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Warum soll meine Religion die richtige sein?
Warum soll meine Religion die richtige
sein?
Vorbemerkung:
Die Jahreslosung 1995 wendet sich an die heidnischen
Völker und fordert sie zur Verehrung des einen Gottes JAHWE auf. Damit
stellt sich die Frage nach dem "Alleinvertretungsanspruch" der Religionen. Die
folgende Ansprache versucht, dieser Frage nachzugehen, indem sie einen
neutestamentlichen Zeugen zu Wort kommen läßt: Paulus. In
erzählerischer Form setzt er sich mit diesem Problem auseinander. Sie wurde
in der Adventszeit 1993 bei einem Jugendgottesdienst von mir vorgetragen und in
ihrer ursprünglichen Form belassen.
Liebe Freundinnen, liebe Freunde,
in das Gewand eines anderen werde ich heute abend
schlüpfen. Mein Name ist Paulus. Ihr werdet mich kennen oder habt zumindest
von mir gehört oder gelesen: Lukas, der Bibelschreiber hat ja von mir
erzählt. Und meine Briefe, ein paar zumindest, haben die Christen in alter
Zeit in Euer Bibel- Buch mit aufgenommen.
Ihr lieben Leute geht gerade auf das große Fest
der Christen zu. Mitten in den Vorbereitungen zu Weihnachten feiert ihr diesen
Gottesdienst. Da, wo sich viele auf das Christfest freuen, so ein Thema: Warum
soll meine Religion die richtige sein? Verwirrend für mich und spannend
zugleich. Ich dachte, es könnte Euch interessieren, was ich zu sagen habe
zu Eurer Frage. Denn in meinem Leben habe ich mich immer wieder damit
auseinandersetzen müssen.
Ja, warum soll meine Religion die richtige sein? Zuerst,
wenn ich ehrlich bin, war mir das kein Problem. Ein Jude war ich, aus dem Stamm
Benjamin, Hebräer von Hebräern, am achten Tag beschnitten, wie alle
jüdischen Jungen, aufgenommen in den Bund, den der Gott meiner Väter
mit seinem Volk geschlossen hat. Ob es diesen Gott gab oder nicht, das versuchte
ich nie herauszufinden. Er existierte. Fraglos. Er hatte seinen Platz im
Elternhaus, am Sabbat, bei den Festen, die wir feierten, im Unterricht in der
Synagoge.
Unser Gott hatte eine Stimme, und sie sprach aus der
Thora, dem Gesetz, wir hörten sie in den Geschichten, die von ihm und
unserem Volk erzählten, wir sangen ihm in den tehilim, den Psalmen. Wir
beteten ihn an in dem Schemah Israel: Höre Israel: Adonai ist unser Gott.
Adonai allein, und er ist einzig. Ihn, den einzigen Gott, sollst du lieben von
ganzem Herzen, von ganzer Seele, und mit all deiner Kraft. Dein Gott ist
eifersüchtig.
Diese Worte habe ich mir ins Herz geschrieben, habe sie
in meinen Gedanken bewegt, um sie nie zu vergessen. Daß meine Religion die
richtige war, warum sollte ich daran zweifeln? Das Gegenteil war der Fall. Ich
wollte sie ernst nehmen, ernster als viele meiner Mitmenschen, die ihn zu einem
Sonn- und Feiertagsgott gemacht hatten. Ich wollte ernst machen mit der
Forderung, heilig zu sein, weil unser Gott ein heiliger Gott war. So ging ich
bei den Pharisäern in die Schule. Lernte, eiferte für meinen
eifersüchtigen Gott.
Und doch gab es da auch das andere in meinem Leben: Ich
war ein Jude aus Tarsus. Tarsus war eine Hafenstadt, müßt ihr wissen.
Als Kind saß ich oft am Hafen, dort, wo man das Mittelmeer riechen kann,
den Südwind auf der Haut spüren, der die Frische und das Salz
über die Wellen in die Stadt hineintrieb. Das Meer brachte nicht nur gute
Luft, sondern auch die Fremden: die Griechen, die Afrikaner, Ägypter und
Seefahrer aus Cypern, Exoten, Männer mit fremden Gesichtern und fernen
Sprachen, mit bunten Kleidern und noch bunteren Gedanken, Kundschafter anderer,
fremdartiger Religionen.
Immer, wenn ein Schiff aus dem Hafen ausfuhr, hat mich
das Fernweh gepackt. Ich wollte die Welt kennenlernen, erfahren, was andere
glaubten und wie andere lebten. Vielleicht lag in diesen vielen Stunden, die ich
als Kind am Hafen meiner Vaterstadt verbracht habe, schon der Kern dafür,
daß ich später zum weitgereistesten Menschen der Bibel werden sollte.
Die Linien meiner Wanderungen und Schiffspassagen durchkreuzen schließlich
die Landkarten der ganzen damals bekannten Welt von Ost nach West und
zurück. Nun, ganz reicht es noch nicht als Erklärung dafür aus.
II. Laßt mich von Damaskus erzählen. Blinde
sehen, Lahme gehen! tönte es damals durch die Landschaften Judas und
Galiläas und über die nördlichen Grenzen hinaus. Die Römer
hielten die neue religiöse Sekte des Nazareners für eine
aufrührerische Gruppe, wir hielten sie schlicht für eine Bande von
Gottesleugnern und Feinden unseres Volkes. Alles schienen sie daran gesetzt zu
haben, unserem Volk Wunden zu schlagen und die Gemeinschaft der Glaubenden zu
untergraben. Demonstrativ hatten sie die Sabbatgebote gebrochen, am heiligsten
der Wochentage gebrechliches Volk von der Pest geheilt. In den Straßen
erklang das Jubeln und Schreien derer, die sich nach Heilung sehnten. Schamlos,
respektlos und ohne jede heilige Scheu erklärten sie, die Thora hätte
sich erfüllt und das Ende der Zeiten sei angebrochen.
Die Römer haben den Kopf der Bande ja dann
hingerichtet, wie man Gotteslästerer und politische Aufrührer
hinrichtet. Doch Ungeheuerliches hat man sich bald darauf erzählt. Er, der
Rabbi Joschua aus Nazareth, aus der Familie Davids, sei eingesetzt worden zum
Sohn Gottes, auferweckt am dritten Tage, einem gewissen Kephas erschienen,
danach auch den zwölf Männern, die sich als konspirative Gruppe in
Jerusalem zurückgezogen hatten. Nicht lange darauf seien es gar 500
gewesen, die beim Pfingstfest in Jerusalem außer sich gerieten, weil sie
mit unerklärlicher Kraft von oben erfüllt wurden. Der Herr ist
auferstanden, hieß es. Und in aller Öffentlichkeit verbreiteten sie
die Nachricht, der sagenhafte Josua sei der Messias gewesen, und die bösen
Juden hätten den Gesalbten des Herrn umgebracht. Bis nach Damaskus hinaus
verbreitete sich die Kunde, Krebsgeschwüren gleich. Laßt sie uns
aufspüren und gefesselt nach Jerusalem führen und anklagen! riefen wir
und zogen nach Osten. Wir wollen unsere Ruhe haben.
Auf nach Damaskus. Aber ich erreichte die Stadt anders,
als ich dachte. Kurz vorher war es mir, als öffnete sich der Himmel.
Qualvolles Licht bündelte sich zum Strahl und die Straße
glänzte. Saul, Saul, hörte ich rufen, was verfolgst Du
mich? Ein Krampf warf mich vom Pferd in den Staub. Wer bist Du?
stammelte ich. Wie blind erhob ich mich vom Boden, mühsam und voller
Schmerzen: Wer bist Du? Drei Tage aß und trank ich nichts.
Quälende Fragen, die nur der Schlaf zur Ruhe brachte. Wer bist Du?
Dann kam Ananias und legte mir heilend die Hände auf die Augen. Wer bist
Du? fragte ich noch einmal. Und irgend jemand sagte: Ich bin Christus,
den du verfolgst. Mach Deine Augen
auf.
Blind warst du, blind vor Eifer. Bist an dem
Gott des Lebens vorbeigegangen und hast ihn zum Erfüllungsgehilfen deiner
religiösen Vorstellungen degradiert. ...........
Das Leben hatte einen Strich durch meine Pläne
gezogen. Blinde sehen, Lahme gehen. Gott hatte mir die Augen geöffnet. Der
Gott, der mir das Leben geschenkt hat, offenbarte mir seinen Sohn. Ich lebte,
doch nun nicht nur ich, sondern Christus lebte in mir. Doch - was war nun mit
meiner Vergangenheit? War mein bisheriges Leben vertan, vergeblich? Was war mit
meinem Glauben an den Gott der Hebräer, mit meinen jüdischen
Geschwistern? Mit den vielen, denen sich Jesus Christus nicht in den Weg
gestellt hatte? Waren sie verloren? Verworfene? Welche Religion war die
richtige, die jüdische oder die christliche?
