|
Du bist hier: Referate Datenbank | Latein
| Stockmann: VENI VIDI DIDICI (Komplettübersetzung)
Stockmann: VENI VIDI DIDICI (Komplettübersetzung)
Lateinübersetzung zu: Stockmann: VENI VIDI DIDICI
Kapitel 1-30 (Teil 1)
Kapitel 31-47 (Teil 2, nicht abgeschlossen)
KAPITEL 1
ROM
Rom ist alt. Rom ist schön. Siehe der römische
Marktplatz!
Merke: Hauptwörter und Eigenschaftswörter, die
zusammengehören, müssen in der Wortendung übereingestimmt
werden.
Der römische Marktplatz ist alt. Das Rathaus ist alt. Die
Gerichtshalle ist geräumig und neu. Die andere Gerichtshalle ist
alt.
Merke: antiquus (männlich), antiqua (weiblich), antiquum
(sächlich)
dominus antiquus = der alte Herr (männlich)
basilica antiqua = die alte Gerichtshalle (weiblich)
forum antiquum = der alte Markt (sächlich)
pulcher 3 = pulcher, pulchra, pulchrum = schön
dominus pulcher, basilica pulchra, forum pulchrum
Die Gerichtshallen sind schön. Der Tempel ist heilig. Die Tempel sind
heilig.
Caelia ist ein Mädchen. Aulus ist ein Bub. Aulus steht auf der
Straße. Caelia steht auch auf der Straße. Die Kinder stehen in der
Heiligen Straße. Die Heilige Straße ist alt. Die Kinder
grüßen. Buben und Mädchen grüßen in der Markthalle.
Männer und Frauen sitzen im Theater. Das Theater ist groß. Siehe das
Amphitheater. Es ist hoch und weit. Das Amphitheater, das Theater, die Tempel,
die Markthallen sind Gebäude.
P. Cornelius Rufus ist ein Mann. Terentia ist eine Frau. Rufus und Terentia
sind Römer. Rufus wohnt in Rom. Rufus und Terentia wohnen in Rom. Rufus
sitzt im Rathaus. Die Männer sitzen im Rathaus. Cratylus ist ein Sklave. Er
arbeitet auf der Straße. Sklaven arbeiten auf der Straße und im
Rathaus. Cratylus grüßt. Rufus grüßt auch. Sklaven und
Männer grüßen. Männer und Frauen sitzen im Zirkus. Der
Circus Maximus ist lang und alt. Siehe die Thermen. Sie sind groß und
geräumig.
KAPITEL 2
ITALIEN
Italien ist ein großes Land. Latium und Etrurien und Kampanien sind
in Italien. Latium ist (liegt) in Mittelitalien. Tusculum und Praeneste sind
latinische Städte. Tusculum ist eine kleine Stadt Praeneste und Tusculum
sind kleine Städte. In Italien sind (gibt es) viele Straßen: die
Appische Straße, die Cassische Straße, Die Aemilische Straße,
und viele andere. In Italien sind lange und breite Straßen.
In Campanien sind die Felder weit und groß. Neapolis und Pompeji sind
(liegen) in Campanien.
Merke: Manche Hauptwörter (besonders Städtenamen) sind
Pluralwörter, die nur in der Mehrzahl existieren, aber als Einzahl
übersetzt werden.
z.B.: thermae = das Bad, Pompeii = die Stadt Pompeji, Athenae = die Stadt
Athen
Viele Römer haben Landhäuser in Campanien. Terentia und Cornelius
Rufus haben auch ein schönes Landhaus. Terentia ist oft in der Villa in
Campanien. Terentia liebt nämlich die geräumige und schöne
Villa.
Terentia betritt die Villa, die Sklaven grüßen die Herrin. Viele
Sklaven arbeiten im Landhaus. Der Sklave Cratylus bereitet ein gutes Essen.
Terentia und C. Rufus lieben große Mahlzeiten. In Campanien ist (liegt)
die Appische Straße, in Etrurien die Cassische Straße. Etrurien
bewohnen die Etrusker. Das etruskische Volk ist alt. Arretium und Perusa sind
etruskische Städte. Aulus und Caelia betreten Perusia und sehen viele
Wirtshäuser. Der Bub und das Mädchen betreten einen kleine Laden. Im
Laden arbeitet eine etruskische Frau. Die römischen Kinder
grüßen die etruskische Frau. Die Frau bereitet das Mahl zu. Das
etruskische Essen ist groß und gut. Aulus und Caelia lieben das gute
etruskische Essen.
Sizilien ist eine große Insel. Viele Griechen, wenig Römer
bewohnen Sizilien. Syrakus und Agrigentum sind (liegen) auf Sizilien. In
Sizilien sind schöne Tempel und große griechische Theater. Sardinien
und Corsica sind auch große Inseln.
Der Tiber ist ein Fluß. Der Padus ist auch ein Fluß. Der
Fluß ist lang. (Er ist ein langer Fluß.) Der Tiber ist in Italien,
der Po in Gallien diesseits der Alpen. In Gallien diesseits der Alpen sind (gibt
es) große Städte: Mailand, Verona, Patavium, Aquileia. Mailand und
Verona sind neue Städte, Neapel und Syrakus alte Städte.
KAPITEL 3
FREIGELASSENE WOHNEN IN MIETSHÄUSERN
M. Caelius Ambarrus ist ein Freigelassener, Aurelia Hilara ist eine
Freigelassene. Ambarrus ist kein Sklave, Hilara ist keine Dienerin. Ambarrus und
Hilara sind Freigelassene. Ambarrus war früher ein Sklave, Hilara eine
Dienerin. Ambarrus und Hilara haben zwei Kinder. Sie haben einen Sohn und eine
Tochter. Caelia ist die Tochter, Aulus der Sohn. Caelia ist ein Mädchen,
Aulus ein Bub. Caelia ist ein römisches Mädchen, Aulus ein
römischer Bub. Ambarrus, Hilara und die Kinder wohnen in einem Mietshaus.
Das Mietshaus ist groß und hoch. Das Mietshaus ist ein großes und
hohes Gebäude. Viele Familien wohnen in dem Mietshaus, denn es sind (gibt)
viele Schlafzimmer im Mietshaus. Ambarrus hat keine Villa, aber er hat ein
Schlafzimmer. Im Miethaus sind auch Geschäfte. Ambarrus arbeitet in einem
Laden. Vor dem Laden stehen Tische. Hier gibt es viele Früchte. Ambarrus
verkauft Früchte; er ist ein Obsthändler. Birnen, Äpfel, Feigen
und Weintrauben sind Früchte. Weintrauben, Feigen, Äpfel und Birnen
verkauft er. Er verkauft viele Weintrauben und einige Feigen.
Merke: Es gibt leider einige Ausnahmen im Geschlecht.
ficus f. = Feige, ficus magna = die große Feige, fici magnae = die
großen Feigen
Hilara arbeitet nicht im Geschäft, sondern zu Hause. Sie bereitet das
Essen vor, und wäscht die Tunikas und die Kleidungsstücke. Sie
arbeitet auch bei dem Schutzherrn Aurelius. Früher war Aurelius der Herr,
Hilara die Sklavin. Sie versorgt den Garten bei Aurelius. Caelia arbeitet auch
zu Hause.
Merke: Die Vorwörter “apud = bei, ante = vor”
verlangen im Lateinischen den 4. Fall, im Deutschen steht der 3. Fall
Sie bringt Wasser aus (von) der Straße. Hilara lobt Caelia. Dann
bereiten Hilara und Caelia das Essen vor. Hilara lehrt Caelia. Caelia bereitet
ein gutes Essen vor. Hilara lobt die Tochter: denn das Essen ist gut. Hilara und
Caelia erwarten Ambarrus und Aulus.
Merke: -que = und
Aulenque = et Aulus = und Aulus
KAPITEL 4
AULUS LERNT IN DER SCHULE BEI EINEM
SPRACHLEHRER
Merke: Die Verben werden im Lateinischen in Konjugationen
eingeteilt.
1) a-Konjugation: laudat, potat, lavat
2) e-Konjugation: docet, habet
3) konsonantische Konj.: discit (discunt), incolit (incolunt), vendit
(vendunt)
4) Hilfszeitwort: est (sunt)
Aulus und viele andere Buben sind in der Schule. Sie sind beim Sprachlehrer
Apollodorus. Apollodorus ist ein Freigelassener. Die Insel Rhodos war seine
Heimat.
Merke: fuit = Vergangenheit (Perfekt) = er, sie, es ist
gewesen
erat = Mitvergangenheit (Imperfekt, Präteritum) = er, sie, es
war
Weil Perfekt und Imperfekt auf derselben Zeitstufe stehen, sind die Zeiten
für uns austauschbar.
Apollodorus lehrt die griechische Sprache. Apollodorus lehrt die Buben die
griechische Sprache.
In der Früh grüßen die Buben den Sprachlehrer. Apollodorus
grüßt die Buben. Wenn Aulus seinen Lehrer grüßt,
grüßt Apollodorus Aulus. Zuerst liest der Sprachlehrer lange vor.
Dann lesen die Buben griechische Schriften. Die Buben üben. Aulus liest gut
vor. Apollodorus lobt Aulus, weil er gut vorliest. Apollodorus tadelt Aulus
nicht, sondern lobt ihn. Die Buben schätzen den Sprachlehrer, weil er ein
guter Lehrer ist. Er schlägt die Buben nicht, weil er menschlich ist.
Manche römische Lehrer schlagen die Buben, wenn sie schlecht
vorlesen.
Aulus liest schon gut lateinische und griechische Literatur, weil er in der
Schule beim Sprachlehrer lernt. Während Aulus in der Schule ist, verkauft
Ambarrus Obst. Während Aulus die griechische Sprache lernt, arbeitet Hilara
bei ihrem Schutzherrn. Ambarrus kennt die griechischen Buchstaben nicht, weil er
nicht in der Schule bei einem griechischen Lehrer war. Ambarrus war vor vielen
Jahren in Gallien ein freier Mann.
Merke: liberi m. = die Kinder
liber m. (4.F.Sg. librum, 1.F.Pl. libri, 4.F.Pl. libros) = das
Buch
liber, libera, liberum = frei
Dann war er lange ein römischer Sklave, jetzt ist er ein
Freigelassener.
Was liest Apollodorus vor? Was lesen die Buben? Sie tragen vor und lesen,
Fabeln, Tragödien und Komödien. Was liest Aulus vor, was Titus? Aulus
liest eine griechische Fabel, Titus eine lateinische Komödie. Aulus liest
Äsop, Titus Plautus. Dann schreiben die Buben Briefe. Aulus schreibt einen
griechischen Brief, Titus einen lateinischen.
Merke: Entscheidungsfragen (Antwort = ja/nein) werden mit
“-ne” (ans erste Wort angehängt) eingeleitet.
z.B.: Legitne Titus? = Liest Titus?
Wenn der Fragende die Antwort “ja” provozieren will, leitet er
mit “nonne” ein.
Wenn der Fragende die Antwort “nein” provozieren will, leitet
er mit “num” ein.
Liest Aulus die Fabel nicht gut vor? - Ja, er liest sie gut vor. (So ist
es.)
Liest Aulus etwa eine lateinische Tragödie? - Keineswegs. Er liest
eine lateinische Komödie.
Schlägt der Sprachlehrer etwa die Buben? - Keineswegs. Er schlägt
die Buben nicht.
Schätzen die Buben Apollodorus nicht? - So ist es. Sie schätzen
den Lehrer.
KAPITEL 5
DIE EINWOHNER ITALIENS UND DER PROVINZEN DES RÖM.
REICHES
Das römische Reich ist groß. Es sind (gibt) viele Provinzen des
römischen Reiches: Sizilien, Spanien, Gallien, Rätien, Norikum,
Pannonien, Makedonien, Achaia, Asia, Syrien, Ägypten und viele
andere.
Merke: incola und alle Berufsbezeichnungen (poeta, agricola, nauta)
sind maskulinum, obwohl sie zur a-Deklination gehören!
Viele und verschiedene Einwohner sind im römischen Reich. Die Zahl der
Einwohner im römischen Reich ist groß. Nicht nur Römer, sondern
auch andere Völker bewohnen das röm. Reich. Einwohner in Rom und in
Italien sind Römer. Viele Einwohner aber Siziliens und des im Süden
gelegenen Italien sind Griechen. Die Einwohner Etruriens nennen wir die
Etrusker. Etrurien ist die Heimat der Toskaner oder auch Etrusker. Die Einwohner
Galliens wir nennen sie die Gallier oder auch Kelten, diesseitiges Gallien und
jenseitiges Gallien ist die Heimat der Kelten.
Merke: Wenn zwei Substantive durch “und” verbunden sind
(= Aufzählung), müssen die im selben Fall stehen.
Groß ist die Anzahl der Städte des römischen Reiches:
groß und berühmt sind die Städte Mailand, Corduba und Ephesos.
Die Einwohner Mailands sind Gallier und Römer. Aber die Einwohner
Alexandrias und Ephesus´ sind Griechen. Afrika bewohnen die Punier, die
benachbarten Numider und andere Völker. Afrika ist die Heimat der Punier,
der Numider und der Römer.
Die Römer sind die Herren vieler Länder und (vieler) Völker.
Etrurien bewohnen schon lange nicht nur die Etrusker, sondern auch die
Römer. Griechenland vor vielen Jahren, Gallien und Ägypten vor wenigen
Jahren waren freie Länder. Jetzt sind sie römische
Provinzen.
KAPITEL 6
AULUS ERZÄHLT VON DER SCHULE
Aulus und Titus lernen in der Schule des Grammatiklehrers Apollodorus.
Apollodorus ist der Lehrer des Aulus, des Titus und anderer Buben. Die Buben
lesen die Fabeln des Äsop und die Komödien des Plautus. Sie lesen noch
nicht die Tragödien griechischer Dichter.
Nun sind Ambarrus und Aulus bei ihrem Schutzherrn Aulus. Der Schutzherr
fragt Aulus über die Schule.
Aulus erzählt:
In der Früh betrete ich die Geschäftshalle wo sich die Schule des
Apollodorus befindet. Ich grüße den Sprachlehrer immer. Die
übrigen Schüler grüßen den Lehrer auch. Wir lesen die
Aulularia eine lateinische Komödie des Plautus. Viele lesen gut vor, Titus
liest schlecht vor. Der Sprachlehrer fragt Titus: “Übst du Zuhause
Titus? Du liest die Komödie schlecht.”
Merke: -e bei Hauptwörtern auf -us = Vokativ, 5. Fall,
Anrede.
-e bei Adjektiven = Umstandswörter auf die Frage “wie?”
zur Erklärung von Verben
Titus antwortet: “Ich lese Zuhause die Fabeln Äsops. Ich lese
keine Komödie vor.” Der Lehrer sagt: “Titus ich schlage dich
nicht, sondern schimpfe dich. Übe viel die Sprache des Plautus, lies eine
Komödie!”
Wir lernen auch die griechische Sprache. Apollodorus lehrt die griechische
Literatur gut, weil er Grieche ist. Wir lesen eine Fabel Äsops vor. Der
Sprachlehrer lobt mich, weil ich die Fabel gut vorlese.
Wir lesen und schreiben auch Briefe. Wir verfassen Briefe auf lateinisch.
Die Schriften vieler Schüler sind gut. Apollodorus tadelt mich selten,
niemals schlägt er mich. Ich lobe den Sprachlehrer, weil er gut
lehrt.
KAPITEL 7
DAS HAUS UND LANDHAUS DES C. RUFUS
P. Cornelius Rufus ist ein Patrizier. Er hat große Reichtümer.
Bald wohnt er in Rom, bald in Tusculum. Er wohnt in Rom mit seiner Familie in
einem großartigen und geräumigen Haus, in Tusculum in einem
Bauernhaus. Siehe das am Esquilin gelegene Haus des Rufus.
Morgens treibt Rufus seine Geschäfte im Arbeitszimmer. Er hat seine
Listen und seine Bücher im Arbeitszimmer. Manchmal nimmt er ein Buch und
geht aus der Empfangshalle in den Garten und dort spaziert er ein wenig und
liest das Buch.
Am Nachmittag bringen vier Sklaven ihren Herrn Rufus zum Forum Romanum. Am
Forum sind viele Männer und Sklaven, wenige Frauen. Die einen betreten die
Markthallen, andere gehen aus den Markthallen heraus. Die Sklaven bringen Rufus
zu den Bädern, wo Rufus gewaschen wird, ein wenig trainiert und mit
Freunden ist.
Merke: cum = 1) “mit”, wenn ein 6. Fall folgt
2) “wenn, sooft” als Bindewort
Dann geht er nach Hause zum Essen zurück. Die Römer essen im
Speisezimmer, wo drei große Speisesofas sind. Hier speist Rufus mit
Terentia und mit 7 Freunden lange. Nach dem Essen kehren die Freunde nach Hause
zurück. Rufus und Terentia und die Töchter gehen in die Schlafzimmer,
wo sie schlafen.
Außerhalb Roms hat Cornelius Rufus in Latium und in Campanien weite
Grundstücke (Latifundien). Manchmal macht Rufus eine Reise zu den
Grundstücken und Villen. Jetzt ist Rufus auf seinem bei Tusculum gelegen
Landgut. Auf den Feldern des Rufus bebauen nicht freie Bauern die Äcker,
sondern es arbeiten viele Sklaven für Rufus. Von den Äckern kommen
Getreide und Öl, aus den Gärten des Bauernhofs Äpfel, Kirschen,
Pflaumen und andere Früchte.
Rufus ist froh und zufrieden, weil viele Sklaven auf den Feldern, in den
Gärten und auf den Bauernhöfen arbeiten und sich um alle
Geschäfte kümmern und große Schätze erwerben. Cornelius
Rufus arbeitet nicht, aber er führt öffentliche Geschäfte aus. Er
schätzt die ländliche Muße, aber er führt auch staatliche
Geschäfte in Rom gut aus.
KAPITEL 8
DER SELTSAME BRIEF
Merke: Der 3. Fall + eine Form von “esse” = eine
beliebte Phrase
“mir ist ein Haus” = ich habe ein Haus
C. Rufus hat viele Sklaven. Einer der Sklaven ist Cratylus. Diesem befiehlt
Rufus: “Lauf Cratylus, bringe diesen Brief Pomponius, meinem Freund! Dort
erwarte die Antwort des Pomponius!” Rufus gibt Cratylus die Wachstafel.
Dieser gehorcht dem Herrn und geht hinaus.
Auf den Straßen herrscht ein großes Gedränge, der
Männer, Frauen, Sklaven und Mägde. Cratylus irrt durch die engen
Gassen. Wo ist das Haus jenes Pomponius?
Merke: ille Pomponius = jener Pomponius
illius Pomponii = jenes Pomponius
...
illo Pomponio = mit jenem Pomponius
Cratylus fragt einen gewissen Sklaven über den Weg: “Wo wohnt T.
Pomponius, ein Freund des Cornelius Rufus?” Der Sklave steht Cratylus bei
und zeigt ihm den Weg.
Schließlich klopft Cratylus an die Eingangstür des Pomponius,
dann tritt er ein: “ Ich bringe diese Wachstafel von C. Rufus, meinem
Herrn. Er erwartet deine Antwort sofort. Lies den Brief, schreib die Antwort auf
die Wachstafel!” Pomponius: “Gib mir die Wachstafel!” Der
Sklave gibt dem Mann sofort den Brief. Pomponius sagt Cratylus: “Bleib
hier! Ich lese den Brief und gebe dir die Antwort.”
