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| Uljanow, Wladimir Iljitsu (Lenin) (1870-1924) und
Uljanow, Wladimir Iljitsu (Lenin) (1870-1924) und
Mandy Fisher; 12. Klasse
GMK-LK
Lenin und die
Oktoberrevolution
Einleitung
In meinem Referat über Lenin und die
Oktoberrevolution werde ich den Weg Rußlands von der Februarrevolution zur
Oktoberrevolution und die Rolle die Lenin dabei spielte
beschreiben.
Bei der Februarrevolution anzufangen habe ich
mich entschlossen, da dies zum Verständnis der Oktoberrevolution und der
Geschehnisse unmittelbar davor beiträgt. Innerhalb des Referats werde ich
einige Thesen und Aussagen Lenins zitieren um so seine Sichtweise und den damit
verbundenen Ablauf der Revolution darzustellen. Die Nennung aller seiner Werke
würde den Rahmen des Referates überschreiten, da der Schwerpunkt die
Oktoberrevolution sein soll. Außerdem werde ich einen tabellarischen
Lebenslauf Lenins liefern.
LENINS LEBENSLAUF
1870
Lenin wird unter dem Namen Wladimir Iljitsu
Uljanow am 22. April in Simbirsk, dem heutigen Uljanowsk, als Kind einer
Intellektuellenfamilie geboren. Der Vater Ilja Uljanow ist Oberlehrer und mit
der Mutter Alexandrowna Blank, welche deutscher Abstammung ist,
verheiratet.
1887
Lenins Bruder, Alexander Uljanow wird wegen
der Beteiligung an der Vorbereitung eines Anschlages auf den Zaren hingerichtet.
Lenin kommt zum ersten Mal mit revolutionären Strömungen in
Berührung und wird noch im gleichen Jahr wegen Beteiligung an
Studentenunruhen zum ersten Mal verhaftet.
1895
Lenin fährt zum ersten Mal ins Ausland.
In der Schweiz trifft er mit G. W. Plechanow und P. B. Akselrod zusammen und
wird bei seiner Rückkehr wegen politischer Agitation
verhaftet.
1897
Lenin wird nach Sibirien in die Verbannung
geschickt.
1898
Lenin heiratet die in der Verbannung
kennengelernte Nadeshda Krupskaja.
1901
Im Dezember unterschreibt Wladimir Iljitsch
seinen Artikel "Die Agrarfrage und die Marx-Kritiker" zum ersten Mal mit dem
Pseudonym "Lenin".
1903
Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei
Rußlands spaltet sich. Die Bolschewisk entstehen unter der Führung
Lenins.
1912
Im Januar leitet Lenin die Prager Konferenz,
bei der eine weitere Spaltung erfolgt.
1916
Lenin schreibt "Der Imperialismus als
höchstes Stadium des Kapitalismus" in dem er den 1. Weltkrieg als Beginn
der allgemeinen Krise des Kapitalismus deutet.
1917
Lenin schreibt im Exil seine fünf "Briefe
aus der Ferne".
Er reist aus der Schweiz ab und eröffnet
in Petrograd seine Aprilthesen, die den Weg von der Februar in die
Oktoberrevolution beschreiben. Lenin verfaßt seine Schrift "Staat und
Revolution" und leitet den bewaffneten Aufstand in
Petrograd.
Die Oktoberrevolution hat gesiegt und Lenin
wird zum Regierungschef gewählt.
1918
Die Sozialrevolutionärin Fanny Kaplan
verwundet Lenin bei einem Attentat.
1919
Lenin gibt einen Bericht über das neue
Parteiprogramm
1922
Lenin erleidet seinen ersten Schlaganfall. Am
2. Oktober kehrt er nach Moskau zurück und nimmt die Arbeit wieder auf. Am
16. Dezember erleidet Lenin seinen zweiten Schlaganfall. Er diktiert den "Brief
an den Parteitag", sein Testament.
1923
Lenin diktiert einen Zusatz zu seinem
Testament mit seiner Forderung Stalin, der bereits die Führung
übernommen hatte, abzusetzen. Er konnte diese Maßnahme jedoch nicht
mehr durchführen. Am 9. März folgte Lenins dritter
Schlaganfall.
1924
Am 21. Januar um 18.50 stirbt Lenin und wird
am 27. Januar im Mausoleum beigesetzt. Lenin selber, dessen Mausoleum zum
Mittelpunkt des offiziellen Kults geworden war, war die Verherrlichung der
eigenen Person zuwider. Er war ein revolutionärer Staatsmann, der jedoch
keine Bereitschaft zeigte, politische Gegensätze mit anderen Organisationen
zu überbrücken und auszugleichen.
