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Nestroy, Johann: Der böse Geist Lumpazivagabundus
Der Böse Geist
Lumpazivagabundus
(Johann Nestroy)
Personalverzeichnis:
Stellaris - Feenkönig
Fortuna - Beherrscherin des Glücks, eine
mächtige Fee
Brillantine - Ihre Tochter
Amorosa - eine mächtige Fee, Beschützerin der
wahren Liebe
Hilaris - sein Sohn
Lumpazivagabundus - ein böser Geist
Leim - Tischlergeselle
Zwirn - Schneidergeselle
Knieriem -. Schustergeselle
Hobelmann - Tischlermeister in Wien
Peppi - seine Tochter
Signora Palpiti
Ihre Töchter
Ein Reisender (Stellaris)
u.a.
Zauberer, Magier und ihre Söhne, Nymphen und Genien,
Gäste, Volk, Bauern Handwerksleute verschiedener Zünfte
usw.
(Die Handlung spielt teils in Ulm, teils in Wien teils in
Prag, teils im Feenreich)
1. Akt
Einige Alte Zauberer verlangen von Stellaris, das dieser den bösen
Geist Lumpazivagabundus aus dem Feenreich verbannt, weil er ihre Söhne zu
einem liederlichen Leben verleitet hat. Stellaris läßt
Lumpazivagabundus rufen und verbannt ihn, doch dieser verhöhnt Stellaris
nur, weil auch wenn er fort ist, die Söhne der Zauberer ihr liederliches
Leben nicht aufgeben werden. Stellaris fragt die Söhne, ob sie wieder brav
sein würden, wenn sie das herausgeworfene Geld wiederbekommen würden.
Sie bejahen, und so macht Fortuna sie wieder reich. Da gibt Hilaris zu,
daß der neue Reichtum nichts nützen würde, und es nur ein Mittel
gebe, ihn wieder auf den Weg der Tugend zu führen, die Hand von
Brillantine, der Tochter von Fortuna. Doch Fortuna ist mit dieser Verbindung
nicht einverstanden, doch da naht Amorosa, die Beschützerin der wahren
Liebe und wettet mit Fortuna. Fortuna soll das Recht haben ihre Tochter Hilaris
zu verweigern, wenn sie von drei leichtfertigen Kumpanen, die dem bösen
Geist Lumpazivagabundus anhangen, zumindest zwei wieder auf den rechten Weg
bringt. Gelingt es aber nur mit einem, können die Liebenden sich
Vermählen.
Die Wahl fällt auf drei Handwerksgesellen, Zwirn, ein Schneider, Leim,
ein Tischler und Knieriem ein Schuster. Sie treffen sich auf der
Landstraße und freunden sich miteinander an. Im nächsten Wirtshaus
sitzen essen und trinken zusammen. Danach wollen sie zusammen in der Scheune des
Wirten übernachten. Vor dem Einschlafen erzählen sie einander
über ihre Abenteuer mit den Frauen. Leim gesteht, das er nur eine liebt,
Zwirn dagegen sind bereits mehrfach “verliebt” gewesen und Knieriem
erzählt andauernd von einem Kometen der die Erde in naher Zukunft
vernichten wird, und er deshalb das Leben genießen will. In der Nacht
träumen alle drei vom Lotterielos Nummer 7359 und als Sie aufwachen
können sie von einem Hausierer das Los 7359 kaufen und gewinnen wirklich
den Haupttreffer 100.000 Taler.
2. Akt
Leim kehrt nach dem Gewinn, als armer Mann getarnt zu seiner Peppi
zurück, die Frau die er Liebt. Doch er hört das im Hause Hobelmann
geheiratet wird, er ist verzweifelt, weil Peppi die einzige Tochter des Meisters
ist, doch zu Glück stellt sich heraus, das nur die Nichte des Meisters
gemeint ist, und daß Peppi ihn noch immer liebt. Auch ihr Vater ist mit
Zwirn einverstanden, weil er Peppi einmal das Leben gerettet hat, und er stimmt
einer Heirat der Beiden ohne Widerrede zu. Da enttarnt sich Leim und
läßt seine 30.000 Taler herbeischaffen.
