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Die Westdeutsche Wirtschaft
Die Westdeutsche Wirtschaft
Ein Referat von Steffen
Voss
Seit der Gründung des Deutschen Reiches 1871 bis
zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 wuchs die Wirtschaft durch ein
einheitliches Wirtschafts-, Zoll-, Waehrungs- und Rechtswesens in Deutschland
zusammen. Doch der 8. Mai 1945 brachte mehr als das Ende des Krieges, dieser Tag
bedeutete ebenso einen tiefen Einschnitt in die wirtschaftlich Entwicklung
Deutschland. Ja, man koennte sogar sagen, es war der Anfang einer neuen
Epoche!
Am Ausgangspunkt fuer ein erneutes Aufbluehen des
Wirtschaftsstandortes Deutschland, stand die Abtrennung etwa eines Viertels des
Deutschen Reiches, die Vertreibung von ca. 11 Millionen Menschen aus diesen
Gebieten in ein Land, welches auch so schon in einer Krise steckte, und seit
1949 die Teilung Deutschlands, und damit die unterschiedliche politische und
wirtschaftliche Organisation in den beiden Teilen Deutschlands.
Der westliche Teil, um den es ja in diesem Referat
geht, knuepfte bewusst an die weiterentwickelten Gedanken des Liberalismus an
und ueberliess die Gestaltung der Gesellschaft mehr einer zum Wettbewerb
orientierten Wirtschaftsordnung, der sozialen Marktwirtschaft.
Waehrend der Ostteil den Gedanken des
Marxismus-Leninismus folgte und die Zentralverwaltungswirtschaft
einfuehrte.
Ausserdem war die politische Spannungslinie, die
durch Deutschland lief von grosser Bedeutung.
Viele der kluegsten Koepfe der Alliierten zerbrachen
sich die Koepfe, was mit Deutschland zu tun sei, und alle hatten eine andere
Meinung. Man war sich eigentlich nur in einem Punkt einig:
Man wollte das deutsche Wirtschaftpotential
zerschlagen, um
1. die Basis fuer eine Militaermacht zu
beseitigen.
2. die deutsche Konkurrenz auf dem Weltmarkt
auszuschalten, oder zumindest stark zu verringern.
3. den ehemaligen Kriegsgegner zu
bestrafen.
Auf der Konferenz von Jalta (Februar `45) wurden sich
die Alliierten darueber einig, dass Deutschland die Gebiete oestlich der Oder an
Polen abtreten muss, es in Besatzungszonen und spaeter Staaten aufgeteilt, ein
Kontrollrat zur Regierung ganz Deutschlands eingesetzt werden sollte.
Darueberhinaus sollte Deutschland Reparationen bezahlen.
Die UdSSR hatte Anspruch auf 10 Mrd.$, von denen 50
Mrd. Mark bis 1953 bezahlt waren, ausserdem durfte die UdSSR im Westen Fabriken
demontieren. Bis 1951 hatte man Demontagen im Wert von 5 Mrd. Mark
vorgenommen.
Im Maerz 1946 hatte man sich endlich auf einen
Industrieplan geeinigt, der nicht mehr vorsah, Deutschland in einen riesigen
Acker zu verwandeln, sondern eine kontrollierte, schwache
Industrie.
Man legt fest, Deutschland duerfte nicht mehr als 65%
dessen erzeugen, was man noch 1936 produzierte. Das waere nicht viel mehr
gewesen als zur Zeit des Krisentiefs 1932.
Waehrend der Bergbau uneingeschraenkt gefoerdert
wurde, um den Kohlemangel auch in anderen europaeischen Staaten zu lindern,
waren andere Industriezweige verboten, weil sie der Ruestung dienen konnten:
Luftfahrtindustrie, Werften, Ammoniakherstellung, Kugellagerproduktion, sowie
die Produktion von schweren Werkzeugmaschinen und schweren Fahrzeugen. Andere
Industriezweige unterlagen Beschraenkungen: Stahl- und Automobilproduktion und
andere.
1948 kam man auch von diesem Plan ab, um in
Deutschland einen starken Partner zu haben. Viele Deutsche hielten die Teilung
Deutschlands fuer eine Schwaeche der Alliierten, denn keiner der beiden
Machtbloecke wollte riskieren ganz Deutschland an den Gegner zu verlieren.
Die weitere Entwicklung Westdeutschlands laesst sich
grob in folgende Perioden unterteilen.
1. "Die schlechten Jahre", 1945 -
1949
2. Der Wiederaufbau und das Wirtschaftswunder 1949 -
1960
3. Die Zeit der Vollbeschaeftigung bis zur ersten
groesseren Rezession, 1961 - 1967
4. Die Instabilitaet des internationalen
Waehrungssytems und die nationale Waehrungspolitik, 1968 - 1973
5. Die Zeit des strukturellen Wandels und des
begrenzten Wachstums, seit 1973
Die Zeit von 1945 bis1949
Nach dem zweiten Weltkrieg stand man vor dem Problem
einer erheblichen Nahrungsmittelknappheit. Diese resultierte einmal aus der
groesseren Einwohnerzahl (in den drei westlichen Besatzungszonen lebten 1939 =
39.9 Mill. Einwohner; 1946 = 43,7 Mill. 1947 = 46,8 Mill.) durch die
Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten, und zum anderen aus der gesunkenen
Ertragsfaehigkeit der Boeden durch Duengemittelmangel und die Reduzierung des
Viehbestandes. Die landwirtschaftliche Produktion war nur noch 72% des Ertrages
von 1939.
Ein weiteres Problem war der Mangel an Wohnungen.
Mehr Menschen als zuvor mussten mit weniger Wohnungen leben. Jeder dritte
Haushalt hatte keine Wohnung. Ausserdem bestand Knappheit selbst beim
Noetigsten. Die vielen Ausgebombten, Fluechtling und Vertriebenen, die alles
verloren hatten, konnten von der geringen Produktion nicht ausreichend mit
Kleidung und Hausrat versorgt werden.
Aufgrund der gesunkenen Kohleproduktion konnte die
Bevoelkerung auch nicht ausreichend mit Energie versorgt werden. Viele Menschen
mussten frieren. Im Winter `47/48 lag die Sterberate um 10% hoeher als
normal.
Fuer die Wirtschaft stellte sich das Problem, dass
die noetigen Produktionskapazitaeten durch Bomben und Kampfhandlungen zerstoert,
oder im Zuge der Demontagen entfernt worden waren. Vorhandene Kapazitaeten
konnten nicht genutzt werden, weil die Rohstoffe oder Halbfabrikate weder aus
dem Inland noch aus dem Ausland geliefert wurden. In einigen Gebieten gab es
Arbeitskraeftemangel, weil die Facharbeiter noch in Gefangenschaft oder gefallen
waren und in anderen Gebieten, auf dem Lande und in kleineren Staedten, wo viele
Evakuierte, Vertriebene und Fluechtlinge untergebracht waren, gab es einen
Arbeitskraefteueberschuss.
Gegen Kriegsende wurden die Vorraete schnell
aufgebraucht, und sie konnten durch die gesunkene Produktion nur schwerlich
wieder aufgefuellt werden. Ausserdem legten die Produzenten und der Handel ihr
Geld lieber in Immobilien an, weil das Geld immer weniger Wert war. Die
industrielle Produktion war in den drei Westzonen bis 1946 auf etwa 30% des
Standes von 1938 gefallen.
Durch die steigende Bevoelkerungszahl bei
gleichzeitiger stagnierender Produktion, den Brennstoffmangel bei extremer
Kaelte, schlechte Ernte, eine allgemein schlechte Situation also, wird das Jahr
1947 als Tiefpunkt der Entwicklung angesehen.
Ersteinmal sprangen die Alliierten mit
Hilfslieferungen ein, um eine Seuchensituation zu verhindern. Darueber hinaus
kam man zu dem Schluss, dass eine staerkere Wirtschaft, die Notwendigkeit von
Hilfslieferungen einschraenken wuerde. Als begruessenswerte Nebenwirkung
versprach man sich durch den gehobenen Lebensstandard eine Immunisierung der
Bevoelkerung gegen kommunistische Ideologien, obwohl die Menschen wahrscheinlich
durch die Umstaende der Eroberung Ostdeutschlands durch die Sowjet Armee und die
Methoden der ersten Jahre der sowjetischen Regierung der SBZ(1) schon
immunisiert genug waren.
Als die amerikanische und britische Zone am 1. Januar
1947 zur "Bizone" zusammengeschlossen wurde, war das der erste Schritt zur
Gruendung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1949.
