|
Du bist hier: Referate Datenbank | Deutsch
| Mozart, Amadeus Mozart (1756-1791) und die Freimau
Mozart, Amadeus Mozart (1756-1791) und die Freimau
|
Autor: Christian Seitz
Jahrgangsstufe: 12 / Schule: BBS Darmstadt / Kurs: Mu
bei Herrn Dofel
Fach: Musik / Thema: Mozart und die
Freimaurer
Note: ?
P.S: Über eine kleine Rückantwort (Kommentar,
Verwendungszweck, “ich habe Dein Referat runtergeladen...”, etc.)
würde ich mich sehr freuen!!!
Oder schau doch einfach mal auf meiner Homepage
vorbei:
http://home.t-online.de/home/Seitz.Langen
|
Mozart und die Freimaurerei
|
S.2
|
I. Mozarts Leben
|
|
S.2
|
II. Mozart und die Freimaurerei
(Buchausschnitt)
|
|
S.3
|
III. Was ist die Freimaurerei
- Vom Aufbau der Loge /
Ortsbeschreibung
- Die
Freimaurerei
- Die Aufnahme
- Die Kleidung
- Der
Meisterschlag
|
|
S.5
|
IV. Die Loge in Wien
|
|
S.7
|
V. Mozart, der Freimaurer
- Mozart wird
Freimaurer
- Mozart und die
Loge
- Mozarts
Logenarbeit
- Das Freimaurerpatent und
Auflösungserscheinungen
- Mozart verläßt
die Loge nicht
|
|
S.10
|
VI. Die Zauberflöte – Eine
Logenarbeit
|
|
S.14
|
VII. Die Freimaurerei – heute
|
|
|
|
ANHANG
|
Erläuterungen, Quellen,
Zusammenfassung
|
Ein Referat von Christian Seitz © Christian Seitz in
1996
- Mozarts Leben
Salzburgs berühmtester Sohn wurde am 27. Januar 1756 in der Getreidegasse
geboren, in einem Haus, welches nun ein Mozart-Museum und Mekka für
Musikliebhaber aus aller Welt ist.
Der Vater Leopold Mozart, Violinist, Komponist und Vizekapellmeister am
Hofe des Fürsterzbischofs von Salzburg, erkannte das Talent seines Knaben
ganz früh und tat alles, um es zu fördern. Leopold selbst, der eine
über die Grenzen des Landes hinaus bekannte Violinschule verfaßt
hatte, war der erste Lehrer des Wunderkindes. Schon im zarten Alter von 4 Jahren
spielte Wolfgang Klavier, mit 5 Geige; mit 6 Jahren brachte er seine erste
Komposition, ein Menuett, zu Papier und unternahm seine erste Konzertreise,
zusammen mit seinem Vater und seiner um 5 Jahre älteren Schwester Nannerl,
die ebenfalls musikalisch sehr talentiert war und mit ihrem Brüderchen
auftrat.
Weitere Reisen quer durch ganz Europa folgten bald, das virtuose
Geschwisterpaar spielte an allen wichtigen Höfen auf und erntete
grenzenlose Bewunderung und Begeisterung. Von 1779 bis 1781 war Wolfgang Amadeus
Hoforganist im Salzburger Dom, in dem zahlreiche seiner religiösen
Kompositionen zum ersten Mal erklangen.
Obwohl Mozart viele Werke in Salzburg komponierte und in den Salons der
Aristokratie1 sehr geschätzt wurde, entschloß er sich,
seine Heimatstadt zu verlassen. Ursache war der Bruch mit seinem Landesherrn,
dem herrischen und kleinlichen Fürsterzbischof Colloredo.
Von 1781 an lebte Mozart in Wien, wo er ein Jahr später Constanze
Weber heiratete. In den Wiener Musikakademien, Konzertsälen und Theatern
schritt er von einem Triumph zum nächsten, und auch im Ausland bereitete
man ihm glänzende Empfänge. Doch erregte sein
überwältigender Erfolg auch den Neid von Musikerkollegen, und bald
machten ihm hinterhältige Feinde das Leben mit ihren Intrigen schwer. Die
Versuche des Genies, anderswo Fuß zu fassen, schlugen fehl. 1787 ernannte
ihn Kaiser Joseph II.2 zum kaiserlich-königlichen Kammermusikus.
Mozarts Aufgabe war es, Tanzmusik für die Bälle in der Hofburg zu
schreiben - ehrenwerte Aufträge bekam er kaum.
Finanzielle Nöte zwangen ihn, immer wieder zu übersiedeln, und
zunehmend litt er auch unter Krankheit. Dennoch komponierte er während
dieser Zeit großartige Opern und andere Meisterwerke.
Mit letzter Kraft schrieb Mozart ein Requiem – und fühlte,
daß es sein eigenes werden würde. Sein Schüler
Süßmeyr vollendete es gemäß den Anweisungen des Meisters,
der am 5. Dezember 1791 35-jährig verstarb.
In seinem kurzen Leben schuf Mozart nicht nur unvergängliche Melodien,
sondern traf auch mit führenden politischen Persönlichkeiten,
großen Künstlern und Denkern seiner Zeit zusammen. Er war Richter des
päpstlichen Ordens von goldenen Sporn und Freimaurer mit philosophischen
Idealen. Eine innige Freundschaft verband ihn mit Joseph Haydn. Die
philharmonische Akademie in Bologna nahm ihn als Mitglied auf.
