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Shakespeare, William: Der widerspenstigen Zähmung
“DER WIDERSPENSTIGEN
ZÄHMUNG”:
Der junge Lucentio, Sohn des reichen Vincentio aus Pisa, ist
mit seinem Diener Tranio nach Padua gekommen, um hier seine Studien aufzunehmen.
Lucentio verliebt sich auf dem ersten Blick in Bianca, die Tochter des alten,
sehr auf einen vermögenden Schwiegersohn bedachten Baptista.
Bianca wird außerdem von zwei Edelleuten aus Padua
umworben, dem schon etwas angegrauten Gremio und dem jungen Hortensio. Baptista
hat sich obendrein in den Kopf gesetzt, Bianca nicht eher zu verheiraten, bis
Katharina, die ältere Tochter, unter die Haube gebracht ist. Vor ihr
fliehen aber alle Männer, da sie ebenso kratzbürstig wie energisch
ist. Auch tyrannisiert sie die jüngere, weichere Schwester, wo immer sie
nur kann.
Lucentio und Hortensio verschaffen sich nun Zutritt in
Baptistas Haus, indem sie sich als Gelehrte und Musiklehrer bei ihm
einführen lassen. Und für Katharina zeigt Petruchio, ein Edelmann aus
Verona, Interesse, dem es geradezu eine Aufgabe ist, "das wilde Kätzchen zu
einen milden Käthchen zu zähmen".
Indem er ihr grundsätzlich noch derber kommt, als sie
sich gibt, und alles, was sie sagt und tut, sofort mit doppelter Münze
zurückzahlt, erzwingt er in stürmischer Werbung binnen kürzester
Frist Heirat mit ihr.
Zu dieser erscheint er nicht nur verspätet, sondern im
ruppigen Aufzuge, reißt seine Braut ohne viel Federlesens mit sich auf
sein Landhaus fort, wo er sie zunächst hungern und nicht einmal zum
Schlafen kommen läßt. Auch am Kleiderputz nimmt er ihr jegliche
Freude, indem er alles schön findet, was sie häßlich findet, und
umgekehrt. Auf diese Weise erreicht er es, daß sie langsam weich wird, ja
daß sie sogar bereit ist, es ihm zu überlassen, zu bestimmen, ob der
Mond oder die Sonne am Himmel stehen, ob der alte Vincentio, der ihnen den Weg
nach Padua begegnet ist, ein alter Mann oder ein junges Mädchen
ist.
Inzwischen hat im Hause Baptistas unter den Freiern um
Biancas Hand der junge Lucentio den Sieg davongetragen. Doch dem Verlöbnis
steht noch die Bedingung des alten Baptistas entgegen, der es urkundlich
verbrieft haben will, daß das Vermögen Lucentios selbst im Falle,
daß er vor seinem Vater
sterben sollte, an die Tochter fällt. Der schlaue
Diener Lucentios, Tranio, der schon die ganze Zeit über geschickt seinen
Herrn vertritt, weiß auch hier Rat. Er schafft einen Magister herbei, der
die Rolle von Lucentios Vater spielen soll. Im entscheidenden Augenblick trifft
aber der alte Lucentio selbst in Padua ein. Doch klärt sich alles zugunsten
Lucentios auf, und Sohn und listige Diener erhalten Verzeihung.
Zum Schluß findet sich alles zum Bankett zusammen, bei
dem nun Bianca und eine Witwe, die Hortensio zum Ersatz für die verlorene
Bianca dient, sich als die "störrischen" Frauen erweisen, während
Katharina, die noch eben als die "widerspenstige" von allen galt, ihren
Geschlechtsgenossinnen mit beredeten Worten zu erklären weiß,
daß der Ehemann "Herr, Erhalter, Licht, Haupt und Fürst" der Frauen
ist, dem sie sich im schuldigen Respekt in allem zu fügen haben.
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