1943 ins Seuchenlazarett Smolensk. Nach zwei Monaten ist
er transportfähig und kann heimatnahe auf deutschem Boden weiterbehandelt
werden.
Einen Heimaturlaub im September nutzt er für kabarettistische
Auftritte im Hamburger Bronzekeller. Kurzzeitig kehrt er in seine Garnison nach
Jena zurück und verrichtet seinen Wehrdienst in einer Durchgangskompanie
Kassel - Wilhelmshöhe.
Wegen nachhaltiger Dienstunfähigkeit beabsichtigen seine Vorgesetzten,
Borchert aus dem aktiven Kriegsdienst zu entlassen und ihn zur moralischen
Unterstützung der kämpfenden Truppe im Fronttheater
einzusetzen.
Er feiert seine Entlassung in der Hindenburg - Kaserne mit dem Vortrag
einer Goebbels - Parodie. Dieses bleibt (erwartungsgemäß!?) jedoch
nicht ohne Folgen. Einen Tag vor seiner Entlassung hat die allgegenwärtige
Denunziation wieder einmal zugeschlagen. Grund: Seine politischen Witze. 1944
sitzt Wolfgang Borchert fast neun Monate ohne Verurteilung im Gefängnis
Berlin - Moabit. Seine Entlassung im September verbindet das Gericht in seinem
Urteil mit der Auflage “Feindbewährung”. Die Zeit bis zu diesem
Einsatz verbringt er in Jena.
1945 gerät er bei Frankfurt am Main in die Hände
französischer Einheiten. Während des Transportes in die
Kriegsgefangenschaft nach Frankreich gelingt ihm die Flucht. In einem
600 km - Marsch entlang der Frontlinie wandert er in Richtung Norden und
kommt am 10. Mai schwerkrank in Hamburg an.
Ab September 1945 tritt er wieder in einem Kabarett auf, im
“Janmaaten im Hafen”, und wird Mitbegründer des Theaters
“Die Komödie”. Nebenbei arbeitet er im November als
Regieassistent für eine Inszenierung von “Nathan der Weise” am
Hamburger Schauspielhaus.
Im Dezember verschlimmert sich sein Krankheitszustand akut.
Von Jahresbeginn 1946 an bis Ostern hält der inzwischen unheilbar
kranke Borchert sich im Krankenhaus auf und entfaltet dort hektische
schriftstellerische Aktivitäten. In rascher Folge entstehen fünf
Erzählungen und Prosaskizzen, darunter auch “Die Hundeblume”,
eine psychologische Studie aus dem Zellenalltag.
Neben der Aufarbeitung seiner Erfahrungen während der Haft sind auch
die Situation des Heimkehrers, dessen Sichtweise in der Szenerie der
Trümmerlandschaft und die “Stunde Null” wichtige Themen
für Borchert. In Form von Kurzgeschichten und knappen Porträts bis hin
zur szenischen Darstellung im Stück “Draußen vor der
Tür” bearbeitet er diesen Problemkreis.
Ab Ostern ist Borchert wieder zu Hause. Es bleibt ihm laut Aussage der
Ärzte nur noch ein Jahr zu leben. Bis Ende 1946 sind insgesamt 24
Prosastücke entstanden, außerdem erscheint eine Sammlung von
Gedichten aus den Jahren 1940-1945 mit dem Titel “Laternen, Nacht und
Sterne”.
Im Herbst (oder frühen Winter) 1946 entsteht “Draußen vor
der Tür”. Schon nach kurzer Zeit, am 13. Februar 1947, wird das Werk
in einer Hörspielfassung des Norddeutschen Rundfunks Hamburg gesendet. Das
Stück entstand in nur ca. 7 Tagen.
Borcherts Untertitel zu dem Drama “Ein Stück, das kein Theater
spielen und kein Publikum sehen will” entsprach bei weitem nicht der
Realität, denn die Resonanz nach der Übertragung war
überwältigend.
“Draußen vor der Tür” und die meisten seiner
weiteren Werke handeln vom Elend der Hungernden und der Kriegskrüppel, von
Heimkehrern und Heimatlosen.
Am 22. September 1947 bricht Wolfgang Borchert zu einem längeren
Kuraufenthalt nach Basel auf, den seine Freunde ihm ermöglicht haben. Im
Oktober verfaßt er hier sein berühmtes Manifest “Dann gibt es
nur eins!”, ein Appell gegen Krieg, Rüstung und für das
Leben.