Lange Jahre brauchte ich, bis ich für mich eine
Antwort darauf fand: Die Zusagen, die Gott den Juden gegeben hat, können
nicht hinfällig geworden sein. Gott steht dazu (Röm. 6,9). Auch wenn
Gott durch seinen Sohn allen seine Liebe gezeigt hat. Wenn Gott einem Menschen
seine Gemeinschaft anbietet, dann widerruft er dies nicht (Röm. 11,29).
Gott hat verschiedene Wege, um zu uns zu reden. Jesus hat deutlich gemacht,
daß Gottes Worte allen Völkern und Nationen (Röm. 9,30) gelten.
Schließlich hat Gott alle Dinge geschaffen, alles besteht durch ihn und in
ihm haben sie ihr Ziel (Röm. 11,36).
Juden oder Christen? Ich war Christus begegnet. Er hat
mich zu seinem Boten gemacht. Und ich habe mich von ihm rufen lassen. Mit einmal
war mir bewußt geworden, daß ich bisher noch nicht begriffen hatte,
was der Glaube an Gott bedeutet. Ich meinte, ich müßte es ihm recht
machen, indem ich für ihn eiferte. Jetzt weiß ich, daß ich
durch Gottes Barmherzigkeit bin, was ich bin. Er hat mir das Leben gegeben. Ich
bin für ihn wichtig. Nicht wegen meiner guten Taten oder meines
vorbildlichen Lebenswandels. Sondern weil er mich liebt. Deshalb habe ich mich
auf den Weg gemacht, um diese gute Nachricht weiterzutragen.
III. Aber noch einmal mußte ich dabei dazulernen.
Juden oder Christen, das war nur ein Anlaß, über die Religionen
nachzudenken. Da kam nämlich auch noch Athen! Eigentlich war die Hauptstadt
der Griechen nur als Durchgangsstation zwischen Thessaloniki und Korinth gedacht
gewesen. Doch kaum, daß ich sie betreten hatte, schlug sie mich in den
Bann. Was für eine Stadt! Dichter, Denker, Wissenschaftler, Künstler -
Sokrates und Plato, Aristoteles und Homer, die großen Dramatiker! Was
für eine Welt! Noch nie war mir so bewußt geworden, welcher Geist,
welche Kultur sich in dieser Stadt der Dichter und Denker versammelten. Auf dem
Weg zur Akropolis rechts und links Altäre, viele für unbekannte
Götter, deren Zorn man sich nicht zuziehen wollte. Lärm aus den
Markthallen, neugierige, bildungsbeflissene Menschen, Philosophen und
Philosophenschulen. Da war sie wieder, die Welt meiner Kindertage mit ihren
fremdartigen Gedanken, mit ihrem bunten Leben. Neugierig schloß ich mich
den Leuten auf dem Marktplatz an. Stoiker nannten sich einige, andere nach dem
Philosophen Epikur. Und viele interessierten sich für meine Gedanken, die
"neue Lehre". Manches klang fremd für sie und sie wollten gerne mehr
darüber wissen.
Nach Art der Philosophen begann ich zu reden: "Ihr
Männer von Athen, ich habe gemerkt, daß ihr die Götter hoch
verehrt. Ich bin durch eure Stadt gegangen und habe mir eure heiligen
Stätten angesehen. Dabei habe ich einen Altar entdeckt mit der Inschrift:
“Für den unbekannten Gott”. Diesen Gott, den ihr verehrt, ohne
ihn zu kennen, will ich euch jetzt bekannt machen. Es ist der Gott, der die Welt
geschaffen hat und alles, was darin lebt. Als Herr über Himmel und Erde
wohnt er nicht in Tempeln, die von Menschen gebaut werden....Meint nicht, die
Gottheit sei den Bildern gleich, die ihr euch von ihnen macht. Er ist jedem von
uns nahe; denn durch ihn leben, handeln und sind wir. Und Gott hat sich uns
gezeigt, in einem Menschen, seinem Ebenbild. Ihn hat er vor aller Welt
ausgewiesen, indem er ihn vom Tod erweckt hat."
Als ich von der Auferstehung redete, lachten einige und
spotteten. Andere meinten, ich würde neue Götter verkündigen. Sie
ließen mich nicht mehr zu Wort kommen. So ging ich schweigend aus ihrer
Mitte, aufrecht und ruhig, als berührte mich das nicht. Nicht aus eigener
Kraft und Stärke, nicht aus Überheblichkeit und Besserwisserei,
sondern als spürte ich den namenlosen Mann, den ich verkündet hatte,
an meiner Seite. Später erzählten sie mir, daß einige meinen
Worten vertrauten und Christen wurden. Gott ist jedem von uns nahe. Mit allen
Menschen dieser Erde waren die Athener auf der Suche nach dem unbekannten Gott.
Doch der hat uns Menschen besucht. Er hat Hand und Fuß bekommen in jenem
kleinen Kind von Bethlehem, in dem Prediger vom See Genezareth, in dem
Aufrührer am Kreuz. Und er wirbt um unser Vertrauen.
IV. Warum soll meine Religion die richtige sein? Ich
habe lernen müssen, daß es viele Arten gibt, Gott zu verstehen. Als
ich ein Kind war, dachte ich wie ein Kind von Gott, redete wie ein Kind,
fühlte wie ein Kind. Als Mann mußte ich viele meiner liebgewordenen
Vorstellungen ablegen. Mir wurde bewußt, daß wir Gott nie ganz
begreifen werden, solange wir leben. Unser Erkennen ist Stückwerk. Wie in
einem trüben Spiegel sehen wir Gott, unvollkommen, wie wir Menschen sind.
Aber ich freue mich auf den Tag, an dem wir Gott gegenüberstehen und ihn
erkennen werden, so wie er uns jetzt schon kennt (1.Kor 13,11-12).
Jugendpfarrer Wolfgang Sönning,
Esslingen
Just another brick in the wall - Jugendgottesdienst zur Jahreslosung 1996
1. The wall- Part 1
Im Angesicht der Trümmer der Jerusalemer
Tempelmauern entstehen nach 587 die Klagelieder. Man wird sie später dem
Propheten Jeremia zuschreiben. Das dritte Lied, aus dem unsere Jahreslosung
genommen ist, erzählt von dem Unheil, das den Menschen widerfahren ist. In
66 Versen klagt eine Unbekannter (der Vorbeter der Gemeinde?) Gott seine
Einsamkeit. Er klagt seine “Not und Unrast”. Wie ein Feind bei der
Belagerung einer Stadt die Sturmmaschinen und Rammböcke aufbaut, so umbaut
und umgibt Jahwe den Leidenden mit Gift und Mühsal. Er ist ein Gefangener,
eingemauert und an schwere KettenIgelegt. Alles Schreien und Rufen ist sinnlos.
Jeder Zugang nach außen, selbst der Zugang zu Gott ist versperrt. Doch im
Gebet zeigt er sich bereit, Buße zu tun und umzukehren, alle nationale und
religiöse Überheblichkeit hinter sich zu lassen und auf Gottes
Eingreifen zu hoffen. Er erinnert sich an die vergangenen
“Gnadenerweise” Gottes, an die Güte, die Gott seinem Volk in
der Vergangenheit erwiesen hat. Täglich neu wendet Gott seine Güte den
Menschen zu. Unumstößlich ist die Barmherzigkeit Gottes. Darauf ist
Verlaß. Auch in Zukunft. So zeigt der Sänger der versammelten
Gemeinde den Weg zur Überwindung ihres Leids auf: Im neuen Vertrauen auf
die Hilfe Gottes.
Der Text aus Klagelieder 3
3/1 Ich bin der Mann, der Elend sah durch die Rute
seines Grimmes. 3/2 Mich trieb er weg und ließ mich gehen in Finsternis
und ohne Licht. 3/3 Nur gegen mich wendet er immer wieder seine Hand, jeden
Tag. 3/4 Verfallen ließ er mein Fleisch und meine Haut, zerbrach meine
Knochen, 3/5 umbaute und umgab mich mit Gift und Mühsal.
3/6 Er ließ mich wohnen in Finsternissen, wie die Toten der
Urzeit.
3/7 Er ummauerte mich, daß ich nicht
herauskann; er legte mich in schwere, bronzene Ketten. 3/8 Auch wenn ich
schrie und um Hilfe rief, verschloß er [sein Ohr vor] meinem Gebet. 3/9
Er vermauerte meine Wege mit Quadersteinen, kehrte meine Pfade
um.
