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Grass, Günther: Die Blechtrommel
Intern: Leseliste: Die
Blechtrommel
Aufbau
Grass` Roman "Die Blechtrommel" handelt von dem seit Beginn seines vierten
Lebensjahres an bis zu seinem 22. Lebensjahr zwergwüchsigen Oskar
Matzerath. Dieser 1924 in Danzig geborene Junge stürzt sich an seinem 3.
Geburtstag in den Keller hinunter um nicht weiter wachsen zu
müssen.
Es wird in diesem Roman die Lebensgeschichte des Jungen unter den
Einflüssen des Nationalsozialismus und des 2. Weltkrieges beschrieben. Es
folgt die Nachkriegszeit, wo Oskar im Endeffekt in einer Irrenanstalt
landet.
Der Roman "Die Blechtrommel" ist aufgebaut aus drei Büchern. Das erste
Buch beschreibt die Zeit vor dem 2. Weltkrieg, das zweite Buch die Zeit
während des 2. Weltkrieges und das dritte Buch die Zeit nach dem 2.
Weltkrieg in Westdeutschland. Jedes dieser Bücher ist dann noch einmal
untergliedert in kleinere mit Überschriften benannte Kapitel.
Zu beachten ist beim Aufbau dieses Werkes des weiteren der chronologische
Ablauf der Erzählhandlungen. Oskar Matzerath wurde 1924 geboren und hat
1927 willentlich sein Wachstum eingestellt. Im Nachkriegsdeutschland hat ihn
eine Irrenanstalt aufgenommen, in welcher er im Verlauf zweier Jahre, 1952 bis
1954, seine Autobiographie schreibt. Demgemäß unterscheidet man zwei
Romanebenen, die Erzählzeit, welche die genannten beiden Jahre umspannt und
die Zeit von der erzählt wird, nämlich die Jahre 1899 bis 1954. Davon
zusätzlich ist noch die eigentliche Erzählebene zu
unterscheiden.
Zur Erzählform des Buches sei noch zu bemerken, daß Oskar von
sich sowohl in der ersten als auch in der dritten Person erzählt. Die
Übergänge sind fließend und ein Wechsel findet manchmal
innerhalb des selben Satzes statt. Bei der Person Oskar Matzerath, handelt es
sich um einen Ich - Erzähler mit auktorialen Zügen. Nachzuweisen ist
dies unter anderem auf Seite 241 wo Oskar berichtet: "Niemand hätte vom
Strand aus sehen können, wie Greff das Fahrrad ablegte [...] Fragen sie
mich bitte nicht, woher ich das weiß, Oskar wußte damals so ziemlich
alles [...]"
Das erste Buch
Das erste Buch der Blechtrommel beginnt mit einer Selbstvorstellung Oskar
Matzeraths. Dieser Insasse einer Heil - und Pflegeanstalt, wie später
erwähnt wird, befindet sich diese in Altena im Sauerland, erzählt
seine eigene Biographie von seiner Geburt 1924 in Danzig bis in die Zeit des
westlichen Nachkriegsdeutschland. Oskar bzw. der Roman beginnt , nachdem er dem
Leser noch kurz seine Situation und seinen Pfleger vorstellt, jedoch mit einer
Abhandlung über seine Vorfahren. In den mit den Überschriften "Der
weite Rock" und "Unterm Floß" erzählt er von seinen mütterlichen
Großeltern und der Heirat seiner Eltern. Es folgt die Beschreibung von
Oskars Geburt. Anschließend wird dargestellt wie Oskar sich an seinem
dritten Geburtstag die Kellertreppe herunterstürzt. Dies wird als Grund
für die Einstellung seines Wachstums angesehen.
Oskar bekommt wie bei seiner Geburt von der Mutter versprochen an seinem 3.
Geburtstag die Blechtrommel. Er lernt trommeln und zieht des öfteren
trommelnd durch die Stadt.