Am 20. November 1947 stirbt Wolfgang Borchert im Alter von 26 Jahren in
Basel. Einen Tag nach seinem Tod wird das Drama “Draußen vor der
Tür” in den Hamburger Kammerspielen uraufgeführt.
2. Struktur des Textes
2.1 Vorbemerkung
Das Buch “Draußen vor der Tür” beginnt mit einer
Vorbemerkung “Ein Stück, das kein Theater spielen und kein Publikum
sehen will”. Wolfgang Borchert hielt an dieser Vorbemerkung fest, obwohl
das Bühnenstück auf fast allen Bühnen Deutschlands
aufgeführt wurde. Er begründete diese Widersprüchlichkeit einer
Baseler Presseagentur so: “Daß eine Reihe von Bühnen mein
Stück aufführt ist reine Verlegenheit - was sollen sie sonst tun?
(Außerdem will es kein Intendant mit Vater Rowohlt verderben - das ist
alles). Denn mein Stück ist nur Plakat, morgen sieht es keiner mehr
an.” Mit dem ursprünglichen Titel “Ein Mann kommt nach Hause
leitet Wolfgang Borchert die Vorrede ein und verwendet den ursprünglichen
Titel in der Mitte der Vorrede noch einmal. Mit dem letzten Satz in der Vorrede
“Das ist ihr Deutschland” unterstreicht Borchert den
ursprünglichen Titel, daß es ihm nicht um ein
“allgemeinmenschliches” Thema sondern um die “Situation in
Deutschland geht”.
Für Borchert war das Wort “Deutschland” ein mit
zwiespältigen Gefühlen behafteter Begriff. “So lange an
Deutschlands Grenzen Paraden marschieren und nationale Sicherheit gefordert
werden” wollte er nicht über das Militär und den
Nationalsozialismus diskutieren und “So lange die Zigarettenstummel
fremder Militärmächte auf der Straße liegen” wollte er
nicht über Demokratie und persönliche Freiheit sprechen. Die Vorrede
Borcherts kündigt einen Mann an, der sich innerlich und
äußerlich verändert und eine vollkommene veränderte Heimat
wiederfindet.
2.2 “Vorspiel” und “Der
Traum”
Das Buch von Borchert fängt nicht mit der ersten Szene an, sondern
Borchert läßt sein Stück mit einem "Vorspiel" und einem Traum
beginnen. “Draußen vor der Tür” ist ein Stationendrama.
“Im Stationendrama ist der Held, dessen Entwicklung es schildert, von
Gestalten, die er an den Stationen seines Weges antrifft, aufs deutlichste
abgehoben. Sie erscheinen, indem sie nur in seinem Zusammentreffen mit ihnen
auftreten, in seiner Perspektive und so auf ihn bezogen. Und da den Grund des
Stationendramas nicht eine Vielzahl von einander weitgehend gleichgestellten
Personen, sondern das eine zentrale Ich bildet, sein Raum also kein a priori
dialogischer ist, verliert auch der Monolog hier den Ausnahmecharakter, den er
im Drama notwendig besitzt. Damit ist aber die unbegrenzte Eröffnung seines
“verborgenen Seelenlebens” allererst formal begründet. In der
Konsequenz der subjektiven Dramatik liegt ferner, daß die Einheit der
Handlung durch die Einheit des Ich ersetzt wird. Dem trägt die
Stationentechnik Rechnung, indem sie das Handlungskontinuum in eine Szenenfolge
auflöst. Die einzelnen Szenen stehen hier in keinem kausalen Bezug, bringen
einander nicht, wie im Drama, selber hervor. Vielmehr erscheinen sie als
isolierte Steine, aufgereiht am Faden des fortschreitenden Ich. [...] Die
dramatische Szene schöpft ihre Dynamik aus der zwischenmenschlichen
Dialektik, sie wird vorwärtsgetrieben dank dem futuristischen Moment das
dieser innewohnt. In der Szene des Stationendramas hingegen entsteht keine
Wechselbeziehung, der Held trifft zwar auf Menschen, aber sie bleiben ihm fremd.
Damit wird die Möglichkeit des Dialoges selbst in Frage gestellt
[...].” [1]
Der Zusammenhang des Stationendramas “Draußen vor der
Tür” wird nur durch die Gestalt Beckmanns gewährleistet.
Beckmann selbst ist - bis auf das Vorspiel - , das aus einem Dialog zwischen
Gott und Tod als Beerdigungsunternehmer besteht, nicht existent, lediglich sein
Selbstmordversuch ist Anlaß zu dieser Diskussion.