Ab 1948 hat sich der wirtschaftliche Aufschwung so
schnell vollzogen, dass man vom "Wirtschaftswunder" spricht. Die wichtigsten
Faktoren, die auf dieses Wachstum hin wirkten waren die Waehrungsreform, der
Uebergang zur sozialen Marktwirtschaft und Investitionshilfen und Einfuhren
durch die Besatzungsmaechte (Marshallplan(2)).
Durch die Geldwirtschaft des Deutschen Reiches vor
1945 war die Geldmenge enorm gewachsen (siehe Diagramm [1]).
Diagramm [1]
Geld- und
Waehrungspolitik des Deutschen Reiches
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Obwohl davon etwa 110 Mrd. Reichsmark (RM) nicht mehr
verfuegbar waren, zum einem durch die Spareinlagen oestlich der Oder-Neiss-Linie
(35-40 Mrd. RM), zum anderen durch die Sperrung aller Bankkonten in der SBZ
(70Mrd. RM) und die durch die Kriegsereignisse zerstoerten Banknoten (ungefaehr
5-10 Mrd. RM), war noch genug Geld vorhanden, um die Nachfrage finanziell
abzusichern. Die Unternehmen mussten gewaltige Investitionen taetigen, und auch
die privaten Haushalte, besonders die Vertriebenen und Ausgebombten stellen eine
riesige Nachfrage nach Kleidung Und Haushaltsgeraeten dar. Hinzu kam bis 1948
auch noch, dass die Besatzungsmaechte Banknoten zusaetzlich ausgaben. So stieg
der Bedarf viel schneller als die Produktion und es drohte ein
Inflation.
Man versuchte eine zu starke Geldentwertung zu
verhindern indem man Preise festsetzte und Bezugsberechtigungen ausgab. Doch wo
auch immer der Markt so geregelt wird, entsteht auch ein Schwarzmarkt. Der
Schwarzmarkt in Deutschland wurde aus der laufenden Produktion, soweit sie der
Bewirtschaftung entzogen war, den Bestaenden der Besatzungsmaechte und den
Erzeugnissen und Sachwerten der privaten Haushalte gespeist. So waren Dinge wie
Nahrungsmittel, Zigaretten und Kleidung gefragt und teuer, oft das 100-fache des
festgesetzten Preises, waehrend Radios und Teppiche billig zu haben waren. Doch
selbst auf dem Schwarzmarkt war nicht alles zu haben. Nichtsdestotrotz musste
eine Waehrungsreform her. Und schliesslich am 20./21. Juni 1949 wurde die Reform
in den drei Westzonen durchgefuehrt. Die neue Waehrung hiess "Deutsche Mark"
(DM) und wurde von der neugeschaffenen Bank Deutscher Laender ausgegeben.
Zunaechst erhielt jeder deutsche Buerger einen Grundbetrag von 60.- DM, im
Oktober 1948 wurde das Altgeld (RM) 100:6 und schliesslich 1953 100:6,5
umgetauscht. Insgesamt wurden letztendlich 110 Mrd. Reichsmark Giralgeld(3) und
13,5 Mrd. Bargeld angemeldet. Jeder Arbeitgeber erhielt weiterhin fuer jeden
Beschaeftigten 60 DM als Kredit, die bei der Umstellung angerechnet wurden. Die
Guthaben der oeffentlichen Hand wurden gestrichen und die
Gebietskoerperschaften(4) erhielten 1/6 der Einnahmen vom 1.10.1947 bis 1.3.1948
als bare Betriebsmittel. Die meisten Loehne, Renten und Mieten wurden 1:1
umgestellt. So waren schliesslich 13 Mrd. DM als Giral- und Bargeld im
Umlauf.
Einen erhebliche Teil des wirtschaftlichen Wachstums
rechnet man der sozialen Marktwirtschaft als neue Wirtschaftsordnung an, obwohl
bei einer solch schlechten Ausgangslage vermutlich jede Wirtschaftsordnung fuer
Linderung gesorgt haette. Man kann jetzt aber auch nicht einfach das
Wirtschaftssystem der DDR dem gegenue berstellen und behaupten, dass es dort
doch viel langsamer mit dem Wachstum ging, denn man muss auch sehen, das vom
Westen 5 Mrd. DM und vom Osten 50 Mrd. DM Reparationen gefordert wurden.
Der Begriff "soziale Marktwirtschaft" besteht aus
zwei Komponenten:
1. In der Marktwirtschaft entwickelt sich aus dem
Angebot und der Nachfrage der Preis, der den Umfang und die Ausrichtung von
Produktion, den Konsum und Investitionen beeinflusst. Durch Steigerung der
Produktion im freien Wettbewerb werden Preis- und Gewinnchancen, bei das Angebot
uebertreffender Nachfrage, genutzt. Der Vorteil hierbei liegt in der optimalen
Allokation der Ressourcen, d.h. die beste Ausnutzung der
Produktionskapazitaeten. Ausserdem besteht ein starker Anreiz zur
Weiterentwicklung des technischen Fortschritts.
2. Bei der sozialen Marktwirtschaft allerdings
verhindert und beseitigt der Staat mit Gesetzen, die Nachteile der
Marktwirtschaft, wie naemlich die Faelle, die der Markt nicht selbst regelt:
Rentenversicherung, Krankenversicherung, Bildungswesen usw. Ausserdem gehoeren
zu den Pflichten des Staates die Unterstuetzung Benachteiligter, zum Beispiel
durch Wohngeld, aber auch die Foerderung der Landwirtschaft, des Bergbaues,
durch Subventionen. So werden diese Wirtschaftszweige erhalten. Ziel des Staates
ist die Vollbeschaeftigung, Ermoeglichung und Beguenstigung des Berufswechsels
sowie der Erhalt der Geldwertstabilitaet.
Doch die soziale Marktwirtschaft kann nur
funktionieren, wenn fuer den Erhalt des freien Wettbewerbs gesorgt wird, also
Monopole verhindert werden. In Deutschland geschieht dies durch das Gesetz gegen
Wettbewerbsbeschraenkungen(5). Wie wichtig dieses Gesetz ist laesst sich durch
die Bezeichnung "Grundgesetz der sozialen Marktwirtschaft", wie es bei dessen
Verabschiedung im Bundestag von den Anhaengern dieser Wirtschaftsordnung genannt
wurde.
Doch da in der sozialen Marktwirtschaft
einkommensschwache Bevoelkerungsgruppen in Notzeiten wegen der Verknappung des
Warenangebotes schon in der Versorgung mit Nahrung, Kleidung und Wohnung
gefaehrdet sind, wurde sie ab 1948 erst nach und nach eingefuehrt. Darin liegt
aber auch der Ansatzpunkt fuer die soziale Komponente. Da die Eigentuemer von
Produktivvermoegensgegenstaenden ein hoeheres Einkommen als die Abhaengigen vom
Arbeitslohn haben, haben sie auch die besseren Vorraussetzungen zur weiteren
Vermoegensbildung. Etwa 30% des Vermoegens gehoert der oeffentlichen Hand, 20%
den Lohnabhaengigen und Rentnern und 50% den Unternehmerfamilien, welche nur
etwa ein Anteil von 12% an unserer Bevoelkerung darstellen.
Wettbewerb ist nicht nur die wirtschaftliche
Konkurrenz und in der Marktwirtschaft vorhanden und in der Planwirtschaft nicht,
sondern erfuellt in allen Gesellschaften wichtige soziale Funktion. Er ist das
Streben, es anderen, die sich um das gleiche Ziel bemuehen, mindestens
gleichzutun, sie nach Moeglichkeit aber zu uebertreffen. Beseitigen koennte man
ihn nur, wenn alle geistigen, kulturellen und koerperlichen Beduerfnisse
befriedigt waeren, und es den Trieb, sich mit anderen zu messen, nicht gaebe. So
besteht nicht die Frage ob, sondern in welcher Form und welchen Ausmassen er
stattfinden soll. Die hauptsaechliche Auswahl der Wirtschaftsordnung traf Ludwig
Erhard(6)(Der "Vater der sozialen Marktwirtschaft"), gestuetzt auf die
Ueberlegungen von Wilhelm Roepke(7) und Walter Eucken(8), welche die
wettbewerbsfeindliche Wirtschaftsordnung der 30er und 40er Jahre kritisierten,
allerdings gegen den Willen der SPD, die sich mehr Erfolg vom
planwirtschaftlichen System versprach, und Teile der CDU, welche erst 1949 die
soziale Marktwirtschaft in ihr Programm (Duesseldorfer Leitsaetze) aufnahm:
"Wirtschaftliche Not kann ,man durch zwei Verfahren zu ueberwinden suchen: die
Planwirtschaft will die Armut gerecht verwaoeten und verteilen, die
Marktwirtschaft will durch Leistungswettbewerb auf allen Stufen die Armut
ueberwinden. Es ist wuerdiger und erfolgreicher, sich durch einen Notstand
durchzu arbeiten als durchzuhungern. ... Die `soziale Marktwirtschaft`
verzichtet auf Planung und Lenkung der Produktion, Arbeitskraft und Absatz.