Pomponius tritt ins Arbeitszimmer, Cratylus bleibt an der Tür. Aber
ein wenig später kehrt Pomponius aus dem Arbeitszimmer zurück und
lacht: “Dein Herr ist wirklich zerstreut. Schau die Wachstafel! Auf der
Tafel ist nichts. Gib Cornelius den Brief zurück! Leb wohl!” Cratylus
lacht auch, er spaziert durch die Gassen und Straßen nach Hause. Zu Hause
sagt er dem zerstreuten Herrn: “Ich bringe dir diesen Brief des Pomponius.
Die Antwort des Pomponius ist so lange wie dein Brief.”
Irren ist menschlich. Einer für viele.
Aus nichts wird nichts.
KAPITEL 9
DIE KLEINE TERTIA IST KRANK
Conelia und Tertia, die Töchter des C. Rufus und der Terentia,
schlafen in ihrem Schlafzimmer. Die Villa ist ruhig. Es ist schon die 1. Stunde,
Cornelia steht aus dem Bett auf, Tertia bleibt im Bett. Cornelia sagt dem
Tertilein: “Steh auf! Du mußt mit mir zu den Ständen gehen, wo
Obsthändler Obst verkaufen.” Tertia antwortet: “Ich kann heute
nicht mit dir zum Markt gehen. Ich bin krank.
Merke: posse - possum - potes - ... - possunt
Kopf und Hals und alle Glieder tun mir weh. Gib mir Wasser!” Die
besorgte Cornelia gibt der kleinen Tertia Wasser und sagt: “Ich bin sehr
besorgt, weil du krank bist. Ich bleibe gern mit dir zu Hause und stehe dir bei.
Cratylus ein guter Sklave soll uns Obst von den Tischen der Geschäfte
bringen.”
Cornelia geht hinaus, ruft Cratylus im Innenhof. Der Sklave ist sofort da
und fragt: “Sag mir, Cornelia, was befiehlst du?” Cornelia
antwortet: “Unserem Tertilein gefällt es zu Hause zu bleiben, weil
sie krank ist. Daher verlange ich von dir, Cratylus: Bring uns vom Marktplatz
von den Obsthändlern Weintrauben und Äpfel oder andere Früchte.
Du hilfst mir und Tertia sehr, wenn du uns Obst bringst.”
Dann tritt die Mutter Terentia ein: “ Wie geht es euch, Töchter?
Ich habe schon Sorge. (Mir ist schon Sorge.) Es ist seltsam, weil ihr heute so
ruhig seid. Ist etwa eine von euch krank?” Cornelia antwortet: “So
ist es. Ich bin gesund, aber Tertias Kopf, Hals und Glieder schmerzen sehr. Die
besorgte Terentia sagt: “Cratylus soll einen Arzt rufen. Der Arzt kann
sicher deine Krankheit heilen, der Arzt kann dir ein Medikament geben.”
Plötzlich erhebt sich die kleine Tertia und sagt: “Mein Kopf, mein
Hals und meine Arme schmerzen schon viel weniger. Ich glaube ich kann schon mit
euch zum Forum gehen.”
Der Arzt behandelt, die Natur heilt.
KAPITEL 10
CORNELIA HEIRATET VALERIUS
Cornelia, die größere Tochter des P. Cornelius und der Terentia,
ist eine Jungfrau von 16 Jahren (eig.: der 16 Jahre). Der Vater sagt:
“Meine Tochter, heute sage ich dir große und gute Dinge. Sicher ist
dir schon M. Corvinus bekannt. Jener Mann speist nämlich manchmal bei uns.
Er ist ein Mann mit vielen Bildern (eig.: der vielen Bilder). Große
Schätze (eig.: sind dem) hat Corvinus nicht nur in Rom, sondern auch in
Etrurien und in Campanien. Durch berühmte Reden erwirb er sich am Forum oft
großen Ruhm.
Merke: Wenn der 6. Fall nicht nach einem Vorwort steht,
übersetzt man ihn mit den Wörtern “mit, durch,
von”.
Jener hervorragende Mensch wird dich in die Ehe führen. Bald wird die
Hochzeit sein.
Merke: magno cum dolore = cum magno dolore
Cornelia läuft mit großem Kummer in ihr Schlafzimmer und weint
lange in ihrem Bett, weil sie M. Corvinus nicht liebt. Die Sitten jenes Menschen
gefallen Cornelia nicht. Die Stimme des Corvinus ist rauh. Corvinus lacht nie,
er tadelt viele Menschen. Aber Cornelia liebt P. Laelius. Laelius ist ein
unbekannter Mensch, aber er ist froh und sehr menschlich. Plötzlich
schreibt das Mädchen Laelius einen Brief: “Cornelia sagt Laelius
einen Gruß. Mein Laelius, unsere Liebe ist in großer Gefahr. Mein
Vater gibt mich M. Corvinus in die Ehe. Aber du hast meine Liebe. Wie
unglücklich bin ich! Kann ich diesen Schmerz ertragen? Denke sofort
über meine Rettung nach! Entreiße mich aus dieser Gefahr! Leb
wohl!”
Am Tag vor der Hochzeit weiht Cornelia ihre Puppen den Schutzgöttern
und zieht die weiße Tunika an.
So schläft sie in ihrem Schlafzimmer. Morgens öffnet Rufus die
Schreine der Ahnenbilder: so sind die Ahnen auch bei der Hochzeit dabei.
Sklavinnen schmücken die Eingangstür mit verschiedenen Blumen,
Cornelia mit vielen Edelsteinen; sie verdecken das Haupt der Jungfrau mit einem
roten Brautschleier. Viele Verwandte der Cornelier und der Valerier treten ein.
Nach den Vogelschauen betreten Cornelia und die Brautführerin die Vorhalle.
Während die verheirateten Frauen das Mädchen betrachten und loben,
siegeln Rufus und Corvinus die Hochzeitsverträge (eig.: die Tafeln der
Hochzeit). Dann verbindet die Brautführerin die rechte Hand Cornelias mit
der rechten Hand des Valerius Corvinus. Die Frau verspricht dem Mann und der
Mann der Frau, ewige Liebe und Treue.
Dann betreten der Gatte, die Frau und die Verwandten das Speisezimmer, wo
sie lange und gut speisen. Plötzlich erhebt sich Valerius vom Bett und
versucht Cornelia an sich zu reißen, aber die neu Vermählte wehrt
sich. Die anderen Tischgenossen sehen zu und lachen, weil es ein Spiel
ist.
}
Nach dem Essen gehen Valerius und Cornelia mit dem Festzug der Gäste
zum Haus des Ehemannes. Laut (eig.: Groß) sind die Rufe des Volkes:
“Talassio, Talassio!” Zwei Freunde des Valerius tragen die neu
Vermählte über die Schwelle. Valerius grüßt Cornelia in der
Vorhalle, wo ein großes Bett steht. Bald sagen die Gäste “Lebt
wohl” und gehen nach Hause zurück.
Merke: domum 1) ein Zuhause
nach Hause
domos 2) verschiedene
KAPITEL 11
DER WOLF UND DER HUND
Der magere Wolf irrt nahe der Villa umher und erblickt den gut gepflegten
Hund.
Wolf: Sag mir, Hund, wer pflegt dich so gut? Ich treibe in den
Wäldern ein rauhes Leben und gehe fast zugrunde.
Hund: Die Menschen geben mir täglich gute und viel
Nahrung.
Wolf: Arbeitest du nicht viel für die Menschen?
Hund: Aber keineswegs. Meine Arbeit ist die geringste. Nur nachts
bin ich Wächter der Villa. Ich bewache die Villa gut.
Wolf: Wenn das so ist, will ich auch diese Arbeit auf mich nehmen.
Denn mir ist das harte und rauhe Leben in den Wäldern. Selten finde ich
Nahrung.
Hund: Wohlan, komm mit mir, Wolf! Mein Herr wird dir auch Nahrung
geben.
Der Wolf freut sich und geht mit dem Hund zum Landhaus. Plötzlich
betrachtet nahe beim Eingang der Wolf das Fell des Hundes. Das Fell des Hundes
ist rauh und auch abgeschürft.
Wolf: Warum ist dein Fell beim Hals rauh und
abgeschürft?
Hund: Dieses ist nichts.
Wolf: Sag mir dennoch! Was ist es? Woher ist es?
Hund: Ich bin untertags angekettet, weil ich scharfe Zähne
habe. Die Kette macht das Fell ein wenig rauh.
Wolf: Falls du weggehen willst, hast du Freiheit (ist dir
Freiheit)?
Hund: Nicht gerade gänzlich.
Sobald der Wolf dieses hört, sagt er sofort: Leb wohl, Hund. Lobe du
dein Leben, ich will nicht angekettet sein. Ich kann die Kette nicht tragen. Ich
will lieber frei sein.
EIN HUND TRÄGT FLEISCH DURCH DEN
FLUß
Ein Hund hält Fleisch in den Zähnen und kommt zu einem
Fluß. Während er den Fluß auf einer engen Brücke
überquert, erblickt er plötzlich Körper und Kopf eines anderen
Hundes. Er sieht nämlich sein Abbild im Fluß gleichsam wie in einem
Spiegel. Aber der Hund denkt nach: “Dieser andere Hund trägt
Beute.” Gierig strebt er das andere Fleisch sehr an, er will es
entreißen, öffnet sein Maul. So läßt er sein Fleisch aus
den Zähnen herab und er faßt das andere nicht.
Der Wolf in der Fabel. Der Mensch ist dem
Menschen Wolf.
Siehe da ein Mensch.
KAPITEL 12
DER WOLF UND DAS LAMM
Der Wolf und das Lamm gehen vom Durst erschöpft zu einem Fluß,
aus welchem sie Wasser trinken wollen. Oberhalb steht der Wolf, weit unterhalb
das Lamm. Sofort beginnt der nach dem Lamm begierige Wolf einen Streit. Er sagt:
“Warum machst du mir das Wasser trüb, das ich trinke?” Das Lamm
antwortet: “Auf welche Weise kann ich das machen, welches du sagst? Von
dir fließt Wasser zu mir herab.” Der Wolf, dem die Worte des Lamms
keineswegs gefallen, beginnt wiederum: “Ich bin der schlechten Worte gut
eingedenk (= Ich erinnere mich gut an die schlechten Worte), welche du vor sechs
Monaten gesagt hast. Das Lamm antwortet: “Damals war ich noch nicht
geboren.” Jener sagt: “Dein Vater also, hat mir die bösen Worte
gesagt!” Und so raubt er das Lamm und tötet es durch ein ungerechtes
Gemetzel.
Diese Fabel tadelt jene, welche ungerechte Streitigkeiten anstreben und
dann Verbrechen verüben.
Merke: Das Relativpronomen (qui - quae - quod = der - die -
das/welcher - welche - welches) leitet einen Gliedsatz ein. Im Hauptsatz
muß ein Beziehungswort dazu in Zahl und Geschlecht (nicht aber im Fall)
übereinstimmen.
DER FUCHS UND DIE WEINTRAUBE
Der Fuchs ist durch Hunger erschöpft. Er strebt eine Weintraube an,
die in einem hohen Weinstock ist. Er strebt die Weintraube mit
größten Kräften an. Vergeblich: Er kann die Weintraube nicht
berühren. Zuletzt geht er weg und sagt: “Sie ist noch nicht reif. Die
saure Weintraube will ich nicht essen.
Diese Fabel ist über jene, die tadeln, welche sie sich nicht
verschaffen oder nehmen können.
DER FROSCH UND DAS RIND
Der Frosch erblickt auf dem Feld ein Rind. Der kleine Frosch beneidet das
große Rind. Er will so sein wie das große Rind. Daher streckt er mit
großen Kräften die Haut und fragt seine Söhne: “Bin ich
nicht so groß wie das Rind?” Jene verneinen. Wiederum bläst er
die Haut mit noch größerer Arbeit auf und fragt: “Wer ist nun
größer? Aber sicher ich!” Die Söhne sagen:
“Keineswegs. Das Rind ist viel größer.” Zuletzt
bläst sich das dumme Tier mit der größten Kraft auf. Er streckt
die Haut, soviel (eig.: wieviel) er kann. So zerreißt er die Haut und
plötzlich liegt er mit flachem Körper in dem Feld.
DER RABE UND DER FUCHS
Der Rabe raubt aus dem Fenster der Villa Käse und fliegt auf den hohen
Baum. Dort sitzt er und will den Käse, welchen er im Maul (Schnabel)
hält, essen. Bald erblickt der Fuchs den Raben und er lobt mit gieriger
List: “Oh Rabe, wie bist du berühmt! Die ausgezeichnete Form deines
Körpers übertrifft alle Vögel. Wie herrlich sind deine
Flügel, wie schön ist dein Haupt! Wenn du eine Stimme hättest, du
wärst schöner und berühmter wie die übrigen
Vögel.” Dann läßt der dumme Rabe, welcher die Stimme
vorzeigen will, den Käse aus dem Mund (Schnabel) herab, welchen der Fuchs
mit gierigen Zähnen raubt und ißt.
Quod licet jovi, non licet bovi. = Was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem
Rind nicht erlaubt.
mihi consilium deest
KAPITEL 13
EINE ANGENEHME REISE ZUM MEER
Apollodorus tadelt heute Aulus, weil er gestern nicht in der Schule war:
“Aulus, wo warst du gestern? Wir haben dich erwartet, du bist nicht
gekommen. Ich las aus einer griechischen Komödie vor, dann las Titus aus
einer lateinischen Komödie. Zuletzt schrieben alle auf Wachstafeln. Was
hast du getrieben? Bist du etwa bei der Mutter geblieben? Oder bist du mit dem
Vater zum Forum in eine Taberne gegangen?”
Aulus erzählt:
Weder bin ich zu Hause bei der Mutter geblieben, noch mit meinem Vater zu
Geschäften gegangen. Vernehmt alles! In der Früh sagte mein Vater mir
und meiner Schwester Caelia: “Kinder, heute ist mir Freizeit. Was
wünscht ihr zu tun?” Sofort antwortete meine Schwester: “Wir
wollen von Rom hinausgehen, Ostia und das Meer sehen.” Diese Absicht
gefiel mir. Ostia ist nämlich nicht fern von Rom an der Mündung des
Tiber gelegen. So fuhren wir fröhlich mit dem Reisewagen aus Rom weg. Nahe
der Straße sah ich Sklaven auf den arbeiten. In der Ferne erblickte ich
ländliche Villen. Nach zwei Stunden kamen wir nach Ostia. In Ostia gingen
wir zuerst zum Marktplatz. Dort war ein sehr großes (eig.: das
größte) Gedränge. Am Forum führten die Einwohner viele und
verschiedene Dinge aus.
Bald spazierten wir zum Meer, wo wir drei Schiffe betrachteten. Caelia
forschte aus dem Vater: “Woher sind jene Schiffe gekommen? Was haben sie
gebracht?” Der Vater antwortete: “Eines, welches aus Sizilien
gekommen ist, hat Getreide gebracht. Ein anderes hat Sklaven und Sklavinnen
gebracht, es kam von Griechenland von der Insel Delos. Ein drittes brachte
Felle, Kleidungsstücke, Metalle von Spanien.”
Merke: Orts- und Städtenamen haben keine
Vorwörter!
Auf die Frage “wo?” = 2.F.Sg. Romae
“wohin?” = 4.F.Sg. Romam
“woher?” = 6.F.Sg. Roma
Ausnahme: Pluralwörter (z.B.: Athenae, -arum = Athen)
“wo?” = auch 6.F. Athenis = in oder aus
Athen
Ich und Caelia spielten auf dem Feld am Meer mit dem Ball. Nach dem Mittag
schwamm ich im Meer. Wie angenehm war das kalte Wasser! Caelia wollte nicht
schwimmen. Schon war es Zeit nach Hause zurückzukehren. Daher aßen
wir in einem einfachen Gasthaus Käse, Brot, Früchte. Schließlich
sind wir mit dem Reisewagen nach Rom zurückgekehrt.
Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.
KAPITEL 14
DER URSPRUNG DER STADT ROM
Die Griechen bekämpften viele Jahre Troja. Im zehnten Jahr nahmen sie
die Stadt ein und töteten die meisten Einwohner. Äneas und dessen
Gefährten flohen aus Troja und irrten lange über die Meere. Zuletzt
gelangten sie nach Italien an die Mündung des Tibers. In der Gegend fanden
sie ein anderes Vaterland. Nach wenigen Jahren wuchsen die trojanischen
Ankömmlinge und die Einwohner der Gegend zu einem Volk zusammen. Nach dem
Tod des Äneas erbaute der Sohn Ascanius die Stadt Alba Longa, wo dessen
Nachkommen drei Jahrhunderte herrschten.
Procas, dem König von Alba Longa, waren die Söhne Numitor und
Amulius. Jener gab das Reich, Numitor, dem älteren Sohn. Amulius, der
kleine Bruder, entriß ihm das Reich mit Gewalt.
Merke: is-dem → idem = derselbe
id-dem → idem = dasselbe
ea-dem → eadem = dieselbe ...
Derselbe machte Rea Silvia, die Tochter Numitors, zur vestalischen
Jungfrau. Den vestalischen Jungfrauen war es nicht erlaubt zu
heiraten.
Dennoch gebar auf wunderbare Weise die vestalische Jungfrau und schon nicht
mehr Jungfrau Zwillinge und sie nannte den Gott Mars Vater. Amulius setzte die
Buben am Tiber aus, aber eine Wölfin hörte die Rufe der Zwillinge und
bot den Kleinen die Zitzen an. Ein Hirte des Königs trug sie in seine
Hütte; dieser und dessen Gattin erzogen die Buben.
Romulus und Remus übten unter den Hirten ihre Kräfte. Die
Erwachsenen töteten Amulius und gaben ihrem Großvater Numitor die
Königsherrschaft zurück. Dann beschlossen die Brüder eine Stadt
zu gründen, und das an denselben Orten nahe am Tiber, wo Amulius sie
ausgesetzt hatte. Jeder von beiden wollte der neuen Stadt einen Namen geben und
dort herrschen. Sie beschlossen Vorzeichen aus den Göttern
herauszulocken.
Merke: deus, dei m. = Gott
1.F.Pl. dei - dii
3./6.F.Pl. deis - diis
Am nächsten Tag in der Früh sah zuerst Remus sechs Geier auf
Aventin, später sah Romulus zwölf auf Palatin. So benannte Romulus,
Sieger durch die Vogelschau, die Stadt Rom. Der neuen Stadt machte er anstatt
(für) hoher und breiter Mauern einen schmalen Wall. Remus lachte das aus
und sprang darüber. Dann tötete der zornige Romulus den Bruder und
sagte diese Worte: “So möge schließlich zugrunde gehen, welcher
andere auch immer meine Stadtmauern überspringen wird.”
Menschen sind wir, nicht Gott. Es gefiel den
Göttern nicht so.
Im Jahr des Herrn.
KAPITEL 15
LUCUMO UND TANAQUIL REISEN VON TARQUINII NACH
ROM
Ein gewisser Korinther mit dem Namen Demaratus floh aus seiner Heimat und
kam als Verbannter nach Italien nach Tarquinii. Tarquinii war eine große
und reiche Stadt, die Einwohner waren die Etrusker. Dort ließ sich
Demaratus nieder und führte eine Ehefrau aus berühmter etruskischer
Familie in die Ehe. Bald erwarben sie sich große Reichtümer. Deren
Sohn war Lucumo, den Tanaquil, eine Frau aus berühmtem und altem
Geschlecht, heiratete.