Beckmann wird im Vorspiel vielmehr in den Zusammenhang mit der Situation
der damaligen Zeit gestellt, verdeutlicht am Beispiel, daß der einzelne
Mensch nichts zähle “Ein Mensch stirbt. Und? Nichts weiter.”,
oder “Wie die Fliegen kleben die Toten an den Wänden dieses
Jahrhunderts” eine Anspielung auf die beiden Weltkriege, die Millionen von
Todesopfern forderten. Im “Der Traum” ändert sich, nach den
Regieanweisungen die Stimmung von einer eher bedrohlichen in eine eher
friedliche. Statt bisher: “Der Wind stöhnt. Die Elbe schwappt gegen
die Pontons “ heißt es später: ”In der Elbe.
Eintöniges Klatschen kleiner Wellen. Die Elbe.”. Auch sprachlich
ändert sich die Atmosphäre. Die Elbe - vorher ein dunkler Fluß -
wird zu einem gutmütigen und bestimmenden Wesen, denn die Elbe wollte
Beckmanns “armseliges bißchen Leben nicht” und akzeptierte so
den Tod nicht. Auch verlangte sie einen individuellen Tod; deshalb waren
Beckmanns Gründe nicht ausreichend. “Die Hose sollte man dir
strammziehen, Kleiner, jawohl! Auch wenn du sechs Jahre Soldat warst. Alle waren
das. Und die hinken alle irgendwo.”
2.3 1. Szene
Die erste Szene ist eine konkrete, realistische Wiederholung des
“Traumes” und “Vorspiels”, welche von der Identifikation
des Helden mit Soldatentum, Stalingrad, Verwundung und Selbstmordversuch
handelt. Der Dialog in der ersten Szene zwischen Beckmann und dem Anderen zeigt
,daß Beckmann eine negative und der Andere eine eher positive Orientierung
besitzt. Der Andere, der “Jasager” gilt als der “Antreibende,
der Heimliche, Unbequeme” und “Ich bin Optimist, der an den
Bösen das Gute sieht und die Lampen in der Finsternis”. Beckmann
dagegen der “Neinsager” versucht, mit dem “Nein” dem Tod
zu entsprechen; sein Gegenspieler “Der Andere” mit seinem
“Ja” hingegen, dem “Weitermachen”.
Am Ende der Szene scheint Beckmanns Leiden vorüber zu sein, denn
Beckmann, dem Kriegskrüppel, bietet ein Mädchen jetzt ein neues
Zuhause. Dieses Angebot entstand gerade weil er “so häßlich und
bescheiden” ist und eine “so hoffnungslose, traurige Stimme”
hat. “Such dir ein anderes Bett, wenn deins besetzt ist, hatte die Elbe
gesagt. Die Möglichkeit war Beckmann hier geboten. Doch nicht nur die
Enttäuschung, die ihm seine Frau zugefügt hatte, war Grund für
den Selbstmordversuch, sondern auch: “Das Bein, das Bett, das Brot”
und die Trümmer - das tote Kind.
2.4 2. Szene
Die erste und die zweite Szene sind durch die Begegnungen mit dem Anderen,
der am Anfang der ersten Szene und am Ende der zweiten Szene auftritt, als
Rahmen angelegt. Mit Beginn der zweiten scheint für Beckmann ein Weg aus
der aussichtslosen Situation gefunden zu sein, denn das Mädchen
“fröhlich, nicht hart” und “herzlich” kümmert
sich um Beckmann wie eine Mutter. Sie nimmt ihn mit “legt” ihn
“trocken”.
Als das Mädchen Beckmanns Gasmaskenbrille abnimmt löscht sie
zugleich seine Soldatenexistenz aus. Mit diesem Verlust der Existenz und ohne
Aussicht auf eine neue sieht Beckmann “alles nur noch ganz
verschwommen” und sieht fast “nichts mehr”, selbst das
Mädchen, welches vorher ganz nah war ist “mit einmal ganz weit weg.
Der Kommentar Beckmanns “Vielleicht bin ich ein auch ein Gespenst. Eins
von gestern, das heute keiner mehr sehen will.” zeigt die Weigerung
Beckmanns mit dem Ablegen der alten Sachen die Vergangenheit auszulöschen.