Dadurch ist der Staat von den Sorgen der zentralen Lenkung entlastet. Ihm bleibt
die Aufgabe, da Recht zu setzen und zu hueten, den Wettbewerb zu foerdern und
das Geldwesen zu ordnen."
Dagegen sprachen eigentlich nur die ideologischen
Ueberlegungen der SPD (die bis zu einer Richtungsaenderung 1959 eigentlich im
Abseits standen) und die 1948 noch sehr geringe Produktion. Doch durch die
langsame Einfuehrung des neuen Systems wurden dem Markt immer neue Impulse
gegeben, ohne nachteilig zu wirken. Als das Ende der Einfuehrungsphase kann man
wohl die Aufhebung der Brueningschen(9) Notverordnung zur Devisenbewirtschaftung
vom 31. Juli 1931 am 29. Dezember 1958 bezeichnen.
Da Bereiche wie der Wohnungsmarkt,
Nahrungsmittelproduktion, Energiebereich, Bahn, Post und Gueterfernverkehr,
Nahverkehrsmittel, sowie die Krankenversorgung der Sozialpolitik zugeordnet
wurden, machte man die dem freien Wettbewerb aus vielerlei Gruenden nicht
zugaenglich.
Doch zur Linderung der unmittelbaren Not lieferten
die Vereinigten Staaten im Rahmen des GARIOA-Programmes(10) Rohstoffe und
Nahrungsmittel in Werte von 1,8 Mrd. $. Um die Wirtschaft langfristig in Gang zu
bringen flossen aus dem Budget des Marshall-Planes6 1,3 Mrd. $ ueber den
Atlantik, sowie 253 Mill. $ aus anderen Programmen. Dieses Geld wurde zu 42% in
die Landwirtschaft und Ernaehrung, zu 50% in Industrie und Handwerk, und 8% die
Transportkosten fuer die Lieferung gesteckt.
Nun stellt sich natuerlich die Frage, warum die USA
so viel Geld fuer den ehemaligen Kriegsgegner uebrig hatte. Da man den Krieg in
Amerika zu 64% durch Staatsverschuldung und 36% durch Steuererhoehungen
finanziert hat, hatte man nach 1945 hohe Steuereinnahmen und konnte diese aus
konjunkturellen Gruenden nicht zur Schuldentilgung verwenden, und da die
amerikanische Industrie nach der Umstellung auf nicht-militaerische Erzeugnisse
mehr Waren erzeugte, als man dort verkaufen konnte, gab man das mit der
Bedingung, hauptsaechlich amerikanische Produkte zu kaufen, an die westlichen
Besatzungszonen und spaeter an die Bundesrepublik weiter. 1957 liefen die
Zuschuesse aus.
Diese ganze Planung verfehlte ihre Zielsetzung nicht:
bereits 1952 erwirtschaftete die Bundesrepublik einen Ausfuhrueberschuss von
4,3%.
Doch nur allein Plaene haetten dieses "Wunder" dann
doch nicht geschafft, man muss dabei auch sehen, dass man nicht bei Null anfing,
man hatte die ausgebildeten Arbeitskraefte, viele Heimatvertriebene gruendeten
in ihrer neuen Heimat gewerbliche Betriebe, vor allem in laendlichen Gegenden
und trugen so zur Verbesserung der allgemeinen Wirtschaftsstruktur bei, alte
Aussenhandelskontakte wurden wiederbelebt und nicht zuletzt waren die Menschen
jener Zeit einfach motiviert, alles wieder aufzubauen. Sie hatten es vor dem
Krieg besser gehabt als jetzt und wollten die alten Verhaeltnisse wieder haben.
Daneben muss man sehen, dass waehrend des Krieges kaum neue Maschinen entwickelt
oder eingesetzt wurden, durch die Reparationen und die damit verbundenen
Demontagen waren viel der veralteten Anlagen verschwunden und man konnte neue,
effektiverer Maschinen einsetzen. Auch strukturelle Aenderungen in der
Wirtschaft und die Gruendung neuer Unternehmen wurden jetzt
beguenstigt.
Der sekundaere
Sektor
Das staerkste Wachstum verzeichnete in den
Anfangsjahren der Bundesrepublik Deutschland der sekundaere Sektor, was man
schon an der Zunahme der Beschaeftigtenzahlen von 1950 bis 1970 erkennen kann: 4
Millionen zusaetzlicher Arbeitsplaetze, von denen 48% im Metallgewerbe, 23% im
Elektro- und Feinmechanischen Bereich, 16% in den Branchen Steine, Erden und
Chemie und 13% im Baugewerbe geschaffen wurden.
Diagramm [2]
Zahl der Beschaeftigten in 1000 auf dem Gebiet der
Bundesrepublik Deutschland 1939 - 1976
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Die Entwicklung in den verschiedenen Branchen
innerhalb des sekundaeren Sektors verlief unterschiedlich. Waehrend
Metallgewerbe und Elektro- und Feinmechanikindustrie ihren Anteil erheblich
vergroessern konnten und waehrend sie somit die eigentlichen Traeger des
wirtschaftlichen Wachstums waren, entwickelten sich die Beschaeftigtenzahlen im
Bergbau und im Bekleidungsgewerbe ruecklaeufig. Das lag beim Bergbau einerseits
an der um 220% gestiegenen Produktivitaet(11), und andererseits an der um 30%
gefallenen inlaendischen Nachfrage.
Diese Entwicklung ist nicht neu, sie begann mit der
industriellen Revolution und wurde nur in viel staerkerem Masse weitergefuehrt,
als in den letzten Jahren des Deutschen Reiches.
Seit den fruehen `70ern nahm der Anteil des
sekundaeren Sektors zugunsten des tertiaeren stetig ab. Vor allem bei der Eisen-
und Stahlerzeugung, der Textil- und Lederindustrie und weiterhin dem Bergbau
laesst sich diese Entwicklung ablesen.
Die Branchen, die ein nicht so starkes Wachstum bis
1970 verzeichnen konnten versuchen diese Situation zum Beispiel durch
Preiserhoehungen (Bauwirtschaft) oder Subventionen (Landwirtschaft)
auszugleichen.
Doch der wichtigste Grund fuer die Preissteigerung im
sekundaeren Sektor war der grosse Anteil Handarbeit.
Nicht nur Produktivitaet, Preise und
Beschaeftigtenzahlen aenderten sich; auch die Betriebsgroessen zum Beispiel im
Baugewerbe unterlag einem Wandel. Kleinstbetriebe mit weniger als 10
Beschaeftigten hatten einen Rueckgang von 0,18 Mill. auf 0,16 Mill.
Beschaeftigte zu verzeichnen, waehrend die Zahl der Betriebe mit mehr als 1000
Beschaeftigten anstieg, jedoch dominierten die Klein- und Mittelbetriebe.
Ohne Nachfrage haette es keine industrielle
Entwicklung gegeben. Die Nachfrage des Auslands spiegelt der Export wider, so
war 1970 der Anteil der Produktion im Metallgewerbe 35%, Elektro- und
Feinmechanik 25%, sowie der chemischen Industrie 25%, der ins Ausland geliefert
wurde. In der Zeit von 1950 bis 1972 war der Exportanteil bei cirka 20-25%, in
der Zeit von 1983-86 gar 30%.
Der primaere
Sektor
Seit 1945 bis 1970 hatte sich der Hektarertrag in der
Landwirtschaft etwa verdoppelt. Die Gruende dafuer sind sowohl die verstaerkte
Duengung (1950: 24 kg N und 25 kg P2O5 - 1972: 80 kg N und 65 kg P2O5)und der
Ersatz der Zugtiere durch Traktoren (dabei wurden gleichzeitig 1,5 Mill. ha
LN(12) frei).
Doch nicht nur die Zugtiere, auch die Menschen wurden
durch Maschinen ersetzt. Der Kapitalstock wurde von 70 Mrd. DM 1949 auf 200 Mrd.
DM ausgedehnt.
Durch die Rationalisierung gab es eine Erhoehung der
Produktion pro Arbeitskraft und man musste immer mehr Menschen
entlassen:
Diagramm [3]
Zahl der Beschaeftigten (in
Millionen) in der Landwirtschaft 1800 - 1986:
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Der kurzzeitige Anstieg der Zahlen 1949 laesst sich
mit der Tatsache erklaeren, dass nach dem Krieg viele Fluechtlinge in der
Landwirtschaft beschaeftigt wurden. Wenigstens beguenstigte der
Arbeitskraeftebedarf in anderen Gewerbezweigen eine Abwanderung aus der
Landwirtschaft bis 1973 etwa und fuehrte so zu Strukturaenderungen im primaeren
Sektor, so waren die Entlassenen jedenfalls nicht arbeitslos.