Aber gerade dieser unbeugsame,
kompromißlose und manchmal auch skrupellose Wille sowie der
außergewöhnliche Sinn für Taktik machte es Lenin möglich,
den Sowjetstaat zu gründen und ihn außerdem gegen innere und
äußere Feinde zu erhalten.
Lenin verstand es auch wie kein anderer,
abgesehen vielleicht von Trotzki, die Massen in seinen Bann zu ziehen. Im
Vergleich zu Trotzki fehlte es Lenin sogar an Schwung und Leidenschaft, welche
eigentlich nötig sind um die Massen mitzureißen. Lenins Stimme war
oft heiser und er verzichtete auch darauf, seine Rede mit großen
oratorischen Mitteln zu schmücken. Er bevorzugte es, seine Reden in der
allgemeinen Umgangssprache zu halten, er benutzte vielmehr volkstümliche
Redewendungen und Kennzeichnungen.
Atemberaubend wurde seine Rhetorik erst, wenn
er anfing sich mit seinem Gegner auseinanderzusetzen. Dabei benutzte er viel
Ironie und die Wiederholung ein und derselben Parole oder Aussage, um sie so
seinen Zuhörern regelrecht einzuhämmern Seine Reden appellierten
weniger an die Einbildungskraft und das Gefühl als vielmehr an den Willen
und an die Entschlossenheit des Volkes. Aber gerade diese einfache Weise sich
auszudrücken und die damit verbunden Nähe zum Volk scheint es gewesen
zu sein die das Volk so sehr für Lenin einnahm.
Lenin und die
Oktoberrevolution
Die Februarrevolution, die im Februar
(März) 1917 in Rußland den Zarismus ein für alle Mal beseitigte
war der Vorbote bzw. die Einleitung für die im gleichen Jahr folgende,
große Oktoberrevolution, die eine radikale politische Umwälzung
Rußlands zur Folge hatte.
Die Februarrevolution schaffte jedoch nicht
eine sofortige Änderung der Zustände in Rußland, sondern war
zunächst der Beginn einer alles ergreifenden
Auflösung.
Da es nun keinen Zar mehr gab, mußte
sich bald eine neue Regierung bilden. So fand sich in aller Eile eine Gruppe von
konservativen Vertretern des Großgrundbesitzes und des Großkapitals
zusammen, die vor allem Verhindern wollte, daß die Linke, die noch mit der
Bildung von Sowjets beschäftigt war, ebenfalls diesen Schritt machen
konnte.
Am 5. Mai 1917 traten nach langen
Verhandlungen sechs Sozialisten, Menschewiken und Sozialrevolutionäre in
die provisorische Regierung ein, die so zu einer liberal - sozialistischen
Koalitionsregierung unter Ausschluß der Bolschewisten
wurde.
Dies war auch ein Mittel das Volk, welches zum
größten Teil aus Bauern, Arbeitern und Soldaten bestand, zu
beschwichtigen, da dieses nachdem es die Revolution und damit die Beseitigung
der Zarismus ausgelöst hatte, nun Vertreter ihres Standes und nicht nur der
besser situierten bürgerlichen Klasse in der Regierung sehen
wollte.
Diese provisorische Regierung mit Alexander F.
Kerenski als Ministerpräsident besaß jedoch nur einen Teil der
Staatsgewalt. Der andere Teil lag in den Händen der Arbeiter- und
Soldatensowjets in Petrograd. Diese Räte bestanden aus Arbeitern, Bauern
und Soldaten und zu einem kleinen Teil auch aus Ärzten, Advokaten und
Journalisten die nicht den Willen der besitzenden Klasse, sondern ganz gezielt
den der unteren Schicht ausführte. Der Sowjet von Petrograd hatte
Einfluß in ganz Rußland. Er hatte noch vor der Abdankung des Zaren
alle Post und Telegrafenämter, alle Bahnhöfe und Druckereien und die
Telefonzentrale besetzt und überwachte so die Regierung bei jedem Schritt.
Die Befehle der Regierung waren nur dann auszuführen, wenn sie den
Beschlüssen des Sowjets nicht widersprachen. Somit hatte sich in
Rußland seit der Beseitigung des Zaren eine dualistisch gegliederte
Regierung gebildet. Diese sollte jedoch nur von kurzer Dauer
sein.
Als in Rußland im Februar 1917 die
Revolution ausbrach, befand sich Lenin gerade in Zürich. Sein einziger
Gedanke war, nach Rußland zurückzukehren um so in die Revolution
einzugreifen, sie anzuführen. Sein bestreben, augenblicklich nach
Rußland zurückzukehren wurde zumal dadurch bestärkt, daß
die führenden Bolschewisten in Rußland nicht seine radikale Haltung
einnahmen und er deshalb befürchtete, die Bolschewisten könnten die
Chance zur Übernahme der Regierung in Rußland und die totale
Umwälzung verpassen. Zunächst ergab sich für Lenin jedoch keine
Chance nach Rußland zurückzukehren, da die französische und
britische Regierung ihm die Durchreise versagte. Beide Regierungen wußten,
daß Lenin, kaum in Rußland angekommen, alles daran setzen
würde, einen Friedensschluß Rußlands mit Deutschland
durchzusetzen und so mit seinen Alliierten Frankreich und England zu brechen.