Er ist nicht bereit seine Blechtrommel auch nur für einen Moment
wegzugeben. Auch ist Oskar in der Lage mit seiner schrillen Stimme Glas zu
zerschreien. Oskar sorgt durch sein Trommeln bei verschiedenen Veranstaltungen
und Anlässen, so beispielsweise auch bei einer Kundgebung der
Nationalsozialisten, für Verwirrung und richtet mit seiner Stimme auch
allerlei Zerstörung an. Oskars Mutter stirbt und wird beerdigt. Im Herbst
1937 lernt Oskar den Meister Bebra, welchen er früher im Zirkus schon
einmal gesehen hat, und Roswitha Raguna kennen, die beide ebenfalls
kleinwüchsig sind. Außerdem befreundet er sich in dieser Zeit mit dem
Kellner Herbert Truczinski. Im Jahre 1938 wird der Laden in welchem Oskar seine
weiß - rot lackierte Blechtrommel gekauft hat und welcher einem Mann
namens Sigismund Markus’ , einem Juden, gehört von den
Nationalsozialisten zerstört.
Das zweite Buch
Das zweite Buch beginnt mit den ersten Kampfhandlungen in Danzig, kurz vor
dem eigentlichen Ausbruch des zweiten Weltkrieges.
Im August 1939 versetzt der Hausmeister Kobyella die Polnische Post in
Danzig in den Verteidigungszustand.
Es folgen Kämpfe um das Gebäude der Polnischen Post. Jan Bronski,
Oskars Onkel, welchen Oskar aber als seinen wahren Vater ansieht, und der
Hausmeister Kobyella verteidigen die Post, welche die Heimwehr stürmen
will.
Das Gebäude der Polnischen Post fällt, der Hausmeister stirbt.
Jan Bronski, wie gesagt Oskars mutmaßlicher Vater wird wegen
Freischerlerei erschossen.
Am ersten September, also genau zum Zeitpunkt des Beginn des 2. Weltkrieges
gesteht sich Oskar ein, daß seine Trommel, nein sogar er selbst, der
Trommler, erst seine Mutter und dann seinen "Onkel und Vater" (S.288) ins Grab
gebracht hat.
Denn er, Oskar, hatte den Männern von der Heimwehr in einer Art
"Judasschauspiel" erzählt, daß ihn Jan Bronski mit in die Post
geschleppt hätte um ihn als Kugelfang zu benutzen. Er wurde dafür
"getätschelt und gerettet" sein Onkel aber grausam getreten und behandelt
und im Endeffekt, zwar nicht aus diesem direkten Grund, sondern eben wegen
Freischerlerei erschossen wurde.
Ende 1939 taucht Maria, die jüngste Schwester von Oskars Freund
Herbert, dem Kellner, im Geschäft des Vaters auf. Denn Oskar war zu klein
und außerdem auch nicht gewillt hinter dem Ladentisch im Geschäft zu
stehen. Diese Maria wird zu Oskars erster richtiger Liebe. Bei einem Badetag an
der Ostsee kommt es zu ersten seltsam anmutenden amurösen Szenen.
Anfang November 1940 besteht kein Zweifel mehr; Maria ist schwanger. Oskar,
so meint er wäre der Vater, doch entdeckt er ein Zusammensein von seinem
angeblichen Vater mit ihr. Dieser heiratet Maria dann auch, doch Oskar bleibt
auch weiterhin davon überzeugt, daß es sein Kind sei. Oskar versucht
vergeblich Maria zu überreden das Kind abzutreiben. Doch vergeblich, am 12.
Juni 1941 wird sein Kurt, so hatte ihn Herr Matzerath, sein angeblicher Vater,
genannt, geboren.
Zu seinem dritten Geburtstag so verspricht es Oskar soll auch er von ihm
eine Blechtrommel bekommen. An Kurts zweitem Geburtstag weilt Oskar nicht in
Danzig - Langfuhr, sondern in Metz. Denn er trifft vor einer Danziger Schule,
einer derzeitigen Luftwaffenkaserne seinen alten Freund Bebra. Gemeinsam mit ihm
und Roswitha geht er an die Westfront um dort Fronttheater zu spielen. So kommt
er unterem anderem auch nach Paris, wo er Arm in Arm mit Roswitha durch die
Stadt spazieren geht. Auch hat er hier Auftritte vor verwöhnten deutschen
Wehrmachtsangehörigen und er zersingt seine Gläser sogar nach einer
kunsthistorisch chronologischen Folge. Oskar hatte zwar seine Lieben daheim
nicht vergessen, doch er schickte auch keine Nachricht. Er bot ihnen einfach die
Möglichkeit ein Jahr ohne ihn zu leben. Im April 1944 ziehen sie mit ihrem
Fronttheater an den Atlantikwall um dort Aufführungen zu geben. Roswitha
stirbt beim Angriff der alliierten Truppen während sie versucht einen
Becher Kaffee aus der Feldküche zu holen. Bebra und Oskar kehren nach
Berlin zurück, wo sie sich trennen und Oskar trifft einen Tag vor Kurts
Geburtstag in seiner immer noch unversehrten Heimatstadt Danzig ein. Die
Begrüßung seines Vaters bei seiner Heimkehr ist so herzlich,
daß sich Oskar von jenem Tage an "nicht nur [...] Oskar Bronski, sondern
auch Oskar Matzerath nannte [...]". Oskar schenkt seinem Sohn Kurt eine Trommel,
welche dieser jedoch nicht annimmt und zugleich zu Schrott zerschlägt.
