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Medien und Gewissen
Gewissen :
Immanuel Kant (1724-1804)
Das Bewußtsein eines inneren
Gerichtshofes im Menschen ("vor welchem sich seine Gedanken einander
verklagen oder entschuldigen") ist das Gewissen.
Jeder Mensch hat Gewissen und findet sich durch
einen inneren Richter beobachtet, bedroht und überhaupt im Respekt (mit
Furcht verbundener Achtung) gehalten, und selbst diese über die Gesetze in
ihm wachende Gewalt ist nicht etwas, was er sich selbst (will-kürlich)
macht, sondern es ist seinem Wesen einverleibt. Es folgt ihm wie ein Schatten,
wenn er zu fliehen gedenkt. Er kann sich zwar durch Lüste und Zerstreuung
betäuben oder in Schlaf bringen, aber nicht vermeiden, dann und wann zu
sich selbst zu kommen oder zu wachen, wo er alsbald die furchtbare Stimme
desselben vernimmt. Er kann es in seiner äußersten Verworfenheit
allenfalls dahin bringen, sich daran gar nicht mehr zu kehren, aber sie zu
hören, kann er doch nicht vermeiden.
Märchen und
ihre Wirkung (auf Kinder)
Die wichtigste Aufgabe der Erziehung ist es, dem
Kind dabei zu helfen, einen Sinn im Leben zu finden. Ein Kind muß dazu
lernen, sich und seine Umwelt zu begreifen und zu akzeptieren. Dabei können
ihm Märchen als Hilfe dienen. In den ersten Kindheitsjahren strömt
eine Unmenge an unbekannten und unverständlichen Sinneswahrnehmungen auf
das Kind ein. Es verfügt in dieser Zeit aber noch nicht über die
Fähigkeit, diese Wahrnehmungen rational erklären und in Beziehung zu
einander setzen zu können. Nach Auffassung des Kindes beherrscht Chaos sein
Inneres und seine Außenwelt. Phantasie hilft ihm Ordnung in dieses Chaos
zu bringen, wenn es keine rationalen Erklärungen zur Hand hat. Märchen
bieten ihm hierbei eine wichtige Hilfe. Diese phantastischen Geschichten
ähneln sehr den von Kindern herangezogen Erklärungsversuchen der
eigenen Erlebniswelt. Wie sieht aber nun diese Erlebniswelt des Kindes
aus?
Um die Erlebniswelt des Kindes verstehen zu
können, muß man sich vor Augen führen, daß Kinder.
“anders denken” als Erwachsene. Sie sind viel mehr vom Lustprinzip
bestimmt. Sie nehmen ihre eigenen Bedürfnisse (z.B. Ernährung,
Aufmerksamkeit, Zuwendung) übersteigert wahr. In dem Moment indem ein
Bedürfnis wahrgenommen wird, bestimmt es das Denken der Kinder völlig.
Hier kommt der primäre Charakter der kindlichen Wahrnehmung zum Ausdruck.
Kinder denken animistisch, d.h. sie können nicht zwischen belebten und
unbelebten Dingen unterscheiden. Außerdem nimmt ein Kind sich und seine
Umwelt als Einheit wahr, d.h. es kann keine klare Trennung zwischen sich und
seiner Umwelt erkennen. Diese Unterschiede zur Erwachsenenwahrnehmung werden
zudem dadurch verstärkt, daß Kinder sehr stark polarisieren. Ihnen
fehlt der Erfahrungsschatz, über den Erwachsenen verfügen. Deshalb
mangelt es ihnen an Vergleichswerten für das neu Wahrgenommene. Es zeigt
sich hier wieder, daß der primäre Charakter ihrer Wahrnehmung noch
nicht verdorben ist. Dies hat zur Folge, daß sie sehr extrem empfinden.
Entweder ist etwas angenehm oder unangenehm. Alle die hier nur angedeuteten
Wahrnehmungsunterschiede haben zur Folge, daß Kinder mit ständigen
Spannungsgefühlen fertig werden müssen. Dies gelingt ihnen, indem sie
diese Spannungsgefühle in phantastische Bilder übersetzen. Genau an
diesem Punkt setzen nun Märchen an.
