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Wolf, Markus: Der Mann ohne Gesicht
MARKUS
WOLF
DER MANN OHNE
GESICHT
Markus Wolf wurde am 19. Januar 1923 in Hechingen
(schwäbische Alb) geboren. Sein Vater war Friedrich Wolf. Er war Arzt und
Kommunist und hat mehrere Bücher geschrieben, die später in der DDR
zur Pflichtlektüre in der Schule gehörten. Da dieses Referat sich mit
Markus Wolf beschäftigen soll, muß das reichen. 1926 zog Familie Wolf
nach Höllsteig am Bodensee um. 1927 ging es dann weiter nach Stuttgart.
Dort hatte F. Wolf eine gutgehende Praxis. Da er vielen mächtigen Leuten
mit seinem Kommunismus im Weg war, wurde er am 19. Februar 1930 verhaftet.
Vorwurf: gemeinschaftliche Abtreibung. Eine Woche später wurde er gegen
eine Kaution von 10000 RM freigelassen. Im Oktober 1933 wanderte F. Wolf nach
Moskau aus. Seine Familie folgte ihm ein halbes Jahr später im April 1934.
1935 wurde F. Wolf die deutsche Staatsangehörigkeit
aberkannt.
Markus Wolf bekam 1939 einen sowjetischen
Paß. Mit siebzehn beginnt er 1940 ein Studium an der Hochschule für
Flugzeugbau. Im November 1941 werden die Studenten nach Alma Ata evakuiert. Die
Deutschen rücken an. 1942 tritt Markus Wolf in die KPD ein und bricht sein
Studium ab. Mitte 1942 wird er von der KPD auf eine
Komintern[1]-Schule
geschickt. Diese Schule wird am 16. Mai 1943 geschlossen.
Ende Mai 1945 wird Markus Wolf von KPD mit der
Aufgabe nach Deutschland geschickt den deutschen Rundfunk wieder aufzubauen.
Diese Aufgabe beginnt er am 4. Juni 1945. Beim Rundfunk macht er Karriere, wird
unter dem Namen Michael Storm Außenpolitischer Korrespondent. Sein
journalistischer Höhepunkt war die Berichterstattung vom Nürnberger
Prozeß, der am 20.11.1945 begann.
Im Oktober 1949, als die DDR proklamiert wurde,
wird Markus Wolf vom Außenministerium als Diplomat nach Moskau geschickt.
1951 bekommt er einen neuen Auftrag. Er soll sich um den Aufbau der
Aufklärung der DDR kümmern, die Spionage. Zu diesem Zweck kehrt er
nach Ostberlin zurück. Er beginnt seine Arbeit beim Nachrichtendienst im
Institut für Wirtschaftswissenschaftliche Forschung (IWF). Der
harmlose Name steht für die Auslandsspionageabteilung des Ministeriums
für Auswärtige Angelegenheiten.
Nach einem Jahr ist Markus Wolf Stellvertretender
Abteilungsleiter. Im Dezember 1952 teilt Walter Ulbricht ihm mit, daß man
ihn zum Spionagechef machen wird. Er ist Ulbricht direkt unterstellt, genau wie
der vierzehn Jahre ältere Chef des Ministeriums für Staatssicherheit,
Erich Mielke.
Mitte der 50er Jahre wird das IWF in das
Ministerium für Staatssicherheit eingegliedert, weil durch die Flucht des
IWF-Abteilungsleiters in den Westen am 9. April 1953 das geheime Netz des IWF
aufflog. In der Stasi wird das IWF zur Hauptabteilung XV. 1956 wurde sie
umgetauft in “Hauptverwaltung Aufklärung” (HVA). 1958 wird
Markus Wolf im Alter von 35 Jahren Leiter dieser Abteilung.
STRUKTUR DER HAUPTVERWALTUNG
AUFKLäRUNG MITTE DER 80ER JAHRE.
Am 5. Oktober 1953 stirbt Friedrich Wolf im Alter
von 65 Jahren an einem Herzinfarkt. Er ist eine Art Nationalheld in der DDR.
Beinahe 150 Einrichtungen, darunter NVA-Regimenter und Oberschulen, tragen
fortan seinen Namen. Markus’ Bruder Konrad Wolf studiert zu der Zeit an
der Filmhochschule in Moskau WGJK. Mitte der 50er Jahre kehrt er als
Regisseur in die DDR zurück. Später wurde er zum wichtigsten Regisseur
der DDR.
Hier eine Liste seiner wichtigsten
Filme:
1961 “Professor
Mamlock”[3]
1964 “Der geteilte
Himmel”[4]
1968 “Ich war
neunzehn”
1982 stirbt Konrad Wolf im Alter von 56 Jahren an
Krebs.