Nachdem Beckmann von dem Mädchen eingekleidet wurde, sieht er sich auf
einmal als schuldig Unschuldiger, denn er sitzt in den Kleidern eines anderen
neben dessen Frau. Einen Tag zuvor war Beckmann in der gleichen Situation, nur
am Vortag war er das Opfer. Dieser Andere - Traum, Vision, Realität werden
ununterscheidbar - tritt geisterhaft auf, einbeinig, auf Krücken. Beckmann
erkennt die Ähnlichkeit der Situation “Das habe ich gestern nacht
auch den Mann gefragt, der bei meiner Frau war.” Dieser verließ das
Zimmer aber der Einbeinige blieb. Während die Ursache für Beckmanns
Unglück nicht faßbar war, kennt der Einbeinige einen Schuldigen, den
er mit dem Namen zu nennen wußte. Diesen Namen sprach er “leise,
aber mit ungeheurem Vorwurf” aus
”Beckmann...,Beckmann...,Beckmann...”. Beckmann trägt die
Schuld an der Verwundung des Einbeinigen, dem er befohlen hatte “Sie
halten Ihren Posten unbedingt bis zuletzt”. Um sich nicht als Schuldigen
zu bekennen, sagte er: “ Das bin ich nicht! Das will ich nicht mehr
sein”. Um einen Ausweg aus seiner Schuld zu finden, wollte er sich
umbringen, aber “Der Andere”, der “Jasager”, schlug ihm
eine Alternative vor. Er soll die Verantwortung zurückbringen zu dem, der
sie ihm gegeben hatte: “Ja! Ich bringe ihm die Verantwortung zurück.
Ich gebe ihm die Toten zurück. Ihm! Ja, komm, wir wollen einen Mann
besuchen, der wohnt in einem warmen Haus, wir wollen ihm etwas schenken - einem
lieben, guten, braven Mann, der sein ganzes Leben nur seine Pflicht getan, und
immer nur die Pflicht!”.
2.5 3. Szene
In der 3. Szene trifft nun Beckmann auf den Oberst, dem er seine
Verantwortung, die “Toten”, die er auf dem Gewissen hat,
zurückgeben will. Seine Gasmaskenbrille spielt wieder einmal eine Rolle:
“sag ihm doch, er soll die Brille abnehmen. Mich friert, wenn ich das
sehe”, “warum werfen sie den Zimt nicht weg? Der Krieg ist
aus”. Diese Reaktion zeigt wieder einmal, daß die Menschen, - wie
die Durchschnittsfamilie in dieser Szene - mit dem Krieg und den Heimkehrern
nichts zu tun haben wollen. Auf den Zweck seines Besuches kommt Beckmann erst
nach längerem Dialog in einem Zustand des Wachschlafes zu sprechen.
“Ganz weit weg”, “schlaftrunken, traumhaft” erzählt
Beckmann seinen Traum vom General, der blutschwitzend eine Todessymphonie auf
einem Knochenxylophon spielt. Beckmanns Traum, den er selbst als “ganz
seltsam” empfindet, bildet eine Anklage gegen den Krieg. “Die in den
Krieg hineingetriebenen Menschen dienen mit ihren abgeschlagenen
Gliedmaßen als Instrument für das grauenvolle Konzert eines Generals,
den das Blut der Erschlagenen fett gemacht hat. Der Krieg mißbraucht den
Menschen als Werkzeug einer perversen Ästhetik der Zerstörung, als
Spielzeug in einem makaberen, sinnlosen Spiel. Das Horrorszenario des Traumes
enthüllt das Grauen des Krieges, dem die realistische Darstellung nicht
länger beizukommen vermag. Nicht die Dokumentation grauenvoller Details
führt in einer Zeit der totalen Destruktion des Menschlichen zur Erkenntnis
der Wahrheit, sondern nur noch die phantastische Inszenierung des Grauens
selbst.” [2]
Die Kritik am Oberst, die er in seinem Wachschlaf erhob, belastet diesen,
aber sie entlastet Beckmann nicht. Der Oberst empfindet für die
Vergangenheit nicht einmal Schuld und Verantwortung, wie Beckmann, er findet sie
nur noch komisch. “Der Oberst will Beckmann nicht verletzen, aber er ist
so gesund und so sehr naiv und alter Soldat, daß er Beckmanns Traum nur
als Witz begreift” steht als Regieanweisung zu der vorher beschriebenen
Situation.
Aber auch der Oberst wendet die gleiche Technik an, um die Vergangenheit zu
vergessen. “Schmeißen Sie Ihre zerrissenen Klamotten weg, ziehen Sie
sich einen alten Anzug von mir an und dann werden Sie wieder ein Mensch, mein
lieber Junge!”.