Märchen und Kinder sprechen die gleiche
Sprache, d.h. die von Märchen verwendeten Bildern gleichen denen, die
Kinder zur Erklärung ihrer Wirklichkeit heranziehen. Somit ist es
Märchen möglich, Kindern Lösungsansätze für ihre
Probleme zu bieten. Darin besteht nun gerade ihr großer Vorteil. In
Geschichten, die für Erwachsene phantastisch klingen, greifen sie Probleme
oder Gefahren auf, die sich für Kinder in ihrem täglichen Leben
stellen. Sie geben den Kindern Bilder für die von ihnen unterbewußt
wahrgenommenen Probleme. Mit diesen Bildern können Kinder dann einfacher
umgehen, als mit ihren Unterbewußten Ängsten. Hilfreich sind sie
für die Entwicklung der Kinder aber eben gerade, weil sie die Probleme und
Gefahren nicht nur ansprechen, sondern den Kindern
Lösungsmöglichkeiten aufzeigen, auf die sie selbst nicht gekommen
wären. Sie helfen Kindern ihre eigenen unbewußten Ängste zu
erkennen und mit ihnen umzugehen
Inhaltliche
Zusammenfassung Schneewittchen
Märchen sind über Jahrhunderte nur in
mündlicher Form von Generation zu Generation weitergegeben worden. So
entstanden zahlreiche, nicht unerheblich voneinander abweichende Versionen des
gleichen Märchens. Zum Beispiel gibt es zwei weit verbreitete deutlich
unterschiedliche Einleitungen des Märchens Schneewittchen. In der einen
Version wird Schneewittchen als Tochter eines Königs und einer
Königin geboren. In einer weiteren Version finden ein Graf und eine
Gräfin Schneewittchen während einer Kutschenfahrt am
Wegesrand. Schon dieses Beispiel
verdeutlicht, daß unterschiedliche Versionen eines Märchens
verschiedene Interpretationen nach sich ziehen müssen. Deshalb soll am
Anfang dieser Analyse des Märchens Schneewittchen eine kurze inhaltliche
Zusammenfassung stehen. Die folgende Interpretation bezieht sich dementsprechend
auch nur auf diese Version.
An einem Winterabend sticht sich eine
Königin beim Nähen in den Finger. Sie sitzt an einem Fenster mit einem
Rahmen aus Ebenholz. Aus ihrem Finger fallen drei Bluttropfen in den Schnee.
Daraufhin wünscht sie sich ein Kind so weiß wie Schnee mit Haaren so
schwarz wie Ebenholz und Lippen so rot wie Blut. Bei der Geburt der Prinzessin
Schneewittchen stirbt dann jedoch die Königin, und nach einem Jahr nimmt
sich der König eine neue schöne Frau. Diese neue Stiefmutter besitzt
einen Zauberspiegel, welcher ihr sagt, wer die Schönste im ganzen Lande
sei. Als dieser Spiegel ihr dann eines Tages sagt, Schneewittchen sei tausendmal
schöner als sie, beschließt die Königin, Schneewittchen
umbringen zu lassen. Sie beauftragt damit einen Jäger. Dieser soll
Schneewittchen umbringen und der Königin ihre Leber und ihr Herz
mitbringen. Der Jäger jedoch läßt Schneewittchen im Wald frei
und bringt der Königin die Innereien eines Tieres. Schneewittchen gelangt
durch den Wald zu den sieben Zwergen. Diese nehmen sie bei sich auf. Als
Gegenleistung dafür muß sie sich jedoch um den Haushalt der Zwerge
kümmern. Als die Stiefmutter durch ihren Zauberspiegel erfährt,
daß Schneewittchen noch am Leben ist, versucht sie selbst Schneewittchen
zu ermorden. Beim ersten Versuch schnürt sie ihr mit einem Mieder die Luft
ab. Die Zwerge können sie jedoch retten, indem sie die Schnüre des
Mieders zerschneiden. Beim zweiten Versuch probiert die Königin,
Schneewittchen mit einem vergifteten Kamm umzubringen. Als die Zwerge diesen
jedoch wieder aus Schneewittchens Haaren entfernen, steht diese wieder auf. Der
dritte Versuch der Königin hat dann Erfolg. Ein vergifteter Apfel wird
Schneewittchen zur Falle. Als die Zwerge sie finden, können sie ihr nicht
mehr helfen. Sie legen sie in einen gläsernen Sarg und bahren diesen in der
Nähe ihres Hauses auf. Dort steht er dann für lange Zeit. Eines Tages
kommt jedoch ein Prinz vorbei, der von Schneewittchens Schönheit so
beeindruckt ist, daß er sie samt Sarg mit auf sein Schloß nehmen
will. Beim Transport fällt der Sarg zu Boden und Schneewittchen spuckt
dabei den vergifteten Apfel wieder aus. Sie wird so zu neuem Leben erweckt und
folgt dem Prinzen auf sein Schloß. Zu der Hochzeitsfeier der beiden kommt
auch die Stiefmutter. Sie wird erkannt und muß auf glühenden Kohlen
so lange tanzen bis sie stirbt.