- Mozart und die Freimaurerei (Buchausschnitt)
“Der
Orden ist ein einzigartiges kulturelles, philosophische soziales und politisches
Phänomen”, so der sachkundige Verfasser, und weiter “ein Mensch
kann den Orden verlassen, er kann ihn leugnen, ihn verraten, in sich aber kann
er seine Initiation nicht abtöten” (S. 93). Man kann Mozarts
Zugehörigkeit zur KK nicht hoch genug einschätzen, auch wenn dies
vielfach unerwünscht ist, so wurde doch über eineinhalb Jahrhunderte
seine Zugehörigkeit zum Orden ignoriert, banalisiert, verschleiert,
verharmlost, verschwiegen. Es wäre natürlich töricht Mozart nur
als Freimaurer zu sehen, aber ebenso unehrlich ist es seine Zugehörigkeit
nicht in Beziehung zu seinem Leben und zu seinem Werk zu setzen. “Er war
vom Grunde seines Herzens und seines Verstandes aus Freimaurer, und das ehrt die
Maurerei”, wird gewürdigt.
Dem ist wenig hinzuzusetzen. Interessant ist, daß in diesem neueren
Werk sogar die Zugehörigkeit der Loge “zur gekrönten
Hoffnung” zum Zinnendorfschen System herausgearbeit wird. Mozart war also
“nicht nur” Freimaurer im weiteren Sinne, sondern Bruder der
Großen Landesloge der Freimaurer! Die Geschichte der Freimaurerei wird am
Anfang des Buches mit vielen Strömungen aufgerissen, die merkwürdige
Haltung Josephs II. als eines “aufgeklärten
Despoten3” beleuchtet. Der Untertitel ist voll gerechtfertigt,
Mozart wird in das Umfeld seiner Zeit und seiner Bücher
hineingestellt.
Seine Musik wird als Verbundenheit zum Orden gedeutet, zum Teil unter
völlig neuen Blickwinkeln, wie die Einbeziehung der drei letzten
großen Symphonien. Auch das Requiem wird in einen bisher, zumindest dem
Rezensenten4 unbekannten, Kontext gestellt. Das die drei Kreuz-Tonart
A-Dur und die drei b Tonart Es-Dur von Mozart, nach seiner Aufnahme,
bewußt als freimaurerisch gewählt wurden, weiß man noch,
daß er jedoch weiter ging und
F-Dur (mit einem b) dem Lehrlingsgrad und B-Dur (mit zwei b) dem
Gesellengrad zuordnet ist zumindest ein interessanter Beitrag. Die maurerische
Trauermusik sollte besser maurerische Meistermusik heißen, meint der
Verfasser, dem mag man nach Lesen seiner Argumente gerne folgen.
Mit Vorurteilen über Mozarts Tod und seine Beerdigung wird
gründlich aufgeräumt, weitergehend als bei Hildesheimer (1). Mythen
und Legenden, Irrtümern und Spekulationen, Verleumdungen und
Verdächtigungen geht Wagner nach und entkräftet diese. Mozart als
Mensch seiner Zeit war gewiß auch kein Kind von Traurigkeit und kein
Heiliger, jedoch einer der größten Komponisten aller Zeiten, dessen
Musik ohne Freimaurerei nicht in dieser Weise denkbar wäre.
Es gefällt ferner ein ausführliches Literaturverzeichnis,
verbunden mit Literaturempfehlungen denen man folgen mag, oder nicht. Weiter
wertvoll ist ein Verzeichnis der Musikeinspielungen freimaurerischen Inhalts,
wertvoll für jeden der Mozarts Werk liebt. Der komplette Text zu den
Maurermusiken rundet das Buch ab. Vorliegender Band ist empfehlenswert für
jeden Musikliebhaber.
3. Was ist die Freimaurerei
3 a) Vom Aufbau der Loge/Ortsbeschreibung
Seit 1782 residierten die Freimaurer im Haus des Barons Moser in der
Landskrongasse. Sie hatten das ganze erste Stockwerk für den stolzen Preis
von 850 Gulden jährlich gemietet. Das Logenlokal teilten sich mehrere
Logen, und ebenso hatte jede Loge ihren Anteil an der Miete, den Heizkosten und
dem Gehalt der bediensteten Logenbrüder.
Gleich neben dem Eingang befand sich ein kleiner Raum, “gemalt als
wie ein Karner”, offensichtlich die “dunkle Kammer”, die der
“Suchende”, der in den Orden aufgenommen werden will, als erstes
betritt, ein Ort der Selbstbesinnung und der Prüfung, hier wohl schwarz
ausstaffiert und mit Skelettmalereien geschmückt.
Das Logenlokal war für alle Gelegenheiten groß genug und
zweckmäßig eingerichtet. Am Eingang befanden sich noch zwei
Nebenzimmer, sowie eine Bibliothek. Her lagen aber nicht nur freimaurerische
Schriften – von denen es in Wien eine Menge gab – aus, sondern auch
Literatur aus Politik und Wissenschaft. Gleich neben der Bibliothek lag ein
viertes Zimmer, in dem sich unter anderem “3 musikalische Pulte”
befanden. Musik spielte bei den Logensitzungen eine große Rolle und man
nimmt an das einige der Kompositionen Mozarts für die Loge bestimmt waren.
Außerdem gab es noch ein fünftes Zimmer.
Im Zentrum befand sich ein großer Saal, vor dessen Eingang sich jeder
in das “Präsenzbuch” eintragen mußte, daß der
Bruder Türhüter bereithielt. Wenn man diese “mittlere
Kammer” betrat, fiel zunächst einmal seine Größe auf.
105 weiß gestrichene und mit Eisen beschlagene Stühle hatten an
den Wänden Platz. Im “Osten” war ein Podium mit drei Stufen,
auf dem zwei bedeckte Tische mit jeweils einem dreiarmigen Kerzenleuchter
standen. Außerdem lagen dort verschiedene symbolische
Gegenstände.
3. b) Die Freimaurerei
Die freimaurerischen Rituale beschreiben in vielfältiger Weise die
Reise vom Dunkel ins Licht, eine Wanderung, die den Schrecken des Todes nicht
ausspart, sondern zu überwinden trachtet.
Die “Logenbrüder” trafen sich meist einmal
wöchentlich, zur Aufnahme und Arbeiten an ihrer Beförderung, aber auch
zu festlichen Sitzungen und Konzerten.