Aber die Etrusker verachteten Lucumo, den Sohn eines Verbannten und
Ankömmlings. Über die Sache war Tanaquil, eine Frau voll des
Ehrgeizes, erzürnt. Sie sagte: “Es ist nötig aus Tarquinii
wegzugehen. Ich wünsche mit dir Lucumo nach Rom, in die neue Stadt, zu
gehen. Sie ist für einen tüchtigen Mann geeignet.” Leicht
überredete sie den nach Ruhm begierigen Ehemann.
Daher verkauften sie ihre Sachen, mit einem Wagen machten sie die Reise
nach Rom. Sie kamen zum Janiculum, erblickten Rom. Dort flog plötzlich ein
Adler mit weiten Flügeln über den Himmel, sanft nahm er dem Lucumo die
Filzmütze vom Kopf weg, mit großem Geschrei flog er über dem
Wagen, dann setzte er die Filzmütze wieder auf den Kopf, zuletzt flog
(eig.: ging) er in den Himmel weg. Tanaquil sagte den Mann umarmend: “Oh
Lucumo, dieser Vogel kam für dich vom Himmel. Dieser Adler war ein Bote
Gottes. Die Götter zeigen dir große und erfreuliche Dinge. Der
göttliche Wille gibt uns große Hoffnung.” Lucumo hörte mit
erfreutem Geist die Worte der Gattin, welche, wie viele etruskische Frauen der
Vorzeichen kundig war.
KAPITEL 16
DIR ETRUSKISCHEN ANKÖMMLINGE VERSCHAFFEN SICH DIE
GUNST DER RÖMER
Als Lucumo und Tanaquil nach Rom kamen, war dir Stadt klein, die
Bürger waren wenige. Bald verschafften sie sich ein schönes Haus.
Lucumo gab sich den Namen Lucius Tarquinius. Die röm. Bürger richteten
die Aufmerksamkeit auf die Ankömmlinge.Tanaquil und Tarquinius luden die
adelige Familien ein. Von Tag zu Tag gewannen sie mehr und mehr Aufmerksamkeit
durch Gespräche, durch Gunst und Gefälligkeit nützten sie ihre
Nachbarn. Bald gelangte der Ruhm der Ankömmlinge auch zu den
königlichen Häusern. Schon empfing der König Ancus Marcius
Tarquinius gut unter den seinen, schon nahm Tarquinius an den öffentlichen
und privaten Beschlüssen des Königs teil. Ancus machte den Tarquinius
zum Vormund seiner Söhne.
Nach dem Tod des Ancus Marcius war eine Volksversammlung. Die einen lobten
Tarquinius wegen der Beliebtheit und der Freigiebigkeit, die anderen wollten
nicht die Söhne des Ancus, des hervorragenden Königs,
vernachlässigen. Als die Bürger mit scharfen Worten stritten, hielt
Tarquinius mit schnellem Geist eine rede zu den Plebs. Durch diese Rede
erwähnte er seine Wohltaten gegen den König und die röm.
Bürger.
Merke: in +4.Fall von Personen = gegen, gegenüber
Er zeigte sich des röm. Rechts und der röm. Religion kundig. So
hielt das röm. Volk den Ankömmling für geeignet für die
Königsherrschaft und nannte ihn König Tarquinius. Die Söhne des
Ancus, die der kluge Tarquinius mit List von der Volksversammlung verngehalten
hatte, waren zornig, aber sie rührten lange nicht an der Tat. Ganz im
Gegenteil aber erwieß sich der neue König (als) tapfer, klug,
glücklich:
Merke: Das Wörtchen “als” kann oft ergänzt
werden, wenn zwei oder mehr Wörter im selben Fall stehen.
z.B.: Marcus puer = der Bub Marcus; Marcus als Bub
se fortem = sich den tapferen; sich als tapfer
Er führte Kriege mit den Sabinern und Latinern und nahm deren
Städte mit Gewalt ein, er bereitete vor die Stadt mit einer Mauer zu
umgeben, er legte das Forum Romanum mit Abzugskanälen trocken, er machte
große Spiele nach etruskischem Vorbild, er legte die Grundlage für
den Tempel des Jupiter Optimus Maximus auf dem Kapitol.
Wir sind im selben Boot.
Immer dasselbe.
Wenn zwei dasselbe machen, ist es nicht dasselbe.
Was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Rind nicht erlaubt.
Ich bin römischer Bürger.
Das Gerücht fliegt.
KAPITEL 17
DER KOPF EINES SKLAVEN BLEIBT VON DEN FLAMMEN
UNVERSEHRT
Nach vielen Jahren ereignete sich eine wunderbare Sache im
Königspalast:
Merke: qui-dam, quae-dam, quod-dam = ein gewisser
cuius-dam = eines/r gewissen
cui-dam = einem/r gewissen
quen-dam, quan-dam, quod-dam
quo-dam, qua-dam, quo-dam
Ein gewisser Bub, der Sohn einer gewissen Sklavin, schlief in der offenen
Vorhalle des Gebäudes. Plötzlich brannte dessen Kopf heftig durch
Flammen (vehementer = Adverb). Alle schrien, die das Feuer sahen. Ein
königlicher Sklave brachte Wasser, weil er die Flammen löschen
wollte.
Dann trat Tanaquil selbst heran und wehrte ihn ab. Sie sagte:
“Laßt den Buben schlafen! Die Flammen werden keineswegs
schaden.” Wirklich blieb der Kopf des Sklaven unversehrt. Bald ging das
Feuer zusammen mit dem Schlaf von dem Buben weg.
Dann aber führte Tanaquil Tarquinius allein an einen geheimen Ort weg
und sagte: “Siehst du diesen Buben, den wir von einer so niedrigen
Stellung gehabt haben? Dieser Bub wird einmal für unsere schwierigen
Angelegenheiten Licht und Schutz sein. Daher werden wir ihn sorgfältig
aufziehen und lehren.” Tarquinius, welcher mit dem Rat der Gattin
übereinstimmte, zog Servius Tullius - dieser Name war nämlich dem Bub
- selbst wie einen Freien und seinen Sohn auf und lehrte ihn
hervorragend.
Merke: Von jedem Adjektiv (Was für?) läßt sich ein
Adverb (Wie?) ableiten.
Bei Adjektiven der a-/o-Dekl. = -e (egregius
→ egregie)
Bei Adjektiven der kons./Mischdekl. = -ter (diligens
→ diligenter)
Aber die zwei Söhne des Ancus Marcius waren schon lange zornig, weil
der Ankömmling Tarquinius die Königsherrschaft behauptete. Nun
entbrannten sie mit viel größerem Haß und Neid, weil Tullius
Servius, der von einer Sklavin geboren war, bei allen in so großem Ansehen
war. Daher beschlossen sie mit der Waffe und mit Gewalt, diese Ungerechtigkeit
abzuwehren und den König zu töten.
Der Weise trägt all das seine mit sich. Ein seltener Vogel
Arzt, heile dich selbst! Ihr werdet wie Gott sein.
Nicht alle können alles.
KAPITEL 18
DER FREVELHAFTE MORD AN TARQUINIUS PRISCUS - TANAQUIL
BEREITET FÜR SERVIUS TULLIUS DIE KÖNIGSHERRSCHAFT VOR
Merke: caedes Tarquinii = 1) der Mord des Tarquinius
2) der Mord an Tarquinius
amor matris = 1) die Liebe der Mutter
2) die Liebe zur Mutter
victoria Romanorum = 1) der Sieg der Römer (Gen.
subjectivus)
2) der Sieg über die Römer (Gen. objectivus)
Die Söhne des Ancus Marcius faßten einen verbrecherischen
Beschluß. Sie wählten zwei trotzige Hirten zur Schandtat des Mordes
aus. Diese streiten, mit Eisengeräten bewaffnet, in die Vorhalle des Hauses
des Königs eintretend, zum Schein über eine gewisse Sache mit
energischen Worten unter sich. Alle wenden ihre Aufmerksamkeit auf die Hirten.
Diese reden den König an. Tarquinius ruft diese zu sich. Zuerst greift der
eine den anderen mit energischem Geschrei an; dann zügelt ein Liktor diese;
schließlich lassen sie von dem Streit ab; einer fängt seine Sache der
Reihe nach an; der aufmerksame König wendet sich ganz auf diesen zu; der
andere Hirte (versenkt) stößt dem König das Eisengerät in
den Kopf.
Die Umstehenden, fingen den sterbenden Tarquinius auf. Die Hirten
flüchteten, die Liktoren fingen die Flüchteten ein. Danach gab es ein
Geschrei des Volkes. Die ruhige Tanaquil schloß die Tore. Alle, die da
sind, wegschickend, versucht sie, die Wunde des Königs zu heilen. Sie ruft
Servius. Sie zeigt ihm den beinahe leblosen Mann und bittet seine rechte Hand
haltend: “Dein ist das Reich oh Servius, wenn du ein Mann bist, nicht
derer, die mit fremden Kräften diese frevelhafte Schandtat machten. Richte
dich auf und vertraue dich den Göttern an, welche einst dieses Haupt durch
Feuer auffallend gezeigt haben. Jetzt müssen dich fürwahr jene Flammen
vom Himmel aufwecken. Bedenke wer du bist, nicht woher du geboren bist! Wenn
dein Geist wegen dem frevelhaften Mord zweifelnd ist, anvertraue dich meinen
Plänen (Räten)!”
Das Geschrei des Volkes wird größer. Dann ruft Tanaquil von
einer höheren Stelle des Hauses zum Volk: “Seid guten Mutes! Die
Wunde ist nicht tief, sondern klein. In wenigen Tagen wird euch der König
selbst sehen. Hört inzwischen auf die Worte des Servius Tullius, der die
königlichen Dienste annehmen wird.” Servius zeigte sich mit
Königsgewand und Amtsdienern dem Volk. Auf dem königlichen Sitz
sitzend beschloß er die einen Fälle, über die anderen fragte er
den toten König um Rat. So stärkte er durch wenige Tage, den Tod des
Tarquinius Priscus verheimlichend, seine Autorität. Später sagten
Tanaquil und Servius: “Bürger, hört die traurige Nachricht, der
König ist an der Wunde gestorben.” So hielt Servius Tullius, sowohl
durch das Ansehen bei den Senatoren und beim Volk, als auch durch den tapferen
Schutz der Freunde seine Herrschaft fest. Die Söhne des Ancus gingen in die
Verbannung.
Nicht wollend wollend. Das höchste Recht, kann
höchstes Unrecht sein.
Wer wird das lesen. Nicht alle lieben
dasselbe.
KAPITEL 19
ÜBER DIE KONSULN UND DEN SENAT
Die römischen Bürger vertrieben Tarquinius Superbus, den
siebenten König, aus Rom. Von da an wählten sie für (eig.: in)
die einzelnen Jahre zwei Konsuln. Den Konsuln war die höchste Herrschaft,
der bürgerlichen und militärischen und religiösen Dinge. Die
Konsuln waren die höchsten Beamten des Staates. Sooft Krieg, befahlen die
Konsuln dem römischen Heer oder den römischen Heeren. Mit dem Heer
oder den Heeren führten sie Krieg gegen die Feinde. In alten Zeiten hielt
jeder der beiden Konsuln die Herrschaft an einzelnen Tagen, später in
einzelnen Monaten inne. Wenn Friede war, leiteten sie die bürgerlichen
Angelegenheiten. Sie riefen die Väter oder Senatoren ins Rathaus, wo sie
selbst der Versammlung vorstanden. Im Senat beantragten sie Gesetze; dann
äußerten die Väter ihre Meinung, zuletzt pflichteten alle
Senatoren der Meinung des einen oder anderen bei. Die Konsuln standen auch den
göttlichen Dingen vor. Die Römer erforschten nämlich, bevor sie
eine große und dem Staat wichtige Sache begannen, durch Vogelschauen den
“numen” (das heißt den Willen der Götter). Auguren, bei
den Vögeln erfahrene Männer, standen dem Konsul bei den Vogelschauen
bei.
Der Senat ist die Versammlung aller Väter oder Senatoren. Der Senat
beriet im Rathaus oder in einem gewissen Tempel über alle Dinge der
Bürgerschaft. Der Senat hörte Botschaften ausländischer
Stämme, schickte römische Gesandte zu auswärtigen Stämmen.
Der Senat konnte den führenden Männern der anderen Stämme die
Titel und Ehrenämter (z.B. den Titel des Freundes des römischen
Reiches) geben. Der Senat vertraute die römischen Provinzen den Beamten zur
Verwaltung an. Die Konsuln standen je ein Jahr hindurch an der Spitze des
Staates: die Senatoren aber rieten bis zum Ende ihres Lebens im Senat, jener
höchsten öffentlichen Versammlung, Sachen an oder ab. Die Väter
leiteten ohne Befehlsgewalt aber mit Ansehen, mit Ernst, mit Würde die
gemeinsamen Sachen. Wenige römischen Geschlechter des Adels bekleideten die
Ehrenämter; oft behaupteten die Großväter, Väter,
Söhne des selben Geschlechts die höchsten Ämter. Einem
“Homo novus” war es schwer zum Konsulat, jenem höchsten
Ehrenamt, aufzusteigen. So sehr versuchte der Adel die Ehrenämter bei
seinen Familien zurückzuhalten.
Für das Haus. Gott
wird auch diesen Dingen ein Ende geben.
Um die kleinsten kümmert sich das Gesetz nicht.
Muße mit Würde. Das
Vermögen gibt Ehren.
Könige hatten die Stadt Rom von ihrem Ursprung an;
L. Brutus richtete die Freiheit und das Konsulat ein.
KAPITEL 20
RUFUS VERDIENTE SICH SEINEN SOLD ALS
KRIEGSTRIBUN
Tertia: Warst du ein Soldat Vater?
Rufus: Sicher Töchterchen! Als ich ein Jüngling war, war
ich Kriegstribun im Heer des Tiberius Claudius Nero. Ich verdiente meinen Sold
zwei Jahre in Pannonien, dann eines in Germanien. Die Völker der Germanen
und Illyrer drohten uns. Ich trieb ein rauhes Leben im Lager: Wir nahmen das
bescheidene Essen auf, zwar genug Brot, aber aßen zu wenig des Fisches
oder des Fleisches, uns war nichts des Weines; wir schliefen auf harten Betten.
Ich spazierte selten, niemals schwamm ich in öffentlichen
Bädern.
Tertia: Erzähle mir über die Feinde! Waren sie
wild?
Rufus: Die Markomannen waren ein wildes und gefährliches
Geschlecht. Sie griffen selten bei Tag, meistens nachts mit einer großen
Menge an Menschen unser Lager an. Sie stürzten mit größtem
Geschrei aus den Wäldern heraus.
Tertia: Wie habt ihr die Feinde abgewehrt? Welchen Plan habt ihr
gefaßt? (eig.: Was des Beschlußes habt ihr gefaßt?)
Rufus: Die Markomannen, bestiegen, die einen zu Fuß, die
anderen von Pferden aus, mit gezückten Schwertern die Mauer des Lagers,
aber die Unsrigen wehrten diese mit ihren Waffen tapfer ab. Wir schleuderten
Geschoße auf die Feinde und schlugen die, welche schon nahe den Toren
waren, zurück.
Tertia: Hast du selbst gekämpft oder die Soldaten
befehligt?
Rufus: Weil, wie ich sagte, Tribun der Soldaten war, befehligte ich
die Soldaten, verteilte die Wachen, half dem Führer Tiberius in
Beschlüssen. Aber als die Feinde mit höchster Kraft eifrig angriffen,
...
Tertia: ... machtest du als erster aller gegen diese einen Angriff
...
Rufus: ... wenn die Markomannen mit höchster Kraft angriffen,
kämpfte auch ich mit dem Schwert. In jenem Jahr, als ich im Heer des
Tiberius diente, eroberten sie jedenfalls das röm. Lager nicht.
Über die Kriege der Römer
Die Römer führten oft Kriege. Der Kriegsruhm der Römer war
groß. Manchmal erlitten die röm. Soldaten eine schwere Niederlage,
jedoch erwarben sie viel öfter herrliche Siege.
Am Anfang kämpften die Römer mit benachbarten Völkern (mit
den Sabinern, Volscern, Umbren, Samniten und den übrigen) um die Herrschaft
in Italien. Allmählich übertrafen sie alle Italien bewohnenden
Stämme. Dann führten sie drei Kriege gegen die Punier um die
Vorherrschaft in Sizilien und anderen Inseln und in Spanien und auch Afrika.
Bald führten sie auch Kriege in Griechenland, Asien, Syrien, Afrika,
Gallien Cisalpina so lange, bis sie jene Regionen unter ihre Herrschaft
unterwarfen.
Hannibal bei den Toren. Die Gesetze
schweigen unter den Waffen.
Ein Vers des Dichters Ovid über seine Begabung:
Und was ich zu schreiben versuchte, war ein Vers. Einer von (eig.: der)
vielen.
Merke: Der 2. Fall drückt oft ein Teilungsverhältnis aus.
= Genetivus partitivus
z.B.: unus multorum = einer der vielen = einer von vielen
summus deorum = der höchste der Götter =
der höchste von den Göttern
quis nostrorum = wer von den unsrigen /
uns
KAPITEL 21
ÜBER DIE SOLDATEN, DIE LAGER, DIE
LEGIONEN
Die röm. Soldaten führten Waffen und Geschoße: das Schwert,
den Wurfspieß oder die Lanze den Schild. Schwerter, Wurfspieße,
Lanzen, Geschoße, Schilde sind Waffen. Im Kampf griffen die Soldaten die
Feinde mit Geschoßen an, sie verteidigten sich mit Waffen. Die zu
Fuß kämpfenden Soldaten waren Fußsoldaten, die von Pferden aus
kämpfenden Reiter. Der Reiter trug den Speer, der Fußsoldat den
Wurfspieß; der Wurfspieß war nicht so lange wie die Lanze.
Die Soldaten wohnten in Lagern, welche ein Wall und ein Graben umgaben.
Durch den Wall waren vier Tore in das Lager. Zwei Straßen teilten das
Lager in vier Teile.
Merke: unus, -a, -um
duo, -ae, -o
tres (m, f), tria
Diese 3 Grundzahlwörter sind deklinierbar, ab 4 sind die
Grundzahlwörter unveränderlich.
Die Soldaten übten und kämpften weder einzeln noch im
Gedränge, sondern in der Ordnung der Legion. Die röm. Legion enthielt
sechs (manchmal fünf oder vier) tausend Soldaten
Merke: mille = 1000
mille milites = 1000 Soldaten
milia, -ium, n = Tausende + Genetiv
duo milia militum = 2000 (der) Soldaten
tria milia librorum = 3000 Bücher
Der Feldherr (oder Anführer) befehligte die Legionen. Meistens war der
Feldherr ein konsularischer Mann, das heißt ein Mann, der schon Konsul
gewesen war. Der Feldherr stand selten einer einzelnen Legion, oft einem Heer an
der Spitze: zwei oder drei Legionen machten nämlich ein Heer.