Oskar wird Anführer einer Jugendbande namens die Stäuber. Es folgen
Brand und Zerstörung Danzigs durch die Russen. Oskar bringt Herrn
Matzerath, welchen er inzwischen als seinen richtigen Vater ansieht, um. Er
steckt ihm beim Eindringen der Russen sein Parteiabzeichen mit geöffneter
Anstecknadel zu, welches dieser dann verschluckt und daran stirbt. Es folgt
seine Beerdigung. Oskar gesteht sich ein, daß er es satt hatte sein Leben
lang einen Vater mit sich herumschleppen zu müssen.
Oskar schmeisst seine Trommel in das offene Grab seines Vaters und
beschließt zu wachsen. Als er dann von seinem Sohn Kurt mit einem
Kieselstein am Hinterkopf getroffen wird fällt er ins Grab und beginnt zu
wachsen. Mit einem Alter von 21 Jahren beginnt er nun wieder an Größe
zuzunehmen.
Oskar wird krank. Die herbeigerufene Ärztin rät Oskar und seinen
Angehören in Richtung Westen "weg[zu]kommen" (S.489). So fahren sie dann
auch mit einem Güterzug Richtung Westen.
Hier findet ein Wechsel des Erzählstils statt. Da Oskar, wie es
geschrieben steht, aufgrund seiner geschwollenen Finger schlecht schreiben kann,
bittet er seinen Pfleger Bruno Münsterberg dies zu tun. So erfolgt eine
Umänderung des autobiographischen Stils in eine Erzählform der 3.
Person. Auch wenn Oskar in seiner Biographie teilweise ebenfalls über sich
selbst in der 3. Person schreibt, so stellt der Pfleger Oskars Situation
objektiver dar und vermittelt dem Leser ein anschaulicheres Bild über ihn.
Oskar, Maria und Kurt fahren mit diesem Zug lange Zeit Richtung
Westen.
Denn des öfteren wird der Zug von ehemaligen Partisanen oder
polnischen Jugendbanden angehalten und ausgeraubt. Auch den Rucksack von Maria
wollte eine solche Bande mitnehmen, als sie aber das Fotoalbum, welches Oskar
noch schnell herausgezogen hatte sahen, ließen sie den Rucksack fallen und
nahmen das Gepäck anderer Reisender und verschwanden.
Auch, so meint Oskar, hat das ständige Rütteln und
‘Schütteln während der Eisenbahnfahrt sein Wachstum
gefördert. Er meint er sei während der Fahrt um etwa zehn Zentimeter
gewachsen , doch leider hat sich das Ausbilden eines Buckels nicht verhindern
lassen.
Oskar wird in Lüneburg in ein Krankenhaus eingeliefert, wird aber bald
darauf nach Hannover überwiesen. Frau Maria sieht Oskar für lange Zeit
nicht, denn diese wohnt weit entfernt, da es in der Nähe der Klinik keinen
Wohnraum gibt.
Später findet sie eine Stelle als Putzfrau in der Klinik, muss aber
jeden Tag drei Stunden zur Arbeit fahren. So stimmen die Ärzte einer
Verlegung nach Düsseldorf zu, wo Maria eine Wohnberechtigung erhalten hat.
Denn dort hat ihre Schwester eine Wohnung, in welcher sie ein Zimmer abgibt. In
der Düsseldorfer Klinik liegt Oskar von August 1945 bis Mai 1946. Dann wird
er noch einmal von seinem auch dortigen Pfleger Münsterberg gemessen und
verlaßt mit 1.23 m die Klinik.