3. c) Die Aufnahme
Wer als “Suchender” zur Loge kam hatte schon vorher einen
Revers unterschrieben, der so lautete: << “Ich Unterzeichner
versichere auf Ehrenwort, daß ich von Niemand durch Versprechung der
Entdeckung außerordentlicher Dinge oder Vorteile verleitet worden bin, um
die Aufnahme in den Freymaurer-Orden zu bitten, sondern das ich dieß aus
eigenem Trieb verlange. Nachdem mir zugesagt worden, daß in diesem Orden
nichts gegen den Staat, Landesfürsten, Religion und gute Sitten vorgenommen
werde, so verspreche ich (...) gegen Jedermann (...) auch dann geheim zu halten,
wenn ich nicht zur Aufnahme gelangen sollte”. >>
3. d) Die Kleidung
Die Logenbrüder tragen einen weißledernen Maurerschurz,
weiße Handschuhe als Zeichen der Reinheit und ihre Abzeichen: einen
kleinen elfenbeinernen Schlüssel am Lederband zum Zeichen der
Verschwiegenheit, eine kleine Kelle, die mit ihren drei Ecken Weisheit,
Schönheit und Stärke versinnbildlicht, und einen fünfzackigen
Stern im Strahlenglanz der an die Sonne erinnert, die mit ihren Strahlen die
Erde erleuchtet.
3. e) Der Meisterschlag
Wenn die Beförderung zum Meister vorgesehen war, wurde der Logentempel
schwarz verhängt, ebenso der Altar. “An der Wand werden im Süden
und Norden, so wie hinter dem Altar Totenköpfe angeheftet. In den Ecken der
Meistertafel erscheinen statt der 3 Leuchten die 3 Skelette”:
Wenn geprüft ist, daß die Loge geschlossen ist, daß kein
Fremder sich nähern oder Geheimnisse ausspähen kann, “thut der
Meister vom Stuhl zum erstenmal den aus 3 Lehrlingsschlägen bestehenden
Meisterschlag auf dem Altar, den die beyden Aufseher auf die Degenknöpfe
wiederholen”. Nach der Eröffnung der Loge wird “von nun an
durchgängig mit etwas leiserer Stimme gesprochen.
Meister vom Stuhl: Meine würdigen Brüder. Welches ist das
Zeichen der Meister?
Alle Brüder machen einmal das Meisterzeichen.
1ster Aufseher: Meine würdigen Brüder, helfen sie dem
Ehrwürdigen Meister die Loge zu öffnen.
Alle Brüder machen das Meisterzeichen noch zweymal. Sie setzen sich
und singen das Lied der Meister um die Mittagsstunde.
Während der ersten Reise
2ter Aufseher beim Totenkopf im Norden: Nur der Thor waffnet sich
wider Schrecken des Todes durch Vergessenheit. Unvorgesehen kommt es
fürchterlicher.
Während der zweyten
2ter Aufseher im Süden: Frühe Bekanntschaft mit dem Tode
ist die beste Schule des Lebens.
Meister vom Stuhl wie oben: Gedenke an den Tod, er ist
unausbleiblich.
2ter Aufseher in Norden: Der Gedanke an den Tod ist dem Leidenden
Trost, dem Glücklichen ersprießliche Warnung.
Während des dritten:
2ter Aufseher in Süden: Die Reise zum Tode ist eine Reise zum
Ziel unserer Vollkommenheit.
Meister vom Stuhl wie oben: Gedenke an den Tod! Vielleicht ist er
dir nahe.
2ter Aufseher in Norden: Vor dem Tode mag der schadenfrohe
Menschenfeind zittern; denn er ist ihm der Scherge5, der ihn zum
Glücksbothe, der ihn einladet, die Früchte seines Edelmuthes ewig zu
genießen.
Nach vollendeten Reisen drehen die beyden Aufseher den Gesellen
plötzlich so, daß er Sarg und Altar vor Augen hat.
Meister vom Stuhl nach einer Pause: Die Trauer, in die sie unsern
Tempel gehüllt sehen, könnte sie befremden. Hören sie die
Ursache...
4. Die Loge in Wien
Freimaurerei bedeutet Schulung an sich selbst, praktizierte Humanität
und Toleranz und war in Wien nicht grundlos ein Zusammenschluß all jener,
die ihre Arbeit im Geiste der Aufklärung verstanden, wie z.B.
Wissenschaftler und Künstler, Schriftsteller und Mediziner, aber auch
höhere Verwaltungsbeamten.
Doch Logentätigkeit ist kein Glaubensersatz, ist vielmehr Form
praktiziertem christlichen Glaubens und ihrem Selbstverständnis nach auch
nicht im Widerspruch zur Kirche. So gehörten ihr zahlreiche katholische
Priester an, obwohl zwei päpstliche Bullen existierten die die Freimaurerei
als Ketzerei verdammten.
In Wien war die erste Loge schon 1742 entstanden. Bis in die siebziger
Jahre spielte das Logenwesen keine große Rolle, angesichts der vehementen
Anfeindung von Maira Theresia6 kein Wunder. Seit 1776 waren die
Wiener Logen als österreichische Provinzialloge zusammengefaßt. Um
1780 wird es in Wien etwa 200 Freimaurer gegeben haben, verteilt auf sechs
Logen. Die Freimaurerei wurde durch den Alleinherrscher Joseph II.
begünstigt, denn das Reformprogramm des Kaisers korrespondierte in
deutlicher Weise mit den Gedanken der humanitären und aufgeklärten
Freimaurerei.
Allerdings machten sich auch rosenkreuzlerische Tendenzen breit, was bald
zu deutlichen Fraktionierungen führte. Die Rosenkreuzer betrachteten die
Freimauererei nur als Vorstufe eine esoterischen Zirkels, der verschiedene
Alchemie, Magie und Naturwissenschaft in einer Geheimwissenschaft vereinigte.