Diese gesamte Entwicklung wird allgemein als
"industrielle Revolution in der Landwirtschaft" bezeichnet. Die Tatsache, dass
diese Entwicklung in der Landwirtschaft nicht zeitgleich zur industriellen
Revolution im 19. Jahrhundert stattfand, liegt darin begruendet, dass die
Hilfsmaschinen des 19. Jahrhunderts Dampfmaschinen und somit nur im stationaeren
Einsatz effektiv waren.
Parallel zu dieser Entwicklung nahm ein anderes
Phaenomen seinen Lauf, das Hofsterben: Gab es 1950 noch 2 Millionen Betriebe
ging auch diese Zahl auf 0,89 Millionen bis 1976 zurueck, und waren es 1950 noch
65% Vollerwerbsbetriebe, so waren es 1976 nur noch 46%.
Doch sieht man mal von diesen Nachteilen ab, gab es
auch in der Landwirtschaft einen kraeftigen Aufschwung.
Im Landwirtschaftsgesetz von 1955 wurde sich zum Ziel
gesetzt, die Landwirtschaft "[...] in den Stand zu setzen, die fuer sie
bestehenden naturbedingten und wirtschaftliche Nachteile gegenueber den anderen
Wirtschaftsbereichen auszugleichen". Doch da durch die Subventionen nur die
Einkommen an die der anderen Berufsgruppen angeglichen wurden und keine echten
Rationalisierungshilfen gewaehrt wurden, gab es keinen echten freien Wettbewerb
mehr, es kam zur Ueberproduktion (Butterberg...) und dieses Ziel wurde nicht
erreicht. Dieses Problem wurde jedoch nicht nur nicht von der Bundesrepublik
Deutschland geloest, sondern auch nicht von der uebergeordneten EU(13), die die
Ueberschuesse zu Dumping-Preisen(14) auf dem Weltmarkt anboten, nicht selten
sogar vernichteten.
Der tertiaere Sektor
Die wichtigsten Bereiche innerhalb des tertiaeren
Sektors sind:
- Das Verkehrswesen
- Der Binnen- und Aussenhandel
- Das Geldwesen und das Banksystem
Das Verkehrswesen
Die Motorisierung ist wohl die groesste Aenderung im
Verkehrswesen im Gegensatz zum Deutschen Reich:
Diagramm [4]
Motorisierung in der
Bundesrepublik Deutschland 1949 - 1986
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Ein Grund fuer den rapiden Anstieg des Pkw-Bestandes
ist die damit verbunden Erhoehung der Mobilitaet. So mussten die Fluechtlinge
und ehemaligen Landwirte ihre guenstigen Wohnraeume nicht aufgeben, um sich in
den sekundaeren oder tertiaeren Sektor einzuordnen, als Nebeneffekt wurde ein
Ausufern der Ballungsraeume verhindert. Ausserdem war es fuer die Menschen viel
bequemer das Auto zu benutzen als auf oeffentliche Verkehrsmittel zurueck zu
greifen, die hinsichtlich Puenktlichkeit, Haeufigkeit, Kapazitaet und Sauberkeit
zu wuenschen
Diagramm [5]
Personenbefoerderung in
der BRD in Prozentanteilen 1949 - 1971
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uebrig liessen und man konnte die Freizeit besser
ausnutzen. Schliesslich nahmen die Aufwendungen fuer Strassenbau und
individuelle Verkehrsmittel fast 10% des Volkseinkommens(15) fuer sich ein (vgl.
Diagramm [5]). Dabei wurden die oeffentlichen Verkehrsmittel, sowie Post und
Bahn besonders von den Gemeinden vernachlaessigt, zusammen mit den nun
erforderlichen technischen Neuerungen vergroesserte sich das Problem
noch.
Beim Gueterverkehr sieht die Entwicklung nicht viel
anders aus, Individualisierung war und ist das Prinzip. Wieder einmal wurde bei
der Bahn die Entwicklung verschlafen. Der Lkw-Anteil nahm zu, waehrend der
Bahn-Anteil stark abnahm, die Binneschifffahrt hielt ihren Anteil. Nach 1971
wurden ausserdem noch Transportkapazitaeten bei der Seeschifffahrt (1949 = 0,26
NRT(16); 1986 = 5,63 NRT)und in Form von Rohrleitungen geschaffen. Bei den
Seeschiffen brachten vor allem neue Transporttechniken wie zum Beispiel
Containerschiffe (mit fuenfmal groesserer Kapazitaet) und Grosstanker diese
Steigerung. Und da 40% der Einfuhren der Bundesrepublik Deutschland Erdoel und
11% Eisenerz waren und diese einfach zu den guenstigen Schiffskonditionen
transportiert werden konnten, griff man natuerlich auch auf diese zurueck.
Gab es 1951 noch 8807 Dampflokomotiven wurden diese
im Laufe der Zeit vollstaendig verdraengt (1986 gab es 2700 Elektro- und 5200
Dieselloks). Gleichzeitig wurde die Zahl der Bahnhoefe von 6400 im Jahr 1949 auf
fast die Haelfte (3400) 1986 reduziert, 3000km (ca. 10%) des Streckennetzes
stillgelegt und bis 1986 etwa 38% der Strecken elektrifiziert. Dieser
Modernisierungsprozess bei der Bahn haelt bis heute an.
Der Binnenhandel
Im Binnenhandel gab es ebenfalls einige interesante
Tendenzen, zum Beispiel wurde mit Erhoehung der Produktion auch der Umsatz
gesteigert (1950 = 28Mrd. DM; 1978 =230Mrd. DM; 1984 = 474 Mrd. DM). Waehrend
die Zahl der im Einzelhandel taetigen sich von 1950 bis 1984 fast verdoppelte,
nahm die Zahl der Geschaefte um 10% ab, was bedeutet, dass sich die
Betriebsgroessenstruktur wie auch in der Landwirtschaft veraendert hat: gab es
1957 gerade einmal 1400 Selbstbedienungslaeden, gab es 1972 schon 84000. Diese
Zahl ist aber seit 1971 auch schon wieder ruecklaeufig.
Der Aussenhandel
Auf der einen Seite des Aussenhandels stehen die
Einfuhren, welche sich mit zunehmender Industrialisierung kontinuierlich mit
erhoehten, 1986 waren fast 2/3 der Einfuhren Fertigwaren. Auf der anderen Seite
stehen die Ausfuhren, die fuer Deutschland weitaus bedeutender sind. Die
Exportzahlen stiegen noch drastischer als die Importzahlen. Wobei die wichtigste
Exportware inzwischen nicht mehr Steinkohle ist, wie nach dem Krieg, sondern
Halb- und Fertigwaren, die 1986 einen Anteil von 93% bedeuteten. Gut laesst sich
diese Entwicklung an Hand dieser Zahlen ersehen: 1971 nahmen alleine die
Nahrungsmittelausfuhren einen ebensogrossen Umfang (5 Mrd. DM), wie der
Fertigwarenexport 1950! Die Nahrungsmittelexportzahlen von 1986 (27 Mrd. DM)
lassen sich allerdings nicht mehr mir den alten Zahlen vergleichen, weil diese
durch weitreichende Subventionen verzerrt wurden.
Zweifellos ist der Export fuer die deutsche
Wirtschaft ein, wenn nicht sogar der, wichtigste Faktor. Ein Drittel der
industriellen Produktion Deutschlands geht ins Ausland. Das war nicht immer so.
So lag die Exportquote(17) 1914 bei nur 20% 72 Jahre spaeter lag sie (1986) bei
ganzen 40%.
Nur 5% des Aussenhandels der BRD betrug der Handel
mit den Staaten des Ostblocks, zu denen ja auch der oestliche Teil Deutschlands
(DDR) gehoerte. Die DDR gehoerte seit 1950 dem RGW an. Dieser "Ratfuer
gegenseitige Wirtschaftshilfe" verlangte, dass ein Grossteil der fuer den Export
bestimmten Waren aus DDR-Produktion in andere Rwg-laender geliefert werden, im
Gegenzug erhielt man Waren aus diesen Partnerlaendern, so dass ein Handel mit
der BRD fuer ueberfluessig befunden wurde. Ausserdem blieben die Waren aus
Ostdeutschland in Qualitaet und Design weit hinter den Anspruechen im Westen und
fanden nur schwer Absatz. Die Rechtsgrundlage fuer den Innerdeutschen Handel
ware das 1951 abgeschlossene "Berliner Abkommen" (Abkommen ueber den Handel
zwischen den Waehrungsgebieten der Deutschen Mark und den Waehrungsgebieten der
Deutschen Notenbank"). Die DDR behandelte den Innerdeutschen Handel wie den
restlichen Aussenhandel, so wurden die Umsaetze auch in der
Aussenhandelsstatistik einbezogen. Die BRD raeumte dem Innerdeutschen Handel
eine Sonderposition ein, der weder verzollt, noch benachteiligt werden sollten.