3/21 [Doch] dies will ich mir in den Sinn
zurückrufen, darauf will ich hoffen:
3/22 Ja, die Gnadenerweise des HERRN sind nicht zu
Ende, ja, sein Erbarmen hört nicht auf, 3/23 es ist jeden Morgen neu.
Groß ist deine Treue. 3/24 Mein Anteil ist der HERR, sagt meine Seele,
darum will ich auf ihn hoffen. 3/25 Gut ist der HERR zu denen, die auf ihn
harren, zu der Seele, die nach ihm fragt. 3/26 Es ist gut, daß man
schweigend hofft auf die Rettung des HERRN.
2. The wall - Part 2
CD Pink Floyd - The wall (erschienen auf EMI Records Ltd. 1979/1994)
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1977 beginnt die englische Popgruppe Pink Floyd mit der
Arbeit an dem ehrgeizigsten und vielseitigsten Multimediaprojekt seit Pete
Townshends Bühnenshow Tommy, mit der Arbeit an The Wall. Es
wird die Geschichte des Jungen Pink Floyd, der als Kind seinen Vater im zweiten
Weltkrieg verloren hat - eine Tragödie, die nicht nur das Leben des
Komponisten Roger Waters betraf, sondern auch das Leben vieler Engländer
seiner Generation überschattete. Die erstickende Liebe der Mutter, ein
unmenschliches Bildungssystem, die Heirat mit einer treulosen Schlampe und der
Zwang zum Erfolg in der Rockmusikszene machen sein Leben unerträglich. Die
Folge: Je schlechter die Erfahrungen in seinem Leben, desto mehr zieht er sich
in sich zurück und fügt der “Mauer”, die sie um ihn
aufgebaut haben, einen weiteren Stein hinzu. “Good bye cruel world,
I’m leaving you today, Good bye all you people, there’s nothing you
can say to make me change my mind,” singt Pink am Ende des ersten Teils
der Bühnenshow, völlig eingemauert in den Steinen seiner
Vergangenheit.
In der zweiten Hälfte vollzieht sich Pinks
endgültiger Zusammenbruch und seine “Auferstehung” zu einem
wunderbar einfühlsamen Menschen. Der halluzinierende Popstar Pink wird von
einem Arzt mit einer Spritze zu neuem Leben erweckt. Er taucht hinter der Mauer
auf und marschiert im Stechschritt über die Bühne. Rassistische
Parolen und “Hammer! Hammer!” - Rufe erfüllen die Bühne
bis die Mauer des Rock n’ Roll Demagogen zusammenstürzt: “All
alone, or in twos, the ones who really love you, walk up and down outside the
wall.”
Zum absoluten Hit von The Wall wurde der der Song
Another brick in the wall. Bereits eine Woche nach der
Veröffentlichung 1976 führte er die Charts an und war bereits in
über 340 000 Exemplaren verkauft worden. Er wurde zugleich einem der
umstrittensten Songs der Popgeschichte. Südafrika hat das Lied zur Hymne
der Widerstandsbewegung im landesweiten Schulboykotts erkoren. Die staatliche
Zensurbehöre reagierte mit einem Verkaufs- und Sendeverbot. Auch in den USA
boykottierten die TOP-Forty-Sender im Großraum Los Angeles den
subversiven Hit. Hier der Text:
Another brick in the wall
Part 1
Daddy’s flown across the ocean
leaving just a memory
a snapshot in the family album
Daddy what else did you leave for me
Daddy what d’ya leave behind for
me
All in all it was just a brick in the
wall
All in all it was just a brick in the
wall.
Part 2
We don’t need no education
we don’t need no thought control
no dark sarcasm in the classrooms
teachers leave the kids alone
all in all it’s just another brick in the
wall
all in all you’re just another brick in the
wall.
Part 3
I don’t need no arms around me
I don’t need no drugs to calm me
I’ve seen the writing on the wall
don’t think anything at all
all in all it was just a brick in the
wall
all in all you were all just bricks in the
wall.
3. The wall - Part 3: Ein JugendGottesdienst
4. Verwendete Literatur
Hans-Joachim Kraus, Biblischer Kommentar Band XX,
Klagelieder (Threni), Neukirchen 1968
Nicholas Schaffner, Pink Floyd, München
1994
Jugendgottesdienst Berkheim
Ich hab’s im Griff
Na, habt ihr’s im Griff? Euer Leben, meine ich? Klar, wie kann ich
fragen. Wenn euch jemand in die Quere kommt, saust ihr wie der Terminator durch
die Weltgeschichte und sorgt für Gerechtigkeit! Wenn jemand eine freche
Lippe riskiert, kassiert er silvester-stallon-mäßig einen Haken. Wenn
die Mathearbeit verhagelt ist, zeigt ihr eurem Lehrer eure kalte Schulter und
macht euren Mitschülerinnen klar, daß es im Leben wichtigere Dinge
gibt. Wenn euch jemand blöde Kuh nennt, zuckt ihr mit den Achseln. Ihr seid
ja obercool. Nur, wie’s drinnen aussieht, das darf euch niemand fragen.
Wenn euch die Tränen in den Augen stehen, dann darf das niemand wissen.
Wenn euch ein Klos im Hals sitzt, schluckt ihr den selber runter. Ihr seid ja
cool. Ihr strahlt wie die Boys und Girls im Quelle Katalog, immer gut drauf.
Daß das Leben ganz anders ist, wissen wir alle. Aber keiner zeigt es.
Muß das so sein? Manchmal habe ich den Eindruck, wir laufen wie die Heman-
und Barbiepuppen in der Welt herum, mit steinernen Gesichtern, leblos wie in
einer Plastikwelt. Ist das gut so?
Laßt uns ein paar Jahrhunderte zurückgehen, in die Weltstadt
Korinth im schönen Griechenland. Das erste Jahrhundert unserer Zeitrechnung
strotzt vor Kultur. Philosophen und Denker, Kriegshelden und Musen, in Stein
gemeißelte Schönlinge zieren die Plätze und Straßen der
Weltstadt. Madame Toussous Wachsfigurenkabinett in Marmor und open Air, zum Null
- Tarif. Muskulös und maskulin, sportlich und aktiv die Athleten des
Geistes und der Körperkultur, kriegserfahren und obercool. Schöne
Frauen, mal ohne mal mit wehenden Gewändern, Musen und Göttinnen in
verführerischen Posen, das war der lifestyle der Zeit.
Bei so viel Eleganz wollen die Frommen in Korinth nicht nachstehen. Die
einen halten es mit einem gewissen Apollos. Ein glänzender Redner ist er,
sagen sie, ein kräftiger Grieche, der die Frauenherzen höher schlagen
läßt. Geistreich und intelligent. Andere schwärmen für
diesen Petrus, menschlich total gut drauf, ein einfacher Mann zwar, Fischer von
Beruf, aber vertrauenerweckend, irgendwie hat der was, der Mann.
Nur den Paulus, den mag offenbar keiner. Und dabei hat er, der Apostel,
die Gemeinde der Christen gegründet. Ein armseliges Leben legt er an den
Tag: Voller Schwachheit und Furcht. Manchmal, so schreibt er, steht ihm der
Schweiß auf der Stirn, manchmal zittert er am ganzen Körper, als
hätte er Fieber. Manchmal erschrickt er vor seinem eigenen Spiegelbild: Bin
ich das noch, bin ich überhaupt noch vorhanden? “Immer tragen wir das
Sterben Jesu an unserem Leib”, sagt er. “immer werden wir bei Leibes
Leben dem Tod ausgeliefert. Äußerlichkeiten zerfallen, wenn auch
unser Inneres Tag um Tag neu wird.” Er habe sich in Trübsal,
Nöten und Ängsten zu bewähren, Schwachheit und Schmach. In
durchwachten Nächten verzweifelt er an sich und an seinem Gott. Er hat es
schwer, sich gegen die Schönen und Erfolgreichen durchzusetzen. Von seinen
Tränen will niemand etwas wissen. Mit seinen Schwächen will sich
niemand identifizieren. Einer wie er taugt nicht zum Helden. Seine Zweifel
ziehen einen herunter. Seine Unsicherheit stellt einen in Frage. Doch Paulus
läßt es nicht darauf beruhen. Er setzt sich hin und schreibt - keine
Abrechnung, keine Selbstrechtfertigung, Paulus schreibt von der Liebe.