Die “Asiatischen Brüder” waren sehr auf ihr Oberhaupt Freiherr
Heinrich von Ecker und Eckhofen ausgerichtet und nahmen Juden auf.
Außerdem gab es in den verschiedenen Logen Einfluß der
Illuminaten7, vor allem aber in der 1781 gegründeten Loge
“Zur wahren Eintracht”, die die bekannteste Loge Wiens wurde und bis
heute fälschlicherweise synonym mit den Wiener Logen gesehen wird.
Beherrschende Figur war Ignaz von Born, ein bedeutender Naturwissenschaftler,
der unter den Wiener Gelehrten eine große Integrationskraft darstellte und
über hervorragende Verbindungen in alle Gesellschaftskreise verfügte.
Born wies sich mit einigen scharf gewürzten satirischen Schriften,
insbesondere zum Mönchswesen, als ein erklärter Anhänger der
josephinischen Reform aus.
Mit der Gründung einer österreichischen Landesloge 1784 bestanden
für die Wiener Logen beste Voraussetzungen für eine glänzende
Arbeit, zumal die höchsten Staatsbeamten und die überzeugtesten
Anhänger der Reformpolitik des Kaisers sich seit Beginn der achtziger Jahre
an der Logenarbeit beteiligten. Doch ein Versuch Kaiser Joseph II. selbst
für die Freimaurerei zu gewinnen scheiterte.
Im absolutistischen Staat des 18. Jahrhunderts liegt im Bestehen auf einem
nach außen gewahrten Geheimnis ein Politikum ersten Ranges. Denn alles
gesellschaftliche Handeln bezieht sich letztlich auf den regierenden
Fürsten als den obersten Souverän;
entsprechend kann und darf es keine Kräfte geben, die nicht im
Herrscher ihren Bezugspunkt haben. Und vor ihm kann also auch kein Geheimnis
geduldet werden, kein Sonderinteresse, das sich seinem Machtstrahl zu entziehen
versucht. Das Wohl und Wehe jedes einzelnen hängt vom Herrscher ab und
Joseph II. war überzeugt, allein dem Allgemeinwohl zu dienen.
Die Freimaurergesellschaften mit ihren verschiedenen Ausprägungen
stellten die bekannteste, weitverbreiteste und darüber hinaus sogar
international verbundene Geheimorganisation dar, die wegen ihrer allgemein
gehaltenen Humanitätsgedanken geradezu wie ein Schwamm ihre Anziehungskraft
bei allen kritischen und freigeistigen Intellektuellen dieser Zeit ausüben
konnte. Die Logen bildeten so einen Freiraum eigenständiger Art, in dem
eine freie Gemeinschaft von Gleichen unter Gleichen agieren konnte. In der Loge
galt kein Gesetz als das selbstauferlegte, herrschte die nach außen
geschützte freie Rede, auf Reisen bestand eine immer verläßliche
Anlaufstelle zu Gleichgesinnten. Die Losung der Französischen Revolution
von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit war hier vorweggenommen in einer
gewissermaßen exterritorialen8 Kleingesellschaft inmitten jener
Gesellschaft des absolutistischen Staates, die nur Herrscher und Untertan
kannte. Dabei haben die Logengeheimnisse mit dem Staat oder Fürsten nichts
zu tun. Da das freimaurerische Geheimnis nur durch Versprechen der Mitglieder
zur Verschwiegenheit geschützt war, war es ein Leichtes an Informationen
darüber heranzukommen, z.B. erschien kurzzeitig die Zeitschrift “Der
Spion von Wien” mit teilweiser Aufdeckung aller drei Grade.
Allein durch die Verschwiegenheit stellten die Freimaurer so etwas wie
einen Staat im Staate dar. Besonders auffällig wird dieser Charakter eines
Staates im Staate bei der vollständigen Gleichheit der Freimaurer-
“Brüder”, der Aufhebung jeder Rang- und
Herkunftsunterschiede.
Vor allem die Tätigkeit der Aufklärerlogen, in denen die Suche
nach dem Licht in erster Linie das Licht der Aufklärung und der praktischen
Vernunft meinte und nicht so sehr die Arbeit mit Symbolen, verknüpfte die
Logenarbeit wieder stärker mit dem politischen und gesellschaftlichen
Leben. Hierbei ging es vor allem um die Umsetzung von Begriffen wie
Humanität, Toleranz, Wohltätigkeit. Für die sehr ehrwürdige
Johanis-Loge zur Wahrheit in Wien heißt es als erster Grundsatz:
“Die Maurerey in ihrer Verfassung ist eine demokratische Verfassung und
jede Loge eine Demokratie.” Mit dieser Formulierung wurde zweifellos nicht
eine staatsrevolutionäre Tendenz der Loge zu beschreiben versucht, aber
doch wird daran sichtbar, wie politische Begriffe in die Freimaurerei Eingang
finden.
Ein hochgeachteter Aufklärer war Ignaz von Born, der versuchte
Gleichgesinnte um sich zu scharen und damit seinen aufklärerischen
Einfluß zu festigen. Er bemühte sich, die Loge “Zur wahren
Eintracht” zu einer freimaurerischen Akademie der Wissenschaften und
schönen Künste umzugestalten, als Vorläufer oder Ersatz für
die geplante, aber bisher noch nicht zustandegekommene kaiserliche Akademie. Bis
zu einem gewissen Grade ist es Born auch gelungen. Bei der Gründung (1781)
hatte die Loge “Zur wahren Eintracht” 15 Mitglieder, nach zwei
Jahren waren es bereits 96, und im Jahre 1785 vereinigte sie 197
Logenbrüder. Sie unterhielt das von Born begründete
Naturalienkabinett, eine vor allem naturwissenschaftlich angelegte Bibliothek
von 1900 Bänden und gab sogar eine naturwissenschaftliche Zeitschrift
heraus, abgesehen von dem Journal für Freymaurer, das die Tendenzen dieser
Loge unter den anderen österreichischen Logen zu verbreiten
suchte.