Diese kämpften den zu jener Zeit in Europa tobenden Krieg gemeinsam gegen
Deutschland. Mit dem Ausstieg Rußlands aus dem Zusammenschluß
würden sich die Chancen eines Sieges der Alliierten über Deutschland
verringern, und daher hatten sowohl Frankreich als auch England kein Interesse
daran, einem Revolutionär wie Lenin die Rückkehr nach Rußland zu
ermöglichen.
So mußte sich Lenin zunächst damit
begnügen, brieflich Kontakt mit seinen bolschewistischen Mitstreitern in
Rußland zu halten. In seinen "Briefen aus der Ferne" gab er genaue
Anweisungen für das weitertreiben der Revolution durch die Bolschewisten.
In seinem fünften Brief faßte Lenin seine Forderungen
zusammen:
"Das Proletariat muß (1) den sichersten
Weg zur nächsten Etappe der Revolution beziehungsweise zur zweiten
Revolution finden, die (2) die Staatsmacht den Händen der
Großgrundbesitzer- und Kapitalistenregierung (der Gutschkow, Lwow,
Miljukow, Kerenski) entreißen und sie der Regierung der Arbeiter und der
armen Bauern übergeben wird. Diese muß (3) nach dem Muster der
Arbeiter- und Bauerndepurtiertenräte organisiert sein, nämlich (4) die
alte, für alle bürgerlichen Staaten charakteristische Staatsmaschine,
Die Armee, die Polizei, die Bürokratie (das Beamtentum) zerschlagen und
völlig beseitigen, indem sie (5) diese Maschine durch eine Organisation des
bewaffneten Volkes ersetzt, die nicht nur die großen Massen, sondern
durchweg das gesamte Volk umfaßt."
Lenins "Briefe aus der Ferne" enthielten
außerdem strikte Weisungen die provisorische Regierung auf keinen Fall zu
unterstützen, die Fortsetzung des Krieges, für welche die
provisorische Regierung mit Menschewiki und Kerenski eintrat, keinesfalls zu
bejahen, mit anderen Parteien keine Bündnisse einzugehen und
ausschließlich die Eroberung der Macht durch die Arbeitersowjets
anzustreben.
Lenin hatte bereits erkannt, daß die
Zukunft der provisorischen Regierung davon abhing, ob sie von den Sowjets
unterstützt wurde oder nicht. Gelang es Lenin und einen Bolschewisten die
Mehrheit in den Sowjets zu erlangen, so hätten sie das Schicksal der
Bürgerlichen Regierung in der Hand, und damit wäre ein baldiges Ende
derselben auch abzusehen.
Um nach Rußland zurückzukehren
blieb Lenin schließlich keine andere Wahl, als sich mit dem deutschen
Generalstab zu arrangieren. Lenin war sich wohl bewußt, daß er
dadurch Gefahr lief vom russischen Volk aufgrund des vom verfeindeten
Deutschland erhaltenen Visums als Kollaborateur und deutscher Agent beschuldigt
zu werden, aber er war sich ebenso im klaren darüber, daß dies der
einzige Weg für ihn war, nach Rußland zu gelangen. Außerdem
wollte auch keinen Augenblick länger als nötig darauf warten, nach
Rußland zurückzukehren.
Die deutsche Regierung wiederum versprach sich
von der Einschleusung russischer Revolutionäre nach Rußland eine
entscheidende Schwächung des Landes von innen.
Man wollte den Revolutionären nur
Gelegenheit geben in Aktion zu treten, denn die deutsche Regierung hoffte nach
der Februarrevolution im Gegensatz zu den Alliierten natürlich nicht auf
eine neue, kriegsfähige Ordnung, sondern auf eine friedensbereite Unordnung
in Rußland.
Mit Hilfe des Schweizer Sozialisten Fritz
Platten erlangte Lenin schließlich von der deutschen Regierung die
Erlaubnis über Deutschland nach Schweden zu fahren, von wo aus ihm die
Rückkehr nach Rußland über Finnland
offenstand.