13
13/1 Wenn ich in den Sprachen der Menschen und der Engel reden
könnte, aber keine Liebe habe, so bin ich ein tönendes Erz geworden
oder eine schallende Zimbel. 13/2 Und wenn ich Weissagung habe und alle
Geheimnisse und alle Erkenntnisse weiß und wenn ich allen Glauben habe, so
daß ich Berge versetze, aber keine Liebe habe, so bin ich nichts. 13/3
Und wenn ich alle meine Habe zur Speisung [der Armen] austeile und wenn ich
meinen Leib hingebe, damit ich verbrannt werde, aber keine Liebe habe, so
nützt es mir nichts. 13/4 Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist
gütig; sie neidet nicht; die Liebe tut nicht groß, sie bläht
sich nicht auf, 13/5 sie benimmt sich nicht unanständig, sie sucht nicht
das Ihre, sie läßt sich nicht erbittern, sie rechnet Böses nicht
zu, 13/6 sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sondern sie freut
sich mit der Wahrheit, 13/7 sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie
hofft alles, sie erduldet alles.
Das, liebe Freunde, ist kein Liebesgedicht für milde
Mitsommernächte. Das sind keine Schmuseverse für Romantiker. Das sind
Zeilen für die Obercoolen, für die, die alles im Griff haben wollen,
für die Helden, die kein Wässerlein trüben kann.
Es ist ja merkwürdig: Wenn man verliebt ist, dann hat man nichts mehr
im Griff. Da schlägt einem das Herz zum Hals und da zittern die Knie, wenn
man nur an ihn denkt. Da macht man die verrücktesten Dinge, um ihr zu
gefallen. Da werden aus spröden Typen Dichter und Mauerblümchen
blühen auf zu Rosen. Man läuft singend durch den Alltag, schwebt auf
Wolke sieben und könnte die ganze Welt umarmen. Mit einem mal kehrt das
Leben in uns ein. Wir lachen und weinen, sind himmelhoch jauchzend, zu Tode
betrübt. Und alles, weil man verliebt ist.
Wenn Paulus von der Liebe schreibt, dann meint er das noch nicht einmal
erotisch: “Wenn ich redete und redete. Wenn ich mir den Mund fusselig
redete wie Apollos und die ganzen Gelehrten Griechenlands. In den Sprachen der
Engel und in allen Dialekten der himmlischen Welt. Und wenn ich mir die Finger
Wund schrieb, schrieb und schrieb. Was bedeutete das alles, was nützte es
mir? Habe ich die Liebe nicht, dann bin ich nichtssagend, ein tönendes Erz,
eine klingende Schelle, ich rief ins Leere. Und wenn ich alle Erkenntnisse der
Welt in mir hätte, einen Glauben, der Berge versetzen kann, wie dieser
Petrus und all die anderen Frommen, wenn ich ohne die Liebe bliebe, dann
wäre von all meinen Begabungen nichts übrig. Ich verliere mein Profil,
meine Person wird gestaltlos, dann bin ich nicht, ein nichts, nie gewesen. Wenn
ich die Liebe nicht habe, dann lebe ich nicht, dann spüre ich nichts, dann
bleibt mein Leben sinnlos.” “Ich zeig euch einen besseren Weg zu
leben. Strebt nicht nach Begabungen, mit denen ihr euch aufplustert und wichtig
machen könnt, sondern strebt nach der Liebe Gottes.”
Paulus kämpft also darum, daß das Leben in uns Menschen
einzieht. Man soll etwas von uns spüren, soll sich an uns ärgern oder
reiben, sich mit uns freuen und lachen können. Unsere Traurigkeit soll
einen Platz bekommen und unsere Freude soll andere anstecken. Unsere Sorgen
sollen ihren Platz bekommen und unser Lachen soll andere anstecken.
Wie das geht? Durch die Liebe. Durch die Liebe Gottes, durch “die
Liebe die ausgegossen ist in unsere Herzen durch den Heiligen Geist.”
(Röm. 5) Wer sich geliebt weiß, der braucht sich nicht zu
fürchten - die Liebe treibt die Furcht aus. Wo Liebe ist, das ist Platz
für Vertrauen und für Offenheit. Wo Liebe ist, da ist Raum für
alle unsere Gedanken und Gefühle. Da wird nicht gemessen und zensiert und
verglichen. Wo Liebe ist muß keiner sich aufspielen und niemand den
anderen klein machen, da schaut keine hochmütig auf die andere herab und
keiner übergeht den anderen. Wo Liebe ist, da können wir sein, wie wir
sind.
So möchte ich euch Mut machen, eure Gefühle zu leben und zu
zeigen. Ich möchte euch Mut machen, die zu werden, die ihr wirklich seid,
die Masken abzulegen und ehrlich miteinander umzugehen. Vielleicht wird dann
manches schwieriger zwischen euch: Wenn sich einer seinen Kummer von der Seele
redet, dann kann man nicht so leicht zur Tagesordnung übergehen. Das
braucht Zeit, um zuzuhören. Und oft wird man selbst davon betroffen sein
von dem, was andere einem erzählen. Aber trotzdem das Leben wird bunter und
reicher. Wir erfahren etwas voneinander und wir lernen voneinander. Und das
Leben wird leichter. Wer alles im Griff haben will, muß ständig
darauf achten, sein Gesicht nicht zu verlieren. Wer weiß, daß Gott
ihn liebt, der kann so sein und leben wie er ist.
Mein Gott, das muß anders werden
Skizze zu einem Jugendgottesdienst
I. Aus der Tiefe rufe ich zu dir....!
Babylon. Die Israeliten, vielmehr das, was von ihnen
nach der großen Katastrophe übrigblieb, haben ihre Harfen in die
Weiden gehängt. Ihre Freudenlieder sind verstummt. Noch immer können
sie kaum fassen, was geschah: Das Land liegt am Boden. Die Häuser sind ein
Raub der Flammen. Der Tempel, die lieblichen Wohnungen ihres Gottes Zebaoth
liegen in Trümmern. “Wie könnten wir das Lied des Herrn noch
singen im fremden Lande?
Einer sieht weiter: Der Prophet Jesaja, aus dessen Buch
unsere Jahreslosung entnommen ist. Er fragt: Wie geht es mit euch weiter? Was
kommt? Wer hilft?
Wir singen: Aus der Tiefe rufe ich zu dir, Herr,
höre meine Klagen
(U.Seidel, O.G.Blarr, aus: Wenn der Stacheldraht
blüht, 1981)
Wir sitzen auf den Trümmern unserer Vergangenheiten
und fragen was kommt? Wer hilft? Wie geht es mit uns weiter?
Zufällig zusammengetragene Erlebnisse aus einer
Sommerfreizeit mit 13-17jährigen:
“Vor vier Wochen habe ich erfahren, daß
ich Diabetes habe. Und das mit 16! Ich kann von nun an nicht mehr so leben, wie
alle anderen. Immer brauche ich eine Sonderbehandlung. Ständig muß
ich mich einschränken. Warum geschieht das gerade
mir?”
“Meine Eltern haben mir meine ganze Kindheit
verdorben mit ihren ständigen Streitereien. Ich bin total sauer auf sie.
Ich hätte mir das Leben so schön, so unbeschwert vorgestellt. Und
jetzt fällt ihr ganzer Beziehungsschrott auf mich
ab.”
“Nie hat jemand Zeit, um mit mir
vernünftig zu reden. Alles nur schnell schnell. Die Arbeit, der Garten, das
Auto sind anscheinend wichtiger als ich und meine unbequemen Fragen. Ich
störe doch nur.”
“Eigentlich hatte ich viele Freunde,
früher. Aber ich bin wohl zu oberflächlich und zu eigensinnig gewesen.
Ich habe Freundschaften nie richtig ernst genommen und deshalb haben sie nie
richtig lange gedauert. Jetzt stehe ich alleine da. Sicher habe ich viele
verletzt, vielen wehgetan.”
“Lernen, nichts als Lernen! Den Übergang
von der Realschule zum Gymnasium hätte ich mir leichter vorgestellt. Jetzt
bin ich die einzige aus meiner alten Klasse, sonst alles neue Schülerinnen
und Schüler. Und die erste Mathearbeit habe ich schon voll verhauen.
Muß ich mir das antun? Ich komme zu nichts mehr! Und wozu das
alles?”
Wir sitzen auf den Trümmern unserer Vergangenheiten
und fragen, was hilft. Wir tragen unsere Trümmer vor, vor zum Altar und
gestehen unsere Hilflosigkeit ein.
II. Mein Gott, das muß anders werden, aber wie...?
Wir singen: Mein Gott, das muß anders
werden...