Born war nicht nur Meister vom Stuhl seiner Loge, sondern zugleich auch
Großsekretär der Landesloge und hatte damit Einfluß auf das
Freimaurergeschehen in allen sieben Proviniziallogen oder den gesamten
Erblanden. Mit allen Mitteln versuchte er, auf den leitenden Posten solche
Freimaurer unterzubringen, die im politischen Bereich die Reformpolitik des
Kaisers vertraten. In einigen Fällen wurden die politischen Provinzchefs
und Gouverneure zu Provinzialgroßmeistern gemacht, in vielen Fällen
erhielten sie die Würde eines Meisters vom Stuhl in ihren Logen.
Da aber nicht genügend Freimaurer für diese Tätigkeit
vorhanden waren, war es Borns Vorhaben Regierungsvertreter, bevor sie in ihre
Provinz abreisten, schnell noch in die Loge aufzunehmen und gleich zu Meistern
zu befördern. Ähnliches galt für Reisende, wenn sie
einflußreich zu sein versprachen. Ein Beispiel ist Leopold Mozart, der
innerhalb von 16 Tagen aufgenommen und bis zum Meister befördert
wurde.
Borns “Personalpolitik” war ganz eindeutig gegen die zur
Schwärmerei neigenden Logenbrüder gerichtet und von sehr entschiedenen
Vorstellungen über die Aufgaben der Freimaurer geprägt. So sehr mache
seiner Einflußnamen bedenklich im Sinne freimaurerischer Zielsetzung sein
mußten, so hatte Born der Freimaurerei eine ungeheure Zahl der
bedeutendsten Köpfe zugeführt und ihr ein bisher ungekanntes
öffentliches Ansehen verschafft.
5. a) Mozart der Freimaurer
Im Dezember 1784 erfolgt Mozarts Aufnahme als “Lehrling” in die
Freimaurerloge “Zur Wohltätigkeit”; in der Loge “Zur
wahren Eintracht” ist er “besuchender Bruder”. Nach einem
Monat wird er “Geselle”. Seine “Maurerkompositionen”
(“Maurerfreude”, KV 471, “Gesellenreise” KV 468, das
Kantaten-Fragment “Dir, Seele des Weltalls” KV 429 und die
“Maurerische Trauermusik”) sind seine Beiträge zu bestimmten
Logenfeierlichkeiten. Vom Januar 1786 gehört Mozart der Loge “Zur
neugekrönten Hoffnung” (später “Gekrönte
Hoffnung”) an.
5. b) Mozart und die Loge
Kurz nach 18 Uhr ging Mozart über den Bauernmarkt zur Landskrongasse.
Gewöhnlich begann die Loge um 18:30 Uhr. Mozart betrat die Loge mit
großem Ernst. Er schloß sich der Loge aus der inneren
Überzeugung von der “Verbesserung des Menschengeschlechts”
durch Selbstvervollkommnung an.
<< “da der Tod |: genau zu nehmen :| der wahre Endzweck unseres
Lebens ist, so habe ich mich seit ein paar Jahren mit diesem wahren, besten
Freunde des Menschen so bekannt gemacht, daß sein Bild nicht allein nichts
Schreckendes für mich hat. (...) – ich lege mich nie zu Bette ohne zu
bedenken, daß ich vielleicht |: so Jung als ich bin :| den anderen Tag
nicht mehr seyn werde – und es wird doch kein Mensch von allen die mich
kennen sagen können, daß ich im Umgange mürrisch oder traurig
wäre – und für diese Glückseeligkeit danke ich alle Tage
meinem Schöpfer und wünsche sie von Herzen jedem meiner
Mitmenschen”>> (4. April 1787)
Am 5. Dezember 1784 war Mozart zum Mitglied der Loge “Zur
Wohltätigkeit” vorgeschlagen worden, am 14. Dezember wurde er
aufgenommen. Mozarts Zugehörigkeit zur Loge läßt sich schon in
seinen Briefen benutzten Anrede (“Verehrungswürdigster Freund und
Ordensbruder!”, oder in seinen in Freimaurerkreisen üblich
gebrauchten Abkürzungen ersehen. Doch die Logenzugehörigkeit Mozarts
ist in seinen Briefen wie ausradiert, da unter dem österreichischen
Herrscher Franz II. ein strenges System der Verfolgung und Denunziation aller
geheimen Gesellschaften etabliert wurde.
5. c) Mozarts Logenarbeit
In Wie gab es zu Mozarts Zeit um 1785 600-800 Freimaurer der dortigen
Logen, und sie alle stammten aus einer gutsituierten bürgerlichen Schicht
oder aus dem Adel. Mozart war geradezu von ihnen umstellt. Um nur ein Beispiel
zu nennen: Mindestens jeder vierte von den Subskribenten der drei großen
Konzerte, die Mozart im März 1784 im Trattnerhof gab, war nachweislich
Logenmitglied.
Wenn man daran denkt, daß die Loge “Zur wahren Eintracht”
nicht nur eine “Prominentenloge”, sondern vor allem die Loge der
Gelehrten und Schriftsteller war, der aber auch ein Mann wie Joseph Haydn
beigetreten ist, so nimmt es wunder, daß Mozart den Weg in die Loge
“Zur Wohltätigkeit” gefunden hat, die von ihrer Zusammensetzung
eine sehr viel “einfachere” war. Sie war ebenso wie die Eintracht
aus der noch existierenden Loge “Zur gekrönten Hoffnung”
hervorgegangen und erst 1783 gegründet worden. 1784 hatte sie 32
Mitglieder. Es gab natürlich unter den Logen viele Querverbindungen. Das
fing mit der gemeinsamen Benutzung des Logenlokals an, konnte aber auch dazu
führen, daß Mozart seine Beförderung zum Gesellen in der
“Eintracht” erlebte. Die Loge hatte im Frühjahr 1784 ihrem
Namen Ehre gemacht, indem sie 4184 Gulden (160.000 DM) für die Opfer von
Überschwemmungen zusammenbrachte. In ganz Wien war dieses Hilfswerk in
aller Munde. Haben solche Beispiele praktischer Humanität Mozart bewogen,
in diese und keine andere Loge einzutreten?