Deutschland verpflichtete sich, den Wagon, in
dem sich Lenin und die anderen Emigranten befanden weder nach Pässen noch
nach Gepäck zu kontrollieren. Im Gegenzug mußten sich die Reisenden
der Bedingung unterziehen, auf deutschem Gebiet mit niemandem in Kontakt zu
treten. Um dies zu gewährleisten, waren drei Türen des Waggons
abgeschlossen, die vierte Tür jedoch nicht, um so Platten, der als
Reiseleiter fungierte, und der deutschen Begleitung den Ausstieg zu
ermöglichen. Platten schreib später von "plombierten Türen" daher
die Legende von Lenins Reise im "plombierten Wagen".
Die Reise verlief ohne Zwischenfälle, und
so traf Lenin am 3. April 1917 endlich auf dem finnischen Bahnhof in Petrograd
ein.
Dort wurde er schon von tausenden jubelnden
Menschen erwartet. Man trug ihn auf den Schultern in das Bahnhofsgebäude,
wo er schon von einer Delegation der Petrograder Sowjets erwartet
wurde.
Der Menschewiki Tschchéidse hieß
ihn im Namen des Petrograder Sowjets willkommen und lies sogleich verlauten,
daß die Revolution jetzt vor allem gegen die äußeren und
inneren Angriffe verteidigt werden müsse, und, das er dabei auf Lenins
Hilfe hoffe. Lenins Antwort war unmißverständlich. Er behandelte
Tschchéidse wie Luft, wandte sich völlig von der Delegation ab und
begrüßte die Masse der versammelten Menschen mit Worten: "Genossen,
Soldaten, Matrosen und Arbeiter!" Er begrüßte sie im Namen der
siegreichen russischen Revolution, als die Avantgarde der proletarischen
Weltarmee und beendete diese, seine erste Rede auf russischen Boden mit einer
Kampfansage gegen die provisorische Regierung mit dem Ruf: "Es lebe die
sozialistische Weltrevolution!"
Am nächsten Tag, dem 4. April 1917,
verkündete Lenin vor der bolschewistischen Parteikonferenz seine Thesen
"über die Aufgaben des Proletariates in der gegenwärtigen Revolution".
Dieses, als "Aprilthesen" berühmt gewordene Aktionsprogramm der
bolschewistischen Partei, bestimmte den Weg von der Februar- in die
Oktoberrevolution. Lenin forderte in seinen "Aprilthesen" den totalen Bruch mit
der bürgerlichen Demokratie und ihrer provisorischen Regierung. Er
erklärte den sich an der Macht befindlichen bürgerlich demokratischen
Mächten sowie auch dem gemäßigten Sozialismus, du dem Lenin auch
die Menschewiki zählte, den Krieg. Er nannte die russische Revolution den
"Prolog zur Weltrevolution" und rief dazu auf, die Revolution weiterzutreiben.
Lenin verkündete, daß auf die bürgerliche Februarrevolution nun
die sozialistische, vom Proletariat geleitete Revolution folgen müsse. Er
forderte den Übergang der Macht auf eine Regierung der Sowjets und somit
die Bildung einer Sowjetrepublik als bessere und höhere Demokratie
gegenüber der parlamentarischen Republik. Jeder Krieg sei von vornherein
als imperialistisch abzulehnen und die Zerschlagung des gesamten
Staatsapparates, mitsamt Polizei, Heer und Bürokratie, sei notwendig
für die Bildung einer Sowjetrepublik, welche ohne all dies auskommen
sollte.
Der gesamte Grundbesitz und die Banken sollten
sofort verstaatlicht und von den gewählten Sowjets der Bauern verwaltet
werden, wohingegen eine Sozialisierung der Industrie nur allmählich
erfolgen könne und dann die Kontrolle von Produktion und Verteilung durch
den zentralen und obersten Sowjet zum Ziel haben solle.
Als letztes plädierte Lenin
außerdem noch dafür, die Partei der Bolschewisten nicht mehr mit dem,
durch die Menschewiki in Verruf gebrachten Namen der Sozialdemokraten zu
belasten sondern sich fortan als "Kommunistische Partei" zu
bezeichnen.
So stand eindeutig fest, daß die
provisorische Regierung bekämpft und mit den Menschewiken nicht
zusammengearbeitet werden würde.
Im Sinne der Aprilthesen entstanden ebenfalls
die Losungen der Bolschewisten "Nieder mit dem Krieg" und "Alle Macht den
Sowjets" die beim Volk mehr und mehr Anklang fanden.
Währenddessen verschlechterte sich das
Ansehen der provisorischen Regierung zusehends bei der russischen
Bevölkerung. Eine Regierung die durch eine Revolution zur Macht kommt, wird
diese nur behalten, wenn sie in der Lage ist, die Probleme zu lösen, welche
die vorherige Regierung nicht zu lösen vermochte. Die provisorische
Regierung war dazu nicht fähig. Die Probleme und Fragen, die das russische
Volk am meisten belasteten, nämlich die Frage nach der Beendigung des
Krieges und, da ein großer Teil der damaligen Bevölkerung Bauern
waren, die Frage nach der Bodenreform zu beantworten war die provisorische
Regierung nicht in der Lage.