(Ch.Lehmann, aus: Fünf Brote und zwei Fische -
Kinderbeatmesse, 1977)
Mein Gott, das muß anders werden! Fragt sich nur
wie? Wir haben unsere verschiedenen Methoden entwickelt:
Abhauen: Sex, Drugs, Rock’n Roll, das sei
Glück, meinen die einen. Ich verkriech mich in meine Ecke, sagen die
anderen. Ich mach einen drauf, meinen wieder andere. Es gibt viele
Möglichkeiten, um sich den Alltagsproblemen nicht stellen zu
müssen.
Aussitzen: Manche Menschen bringen ihr Leben zu wie ein
Gesäß. Sie sitzen die Probleme aus, bis sie nicht mehr existieren.
Meinen sie. Ob das geht?
Dreinschlagen: Macht kaputt, was Euch kaputt macht! Ich
finde schon einen Schuldigen, eine Schuldige. Denn einer ist immer der
Arsch.
Das alles sind keine Lösungen. Ändern tut sich
gar nichts. Alles wird nur noch schlimmer!
Mein Gott, es muß anders werden. Fragt sich nur
wie?
Wir bringen unsere Klagen vor Gott:
Unsere Kyriegebete
Wir singen: Herr, erbarme dich, erbarme
dich
(A.Albrecht, P.Janssens, aus: Ein Halleluja für
dich”, 1973)
Wir hören auf Gottes Zusage: Wendet euch zu mir, so
werdet ihr gerettet, aller Welt Enden; denn ich bin Gott, und sonst keiner
mehr.
Wir erzählen Rettungsgeschichten aus der Bibel der
Hebräer oder der Christen , Befreiungsgeschichten, und bekommen Anteil an
der Hoffnung der Menschen, die Gott vertrauten (Auszug aus Ägypten,
Führung durch das Wüstenland, Elia oder andere).
Wir feiern das Mahl der Befreiung und erleben die
Gemeinschaft untereinander.
Wir singen: Neue Hoffnung, neues Leben, kann uns Gott
alleine geben.
(E.Bücken, C.Lehmann, aus: Exodus,
1979)
Daß Menschen sich Gott zuwenden und darin
Befreiung und Hilfe erfahren, soll nicht gelehrt, sondern gefeiert werden. Wir
wenden uns Gott zu im Gebet, wir wenden uns Gott zu und spitzen die Ohren
für seine Befreiungsgeschichten, wir erleben die Gemeinschaft untereinander
im Mahl.
III. Hilf mir, es besser zu machen, mein Gott, erbarme dich...
Befreiung wird konkret in den Schritten, die wir
miteinander in die Freiheit gehen. Wir haben uns Gottes Nähe vergewissert.
Wir haben die Gemeinschaft untereinander erlebt, indem wir unsere Sorgen
teilten und im Mahl das neue Leben schmeckten, zu dem uns Gott berufen will. Nun
wenden wir uns noch einmal unseren Trümmern zu. Die Israeliten bauten die
Stadt und den Tempel wieder auf. Auch wir tun, was uns gegenseitig
aufbaut.
Wir geben einander Zeit, um miteinander zu reden. Wir
sagen uns gegenseitig unsere Unterstützung zu. Wir überlegen die
nächsten Schritte, die wir miteinander gehen. Wir ermutigen uns, an unseren
Zielen festzuhalten. Wir treffen Absprachen, um uns wieder zu
treffen.
Wir teilen uns gegenseitig mit, wo wir Hilfe erfahren,
wo für uns der Weg weitergeht. Wir vergewissern uns, daß wir nicht
alleine sind.
Wir gehen unter Gottes Segen.
Wir singen: Steh mit mir auf, geh mit mir
los
(H.J.Netz, P.Janssens, aus: Exodus,
1979)
Jugendpfarrer Wolfgang Sönning,
Esslingen
Warum soll meine Religion die richtige
sein?
Vorbemerkung:
Die Jahreslosung 1995 wendet sich an die heidnischen
Völker und fordert sie zur Verehrung des einen Gottes JAHWE auf. Damit
stellt sich die Frage nach dem “Alleinvertretungsanspruch” der
Religionen. Die folgende Ansprache versucht, dieser Frage nachzugehen, indem sie
einen neutestamentlichen Zeugen zu Wort kommen läßt: Paulus. In
erzählerischer Form setzt er sich mit diesem Problem auseinander. Sie wurde
in der Adventszeit 1993 bei einem Jugendgottesdienst von mir vorgetragen und in
ihrer ursprünglichen Form belassen.
Liebe Freundinnen, liebe Freunde,
in das Gewand eines anderen werde ich heute abend
schlüpfen. Mein Name ist Paulus. Ihr werdet mich kennen oder habt zumindest
von mir gehört oder gelesen: Lukas, der Bibelschreiber hat ja von mir
erzählt. Und meine Briefe, ein paar zumindest, haben die Christen in alter
Zeit in Euer Bibel- Buch mit aufgenommen.
Ihr lieben Leute geht gerade auf das große Fest
der Christen zu. Mitten in den Vorbereitungen zu Weihnachten feiert ihr diesen
Gottesdienst. Da, wo sich viele auf das Christfest freuen, so ein Thema: Warum
soll meine Religion die richtige sein? Verwirrend für mich und spannend
zugleich. Ich dachte, es könnte Euch interessieren, was ich zu sagen habe
zu Eurer Frage. Denn in meinem Leben habe ich mich immer wieder damit
auseinandersetzen müssen.
Ja, warum soll meine Religion die richtige sein? Zuerst,
wenn ich ehrlich bin, war mir das kein Problem. Ein Jude war ich, aus dem Stamm
Benjamin, Hebräer von Hebräern, am achten Tag beschnitten, wie alle
jüdischen Jungen, aufgenommen in den Bund, den der Gott meiner Väter
mit seinem Volk geschlossen hat. Ob es diesen Gott gab oder nicht, das versuchte
ich nie herauszufinden. Er existierte. Fraglos. Er hatte seinen Platz im
Elternhaus, am Sabbat, bei den Festen, die wir feierten, im Unterricht in der
Synagoge.
Unser Gott hatte eine Stimme, und sie sprach aus der
Thora, dem Gesetz, wir hörten sie in den Geschichten, die von ihm und
unserem Volk erzählten, wir sangen ihm in den tehilim, den Psalmen. Wir
beteten ihn an in dem Schemah Israel: Höre Israel: Adonai ist unser Gott.
Adonai allein, und er ist einzig. Ihn, den einzigen Gott, sollst du lieben von
ganzem Herzen, von ganzer Seele, und mit all deiner Kraft. Dein Gott ist
eifersüchtig.
Diese Worte habe ich mir ins Herz geschrieben, habe sie
in meinen Gedanken bewegt, um sie nie zu vergessen. Daß meine Religion die
richtige war, warum sollte ich daran zweifeln? Das Gegenteil war der Fall. Ich
wollte sie ernst nehmen, ernster als viele meiner Mitmenschen, die ihn zu einem
Sonn- und Feiertagsgott gemacht hatten. Ich wollte ernst machen mit der
Forderung, heilig zu sein, weil unser Gott ein heiliger Gott war. So ging ich
bei den Pharisäern in die Schule. Lernte, eiferte für meinen
eifersüchtigen Gott.
Und doch gab es da auch das andere in meinem Leben: Ich
war ein Jude aus Tarsus. Tarsus war eine Hafenstadt, müßt ihr wissen.
Als Kind saß ich oft am Hafen, dort, wo man das Mittelmeer riechen kann,
den Südwind auf der Haut spüren, der die Frische und das Salz
über die Wellen in die Stadt hineintrieb. Das Meer brachte nicht nur gute
Luft, sondern auch die Fremden: die Griechen, die Afrikaner, Ägypter und
Seefahrer aus Cypern, Exoten, Männer mit fremden Gesichtern und fernen
Sprachen, mit bunten Kleidern und noch bunteren Gedanken, Kundschafter anderer,
fremdartiger Religionen.
Immer, wenn ein Schiff aus dem Hafen ausfuhr, hat mich
das Fernweh gepackt. Ich wollte die Welt kennenlernen, erfahren, was andere
glaubten und wie andere lebten. Vielleicht lag in diesen vielen Stunden, die ich
als Kind am Hafen meiner Vaterstadt verbracht habe, schon der Kern dafür,
daß ich später zum weitgereistesten Menschen der Bibel werden sollte.
Die Linien meiner Wanderungen und Schiffspassagen durchkreuzen schließlich
die Landkarten der ganzen damals bekannten Welt von Ost nach West und
zurück. Nun, ganz reicht es noch nicht als Erklärung dafür aus.