Sowenig es einem überlieferten, aber fragwürdigen Bilde Mozarts
entsprechen mag, muß doch festgehalten werden, daß wir Mozart immer
wieder in unmittelbarer Nähe der wichtigsten politischen Ereignisse sehen.
Obschon – im Gegensatz und seinem Vater – von ihm keine dedizierten
politischen Kommentare überliefert sind, kann man von Mozart doch als einem
aufmerksamen und informierten Beobachter sehen, der sich für politische
Vorgänge lebhaft interessiert, in seinen Opern sehr genau und dicht an die
dringendsten Zeitfragen sich heranwagte, ganz und gar nicht
“überzeitlich” oder “allgemeinmenschlich”. Das
setzte einen wahren Instinkt für gesellschaftliche Vorgänge voraus,
Nähe der Beobachtung und Distanz der Beurteilung.
Mozart hat dies Instinktsicherheit auch bei seiner Logenwahl bewiesen; denn
nicht der “Eintracht”, wohl aber der
“Wohltätigkeit” war es beschieden, die Sturmzeichen nach dem
Freimaurerpatent des Kaisers zu überstehen.
Mozart hat mit seinen musikalischen Mitteln die Loge vielfältig
unterstützt, die musikalische Ausgestaltung der Sitzungen spielte in den
Logen eine große Rolle. So entstand als erstes ein Lied zur
“Gesellenreise” (KV 468), kurz darauf folgte eine Kantate zu Ehren
Borns (KV 471), die bei einer festlichen Tafelfolge mit 84 Personen (darunter
auch Leopold Mozart) aufgeführt wurde. Bezeichnenderweise war der
Anlaß naturwissenschaftlicher Art: Born hatte eine neue
“Amalgamationsmethode zur Scheidung der Metalle” entwickelt, die die
Kosten im Berg- und Hüttenwesen deutlich senkte und von Joseph II. sofort
in den Erblanden eingeführt worden war, wobei Born großzügig an
den Gewinnen der Fabriken beteiligt wurde. Mozart entwickelte sich bald zu einer
Art Hauskomponist seiner Loge. Noch 1785 entstanden mehrere Lieder, im Herbst
die Maurerische Trauermusik (KV 477) auf den Tod zweier Logenbrüder
für eine Trauerloge, ein anspruchsvolles Werk für eine umfangreiche
und höchst differenzierte Besetzung.
5. d) Das Freimaurerpatent und Auflösungserscheinungen
Der große Aufschwung, den die Freimaurerei in Wien seit 1783 genommen
hatte war jäh zu Ende, als Mitte Dezember 1785 das berühmte
Freimaurerpatent erschien. Es kam wie ein Donnerschlag. Offenbar hatte niemand
damit gerechnet, daß der Kaiser, der sich bisher nicht weiter für das
Logenwesen interessiert hatte, mit einem Machtwort in das organisatorische
Gefüge eingreifen werde. Die darauf folgenden Verordnungen, die
polizeiliche Aufsicht über das Logenwesen betreffend, versuchten nicht die
Freimaurerei zu verletzen: Sie betrafen nur Dinge des
“Versammlungsrechts”. Der Kaiser hielt nichts von den Freimaurern,
wollte ihnen aber nicht absprechen einiges für Armut und Erziehung
geleistet zu haben.
Über den Grund dieser Verfügung wird bis heute gerätselt.
Man wird allerdings (wie Helmut Reinalter) den Hauptgrund darin sehen
müssen, daß ein Geheimbund mit der absolutistischen Staatsauffassung
unvereinbar ist und der Kompromißbereitschaft eines Joseph II. schon gar
widersprach. Im übrigen darf auch nicht vergessen werden, daß im
Fahrwasser der Freimaurer eine Unzahl anderer, nicht ungefährlicher
Gesellschaften segelten.
Die einzelnen Regelungen des Freimaurerpatents verlangten von den Logen
folgendes:
- Nur in Städten mit Regierungsstellen dürfen Logen entstehen, nicht
aber auf dem Lande oder auf Adelssitzen.
- Die Versammlungstermine müssen den Behörden angezeigt werden
- Mitgliederlisten und Namen der Vorstände müssen jährlich
eingereicht werden, Freimaurergrade brauchen nicht genannt zu werden, und jede
weitere Ausforschung soll unterbleiben
- Alle Winkellogen und ähnliche Vereinigungen werden verboten.
Außerdem wurde bestimmt, daß an keinem Ort mehr als drei Logen mit
höchstens 180 Mitgliedern bestehen sollten.
Die Wiener Logen
kamen diesem Edikt in der Weise nach, daß sie sich zu den Logen “Zur
Wohltätigkeit” und “Zur neugekrönten Hoffnung”
vereinigten. Andere Logen lösten sich ganz auf und die Zahl der Mitglieder
in Wien ist von 600-800 auf 400 gefallen. Doch es entstanden z.B. Pläne
für ein Museum der Freimaurer und den Ausbau der Bibliothek. Viel
läßt sich darüber aber nicht sagen, da das ganze Logenwesen nach
dem Freimaurerpatent nur noch höchst unzulänglich dokumentiert ist, da
die Logen es in dieser Zeit für besser hielten, ihre Dokumente unter
Verschluß zu halten.
Die Loge “Zur Wahrheit”, in der zunächst Born noch als
Meister vom Stuhl agierte, wurde mit 100 Anwesenden im Januar 1786 neu
gegründet. Aber ausgerechnet in ihr, die sich als Aufklärerloge
schlechthin vorkam und die ganze gelehrte Prominenz von Wien vereinte, kam es
schnell zu Streitereien, die mit der Zeit das ganze Logenwesen hinfällig
machten. Es kam zu immer mehr Austritten. 1789 löste sich die Loge formell
auf. Mit dem Niedergang dieser Loge sah man den Niedergang der ganzen
Freimaurerei in Wien.