Der Kaiser Caesar Augustus, welcher das röm. Reich 44 Jahre regierte,
verteilte 25 Legionen in den Provinzen mit dieser Ordnung: vier Legionen in den
Lagern Untergermaniens und vier Legionen in den Lagern Obergermaniens, das
heißt acht Legionen gegen die germanischen Völker, welche immer die
röm. Grenzen bedrohten;
drei Legionen in Pannonien, zwei Legionen in Illyricum, zwei Legionen in
Mösien, das heißt sieben Legionen in den an der Donau gelegenen
Provinzen;
vier Legionen in Syrien, deren Soldaten die röm. Gegenden gegen die
Parther schützten;
zwei Legionen in Ägypten, welches Provinz der Römer war, nachdem
Caesar Octavianus (=Augustus) die Königin Kleopatra und Marcus Antonius
besiegt hatte;
eine Legion im prokonsularischen Afrika;
drei Legionen in den spanischen Provinzen, deren Einwohner lange
ungewiß blieben.
Italien selbst, Gallien, Makedonien und Griechenland, Asien und die
übrigen Provinzen waren frei von Heeren.
Der sich freuende ist der Dritte. Das Recht ist die
Kunst des Guten und Gerechten.
Alle erwarten eine Nacht.
KAPITEL 22
DÄDALUS DER KÜNSTLER
Merke: Dädalus = sagenhafter Baumeister aus Athen. Hat aus
Eifersucht seinen besten Schüler ermordet und muß deshalb nach Kreta
fliehen. Baut das Labyrinth für König Minos. Wird darin von Minos
festgehalten und flieht mit seinem Sohn Ikarus mittels selbstangefertigter
Flügel. Ikarus verunglückt, was als Strafe für den einstigen Mord
gilt.
Der Sprachlehrer Apollodorus erzählt den Buben: Heute werde ich
euch die griechischen Geschichten über das Labyrinth, den Minotaurus,
Dädalus, Talus und Ikarus erzählen.
Titus: Was ist das Labyrinth? Wo war es?
Apollodorus: Das Labyrinth war das geräumigste auf der Insel
Kreta gelegene Gebäude. Sehr viele Mauern teilten das Labyrinth in viele
Teile und in viele Flügel. Es war leicht in das Labyrinth einzutreten, aber
sehr schwer herauszukommen. Wer auch immer eintrat, irrte in jenem verderblichen
Gebäude ohne Ende umher und fand nicht irgendeine Tür: er ging durch
Hunger zugrunde, oder der Minotaurus fraß ihn.
Markus: Ach, jener bedauernswerte! Wer war Minotaurus?
Apollodorus: Der Minotaurus war ein gewaltiges Ungeheuer, dem zwar
der Körper eines Menschen war, aber der Kopf eines Stieres. Minos, der
König Kretas, hatte diesen im Labyrinth eingeschlossen, weil er nichts
außer Menschen fraß. Das Labyrinth hatte der athenische Dädalus
erbaut, ein ausgezeichneter Baumeister und Künstler.
Lucius: Warum war er von Athen nach Kreta gekommen?
Apollodorus: In seiner Vaterstadt war Dädalus der Kundigste
aller Künste. Er hatte wundersame Kunstwerke angefertigt. Die Abbilder die
er gemacht hatte schienen zu leben: die Augen der Statuen schienen zu sehen, die
Arme und Hände sich zu bewegen, die Füße zu spazieren. Alle
Werke des Dädalus hatten Leben und Seele. Daher war er der berühmteste
Künstler jener Zeit. Der Schwester des Dädalus war ein Sohn mit dem
Namen Talus, welchen Dädalus seine Künste lehrte. Dem Jungen war die
gleiche großartige Begabung wie dem Onkel. Schon hatte Talus ein neues und
seltsames Werkzeug erfunden: eine Säge. Dädalus hatte den Buben wegen
dessen Naturanlage am meisten beneidet. Von Haß und Neid veranlaßt
hatte er den Buben von der Burg hinabgeworfen. Dädalus war, während
die Richter der Athener ihn des Mordes anklagten, das Ende seiner Rechtssache
keineswegs erwartend aus der Stadt geflohen. Nachdem er lange durch Land und
Meer geirrt war, kam er schließlich nach Kreta, wo er, wie ihr gehört
habt, ein Labyrinth für den König Minos erbaute.
Das Leben ist nicht zu leben, sondern gut zu leben.
Die neuesten Worte. (= Die letzten Worte.)
Über die Toten soll man nichts außer gutes reden.
Merke: postquam + Perf. = nachdem + meistens
Plusquamperfekt
KAPITEL 23
DÄDALUS UND IKARUS FLIEHEN ÜBER DEN
HIMMEL
Der zornige Minos schloß, weil Dädalus der Ariadne einen Faden
gegeben hatte, diesen im Labyrinth ein. Er irrte in diesem weiten und offenen
Gebäude mit seinem Sohn Ikarus umher. Er konnte das Tor des Labyrinths
nicht finden, weil er es selbst mit höchster Kunst erbaut hatte.
Dädalus sagte: “Weil ja der König alle Straßen
verschlossen hat, werden wir über den Himmel flüchten. Obwohl uns
sowohl Erde als auch Meer verschlossen sind, wird uns dennoch der offene Himmel
die Freiheit zurückgeben. Siehe zum Himmel mein Sohn, wo die Vögel
höher fliegen, als der Kerker ist. Wenn Minos auch Land und Wasser besitzt,
die Luft besitzt er nicht. Wir werden durch die Luft aus dem Labyrinth fliegen.
Niemand wird uns Fliehende hindern.
Dann Ikarus: “Die Vögel fliegen sehr leicht über den
Himmel, weil ihnen Flügel sind. Aber Menschen können nicht fliegen,
weil sie weder Vögel sind, noch Flügel haben. Wir können aufgrund
der fehlenden Flügel nicht fliegen.” Dädalus beginnt wieder:
“Was wir nicht haben, werde ich machen. Viele und wunderbare Dinge habe
ich schon angefertigt: großartige Gebäude und gleichsam lebende
Statuen. Auch Flügel werde ich wagen anzufertigen. Obwohl es schwierig ist,
werde ich mich anstrengen, dieses Werk zu vollenden.” Zugleich bereitete
er sich die zur Arbeit notwendigen und geeigneten Sachen vor: lange Federn,
mittlere und kurze, Wachs und Garn. Zuerst legte er die Federn in einer Reihe
auf und band sie mit dem Garn fest. Dann verband er die Federn mit Wachs,
welches er mit Feuer weich gemacht hatte, und bog sie zur Form der Flügel
der Vögel. Der Junge Ikarus stand zusammen mit dem Vater, betrachtete mit
glänzenden Augen und offenem Mund die Arbeit. Schon hatte Dädalus das
Werk mit wunderbarer Kunst beendet und die gewaltigen Flügel an seinen und
des Sohnes Schultern festgemacht. Er sagte: “Siehe, mein neuestes
Kunstwerk. Wir werden unsere Körper kurz in die Luft erheben. Aber bevor
wir den Kerker verlassend fliegen werden, warne ich dich dieses: Fliege mitten
in der Luft zwischen Himmel und Meer. Wenn du nämlich näher beim
Wasser fliegst, werden Wellen die Flügel schwer machen;
Merke: Wenn im Hauptsatz die Zukunft steht folgt im lateinischen
Gliedsatz bei Gleichzeitigkeit das Parallelfutur. Im Deutschen stört die
Wiederholung von “werden” so, daß es besser als Präsens
übersetzt wird!
wenn du aber näher bei der Sonne fliegst, werden Flammen das Wachs,
welches die Federn zusammenhielt, auflösen. Flieg zwischen jedem von
beiden! Sei bitte nicht kühner, mein Sohn! Wenn ich früher gehe, wirst
du sicher nach mir sein.” Diese Worte mit Tränen sagend gab er dem
Sohn Küsse.
Merke: die erste Steigerung (-ior, -ius) kann auf drei Arten
übersetzt werden
altior = I. höher; II. zu hoch; III. ziemlich hoch
Sogleich hoben der Vater und der Sohn sich mit den Flügeln in die Luft
und ließen mit starken Armen das Labyrinth zurück. Bald gingen sie
von Kreta, bald sahen sie verachtend viele Inseln unter sich, als sich Ikarus
über den neuen Weg freut und eine höhere Reise macht und den
Führer den Vater zurückläßt und näher zur Sonne
hinaufsteigt. Ach, das Feuer der Sonne macht das Wachs weich. Ikarus die Federn
verlierend bewegt seine nackten Arme. Schneller und schneller durch den Himmel
zum Meer fallend rief er: “Vater, oh Vater”, solange bis die Wellen
sich über dem Mund des Buben schlossen. Der unglückliche Vater, schon
nicht mehr Vater schrie: “Ikarus, Ikarus, wo bist du? Unter welchem Himmel
fliegst du?” Lange konnte er den Sohn nicht sehen, dann erblickte er die
auf den Wellen schwimmenden Federn. Viel später fand er den Körper des
Sohnes bei einer gewissen Insel. Das Land, wo er den Körper des Sohnes
fand, ist jetzt Ikarien, das Meer das ikarische.
Nichts Neues unter der Sonne.
Dädalus warnte Ikarus: Am sichersten wirst du in der Mitte
gehen.
Das Leben ist kurz, die Kunst ist lang.
KAPITEL 24
CORIOLAN EIN VORNEHMER MENSCH BEKÄMPFT DIE
VOLKSTRIBUNEN
Es war ein Krieg zwischen den Römern und den Volskern. Die Römer
belagerten Corioli, die volskische Stadt, als plötzlich ein volskisches
Heer zur Hilfe herbeigeführt wurde. So drohte den Römern Gefahr aus
zwei Seiten. In dieser Zeit war Gnaeus Marcius im römischen Lager, ein aus
vornehmem Geschlecht stammender Jüngling, hervorragend in der Planung und
durch seine Kräfte. Mit einigen ausgewählten Soldaten schlug er nicht
nur den Angriff der Ausbrechenden zurück, sondern brach auch durch das Tor
sehr stürmisch in die Stadt ein. Dort wurde ein Gemetzel veranstaltet. Die
Volsker, welche aus Antium kommend Hilfe brachten, wurden zurückgeschlagen.
Die Stadt Corioli wurde eingenommen. In dieser Schlacht übertraf Gnaeus
Marcius den regierenden Konsul am meisten an Tapferkeit. Aus diesem Grund ist
Marcius der Beiname Coriolan gegeben worden.
Inzwischen wurde die römische Bürgerschaft, obwohl sie im Krieg
gesiegt hatte, durch ein viel schwereres Übel bedrängt. Weil durch die
Absonderung des Volkes die Äcker nicht gepflegt wurden, herrschte
größter Mangel des Getreides.
Merke: magnus 3 = groß
maior, maius = größer
maximus 3 = am größten
Zuerst war der Getreidepreis sehr teuer, schließlich wurde das Volk
durch Hunger überwältigt. Die Konsulen bemühten sich aus vielen
Orten Getreide zu kaufen - aber vergeblich. Schließlich wurde im
nächsten Jahr ein großer Vorrat des Getreides aus Sizilien
befördert. Im Senat handelten die Väter über den Preis: Um
welchen Preis ist es nötig dem Volk Getreide zu geben?
Viele Adelige wiederum versuchten das Volk zu zügeln. Am Anfang sagte
Gnaeus Marcius, der Feind der Amtsgewalt der Volkstribunen, im Senat:
“Wenn das Volk den alten Getreidepreis haben will, muß es auch das
alte Recht den Vätern zurückgeben. Werden wir etwa, welche den
König Tarquinius Superbus vertrieben haben, die Tribunen ertragen?
Väter, beseitigt die Macht der Volkstribunen.” So sehr blickte jener
vornehme um den Staat gut verdiente Mann auf das Volk und dessen Beamte herab.
Wenig später verlangt er vom Volk: “Gebt die Tribunen in
Ketten!” Diese sehr harten Worte sind vom Volk nicht toleriert
worden.
Die Menge forderte Gnaeus Marcius vor das Gericht. Coriolan wurde, weil er
an dem Tag nicht da war, als Abwesender vom römischen Volk verurteilt: er
ging zu den Volskern ins Exil weg.
Teuer ist, was selten ist. Wenn du geliebt
werden willst, liebe!
Wer heilt, wird nicht geheilt.
Ein notwendiges Übel.
Das Gute wird nur unterdrückt, niemals ausgelöscht.
Deine Sache wird verhandelt. Über dich wird eine
Geschichte erzählt.
KAPITEL 25
CORIOLAN, FEIND ODER SOHN?
Coriolan, welcher von Haß gegen die Römer entflammt worden war,
wurde von den Volskern, den Feinden der Römer, gut aufgenommen. Dort nahm
Attius Tullus, Anführer bei den Volskern, Marcius in Gastfreundschaft auf.
Attius wurde von altem Haß, Marcius von neuem Zorn gegen die Römer
erfüllt. Daher faßten sie einen Beschluß über einen Krieg
gegen die Römer:
Coriolan eroberte in kurzer Zeit sechs latinische Städte von den
Römern; überall zündete er die Gebäude des Volkes an, die
Häuser und Villen des Adels bewahrte er; so wurde in Rom Zwietracht
zwischen Vätern und Volk angetrieben. Nachdem er das römische Feld
verwüstet hatte, errichtete er ein Lager nahe bei der Stadt. Die Volsker
drohten durch ein großes Heer. In Rom wählten die Konsulen und
Väter, schon zum Kampf bereit, Soldaten aus und verteilten diese auf viele
Orte. Das Volk jedoch wollte nicht Krieg führen. Gesandte zu
Friedensverhandlungen wurden in das volskische Lager geschickt. Diese schickte
der von Haß und Neid entflammte Coriolan weg. Die wiederum geschickten
Gesandten bewegten seine Meinung nicht, nicht einmal die hilfeflehenden Priester
stimmten diesen um. Die Römer erwarteten schon ohne irgendeine Hoffnung auf
Rettung den Angriff der Volsker mit großer Furcht.
Dann beschlossen einige vornehme Damen den Willen des rauhen und
hochmütigen Menschen umzustimmen. Venturia, die Mutter des Marcius, und
Volumnia, dessen Frau, gingen mit zwei Söhnen und mit anderen Damen an das
Lager heran. Dem Marcius wird vom Militärtribun gemeldet: “Eine
seltsame und neue Sache wird gemacht: Ein Zug der Frauen, welche wünschen
zu dir geführt zu werden, ist beim Lager angekommen. Coriolan nahm die
Damen zuerst auf dieselbe Art nicht auf, mit der er weder mit den Gesandten noch
mit den Priestern verhandelt hatte. Dann sagte einer aus den Freunden:
“Wenn meine Augen nicht getäuscht werden, sind deine Mutter und Frau
dabei. Der heftig verwirrte Coriolan läuft der Mutter entgegen, er will sie
umarmen.
Merke: Das Passiv kann gelegentlich freier übersetzt
werden.
falluntur = 1) sie werden getäuscht 2) sie
täuschen sich
3) sie lassen sich täuschen 4) man
täuscht sie
Diese nicht mehr hilfeflehende, aber erzürnte sagte: “Laß
mich! Bevor ich deine Umarmung annehme, will ich wissen: Bist du ein Feind oder
ein Sohn? Bin ich eine Gefangene oder deine Mutter in deinem Lager? Begegnete
damals, als du an die Stadt herangingst, nicht deinem Geist: Innerhalb dieser
Mauern sind deine Mutter und Frau?” Mit diesen Worten wurde Gnaeus Marcius
schließlich überwältigt und umarmte die Seinen unter
Tränen. Dann schickte er sie weg und zog seine Legionen von der Stadt
ab.
Über den Tod des Gnaeus Marcius Coriolan, sind die Dinge zweifelhaft.
Entweder wurde er von den erzürnten Volskern, die er im Stich gelassen
hatte, getötet, oder er lebte lange unglücklich in Verbannung. Die
befreite Stadt erbaute zu Ehren der Frauen, durch deren Einfluß sie aus
der Gefahr gerettet worden war, einen Tempel der Fortuna Muliebris.
Angenehm sind die gemachten Arbeiten. So wird zu den Gestirnen
gegangen.
Wie wir grüßen, so werden wir zurück gegrüßt.
Das arme Volk.
Worte fliegen, das Geschriebene bleibt. Die ausgeschlossene
Zahl.
Das gehörte Wort geht zugrunde, der geschriebene Buchstabe
bleibt.
Man lebt nicht mit perfekten Menschen.
Der Arme liegt überall am Boden.
KAPITEL 26
ÜBER CÄSAR
SULLA SAGTE, DASS VIELE MARIUSSE IN CÄSAR
STECKTEN
C. Julius Cäsar verlor sechtzehnjährig seinen Vater. Er
führte Cornelia, die Tochter Cinnas, welcher der Partei der Popularen
vorstand, in die Ehe. Bald forderte Sulla, Führer der Optimaten und
Diktator, Cäsar auf, die Scheidung von seiner Gattin vorzunehmen. Der junge
Mann gehorchte dem Diktator nicht. Daher wurde er von Sulla für einen
Freund der feindlichen Partei gehalten.
Merke: habeo +2 Akkusative → habeo
te amicum = ich halte dich für einen Freund
im Passiv + 2 Nominative → haberis tu
amicus = du wirst für einen Freund gehalten
Er wurde gezwungen in ein Versteck wegzugehen. Gewisse überliefern
auch, daß der Diktator überlegt habe Cäsar zu beseitigen. Es
steht allerdings hinreichend fest, daß Sulla, obwohl er Cäsar lange
Gnade verweigert hatte, schließlich von Bittenden bestürmt worden ist
und ausgerufen hat: “Jener junge Mann wird einmal der Partei der Optimaten
Verderben bringen; in ihm stecken viele Männer wie Marius.”
KEINE GNADE DEN SEERÄUBERN
Der Jüngling Cäsar wünschte in Rhodos bei Apollonius Molo,
dem damals berühmtesten Lehrer der Redekunst, zu lernen. Zur Insel Rhodos
segelnd wurde er von Seeräubern gefaßt. Während dessen Begleiter
das Lösegeld herbeiholten, wartete Cäsar 40 Tage mit einem Arzt und 2
Sklaven bei den Seräubern. Der auf seine Rettung durch die Hilfe der
Verwandten Hoffende sagte öfter zum Scherz, er wolle sie als Freier mit der
Todesstrafe versehen. Diesen Ausspruch verlachten jene. Cäsar wurde durch
eine gewaltige Menge des Geldes ausgelöst und an der Küste ausgesetzt.
Sofort faßte er mit einer bereiten Flotte die wegfahrenden Seeräuber
und versah sie mit der Todesstrafe, wie er gesagt hatte.
IMMER DER ERSTE
Der Quästor Cäsar machte nach Spanien strebend ein Reise durch
ein gewisses bescheidenes Alpendorf, wo sehr wenige Bewohner ein rauhes Leben
trieben. Dort glaubten die lachenden Begleiter des Cäsars, daß
sicherlich diese Elenden weder durch den Ehrgeiz der Ehrenämter
erfüllt werden, noch die mächtigen Bürger beneiden. Sie glaubten
nämlich, daß Cäsar des Ruhms sehr begierig und zu großen
Sachen sehr entschlossen sei. Jener antwortete mit ernster Stimme, daß er
lieber hier der Erste sein wolle, als der Zweite in Rom.