Somit kann er nun ein neues erwachsenes Leben beginnen.
Das dritte Buch
Das dritte Buch beginnt damit, dass Maria sich mit Schwarzhandel den
Lebensunterhalt verdient. Oskar tritt im Frühjahr 1947 als Praktikant in
eine Steinmetzerei ein.
Im Jahre 1948 macht er Maria einen Heiratsantrag, welchen diese jedoch
ablehnt.
Oskar gibt seine Stelle bei der Steinmetzerei auf und geht in die Kunst. Er
hat seine Absicht aufgegeben ein guter Biedermannn zu werden.
Oskar stellt sich als Modell, allerdings auch als Aktmodell den Professoren
und Schülern der Kunstakademie zur Verfügung. Dies tut er dann auch
gemeinsam mit der ehemaligen Schneiderin Ulla. Ein daraus entstehendes Aktbild
sieht Maria.
Sie ist enttäuscht über ihn. Sie überredet ihn die
gemeinsame Wohngemeinschaft zu kündigen und ein Zimmer in der Nähe zu
nehmen. Er zieht bei Familie Zeidler als Untermieter ein. Ein anderer
Untermieter bei Zeidlers ist die Schwester Dorothea, welche Oskar ganz genau
inspiziert, insbesondere etwas eifersüchtig die Briefe, welche sie von
einem gewissen Doktor Weber, Arzt im Marienhospital, empfängt.
Gemeinsam mit einem weiteren Untermieter Zeidlers, namens Münzer, von
Oskar jedoch Klepp genannt, und einem Gitarristen namens Scholle gründet
Oskar eine Kapelle. Die drei treten im "Zwiebelkeller" des Gastwirtes Schmuh
auf. Oskar trommelt die Gäste dort zur Tür heraus. Schmuh stellt einen
Stehgeiger an, holt die drei dann aber doch wieder zurück, weil sonst die
besten Gäste fernzubleiben drohen. Her Schmuh verunglückt tödlich
und ein ehemaliger Gast Dr. Dösch, welcher eine Konzertagentur leitet einen
lukrativen Vertrag an. Vor dem Beginn des Vertrages will Oskar jedoch noch eine
Reise in die Normandie, wo er im 2. Weltkrieg mit dem Frontheater war,
machen.
Dann begibt sich Oskar zur Konzertagentur West, wo Dr. Dösch ihn mit
offenen Armen empfängt. Dösch meldet Oskar beim Chef an. Zu seiner
Überraschung findet er hinter dem großen Schreibtisch seinen noch
lebenden Freund Meister Bebra in einem Rollstuhl. Meister Bebra stellt Oskar
erst einmal ein wenig über seine Vergangenheit und seine begangenen
direkten oder indirekten Morde zur Rede. Oskar unterschreibt hier einen
Arbeitsvertrag für Konzerttourneen, welchen er aber erst, nachdem er ihn
unterschrieben hat, zu lesen bekommt. Schlimmes hatte Oskar befürchtet,
aber nichts dergleichen enthielt dieser Vertrag. Oskar wird durch seine Tourneen
ein reicher Mann.
Als er von einer Tournee zurückkommt ist Meister Bebra tot. Um ihn
trauernd leiht sich Oskar einen Rottweiler mit dem er einsame Spaziergänge
macht.
Eines Tages stöbert der Hund einen weiblichen beringten Finger in
einem Feld auf.
An dem Ring ist ein Edelstein .Oskar steckt den Finger samt Ring ein. Dies
hat ein Mann, namens Gottfried von Vittlar aus seinem Schrebergarten
beobachtet.
Der Mann, den Oskar sogar als einen Freund betrachtet, zeigte ihn damals
bei der Polizei an. Dieser hatte ihn jetzt gerade wieder einmal in der
Heilanstalt besucht.
Als Vittlar Oskar damals zu Hause besuchte hatte Oskar den Finger in einem
Weckglas aufbewahrt und dieses angebetet. Vittlar hatte die Worte genau notiert,
denn die Angaben über die Besitzerin des Ringfingers glichen denen
über die ermordete Dorothea Oskar fordert Vittlar später auch auf
Anzeige zu erstatten, er selber flieht dann aber erst einmal noch.