5. e) Mozart verläßt die Loge – nicht
Auch Mozarts Loge “Zur neugekrönten Hoffnung” blieb von
den Auflösungserscheinungen nicht verschont. Sie war im Januar 1786 mit 116
Mitgliedern gegründet worden. Doch offensichtlich hat diese Loge es
verstanden, nach einer Reorganisationsphase sich auf ihre freimauererischen
Ziele zu besinnen und ein neues Selbstverständnis zu finden, sowie die
Wohltätigkeit wieder zum Ziele ihrer Arbeit gemacht. Andererseits blieb das
Faktum bestehen, daß es sich um eine Geheimgesellschaft handelte. Die Loge
hielt sich an das Freimaurerpatent, doch hielt sie ihre Briefwechsel,
Logenprotokolle usw. so gut verborgen, daß selbst später der
Geheimpolizei so gut wie nichts in die Hände kam – und wir über
die Einzelheiten ihrer Arbeiten wenig wissen. Ihre Schwesterloge “Zur
Wahrheit” hingegen scheint keinerlei Vorsichtsmaßnahmen getroffen zu
haben, so daß ihr ganzes Archiv sich in den “Vertraulichen
Akten” des Staatsarchivs wiederfindet.
Die Mitgliederstruktur der überlebenden Loge scheint sich stark
verändert zu haben. Der Adel zog sich mehr und mehr aus der Loge
zurück: die Loge hatte sich verbürgerlicht. Im gleichen Maße war
der Anteil der einflußreichen politischen Amtsinhaber zurückgegangen;
diese hielten es für mehr opportun9, einer Loge
anzugehören. Doch Mozart bekannte sich – obwohl von der Gunst der
Kaisers abhängig – zur Freimaurerei. Er war sich entweder des Risikos
der kaiserlichen Ungnade bewußt, und bereit es auf sich zu nehmen, oder er
schätzte seinen Ruhm und das prinzipielle Wohlwollen Joseph II. ihm
gegenüber so hoch ein, daß er glaubte, diese Belastungen bestehen zu
können.
Mozart, der nie ein entscheidendes Amt seiner Loge bekleidet hat, war neben
dem Buchdrucker Christian Friedrich Wappler der einzige, der der Loge von 1784
– 1791 angehörte. Er scheute sich nicht einmal, selbst den Plan einer
Geheimgesellschaft zu entwickeln und niederzuschreiben.
Auch in den Erbländern war durch das Freimaurerpatent die Logenarbeit
reorganisiert worden, aber keineswegs eingestellt. So besuchte Mozart z.B. die
Loge in Prag. Über Kontakte zu anderen Freimaurern sind so gut wie keine
Dokumente vorhanden, doch das Zugehörigkeitsgefühl war für Mozart
ungebrochen. Dabei kamen neue Belastungen auf das Freimaurerwesen zu. Der
Ausbruch der Französischen Revolution wurde alsbald als große
Verschwörung der Freimaurer dargestellt, teils weil man es wirklich
glaubte, teils weil es eine bequeme Begründung war für eine Propaganda
gegen die, die Menschenliebe und Gerechtigkeit, Gleichheit und
Brüderlichkeit, Aufklärung und Freigeist zum Programm ihrer (geheimen)
Zusammenkünfte gemacht hatten. In dieser Situation konnten die Gegner der
Freimaurer gut ihr Denunziationsgeschäft betreiben. Auf diese Gefahren hin
reagierten die Freimaurer mit einem offenen Rückzug und vermieden alles,
was als Opposition gegen den Staat hätte aufgefaßt werden
können.
6. Die Zauberflöte – eine Logenarbeit?
Im Frühsommer 1791 arbeitet Mozart an der Zauberflöte, seinem
Beitrag zur Diskussion um die Freimaurerei und vor dem Hintergrund des Jahres
1791 von eminenter Bedeutung. Denn in dieser Oper wird ein Geheimbund von
“Eingeweihten” einerseits einem profanen10 Publikum
vorgeführt, andererseits enthält die Darstellung für Logenkenner
und Eingeweihte unüberhörbar auch Kritisches zur Maurerei;
schließlich wendet sich diese Oper deutlich an das Publikum der
Vorstadtheater, an die “kleinen Leute”, die ganz andere Erwartungen
hatten als das Publikum des Burgtheaters, die ihre Kasperle- und
Hanswurstfiguren noch liebten, die den Einsatz der neuesten Theatermaschinen
bejubelten, eines Theaters in dem noch Zirkusluft wehte.
Berücksichtigen wir in diesem Zusammenhang nur das Freimaurerische der
Handlung, so wird die Aufnahme eines Prinzen gezeigt, der zum Kreis der
“Eingeweihten” gehören möchte. Er muß eine Reihe von
Prüfungen durchleben und kann sich am Schluß der Oper zu den
Priestern des Osiris-und-Isis-Kultes zählen. Die Rituale dieser Einweihung
und ein großer Teil der benutzten Symbole gehören der Freimaurerei
an.
Weder Mozart noch Schikaneder, der Verfasser des Textbuches der
Zauberflöte, haben etwas “verraten”, abgesehen davon, das ihre
Darstellung der Einweihung Elemente der Wiener Logen aufgreift und sie mit
anderen, vornehmlich aus altägyptischen Mysterien und anderen Quellen
vermischt.
