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Mitgutsch, Waltraud Anna: Die Züchtigung
Waltraud Anna Mitgutsch: ,,Die
Züchtigung"
Die Autorin
Waltraud Anna Mitgutsch, geboren am 2. Oktober 1948 in Oberösterreich,
studierte Germanistik und Anglistik in Salzburg. Nach ihrem Studium war sie
einige Zeit Assistentin am Institut für Amerikanistik in Innsbruck. Nach
Aufenthalten in Israel, England und Korea unterrichtete sie von 1979 bis 1985 in
Boston deutsche Sprache und Literatur. Heute lebt sie vorwiegend in
Linz.
Waltraud Anna Mitgutsch wurde mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet,
zuletzt mit dem Anton-Wildgans-Preis.
Das Werk
Der Roman ,,Die Züchtigung" war das erste Buch von Mitgutsch, und es
wurde 1985 publiziert. ,,Die Züchtigung" erregte Aufsehen bei Kritikern,
die ohne Ausnahme die Erzählkunst der neuen Schriftstellerin priesen und
die Sachlichkeit ihrer Sprache lobten, mit der sie das Thema
Kindermißhandlung aufgegriffen hatte. Vor allem die öffentliche
Frauenbewegung hat die Autorin dazu ermutigt, in ihrem Roman die
persönliche Geschichte ihrer Mutter - Tochter Beziehung an die
Öffentlichkeit zu bringen.
Der Inhalt
Im Mittelpunkt der Handlung steht Marie, die als ungeliebtes,
mißhandeltes und ausgebeutetes Bauernkind während des Zweiten
Weltkriegs in einem oberösterreichischen Dorf aufwächst. Sie wird
nur als Arbeitskraft angesehen, kaum als Mensch. Es gelingt ihr, dieser
patriarchalischen Gesellschaft zu entfliehen, indem sie heiratet und mit ihrem
Mann Friedl, einem Arbeiter, in die Stadt zieht, jedoch der soziale Aufstieg aus
der untersten Schicht bleibt ihr trotz allen Anstrengungen verwehrt. Auch
gelingt es ihr nicht, das von Generation zu Generation weitergegebene dumpfe
Lebensgefühl abzulegen, das geprägt ist von Haß, Lieblosigkeit
und Unfreiheit. Marie will, daß ihre Tochter Vera etwas Besseres wird, ein
,,anständiges" Leben führt, das sie aber ihrer Ansicht nach nur dann
erreichen kann, wenn sie mit Hilfe von körperlicher Züchtigung erzogen
wird. Sie gibt die ihr zugefügten körperlichen und seelischen
Schäden an ihren Mann und ihrer Tochter Vera in Form von Gewalt weiter. So
wird auch ihre Tochter unfähig, eine Beziehung aufzubauen.
Die Erzähltechnik
Die Autorin bedient sich einer altbewährten Erzählform, eine
geschlossenen Struktur der Erzählung mit Rahmen- und Binnengeschichte. Der
Rahmen stellt Vera als Ich-Erzählerin vor und bietet ihr den Anlaß,
über ihre längst verstorbene Mutter nachzudenken. Aus der Rahmenzeit
taucht sie in die Erzählzeit der Binnengeschichte ein und rekonstruiert das
Leben ihrer Mutter in einer chronologisch erzählten Biographie, die ihre
eigene Kindheitsgeschichte einschließt.
Die Sprache
Das Werk in einer klaren und unkomplizierten Sprache abgefaßt - sie
ist das Mittel des Ausdrucks, das dem Leser die brutale Erziehung miterleben
läßt.
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