Damit endet die zweite, die innere Romanebene und Grass kehrt auf die
äußere Roman ebene, die Erzählzeitebene, zurück. Oskar
schreibt, daß er als er damals floh 28 Jahre alt war und heute gerade
seien 30. Geburtstag begeht. Es erscheint gerade heute an seinem 30. Geburtstag
sein Anwalt mit der Meldung, daß man eine neue Spur in dem Ringfinger -
Prozeß gefunden hat und dieser wieder neu aufgerollt wird.
Eine gewisse Schwester Beate soll aus Eifersuchtsgründen Schwester
Dorothea aufgrund des Dr. Werners getötet haben. Oskar wurde damals
aufgrund des Feldes für schuldig befunden, jedoch nicht für voll
genommen und in die Heilanstalt eingeliefert.
Interpretation
Der Roman "Die Blechtrommel" besitzt einen großen zeithistorischen
Gehalt, der "mithin schon äußerlich an der formalen und
chronologischen Gliederung des Werkes sichtbar wird. Denn der Krieg als
Geschichtsperiode bildet nach Aufbau und Thematik dieses Werkes genau die
Romanmitte. Die "Blechtrommel" ist zwar auch ein politisches und geschichtliches
Buch, doch in erster Hinsicht ist und bleibt es die Wiedergabe von Oskar
Matzeraths Lebenslauf in welchem sich die Geschehnisse seiner Zeit
widerspiegeln. Günter Grass enthält sich in seinem Werk auch einer
direkten Beschreibung der Kriegsereignisse und der politischen Vorgänge. Er
läßt die Geschehnisse Gestalt gewinnen indem er sie in Bezug auf die
Romanfiguren widerspiegelt. So ist Oskar beispielsweise mit Aufmärschen
oder Versammlungen der Nationalsozialisten beziehungsweise Hitlerjugend mit
seiner Trommel zugegen oder es ist in Bezug auf die Störtebeckerbande von
BdM-Führerinnen die Rede.
Günter Grass umgeht es in diesem Roman auch eine ständige
Anprangerung des Nationalsozialismus und des Krieges vorzunehmen. Er kritisiert
zwar die Zeit der Nationalsozialisten, jedoch findet sich in diesem Werk keine
Spur von Haß auf das Regime.
Grass zeigt alle Situationen aus des zumindest in dieser Hinsicht ganz
normalem Kleinbürgers Oskar Matzerath. Es mag sein, daß Günter
Grass diesen Roman auch geschrieben hat um dem Verdrängungsprozeß der
Geschehnisse des zweiten Weltkrieges mit seinen Mitteln entgegenzuwirken. Denn
auch sein Romanheld Oskar Matzerath gibt zu, dass er versucht bestimmte
Geschehnisse, wie zum Beispiel den Mord an Jan Bronski, weitestgehend aus seinen
Gedanken zu verdrängen beziehungsweise wie er selber bezeichnend sagt
"auszuradieren".
Geschichtliche Bezüge
Der erste Hinweis auf den zeitgeschichtlichen Hintergrund des Werkes findet
sich in dem Kapitel "Falter und Glühbirne", wo geschrieben steht "Der Krieg
[,hiermit ist der 1. Weltkrieg gemeint,] hatte sich verausgabt. Man bastelte,
Anlaß zu ferneren Kriegen gebend, Friedensverträge". "Das Gebiet ...
[um Danzig] ... wurde zum Freien Staat erklärt und dem Völkerbund
unterstellt" (S.40/41). Die sich wieder zunehmend mit Spannung füllende
Verhältnis zwischen Deutschen und Polen wird anhand einer Schlägerei
zwischen dem Polen Stephan, der Sohn des Cousin von Oskars Mutter, Jan Bronski,
und einem deutschen Jungen dargestellt. Wie an dieser Stelle so sind auch an
vielen anderen Stellen des Werkes die Zeitereignisse eng mit der Romanhandlung
verknüpft. Es wird beispielsweise erzählt, daß sich Vater
Matzerath seit dem Tode der Mutter nur noch für seinen "Parteikram"
interessiert. Auch werden seine Sammlungen für das Winterhilfswerk, eine
Organisation zur Stärkung der Kampfmoral der Soldaten während der
Kriegsjahre, erwähnt an welchen sich Oskar auch selber einmal beteiligt.
Die Judenprogrome werden anhand der Ermordung des Spielwarenhändlers
Sigismund Markus’, wo Oskar regelmäßig seine Trommeln zu kaufen
pflegte, und der Zerstörung seines Ladens dargestellt.