Obwohl auch die provisorische Regierung sich
darüber im klaren gewesen sein muß, daß Rußland weder
ökonomisch noch militärisch dazu im Stand war den Krieg
weiterzuführen, konnte sie sich trotzdem nicht dazu durchringen, den Krieg
zu beenden.
Die Regierung konnte sich dem künftigen
Wiederaufbau der kaputten russischen Volkswirtschaft ohne weitere Leihgelder der
Westmächte nicht vorstellen und war deshalb sehr darauf bedacht sich die
Gunst der Alliierten zu erhalten. Rußland konnte also auf keinen Fall aus
dem Vertag aussteigen und mußte sich weiter am Krieg beteiligen. Die
provisorische Regierung weigerte sich einfach, einzusehen, daß
Rußland nicht mehr in der Lage war, den Krieg
fortzusetzen.
Damit bereitete sie dem Volk die erste
große Enttäuschung, denn die Beendigung des Krieges, der das Land und
damit auch seine Bewohner in den wirtschaftlichen Ruin geritten hatte, war ein
bedeutender Beweggrund des Volkes dafür gewesen, den Zaren zu
stürzen.
Die zweite große Enttäuschung
bereitete die provisorische Regierung dem Volk dadurch, daß sie sich nicht
mit der Bodenreform beschäftigte. Für die russischen Bauern gab es
jedoch nichts wichtigeres, da ihr Lebensunterhalt von ausreichenden
Bodenzuteilungen abhing. Damit war das Schicksal der provisorischen Regierung im
Grunde schon besiegelt und die Übernahme der Macht durch die Bolschewisten,
die sich für die Interessen des russischen Volkes einsetzten, nur noch eine
Frage der Zeit.
Das Volk, welches langsam erkannte, daß
die Lösung seiner Probleme durch die provisorische Regierung wohl nicht so
bald stattfinden würde, wurde allmählich
unruhig.
Die Bauern begannen vielerorts, sich das von
ihnen benötigte Land selber anzueignen. Die Regierung versuchte, die
Bauernunruhen zu unterdrücken, doch die Unruhen erweiterten sich nur noch
mehr, da der Friedenswille der Soldaten sich nun auch zu äußern
begann. Vielerorts hatten sich russische Soldaten schon mit dem Feind
verbrüdert, um, so ihren Protest gegen den schon viel zu lange
währenden Krieg zum Ausdruck zu bringen. Dem Friedenswillen der Soldaten
verdankte die bolschewistische Partei den Erfolg ihrer Propaganda "Nieder mit
dem Krieg".
Die provisorische Regierung gab jedoch nicht
auf. Sie ernannte den in Rußland populären Sozialrevolutionär
Kerenski zum Kriegsminister. Dieser reiste direkt an die Front, um in den
Soldaten mit seiner Redegewandtheit und seinen schauspielerischen Talenten neuen
Kampfgeist zu wecken.
Der Enthusiasmus jedoch, den er damit zu
wecken meinte, hielt jedoch nicht lange an. Die Kerenski-Offensive, die am
Anfang sogar zu einigen Erfolgen geführt hatte war zum Scheitern
verurteilt, da auf die Dauer Kerenskis Motivationsreden nicht die fehlende
Munition ersetzen konnte.
Als es durch eine Gegenoffensive des Feindes
zu einer erneuten Niederlage Rußlands kam, steigerte sich der Haß
des Volkes gegen Kerenski und die provisorische Regierung im gleichen
Maße, wie die Sympathie für die, den Frieden verkündende,
bolschewistische Partei wuchs.
Die Wut der Massen wurde zusätzlich noch
dadurch gesteigert, das immer noch täglich etwa 40 Mio. Rubel für den
Krieg ausgegeben wurden. Der Notenumlauf wuchs, die Preise stiegen unaufhaltsam.
Immer mehr Betriebe wurden geschlossen, da es an Rohstoffen fehlte. Die
Produktivität sank, da die abgenutzten Werkzeuge und Maschinen nicht
ersetzt werden konnten.
Zum einen stieg die Arbeitslosigkeit, zum
anderen waren viele Arbeiter gezwungen zu streiken, da sie aufgrund der
Geldentwertung höhere Löhne fordern mußten. Das alles
führte dazu, daß das bei den Wahlen zu Betriebskommitees aber auch
bei Ersatzwahlen des Petrograder Sowjets, die Bolschewisten immer mehr Stimmen
erlangten. Die revolutionäre Stimmung wurde immer deutlicher, vor allem in
Petrograd.