Bedeutungsanalyse
Welche Probleme der kindlichen Entwicklung
greift Schneewittchen auf?
Auch Schneewittchen ist wie alle Märchen in
der Sprache der Kinder
- der Phantasie
- verfaßt.
Will man nun erkennen welche kindlichen Probleme ein Märchen anspricht, so
muß man die von Märchen verwendeten Bilder näher durchleuchten.
Da die Bilder der Märchen häufig denen ähneln, die in
Träumen vorkommen und da Märchen und Träume sich sehr
ähneln, kommt man zu ähnlichen Methoden wie die Traumdeutung. Man
muß wie beim Vorgang der Traumdeutung versuchen, die verwendeten Symbole
zu entschlüsseln. Dies kann jedoch nie eindeutig geschehen und mag bei
unterschiedlichen “Übersetzern” unterschiedlich ausfallen.
Zudem hat das Märchen für unterschiedliche Kinder in verschiedenen
Entwicklungsstadien ganz unterschiedliche Bedeutungen. Wie unterschiedlich die
Interpretationsergebnisse des Märchens Schneewittchen sein können wird
besonders deutlich, wenn man den Aufsatz “Schneewittchen – Versuch
einer psychoanalytischen Deutung” von J.F. Grant Duff
[1] mit der
Interpretation von Bruno Bettelheim
[2] vergleicht.
Grant Duff geht ähnlich wie bei einer Traumdeutung vor, indem er das
Märchen auf bekannte Symbole untersucht und diese dann entschlüsselt.
Beinahe jedesmal stößt er dabei auf einen verborgenen sexuellen
Hintergrund. Häufig erscheinen die Ergebnisse allerdings sehr fraglich,
wenn man sich vor Augen hält, daß Märchen doch
hauptsächlich für Kinder gedacht sind. Grant Duff geht so vor, als
hätte ein Patient ihm das Märchen als Traum geschildert. Er analysiert
diesen Traum wie er es aus seiner täglichen Praxis gewohnt ist. Bettelheim
beschreitet einen anderen Weg. Er hat die Entwicklungsphasen des Kindes vor
Augen. Vor diesem Hintergrund versucht er zu erkennen, welche Bedeutung
Märchen für Kinder haben können. Die folgende Interpretation
lehnt sich deshalb an die von Bruno Bettelheim vorgenommene an, da sie am
plausibelsten erscheint und die Bedürfnisse der Kinder in ihren
Entwicklungsphasen am meisten berücksichtigt. Seine Interpretation verfolgt
die diesem Referat vorausgehende Fragestellung
- “Brauchen
Kinder Märchen?”.
Bettelheim faßt Schneewittchen als
Umsetzung einer prototypischen Kindheitsentwicklung in Märchenform auf. Im
Vordergrund steht ein ödipaler Konflikt zwischen einem Kind und seinen
Eltern. Ein Kind liebt seine Eltern über alles und erwartet dieses auch von
seinen Eltern. Insbesondere erwartet dies auch eine Tochter von ihrem Vater.
[3] Sie
möchte von ihm mehr geliebt werden als die Mutter. Zudem ist die Tochter
eifersüchtig auf die enge Beziehung seiner Eltern. Um mit dieser Eifersucht
fertig zu werden, benutzt das Mädchen das Mittel der Projektion. Es
projiziert seine eigene Eifersucht auf die Mutter. Somit wandelt es das eigene
Unterlegenheitsgefühl gegenüber den Eltern in ein
Überlegenheitsgefühl um. Wird diese Empfindung der mütterlichen
Eifersucht für die Tochter zum bestimmenden Element der Beziehung zu ihren
Eltern, so wird das familiäre Zusammenleben für sie zur Qual. Es
entsteht im Kind der Wunsch den betreffenden Elternteil loszuwerden. Dieser
Wunsch löst jedoch schwere Schuldgefühle aus, und so muß auch
hier wieder das Mittel der Projektion Abhilfe schaffen. Die Tochter nimmt an,
die Mutter wolle sie verstoßen. Diese beiden Projektionen werden vom
Märchen Schneewittchen aufgegriffen.