II. Laßt mich von Damaskus erzählen. Blinde
sehen, Lahme gehen! tönte es damals durch die Landschaften Judas und
Galiläas und über die nördlichen Grenzen hinaus. Die Römer
hielten die neue religiöse Sekte des Nazareners für eine
aufrührerische Gruppe, wir hielten sie schlicht für eine Bande von
Gottesleugnern und Feinden unseres Volkes. Alles schienen sie daran gesetzt zu
haben, unserem Volk Wunden zu schlagen und die Gemeinschaft der Glaubenden zu
untergraben. Demonstrativ hatten sie die Sabbatgebote gebrochen, am heiligsten
der Wochentage gebrechliches Volk von der Pest geheilt. In den Straßen
erklang das Jubeln und Schreien derer, die sich nach Heilung sehnten. Schamlos,
respektlos und ohne jede heilige Scheu erklärten sie, die Thora hätte
sich erfüllt und das Ende der Zeiten sei angebrochen.
Die Römer haben den Kopf der Bande ja dann
hingerichtet, wie man Gotteslästerer und politische Aufrührer
hinrichtet. Doch Ungeheuerliches hat man sich bald darauf erzählt. Er, der
Rabbi Joschua aus Nazareth, aus der Familie Davids, sei eingesetzt worden zum
Sohn Gottes, auferweckt am dritten Tage, einem gewissen Kephas erschienen,
danach auch den zwölf Männern, die sich als konspirative Gruppe in
Jerusalem zurückgezogen hatten. Nicht lange darauf seien es gar 500
gewesen, die beim Pfingstfest in Jerusalem außer sich gerieten, weil sie
mit unerklärlicher Kraft von oben erfüllt wurden. Der Herr ist
auferstanden, hieß es. Und in aller Öffentlichkeit verbreiteten sie
die Nachricht, der sagenhafte Josua sei der Messias gewesen, und die bösen
Juden hätten den Gesalbten des Herrn umgebracht. Bis nach Damaskus hinaus
verbreitete sich die Kunde, Krebsgeschwüren gleich. Laßt sie uns
aufspüren und gefesselt nach Jerusalem führen und anklagen! riefen wir
und zogen nach Osten. Wir wollen unsere Ruhe haben.
Auf nach Damaskus. Aber ich erreichte die Stadt anders,
als ich dachte. Kurz vorher war es mir, als öffnete sich der Himmel.
Qualvolles Licht bündelte sich zum Strahl und die Straße
glänzte. Saul, Saul, hörte ich rufen, was verfolgst Du
mich? Ein Krampf warf mich vom Pferd in den Staub. Wer bist Du?
stammelte ich. Wie blind erhob ich mich vom Boden, mühsam und voller
Schmerzen: Wer bist Du? Drei Tage aß und trank ich nichts.
Quälende Fragen, die nur der Schlaf zur Ruhe brachte. Wer bist Du?
Dann kam Ananias und legte mir heilend die Hände auf die Augen. Wer bist
Du? fragte ich noch einmal. Und irgend jemand sagte: Ich bin Christus,
den du verfolgst. Mach Deine Augen
auf.
Blind warst du, blind vor Eifer. Bist an dem
Gott des Lebens vorbeigegangen und hast ihn zum Erfüllungsgehilfen deiner
religiösen Vorstellungen degradiert. ...........
Das Leben hatte einen Strich durch meine Pläne
gezogen. Blinde sehen, Lahme gehen. Gott hatte mir die Augen geöffnet. Der
Gott, der mir das Leben geschenkt hat, offenbarte mir seinen Sohn. Ich lebte,
doch nun nicht nur ich, sondern Christus lebte in mir. Doch - was war nun mit
meiner Vergangenheit? War mein bisheriges Leben vertan, vergeblich? Was war mit
meinem Glauben an den Gott der Hebräer, mit meinen jüdischen
Geschwistern? Mit den vielen, denen sich Jesus Christus nicht in den Weg
gestellt hatte? Waren sie verloren? Verworfene? Welche Religion war die
richtige, die jüdische oder die christliche?
Lange Jahre brauchte ich, bis ich für mich eine
Antwort darauf fand: Die Zusagen, die Gott den Juden gegeben hat, können
nicht hinfällig geworden sein. Gott steht dazu (Röm. 6,9). Auch wenn
Gott durch seinen Sohn allen seine Liebe gezeigt hat. Wenn Gott einem Menschen
seine Gemeinschaft anbietet, dann widerruft er dies nicht (Röm. 11,29).
Gott hat verschiedene Wege, um zu uns zu reden. Jesus hat deutlich gemacht,
daß Gottes Worte allen Völkern und Nationen (Röm. 9,30) gelten.
Schließlich hat Gott alle Dinge geschaffen, alles besteht durch ihn und in
ihm haben sie ihr Ziel (Röm. 11,36).
Juden oder Christen? Ich war Christus begegnet. Er hat
mich zu seinem Boten gemacht. Und ich habe mich von ihm rufen lassen. Mit einmal
war mir bewußt geworden, daß ich bisher noch nicht begriffen hatte,
was der Glaube an Gott bedeutet. Ich meinte, ich müßte es ihm recht
machen, indem ich für ihn eiferte. Jetzt weiß ich, daß ich
durch Gottes Barmherzigkeit bin, was ich bin. Er hat mir das Leben gegeben. Ich
bin für ihn wichtig. Nicht wegen meiner guten Taten oder meines
vorbildlichen Lebenswandels. Sondern weil er mich liebt. Deshalb habe ich mich
auf den Weg gemacht, um diese gute Nachricht weiterzutragen.
III. Aber noch einmal mußte ich dabei dazulernen.
Juden oder Christen, das war nur ein Anlaß, über die Religionen
nachzudenken. Da kam nämlich auch noch Athen! Eigentlich war die Hauptstadt
der Griechen nur als Durchgangsstation zwischen Thessaloniki und Korinth gedacht
gewesen. Doch kaum, daß ich sie betreten hatte, schlug sie mich in den
Bann. Was für eine Stadt! Dichter, Denker, Wissenschaftler, Künstler -
Sokrates und Plato, Aristoteles und Homer, die großen Dramatiker! Was
für eine Welt! Noch nie war mir so bewußt geworden, welcher Geist,
welche Kultur sich in dieser Stadt der Dichter und Denker versammelten. Auf dem
Weg zur Akropolis rechts und links Altäre, viele für unbekannte
Götter, deren Zorn man sich nicht zuziehen wollte. Lärm aus den
Markthallen, neugierige, bildungsbeflissene Menschen, Philosophen und
Philosophenschulen. Da war sie wieder, die Welt meiner Kindertage mit ihren
fremdartigen Gedanken, mit ihrem bunten Leben. Neugierig schloß ich mich
den Leuten auf dem Marktplatz an. Stoiker nannten sich einige, andere nach dem
Philosophen Epikur. Und viele interessierten sich für meine Gedanken, die
“neue Lehre”. Manches klang fremd für sie und sie wollten gerne
mehr darüber wissen.
Nach Art der Philosophen begann ich zu reden: “Ihr
Männer von Athen, ich habe gemerkt, daß ihr die Götter hoch
verehrt. Ich bin durch eure Stadt gegangen und habe mir eure heiligen
Stätten angesehen. Dabei habe ich einen Altar entdeckt mit der Inschrift:
“Für den unbekannten Gott”. Diesen Gott, den ihr verehrt, ohne
ihn zu kennen, will ich euch jetzt bekannt machen. Es ist der Gott, der die Welt
geschaffen hat und alles, was darin lebt. Als Herr über Himmel und Erde
wohnt er nicht in Tempeln, die von Menschen gebaut werden....Meint nicht, die
Gottheit sei den Bildern gleich, die ihr euch von ihnen macht. Er ist jedem von
uns nahe; denn durch ihn leben, handeln und sind wir. Und Gott hat sich uns
gezeigt, in einem Menschen, seinem Ebenbild. Ihn hat er vor aller Welt
ausgewiesen, indem er ihn vom Tod erweckt hat.”
Als ich von der Auferstehung redete, lachten einige und
spotteten. Andere meinten, ich würde neue Götter verkündigen. Sie
ließen mich nicht mehr zu Wort kommen. So ging ich schweigend aus ihrer
Mitte, aufrecht und ruhig, als berührte mich das nicht. Nicht aus eigener
Kraft und Stärke, nicht aus Überheblichkeit und Besserwisserei,
sondern als spürte ich den namenlosen Mann, den ich verkündet hatte,
an meiner Seite. Später erzählten sie mir, daß einige meinen
Worten vertrauten und Christen wurden. Gott ist jedem von uns nahe. Mit allen
Menschen dieser Erde waren die Athener auf der Suche nach dem unbekannten Gott.