KAPITEL 27
HILFE ODER HASS VON DEN HÄDUERN
Den Häduern wurde befohlen das Getreide, das sie versprochen hatten
täglich zu liefern. Von Tag zu Tag sagten sie, daß es vorbereitet
werde, daß es schon da sei. Cäsar rief deren Führer zusammen,
sobald er erkannte, daß der Tag bevorstehe, an dem es nötig war,
daß Getreide den Soldaten übergeben werde. Er klagte diese kurz an,
weil er in einer so wichtigen Zeit von ihnen nicht unterstützt wurde. Dann
zeigte Liscus, der das höchste Amt der Häduer innehatte, daß
einige das Volk von der Hilfeleistung zurückhielten; er zeigte, daß
von denselben die Pläne der Römer den Helvetiern gemeldet wurden;
daß diese von ihm nicht gezügelt werden konnten; er bestärkte,
daß er diese Dinge unter seiner persönlichen großen Gefahr
Cäsar melde und aus diesem Grund so lange geschwiegen habe.
Mit diesen Worten schien Liscus auf Dumnorix, den Bruder des Diviciacus,
anzuspielen. Durch andere fand Cäsar heraus, daß diese Sache wahr
sei. Er erfuhr, daß Dumnorix ein Mensch von größter
Kühnheit und großem Ansehen beim Volk sei; er erfuhr, daß
dieser eine große Zahl der Reiter durch sein Geld fördere und um sich
habe; er erfuhr, daß dieser nicht nur bei den Häduern, sondern auch
bei den benachbarten Stämmen sehr großen Einfluß habe;
daß dieser die Helvetier unterstütze und die Römer hasse.
Cäsar erinnerte sich nämlich, daß Dumnorix und dessen Reiter in
dem Reiterkampf vor den wenigen Tagen als erste geflohen seien und daß
deren Flucht die übrigen Reiter sehr erschreckt habe.
Cäsar befahl, bevor er gegen Dumnorix vorgeht, daß Diviciacus zu
ihm gerufen werde. Er hatte dessen höchsten Eifer für das
römische Volk, dessen hervorragende Zuverlässigkeit bemerkt.
Cäsar beschloß durch viele Bitten des Diviciacus bewogen nichts
Schwereres gegen Dumnorix. Er zeigte dem zu ihm gerufenen Dumnorix diese Dinge,
welche die Bürgerschaft der Häduer, welche der Bruder an ihm getadelt
hatte; er sagte, daß er ihm die vergangenen Sachen verzeihe; er befahl ihm
für die Zukunft alle Verdächtigungen zu vermeiden. Er stellt für
Dumnorix Wachen auf. Auf diese Art versucht er dessen Pläne zu
erfahren.
Die Gesetze schweigen unter den Waffen.
Durch viele Übel des Lebens wird Schweigen gelernt.
Glücklich ist, wer die Ursachen für die Dinge erkennen
konnte.
Mit gutem Glauben. Wer schweigt scheint
übereinzustimmen.
Erkenne dich selbst.
Teile und herrsche. Lachend das Wahre
sagen.
KAPITEL 28
DER WIDERSTAND LEISTENDE DUMNORIX WIRD
GETÖTET
Nachdem mehrere Stämme unterworfen worden waren, beschloß
Cäsar wiederum nach Britannien hinüberzufahren. Nachdem viele Schiffe
im vorherigen Jahr zerbrochen worden waren, befahl er, daß neue erbaut
werden. Im Hafen Itium war der Eifer der Soldaten und Handwerker in der
größten Not an Dingen einzigartig: Nachdem 638 Schiffe erbaut und
ausgerüstet worden waren, kam Cäsar selbst mit seinen Truppen dorthin:
Ebendorthin kamen die Reitereien ganz Galliens und die Führer aus allen
Stämmen. Er beschloß einige wenige von diesen, deren Treue ihm
gegenüber er gesehen hatte, in Gallien zurückzulassen, die
übrigen als Geiseln bei sich zu haben. Auf diese Weise hoffte er die ruhige
Lage in Gallien zu erhalten, weil er eine Erhebung gewisser Stämme
befürchtete.
Dumnorix war mit den übrigen zusammen. Er hatte beschlossen besonders
diesen bei sich zu haben, weil er erkannt hatte, daß dieser der neuen
Sachen und dem großen Ansehen unter den Galliern begierig sei. Jener
begehrte zuerst in Gallien zu bleiben: er sagte teils sich vor dem Meer zu
fürchten, teils durch kultische Aufgaben verhindert zu werden. Cäsar
verneinte das. Nachdem jede Hoffnung beseitigt worden war, fing jener an die
Führer Galliens zu reizen und durch Besorgnis zu erschrecken: er
behauptete, daß das Cäsars Beschluß sei alle Adeligen nach
Britannien hinüberzuführen und dort zu töten.
Nachdem diese Sachen erfahren worden waren, beschloß Cäsar
Dumnorix zu zügeln. 25 Tage wartete er im Hafen, weil ungünstiger Wind
war. Er bemühte sich Dumnorix im Dienst zurückzuhalten, nichts desto
weniger alle seine Pläne zu erkennen. Schließlich befahl er bei
günstigem Wind den Soldaten und Reitern die Schiffe zu besteigen. Aber
nachdem die Seelen aller verhindert worden waren, fing Dumnorix an mit seinen
Reitern vom Lager nach Hause wegzugehen. Nachdem diese Sache gemeldet worden
war, schickte Cäsar, nachdem der Aufbruch unterbrochen worden war, seine
Reiter und befahl, daß dieser zurückgebracht werde. Er sagte:
“Wenn er Gewalt macht und nicht gehorcht, tötet ihm.” Jener
aber von den Reitern gefunden und zurückgerufen, begann Widerstand zu
leisten und sich auch mit der Hand zu verteidigen, oft rufend, daß er frei
sei und Bürger einer freien Bürgerschaft. Die römischen Reiter
überwältigten den Mann, wie es befohlen worden war, und töteten
ihn; aber die Reiter der Häduer kehrten alle zu Cäsar
zurück.
Menschen glauben gerne das was sie wollen.
Der Würfel ist gefallen.
Du bringst Cäsar und dessen Glück.
Ich kam, sah und siegte.
Das ist jedenfalls Gewalt! - Auch du, Brutus! - Auch du, Sohn!
KAPITEL 29
WAS FÜR DEN REICHEN DIE VILLA IST, SIND FÜR DEN
ARMEN DIE THERMEN
Heute glüht die Sonne vom Himmel. Und so beschließen Ambarrus
und dessen Familie zu den öffentlichen Bädern zu gehen. Nach dem
Mittag brechen sie zum Marsfeld auf, wo die Thermen des Agrippa sind. Caelius
Ambarrus und Aulus gehen voraus, Hilara und Caelia folgen ihnen. Die Mutter
Hilara belehrt Caelia, die auf dem Weg fragt: “Waren die Thermen in Rom
immer öffentlich und groß?” “Aber keineswegs, Tochter!
Die Scipionen und andere vornehme Geschlechter hatten natürlich Bäder.
Jene nahe bei den Häusern oder ländlichen Villen gelegenen Bäder
waren privat und bescheiden, sie waren nicht mit Statuen oder Marmorsäulen
ausgestattet. Dem Volk war es nicht erlaubt jene Bäder zu benützen. Im
übrigen fürchteten sich die alten Römer, nackt vor den Augen der
anderen zu sein. Cato der Zensor, ein sehr ehrwürdiger und den griechischen
Sitten feindlich gesinnter Mann, badete niemals vor den Augen seines Sohnes. Wir
pflegen zwar über jene Scheu vor dem entblößten Körper zu
staunen oder zu lachen. Jetzt haben wir alle uns daran gewöhnt mit
großer Freude in den Thermen zu baden. Kennst du den Spruch was dem
Reichen die Villa ist, sind dem Armen die Thermen?”
Mit diesen Worten über die Sitten jener Zeiten sprechend kommen sie zu
dem geräumigen Gebäude. Ambarrus sagte: “Siehe die Thermen,
welche Agrippa, Helfer und Kriegsführer des Divus Augustus, dem Volk
erbaute und öffnete. Jetzt, ihr Liebsten, werden wir geteilt. Ich und mein
Sohn hier, ihr Frauen geht dort hinein.” Ambarrus bezahlt zwei Viertelas;
für die Kinder sind die Thermen frei. Obwohl die Thermen nach der achten
Stunde geöffnet werden, ist die Menge der Menschen schon gewaltig. Teils
üben die Jünglinge in der Ringschule ihre durch Salböl
glänzenden Körper, teils spielen die Männer verschiedene Spiele
mit den Bällen. Auf der Sonnenterrasse liegen einige unter der Sonne und
lassen sich bräunen, weil sie glauben, daß die Hitze der Sonne gesund
sei.
KAPITEL 30
VERSCHIEDENE UNTERHALTUNGEN IN DEN ÖFFENTLICHEN
BÄDERN
Im Warmbad waschen Ambarrus und Aulus ihre vom Schweiß und Staub
schmutzigen Körper. Schon gehen sie zu den nächsten Eingängen.
Aulus wundert sich, daß der Vater am Eingang der Sauna und des Warmbades
vorübergeht. Ambarrus sagt zum Sohn: “An diesem sehr heißen Tag
können wir das Warmwasser nicht genießen. Ich will das Warmbad nicht
benützen. Wir werden sofort zum Kaltbad hinübergehen. Komm, ich
möchte das kalte Wasser schon benützen und genießen!” Bald
schwimmen Ambarrus und Aulus mit den übrigen im Becken des Kaltbades. Das
Kaltbad selbst ist von ungeheurer Größe und Tiefe. Den ganzen Tag
werden Licht und Hitze der Sonne von den sehr weiten Fenstern aufgenommen. Ein
aus Marmor angefertigter Fußboden umgibt das Schwimmbecken. Das
Vergnügen aller im Becken schwimmenden ist sehr groß.
Sie freuen sich sehr, weil sie sowohl die warme Sonne, als auch das kalte
Wasser an ihren Körpern spüren. Nachdem Ambarrus und sein Sohn sich
lange im kalten Wasser aufgehalten haben, obwohl es ziemlich kalt ist, verlassen
sie das Kaltbad.
Mehrere, die schon gebadet haben, oder zu baden zögern gehen in der
Säulenhalle spazieren. Dort zwischen den angefertigten Säulen aus
farbigem Marmor sind Statuen der Götter und Göttinnen aufgestellt: Sie
können den die Leier haltenden Apollo, die den Bogen haltende Diana, die
durch eine sehr schöne Gestalt ausgezeichnete Venus, den mit einem
Löwenfell bekleideten und durch die Arbeiten erschöpften Herkules, und
andere Götter und Göttinnen, auch die Häupter berühmter
Philosophen, Dichter, Feldherrn und Rednern anschauen. Wie groß ist die
Menge der sich in der Säulenhalle unterhaltenden: die einen klagen
über Geschäfte, Arbeiten und Mühen, andere freuen sich über
die Freizeit eines Festtages, teils unterhalten sie sich über Frauen, teils
über die beim Prätor geführten Prozesse, teils über die
tödlichen Angelegenheiten mit ihren Freunden. Viele verweilen zwei oder
drei Stunden, andere gehen ihre Freunde grüßend weiter. Einige
schwitzen weder in den Thermen noch schwimmen sie noch baden sie. In der
Bibliothek, welche sehr viele Buchrollen enthält, lesen sie Bücher
oder lesen sie aus Büchern vor.
Nach einigen Stunden ist die Hitze der Sonne schwächer. Schon ist die
Zeit fast da, in der es nötig ist nach Hause aufzubrechen. Denn die Thermen
werden kurz vor Abend geschlossen. Nahe bei den Thermen gibt es Geschäfte
und Garküchen. In den Tabernen pflegt getrunken, in den Garküchen
gegessen zu werden. Viele aus dem Volk, Freigelassene und Sklaven, sind gewohnt
in den Garküchen ein bescheidenes Mahl zu essen. So essen Ambarrus, Hilara,
Caelia, Aulus, nachdem sie eine gewisse Garküche betreten haben Fisch,
Brot, Käse, Oliven, Feigen, sie trinken wenig des Weines, mehr Wasser.
Lange sprechen sie über Dinge, welche sie getan, gesehen, gehört
haben: über das sehr große Gebäude, wo sie verweilt, über
die Statuen, die sie bewundert, über das Wasser, in dem sie gebadet
haben.
Die Arbeit selbst ist das Vergnügen.
Es gibt nichts zu bewundern.
Höre viel, sprich wenig!
KAPITEL 31
DIE VERWITWETE FRAU UND DER WACHSAME SOLDAT
In Ephesos hatte eine gewisse verheiratete Frau ihren geliebten Mann
verloren. Die Witwe war nicht zufrieden, mit aufgelösten Haaren, auf die
Brust schlagend, dem Begräbnis zu folgen, sondern nachdem sie in die Gruft
hineingetreten war beweinte sie Tag und Nacht den Leichnam.
Zur selben Zeit wurde ein gewisser gefangener und verurteilter Räuber
nach bei jener Gruft am Kreuz befestigt. Ein gewisser Soldat bewachte das Kreuz,
damit nicht irgend jemand den Körper zur Bestattung fortschaffe. In der
nächsten Nacht erblickt der Wächter ein helles Licht und hört ein
Seufzen; er wünscht den Grund zu wissen; er sieht in die Gruft
hinabsteigend eine sehr schöne Frau. Er erkennt, daß die Ehefrau den
Tod des Mannes nur schwer ertragen könne. Bald bietet er seinen Imbiß
der Trauernden an. Er sagt: “Höre auf zu trauern, nimm die Speise und
den Wein!” Aber jene schlug noch heftiger auf ihre Brust. Der Soldat ging
dennoch nicht weg. Solange bot er der Frau den Imbiß an, bis die Magd,
welche mit ihrer Herrin da war, gefangen wurde. Gestärkt durch Speise und
Wein, begann sie die Herrin zu überreden: “Wird es dir etwa
nützen, wenn du dich lebendig bestattest? Willst du nicht das Licht der
Sonne genießen? Der Körper des Toten selbst ermuntert dich zu
leben.” Endlich nahm die Witwe die Speise an, und nicht weniger gierig als
die Magd, ergötzte sie sich daran. Schnell erlangte sie den Geist des
Lebens wieder.
Bald wandte sich der Soldat mit süßen Worten an die Frau. Aber
der junge Mann schien der Frau nicht rauh oder schlecht. So widerstand die Frau
der Liebe nicht länger. Nachdem das Tor geschlossen worden war verweilten
sie diese Nacht und den nächsten Tag und auch einen dritten in der Gruft.
Die, welche kamen, glaubten, daß die vom Schmerz erledigte Witwe über
dem Körper des beweinten Toten zugrunde gegangen sei.
Inzwischen hatten die Eltern den Körper des Räubers weggebracht.
Der Soldat fürchtete die Todesstrafe sehr, sobald er das leere Kreuz
erblickte. Er beschloß das Urteil des Richters nicht abzuwarten, sondern
sich selbst mit dem Schwert zu töten. Aber die Frau sagte, nachdem sie
gehört hatte, was sich ereignet hatte und was der Jüngling im Geist
hatte: “Zwei Leichen zweier mir sehr lieber Menschen kann ich nicht
anschauen. Lieber will ich den Toten zurücklassen als den Lebendigen
verlieren.” Sie befahl dies gesagt habend, daß der Körper des
Gatten aus dem Sarg genommen werde und an das leere Kreuz genagelt werde. Durch
den Einfall der sehr klugen Frau wurde der nachlässige Wächter
gerettet. So erfreut sich der Soldat an seinem unversehrten Leben, die Frau am
lebenden Gatten.
Entweder wollen die Dichter nützen oder erfreuen.
Es ist eine gewisse Freude zu weinen.
Ich selbst bin mir der nächste.
KAPITEL 32
DIE ARBEIT IN DER LÄNDLICHEN VILLA
Heute belehre ich dich, mein Sohn Marcus, über die Pflichten und
Geschäfte eines Familienoberhauptes. Das Familienoberhaupt sollte, sobald
es zur ländlichen Villa kommt, um das Grundstück gehen. Sobald er die
Werke , welche gemacht und welche nicht gemacht worden sind, erkannt hat, sollte
er den Verwalter rufen und ihn fragen, was gemacht worden ist und was
übrigbleibt. Sobald er das erfahren hat, sollte er seine Abrechnung der
Werke und Tage halten. Wenn er glauben sollte, daß zuwenig vollendet
worden sei, und wenn der Verwalter sagen sollte, daß die Sklaven krank
waren oder vom Landgut geflohen seien, wenn er sagen sollte, daß böse
Unwetter stattgefunden hätten, dann soll er ihn belehren, welche Werke
während der Regenfälle erledigt werden können: Fässer
auswaschen, Mist hinaustragen, Saatgut reinigen, Kleider flicken.
Sobald er erkannt hat, welche Arbeiten übrig sind, soll er sich darum
kümmern, daß sie erledigt werden; er soll eine Abrechnung des
Getreides, Weins und Öls halten.
Das Familienoberhaupt soll befehlen, daß gekauft wird was fehlt; und
daß verkauft wird, was im Überfluß vorhanden ist; er soll
befehlen von welchen Arbeiten er will, daß sie von den Sklaven verrichtet
werden und von welchen er will, daß sie an Tagelöhner vergeben
werden. Er soll das Vieh betrachten; eine Versteigerung machen; das Öl
verkaufen wenn es einen guten Preis haben sollte; er soll Rinder, Schafe, Felle,
altes Eisenwerkzeug, alte und kranke Sklaven verkaufen. Es gehört sich
nämlich für das Familienoberhaupt, viel zu verkaufen, wenig
einzukaufen.
Dies werden die Aufgaben des Verwalters sein. Er soll eine gute Zucht und
Ordnung halten; von fremden Sachen soll er seine Hände lassen, seine
eigenen soll er sorgfältig bewahren; er soll der Familie genug Nahrung
bieten; er soll sich den Nachbarn für Gefälligkeiten dankbar
erweisen.
Der Verwalter soll kein Herumtreiber sein, er soll beim Essen nicht
weggehen; er soll immer nüchtern sein, er soll sein Gesinde in den Arbeiten
immer gut üben; er soll nicht meinen, daß er mehr wisse als der Herr;
ohne Befehl des Herrn soll er niemandem Geld borgen; er soll zwei oder drei
Gesinde haben, von welchen er die notwendigen Dinge verlangt und welchen er sie
gibt, darüber hinaus niemanden. Er soll keinen Vogelschauer um Rat fragen,
er soll keinen Parasiten haben.
In der Früh sollte er als erster Aufstehen, am Abend als letzter
schlafen gehen; er soll sehen, daß die Villa verschlossen ist, daß
jeder an seinem Platz liegt, daß die Zugtiere Futter haben.
Halte die Sache fest, die Worte werden folgen. Ein Redner ist ein guter
Mann, der des Sprechens kundig ist.
Im übrigen meine ich, daß Karthago zerstört werden
muß.
Es soll dir helfen! Daher wollen wir uns freuen. Ich berichte
Berichtetes.
Viele Dinge fehlen denen, die viel anstreben.
Der Jüngling will lange leben, der Greis hat lange gelebt.
Niemand wagt frei zu reden, sobald die Freiheit gefallen ist.