Die provisorische Regierung, die einen
bewaffneten Aufstand fürchtete, beschloß, alle sich noch in der
Hauptstadt befindlichen Truppen nach und nach an die Front abzuschieben und
allmählich auch die Entwaffnung der Arbeiterschaft
durchzuführen.
Dazu kam es jedoch nicht mehr. Am 3. Juli kam
es zu einer ungeordneten Massendemonstration bewaffneter Arbeiter und Soldaten
in Petrograd. Mit roten Fahnen und Plakaten begaben sich die Demonstranten
zunächst zum Sitz der bolschewistischen Partei, immer unter dem Ruf der
bolschewistischen Parole "Alles Macht den Sowjets". Das Stichwort zu dieser
Demonstration war jedoch nicht von der bolschewistischen Partei gekommen, da
diese der Meinung war, daß die Zeit für eine gewaltsame
Machtübernahme noch nicht reif sei, zumal die Bolschewisten noch in keinem
Sowjet über die Mehrheit verfügten. Trotzdem gingen die Demonstranten
weiter. Am 4. Juli marschierten etwa 30.000 Menschen zum Taurisch.Palais, wo der
Petrograder Sowjet saß. Die Demonstranten belagerten das Palais und
warteten darauf, wie der Petrograder Sowjet auf die Parole "Alle Macht den
Sowjets" reagieren würde. Im Palais fand unterdessen eine endlose
Diskussion darüber satt, ob der Sowjet die gesamte Macht übernehmen
sollte oder nicht. Die Mehrheit des Sowjets war nicht dazu bereit und damit
waren die Demonstrationen, die sich zum Juliaufstand entwickelt hatten,
gescheitert. Das Volk konnte zwar dem Feind, der provisorischen Regierung, die
Macht entreißen, nicht aber dem Sowjet die Macht aufdrängen, wenn
dieser nicht dazu bereit war, diese zu übernehmen.
Die provisorische Regierung, die den
Bolschewisten die Massendemonstrationen zur Last legte, wollte nun ganz
Bewußt Stimmung gegen die bolschewistische Partei machen um so die eigene
Position wieder zu festigen. Sie lies falsche Dokumente verbreiten, aus denen
Hervorging, daß Lenin von den Deutschen finanziell unterstützt werden
würde und nur nach ihrer Anweisung handelte. Eine Reihe bolschewistischer
Führer wurde verhaftet und sollte wegen Landesverrats vor Gericht gestellt
werden. Lenin gelang es jedoch rechtzeitig unterzutauchen.
Er flüchtete als Arbeiter und Bauer
verkleidet nach Finnland. Wochenlang lebte er mit seinem Parteigenossen Sinowjew
in einer Hütte aus dürren Zweigen und Heu. Im Herbst fand er bei einem
ehemaligen Petrograder Arbeiter Unterkunft. In diesen über hundert Tagen
schrieb Lenin unter anderem auch sein wichtiges Werk "Staat und Revolution". In
diesem Werk schrieb Lenin, daß nach der proletarischen Revolution der
Übergang von der kapitalistischen zur kommunistische Gesellschaft nicht
möglich sei "ohne eine politische Übergangsperiode". Diese Periode sei
von der "revolutionären Diktatur des Proletariats" bestimmt.
Dies bedeutete für Lenin: "Demokratie
für die riesige Mehrheit des Volkes und gewaltsame Niederhaltung der
Ausbeuter, der Unterdrücker des Volkes, d. h. ihre Ausschließung von
der Demokratie."
In der kommunistischen Gesellschaft höre
der Staat auf zu bestehen, da die Ausbeutung fehle, und nichts vorhanden sei,
was das Volk "zu Protesten und Auflehnung herausfordert was die Notwendigkeit
der Niederhaltung schafft."
Lenin bezog sich des weiteren auf die
bolschewistische Losung "Alle Macht den Sowjets". Er schrieb: "Die Partei des
Proletariats kann sich nicht beschränken auf die
bürgerlich-parlamentarische demokratische Republik...Die Partei kämpft
für eine Republik, die demokratischer ist, für eine proletarisch
bäuerliche Republik, in der die Polizei und das stehende Herr völlig
beseitigt sind und durch die allgemeine Bewaffnung des Volkes, die allgemeine
Miliz, ersetzt werden, alle beamteten Personen werden nicht nur gewählt
sondern sind auch jederzeit absetzbar; die Besoldung aller beamteten Personen
ohne Ausnahme wird in einer Höhe festgesetzt, die den Durchschnittslohn
eines qualifizierten Arbeiters nicht übersteigt; die parlamentarischen
Vertretungskörperschaften werden nach und nach ersetzt durch Räte der
Vertreter des Volkes (der verschiedenen Klassen und Berufe oder der
verschiedenen Orte), die gesetzgebend und gesetzvollziehend zur gleichen Zeit
sind."