Zwirn hat das gewonnene Geld in eine Werkstatt in Prag investiert. Doch er
ist sehr stolz und prunkliebend. Er verschwendet das Geld und bedient nur die
Kunden die er will, Kunden die ihm schmeicheln , doch meist nicht zahlen
können. Außerdem machen ihm die Töchter der Signora Palpitin
schöne Augen, doch Sie haben es nur auf das Vermögen von Zwirn
abgesehen. Doch Zwirn, der dem schwachen Geschlecht nicht abgeneigt ist, geht
auf den Flirt mit Vergnügen ein.
3. Akt
Der verarmte Zwirn und Knieriem, der sein Geld in Weinkellern und
Wirtshäusern verschwendet hat treffen sich am Jahrestag ihres
Zusammentreffens bei Meister Hobelmann in Wien. Als Leim nicht auftaucht fragen
seine Freunde nach ihm. Der Meister erzählt ihnen, das er sein Geld, bis
auf zweihundert Taler ausgegeben hätte und er mit hundert Taler in die Welt
hinausgezogen sei, die anderen hundert Taler habe er aber bei ihm mit einem
Brief für sie hinterlegt. Im Brief steht, das die hundert Taler für
Zwirn und Knieriem seien, doch die beiden wollen das Geld nicht annehmen, da
kommt Leim hervor und erklärt ihnen, daß er nicht arm sei, sondern
durch fleißige Arbeit noch reicher und mit Peppi glücklich
verheiratet. Leim rät seinen beiden Freunden ebenfalls seßhaft zu
werden und zu arbeiten. Doch die Beiden wollen lieber ihr liederliches Leben
fortsetzen. In einem Wirtshaus treffen sie auf den verkleideten Stellaris, der
Knieriem etwas Geld und einen Rock gibt. Doch Knieriem will den Rock gegen
Schnaps für sich und Zwirn eintauschen. Das macht Stellaris so wütend,
daß er sie in die Hölle schicken will. Verängstigt versprechen
die beiden Handwerksburschen sich zu bessern.
Da Amorosa die Wette gewonnen hat, darf Hilaris Brillantine heiraten. Auch
Zwirn und Knieriem tun es Leim gleich und gründen Familien und
eröffnen Werkstätten, in denen sie ein glückliches Leben
führen.
Die Posse
Die Posse wird von der Kritik in vieler Hinsicht verkannt und
unterschätzt. Wie schwer es aber ist, dies “Leichte” Gattung zu
pflegen und in ihr zu schaffen, beweist die Tatsache, daß es nur wenige
wirkliche Meisterwerke in ihrem Bereiche gibt. Denn die Voraussetzungen
dafür sind, neben eingehender Kenntnis des theaterpraktischen Apparats und
überlegener Beherrschung des dramaturgischen Handwerks, ausgesprochen
schöpferische Eigenschaften wie Geist, Einfall und Phantasie. Nur wenige
Autoren haben diesen Anforderungen genügt. Unter ihnen ist Johann Nestroy
an bevorzugter Stelle zu nennen. Sein Dramatisches Schaffen behauptet
überzeitlichen Rang.
Johann Nestroy
Johann Nestroy (1801-1862, Österreicher) war Darsteller komischer
Rollen und stammte aus dem Bürgertum. Er absolvierte das Gymnasium und
versuchte sich zunächst als Sänger. Ab 1823 spielt er dann in
verschiedenen deutschen Theatern. Ab 1827 schrieb er selbst Stücke und er
faßte in Wien Fuß, wo er am Carl-Theater spielte und es ab 1854
leitet. Sein größter Gegner war Raimund, obwohl er eine völlig
andere Richtung einschlug. Raimund sah die Menschen seiner Stücke wie er
sie gerne sah und Nestroy wie sie eben waren. 1833 war
“Lumpazivagabundus” der erste große Erfolg von
Nestroy.
Weitere Werke: Freiheit in Krähwinkel
Höllenangst
Judith und Holofernes
Einen Jux will er sich machen
Das Mädl aus der Vorstadt
Die schlimmen Buben in der Schule
Der Talisman
Der Unbedeutende
Der Zerrissene
Zu ebener Erde und erster Stock
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