KAPITEL 33
BEI DEN ETRUSKERN
Gaius Plinius sagt seinem Apollinaris einen Gruß. Neulich besuchte
ich meinen etruskischen Besitz. Selten spiele ich ein Pferd besteigend und durch
irgendeinen Teil der Güter reitend das Familienoberhaupt, öfter aber
jage ich und beschäftige ich mich mit Literatur. Schon lange wünschte
ich dich auf meinen etruskischen Gütern zu haben. Du schriebst, daß
du durch deine Geschäfte von der Reise abgehalten wirst: ich jedenfalls
bedauere sehr, daß du zur nächsten Zeit nicht dorthin fahren
kannst.
Merke: veho 3., vexi, vectus = führen, bringen
vehor 3., vectus sum = gebracht werden, fahren
Bsp.: vehor = ich reite / nave vehor = ich segle
Wenn du die Lage der Region und die Lieblichkeit der Villa sehen
würdest, würdest du verstehen, daß ich dort zufrieden und
glücklich bin. Das Klima ist im Winter kalt, im Sommer ist wunderbare
Milde. Immer wird die Luft durch irgendeinen Hauch bewegt, öfter sind
jedoch Hauche als Winde. Daher sind dort viele ältere Männer: du
würdest dort Großväter und Urgroßväter sehen, von
denen du alte Geschichten der Ahnen hören würdest; wenn du dorthin
kommen würdest, würdest du glauben, daß du in einem anderen
Zeitalter geboren seist.
Der Anblick der Region ist sehr schön. Denke dir mit deinem Geist
irgendein unendliches Amphitheater, die weit erstreckten Felder werden von
Bergen umgeben, welche sehr hohe und sehr alte Bäume im höchsten Teil
besitzen. Häufig und vielfältig ist dort die Jagd. Von dort reichen
die Wälder mit dem Berg selbst bis in die Täler herab. Die Hügel
sind auf allen Seiten fruchtbar. Unter den Wäldern erstrecken sich nach
allen Seiten Weingärten. Dort nähren die Wiesen verschiedene Blumen
und andere Gräser, welche immer zart, weich und neu sind: alle werden
nämlich das ganze Jahr über von Bächen genährt. Alle
Gewässer, die übrig sind, münden in den Tiber. Der Fluß
eilt reißend zum Meer; er befördert mit Schiffen den Ertrag im Winter
und im Frühling in die Stadt.
Du würdest große Freude empfinden, wenn du diese Lage der Gegend
vom Berg aus erblicken würdest: du würdest nämlich nicht das Land
oder ländliche Sachen, sondern hervorragende Gemälde einzigartiger
Schönheit betrachten. Meine Villa hat hinten in der Ferne die Apeninen, von
welchen sie keine scharfen Winde empfängt, sondern durch die weite
Entfernung leichte und gebrochene.
Mögest (Wenn) du doch bald von deinen Geschäften befreit und
nicht länger von der Reise abgehalten werden (würdest). Mögest du
doch bald zu diesen in der Zeit des Jahres so schönen Gegenden eilen,
mögest du mit mir über die Hügel und durch die Täler jagen
oder nur durch die Säulengänge und die Gärten spazieren gehen!
...Leb wohl!
Dem Wort sei Gnade! Das mögen die Götter gut wenden. Dir sei ein
leichtes Land.
Auch der andere Teil soll gehört werden. Der Volksgeist. Dein Wille
geschehe.
Glücklich sind die Armen im Geiste. Gleiches wird durch gleiches
erhalten.
Die Kriege sollen die anderen führen, du glückliches
Österreich heirate.
KAPITEL 34
“HANNIBAL, DU WEISST ZU SIEGEN, DEN SIEG ZU
NÜTZEN WEISST DU NICHT”
(Über den 2. punischen Krieg; 1. Teil)
Merke: ut: a) + Konj. = daß, damit / ne = daß nicht,
damit nicht
- + Ind. = wie, sowie
Statt “damit/damit nicht”
geht oft besser die Nennformgruppe “um zu/ um nicht zu”.
Statt “daß/daß nicht” geht oft besser die
Nennformgruppe “zu/nicht zu”.
Der Unterschied zum A.c.I.:
A.c.I. 0 indirekte Behauptung
ut = indirekte Wünsche und Absichtssätze
Nachdem Sizilien verloren worden war, trieben die nach Spanien
hinübergegangen seienden Karthager Handel mit vielen Orten. Nachdem
Hamilcar gestorben war, wurde dem 20 Jahre alten Hannibal der Oberbefehl
gegeben. In den nächsten drei Jahren unterwarfen die Punier unter der
Führung Hannibals mehrere spanische Völker im Krieg. Sie begannen
Sagunt, eine mit den Römern verbündete Bürgerschaft, zu belagern.
Die Römer verlangten von Hannibal, daß er vom Krieg ablasse. Ebenso
schickten sie Gesandte nach Karthago, damit die Führenden selbst Hannibal
auftrugen, daß er keinen Krieg gegen die Verbündeten des
römischen Volkes führen sollte. Den Römern wurden harte Antworten
von den Karthagern gegeben. Inzwischen eroberte Hannibal mit Gewalt Sagunt. Dann
kündigten die Römer den Krieg an.
Während Hasdrubal Spanien festhielt, führte Hannibal selbst das
andere Heer über des Gebirge der Pyrenäen. , damit er möglichst
schnell Italien angreifen könnte. Auf den Alpen, welche niemand jemals mit
einem Heer überquert hatte, öffnete er die Wege und befestigte sie,
damit bewaffnete Elefanten gehen konnten, wo vorher Menschen kaum kriechen
konnten.
Die Römer erwählten Quintus Fabius zum Diktator, nachdem sie von
den Puniern drei Niederlagen erlitten hatten. Dieser schnitt Hannibal zwar vom
Nachschub ab, aber er lieferte sich nie eine Schlacht. Während die
Römer zu kämpfen zögerten, verwüsteten die Punier das Land.
Fabius wurde zwar teils zum Spaß, teils zu seiner Ehre der Zögerer
genannt. Später mahnte der von den Schauplätzen des Krieges
wegtretende Fabius die Konsulen L. Aemilius Paullus und Gaius Terentius Varro,
daß sie die Feinde nicht angriffen und mit Hannibal keinen Kampf
begannen.
Merke: Name + Titel im 6. Fall = unter
Hannibale duce = unter der Führung Hannibals
Die punischen Truppen hatten unter der Führung Hannibals, die
römischen Legionen unter den Konsulen Paullus und Varro bei Cannae in
Apulien ein Lager errichtet.
Merke: Zwei Adjektive können statt Partizipien einen Abl.abs.
bilden.
“vivus; invitus” = “zu Lebzeiten; gegen den
Willen”
Dort lieferte der des Sieges begierige Varro gegen den Willen des Paullus
eine frühzeitige Schlacht.
In dieser Schlacht wurden die Römer und deren Gefährten von den
Puniern und deren Hilfstruppen umringt und besiegt. Paullus wurde getötet,
viele Senatoren und 50 oder 60000 der Soldaten wurden getötet oder
gefangengenommen.
Dann Maharbal: “Die Götter haben demselben nicht alles gegeben.
Du weißt zu siegen, Hannibal, den Sieg zu nützen weißt du
nicht.”
Dann fielen viele italienische Bürgerschaften durch den Sieg der
Punier veranlaßt von den Römern ab und forderten von Hannibal,
daß sie zu Gefährten der Punier gemacht wurden. Hannibal schlug aber
den unterworfenen Römern vor, daß sie ihre Gefangenen
zurückkauften. Der Senat antwortete, daß die Bürger, die
bewaffnet gefangen werden könnten, nicht notwendig seien. Es gefiel dem
Senat mehr, mit diesem Geld Sklaven freizulassen und zu bewaffnen. In so
großer Gefahr war damals die römische Sache. (Der andere Teil wird
folgen.)
Durch so viele Unterscheidungen der Dinge.
Du weißt nicht, was der späte Abend bringt. Ich gebe,
damit du gibst.
Dem Wolf ein Schaf anvertrauen.
Was aufgeschoben wird, wird nicht aufgehoben. Ein schwarzer
Tag.
Hannibal an den Toren.
KAPITEL 35
NACHDEM DER KRIEG NACH AFRIKA HINÜBER GEBRACHT
WORDEN WAR, BESIEGTEN DIE RÖMER DIE PUNIER
(Über den 2. punischen Krieg; zweiter Teil)
Nachdem Syracus eingenommen worden war, ein ehrenhafter Friede mit
König Philipp geschlossen worden war, die Sachen in Spanien unter der
Führung von Publius Cornelius Scipio günstig erledigt worden war,
beschlossen die Römer den Krieg nach Afrika hinüberzubringen. Scipio
wurde zum Konsul gemacht und nach Afrika geschickt, damit er die Punier und
Numider angriff, welche sich verbündet hatten. Er besiegte diese durch
einen scharfen Kampf. Nachdem diese Sache gehört worden war verließ
fast ganz Italien Hannibal. Die Karthager befahlen Hannibal, daß er nach
Afrika zurückkehre, um sein Vaterland zu verteidigen, das Scipio
verwüstete. Der mit dem Einverständnis des Senats mit den Karthagern
einen Waffenstillstand schließende Scipio forderte, daß sie sich von
Spanien fernhalten sollten, daß sie Gefangene und Überläufer
zurückgeben sollten, daß sie alle Kriegsschiffe außer zwanzig
übergeben sollten, daß sie fünftausend Talente Silbers geben
sollten. Während Hannibal sicher ankam, störten die durch eine neue
Hoffnung hingeführten Punier den Frieden. Aber bald strebten die durch
eine sehr schwere Niederlage bei Zama Besiegten den Frieden an. Geschlagen und
fast gefangengenommen entkam Hannibal nach Hadrumetrum. Nachdem der Friede
gemacht worden war, hielt Scipio einen Triumphzug in Rom und wurde aus dem Krieg
Africanus genannt.
Im 18. Jahr wurde der 2. punische Krieg beendet, nachdem er geführt zu
werden begonnen worden war. Von diesem Zeitalter an war in diesen Gebieten der
Welt kein Volk mächtiger als die Römer.
DENKWÜRDIGE WORTE
(aus den Zeiten des 2. punischen Krieges)
Livius Salinator, ein römischer Führer, hatte alle Teile Tarents
verloren, außer der befestigten Burg, von dort führte er dann
Schlachten gegen die Feinde. Einige Jahre später nahm Fabius Maximus die
Stadt für die Römer wieder ein. Dann mahnte Salinator Fabius:
“Du sollst daran denken, bitte, daß du mit meiner Hilfe Tarent
wieder eingenommen hast.” Fabius zu jenem: “Sicher erinnere ich mich
deiner. Ich hätte es nämlich niemals zurückgewonnen, wenn du es
nicht verloren hättest.”
Q. Fabius wurde mit dem Beinamen Maximus, P. Cornelius Scipio nur mit
Magnus angeredet. Wegen dieser Sache fragte der mit Neid erfüllte Scipio
den Fabius: “Warum nennen sie dich Maximus, mich Magnus? Du
beschütztest das Lager, ich besiegte Hannibal durch eine
Feldschlacht.” Fabius antwortete diesem: “Wenn ich die Soldaten
nicht für dich erhalten hätte, wären keine gewesen, mit denen du
gesiegt hättest.”
Nachdem der Krieg lange beendet worden war, trafen Hannibal und Scipio in
Ephesos zusammen und sprachen über berühmte Feldherrn. Scipio fragte
Hannibal: “Wer war nach deiner Meinung der größte
Imperator?” Hannibal antwortete: “Der erste ist Alexander, der
zweite Pyrrhus, der dritte ich selbst.” Der lachende Scipio sagte:
“Aber ich besiegte dich.” Dann Hannibal: “Wenn du mich nicht
besiegt hättest, hätte ich mich selbst als ersten
beurteilt.”
Wenn du geschwiegen hättest, wärest du ein Philosoph
geblieben.
So geht der Ruhm der Welt dahin.
Rom hat gesprochen, die Sache ist beendet.
Ich habe einen Tag vertan.
KAPITEL 36
TIBERIUS GRACCHUS SCHLÄGT DEM NOTLEIDENDEN VOLK EIN
ACKERGESETZ VOR
Tiberius Sempronius Gracchus und Gaius Sempronius Gracchus stammten vom
Vater und der Mutter aus von sehr vornehmen Geschlechtern ab. Deren Mutter
Cornelia, Tochter des Scipio Africanus, hatte Tiberius Sempronius Gracchus
geheiratet. Dieser war zweimal Konsul und Zensor gewesen, er hatte zwei
Triumphzüge gefeiert. Nachdem der Vater frühzeitig gestorben war,
steht fest, daß Tiberius und Gaius von der Mutter selbst erzogen wurden:
Cornelia unterwies die Söhne und die Tochter mit größter Umsicht
in der latinischen und griechischen Literatur.
Tiberius, welcher neun Jahre älter war als Gaius, schlug früher
die öffentliche Laufbahn ein. Nachdem er Kriegsdienst bei Numantia
geleistet hatte, kehrte er von Spanien durch Etrurien zurück. Dort sah er,
daß sehr weite Regionen des Staatslandes unbebaut waren oder von fremden
Sklaven gepflegt wurden. Durch diese Sache wurde Tiberius überzeugt,
daß es nötig sei, daß die Güter der Reichen eingeschrenkt
werden, die Äcker den Plebejern zugeteilt werden.
Merke: Dativ = für
= zum/zur (Zweckdativ)
z.B.: mihi gaudio est = es ist mir zur Freude = ich freue mich
Der zum Volkstribun gewählte Tiberius legte mit größter
Beredsamkeit dem Volk seine Pläne vor, weil die sehr elenden Dinge des
Volkes diesem zur großen Sorge waren. Er schlug diesen ein Ackergesetz
vor: “Kein Bürger soll mehr als 500 Morgen des Staatslandes
haben.
Merke: Der Ablativ bei einem Komperativ = als
z.B.: maior te = größer als du
Welchem erwachsene Söhne sind, dem sollen sie 1000 Morgen zuteilen.
Welche Teile des Staatslandes verlieren, denen soll der Verlust
zurückerstattet werden. Die Not leidenden Familien sollen je 30 Morgen
Staatsland empfangen.”
Die durch große Hoffnung bewegten Siedler kamen vom Land nach Rom, wo
Ti. Gracchus außer vielem dieses zum Volk gesagt haben soll: “Ihr
seid ärmer als die wilden Tiere: denn jenen sind Höhlen und Verstecke,
aber ihr, die Italien zu verteidigen und für die Heimat zu kämpfen
pflegtet, habt nichts außer das Licht des Himmels. Ihr entbehrt sogar
bescheidene und notwendige Dinge. Ohne Wohnsitz, ohne Feuerstätte, ohne
Domizil schweift ihr mit Frauen und Kindern im fremden Land umher. Ist es nicht
besser zu sterben, als ein elendes Leben zu haben, wo ihr wenigen Mächtigen
zum Spott seid? Es ist erlaubt für den Reichtum und Besitz anderer im
Krieg zu kämpfen. Ihr werdet Herren der Welt genannt, welche kein Teilchen
der Erde besitzen. Ich meine so: Das Staatsland ist Land des Volkes. Vielen,
nicht wenigen muß es zum Nutzen sein.”
Gesetze sollen kurz sein. Das öffentl. Wohl soll das oberste Gesetz
sein. Es soll Licht werden.
Du sollst dem anderen oft verzeihen, dir selbst niemals. Nichts ist
schneller als das Gerücht.
Der eine braucht die Hilfe des anderen. Wem ist es zum Guten?
Wer schreibt, liest zweimal. Übung ist der beste Lehrer.
Heute ein nichts, morgen der Größte. Durch die Nacht zum
Licht.
KAPITEL 37
TI. GRACCHUS UND SEINE VON DEN VÄTERN
ÜBERWÄLTIGTEN GENOSSEN WERDEN GETÖTET
Merke: Semideponentien: Präsensstamm = normal
Perfektstamm = Deponens (siehe Buch Seite 71)
Daher wagte jener sehr vornehme Mann, mit sehr scharfen Worten dem elenden
Volk zu Hilfe zu kommen.
Merke: oportet 2., oportuit = es ist nötig
unpersönliche Verben gibt es nur in der 3. Pers. Sg. mit dem Subjekt
es
Der Infinitiv bildet ohne 4. F. schon einen AcI.
oportet = daß es nötig ist
Er legte dar, daß es notwendig sei den Armen Teile des Staatslandes
zuzuteilen und neue Kolonien aufzustellen: es war notwendig das Ackergesetz dem
Volk zur Abstimmung vorzulegen. Zugleich hatte er ganz Italien ein
Bürgerrecht versprochen. Aber M. Octavius, Volkstribun, welcher mit den
Senatoren vertrauten Umgang habend selbst große Grundstücke
besaß, verbot die Abstimmung des Gesetzes. Denn jedem einzelnen Tribun war
das Recht des Einspruchs, indem er “veto” sagte.
Merke: cum + Indikativ = wenn, sooft, wann, als, indem
+ Konjunktiv = als, nachdem, während, da, weil,
obwohl
Tiberius erreichte, mit allen Bitten Octavius anflehend, daß dieser
sich vom Einspruch fernhielte, nichts. Nachdem die Versammlung abgehalten worden
war, entzog er dem Kollegen Octavius das Amt. Von da an wählte Ti.
Gracchus, nachdem das Ackergesetz durchgebracht worden war, ein
Dreimännerkollegium zur Verleihung und Zuweisung von Ackerland: sich
selbst, den Schwiegervater App. Claudius, und seinen Bruder Gaius, einen
20-jährigen Jüngling. Die Aufgabe war sehr schwer, weil die Grenzen
zwischen den Staatsländern und privaten Grundstücken sehr oft unsicher
waren.
Der Senat arbeitete auf jede Weise, auf welche er konnte, den Arbeiten der
drei Männer entgegen. In dieser Zeit strebte Tiberius, damit er sich selbst
schützte und das unternommene Werk fortsetzte gegen die Sitten der
Älteren ein anderes Tribunat an. Dann sagten die Stadtväter, daß
Gracchus es gewagt habe, sich die Herrschaft zu verschaffen. Inzwischen waren,
während der Sommer begann, viele aus dem Volk, welche die Partei des
Tiberius begünstigten, in die ländlichen Kolonien zurückgekehrt.
Dann töteten die Optimaten, der Senat, der größere Teil der
Ritterschaft, auf Gewalt und Waffen vertraut habend, Tiberius und dessen
Gefährten, zweihundert oder dreihundert an der Zahl, am Abhang des
Kapitols, sie verschonten wenige. Der Körper des Tiberius wurde mit
beispielloser Grausamkeit der Sieger in den Fluß Tiber geworfen.
An jenem Tag, an dem Ti. Gracchus getötet worden ist, ist die
öffentliche Sache (wie Cicero sagt) schwer verwundet worden, und dessen Tod
teilte ein Volk in zwei Teile.
Es ist nötig, daß ein Gesetz kurz ist.
Der letzte Senatsbeschluß:
Die Konsulen sollen sehen, daß der Staat nicht irgend etwas des
Schadens nimmt. (Das ist die Ausrufung des Ausnahmezustandes)
Wie der Herr beschaffen, so auch der Sklave beschaffen.
Der Tod ist gewiß, unsicher die Stunde.
Vertraue, aber schau, wem du vertraust!
Sowohl Waffen als auch Worte verletzen.
Der sichere Freund wird in einer ungewissen Sache erkannt.
Ich bin nicht, wie ich erschaffen war.