2.6 4. Szene
In der 4. Szene sucht der Direktor eines Kabaretts nach Jugendlichen,
“die zu allen Problemen aktiv Stellung ... nehmen”, “einen
Geist wie Schiller” und “die den dunklen Seiten des Lebens
gefaßt ins Auge ... sehen, unsentimental, objektiv,
überlegen.”. Beckmann nutzt die Chance beim Direktor vorzusprechen.
Er wählt hierzu einen poetischen Vortrag, der sein durchlittenes Schicksal
widerspiegelt. Daß dieses Thema das Publikum nach Ansicht des Direktors
nicht sonderlich interessiere, mochte Beckmann nicht recht einsehen, da es doch
durch und durch der Wahrheit entspräche : “Mit der Wahrheit hat die
Kunst doch nichts zu tun! Wo kämen wir hin, wenn alle Leute plötzlich
die Wahrheit sagen wollten! Wer will den heute etwas von der Wahrheit
wissen?” weist der Direktor ihn zurück.
Auch er verdrängte die Verantwortung für die Heimkehrer und die
Kriegsopfer, er hat “schließlich keinen nach Sibirien
geschickt”. Beckmanns voller Verachtung gemeinte Antwort “Nein,
keiner hat uns nach Sibirien geschickt. Wir sind alle ganz von alleine gegangen.
Und einige sind alleine dageblieben” ist schließlich die Reaktion
auf die Abweisung des Direktors, der Beckmann im Grunde nur wegen der
Befürchtung ablehnt, daß ein Anfänger wie Beckmann seinen
wirtschaftlichen Ruin bedeuten könnte.
Am Schluß der Szene steht Beckmann wieder “Draußen vor
der Tür”; der “Andere” schaltet sich abermals ein, der
Beckmann empfiehlt “Du mußt nach Hause.[...] Da, wo man zuerst
hingehen sollte, daran denkt man zuletzt”.
- 5.Szene
In der fünften und
letzten Szene versucht Borchert den Kern des Themas besonders hervorzuheben, wie
das schlichte Bühnenbild zeigt: “Ein Haus. Eine Tür.
Beckmann”.
Beckmanns Heim existiert nicht mehr, denn ein fremder Name steht an der
Tür: “Kramer”. Der Name tauchte bereits im Vorspiel auf und
verkörperte dort den schon wieder etablierten Normalbürger, den Frau
Kramer in dieser Szene darstellt. Wie der Normalbürger kümmert sich
Frau Kramer nur um ihre Interessen. Es gilt einzig den Besitzfragen: “Was
für ein unser Schild?”, ”Ihre Wohnung ist das nicht. Die
gehört uns.”.
Die Nachricht von Kramer vom Selbstmord der Eltern wurde auf
“rauhe” Art überbracht. “Die alten Beckmanns konnten
nicht mehr, wissen sie. Hatten sich ein bißchen verausgabt im Dritten
Reich, das wissen sie doch, Sie, Sohn, Sie. [...] , immer wenn eine Bombe
runterging, hat er einen Fluch auf die Juden losgelassen”. Was mit dem
“alten” Beckmann “ganz oberfaul” war, wird jedoch nie in
dem Drama genau erwähnt. Das Gespräch mit Frau Kramer endet damit,
daß die Tür kreischend zuschlägt. Dies geschah schon viermal
zuvor. Und jedesmal, mit Ausnahme der zweiten Szene, war dieses Kreischen und
Zuschlagen begleitet von einem Beckmann, der schreiend die Konsequenz zog aus
dem durch die zuschlagende Tür beendeten Gespräch: “ich will
nicht mehr Beckmann sein!”, “Ja was seid ihr denn? Menschen”,
“Mit der Wahrheit macht man sich nur unbeliebt.”
In der fünften Szene sieht sein Abgang ganz anders aus. Beckmann droht
Frau Kramer “...Machen Sie ganz schnell ihre Tür zu, sage ich Ihnen!
Machen Sie!”.
Beckmanns Schrei der Anklage bleibt diesmal aus, die Anklage aber nicht:
“einen Mord” hätte Beckmann begehen mögen, “diese
Traurigen, die um das Gas trauern, ermorden”. Die Empörung über
dieses herzlose Normalbürgerdenken war berechtigt. Aber Beckmann denkt in
seinem Schmerz über den Verlust der Eltern und nicht mehr über die
Ursache nach. Er reiht die toten Eltern in die Liste der unschuldigen Opfer des
Krieges: “Zwei alte Leute sind in die Gräberkolonie Ohlsdorf
abgewandert. Gestern waren es vielleicht zweitausend, vorgestern vielleicht
siebzigtausend. Morgen werden es viertausend oder sechs Millionen sein.