Die Stiefmutter ist so eifersüchtig auf
Schneewittchen, daß sie sie umbringen (also loswerden) lassen will.
Genauso so nimmt eine Tochter während eines ödipalen Konfliktes die
Beziehung zu ihrer Mutter wahr.
Welchen Ausweg aus diesem Konflikt zeigt das
Märchen dem Kind auf? Welche Symbole verwendet es um dies zu
verdeutlichen?
Wie so viele Märchen beginnt Schneewittchen
mit der Redewendung “Es war einmal...”. Dies deutet an, daß
das Märchen zeitlos seine Bedeutung hat. Für ein mit Märchen
vertrautes Kind ist außerdem sofort klar, daß es jetzt ins Reich der
Märchen und der Phantasie eintritt. Über die vorödipale
Kindheitsentwicklung erfährt man im Märchen nicht viel. Der König
und die Königin wünschen sich ein Kind weiß wie Schnee, Schwarz
wie Ebenholz und so rot wie Blut. Die Eltern wünschen sich also ein
unschuldiges, schönes und lebendiges Kind. Bei der Geburt stirbt dann aber
die Königin und der Vater nimmt sich nach einem Jahr eine neue Frau
- die Stiefmutter.
Diese Unterscheidung von Mutter und Stiefmutter ist ein von Kindern häufig
benutztes Mittel, um Konflikte mit der Mutter verarbeiten zu können. Das
kleine Kind ist völlig auf den Schutz und die Vorsorge der Eltern
angewiesen. Das Gefühl, die Mutter oder der Vater könnte
eifersüchtig oder wütend auf es sein oder es gar loswerden wollen,
erhält so eine existentielle Bedrohung für das Kind. Dieser Bedrohung
begegnet das Kind mit einer Aufspaltung der z.B. mütterlichen Person in
eine gute Mutter und eine böse Stiefmutter. So kann es die wahrgenommene
Wut und seine eigenen negativen Gefühle mit der Stiefmutter assoziieren
ohne das positive Bild der Mutter zerstören zu müssen. Das
Märchen Schneewittchen nimmt diese kindliche Vorstellung auf und setzt eine
Stiefmutter an die Stelle der Königin. Geschildert wird diese neue
Stiefmutter als narzißtische Persönlichkeit. Verdeutlicht wird dies
durch den Zauberspiegel. Die Stiefmutter läßt sich von ihm immer
wieder ihre eigene Schönheit bestätigen. Für wen die Stimme des
Zauberspiegels steht läßt sich unterschiedlich interpretieren.
Bettelheim sieht besonders in der späteren Übertreibung “...
tausendmal schöner...” die Stimme der Tochter. Man kann sie aber auch
als Stimme des Vaters deuten. Auf jeden Fall wird dem Kind, welches das
Märchen hört, vor Augen geführt, wie gefährlich
übersteigerter Narzißmus sein kann, wenn er wie bei der Stiefmutter
die Persönlichkeit völlig dominiert. Er verursacht den Konflikt
zwischen Schneewittchen und der Stiefmutter und führt später beinahe
zur Vernichtung von Schneewittchen. Zum Problem wird der Zauberspiegel erst als
er der Stiefmutter sagt, Schneewittchen sei schöner als sie. Die
Stiefmutter ist nicht fähig, ihr Bild von sich zu korrigieren und hegt
daher den Wunsch Schneewittchen zu beseitigen. Sie beauftragt einen Jäger,
Schneewittchen zu töten und ihr als Beweis Leber und Herz der
Getöteten mitzubringen. Der Jäger nimmt hier stellvertretend die Rolle
des Vaters im ödipalen Konflikt ein. Er handelt so, wie es sich eine
Tochter in einer ödipalen Konfliktsituation von ihrem Vater wünscht.
Er folgt scheinbar den Wünschen der (Stief-)Mutter. Als er jedoch die
Chance zur freien Entscheidung hat, entscheidet er sich für Schneewittchen
und läßt es frei. Der Jäger wird als Symbol gewählt, da er
die Rolle des Vaters als Beschützers versinnbildlicht. Er tötet wilde
Tiere, die im Unterbewußten stellvertretend für alles
Gefährliche stehen.