Doch der hat uns Menschen besucht. Er hat Hand und Fuß bekommen in jenem
kleinen Kind von Bethlehem, in dem Prediger vom See Genezareth, in dem
Aufrührer am Kreuz. Und er wirbt um unser Vertrauen.
IV. Warum soll meine Religion die richtige sein? Ich
habe lernen müssen, daß es viele Arten gibt, Gott zu verstehen. Als
ich ein Kind war, dachte ich wie ein Kind von Gott, redete wie ein Kind,
fühlte wie ein Kind. Als Mann mußte ich viele meiner liebgewordenen
Vorstellungen ablegen. Mir wurde bewußt, daß wir Gott nie ganz
begreifen werden, solange wir leben. Unser Erkennen ist Stückwerk. Wie in
einem trüben Spiegel sehen wir Gott, unvollkommen, wie wir Menschen sind.
Aber ich freue mich auf den Tag, an dem wir Gott gegenüberstehen und ihn
erkennen werden, so wie er uns jetzt schon kennt (1.Kor 13,11-12).
Jugendpfarrer Wolfgang Sönning,
Esslingen
Vorbemerkung:
Von Gottes Güte ist in der Jahreslosung die Rede.
1995 trafen sich die evangelischen Christen zum Kirchentag in Hamburg. “Es
ist dir gesagt, Mensch, was gut ist!” war die Losung in Hamburg. Der Satz
aus Micha 5 kann erläutern, was mit der Güte Gottes gemeint ist, von
der in der Jahreslosung die Rede ist und was die Konsequenzen für unser
Verhalten sein können. Der folgende Jugendgottesdienst wurde als
Vorbereitung zum Kirchentag in Hamburg vorbereitet und
gefeiert.
Was gut ist!
An den Eingangstüren der
Kirche
Verteilen von Gummibärchen an die Gottesdienstbesucher/innen
Musik der Band
Einstiegssketch : Was ist gut an den Gummibärchen
Gummibärchen sind gut!
Wolfi kaut Gummibärchen
Eicke kommt dazu: “Hallo Wolfi, wie
geht’s?”
W Gummibärchen kauend: “Gut,
warum?”
E Du bist so blaß. Was kaust du denn
da?
W Gummibärchen
E Ach darum bist du so blaß.
W Ha, die sind gut.
E Was soll denn daran gut sein?
W Na der Geschmack, Zitrone, Himbeer, Waldmeister
...
E Das soll gut sein? Ist doch alles
Chemie.
W Naturidentische Aromastoffe, bitte! Und dann die
schönen Farben.
E Hör auf, alles Chemie.
W Aber die Gelatine, die ist sehr gesund, habe ich
gelesen. Gut für Knochen und Gelenke.
E Das stimmt zwar, aber weißt du als Vegetarier
auch, aus was Gelatine hergestellt wird? Aus Haut- und
Knochenabfällen von toten Tieren!!! Da müßtest du eigentlich
“Pfui Deibel” sagen.
W Ach, nun mach doch nicht alles mies. Gummibärchen
braucht man halt. Die gehören dazu. Der Thomas Gottschalk hat sie
auch.
E Deswegen sind sie noch lange nicht
gut.
W Aber sie sind schön weich. Schau mal, man kann
sie ziehen und knuddeln.
E Na, das ist doch eher was für
Kinder.
W Ja, als verkalkter Grufti braucht man das nicht
mehr.
E Wenn du das so sagst: ‘das braucht man’,
dann hört sich das an, als ob das so etwas wie eine Ersatzdroge
wäre.
W Ehrlich, meinst du das wirklich?
E Ja, wenn du so scharf darauf bist, und außerdem
siehst du wirklich etwas blaß aus.
W Alles Quatsch! Du weißt nur nicht was gut
ist.
Begrüßung
Einen schönen guten Abend allerseits. Ich
begrüße euch zu diesem Jugendgottesdienst. “Was Gut ist”,
so haben wir diesen Gottesdienst überschrieben. Wir, das sind einige junge
Leute hier aus Zell und der Jugendpfarrer. Wir haben uns gedacht, daß es
gut ist, wenn wir gemeinsam ein wenig drüber nachdenken, was gut ist,
jetzt, in diesem Gottesdienst, den wir im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes
und des Heiligen Geistes feiern wollen. Wir haben euch dazu eingeladen, aber
eigentlich ist es ja Gott, der uns zu seinem Fest einlädt. So heißt
jedenfalls das erste Lied, das wir jetzt miteinander singen
wollen
Lied: Gott lädt uns ein zu seinem Fest
Aktion: Plakatsäule bekleben
In der Kirche steht eine Plakatsäule aus
Kartonagen, Wellpappe. Reklameplakate und Werbesprüche suggerieren, was gut
sein könnte. Die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher sind gebeten,
aufzuschreiben, was für sie gut ist und an die Plakatsäule zu
kleben.
dazu: 2 Lieder der Band
Eingangsgebet
Barmherziger Gott, heute abend sind wir hier
zusammengekommen um Gottesdienst zu feiern. Wir haben uns Gedanken darüber
gemacht, was gut ist, was du für gut hältst. Doch oft frage ich ganz
anders: ich frage nur danach, ob etwas gut für mich ist, ob es mir selber
gut tut. Weniger denke ich daran, ob es auch gut für andere ist. Manchmal
ist es mir auch nur wichtig, daß es im Moment gut für mich ist: Beim
Abschreiben in der Schule glückt mir manchmal eine bessere Note dadurch,
ich weiß aber, daß ich auf die Dauer damit nicht durch
komme.
Herr, schenke du uns offene Ohren und Herzen, daß
wir in diesem Gottesdienst mitbekommen wie du es meinst, daß es gut ist,
daß wir etwas mitnehmen von deinem Wort, mit dem wir leben können.
Amen
Lied: Schritte wagen
Ansprache
Neulich war ich im KADEWE in Berlin, im
KaufHausDesWestens, früher einmal gigantischer Konsumtempel kurz vor der
Mauer, heute in Sachen Kaufhäuser immer noch erste Sahne. Da stand ich nun
mit großen Augen vor der 40 m langen FrischwarenTheke, Spezialitäten
aus aller Herren Länder! Eine Riesenauswahl, so weit das Auge reicht. So
weit, so gut! Aber wenn ich mir da z.B. eine Tube Senf kaufen müßte
und unter 50 Tuben und Gläschen auswählen muß, ist das ganz
schön schwierig. Bei Tante Emma zu hause gibt’s gerade mal drei, den
scharfen, den mittleren und den süßen vom Hengstenberg. Aber hier:
Wer sagt mir, was gut ist?
Ich kann mir die hübschesten Tuben oder das
netteste Gläschen aussuchen. Das Auge kauft ja schließlich mit. Aber
schmeckt der deswegen schon am Besten? Ihr kennt das ja von den Klamotten: Da
habt ihr euch die absolutsuperstarke Jacke ausgesucht, liegt total im Modetrend
und dann kommt bestimmt einer und sagt: Was hast du denn für einen Fussel
an. So würde ich nie rumlaufen. Über Geschmack läßt sich
streiten. Und was für den einen gut ist, ist für die andere noch lange
nicht der Hit.
Wer sagt mir, was gut ist? Soll ich das kaufen, was alle
kaufen? Auch nicht so ganz das Gelbe vom Ei. Ihr kennt ja den Spruch: Mist
schmeckt gut. Millionen Fliegen können sich nicht irren! So ist das mit
diesen Mehrheitsentscheidungen.
Ich kann mich auf meine Erfahrung berufen! Aus Erfahrung
wird man klug, sagt man! Da ist was dran, sogar dann wenn euch die Eltern diesen
Satz immer vorbeten. Aber nun probier mal vierzig Sorten Senf durch, bist du die
Erfahrung hast, welcher dir schmeckt! Spätestens nach der 10 Tube wird dir
schon schlecht, wenn du bloß das Wort Senf hörst. Das mit der
Erfahrung ist auch nur begrenzt tauglich. Wer sagt mir also, was gut
ist?
Wenn das beim Senf schon so schwierig ist, wie schwierig
ist es dann erst im sonstigen Leben!
Einige von euch sind ja schon dick drin mit dem
Berufspraktikum. Ihr müßt euch einen Ausbildungsplatz suchen und
einen Beruf erlernen, von dem ihr noch nicht wißt, ob er euch ein Leben
lang Spaß macht. Wer sagt denn da, was gut ist? Nur weil der Vater und der
Großvater schon beim Bosch geschraubt haben, muß euch das ja noch
lange nicht liegen. Nur weil die Mutter ihr Leben lang zu hause war,
müßt ihr ja noch lange nicht auf die Hauswirtschaftsschule.