Abgewandert in die Massengräber der Welt. Wer fragt danach? Keiner.”.
Daß die Eltern Beckmanns nicht nur Opfer waren, erkennt er nicht, sondern
nur Frau Kramer: “Das war nun wieder konsequent von Ihrem Alten”.
Beckmanns letzter Zufluchtsort existiert nicht mehr und nun steht er wieder
“Draußen vor der Tür”. Allein auf der Straße
erscheint Gott, der mit ihm ein Dialog führt. Das Ergebnis ist das gleiche
wie im Vorspiel. Gott “ist der Gott, an den keiner mehr glaubt”.
Aber ein Vorwurf kommt hinzu: “Du hast es [...] zugelassen”. Doch
die Rechtfertigung Gottes berührt Beckmann nicht , denn er sieht kein Sinn
im Glauben an Gott. Nun erscheint auch der Straßenfeger(Tod) und weist auf
einen immer bestehenden Ausweg hin: “Meine Tür steht immer
offen”, doch der “Andere” plädiert für das Leben.
Bevor der Oberst, der Direktor und Frau Kramer auftauchen verurteilt Beckmann
die drei als Mörder. Der Vorwurf Beckmanns wiederholt sich in der
Begegnung mit den einzelnen Opfern. Auch Beckmanns Frau, die mit ihrem Liebhaber
vorübergeht, wird als Mörderin bezeichnet. Spiegelbildlich zum Verlauf
des Stückes kommt das Mädchen nun am Schluß dieser Szene an die
Reihe und bittet Beckmann ”Komm, wir wollen zusammen lebendig sein”,
aber der Einbeinige erscheint und beschuldigt Beckmann: “Du hast ein Mord
begangen, Beckmann”. Beckmann ist Opfer und Täter zugleich, jeder ist
ein schuldiges Opfer: “wir werden jeden Tag ermordet und jeden Tag begehen
wir ein Mord”.
Eine Lösung scheint Beckmann nicht zu finden, denn die Frage danach
stellt er wieder und wieder: “Gibt mir den keiner Antwort? Gibt keiner
Antwort? Gibt denn keiner, keiner Antwort?”.
3. Zentrale inhaltliche Aussage des
Textes
Das Stück “Draußen vor der Tür” ist - wie man
vielleicht zuerst meinen könnte - kein autobiographisches Werk des
Heimkehrers Wolfgang Borchert.
Seine persönliche Situation nach dem Zusammenbruch Deutschlands war
wesentlich besser., als die seiner millionenfachen Schicksalsgenossen. Im
Gegensatz zu diesen, hatte Borchert ein erträgliches wirtschaftliches
Auskommen, wenn auch bei gleichzeitigem großen gesundheitlichen
Leidensdruck. Schon zwei Tage nach der Kapitulation war er ein freier Mann,
konnte bei seinen Eltern einziehen, seine Freunde kümmerten sich um
ihn.
Für viele begann zu dieser Zeit erst die Tragödie von Flucht,
Vertreibung, Internierung oder Gefangenschaft.
Borchert versucht mit “Draußen vor der Tür” in der
Figur des Beckmann die Millionen junger Soldaten, deren bisheriges Leben fast
ausschließlich militärischen Gehorsam, Angst, Leid und Verwundungen
jeglicher Art bestanden hat, widerzuspiegeln:
“Was haben sie denn so bis jetzt gemacht?” wird in dem Drama
gefragt. Die Antwort darauf: “Nichts. Krieg. Gehungert, Gefroren,
Geschossen.” zeigt Beckmanns Situation und die der vielen anderen Soldaten
auf.
Der Einbeinige, der in der 2. Szene auftaucht, verkörpert ebenfalls
das Schicksal jedes einzelnen Soldaten. Der Einbeinige macht Beckmann, der in
dieser Situation den Vorgesetzten verkörpert, den von ihm erteilten Befehl
zum Vorwurf: “Sie halten Ihren Posten unbedingt bis zuletzt!”. Damit
spielt der Autor auf die Durchhalteparolen des Naziregimes in den letzten
Kriegsmonaten an. Für die meisten galt damals der Krieg schon als verloren
und dennoch wurde eine große Anzahl von Soldaten - unter ihnen auch
besonders viele junge - noch in der letzten Phase “verheizt”.