Warum ist die (Stief-)Mutter so offen
feindselig, während sich der König (Vater) so passiv verhält?
Dies hängt mit der ursprünglichen Rollenverteilung der Eltern in der
Familie zusammen. Der Vater hat für den Schutz des Kindes zu sorgen. Die
Mutter kümmert sich um das leibliche Wohl der Tochter. Vernachlässigt
die Mutter ihre Pflicht, so ist das Leben der Tochter direkt bedroht.
Vernachlässigt hingegen der Vater seine Pflicht, so ist die Tochter nicht
direkt bedroht jedoch schutzlos. Genau diese Situation tritt ein, als der
Jäger Schneewittchen im Wald alleine läßt. Nachdem sich
Schneewittchen gegen die Gefahren des Waldes behauptet hat, gelangt sie zur
Hütte der sieben Zwerge. Die Zwerge sind in ihrer Entwicklung stehen
geblieben Personen. Diese “Männlein” führen eine
vorödipale Existenz. Hier verwirklicht sich der oben angesprochene Wunsch
des Kindes aus der ödipalen Konfliktsituation zu fliehen. Das Märchen
zeigt dem Kind jedoch, daß diese Flucht auf Dauer keine Lösung ist.
Diese Flucht bedeutet Regression, die nicht möglich ist. Die Flucht in die
vorödipale Kindheit (d.h. zu den Zwergen) geht auch nicht gut. Die Zwerge
können Schneewittchen nicht vor der Stiefmutter beschützen.
Schneewittchens Entwicklung läßt sich nicht aufhalten. Als die
Königin vom Leben der Prinzessin bei den Zwergen erfährt,
beschließt sie diese selbst zu töten. Sie macht sich dazu den
erwachten Narzißmus der Rivalin zu nutze. Dem Zuhörer wird hier zum
zweiten Mal aufgezeigt welch negative Folgen Narzißmus haben kann. Der
Stiefmutter fällt es leicht, sich die erwachenden sexuellen Wünsche
Schneewittchens zu nutze zu machen. Sie nutzt den Wunsch des Mädchens nach
sexueller Attraktivität aus, indem sie sie mit einem Mieder und einem Kamm
(die diesen Wunsch symbolisieren) beinahe umbringt. Zweimal gelingt es den
Zwergen jedoch, sie in die vorödipale Latenzphase zurück zu holen.
Schneewittchens Entwicklung stoppen können sie wie gesagt jedoch nicht und
so führt der dritte Versuch der Stiefmutter ans Ziel. Durch einen Biß
in den Apfel, der Symbol für Sexualität ist, wird Schneewittchen
vergiftet. Die Zwerge können sie jetzt nicht mehr in die vorödipale
Zeit zurück holen. Sie legen sie in einen gläsernen Sarg. Diese Ruhe
im Sarg ist ein in vielen Märchen vorkommendes Motiv. Sie zeigt den
Zuhörern, daß eine Ruhephase nötig ist, um die nötige Reife
zu erlangen, um in das Erwachsenenalter eintreten zu können. Erlöst
wird Schneewittchen aus dieser Ruhephase vom Prinzen
- einem Mann. Dies
ist die Hoffnung, die das Märchen einem Kind an die Hand gibt, welches mit
ähnlichen Problemen ringt wie Schneewittchen. Am Ende des Märchens
muß die Stiefmutter sterben. Sie wird für ihre mangelnde Bereitschaft
zur Veränderung bestraft. Sie rückt nicht von ihrem Narzißmus ab
und kann nicht einsehen nicht mehr die Schönste zu sein. Somit muß
sie sterben.
Schneewittchen kann also auf sehr
unterschiedliche Weise dem Kind in seiner Entwicklung helfen. Als erstes gibt es
ihm ein Mittel an die Hand mit seinen eigenen ödipalen Gefühlen
umzugehen. Es gibt ihm Bilder für seine schon unbewußt vorhandenen
Ängste und Gefühle. Es erleichtert ihm so mit diesen umzugehen. Es
macht ihm Mut, da es ihm bei richtigem Verhalten die Rettung durch einen
“Prinzen” in Aussicht stellt. Das Märchen gibt ihm praktisch
eine Anleitung durch die Wirren des Heranwachsens zu gelangen. Es möchte
dem Kind vermitteln, daß es vor allem Ruhe und Geduld sind, die es ans
Ziel - ein
erfülltes Leben
- gelangen lassen.
