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Kleist, Heinrich von (1777-1811) und seine Novelle
Daniel Jonda (DJ@bigfoot.de) 04. Dezember 1997 K 12 /
g12
Heinrich von
Kleist ... und seine
Novellen
J
Begriffserklärung der Novelle
[ital. eigtl. “(kleine) Neuigkeit”]
Kurzerzählung einer “unerhörten
Begebenheit” (Goethe) bzw. Neuigkeit in
Prosa, seltener in Versform; gestaltet ein real
vorstellbares Ereignis oder eine Folge aufeinander bezogener Ereignisse, wobei
die Ereignisfolge auf einen zentralen Konflikt beruht. Bei Heinrich von Kleists
Novellen drehen sich der Inhalt und Stil der Erzählung fast
ausschließlich um die Liebe und die daraus resultierenden
Kinder.
J
“Die Marquise von
O...”
Schauplatz der Handlung ist die Stadt M... in
Oberitalien zur Zeit des Zweiten Koalitionskrieges. Während die
kriegerischen Ereignisse vertrieben die verbündeten Armeen Rußlands
und Österreichs die Franzosen aus Ihren Republiken, die sie in Italien
errichtet hatten. Die ganze Novelle beginnt damit, dass die verwitwete Marquise
von O..., eine Dame von vortrefflichem Ruf , und Mutter von mehreren
wohlerzogenen Kindern, durch die Zeitung bekannt machen ließ, dass sie
ohne ihr Wissen in andere Umstände gekommen sei, und dass der Vater des
Kindes sich melden solle. Das Land ist durch die russischen Truppen mit Krieg
überzogen, es herrscht Panik und es überschlagen sich dann die
Ereignisse ... Die Pläne ihres Vaters, welcher
der Kommandeur der örtlichen Stellung ist, versucht seine Familie in
Sicherheit zu bringen. Dieser Plan aber wird durch die Unentschlossenheit seiner
Frau und Tochter zu nichte gemacht. Wenig später erobern die Russen die
kleine Festung und die Marquise und ihre Mutter werden voneinander getrennt. Die
Marquise, verschleppt und unter den beschämensten Bedingungen gefoltert,
wird wenig später von einem russischen Soldaten gerettet und in die Ruine
eines leerstehenden Hauses gebracht. Nachdem Sie aus Ihrer Ohnmacht aufwacht,
empfindet sie ihren Retter als einen “Engel des Himmels”. Am
nächsten Tag besucht Sie ihr Vater in der Ruine und er berichtet Ihr, dass
Ihr Retter, Graf von F... , gestern abend in der letzten Schlacht mit folgenden
Worten ums Leben gekommen sein muß: “ Julietta ! Diese Kugel
rächt dich ! ” Die Marquise ist untröstlich, dem Grafen von F...
nicht persönlich ihren Dank “abgestattet” zu
haben. Wenige Tage nachdem sich die Russen aus M...
zurückgezogen haben, trifft sich die Familie der Marquise und stellt zum
Erstaunen fest, dass der tot geglaubte Graf von F... sich angekündigt hat,
welcher um die Hand der Marquise anhält. Diese verspricht ihm nach
längerem Zögern die Heirat nach der Rückkehr von seiner
Geschäftsreise. Währenddessen muß die Marquise feststellen, dass
sie schwanger geworden ist. Dies wird auch kurze Zeit später von einem Arzt
und einer Hebamme bestätigt. Aufgrund dieser
Erkenntnis wird sie von ihrem Vater verstoßen, was sie dazu bringt, die
anfangs erwähnte Zeitungsnotiz zu veröffentlichen. Mit dem Plan ihrer
Mutter, sie auf die Probe der Wahrheit zu stellen, beweist die Marquise
endgültig Ihre Unschuld an der ungewollten Schwangerschaft. Als sie wieder
zu Hause ist, versöhnt sie sich mit Ihrem Vater und erfährt
später vom Grafen von F..., dass er der Vater ihres Kindes
ist. Am Ende der Novelle heiraten die Marquise von
O... und der Graf von F..., nachdem die erste Heirat gescheitert war und der
Graf sie zur Vollerbin seines Vermögens gemacht hat.
J
“Erdbeben in
Chili”
Schauplatz der Novelle ist St. Jago, die Hauptstadt des
Königreiches Chili. Jeronimo Rugera, Lehrer im
Hause des Edelmanns Don Henrico Asteron, begibt
sich in ein Liebesverhältnis mit Don Henricos Tochter Donna
Josephe. Nachdem Don Herico von seinem Sohn
erfahren hat, dass eine Liebe zwischen seiner Tochter und Jeronimo besteht,
kündigt er dem Lehrer und steckt Josephe in eine Karmelitenkloster. Wenige
Tage später gelingt es Jeronimo Josephe im Kostergarten wiederzutreffen und
hat den Garten “zum Schauplatz seines vollen Glückes gemacht”.
Die Folge dieser Nacht treten zu Fronleichnam zu Tage, als Josephe in der
Öffentlichkeit die Mutterwehen
einsetzen. Josephe wird vom Erzbischof und
Vizekönig zum Tode verurteilt und Jeronimo verharrt derweilen in der Zelle
eines Gefängnisses. Am Tage der Vollstreckung des Todesurteils, welcher wie
ein Feiertag für die Bevölkerung bejubelt wird, bricht plötzlich
ein starkes Erdbeben aus, welches die meisten Anwesenden zum Tode verurteilt.
Jeronimo nutzt das Erdbeben, um aus seiner Zelle zu fliehen und begibt sich auf
die Suche nach Josephe. Nach einige Tagen findet er diese auf einem Hügel
vor der Stadt und begibt sich mit Ihr in ein nahegelegenes Tal, in dem schon
einige Bekannte Josephes, darunter Don Fernando, seine Gattin Donna Elvire,
deren Vater Don Pedro und seine Schwägerin, versammelt haben. Am
nächsten Morgen bricht die Gruppe gemeinsam zu einem Gottesdienst nach St.
Jago auf. Während dieses Gottesdienstes
predigt der älteste Padre des Klosters über das Strafgericht Gottes,
bei der er auch das Unheil von Jeronimo und Josephe anspricht. Nach einer kurzen
Pause wird Josephe in der Kirche erkannt, wenig später muß sich auch
Jeronimo der Masse offenbaren. Die kleine Gruppe schafft es gerade noch, aus der
Kirche zu flüchten, bevor Jeronimo von seinem Vater vor der Kirche mit
einem Keulenschlag auf den Hinterkopf getötet wird. Wenig später wird
auch Josephe und Donna Constanze von der wütenden Menge erschlagen. Am Ende
bleibt Don Fernando auf dem leeren Kirchenplatz zurück, in stummer Klage um
den Tod von Jeronimo, Josephe und Donna Constanze.
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Vergleich der beiden
Novellen
ê
es gibt kaum
Gemeinsamkeiten ê
Liebesvergehen ist handlungsauslösendes Element
ê
dieses Element kann man als Gegensatz zum sozialen Geschehen
sehen
J
Novellentheorie Es
gibt in den romanischen Ländern, aber auch später in Deutschland, eine
sich bis zu unserer Zeit ausbreitende Theorie der Novelle. Dennoch herrschen
über das Wesen dieser Gattung die größten
Unklarheiten.
Ú
Subjekt hat nur dann eine Chance in der Novelle, wenn es im Strom der Masse
mitschwimmt
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