Wolfgang Borchert verurteilt in seinem Stück den Krieg und seine
Folgen.
Er stellt Beckmann als Heimkehrer dar, der mit der Rückkehr in seine
Heimat auch auf dem weg ist den Anschluß an sein früheres
“Ich”, seine frühere Identität zu finden. Er versucht in
jedem Akt eine Tür zu finden, die er aufstoßen kann und mit deren
Durchschreiten er wieder bei sich und bei den Menschen seines früheren
Umfeldes ist.
Aber jedesmal wird er abgewiesen, denn die Menschen wollen mit dem Krieg
und seinen Folgen nicht mehr konfrontiert werden. Sie fordern Beckmann, auf
seine Gasmaskenbrille und seinen Mantel abzulegen, um so die Vergangenheit zu
vergessen.
Der Kabarettdirektor geht sogar noch einen Schritt weiter und sagt zu
Beckmann: “Ich habe schließlich keinen nach Sibirien
geschickt”. Damit versucht er die Verantwortung für Krieg und
Heimkehrer völlig von sich zu schieben.
Beckmann antwortet: “Nein, keiner hat uns nach Sibirien geschickt.
Wir sind von alleine gegangen. Und einige sind ganz von alleine
dageblieben.” Er beschuldigt so nicht nur die Parteimitglieder, sondern
auch die Menschen die sich nicht gegen den Krieg und das Regime, trotz allen
Druckes, wehrten.
Borchert versucht in seinem Stück, dem Leser vor Augen zu führen,
daß in jedem Menschen ein Wolf steckt, der aus reinem
Selbsterhaltungstrieb, ohne Rücksicht auf Verluste, um sein Hab und Gut
kämpft.
Die Situation in der 5. Szene soll verdeutlichen, daß der Glaube an
die Güte des Menschen ein Irrglaube ist. Frau Kramer, der Allerweltsmensch,
zeigt keinerlei Güte und Warmherzigkeit. Sie weist Beckmann mit einer
“gleichgültigen, grauenhaften, glatten Freundlichkeit, die
furchtbarer ist als alle Roheit und Brutalität”,
zurück.
- Darstellung der
eigenen Einschätzung des Textes
Wolfgang Borchert hat mit seinem Drama “Draußen vor der
Tür” ein Stück geschaffen, das noch heute aktuell ist. Denn noch
immer leiden Menschen durch Menschen. “Borcherts Anklage ist durch das
“deutsche Wirtschaftswunder” nicht überholt. Wenn auch die
Lebensumstände sich normalisieren konnten und heute kaum noch einer mit
einer Gasmaskenbrille umherläuft, so ist die Kernfrage des Heimkehrers
Beckmann nach dem Wandel in uns erschreckend unbeantwortet geblieben. Haben sie
nicht sogar ihre Stellung weiter ausbauen können, die schon damals wieder,
allzugut Davongekommen, der Oberst zum Beispiel, der vor “pazifistischer
Knochenerweichung” warnt und von “Verantwortung” nichts wissen
will, wenn damit die Toten des Krieges gemeint sind, die sein
Ritterkreuz-Ehrgeiz bereitwillig opferte?” heißt es in der
Westdeutschen Allgemeinen (17.08.1955).
Nicht nur nach dem zweiten Weltkrieg sind die Führungskräfte gut
weggekommen. Gleiches wiederholte sich auch nach Vollendung der “Deutschen
Einheit”. Schon sehr schnell nach dem Machtverfall des alten DDR - Regimes
konnten viele “Wendehälse” ihre alten Privilegien in die
“neue Zeit” hinüberretten. Dies taten sie auf Kosten
anderer.
Meiner Ansicht nach beschreibt das Drama, das Leben Beckmanns bzw. das
Leben der Heimkehrer in der Nachkriegszeit besonders gut. Borchert konnte sich
meiner Ansicht nach ausgesprochen gut in die Situation hineinversetzen, denn er
selbst erfuhr den Krieg und dessen Folgen am eigenen Leib.