Es weist außerdem auf die Gefahren hin die auf dem Weg dahin drohen. Es
zeigt, daß es negative Folgen hat, dem Narzißmus und zu früh
den sexuellen Wünschen nachzugeben. Aber es signalisiert gleichzeitig auch,
daß dies keine irreparablen Schäden hinterläßt. Es ermahnt
das Kind und jagt ihm vorläufig Angst ein. Es läßt es dann
jedoch am Ende nicht im Zustand der Angst zurück.
Das Märchen vermittelt dem Kind moralische
Vorstellungen der Gesellschaft. Die Frage die sich deshalb stellt ist, ob diese
moralischen Vorstellungen noch der heutigen Zeit entsprechen. Die Beantwortung
dieser Frage kann jedoch sehr unterschiedlich ausfallen. Deshalb sollten sich
Eltern darüber im klaren sein, daß Märchen auch immer diese
moralische Dimension enthalten. Sie sollten dann entscheiden, ob sie dem Kind
diese Vorstellungen vermitteln wollen.
Märchen und
ihre Wirkung auf Erwachsene
Märchen müssen aber nicht nur für
Kinder geschrieben sein, sie können auch für Erwachsene eine
fördernde Rolle spielen. Der “lucy körner” Verlag hat eine
große Auswahl von Märchen für Erwachsene, z.B. “Das
Zauberbuch” oder “Feuergold” in welchen es um das Menschsein
an sich geht, um Mitgefühl und Moral, was dem Leser aber nur
Unterbewußt suggeriert wird.
Fernsehen,
Einfluß auf unsere Moral(folglich auf das Gewissen)
Fernsehen, daß Medium mit der wohl
breitesten Bandbreite, welches von einigen auch als “Nullmedium”
bezeichnet wird, es hat heutzutage den größten Einfluß auf die
Bevölkerung.
Fernsehen liefert dem Leser eine vorgefertigte
Meinung, die nur noch geschluckt werden muß.
Fernsehprogramme sind für alle
möglichen Bevölkerungsschichten geschrieben. Nachmittags gibt es Talks
mit Arabella, Jörg Pilawa, Andreas Türk und wahrscheinlich 20 anderen,
alle Zielen auf die junge Bevölkerungsgruppe, auf Arbeitslose und
Hausfrauen/männer ab, die nichts zu tun haben am nachmittag. Sie geben
Meinungen und Fälle vor mit denen man sich identifizieren
soll.
Es wurde erst vor kurzer Zeit (Juli) ein neues
Gesetz eingeführt welches vorschreibt, daß die oben genannten
Sendungen angebliches nicht als Tatsachen und unnormales oder verrücktes
als Alltäglich oder Normal darstellen dürfen.
Die Werte die im Fernsehen vermittelt werden
(ausgenommen das Wort zum Sonntag) sind allesamt unter der Moralgrenze.
Fernsehen sollten nur Leute die genug Charakterstärke haben der Flut der
aufgezwungenen Meinungen zu entfliehen. Fernsehen gibt dem Zuschauer die
Möglichkeit seine z.B. sadistischen Neigungen im Kopf auszuleben. Dinge wie
Kindesmißbrauch werden heißer als in der Bildzeitung gehandelt, was
zur Folge hat das diese Dinge alltäglich werden und vielleicht sogar
Gesellschaftsfähig. Schon vorweg gestörte Geister finden da
ihre
Bestätigung.
Das Fernsehen besitzt gegenüber allen
andern Medien (außer Computer), den Benutzer gleichzeitig mit auditiver
und visueller Wahrnehmung zu konfrontieren, was einen viel stärkeren
Eindruck hinterläßt.
Im gelobten Land (America) werden die Kinder
unlängst vom Fernseher erzogen, sie erbringen Stunden vorm Fernseher und
verlieren so den menschlichen Kontakt zum Umfeld, sie verpassen die Chance in
die Gesellschaft als sozial - trainiertes Individuum hineinzuwachsen.
Durch Comics und die dadurch entstehenden
Vorbilder, die vielleicht eine Gute Rolle in der jeweiligen Sendung haben,
werden kämpfe zwischen Gute und Böse (positiv) aber auch die Gewalt
eben dieser hingestellt als wäre es gar nichts. Wie oft ist es vorgekommen
das Kinder dem Vater einen Hammer auf den Kopf gehauen haben, nur weil
“Jerry” das bei “Tom” gemacht hat, und war sich
später keiner Schuld bewußt.