So wurden die Agrarerzeugnisse wie Westdeutsche Erzeugnisse mit den
EG-Abschoepfungsbetraegen(18) belegt. Diese Sonderstellung wurde auch von der EG
unterstuetzt, zwar wurde gelegentlich Kritik an dieser Handlungsweise
geaeussert, doch es handelte es sich nur um geringste Anteile. Der Innerdeutsche
Handel wurde nicht in Bargeld abgerechnet, sondern ueber Konten in
"Verrechnungseinheiten" (VE). Eine Verrechnungseinheit war gleich einer DM.
Lieferte jetzt die Bundesrepublik Waren im Wert von einer Millionen VE haette
die DDR ebenfalls Waren im gleichen Wert liefern muessen, doch anfangs zur
Vereinfachung der Handelsbeziehung wurde ein "Swing(19)" von 30 Millionen VE
eingeraeumt. Dieser Swing wurde fast ausschliesslich von der DDR in anspruch
genommen, da sie zu jeder Zeit mehr Waren bezog als lieferte. So wuchs der
Kredit von 30 Millionen VE im Laufe der Zeit auf 850 Millionen
an.
Diagramm [6]:
Entwicklung des Warenverkehrs im
Innerdeutschen Handel 1952-1987
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Zu einer Zusammenarbeit im Rahmen von "Joint
Ventures(20)" konnte sich die DDR Regierung nicht entschliessen, doch es gab die
sogenannte "Gestattungsproduktion", dass heisst, das DDR Firmen Lizenzprodukte
Westdeutscher Betriebe herstellen, die dann unter deren Qualitaetskontrolle im
Westen verkauft wurden. Ein bekanntes Beispiel dafuer ist die Schuhfirma
Salamander.
An zweiter Stelle der Aussenhandelspartner stehen die
Entwicklungslaender, die 1986 13% des Aussenhandels ausmachten. Jedoch weitaus
wichtigster Handelspartner sind die Laender der EG (6); mehr als 50% der Aus-
und Einfuhren gehen und kommen aus diesen Staaten.
Die Europaeischen Gemeinschaften (EG) bestehen aus
der Montanunion (Europaeische Geminschaft fuer Kohle und Stahl EGKS), der
Europaeischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), sowie der europaeischen
Atomgemeinschaft (EURATOM). Sie bilden einen immer wichtiger werdenen Faktor in
der Wirtschaft der Bundesrepublik Deutschland. Die Montanunion wurde am
18.4.1951 von Belgien, den Niederlanden, Frankreich, der Bundesrepublik
Deutschland, Luxemburg und Italien gegruendet, um die Beschaeftigung zu
steigern. Am 1.1.1973 kamen Daenemark, Irland, das Vereinigte Koenigreich von
Grossbritannien und Nordirland, am 1.1.1981 Griechenland, am 1.1.1986 Spanien
und Portugal und jetzt am 1.1.1995 Schweden, Finnland und Oesterreich hinzu. Der
Vertrag verbietet fuer seine Dauer (50 Jahre) den Regierungen der
Mitgliedslaender die Erhebung von Zoellen und die mengenmaessige Beschraenkung
des Warenverkehrs, Massnahmen oder Praktiken mit diskriminierendem Charakter,
die Zahlung von Subventionen und Beihilfen oder die Auferlegung von
Sonderlasten, sowie Praktiken, die auf die Aufteilung oder Ausbeutung des
Marktes abzielen, ohne Genehmigung der Behoerden der EG. Diese Komission trifft
Entscheidungen in den wirtschaftlichen und sozialen Bereichen, die die Kohle-
und Stahlindustrie direkt betreffen. Das sind die Bereiche der Erzeugung, der
Preise, der Wettbewerbspolitik, der Verkehrs- und Handelspolitik, sowie der
Bereich der Investitionen und deren Finanzierung.
Doch einen weitaus groesseren Einfluss hat der
EWG-Vertrag. Seine Ziele lassen sich am besten beschreiben, wie es in der
Praeambel des Vertrages getan wurde: "Seine Majestaet der Koenig der Belgier,
der Praesident der Bundesrepublik Deutschland, der Praesident der Franzoesischen
Republik, der Praesident der Italienischen Republik, Ihre Hoheit die
Grossherzogin von Luxemburg, Ihre Majestaet die Koenigin der Niederlande [Am
1.1.1973 kamen Daenemark, Irland, das Vereinigte Koenigreich von Grossbritannien
und Nordirland, am 1.1.1981 Griechenland, am 1.1.1986 Spanien und Portugal und
jetzt am 1.1.1995 Schweden, Finnland und Oesterreich hinzu.]- in festen Willen,
die Grundlage fuer einen immer engeren Zusammenschluss der europaeischen Voelker
zu schaffen, entschlossen, durch gemeinsames Handeln den wirtschaftlichen und
sozialen Fortschritt der Laender zu sichern..., in dem Vorsatz, die stetige
Verbesserung der Lebens- und Beschaeftigungsbedingungen ihrer Voelker als
wensentliches Ziel anzustreben..., in dem Bestreben, ihre Volkwirtschaften zu
einigen..., in dem Wunsch, durch eine gemeinsame Handelspolitik zur
fortschreitenden Beseitigung der Beschraenkungen im zwischenstaatlichen
Wirtschaftsverkehr beizutragen..., haben beschlossen, eine Europaeische
Wirtschaftsgemeinschaft zu gruenden;..." Das Ziel ist also einen europaeischen
binnenmarktaehnlichen Wirtschaftsraum zu schaffen. Um dies zu erreichen darf es
allerdings keine wirtschaftpolitischen Unvereinbarkeiten geben, doch obwohl der
Handel innerhalb der Gemeinschaft ist expandiert, ist seit der
weltwirtschaftlichen Stagnation in den 70er, ist es schwerer geworden, den
einzelnen Mitgliedstaaten mehr Handlungsfreiheit abzuringen. Da aber den
Behoerden der EG immer mehr Befugnisse eingeraeumt werden laeuft es langfristig
zwangslaeufig auch auf eine politische Union hinaus.
Die EURATOM (Europaeische Atomgemeinschaft) ist
gleichzeitig mit der EWG in Kraft getreten, und ihr gehoeren die gleichen
Staaten an. Sie sorgt fuer die Foerderung der Kernenergieforschung, die
Verbreitung technischer Kentnisse, die Entwicklung von Sicherheitnormen fuer den
Gesundheitsschutz der Bevoelkerung und der Arbeitnehmer, die Foerderung von
Investitionen sowie die Zusammenarbeit mit anderen Laendern. Sie greift also
auch nicht unerheblich in die Wirtschaft der Bundesrepublik Deutschland ein.
Das Geldwesen und das
Bankensystem
Das Kreditgeschaeft, die Vermittlung des
Zahlungsverkehres, die Verwaltung der Einlagen und ihre Anlage sowie sie
Kapitalsammlung und Kapitalleitung waren die wichtigsten Aufgaben der Banken,
die sie nach der Waehrungsreform 1948 wieder wahrnehmen konnten. Das
Geschaeftsvolumen der Banken ist mit der Zeit ebenso angewachsen, wie der Rest,
der Wirtschaft:
Diagramm [7]:
Geschaeftsvolumen der Bankengruppen
in der BRD von 1951 bis 1978 in Mrd. DM
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In dieser Zeitspanne ging der Anteil der Privatbanken
von 37,1% auf 25,1% erheblich zurueck.
Ausserdem kam zu einer Erhoehung des Geldvolumens (12
Mrd. DM Bargeld und Sichteinlagen 1948; 370 Mrd. DM 1986) was eine umfangreiche
potentielle Kaufkraft darstellt.