5. Literaturverzeichnis
5.1 Primärliteratur
Draußen vor der Tür, Wolfgang Borchert
Rowohlt Verlags GmbH
Ausgabe September 1996
5.2 Sekundärliteratur
5.2.1
Erläuterungen und Dokumente
Wolfgang Borchert, Draußen vor der Tür
Philipp Reclam jun., Stuttgart
1996
5.2.2
Königs Erläuterungen und Materialien
Draußen vor der Tür, Wolfgang Borchert
C. Bange Verlag, Hollfeld
15. Auflage, 1995
Wolfgang Borchert - Draußen vor der
Tür
(Kurzinformation für die Schüler von David
Wenzel)
Biographie von Wolfgang Borchert
Wolfgang Borchert wurde 1921 in Hamburg geboren. 1938, im Alter von 17
Jahren, veröffentlichte er erste Gedichte. 1939 beginnt er nach der
Oberrealschule auf Wunsch seiner Eltern eine Lehre als Buchhändler. Im
November 1941 macht Borchert erste Fronterfahrungen; schwer erkrankt(Gelbsucht)
und mit einer Verwundung an der Hand kehrt er schon nach kurzer Zeit in die
Heimat zurück. Darauf Untersuchungshaft wegen des Verdachts auf
Selbstverstümmelung. Urteil: Todesstrafe, dann Freispruch und erneutes
Strafverfahren Anklage: “Zersetzung der Wehrkraft”; Urteil:
Frontbewährung. Gelbsucht und Erfrierungen führten ihn erneut
zurück nach Deutschland. Nach dem Seuchenlazarett wiederholte Verhaftung
wegen politischer Äußerungen gegen das Regime. Nach 9 monatiger Haft
Entlassung zwecks Feindbewährung. 1945 Flucht nach Hamburg aus
französischer Gefangenschaft bei Frankfurt. Mehrere Bühnenauftritte in
seiner Heimatstadt. Abbruch seiner Karriere wegen Krankheit; andauernde
Bettlägerigkeit.
1947 schreibt Borchert das Stück “Draußen vor der
Tür”. Am 20. November 1947 stirbt Borchert in der Schweiz im Alter
von 26 Jahren an den Folgen seiner Krankheiten, die er sich durch Krieg und
Kriegsauswirkungen zugezogen hat.
Inhalt
Der aus dem Kriege heimkehrende Beckmann hat neben schmerzlichem Hunger,
auch derart große psychische und physische Verwundungen, daß ihm das
Leben nicht mehr lebenswert erscheint. Er springt in die Elbe.
Das sehen der Tod, ein Beerdigungsunternehmer (der durch die beiden Kriege
in diesem Jahrhundert zu reichlich “Speck” gekommen ist) und der
Gott, in den die Menschen das Vertrauen verloren haben.
Doch die Elbe spült den Selbstmörder wieder ans Ufer. Hier
gesellt der “Andere” sich zu ihm. Nach eindringlichem Dialog
entschließt sich Beckmann nach Hause zu gehen. Hier findet er seine Frau
aber auch einen anderen vor und er erfährt, daß seine einjährige
Tochter, unter den Trümmern gestorben ist. Nachdem Beckmann
“Draußen vor der Tür” steht, lernt er selbst ein
Mädchen kennen. Er begleitet Sie in ihre Wohnung. Dort taucht ebenfalls der
Ehemann auf, heimgekehrt und verkrüppelt aus dem Kriege. Beckmann
verläßt daraufhin die Wohnung und sucht seinen ehemaligen
Befehlsgeber auf, einen Oberst, der von Beckmanns Sorgen nichts wissen will.
Für verrückt erklärt er ihn, als Beckmann ihm die Verantwortung
für den Tod seiner Kameraden zurückgeben will, welche er nicht mehr
ertragen kann. Auch beim anschließend aufgesuchten Kabarettdirektor
erhält Beckmann keine Chance Fuß zu fassen. Was Beckmann ihm
vorstellt, das mag nach seiner Ansicht heute keiner mehr sehen, denn “mit
der Wahrheit hat die Kunst doch nichts zu tun!”. Als er sein Elternhaus
wiederfindet erfährt er von einer zwischen Mitgefühl und Herzlosigkeit
schwankenden Frau, vom Tod seiner Eltern. Die Frau erklärt ihm, daß
sich seine Eltern auf ihre Weise sich selbst “entnazifiziert”
hätten.
Schließlich verschwindet auch noch der “Andere”, der bis
dahin immer noch Beckmann Mut spendete. Nun steht Beckmann allein
“Draußen vor der Tür” mit seinen Erinnerungen und
Alpträumen.
[1] Peter Szondi: Theorie des modernen
Dramas. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1963 S. 46 f.
[2] aus : Erläuterungen und Dokumente,
Draußen vor der Tür, Stuttgart: Philipp Reclam, 1996 S. 14, 15
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