Die Julikrise hatte zwar einen schweren Schlag
für die bolschewistische Partei bedeutet, doch das Ansehen war bald wieder
hergestellt. Der Petrograder Sowjet hatte jedoch ganz beträchtlich an
Ansehen verloren, als er sich nicht Bereit erklärt hatte, die zehn
kapitalistischen Minister der provisorischen Regierung zu stürzen. Ende
September kehrte Lenin dann heimlich nach Petrograd zurück, wo er sich bis
zur Machtergreifung illegal aufhielt.
Kerenski, der inzwischen die Führung der
provisorischen Regierung übernommen hatte, sah sich inzwischen jedoch nicht
nur von der heranrückenden deutschen Wehrmacht und von der wieder
stärker werdenden bolschewistischen Partei sondern auch von dem
konservativen, rechten General Kornilow bedroht.
Kornilow war es, auf den die Rechtsparteien,
nun wo die provisorische Regierung an Macht verloren hatte, ihre ganze Hoffnung
setzten. Kerenski fürchtete, daß Kornilow versuchen würde, die
Regierungsgewalt an sich zu reißen. Die besitzenden Klassen bangten um ihr
Eigentum und fürchteten die Bolschewisten. Kornilow, so hofften sie,
würde nach Ergreifung der Macht nicht nur der leninschen Partei sondern
würde jede Art der Revolution sofort, wenn nötig mit Gewalt,
unterbinden. Kornilow handelte genau in ihrem Sinne. Er zog Truppen von der
Front ab und brachte sie in Stellungen von denen aus er die Hauptstadt und damit
die Staatsgewalt an sich reißen konnte. Kornilow verlangte, daß in
Petrograd der Belagerungszustand ausgerufen würde, und daß die
Bevölkerung der Militärgewalt unterstellt werden
sollte.
Kerenski konnte dem nichts mehr
entgegensetzen. Die einzigen die jetzt noch helfen konnten, waren die
Bolschewisten. Sie allein konnten die ohnehin schon aufgebrachten Massen gegen
die Regierung bzw. gegen Kornilow führen, da sie auf die Unterstützung
der breiten Massen zählen konnten. Die bolschewistischen Parolen waren die
einzigen, die der Forderung des Volkes nach Frieden und Land
entgegenkamen.
Kornilows Putschversuch konnte deshalb gar
nicht glücken, da sein Programm bei den Massen auf Ablehnung stieß.
Die bolschewistische Partei ließ eine "Rote Garde" aufstellen, der sofort
25.000 Arbeiter beitraten, und begann den Kampf gegen Kornilow. Dabei betonte
sie jedoch, daß dies nicht als Unterstützung Kerenskis ausgelegt
werden dürfe.
Kerenski hatte keine andere Wahl, als den
Bolschewisten, die er selber noch vor einigen Wochen als Staatsfeinde bezeichnet
hatte, Freiheit zu lassen bei der Bildung der "Roten Garden" und derer
Bewaffnung, da er ohne Frage von Kornilow gestürzt worden
wäre.
Der Kornilow-Putsch hatte die Schwächen
Kerenskis aufgezeigt, und seine Zerschlagung war gleichzeitig ein Beweis
dafür, daß Lenin und die Bolschewisten Recht gehabt hatten mit ihrer
Theorie, daß die Macht wirklich in den Händen der Arbeiterklasse
unter der Führung der bolschewistischen Partei lag.
Nachdem der Kornilow-Putsch niedergeschlagen
war stieg der Einfluß der bolschewistischen Partei in der
Arbeitervierteln, auf dem Lande und bei der Armee schneller als je
zuvor.
Im September gelang es den Bolschewisten die
absolute Mehrheit im Petrograder und im Moskauer Sowjet zu erlangen. Damit waren
die Sowjets im Begriff, sich von der bisherigen, bürgerlichen
Koalitionspolitik abzuwenden und sich in Stützpunkte der bolschewistischen
Partei zu verwandeln. Dies war das Zeichen für Lenin, daß nun die
Zeit der Machtübernahme für die Bolschewisten gekommen war. Der
Kampfruf "Alle Macht den Sowjets", der seit dem Juliaufstand fragwürdig
geworden war, hatte wieder Sinn bekommen.
Lenin wollte nun keine Zeit mehr verlieren. Er
fürchtete, daß seine Partei den richtigen Zeitpunkt versäumen
und durch zu langes Zögern das Vertrauen der Masse verlieren würde.
Aus seinem Versteck in Finnland schreib er Brief um Brief an das Zentralkomitee
der bolschewistischen Partei, daß die Voraussetzungen für die
Machtergreifung nun gegeben seien und, daß es ein nicht wieder
gutzumachender Fehler wäre, diesen günstigen Moment zu
verpassen.