Die Geldentwertung bis 1978 hatte zu einer
Beeintraechtigung des realen wirtschaftlichen Wachstums, der Realloehne und des
Wohlstandes breiter Bevoelkerungsschichten gefuehrt, sie resultierte aus
mehreren Ursachen: Zum Ersten erhoehten sich zunehmend die Produktionskosten
durch die hoeheren Rohstoff- und Vorproduktkosten und die die Erhoehung der
Loehne, die auf Grund der Steuerprogression nur zum Teil den Arbeitnehmern zu
gute kamen. Damit stieg die Bruttolohnerhoehung schneller als die
Nettolohnvermehrung, das heisst, das die Summe, die die Arbeitnehmer erhielten
prozentual schneller anstieg, als die Summe, die letztendlich nach den
Steuerabzuegen dem Arbeitnehmer zur Verfuegung stand. Zweitens wuchsen durch die
Ausdehnung der Kredite an die oeffentliche Hand die Zinsen und die Geldmenge
uebermaessig an. Drittens fuerhte die angewachsene Geldmenge auch zu einem
Ansteigen der Nachfrage. Da die Inflation in anderen europaeischen Laendern noch
staerker angestiegen war, als in der BRD, war die Nachfrage des Auslandes noch
groesser, so dass das inlaendische Angebot ins Ausland geschickt wurde. In
diesen Faktoren sieht man allgemein auch die Ansatzpunkte zu Begrenzung der
Inflation. Wirtschaftswissenschaftler forderten schon seit den fruehen 60er
Jahren freie Wechselkurse, um ein aussenwirtschaftliches Gleichgewicht zu
erreichen und dann auch auch weiterhin zu erhalten. Ausserdem sollte, und das
wird ja auch schon getan, die Bundesbank durch ihre Kreditpolitik die umlaufende
Geldmenge steuern. Der Staat sollte die Einnahmen und Ausgaben nur sehr langsam
erhoehen, wobei eine weitere Erhoehung der Steuerlastquote und die damit
verbundene Verringerung des Realeinkommens bei den meisten Einkommensbeziehern
sowieso nicht durchsetzbar erschien. Die Loehne sollten nur in Hoehe der
Produktivitaetssteigerung und die Steuerlastquote sogar noch geringer angehoben
werden. Bei dieser Vorgehensweise sollten auch keine Arbeitsplaetze gefaehrdet
werden. Desweiteren wurde gefordert, dass die Gewinne durch Verstaerkung oder
Wiedereinfuehrung des Wettbewerbes verringert werden. Vom Staat wurde ausserdem
eine weitgehende Verringerung der Staatsschuld gefordert. Doch erst 1982
versuchte der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt(21) sie zu begrenzen.
Die Auswirkung der Geldentwertung seit 1949 sind
offensichtlich und nicht eben unbedeutend. Die Lebenshaltungskosten sind von
1949 bis 1986 um 186% gestiegen, was fuer Arbeitnehmer, deren Einkommen nicht in
diesem Umfang gestiegen ist, echte Einbussen bedeutet. Der Wert von
Geldvermoegen in Form von Versicherungsanspruechen, schuldrechtlichen
Forderungen und insbesondere von Rentenpapieren zurueckgegangen ist, waehrend
die meisten Anlagen in Sparguthaben getaetigt wurden, was somit zu einer
wirtschaftlichen Unbeweglichkeit dieser Werte fuehrte. Darueber hinaus musste
man von dem Streben nach Vollbeschaeftigung zu Gunsten einer stabilien Waehrung
absehen. Bei Inflationen werden die niedrigen Lohngruppen und Rentenempfaenger
am schwersten benachteiligt, da diese die Entwertung ihres Geldes als erste
merken. Ihnen steht nur wenig zu Verfuegung und wenn sie davon dann noch weniger
kaufen koennen als noch vor einiger Zeit sind die Auswirkungen bei diesen
Menschen natuerlich elementarer als bei Grossverdienern. Und das sind wieder
Nachteile, die die Sozialpolitik des Staates loesen muss.
Der Staat als Teil der
Wirtschaft
Da der Staat ebenfalls grosse Mengen an Geld bewegt,
kann man ihn als Wirtschaftsfaktor nicht aus der wirtschaftlichen Entwicklung
ausschliessen. Seine Einnahmen bezieht der Staat aus Steuern, die wichtigsten
Steuern sind Einkommen-(22) und Lohnsteuer(23), Umsatzsteuer(24),
Mineraloelsteuer(25), Gewerbesteuer(26), Koerperschaftssteuer(27),
Tabaksteuer(28), Kraftfahrzeugsteuer(29), Vermoegenssteuer(30), Grundsteuer(31),
daneben gibt es noch etwa 30 verschiedene Steuerarten mehr, sowie Zoelle.
Diagramm [8]:
Entwicklung der Steuereinnahmen der
Bundesrepublik Deutschland 1950-1985
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Diese Einnahmen werden auf Bund, Laender (incl.
Hansestaedte und Berlin) und Gemeinden verteilt, 1986 sah die Verteilung wie
folgt aus: Bund-47%, Laender-35%, Gemeinden-14%, und zu verteilen waren in dem
Jahr 427 Mrd. DM. Der prozentuale Anteil an den Einnahmen hat sich seit 1950 nur
unwesentlich veraendert, doch sind den Gemeinden seither zusaetzliche Aufgaben
zugefallen, welche durch die Einnahmen nicht mehr zu decken waren, und folglich
nur mit einer zusaetzlichen Verschuldung zu bewaeltigen waren. So hat sich die
Verschuldung der Gemeinden sowohl absolut als auch relativ staerker erhoeht, als
die von Bund und Laendern. Die Haelfte der Steuereinnahmen des Staates fliessen
in Verteidigung, soziale Sicherung, Schul-, Wohnungs- und Verkehrswesen, die
andere Haelfte kommt sonstigen Zwecken, wie zum Beispiel dem Umweltschutz und
der Forschung zu Gute.
Wenn man sieht, dass der Staat viele Schulden macht,
waehrend die Privatwirtschaft relativ reich ist, darf man nicht aus den Augen
lassen, dass die oeffentlichen Investitionen um 232% zugenommen haben, waehrend
die privaten nur ein Steigerung von 170% verzeichnen koennen. Haben die
Gemeinden anfangs auch oft noch das Geld verschleudert, zum Beispiel fuer mehr
representative als zweckmaessige Bauten, so ist man in den letzten Jahren doch
ein wenig vorsichtiger im Umgang mit dem Geld geworden.
Mitte der 60er Jahre setzte die erste
Wirtschaftsflaute seit Gruendung der Bundesrepublik ein. Ludwig Erhard, nunmehr
Bundeskanzler, versuchte die Wirtschaft allein mit Appellen und gutem Zureden
wieder zu beleben. Erst 1967 schafften es Wirtschaftsminister Karl Schiller
(SPD)(32) und Finanzminister Franz Josef Strauss (CSU)(33), mit dem Nachfolger
Erhards Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger(34) (CDU) durch die Politik der
Globalsteuerung (Deficit-spending) die Konjunktur wieder zu beleben und galten
fortan als Musterbeispiel dafuer, dass man durch erhoehte staatliche Ausgaben
und damit die verbundene Schulden die Konjunktur und die Arbeitslosigkeit in
den Griff bekaeme und nahm diese Erfolge als Rechtfertigung fuer spaetere weit
weniger erfolgreiche Versuche in die gleiche Richtung in den 70er Jahren. Denn
schon 1973 kam es zu einem erneutem Rueckgang der Weltwirtschaft auf Grund der
erhoehten Oelpreise. Ausserdem stieg in dieser Zeit die Arbeitslosigkeit, durch
die zunehmende Automation und die Rationalisierung. So vermochte man die
Situation durch das Deficit-spending nur zu mildern, nicht aber die alten
Verhaeltnisse (Vollbeschaeftigung / geringe Inflation) herzustellen. Doch der
Preis dafuer war eine Verschuldung von 6600 DM pro Einwohner
1980.
In den Anfangsjahren der Bundesrepublik Deutschland
waren die Anteile des Wohnungswesens und der sozialen Sicherung am
Staatshaushalt noch wesentlich groesser (Wohnungswesen 1953:12% - 1984:1,6%),
doch die Gruende hierfuer sind in der allgemeinen Notlage zu suchen. Es musste
natuerlich viel mehr Wohnraum geschaffen werden, da ja durch die Fluechtlinge
und die zerstoerten Wohnungen
ein gewaltiger Bedarf bestand. Ebenso im sozialen
Bereich - fuer die Versorgung der Kriegsbeschaedigten (Grundrente,
Ausgleichsrente, Heilbehandlungen, u.a 1950: 1,5 Mill. DM, 1986: 0,7 Mill. DM)
und die Unterstuetzung der Hinterbliebenen Gefallener (Grundrente,
Einkommensausgleichsrenten 1950: 2,5 Mill. DM, 1986: 0.8 Mill. DM) wurden
insgesamt 260 Mrd. DM eingesetzt. Hinzu kamen Entschaedigungen, die an, die
waehrend des Nationalsozialismus wegen ihrer Rasse, ihres Glaubens oder ihrer
Weltanschauung verfolgt wurden. So kamen 3,45 Mrd. DM dem iraelischen Staat fuer
die Ansiedlung ehemals europaeischer Einwohner als Wiedergutmachungsleistungen
zu. Insgesamt gingen im Rahmen des Bundesentschaedigungsgesetzes von 1956 bis
1986 54 Mrd. DM an die Betroffenen. Zur Finanzierung beschloss man 1952 das
Lastenausgleichsgesetz, welches alle Buerger, deren Besitz den Krieg ueberdauert
hatte, verpflichtete die Haelfte seines Wertes an den Staat
abzufuehren.