Die ersten Kriegsereignisse kurz vor dem eigentlichen Ausbruch des 2.
Weltkrieges in Danzig werden aus der Sicht Oskars, welcher mit seinem "Onkel"
und mutmaßlichen Vater in die Polnische Post gekommen ist, dargestellt.
Diese wird von der Heimwehr angegriffen und eingenommen.
Weitere Kriegsereignisse werden in Form von Sondermeldungen, welche Oskar
im Radio hört, dargestellt. Die Siegesmeldungen, welche in Danzig aus den
Lautsprechern klingen, werden durch Oskars Trommeln begleitet und fließen
somit in die Romanhandlung ein. Die Ereignisse in Stalingrad und der Niedergang
Rommels in Nordafrika werden in Verbindung mit Ereignissen in Oskars Familie
dargestellt. So heißt es, in Bezug auf Stalingrad, daß Oskar sich
"aber weniger um die sechste Armee...", als, "vielmehr um Maria[s]..." Grippe
sorgte (S.376). Das Ende von Rommels Afrikakorps wird mit dem Ende von Kurtchens
Keuchhusten verglichen.
Aktiv am Kriegsgeschehen nimmt Oskar während seiner Zeit in Bebras
Fronttheater teil, wo er mit einer Propagandakompanie nach Frankreich geht.
Oskar Matzerath erlebt den Westwall, den Atlantikwall und die Invasion der
Alliierten. Das Leid und der Tod hierbei werden am Beispiel des Tods Roswithas
erwähnt. Es folgen Bombenangriffe und schließlich erlebt Oskar die
Zerstörung seiner Heimatstadt Danzig. Er sieht den Brand und die
Vernichtung der Stadt allerdings nur weil er auf dem Dachboden seine Trommel ,
seinen Rasputin und Goethe und einen Falter von Roswitha gelagert hat, welche er
unbedingt in Sicherheit bringen will.
Auch an Hand dieses Beispiels werden Leid und Zerstörung
gezeigt.
Das Ende der Nationalsozialistischen Partei (Deutschlands) wird am
Ersticken des Vaters Matzerath an seinem Parteiabzeichen dargestellt, welches
Oskar ihm beim Eindringen der Russen mit geöffneter Anstecknadel zugesteckt
hat. Gleichzeitig wird er auch noch von einem russischen bzw. sowjetischen
Soldaten erschossen.
Mit dieser Szene, "welche eine geniale Erfindung des Romanautors
[Günter Grass] ist" (S.52, Quelle 4) wird das Ende des Dritten Reiches auf
sehr anschauliche Weise dargestellt.
Etwas ausführlicher wird die Vertreibung der Deutschen aus Danzig und
den anderen Ostgebieten am Beispiel der Matzeraths dargestellt. Es folgt dann
die Darstellung der Schwierigkeiten, welchen diese Leute gegenüberstanden
und wie sie versuchen mußten in der neuen Heimat Fuß zu
fassen.
Weitere Fakten, welche allerdings nicht jedem Leser im ersten Moment
auffallen dürften, die einen historischen Bezug besitzen findet man in den
einzelnen Textabschnitten wieder.
So deutet beispielsweise Oskars permanentes Trommeln sicherlich auf die die
gesamte Zeitsituation beherrschende Aggressivität hin. Das Trommeln
signalisiert das kriegerische Tun und die militärische Disziplinierung die
seinerzeit herrschten. Es stellt einen Kontakt zu den zerstörerischen
Strebungen der nationalsozialistischen Zeit her. Ähnliches läßt
sich von Oskars Fähigkeit mit seiner Stimme Glas zu zerschreien
feststellen. Ab Ende 1932, aus Anlaß des Zerschreiens der Scheiben im
Foyer des Danziger Stadttheater, wird Oskar, welcher "bislang nur aus zwingenden
Gründen geschrien hatte"(S.115) an diesem Punkt "zu einem Schreier ohne
Grund und Zwang" (S.115). Im historischen Bezug gesehen, bedeutet dies wohl,
daß mit der nahe bevorstehenden Machtergreifung der Nationalsozialisten
die Aggressionen wieder zunehmen. Desweiteren mag das Zerscherben von Glas auf
die durch den Krieg hervorgerufene Beschädigung von militärischen und
zivilen Objekten hindeuten. Auch stellt Grass zwischen der schrillen und
zerstörerischen Stimme seiner Hauptperson und den Kriegswaffen eine
Verbindung her, indem er sie mit dem "Nazi - Terminus ,Wunderwaffe’"
benennt.