Vielleicht sind bei euch zarte
Frühlingsgefühle erwacht. Wenn ihr sie seht, dann kriegt ihr rote
Ohren und in eurem Bauch tanzen die Schmetterlinge, wenn ihr nur an sie denkt.
Die Telefonrechnungen steigen ins astronomische und statt Kugeln und Quadern
malt ihr Herzchen in euer Matheheft. Aber wie geht man mit einem Mädchen
um? Wer sagt euch denn, wie man sich verhalten muß, um bei den Mädels
nicht gleich eine Abfuhr zu kassieren und ihnen auf den Geist zu gehen? Alle
Bravohefte der Welt sind graue Theorie, wenn’s wirklich zur Sache
geht.
Eure Eltern sind gerade in einem schwierigen Alter. An
allem, was ihr tut, mäkeln sie herum. Nichts ist recht - sie finden eure
gefärbten Haare nicht schön und lästern über die Löcher
in euren Jeans, sie verstehen einfach nicht, daß es neben der Schule auch
noch andere wichtigen Sachen gibt und daß man Freunde nicht warten lassen
kann, weil der Abwasch wartet oder ein Zimmer nicht aufgeräumt ist. Aber
wenn immer der Haussegen schief hängt, wird es mit der Zeit etwas
ungemütlich. So eine dicke Haut hat keiner, daß alles an ihm
abprallt, was an elterlichen Erziehungsratschlägen auf ihn hereinbricht.
Und irgendwie wollt ihr ja auch, daß es bei euch zu Hause gut geht. Aber
wie macht man das? Wie findet man einen guten Draht zu seinen Eltern? Wie kommt
man miteinander klar? Wer sagt, was gut ist?
Im dem Bibelbuch, daß ich des Öfteren zur
Hand nehme, habe ich zu unserem Problem einen ungeheuerlichen Satz gefunden. Da
weiß nämlich einer, was gut ist. Und er sagt es auch. Bei dem
Propheten Micha im Alten Testament steht doch tatsächlich: “Es ist
dir gesagt, Mensch, was gut ist und was Gott, der Herr von dir erwartet: Nichts
anderes als dies: Recht tun, Güte und Treue lieben, in Ehrfurcht den Weg
gehen mit deinem Gott.” Die Menschen damals waren nicht besonders gottlos,
aber auch nicht besonders fromm. Sie gingen fleißig ihrer Arbeit nach,
versuchten ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen, sparten auf den
nächsten Urlaub am Roten Meer oder saßen unter ihrem Feigenbaum und
tranken Tee, ihr Leben war nicht besonders aufregend - kurz, es waren Menschen
wie Du und ich. An die Korruption im Land hatte man sich gewöhnt, an die
Steuern für die Kriegskasse weniger. Aber noch ließ es sich leben.
Alle waren zufrieden, bis auf Gott. Der war sauer. So hatte er sich nämlich
die Gemeinschaft mit den Menschen, mit seinem Gegenüber, mit seinen
Ebenbildern, nicht vorgestellt. Was hatte er für diese Israeliten nicht
alles unternommen: “Ich habe dich aus Ägypten herausgeführt,
dich freigekauft aus dem Sklavenhaus. Den Mose habe ich dir gesandt, Aaron und
Mirjam...habt ihr denn alles vergessen? Was habe ich euch denn getan, womit bin
ich euch zur Last gefallen, daß ihr mir gegenüber so
gleichgültig geworden seid?” Gott versteht die Welt nicht mehr.
Feierlich hatten sie einen Bund miteinander geschlossen, damals am Sinai. Er
wollte für immer ihr Gott sein und sie wollten für immer sein Volk
sein. Und jetzt ließen sie ihn einfach links liegen. Ihm ging es wie einem
Liebhaber, der seiner Angebeteten jeden Wunsch von den Augen abliest und
erfüllt und dann trotzdem nicht beachtet wird.
Nun, dieser Micha hat das Gedächtnis der Israeliten
wieder aufgefrischt. Er erinnerte sie an all das, was Gott für sie getan
hatten: an das Leben, daß er ihnen gegeben hatte, an das Land, das er
ihnen zum Wohnen gab, an die Gefahren, in denen sie behütet waren. Und
irgendwie schien das die Leute zu beeindrucken. Ja, der Junge hat recht, dachten
sie, im Grunde verdanken wir alles, was wir sind und haben Gott. Aber, was
sollen wir denn tun? Wie sollen wir uns verhalten, daß es gut ist? Da
fällt der Satz, den wir vorhin gehört haben: “Es ist dir gesagt
worden, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir erwartet: Nichts anderes
als dies: Recht tun, Güte und Treue lieben, in Ehrfurcht den Weg gehen mit
deinem Gott.”
Als wir uns neulich über diesen Satz im
Mitarbeiterkreis unterhalten haben, ist uns aufgefallen, daß wir ganz
selbst verständlich davon ausgehen, daß alles, was gut ist,
natürlich zuallererst gut für uns sein soll. Daß das, was
für uns gut ist, für andere noch lange nicht gut sein
muß, das ist uns kaum bewußt. Wir merken es höchstens da, wo
uns z.B. unsere Eltern zum Glück zwingen wollen: daß das, was
für sie gut und richtig ist, für uns noch lange nicht so sein
muß. Aber meistens gehen wir doch davon aus, daß unser Glück
auch das der anderen sein muß.
In den Augen Gottes ist das nicht gut. Er will,
daß es allen gut geht, allen miteinander, daß nicht einer auf Kosten
der anderen lebt. Bei Gott ist es gut, wenn alle zu ihrem Recht kommen,
wenn es gerecht zu geht unter uns. Und gut ist, wenn zu diesem Recht auch noch
Liebe und Güte dazukommen. Das ist dann wirklich gut. D.h. gut ist es, wenn
ich bei meinen Entscheidungen also nicht nur darauf achte, daß es
mir gut tut, sondern auch, ob es den anderen nützt oder
schadet. Und gut ist, wenn ich mich dabei von der Liebe zu den anderen leiten
lasse.
Bei all dem, meint Micha, hilft es mir, wenn ich mein
Gewissen an den Maßstäben Gottes schärfe, etwa an den Geboten
Gottes, bzw. wenn ich mit Gott mitgehe, wie Micha sagt, mich von Gottes Worten
bestimmen lasse. Da lesen manche unter uns jeden Tag einen Satz aus der Bibel
als Tageslosung, als Motto für den Tag. Und manchesmal passiert es dann,
daß einem auf einmal klar wird, was heute gut und richtig ist. Oder
daß einem bewußt wird, daß ich mich falsch verhalten habe. Sie
sehen klar und können weitergehen.
Probiert es aus, nehmt Gott beim Wort. Ich bin sicher,
daß ihr dann erfahren werdet, was gut ist - für euch und für
andere. Die schwere Entscheidung, welche Senfmarke nun die Richtige ist, werdet
ihr vielleicht selbst bewältigen können. Aber wie ihr mit euren
Mitmenschen klar kommt, dabei kann Gott euch sicher helfen.
Lied: Es ist ein guter Weg, den Gott mit mir geht
Gebet und Vater Unser
Herr Gott, himmlischer Vater, wir danken dir für
alles was gut ist. Vieles ist uns bewußt und wir haben es auf diese Zettel
geschrieben. Wir danken dir für Freunde und Eltern, für
Gummibärchen und Pizza Margherita, für Musik und Schlagzeug, für
Sonntage und für Feten, für Licht, Sonne und Wärme, aber auch
für Regen, Wind und Schnee, für Gesundheit und Frieden, für Eis
und für Disco, für Altbach, Hohengehren und Zell, für Freiheit
und für Freizeit. Es ist gut, daß es dich gibt. Du weißt immer
was gut ist, und du sagst es uns. Du sagst es uns immer wieder, und immer wieder
durch andere Menschen und immer wieder mit anderen Worten und auf andere Weise.
Wir hören dich, aber oft nur aus der Ferne und oft werden deine Worten von
anderen Eindrücken verdrängt. Wir bitten dich, laß uns
empfindsamer für deine Worte, für das, was gut ist, für uns und
für alle.
Auch für das Gebet hast du uns ein Beispiel
gegeben, das gut ist, und das wir jetzt gemeinsam sprechen: Vater unser ...
Segen
Lied: Bewahre uns Gott
Nachspiel der Band
Jugendpfarrer Wolfgang Sönning und die
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Esslingen-Zell
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