Am 21. Oktober 1917 dann legte Lenin in den
"Ratschlägen eines Außenstehenden" konkrete Maßnahmen für
den Aufstand und Umsturz ganz deutlich dar: "Jetzt auf den bewaffneten Aufstand
zu verzichten, hieße die wichtigste Losung des Bolschewismus (alle Macht
den Sowjets) und überhaupt den gesamten revolutionär - proletarischen
Internationalismus aufzugeben ... Unsere drei Hauptkräfte, die Flotte, die
Arbeiter und die Truppenleute sind so zu kombinieren, daß wir sofort ohne
Rücksicht auf die Höhe der Verluste a) das Telefonamt, b) das
Telegrafenamt, c) die Bahnhöfe und vor allem d) die Brücken besetzen
können... Aus den besten Arbeitern sind Abteilungen mit Gewehr und
Handgranaten zu bilden, um die "Zentren" des Feindes (Offiziersschule,
Telegrafen- und Telefonamt usw.) anzugreifen und zu umzingeln. Die Losung dieser
Abteilungen muß sein, lieber alle zugrunde gehen, als den Feind
durchlassen".
Am 7. Oktober kehrte Lenin nach Petrograd
zurück, um an der Leitung des Aufstandes
teilzunehmen.
Alle Sektionen der bolschewistischen Parteien
erhielten die Anweisung sich für den Aufstand bereitzuhalten. Die Arbeiter
aller Fabriken wurden mit der Handhabung von Waffen vertraut gemacht und die
Belegschaften der Rüstungsfabriken belieferten die "Roten Garden" mit
Kriegsmaterial.
Am 24. Oktober richtete Lenin einen Brief an
das Zentralkomitee, in dem er schrieb, man dürfe nicht warten, man
müsse jetzt in Aktion treten.
Auf dieses Stichwort hin schlug Trotzki, der
alle Vorbereitungen getroffen hatte, los. Nachdem Soldaten und Rotgardisten den
Hauptsitz der Bolschewisten, das Smolny Institut, in dem bis vor kurzem noch die
Töchter des höheren Adels erzogen wurden, durch Aufstellung von
Maschinengewehren gesichert hatten, besetzten die bolschewistischen Truppen im
laufe des Tages und der darauffolgenden Nacht alle wichtigen Punkte in
Petrograd: Telefonzentrale, Post, Ministerien, Staatsbank und Bahnhöfe,
ohne auf Widerstand zu stoßen. Es gab nichts, was die organisierten Massen
von Arbeitern und Soldaten hätte aufhalten können. Diese
Organisiertheit herzustellen war eine der Hauptleistungen der
Oktoberrevolution.
Das Winterpalais wurde erst in der
darauffolgenden Nacht eingenommen. Die Regierung weigerte sich hartnäckig
zu kapitulieren. Nach und nach drangen bolschewistische Streitkräfte in
das Gebäude ein. Lenin und die anderen Leiter des Aufstandes beunruhigte
die Tatsache, daß der Kampf um das Winterpalais so lange dauerte. Mehrmal
befahlen sie den Truppen, den Regierungssitz zu beschießen, diese
schreckten jedoch davor zurück, da sie befürchteten, auch ihre
bolschewistischen Kampfgenossen, die sich schon im Palast befanden, zu
treffen.
Am Morgen des 26. Oktobers dann drangen
Rotgardisten in den Raum ein, in den sich die provisorische Regierung verschanzt
hatte.
Am Nachmittag des selben Tages wurde offiziell
bekannt gegeben, daß das Winterpalais eingenommen und die Regierung
verhaftet worden sei, mit Ausnahme von Kerenski, der schon vorzeitig erkannt
hatte, daß seine Lage aussichtslos war und sich nach Amerika abgesetzt
hatte.
Es setzte großer Beifall ein, der sich
noch verstärkte, als bekannt gegeben wurde, daß die Truppen, welche
Kerenski für den Kampf gegen die Bolschewisten hatte einsetzen wollen, sich
soeben mit dem Umsturz solidarisch erklärt hatten.
Die Unauffälligkeit dieses so bedeutendem
welthistorisch Ereignisses beeindruckte Akteure ebenso wie Außenstehende.
Die Revolution war nicht, wie man vielleicht glauben mag, mit großen
Getöse von sich gegangen. Währen der Sturm auf das Winterpalais
stattfand, spielten in Petrograd die Theater und die Straßenbahnen fuhren.
Nachdem am 25. Oktober die rechten
Sozialrevolutionäre, unter ihnen die Menschewisten, aus Protest den
Sowjetkongress verlassen hatten, waren die Bolschewisten endgültig unter
sich und Lenin begann zu regieren.
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