Heute ergeben sich fuer den Staat in Folge der
Wiedervereinigung (3.10.1990) neue finanzielle Belastungen, um die
Lebensbedingungen der Menschen und die wirtschaftlichen Verhaeltnisse im Gebiet
der ehemaligen DDR denen der Alt-Bundesrepublik anzugleichen. Grosse Summen sind
aufzubringen, um die Betriebe zu privatisieren, umzu strukturieren und die dabei
arbeitslos gewordenen Menschen zu unterstuetzen. Ausserdem muessen auch wieder
die Verfolgten und Enteigneten entschaedigt werden. Zur Finanzierung werden wir
alle noch etliche Jahre in Form von Steuerzuschlaegen (Soldaritaetszuschlag)
herangezogen werden. Doch aus dieser neuen Herausforderung ergeben sich auch
viele neue Chancen, wie die Oeffnung neuer Maerkte in den Gebieten der
ehemaligen DDR.
Quellen:
Die wirtschaftliche Entwicklung der beiden Staaten in
Deutschland - Tatsachen und Zahlen; Karl C. Thalheim; 3., ueberarbeitete und
ergenzte Auflage; Opladen: Leske und Budrich, 1988; 1988 ISBN
3-8100-0694-7
Die Wirtschafts- und Sozialordnung der Bundesrepublik
Deutschland; Heinz Lampert; 10. ueberarbeitete Auflage; Muenchen; Olzog, 1990;
ISBN 3-7892-7660-X
Das industrialisierte Deutschland 1914-1986;
Friedrich Wilhelm Henning; 6. Auflage Paderborn; Muenchen; Wien; Zuerich;
Schoeningh, 1988; ISBN 3-506-99393-3
Im Kreislauf der Wirtschaft; Herausgeber:
Bundesverband deutscher Banken e. V., Koeln; 9. ueberarbeitete und erweiterte
Ausgabe; Copyright 1991 by Bank-Verlag GmbH, Melatenguertel 113, 5 Koeln 30;
Best. Nr.: 22108
DTV Lexikon in 20 Baenden; Copyright 1982, 1990 by
F.A. Brockhaus GmbH, Mannheim und Deutscher Taschenbuchverlag GmbH & Co. KG,
Muenchen; Mit Genehmigungerarbeitet nach Unterlagen der Lexikon Redaktion d.
Verlages F.A. Brockhaus, Mannheim; ISBN 3-423-05998-2
Familien Lexikon in 5 Baenden; Copyright 1991 by Isis
Verlag AG, Chur/Schweiz; Gesamtherstellung: Isis Verlag AG und Neue Stalling,
Oldenburg
Meyers Grosses Handlexikon: in Farbe/herausgegeben
und bearbeitet von der Lexikonredaktion des Bibliographischen Instituts; 13. neu
bearbeitete Auflage, aktualisierte Ausgabe; Mannheim; Wien; Zuerich;
Bibliographischen Institut 1983 ISBN 3-411-02150-0
Einigkeit und Recht und Freiheit; Herausgegeben von
Th. Stammen; Muenchen 1965
(1) SBZ, Abkz. für Sowjetisch Besetzte Zone
("Ostzone"), das Gebiet der späteren DDR bis zur deren Grndung am
7.10.1949.
(2) Marshall-Plan auch: European Recovery Program ERP
, welches auf Anregung von C. Marshall von den USA zum Wiederaufbau der
europäischen Wirtschaft entwickelt wurde.
[1] Diagramm 1, Quelle: F.-W.Henning, Das
industrialisierte Deutschland 1914 bis 1986; 6. Auflage
(3) Geld, welches auf Girokonten liegt Und jederzeit
abgehoben oder überwiesen werden kann.
(4) Körperschaft, im ”feindlichen Recht
mitgliedschaftlich organisierte, rechtsf“hige mit hoheitlichen Befugnissen
ausgestattete Verb“nde, als Gebietsk”rperschaften (Gemeinden,
Kreise) und Personalk”rperschaften (zum Beispiel Berufsverb“nde, die
Kirchen).
(5) erste Fassung vom 27. Juli 1957
(6) seit M“rz 1948 Direktor fr Wirtschaft des
Vereinigten Wirtschaftsgebietes, ab 1949 Bundesminister fr Wirtschaft der
Bundesrepublik
(7) Wilhelm R”pke, Volkwirtschaftler, seit 1924
Prof. 1929 - 1933 in Marburg nach seiner Amtsenthebung in Istanbul, 1937 - 1966
in Genf. Vertreter des Neoliberalismus sowie der sozialen Marktwirtschaft
(8) Walter Eucken, Volkswirtschaftler, seit 1927
Prof. in Freiburg, Mitbegrnder der Freiburger Schule, trat fr eine Marktordnung
ein, die durch staatliche Marktkonforme Manahmen (z.B. Monopolkontrolle)
gesichert ist.
(9) Heinrich Brning, 1920-1930 Gesch“ftsfhrer
des Christlichen Deutschen Gewerkschaftsbundes, 1924-1933 Mitglied des
Reichstages, Finanzexperte der Zentrumsfraktion und deren Vorsitzender 1929-30
und 1932-1933, Reichskanzler von 1930-1932.
(10) GARIOA = Government Appropriation and Relief for
Import in Occupied Areas, d.h. Deutschland, ™sterreich und
Japan
[2] Diagramm 2, Quelle: F.-W.Henning, Das
industrialisierte Deutschland 1914 bis 1986; 6. Auflage
(11) Produktivit“t=Wertsch”pfung pro
Besch“ftigten
(12) LN = Landwirtschaftliche
Nutzfl“che
[3] Diagramm 3, Quelle: F.-W.Henning, Das
industrialisierte Deutschland 1914 bis 1986; 6. Auflage
(13) EU = Europ“ische Union - seit 1957 EWG
(Europ“ische W“hrungsgemeinschaft), dann EG (Europ“ische
Gemeinschaften) , seit 1994 EU.
(14) Dumping-Preise = knstliche Niedrigpreise, die
nichts mit dem tats“chlichen Marktwert zu tun haben, sondern bestehen,
weil den Erzeugern zum Beispiel ber Subventionen zu viel gezahlt wurde.
[4] Diagramm 4, Quelle: F.-W.Henning, Das
industrialisierte Deutschland 1914 bis 1986; 6. Auflage
[5] Diagramm 5, Quelle: F.-W.Henning, Das
industrialisierte Deutschland 1914 bis 1986; 6. Auflage
(15) Sozialprodukt, Volkswirtschaftslehre und
Statistik: die wirtschaftliche Leistung eines Landes, das heit die Summe aller
von Inl“ndern in einer bestimmten Periode, in der Regel im Jahr, erzeugten
Gter und Dienstleistungen. Dieses Inl“nderprodukt unterscheidet sich vom
Inlandsprodukt (der Summe aller innerhalb der geographischen Granzen eines
Landes erzeugten Gter und Dienstleistungen) durch den Saldo von
Inl“ndereinkommen aus dem Ausland abzglich Ausl“ndereinkommen aus
dem Inland.
(16) international bliche Volumeneinheit zur
Gr”enangabe von Seeschiffen, besonders von Handelsschiffen: 1 Register
Tonne = 100 cubic feet = 2,8316847 m3 . Der Bruttorauminhalt einschlielich der
R“ume fr Antreibsanlagen, Betriebsstoffe, Schiffsfhrung und Unterbringung
der Besatzung wird in Bruttoregistertonne (BRT) angegeben, der gewinnbringende
Raum fr Fahrg“ste und Ladung in Nettoregistertonne (NRT). Die Einhaeit
bleibt dabei die selbe.
(17) Die Exportquote ist der Anteil der Ausfuhren am
Volkseinkommen.
(18) Absch”pfungsbetr“ge sind variable
Abgaben, die in der EG bei der Einfuhr der meisten landwirtschaftlichen
Erzeugnisser erhoben werden, um die Differenz zwischen einem niedrigen
Weltmarktpreis und dem festgesetzten h”heren Inlandspreis
auszugleichen.
(19) Ein "Swing" ist die Bezeichnung fr einen
zinslosen šberziehungskredit.