Weiterhin ist interessant festzustellen das sich Oskar genau am 01.
September 1939 seine große Schuld eingesteht seine Mutter und seinen
"Onkel und Vater" (S.288) ins Grab gebracht zu haben. Dabei sind Parallelen von
der Individualperson Oskar zum gesamten deutschen Volk sichtbar, welches genau
an diesem Tage erkannt haben dürfte, wohin es Hitler und seine Partei mit
seiner Unterstützung gebracht hat.
Wichtig zu bemerken sei auch , daß Oskar genau zum Zeitpunkt der
deutschen Kapitulation und des Kriegsendes, nämlich im "Mai 1945" sein
Wachstum wieder aufnimmt und somit versucht einem normalen Leben
entgegenzuwachsen.
Eine Quelle sieht in Oskar Matzerath auch eine direkte Verbindung zu der
Figur Adolf Hitlers. Denn auch Adolf Hitler stammte aus einem
kleinbürgerlichen Milieu und lehnte sich genauso wie Oskar Matzerath mit
vehementen Protest gegen die materielle Enge des Sozialmilieus und gegen die
väterliche Autorität auf. Weiterhin erinnern an Hitler, die
öfters beschriebene Blauäugigkeit Oskars und sein "weltumfassendes
Halbwissen".
Auch wurde Hitler vor allem in politischen Auseinandersetzungen
während der letzten Jahre der Weimarer Republik des öfteren als
"Trommler" tituliert und dargestellt.
Biographische Bezüge
In dem Werk "Die Blechtrommel" und in der Person Oskar Matzerath sind aber
auch viele Bezugspunkte zu Günter Grass` Leben enthalten. Es spiegeln sich
sogar einige Elemente aus Grass` Biographie in Oskar Matzeraths Lebenslauf
wider.
Günter Grass lässt seinen Helden an vielen Schauplätzen und
Orten an denen er selber aufgewachsen ist leben und handeln. So sind einige
Lebensabschnitte dieser beiden Personen sicherlich von Günter Grass nicht
nur rein zufällig gleich oder ähnlich gewählt worden. Zum einen
dürfte Grass durch das Kennen der Schauplätze an denen er die Handlung
des Buches stattfinden lässt, tatsächlich geschehene Ereignisse
leichter mit einfließen haben lassen können und zum anderen kann er
die Situation seines Heldens selbst nachempfinden, da auch er sie als Kind
beziehungsweise Jugendlicher so erlebt hat. Sowohl Günter Grass als auch
sein Romanheld Oskar Matzerath wachsen in dem Danziger Stadtteil Langfuhr in den
späten zwanziger Jahre auf und verbringen dort ihre Kindheit und frühe
Jugend. Auch ist Grass` Romanheld, genau wie er selbst, der Sohn eines kleinen
Kolonialwarenhändlers und es existieren auch in seiner Familie mehrere
Nationalitäten. Grass selbst, so sagt er selber, verfügte als Kind,
genau wie sein Romanheld Oskar, über eine sehr genaue Beobachtungsgabe.
Eine Gemeinsamkeit existiert auch zwischen Oskars "Onkel" Jan Bronski und Grass`
Onkel Franz. Denn auch dieser war Angestellter der Polnischen Post und war bei
der Kapitulation der Verteidiger tatsächlich von der Heimwehr erschossen
worden.
Günter Grass musste, wenn auch unter anderem Umständen seine
Heimatstadt Danzig verlassen und gelangte nach dem Krieg nach Westdeutschland.
Die Flucht aus Danzig mit all ihren Strapazen und Schwierigkeiten dürfte
Grass aber von seinen Verwandten so übermittelt bekommen haben. Grass
lernte in Westdeutschland unter anderem die Romanschauplätze Hannover und
Düsseldorf in der Nachkriegszeit kennen.
Er machte genau wie sein Romanheld Oskar eine Steinmetzlehre und kam
später, zwar nicht als Modell, sondern als Student ebenfalls an die
Kunstakademie in Düsseldorf.