Das Fernsehen hat als Medium aber den Nachteil,
daß es volle Aufmerksamkeit verlangt, und dies über die Dauer der
ganzen (Sendung), den wenn die vorüber ist, ist sie vorüber, man kann
nicht Zurückblättern wie bei einem Buch.
Zeitungen
Boulevardzeitungen:
Rund sechs Million Menschen erstehen
täglich eine Boulevardzeitung. Diese Blätter müssen jeden Tag um
die Gunst des Lesers kämpfen, deshalb orientieren sie sich bei der
Aufmachung, Themen und Bildauswahl an Neugier und Sensationshunger des
Publikums. Sie versuchen bei jeder Ausgabe möglichst viele
Publikumsinteressen anzusprechen, also etwa die Leser in ihren Rollen als
Eltern, Verbraucher, Gesundheitsinteressierte mit allem zu beliefern was ihr
Herz ersehnt.
Die Sätze sind alle Kurz und leicht
verständlich, was aber zur Folge hat das ein Großteil der
eigentlichen Informationen verlorengehen. Es ist der gleiche Ablauf wie beim
Fernsehen,
verstanden wird das was zu verstehen vorgegeben
wird.
Auch die politische Orientierung einer Zeitung
spielt eine große Rolle.
Tageszeitungen:
Zeitungen mit Ausnahme der Bildzeitung und
einiger ähnlichen Zeitungen, lassen dem Leser die Chance selbst zu
entscheiden, sie geben nur Orientierungshilfe, z.B. was die wichtigsten Themen
sind. Auch sie leben von Skandalen, und machen sie groß auf, aber dennoch
lassen sie den Informationen die weniger Skandalös sind ihr
Forum.
Der Computer
(Internet)
Internet, das ultimative Medium, es verbindet
Fernsehen mit Büchern, gelesenes mit gesehenem,
Spaß mit Ernst, dies alles aber leider
ohne definierte Grenzen. Es gibt keine Kontrolle, was aber nicht mit dem Willen
zusammenhängt sondern ein technisches Problem ist.
Es gibt im Internet nicht die Kontrolle ob man
18 (21) ist um Pornographie anzuschauen, man genießt volle
Anonymität, was ein moralisches Gebot oder eine schwerfallende Entscheidung
auf Null setzt, besser gesagt: die Angst vor Strafe verschwindet und somit
schaltet sich das Gewissen aus.
Schlußwort
Eigentlich beeinflussen alle Medien unser
gewissen oder unsere Gewissensbildung sowohl positiv als auch negativ, wichtig
ist nur den Bezug zur Realität nie zu verlieren. Man muß besonders
bei Kindern darauf achten wie sie die Medien unserer Technikgesellschaft nutzen.
Dinge wie der JfSk Vorspann vor jedem Film,”und wir bitten sie im
Interesse ihrer Kinder mit darauf zu achten
das sie sich auch in ihrer Abwesenheit nur die
Programme anschauen....” sind zwar langweilig aber war, wen man diese
Warnungen und Wegweiser achtet, kann eigentlich so gut wie kein negativer
Einfluß stattfinden.
Das Gewissen ist in unserer Gesellschaft, schon
so weit geschwächt, das es so etwas wie “Ehrenwort” oder
“Beichten” nur noch eine Frage des gesellschaftlichen Status sind.
Früher hieß es das Bücher die
Jugend verderben, heute heißt es das Video und Fernsehen die Jugend
verderben.
Längst kann man nicht mehr nur die Medien
für das verschwinden moralischer Grundsätze verantwortlich mach, es
ist das Zusammenspiel eben dieser mit der gesamten
Gesellschaft.
[1] J.F.Grant
Duff, Schneewittchen – Versuch einer psychoanalytischen Deutung, in:
Wilhelm Laiblin (Hg) Märchenforschung und Tiefenpsychologie, Darmstadt
1969
[2] B.
Bettelheim, Kinder brauchen Märchen, Stuttgart 1996, S.230
ff
[3] Da
Schneewittchen ein Mädchen ist, wird im folgenden der ödipale Konflikt
zwischen Tochter und Mutter geschildert. Dies soll das Problem jedoch nicht
einengen, sondern vereinfacht lediglich die Sprechweisen.
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