[6] Diagramm 6, Quelle: Die wirtschaftliche
Entwicklung der beiden Staaten in Deutschland - Tatsachen und Zahlen; Karl C.
Thalheim; 3., berarbeitete und ergenzte Auflage; Opladen: Leske und
Budrich
(20) Joint Ventures, englische Bezeichnung fr
Gemeinschaftsunternehmen; Arbeitsgemeinschaft (Arge).
[7] Diagramm 7, Quelle: F.-W.Henning, Das
industrialisierte Deutschland 1914 bis 1986; 6. Auflage
(21) Helmut Schmidt (SPD), *Hamburg 23.12.1918,
Diplomvolkswirt, 1947-1948 Vorsitzender der SDS, 1953-1962 und 1965-1987 MdB,
1961-1965 Innensenator in Hamburg, entwickelte sich, zun“chst unter F.
Erler, zum milit“rpolitischen Sprecher seiner Partei. 1967-1972
Vorsitzender der SPD Fraktion im Bundestag, 1968 stellvertretender Vorsitzender
der SPD. 1969-1972 Bundesverteidigungsminister. Von Juli bis Dezember 1972 war
er Bundeswirtschafts- und Bundesfinanzminister, 1972-1974 Bundesfinanzminister.
NAch dem Rcktritt Willy Brandts als Bundeskanzler wurde Schmidt 1974 dessen
Nachfolger an der Spitze der SPD/FDP Regierung. Im Anschluan die
Bundestagswahlen von 1976 und 1980 erneut in dieses Amt gew“hlt, bildete
er einer Koalitionsregierung aus SPD und FDP. Die L”sung innenpolitischer,
besonders wirtschafts- und sozialpolitischer Fragen (Abbau der Arbeitslosigkeit,
Wirtschaftsf”rderung, Rentensanierung, Haushaltssanierung) standen im
Vordergrund. Nach dem Austritt der FDP-Minister aus seiner Koalitionsregierung
(am 7.9.1982) wurde er als Regierungschef einer SPD-Minderheits-Regierung am
1.10.1982 durch ein konstruktives Mitrauensvotum gestrzt. Seit 1.5.1983 ist er
Mitherausgeber der "Zeit".
(22) Die Einkommenssteuer ist eine Personensteuer,
bei deren Ermittlung die pers”nliche Leistungsf“higkeit des
Steuerpflichtigen in verschiedener Weise bercksichtigt wird: 1. veranlagte
Einkommenssteuer, 2. Lohnsteuer, 3. Kapitalertragssteuer, 4.
K”rperschaftssteuer
(23) Lohnsteuer, Steuer auf Einkommen aus
nichtselbstst“ndiger Arbeit; erhoben vom Bruttolohn
(24) Umsatzsteuer, Steuer auf Lieferungen und
sonstige Leistungen inl“ndischer Unternehmen, auf den Eigenverbrauch und
auf die Einfuhr, rechtlich geregelt im Umsatzsteuergesetz vom 29.5.1967, das die
alte Bruttoumsatzsteuer durch eine Nettoumsatzsteuer (Mehrwertsteuer) ersetzte;
besteurt wird nicht mehr der Gesamtwert, sondern die
Wertsch”pfung.
(25) Mineral”lsteuer, Steuer auf im Zollinland
gewonnenes oder importiertes Mineral”l; Steuerschuldner ist der Hersteller
bzw. Importeur; Steuerbemessungsgrundlage ist das Eigengewicht des
™ls.
(26) Gewerbesteuer, Steuer auf alle Gewerbebetriebe;
Bemessungsgrundlage sind der Gewerbeertrag, Gewerbekapital und
Lohnsumme.
(27) K”rperschaftssteuer, Einkommenssteuer der
juristischen Personen; ihr unterliegen Kapitalgesellschaften, Erwerbs- und
Wirtschaftsgenossenschaften, Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit und
andere. Fr die Veranlagung und Entrichtung der K”rperschaftssteuer gelten
die gleichen Vorschriften wie fr die Einkommenssteuer der natrlichen
Personen.
(28) Tabaksteuer, Verbrauchsteuer auf Tabakwaren,
durch Steuerzeichen (Banderolensteuer) gekennzeichnet.
(29) Kraftfahrzeugsteuer, eine Verkehrssteuer, die
den L“ndern zufliet. Sie stellt ab auf das Halten eines Kraftfahrzeuges
oder Anh“ngers zum Verkehr auf ”ffentlichen Straen ohne Rcksicht auf
das Ausma der Benutzung der Straen durch das Kraftfahrzeug
(Pauschalbesteuerung). Besteurungsgrundlage ist bei Zwei- und Dreirad
Kraftfahrzeugen in der Regel der Hubraum, bei anderen Fahrzeugen das
h”chstzul“ssige Gesamtgewicht.
(30) Verm”genssteuer, direkte Steuer, welche
die Einkommenssteuer in sofern erg“nzt, als sie das Verm”gen als
Quelle der fundierten Einkommen zus“tzlich belastet, da das Verm”gen
als ein Merkmal besonderer Leistungsf“higkeit und das daraus flieende
Einkommen als besonders mhelos und sicher gilt. Das Aufkommen fliet den
L“ndern zu.
(31) Grundsteuer, Steuer auf landwirtschaftliche,
Wohn- und gewerbliche Zwecken dienlichen Grundstcke; Bemessungsgrundlage ist der
Einheits bzw. Ertragswert.
[8] Diagramm 8, Quelle: F.-W.Henning, Das
industrialisierte Deutschland 1914 bis 1986; 6. Auflage
(32) Karl Schiller, Volkswirtschaftler und Politiker,
*Breslau 24.4.1911 +Dezember 1994; seit 1944 Professor, leitete 1947-1961 das
Institut fr Auenhandel und šberseewirtschaft in Hamburg. Seit 1946 Mitglied
der SPD; 1948-53 Wirtschafts- und Verkehrssenator in Hamburg, 1961-1965
Wirtschaftssenator in Berlin. Im Bundestag (1965-72 MdB.) wirtschaftspolitischer
Sprecher der SPD Fraktion; 1966-1972 war er der Bundeswirtschaftsminister.
Schiller suchte durch die "Konzertierte Aktion" der Sozialpartner zu
f”rdern.
(33) Franz Josef Strau (CSU), * Mnchen 6.9.1915, +
Regensburg 3.10.1988, Lehrer (Altphilologe), 1949-1952 Generalsekret“r,
1952-1961 stellvertretender Vorsitzender, seit 1961 Vorsitzender der CSU,
1949-1978 MdB; 1952-1955 Minister fr Sonderaufgaben, 1955-1956 fr Atomfragen.
Als Verteidigungsminister (1956-62) leitete er die Aufbauphase der Bundeswehr.
Unter dem Vorwurf, im Verlauf der Spielgeldaff“re den Bundestag falsch
unterrichtet zu haben schied Strau 1962 aus der Regierung aus. 1963-1966
Vorsitzender der Landesgruppe der CSU im Bundestag, 196-1969 Finanzminister (mit
Wirtschaftsminister Karl Schiller, SPD; Ausarbeitung des
Stabilit“tsgesetzes). Als 1969 CDU und CSU in die Opposition gingen, trat
Strau als Kritiker der SPD/FDP Regierung hervor. 1971 wurde er
wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU/CSU Fraktion im Bundestag. Im
politischen Kr“ftefeld der Unionsparteien erk“mpfte er der CSU groes
Gewicht. šber Bayern hinaus gewann er Anh“nger seines politischen
Kurses, so da zeitweilig der Gedanke einer bundesweit organisierten CSU oder
einer mit den Unionsparteien koalitionsbereiten Vierten Partei auftauchte. Seit
1978 war Strau Ministerpr“sident von Bayern. Als Kanzlerkandidat der CDU
und CSU konnte er sich bei den Bundestagswahlen 1980 gegen Bundeskanzler Helmut
Schmidt nicht durchsetzen.
(34) Kurt Georg Kiesing, Politiker (CDU), *Ebingen
6.4.1904, +Tbingen 9.3.1988, Rechtsanwalt, 1940-45 wiss. Hilfsarbeiter im
Ausw“rtigen Amt. 1949-58 und 1969-1980 MdB., 1954-58 Vorsitzender des
auenpolitischen Ausschues des Bundestages, 1958-1966 Ministerpr“sident von
Baden-Wrttemberg, 1966-1969 Bundeskanzler der groen Koaltion (CDU/CSU-SPD),
1967-1971 auch Parteivorstand; seit 1971 Ehrenvorsitzender. Besonders nach
seiner Wahl zum Bundeskanzler wurde Kiesinger wegen seiner Mitgliedschaft in der
NSDAP in der ™ffentlichkeit oft angegriffen.
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