Ich habe mir zwei Fälle von Markus Wolfs
Spionageaktivtät in der BRD ausgesucht, die ich näher beschreiben
möchte: Günter Guillaume und Dr. Gabriele Gast.
Kanzlerspion
Guillaume
Günter Guillaume, geboren 1927, gelernter
Fotograf, wurde 1944 Mitglied der NSDAP und 1952 Mitglied der SED. Zusammen mit
seiner Frau Christel wurde er Mitte der 50er Jahre von Markus Wolf nach
Westdeutschland geschickt. Er erzählte den deutschen Behörden, er
wäre geflohen und ließ sich in Frankfurt nieder. Im Herbst 1957 wurde
er Mitglied der SPD. Sieben Jahre später stieg er zum SPD
Geschäftsführer im Unterbezirk Frankfurt auf. 1968 wurde er
Geschäftsführer der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung, dann
Abgeordneter. Zwei Jahre später gelang ihm der große Aufstieg: Er
bekam einen Job als Hilfsreferent in der Abteilung Wirtschafts-, Sozial- und
Finanzpolitik des Bundeskanzleramtes. Er arbeitet sich hoch, wird Referent
für Parteien und Parlament und versteht sich mit Bundeskanzler Willy
Brandt, der ihn als Begleiter mit in den Urlaub nimmt. Erst nach Hamar
(Norwegen) und dann nach St. Tropez.
Die Tatsache, daß Guillaume als DDR-Spion
den Aufstieg bis ins Kanzleramt schaffte, ist auf Pannen in der
Überprüfung des BND zurückzuführen. Vor seiner Einstellung
wurde er aufgrund des Verdachtes der Spionage verhört. Mit folgendem
Ergebnis: Er wurde für unbedenklich erklärt. So fing er am 28. Januar
1970 im Kanzleramt an. Vier Jahre Später, am 24. April 1974, wurde er
wegen eines Fehlers der HVA in den 50er Jahren verhaftet. Die HVA sendete dem
Ehepaar nämlich Geburtstagsgrüße. Diese Grüße wurden
über Kurzwelle gesendet und vom Verfassungsschutz abgehört. Am 1.
Februar 1956 kamen Geburtstagsgrüße an “Georg”, am 6
Oktober 1956 kamen Geburtstagsgrüße an “Chr.” Und Mitte
April 1957 kam die Nachricht: “Glückwunsch zum zweiten
Mann!”
Nun hatte im Februar 1973 Oberamtsrat Heinrich
Schroegge (Kölner Verfassungsschutz) drei Spionagefälle, in denen
überall Guillaume irgendwie auftauchte. Als ein Kollege ihm von den
siebzehn Jahre alten Funksprüchen erzählte, überprüfte er
die Daten und sie paßten.
Grüße an Georg: 1. Februar. Geburtstag
von G. Guillaume ebenfalls 1. Februar
Grüße an Chr.: 6. Oktober. Geburtstag
von C. Guillaume ebenfalls am 6. Oktober
Glückwunsch zum zweiten Mann: Mitte April
1957. Geburt des zweiten Sohnes der beiden am 8. April 1957.
Heinrich Schroegge meldete dies und ihm wurde
“vorsichtige Observation der Eheleute [...] geraten”. Nach 11
Monaten Observation wurde Guillaume verhaftet. Er saß für seinen
Verrat über sieben Jahre im Knast. Dann wurde er am 1. Oktober 1981
ausgetauscht und in der DDR von Markus Wolf begrüßt. Zwei Wochen nach
Guillaumes Verhaftung trat Willy Brandt vom Amt des Bundeskanzlers zurück.
Der Fall Günter Guillaume wird Markus Wolf als sein größter
Erfolg angerechnet. Er persönlich sah den Fall als Reinfall, da er den
Rücktritt Brandts zur Folge hatte und Markus Wolf dessen Politik
achtete.
Das Größte für einen Geheimdienst
ist es, die Geheimdienste anderer Länder auszuspionieren. Aus diesem Grund
hatte Markus Wolf in allen drei Geheimdiensten der BRD Agenten. Im Bundesamt
für Verfassungsschutz (BfV) hatte er Regierungsoberamtsrat Klaus Kuron und
aus dem Militärischen Abschirmdienst (MAD) kriegte er Informationen von
Joachim Krase, dem Stellvertretenden Leiter des MAD und Chefs der
bundesdeutschen Spionageabwehr. Dies alles während der BND bis 1978 nicht
ein Foto von Markus Wolf hatte. Das einzige Foto von ihm stammt aus dem Januar
1978, fotografiert in Stockholm. Eine undeutliche schwarzweiß Aufnahme aus
einiger Entfernung.