Außerdem war er nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft in
Köln, genauso wie die Romanfigur Maria in Düsseldorf, an kleineren
Schwarzmarktgeschäften beteiligt.
Genaue Orts- und Situationsbeschreibungen, wie beispielsweise die
Beschreibung des Stadtteils Danzig-Langfuhr, des Danziger Brandes, den Grass
ebenfalls so von seinen Angehörigen geschildert bekommen haben dürfte,
und die Beschreibung der örtlichen Gegebenheiten in Düsseldorf sind
Grass durch das persönliche Kennen und Erleben möglich gemacht
worden.
Ebenfalls fließen tatsächlich in Günter Grass’ Leben
vorhandene Orte in die Romanhandlung mit ein. So dient zum Beispiel das
Düsseldorfer Jazzlokal Dixieland in dem Günter Grass abends mit
Freunden musizierte als Vorbild für den "Zwiebelkeller" in der
Blechtrommel.
Entstehung
Die Blechtrommel entstand in den Jahren 1956 bis 1959 in einem kleinem
Pavillon in einem Pariser Hinterhof, wo Günter Grass damals mit seiner Frau
Anna lebte. Seinen Ursprung hat der Blechtrommler in der Figur eines
Säulenheiligen gehabt. Diesen hatte Günter Grass im Jahre 1952,
während einer Reise durch Frankreich auf der er ununterbrochen schrieb,
kreiert. Einer anderen Quelle zufolge, wo Grass aus einem Interview zitiert
wird, ist der Gedichtzyklus "Der Säulenheilige" allerdings schon
während der Zeit von Grass` Autostop-Reisen in den Jahren 1950/51
entstanden.
Das Gedicht "Der Säulenheilige", das nur noch in Bruchstücken
erhalten ist und nie veröffentlicht wurde birgt die Keimzelle des Romans
"Die Blechtrommel".
Das Gedicht wurde von Grass verworfen, aber die Figur des
Säulenheiligen und die entrückte Perspektive blieben
interessant.
Die Perspektive des Säulenheiligen wurde für die Figur des
allwissenden Zwerges Oskar Matzerath im Grunde genommen noch ausgebaut. Die
Einsamkeit des Säulenheiligen ist verbunden mit Oskars Angst und seiner
Sehnsucht nach Rückkehr in den Mutterleib. Zwar hat der Autor die
Säule und mit ihr den erhöhten Standpunkt seiner Hauptperson
aufgegeben, er bleibt aber von der ihn umgebenden Gesellschaft deutlich
abgehoben. Im Spätsommer 1952 trat die Person des Oskar Matzeraths
tatsächlich ins Leben Grass`. Bei der Rückkehr von einer Reise aus
Südfrankreich über die Schweiz sah er bei einer Kaffeetafel einen
dreijährigen Jungen mit einer Blechtrommel. Günter Grass fiel an
diesem Jungen die "selbstverlorene Vergessenheit [...] an sein Instrument" auf
und wie dieser gleichzeitig die "Erwachsenenwelt", die nachmittäglich
plaudernde Kaffeewelt, ignorierte. Für drei Jahre blieb diese "Findung"
vergessen bis dieser Junge 1956 aus Grass` Erinnerung wieder auftauchte und er
mit seiner Arbeit an dem Roman, den er seiner Frau Anna gewidmet hatte,
begann.
Rezeption
"Die Blechtrommel", wie auch nach ihr noch die "Hundejahre" und vor kurzem
gerade erst "Ein weites Feld" wurde in der Literaturkritk sehr unterschiedlich
aufgefasst.
Es gab als Reaktion auf dieses Werk "Schreie der Freude" und "Hymnen" auf
der einen Seite und Schreie des Entsetzens, der Empörung und der
Entrüstung auf der anderen Seite. Die unterschiedlichen Ansichten über
das Werk gingen mitten durch einen Literaturpreis, den man Günter Grass
eigentlich anerkennen wollte hindurch. Eine unabhängige Jury erkannte Grass
zum Jahresende 1959 den Bremer Literaturpreis zu, der Bremer Senat, der formal
zustimmen musste, verweigerte aber und erkannte ihm somit den Preis wieder
ab.
Die Blechtrommel wurde jedoch trotz allem zu einem großen Erfolg und
zählt schon heute zu den klassischen Werken der deutschen
Nachkriegsliteratur.
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