KAPITEL 38
- TULLIUS KLAGT VERRES
AN
“DIESER MENSCH DA QUÄLTE UNSER
SIZILIEN MIT SO GROßER WUT, DAß ES AUF KEINE WEISE WIEDER
HERGESTELLT WERDEN KANN”
- Tullius Cicero, der C. Cornelius Verres
anklagte)
“Bevor ich über die Unrechte und Schmerzen
Siziliens spreche, oh Richter, könnte ich einige Worte über die
Würde, das Alter, den Nutzen der Provinz machen.
Sizilien hat sich als erste aller Provinzen zur Freundschaft und Treue des
römischen Volkes anvertraut. Es war von so großer Treue, daß
die Bürgerschaften dieser Insel später niemals abgefallen sind. Daher
wurden von unseren Ahnen aus dieser Provinz Schritte nach Afrika gemacht.
Sizilien bot den Soldaten Getreide, den Schiffen Häfen. Jener M. Marcellus
selbst, sobald er die Stadt Syrakus, die den Puniern geholfen hatte, mit Gewalt
eroberte, ließ nicht nur zu, daß sie unversehrt blieb, sondern
ließ sie auch so geschmückt zurück, daß sie ein Denkmal
des Sieges, der Milde, der Selbstbeherrschung war.
Wann gab Sizilien das Getreide, welches es uns schuldete, nicht
pünktlich? Und immer gab es so, daß M. Porcius Cato es die
Vorratskammer unseres Staates und auch die Ernährerin des römischen
Volkes nannte. Jedoch die Ausdauer aber, die Tüchtigkeit, die
Wirtschaftlichkeit der Einwohner selbst ist so groß, daß die
Sizilier scheinen an unsere alte Zucht heranzurücken: nichts der
Verschwendungssucht der Griechen ist in diesen, sondern wieviel Arbeit in den
öffentlichen und privaten Sachen, wieviel Sparsamkeit, wieviel Sorgfalt!
...
C. Verres quälte, beraubte, richtete jenes Sizilien durch drei Jahre
mit so großer Wut zugrunde, daß es auf keine Weise in den alten
Zustand wiederhergestellt, kaum aber durch viele Jahre und uneigennützige
Stadtväter gekräftigt werden kann.
Auf diese Art behandelte dieser Mensch da die Sizilier, daß sie weder
ihre Gesetze noch unsere Senatsbeschlüsse halten konnten. So wenig hat
jeder einzelne in Sizilien, wie die unersättliche Habgier des Menschen ihm
gelassen hat. Auf frevelhafte Art sind gewaltige Gelder von den Gütern der
Bauern weggeschleppt worden; die unschuldigen Gefährten sind zu der Zahl
der Feinde gemeint worden; die römischen Bürger sind auf die Art von
Sklaven gequält und am Kreuz getötet worden; die sehr anständigen
abwesenden Menschen sind verbannt worden; die gefaßten Räuber sind,
nachdem ein Preis bezahlt worden war, von diesem da weggeschickt worden; viele
Menschen sind in den Steinbrüchen auf Befehl dieses sehr grausam mit dem
Tod bestraft worden.
Dieser selbe Prätor trug sehr alte Denkmäler weg. Und dieses
machte er nicht nur mit öffentlichen Statuen, sondern er plünderte
auch alle heiligen Tempel, daß er den Siziliern, weder eine Göttin
noch einen Gott, mit alter Kunstfertigkeit hergestellt,
zurückließ.
Freizeit mit Würde. Oh Zeiten, oh Sitten!
Oh du süßer Begriff der Freiheit.
Wir sind Sklaven der Gesetze, damit wir frei sein können.
Nicht zu wissen was vorher geschehen ist, bevor du geboren bist, das
heißt immer ein Kind zu sein.
Wir brauchen Wasser und Feuer nicht an mehr Stellen als die
Freundschaft.
Die Waffen sollen der Toga weichen, der Lorbeer möge der Zunge
weichen.
Was du nicht willst, daß dir getan wird, tu auch dem anderen
nicht!
KAPITEL 39
“ICH BESCHWÖRE UND FLEHE ALLE GÖTTER UND
GÖTTINNEN AN...”
Merke: -urus 3 = Partizip Futur = wollend, werdend
futurus = sein werdend, sein wollend; facturus = tun werdend, tun
wollend
Part. Fut. + esse = wollen
facturus est = er ist ein tun wollender = er will tun
Schon will M. Tullius das Ende der Rede machen, schon will er viele
beraubte Götter beschwören, schon will er viele verletzte
Göttinnen anflehen. Schon will er durch das Ende seiner Rede die gewaltigen
und frevelhaften von Verres begangenen und gemachten Verbrechen zum letzten Mal
erwähnen und verurteilen. Schon will C. Verres ins Exil
aufbrechen.
“Nun flehe ich dich an, oh bester, größter Jupiter, dessen
königliches Geschenk, würdig für deinen Tempel, würdig
für das Capitol, dir versprochen, dieser Mensch durch frevelhaftes
Verbrechen aus den Händen des Königs entriß, ich beschwöre
dich, dessen sehr heiliges Abbild er von den Syrakusanern beseitigte;
und ich flehe dich an, Königin Juno, deren sehr alte, auf den Inseln
Malta und Samos gelegenen, Heiligtümer, dieser selbe von Habsucht
verleitet, ihrer Geschenke und ihres Schmucks beraubt hat;
und dich, Minerva, welche er in zwei sehr heiligen Tempeln beraubte, in
Athen, als er das große Gewicht des Goldes, in Syrakus, als er alles
außer Dach und Wände wegtrug;
und euch, Latrona und Apoll und Diana, deren Sitz in Delos er durch einen
nächtlichen Angriff plünderte, und dich Diana, welche er in Perge
beraubte, deren sehr herrliches Abbild er in Segesta stahl und
fortschaffte;
und dich, oh Merkur, den P. Afrikanus am Sportplatz der Tyndoritaner
aufgestellt hatte und den Verres in irgendeiner privaten Ringschule aufgestellt
hat;
und dich Hercules, den dieser in Agrigent in der Nacht mit einer Schar der
Sklaven aus deinem Tempel wegzutragen versuchte;
und dich heiligste Mutter Kybele, die er in dem erhabensten Tempel so
beraubt zurückließ, damit nun nur der Verletzten die Spuren der
Religion blieben, damit der Schmuck der Tempel nicht vorhanden sei;
und euch Castor und Pollux, Zeugen der größten Beschlüsse,
der Gesetze, der Verhandlungen, an jenem vielgefeierten Ort des römischen
Volkes aufgestellt, aus deren Tempel dieser sich am meisten Beute
verschaffte;
und dich Ceres, von welcher die Anfänge des Lebens und der Nahrung den
Menschen gegeben worden sind, welche von diesem einen so verletzt worden ist,
daß er das eine Abbild aus dem Heiligtum aus Catina, das andere aber von
Henna von seinem Sitz wegtrug, welches so beschaffen war, daß die
Menschen, als sie es sahen, glaubten, daß sie Ceres selbst, oder daß
Ceres nicht mit menschlicher Hand gemacht, sondern vom Himmel gefallen
sei;
und ich beflehe und bitte die übrigen Götter und Göttinnen
inständig, deren Tempeln und Religionen dieser da, von Zorn und
Kühnheit angetrieben, einen frevelhaften Krieg ankündigte, euch alle
beschwöre ich, damit C. Verres, dessen schändliche Verbrechen,
Kühnheit, Habgier und Grausamkeit einzigartig sind, eine Strafe, seiner
Taten würdig, erreicht. Ich habe gesprochen.”
Ave Cäsar, die Todgeweihten grüßen dich!
Ohne Freundschaft gibt es kein Leben.
Dasselbe wollen und dasselbe nicht wollen, das ist Freundschaft.
(Cicero)
Ohne Ceres und Liber friert Venus. (Ohne Nahrung und Wein bleibt die
Liebe kalt.)
Dem das Verbrechen nützt, der hat es getan.
Knaben sind Knaben, Knaben beschäftigen sich mit kindlichem.
Die Muse verbietet, daß ein des Lobes würdiger Mann
stirbt.
KAPITEL 40
ÜBER HELENA UND PARIS (ERSTER TEIL)
ÜBER DIE JUGENDZEIT DES PARIS UND DER
HELENA
Helena, die schönste aller Frauen, war die Tochter Ledas und Jupiters.
Einst liebte nämlich Jupiter, als er durch die Liebe zu Leda entflammt
wurde, in die Gestalt eines Schwans verwandelt, die Königin. Aus dieser
Verbindung wurde Helena geboren.
Die Adeligen fast ganz Griechenlands wollten die einzigartige Jungfrau in
die Ehe fürhen. Helena war es erlaubt auszuwählen, wen auch immer sie
wollte. Alle Bewerber gelobten, daß sie den Gatten der Helena in allen
Notlagen unterstützen wollten. Helena lebte, nachdem sie schließlich
Menelaos, den spartanischen König, geheiratet hatte, einige Jahre ruhig mit
ihrem Ehemann und ihrer jungen Tochter, bis Paris aus Asien nach Sparta
kam.
Über den Ursprung und die Jugendzeit des Paris wird dieses
überliefert: Einstmals wurde Hekabe, die schwangere Frau des Priamos, durch
einen abscheulichen Traum erschreckt: sie schien sich einen Brand gebären
zu werden. Ein Priester erklärte den erschrockenen Eltern, daß jener
Bub die Stadt durch einen Brand zerstören werde. Wegen dieser Sache wurde
der Säugling, nachdem er geboren worden war, am Berg Ida ausgesetzt. Aber
dort wurde er erst von einer Bärin, dann von Hirten gerettet.
ÜBER DAS URTEIL DES PARIS
Thetis rief, als sie Peleus heiratete, zu einem feierlichen Mahl alle
Götter, nachdem Discordia herausgenommen worden war. Als diese nicht
hinzugezogen wurde, warf diese vom Eingang her einen Apfel, welchem die
Aufschrift “Für die Schönste” war. Zwischen Juno, Minerva,
Venus entstand ein großer Streit. In diesem Wettstreit befahl Jupiter,
daß Paris beurteile. Jede einzelne Göttin versprach, nachdem sie von
Merkur zum Berg Ida geführt werden war, Paris eine Sache, wenn sie Siegerin
sein würde. Juno versprach, daß er die Königsherrschaft
über Asien und auch Europa besitzen werde; Minerva, daß er alle durch
Mut und Kenntnis übertreffen werde. Venus aber versprach, daß sie
Helena, die schönste aller Frauen, ihm in die Ehe geben werde. Paris
beurteilte, Helena mehr als das übrige begehrend, Venus am
schönsten.
Nachdem er zu einer hervorragenden Gestalt herangewachsen war, schritt er
in die Heimat Troja hinein. Dort nahmen Priamos und Hekabe, von Furcht frei, den
Sohn wieder gut auf. Bald fuhr Paris, von Venus angetrieben, daß er Helena
gewinne, nachdem das Schiff mit Reichtümern ausgestattet worden war, nach
Sparta.
Der Dichter wird nicht gemacht, er wird geboren.
Selten ändert ein Greis seine Meinung.
Zeiten werden geändert (ändern sich), und wir ändern uns in
jenen.
Schlecht geborene Dinge, werden schlecht fortgesetzt werden.
Schlecht ist ein Plan, welcher nicht geändert werden kann.
Eine Wohltat anzunehmen, heißt die Freiheit zu verkaufen.
Ungerechte Herrschaften bleiben niemals ewig.
KAPITEL 41
ÜBER HELENA UND PARIS (ZWEITER TEIL)
“HOLDE KÖNIGIN, VON WIEVIEL LIEBE ZU DIE WERDE
ICH VERZEHRT!”
Paris wurde in Sparta von Helena und Menelaos in Gastfreundschaft
aufgenommen. Abends genossen sie reichliche Speisen. Paris wurde durch den
Liebreiz der Helena sehr bewegt und erregt, Helena lächelte Paris heimlich
zu, während Menelaos nichts merkte. Am zehnten Tag ließ der
König, der nach Kreta segeln wollte, die Frau mit dem Gast zurück.
Dann konnte Paris nicht länger schweigen. Wir wollen hören, mit
welchen Worten etwa er Helena beschworen haben soll:
“Holde und göttliche Königin, allen Lobes würdig,
meine Flamme des Herzens, nimm an, was ich bisher schlecht verheimlichte. Aber
ich kam nicht hierher, um Waren zu verkaufen oder Städte zu betrachten. Du
warst der Grund der so langen Fahrt über das Meer. Venus versprach mir dich
als erfreulichen Preis. Dich ersehnte ich und ich sah dich gleichsam im Geist
früher, als du mir bekannt geworden warst. Ich zog dich allen
Königreichen vor, welche Juno mir anbot, dich zog ich der Tapferkeit und
Weisheit vor, welche Minerva mit anbot. Dir verspreche ich stärkste
Standhaftigkeit, wenn du dich mir hingegeben haben wirst.
Merke: Konjunktiv Präs. in Fragesätzen drückt den
Zweifel mit “soll” aus.
Quid dicam? = Was soll ich sagen?
Der Vater Priamos besitzt gewaltige Reichtümer Asiens. Was soll ich
dir über die goldenen Dächer Trojas sagen, was soll ich über die
hohen Türme erzählen? Oh wie oft wirst du, wenn du alles erblickt
haben wirst, sagen “Wie arm unser Griechenland ist”!
Von wie großer Liebe zu dir werde ich verzehrt! Als der die Arme um
deinen Hals legende Mann dir Küsse gab, wurde ich von Neid verzehrt. Als
ich das Feuer mit Wein auslöschen wollte, wuchs jenes stärker. Wenn
ich die Augen abwandte, dauerte dein Abbild an. Mich schmerzt es euch zu sehen,
aber noch mehr schmerzt es mich von dir abwesend zu sein.
Deshalb weil dein Mann abwesend ist, wird uns die Möglichkeit der
Flucht gegeben. Fern soll dir die Furcht vor dem Ehemann sein: ich werde dich
mit allen Kräften beschützen und verteidigen.”
Helena überlegte, nachdem sie diese Worte gehört hatte, lange bei
sich: “Soll ich Ehemann und Tochter zurücklassen und mit dem
ausländischen Ankömmling aufbrechen? Soll ich der Begierde folgen oder
der Beständigkeit gehorchen? Soll ich die Treue zur Ehe brechen oder
retten?” Dann sagte sie dem nach der Ehe begierigen Mann vieles. Teils
entbrannte sie selbst aus Begierde zu dem jungen Mann, teils erkannte sie,
daß es unrecht sei die Treue zu brechen. Daher ist es zweifelhaft, ob
Paris Helena entführt hat, oder Helena freiwillig Paris gefolgt ist. Welche
Sache auch immer geschehen ist: Durch die Hoffnung auf ihr Glück
veranlaßt, brachen sie in der Nacht heimlich nach Troja auf.
Die Freude über die gemachte Arbeit.
Der Haß gegen das Menschengeschlecht.
Goldene Berge versprechen.
Liebende sind wahnsinnig.
Wer gibt den Liebenden ein Gesetz? Die Liebe ist für sich selbst das
größere Gesetz. (Boethius)
Ämterlaufbahn.
KAPITEL 42
ES WIRD ERZÄHLT WARUM IPHIGENIE IN AULIS GEOPFERT
WURDE
Schon steht fest, daß Paris Helena, die des Menelaos, nach Troja
weggeführt hat. Bald kamen die meisten Führer der Griechen nach Aulis
zusammen, weil sie durch einen Eid versprochen hatten, daß sie Menelaos
unterstützen werden. Dort wurden deren Schiffe im Hafen wegen der
Windstille sehr lange zurückgehalten. Das wurde auf Befehl der
erzürnten Diana gemacht, weil Agamemnon, der Bruder des Menelaos und
höchster Führer, jagend eine heilige Hirschkuh der Göttin
verletzt und allzu stolz gegen Diana gesprochen hatte.
Dann wurde Agamemnon, nachdem Priester herbeigerufen worden waren, vom
Seher Kalchas belehrt, daß er nicht gereinigt werden könne, wenn er
nicht seine Tochter Iphigenie geopfert hätte. Der König zögerte
zuerst, weil er seine Tochter sehr liebte, ob er das scheußliche
Verbrechen begehen oder zurückweisen sollte. Aber wenig später wurde
er durch Ulysses schmeichelnde Worte veranlaßt, daß er die Tochter
nicht verschone. Derselbe Ulysses wurde geschickt, damit er Iphigenie von
Zuhause nach Aulis zum Altar hinführe, damit sie geopfert wurde. Sie
täuschten die Mutter Klytaimestra sich ausdenkend, daß das
Mädchen Achilleus, einen sehr tapferen König, heiraten werde. Als der
Vater, die zum Altar gebrachte Tochter mit dem Eisen bedrohte, schob Diana sich
der unschuldigen Jungfrau erbarmt habend eine Hirschkuh für diese unter.
Iphigenie selbst brachte sie über den Himmel in das taurische Land und
machte sie zur Priesterin ihres Tempels.
WIE IPHIGENIE MIT ORESTES VON DEN TAURERN NACH HAUSE ZURÜCKGEKEHRT
IST
Auf das Orakel vertraut habend, brachen sie zu den Taurern auf, welchen der
Brauch war, daß, wer auch immer, entweder Gast oder Fremder, in deren
Gebiet gekommen war, im Tempel der Diana geopfert werde. Die Freunde wurden von
Hirten gefangen und dem König übergeben, als sie in einer Höhle
verborgen die Gelegenheit erwarteten, daß sie den Tempel des
göttlichen Bildes berauben konnten. Thoas befahl, daß diese durch die
Sitte der Vorfahren gefesselt in den Tempel geführt werden. Dort fragte
die Priesterin Iphigenie über die Fremden, wer sie seien, woher sie
gekommen seien, was sie wollten. Nachdem sie diese Sachen erfahren hatte, begann
sie mit höchster Freude erfüllt das Zeichen der Diana wegzunehmen. Als
der König eingetreten seiend fragte, warum sie das tue, sagte jene,
daß diese Frevler das Zeichen der Göttin entweiht hätten und
daß es notwendig sei, damit es durch Sühne gereinigt werde, daß
es zum Meer gebracht werde. Deshalb verlangte sie vom König, daß er
den Bürgern ansage, daß niemand von ihnen aus der Stadt hinausgehe.
Der König gehorcht der Priesterin. Sofort befiehlt Iphigenie, daß das
Abbild zu den Wellen befördert werde, wo die Jünglinge mit der Frau
das Schiff betreten habend auf die hohe See entkommen. Durch günstige Winde
kamen sie nach Hause. Orestes wurde, nachdem er das Bild der Diana von den
Taurern nach Hause gebracht hatte, von den Furien freigesprochen.
So viel Schlechtes konnte die Religion raten.
Du weißt nicht was der späte Abend bringt.
KAPITEL 43
ÜBER DIE DAS GOLDENE VLIES ANSTEBENDEN
ARGONAUTEN
ÜBER IASON UND MEDEA, 1. TEIL
Dem Jüngling Iason wurde von Pelias, dem König Thessaliens,
seinem Oheim, befohlen das goldene Vlies von den Kolchiern zurückzubringen.
Argo, ein schönes und schnelles Schiff, wurde, während Minerva mit
half, zum Segeln erbaut. Iason und seine kühnen Freunde gelangten, sehr
große Mühen überstanden habend, zu den Kolchiern.