Der Fall Dr. Gabriele
Gast
Gabriele Gast, geboren 1948, war als Studentin
für politische Wissenschaften an der Technischen Hochschule in Aachen. Im
Frühjahr 1968 wird sie Assistentin von Prof. Klaus Mehnert, einem
Ostexperten. Er schlägt ihr vor, sie solle ihre Doktorarbeit über das
Thema “Die politische Rolle der Frau in der DDR” schreiben und
Informationen darüber in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz)
suchen.
Dort trifft sie einen Mann, Karl-Heinz Schmidt
(wirklicher Name: Karl-Heinz Schneider) und verliebt sich in ihn. Sie sehen sich
noch zweimal wieder. Beim dritten Besuch erzählt er ihr, daß er
für die Stasi arbeitet und stellt ihr seinen Vorgesetzten Gotthard
Schramm[6] vor.
Dieser stellt Gabriele Gast vor die Wahl die Beziehung zu beenden oder der Stasi
ein “klein wenig” behilflich zu sein. Aus Liebe zu Karl-Heinz
willigt sie ein, für die Stasi zu arbeiten, und bekommt einen
Agenteneinführungskurs.
1970 verloben sich die beiden und treffen sich
von nun an die nächsten zwanzig Jahre, um Informationen auszutauschen. 1972
promoviert Gast zur “Dr. phil.” . Sie findet in München eine
Stelle beim Forschungsinstitut für Sicherheit und internationale Fragen.
Wenig später bewirbt sie sich beim Auswärtigen Amt. Daraufhin wird sie
beim BND engagiert. Dort beginnt sie am 1. November 1973 in der Abteilung III zu
arbeiten. Abteilung III beschäftigt sich mit der Sowjetunion. Während
der ganzen Zeit berichtet sie ihrem Verlobten. 1974 schickt die HVA ein
Agentenehepaar nach Hagen. Die beiden haben als einzige Aufgabe, Informationen
von Gabriele Gast an die HVA weiterzuleiten.
Markus Wolf will sich wegen ihrer Erfolge
persönlich mit Gast treffen. Er entscheidet sich für eine
jugoslawische Insel. Sie treffen sich im Juli 1976 auf der Insel Ciovo. Sie
treffen sich insgesamt sieben mal und er versteht es Vertrauen aufzubauen. Am
27. März 1990 wird sie von der HVA verabschiedet. Die Stasi arbeitet
längst nicht mehr. Am 29. September 1990 wird sie auf dem Weg nach
Österreich von den Beamten des Bayrischen Landeskriminalamtes verhaftet.
Die Polizisten verhaften sie wegen des Verdachtes geheimdienstlicher
Agententätigkeit für die DDR und Landesverrats.
“Generaloberst Markus Wolf, der auf eigenen
Wunsch aus dem aktiven Dienst des Ministeriums für Staatssicherheit
ausscheidet, wurden für seine großen Verdienste Dank und Anerkennung
ausgesprochen und der Karl-Marx-Orden verliehen.”
Diese Meldung stand am 6. Februar 1987 im
SED-Blatt “Neues Deutschland”. Markus Wolf war zu diesem Zeitpunkt
64 Jahre alt und seit 28 Jahren Chef der DDR-Spionage. Es wurde viel spekuliert,
warum er zurücktrat. Die britische Zeitung “Sunday Sport”
berichtete, daß er AIDS hätte, andere Zeitungen schrieben, er
hätte Streit mit seinem Chef Erich Mielke gehabt.
Wolf selber sagte später: “Ich bin
wirklich auf eigenen Wunsch ausgeschieden, nicht aus Gesundheitsgründen...
“
Seine Karriere ging aufwärts, wie keine
andere:
1952 Leiter des HVA
1954 Generalmajor
1965 Generalleutnant
1980 Generaloberst
Er bekam zahlreiche Orden, unter
anderem:
1967 Scharnhorst-Orden
1971 Verdienter Mitarbeiter der
Staatssicherheit
1973 Kampforden für Verdienste um Volk und
Vaterland
1975 Medaille für hervorragende
propagandistische Leistungen
1983 Ehrentitel “Held der
Arbeit”
Mit der Zeit trat Markus Wolf immer mehr in die
Öffentlichkeit. Nachdem 1978 das erste Foto im Westen erschien, war 1982
das erste Foto von ihm in der DDR-Presse. 1985 hatte er den ersten Auftritt im
DDR-Fernsehen und 1989 gab er dem Spiegel ein Interview.
[1]
Komintern: Kommunistische Internationale
[2]
Sonderpreis bei Filmfestspielen in Cannes
[3]
Theaterstück von Friedrich Wolf
[4]
Erzählung von Christa Wolf
[5] Auch
in den Kinos der BRD gezeigt
[6]
Markus Wolfs Stellvertreter
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