Dort erfuhr Iason, begierig das Fell zu erlangen, vom König Aietes
diese Bedingung: “Wenn dir im Geist ist das goldene Vlies wegzutragen,
binde die Feuer hauchenden Stiere, pflüge mit denselben das weite Feld,
säe die Zähne eines Drachen, bekämpfe die aus den Zähnen
entstandenen Männer. Du wirst durch tapferes Kämpfen als Sieger
hervorgehen.” Iason verzweifelte wegen jenen schweren Gefahren
beinahe.
Juno aber überredete Venus, weil sie Iason begünstigte und
wußte, daß dieser ohne Hilfe die Aufgaben nicht erfüllen werde,
daß sie die Liebe Medeas zu Iason reizte. Medea, Tochter Aietes, war
Priesterin und Zauberin, welche die Kunst des Heilens kennengelernt hatte. So
verliebte sie sich bald, von Venus veranlaßt, in Iason. Wir wollen
hören, mit welchen Worten etwa Medea bei dem Dichter Ovid mit sich
überlegt, ob sie den Ankömmling lieben und unterstützen soll und
den Vater und die Heimat verraten soll.
“Was ist es, warum ich so begierig bin den Jüngling zu
unterstützen? Warum fürchte ich für jenen, den ich eben gesehen
habe? Eine unbekannte Kraft zieht mich gegen meinen Willen; die Begierde
rät mir das eine, mein Geist etwas anderes. Warum werde ich an dem Gast
verbrannt? Warum begehre ich die Verbindung im fremden Land? Ob jener lebt oder
untergeht, ist im Willen der Götter. Er soll jedoch leben! Und es ist
erlaubt das sogar ohne Liebe zu erbitten. Jenem Jüngling ist fremde Hilfe
nötig. Wenn ich ihm die Hilfe nicht gebracht haben werde, wird er durch die
Mäuler der Stiere verbrannt und von den durch die Saat geschaffenen Feinden
getötet werden. Aber soll ich des Liebens begierig die Heimat verlassen?
Soll ich irgendjemand fremden durch meine Mühe beschützen? Was, wenn
er ohne mich mit dem Wind absegeln wird? Aber jenem ist nicht die Miene,
daß ich den Betrug fürchte. Und so wird er vorher ein Versprechen
geben. Und er wird mir immer Dank schulden. Wir werden durch eine feierliche Ehe
verbunden werden. Werde ich etwa das Ehe nennen und meiner Schuld den
großen Namen geben? Erblicke, Medea, welchen verbrecherischen Weg du
gehst, und solange bis es erlaubt ist, entfliehe dem
Verbrechen!”
Pflichtgefühl und Scheu standen vor den Augen der, diese Worte
gesprochen habenden, Medea, und schon floh Cupido. Aber sobald sie den tapferen
und schönen Jüngling sah, leuchtete die ausgelöschte Flamme
wieder auf. Und der Gast bewegte, sobald er wegen des Bittens um Hilfe die
Rechte Medeas ergriff, den Geist der Frau schneller. Deshalb gab die Zauberin,
nicht länger zweifelnd, Iason eine mit wunderbarer Kraft versehene Salbe,
damit sie den Körper vor dem brennenden Hauch der Stiere
schütze.
Das Bessere sehe und billige ich, ich folge als Schlechteres.
Die Freuden sind oft der Anfang unseres Schmerzes. Wir lernen durch
das Lehren.
Ein guter Mann, des Redens kundig.
Ein Mann stellte für uns durch Zögern die Sache wieder
her.
Das Gerücht wächst im Gehen. Die verbrecherische Liebe des
Habens.
Der Tropfen höhlt den Stein aus, nicht durch Gewalt, sondern durch
häufiges Fallen.
Die Art des Lebens. Wer Ohren des Hörens hat,
höre!
Im Zustand des geboren Werdens. Seine Lust zieht jeden.
Solange ich atme, hoffe ich. Eine Bedingung ohne die nichts geht. Wegen
der Ehre.
KAPITEL 44
IASON BRICHT DIE MIT MEDEA GESCHLOSSENE EHE
ÜBER IASON UND MEDEA, 2. TEIL
Der durch die von Medea erhaltene Salbe unterstützte Iason verband
unversehrt die Stiere und pflügte das Feld. Nachdem genug bewaffnete
Männer aus den Zähnen der Schlange geboren waren, warf er einen Stein
zwischen sie, wie es von Medea befohlen worden war; dann töteten die
Kämpfenden einer den anderen.
Nachdem die Aufgaben erledigt worden waren, bereitete Aietes den
Gästen dennoch Fallen. Medea führte die Argonauten nachts zu einem
Hein, wo das Vlies von einem Monster bewacht wurde. Als der Drache, von einem
Gift Medeas betäubt, in den Schlaf gefallen war, raubte Iason das solange
ersehnte Fell. Sofort bestiegen die Seemänner mit der Frau, welche dem
geliebten Mann folgte, vor dem erzürnten König fliehend, das Schiff
und strebten auf die hohe See.
Sehr schwere Gefahren über die Meere überstanden habend, kehrten
sie schließlich nach Iolkos zurück, wo sie dem König Pelias das
begehrte Fell übergaben. Der König, wie sehr auch alt und schwach,
hielt Iason von der Herrschaft ab. Dann überredete Medea durch die Bitten
Iasons verleitet die Töchter Pelias, daß sie durch Abschlagen der
Glieder und durch Kochen mit Kräutern dem Vater die Jugend zurückgeben
könnten. Sie zeigte die Kunst, nachdem sie einen Widder getötet,
gekocht und zur Jugend erneuert hatte. Aber Pelias, mit derselben Vernunft
behandelt, rettete Medea nicht. Der Sohn des Pelias vertrieb die aus Iolkos,
durch deren Falle sein Vater ums Leben gekommen war.
Iason und Medea kamen nach Korinth, wo sie sich den Sitz aufstellten und
mehrere Jahre mit zwei Söhnen in gewisser Eintracht lebten. Aber der durch
sein adeliges Geschlecht stolze Iason floh allmählich vor der fremden Frau,
ja er schauderte sogar zurück. Zuletzt führte der Grieche, die
Fremdländische zurückweisend, Glauca, die Tochter eines Königs,
in die Ehe. Medea konnte, obwohl sie in so großen Nöten zuerst den
Jüngling, dann den Ehemann unterstützt hatte, weder durch Anflehen
noch durch Drohen den Geist dieses umstimmen. Die Zauberin erfand, als sie sah,
daß sie durch Wohltaten um Iason verdient mit so großer Schmach
versehen worden war, zum Rächen diesen Plan: sie schickte ein Kleid und
einen Kranz in Gift getränkt durch ihre Söhne als Geschenk Glauca.
Diese wurde, nachdem sie die Geschenke angenommen und angezogen hatte, zusammen
mit dem zu Hilfe kommenden Vater von den Flammen verzehrt. Die korinthischen
Bürger töteten die Söhne mit Steinen, Medea entkam in einem mit
Flügel versehenen Wagen durch die Luft. Iason aber wurde später unter
dem Schiff Argo sitzend von einem fallenden Teil des Holzes
niedergehauen.
Zuerst in Euripides Tragödie tötet Medea selbst die Söhne,
um sich an dem treulosen Ehemann zu rächen, bevor sie aus Korinth
entfloh.
Hüte dich vor dem Hund!
Das Glück unterstützt die Tapferen. Das schlechte Kraut geht
nicht zugrunde.
Durch Eintracht wachsen kleine Dinge, durch Zwietracht zerfallen die
Größten.
Die Liebe besiegt alles: und laßt auch uns vor der Liebe
weichen!
Weiche dem Widerstrebenden; durch Nachgeben wirst du als Sieger
weggehen.
Worte lehren, Beispiele reißen mit.
KAPITEL 45
SEID GEGRÜSST, DIE IHT IN OLYMPIA GESIEGT
HABT!
Eine wie große Menge, während die einen die anderen
bedrängen, ein wie großes Geschrei im Hafen von Ephesos! Fast die
ganze Bürgerschaft begrüßt, nachdem die Hände im Klatschen
gehoben worden sind, den Euragoras und den Phrygnon, deren einer im Langlauf,
der andere im Ringkampf siegte. Euragoras hatte schneller als die übrigen
Läufer die Länge des Stadions zwanzigmal durchlaufen. Der ringende
Phrynon war von den Richtern siegreich erklärt worden, nachdem er seinen
Gegner in sehr kurzer Zeit dreimal zu Boden geworfen hatte.
Nun werden die beiden Sieger, während die Bürger sie begleiten
oder unterwegs applaudieren, gleichsam im Triumph zum Rathaus geführt.
Jeder von beiden wird, nachdem er mit einem Kranz geschmückt worden ist,
von den führenden Männern in Ephesos mit ausgesuchten Ehren empfangen.
Viel Geld aus der Staatskasse wird ihnen geschenkt. Statuen werden für die
Beiden von einem hervorragenden Künstler möglichst schnell am Forum
aufgestellt werden.
Durch keine Sache wurden die Griechen mehr verbunden, als durch die in
Olympia gefeierten Spiele. In jedem 5. Jahr brach die Jugend der in der
griechischen Sprache sprechenden Bürgerschaften zu den olympischen Spielen
auf, damit sie durch fünf Festtage jenem berühmtesten Wettkampf
beiwohnte. Die einen kämpften im kurzen Lauf (in ein oder zwei Stadien),
die anderen im sehr langen Lauf (in zwanzig oder vierundzwanzig Stadien), die
dritten im Sprung, diese im Ringkampf, jene im Wettlauf der Pferde. Jeder
kämpfte in seiner Kunst so um den Kranz des Sieges. Welche auch immer
hierher kamen, hatten zu Hause sehr lange in der Ringschule oder im Gymnasium
ihre Körperkräfte trainiert, sodaß sie die übrigen im Lauf,
im Werfen, im Kämpfen übertrafen.
ÜBER DIE DIE NATUR DER DINGE ERFORSCHENDEN WEISEN
Thales soll als erster über die Natur der Dinge geforscht haben: er
meinte, daß das Wasser der Ursprung aller Dinge sei. Derselbe sah vorher,
daß die Sonne durch das Vortreten des Mondes ausgehen werde.
Heraklit sagte, daß alles aus dem Feuer herausgebracht werde; er
behauptet, daß alle Dinge fließen und nichts andauere und daß
alle niemand nochmals in denselben Fluß steigen könne.
Pythagoras behauptete, daß die Seelen nach dem Tod von den einen zu
den anderen hinübergingen. Die Pythagoreer glaubten, daß Zahlen mit
der Harmonie der Musik verbunden seinen, ja sogar, daß das Weltall durch
die Harmonie erklinge.
Demokrit lehrte, daß das ganze Weltall aus kleinsten Teilchen
zusammengesetzt werde. Er nannte die Teilchen Atome, welche nicht geteilt werden
könnten: er sagte, daß alle Sachen immer durch eine Menge der
entweder zusammentreffenden oder entfliehenden Atome erzeugt werden.
Anaxagoras trug gleichsam als erster die Philosophie nach Athen.
Gemäß seiner Lehre werden unzählige und verschiedene Samen im
Weltall durch Vernunft (oder Verstand) gelenkt. Wiewohl jener Freund des
Perikles und Lehrer des Euripides war, floh der wegen Gottlosigkeit angeklagte
Greis aus der Stadt.
Nichts geschieht ohne Grund. Alles fließt, es gibt nichts, was auf
der ganzen Welt fortdauert.
Auf die Worte des Lehrers schwöre. Der
eine braucht die Hilfe des anderen.
Kein Buch ist so schlecht, daß es nicht durch irgendeinen Teil
nützt.
Da Leben gibt den Menschen nichts ohne große Arbeit.
Ein wahrer Freund ist gleichsam ein anderer Derselbe.
Die Gewohnheit ist gleichsam eine andere Natur. Die
Natur macht keine Sprünge.
Welche Kunst jeder in sich erkannt hat, darin soll er sich üben.
Der vernünftige Mensch.
KAPITEL 46
DIE GRIECHEN BEWAHREN DIE HEIMAT VOR DEN PERSERN BEI
MARATHON
ÜBER DIE PERSISCHEN KRIEGE, 1. TEIL
Laßt und zuerst sehr kurz erfahren, wie die Kräfte der Perser
mehr und mehr gewachsen sind:
Kyros, der König der Perser, bemächtigte sich der Herrschaft der
Meder. Dann unterwarf er Lydien, nachdem Kroisos geschlagen worden war,
schließlich die griechischen Bürgerschaften Iaoniens unter seinem
Befehl. Kambyses, der Sohn des Kyros, fügte dem Reich der Perser das
unterworfene Ägypten hinzu. Nachdem Kambyses ausgelöscht und Babylon
eingenommen worden war, begann König Dareios einen Krieg mit den Skythen.
Von diesen zwar zurückgeschlagen, bereitete er sich, nachdem Thrakien und
Makedonien unterworfen worden waren, vor Griechenland unter seine Macht zu
bringen, daß er den Kreis seiner Herrschaft schloß.
Er rüstete eine Flotte der 500 Schiffe aus. Er bewaffnete 200.000 der
Fußsoldaten, 10.000 der Reiter. Er sagte den Athenern diesen Grund des
Heranrückens: “Krieg muß von uns gegen euch geführt
werden, weil die griechischen Ionier mit eurer Hilfe Sardes erobert und unsere
Posten getötet haben.” Die Führer der Perser rückten,
nachdem Euboia eingenommen und die Bürger nach Asien weggebracht worden
waren, nach Attika heran und führten die Truppen zu dem Feld bei
Marathon.
Die durch die so nahe Gefahr bewegten Athener baten durch einen zu den
Spartanern geschickten Läufer um Hilfe. Zu Hause aber entstand unter zehn
Militärführern eine große Debatte, ob die Stadtmauern von ihnen
verteidigt oder die Feinde mit Schärfe angegriffen werden
müßten. Als die Spartaner von religiösen Kulten
zurückgehalten wurden, mußte von den Athenern die Schlacht beinahe
allein geführt werden. Denn keine Bürgerschaft außer einer war
den Athenern zu Hilfe gekommen. Wie sehr deshalb auch 10.000 der Griechen sich
gegenüber 200.000 der Perser aufgestellt hatten, Miltiades, zum Führer
des Krieges gemacht, hatte höchstes Vertrauen in die Schnelligkeit und auch
Tapferkeit der Seinen.
In der nicht offenen Gegend richtete er unter Hügeln eine
Schlachtreihe mit dem Plan ein, daß sie selbst durch die Bäume
geschützt, die Reiterei der Feinde aber behindert wurde. Datis, Führer
der Perser, wünschte, obwohl er sah, daß solche Plätze für
die Seinen nicht geeignet seien, auf die so großen Truppen vertraut
habend, dennoch zu kämpfen, und das um so mehr, weil er glaubte, daß
der Kampf begonnen werden müsse, bevor die Spartaner zu Hilfe kamen. In
diesem Kampf töteten oder vertrieben die Athener auf dem für sie
günstigen Platz mit wunderbarer Tapferkeit eine Menge der Feinde. Die
geschlagenen und erschrockenen Perser mußten die Schiffe aufsuchen. Kein
Kampf war bisher berühmter als jener. Selten nämlich hat eine kleinere
Schar von Männern größere Truppen (oder mehr Soldaten)
besiegt.
KAPITEL 47
DIE FLOTTE DER ATHENER ÜBERWÄLTIGT DIE
KRIEGSSCHIFFE DER PERSER ODER SCHLÄGT SIE IN DIE FLUCHT
ÜBER DIE PERSISCHEN KRIEGE, 2. TEIL
Schon Xerxes begann zu Lande und am Meer mit so großen Truppen einen
Krieg mit ganz Griechenland, wie sie niemand zuvor gesehen hatte. Während
die Athener Apoll in Delphi befragt haben, antwortete Pythia, daß sie die
Stadt, nachdem die Stadtmauer aus Holz angefertigt worden war, beschützen
sollen. Während die übrigen zweifelten, wie sie das Orakel des Apoll
deuten sollen, überredete Themistokles die Bürger, daß das der
Plan sei, daß sie sich und die ihrigen auf die Schiffe zusammentragen
sollten: er hatte erkannt, daß die Holzmauern Schiffe waren. Nachdem ein
so beschaffener Beschluß gebilligt worden war, erbauten die Athener
ebensoviele Dreidecker, wie viele sie schon hielten. Welche Dinge sie auch immer
bewegen konnten, schafften sie nach Salamis fort, sie verbargen Frauen und
Kinder mit den wertvollen Sachen auf der kleinen Insel, sie übergaben die
Festung einigen Älteren, die Stadt ließen sie zurück. Der Plan
des Themistokles mißfiel den meisten Bürgerschaften, es gefiel ihnen
mehr auf dem Land zu kämpfen. Ganz im Gegenteil, weil sie ihr Wohl
höher einschätzten als das Schicksal aller, wollten sie sich besser
nach Hause zurückziehen. Daher wurde eine Schar der Spartaner unter der
Führung Leonidas ausgeschickt, damit sie die Thermopylen besetzten und
nicht duldeten, daß die Perser länger vorrückten. Aber jene die
die große Kraft der Feinde nicht aushielten, gingen alle bis auf den
letzten Mann zugrunde.
Nachdem die Thermopylen erobert worden waren, eilte Xerxes nach Athen und
zerstörte die Stadt durch einen Brand. Schon bereiteten die meisten durch
die Flammen erschreckten Griechen vor wegzugehen, daß sie ihre Städte
verteidigten. Dann faßte Themistokles diesen Beschluß: Er schickte
den treuesten Sklaven heimlich zu Xerxes, der meldete, daß die meisten
Griechen sich nach Hause zurückziehen wollten. So redete er dem König
ein, daß die gesamten Truppen der Griechen an einem Ort angegriffen werde
müßten. er erklärte, daß die Perser mit ihrer Flotte die
kleinere der Griechen leicht umzingeln konnten. Der König nicht der List
fürchtend gab am folgenden Tag das Zeichen zum Kampf. Von den Persern
mußte an einer keineswegs günstigen Stelle im so engen Meer
gekämpft werden, daß eine Menge der größeren Schiffe gegen
die Schnelligkeit der kleineren nicht entfaltet werden konnte. Der König
blieb gleichsam wie ein Zuschauer des Kampfes am Strand. Weil das Gefecht
länger unentschieden war, begannen die Ionier allmählich, so wie man
es mit Themistokles vereinbart hatte, sich aus dem Kampf zurückzuziehen.
Durch den Abfall derer sind die Sinne der übrigen zerbrochen worden. Daher
flohen die zurückgeschlagenen und in der Seeschlacht bald besiegten Schiffe
der Perser. So viele Schiffe wurden gefaßt, wie viele versenkt
wurden.
Sag, Gastfreund in Sparta, daß du uns hier liegend gesehen hast,
während wir den heiligen Gesetzen der Heimat folgen.
Nichts mehr darüber hinaus. Vom Vorhergehenden - Vom
Nachfolgenden.
Der äußerste Senatsbeschluß. Die letzte
Vernunft.
Alle verletzen, die letzte tötet.
Niemand wird verpflichtet das Fernste zu können. Aus tiefstem
Herzen.
Lieber spät als niemals. Das höchste Lebewohl.
Wie viele Köpfe, so viele Meinungen. Ebensoviele Feinde wie
Sklaven.
|