Möchte denn Prinz Tamino eingeweiht werden? Eindeutig und
unzweifelhaft sagt er es an keiner Stelle. Es geht ihm mehr darum, Pamina aus
den Händen des “Unmenschen” und “Tyrannen” Sarastro
zu befreien, der Pamina aus dem Garten ihrer Mutter geraubt hat. Eine Wandlung
Taminos vom Ankläger zum Bewunderer seiner “Weisheit”
läßt sich nirgends feststellen: Das sichtbare Ende ihrer
Prüfungen kommentieren Tamio und Pamina lediglich mit dem Ausruf “Ihr
Götter! Welch ein Glück! Gewährt ist uns Isis´
Glück.” Danach begegnet man ihnen im Schlußbild, “In
priesterlicher Kleidung” unter den “ägyptischen
Priestern” auf beiden Seiten stehend.
Daß Sarastro ein “Tyrann” sei, ein “böser
Dämon”, erfährt Tamino von den drei Damen. Es klingt sogar
plausibel, da Sarastro wirklich Pamina geraubt hat. Eine Erklärung
dafür kann nicht einmal der Priester geben, denn “die Zunge bindet
Eid und Pflicht!” Erst Sarastro gibt Aufklärung, wenn er zu Pamina
über ihre Mutter sagt: “Du würdest um dein Glück gebracht,
wenn ich dich in ihren Händen ließe.”
Pamina empfindet bis zum Schluß mit keinem Wort Dankbarkeit
gegenüber Sarastro, dessen Weisheit sich nur mit Raub und Gewalt
durchsetzen kann. Auch Tamino gegenüber verhält sich Sarastro nicht
als einfühlsamer Pädagoge, sondern als ein despotischer Erzieher, der
die Wege nach seinem Gusto bestimmt. Sarastros Macht hat aber bei den Priestern,
die eine demokratische Brüderversammlung darstellen, seine Grenzen. Er
muß die Aufnahme Taminos zur Abstimmung stellen:
“Mit reiner Seele erklär ich euch, daß unsere heutige
Versammlung eine der wichtigsten unsere Zeit ist. Tamino, ein Königssohn,
zwanzig Jahre seines Alters, wandelt an der nördlichen Pforte unseres
Tempels und seufzt mit tugendvollem Herzen nach einem Gegenstande, den alle mit
Mühe und Fleiß erringen müssen. Kurz, dieser Jüngling will
seinen nächtlichen Schleier von sich reißen und ins Heiligtum des
größten Lichtes blicken. Diesen Tugendhaften zu bewachen, sei heute
eine unserer wichtigsten Pflichten.”
Das Tamino ein Königssohn ist, bedeutet allein noch kein Vorzug, mag
Sarastro es auch so darstellen. Erst der Besitz dreier wesentlicher
Voraussetzungen berechtigt ihn, aufgenommen zu werden: Tugend, Verschwiegenheit
und Wohltätigkeit. Und auch dann bleibt der Zweifel eines
Priesters:
“Großer Sarastro, deine weisheitsvollen Reden erkennen und
bewundern wir; allein wird Tamino auch die harten Prüfungen, so seiner
warten, bekämpfen? Verzeih, daß ich so frei bin dir meinen Zweifel zu
eröffnen! Mir bangt es um den Jüngling. Wenn nun, im Schmerz
dahingesunken, sein Geist ihn verließe und er dem harten Kampf
unterläge? Er ist Prinz.”
Darauf weiß Sarastro nur zu antworten: “Noch mehr – er
ist Mensch!” Sarastro muß seine Hervorhebung des Prinzen
zurücknehmen, denn in der Versammlung der Eingeweihten herrscht
Gleichheit.
Es ist die wunde Stelle Sarastros, dessen mir viel Baßpathos
verkündeten Weisheitsreden so wenig mit seinem Verhalten
übereinstimmen. War schon der Raub Paminas fragwürdig, so ist es sein
Auftreten erst recht. Er “fährt auf einem Triumphwagen heraus, der
von sechs Löwen gezogen wird”, Zeichen einer in vollen Zügen
genossenen Herrscherwürde. Seine Umgebung besteht aus lauter Sklaven, was
meist in den Inszenierungen der Zauberflöte verunklart wird, unter anderem
durch die willkürliche Kürzung der gesprochenen Textpartien. Die
Sklaven haben sogar eigene Textszenen, die allerdings fast immer weggelassen
werden. (Auf dem Plakat der Uraufführung kann man deutlich die rolle eines
ersten, zweiten und dritten Sklaven lesen, wogegen die drei Knaben dort nicht
aufgeführt waren!) Aber die Sklaven Sarastros sind es nicht allein. Auch
seine Willkürherrschaft wird deutlich vorgeführt. Als es Monostatos
gelingt, Pamina von ihrer Flucht wieder einzufangen, erhält er zum Dank
für seine Wachsamkeit folgende Antwort:
“Sarastro: Verdient, daß man ihr Lorbeer streut. He! Gebt dem
Ehrenmann sogleich –
Monostatos: Schon deine Gnade macht mich reich.
Sarastro: Nur siebenundsiebzig Sohlenstreich´.
Monostatos: ach, Herr, den Lohn verhoff´t ich nicht! Sarastro:
Nicht Dank, es ist ja meine Pflicht!”
Ein solcher Zynismus des Herrschers gegenüber den Untergebenen ist
natürlich nicht ohne Absicht eingeführt worden. Sarastro mag zu den
Eingeweihten gehören, ein Tugendhafter, ein Vorbild an Weisheit ist er
deswegen lange nicht, auch er bedarf der Arbeit an sich selbst. Die spätere
Arie Sarastros verhält sich zu diesem “Vorkommnis” wie Anspruch
und Wirklichkeit. Sie ist pure Ideologie aus seinem Mund; statt so zu
künden, hätte er zu handeln:
“In diesen heil´gen Hallen
Kennt man die Rache nicht,
Und ist ein Mensch gefallen,
Führt Liebe ihn zur Pflicht.
Dann wandelt er an Freundes Hand
Vergnügt und froh ins beßre Land.
In diesen heil´gen Mauern,
Wo Mensch den Menschen liebt,
Kann kein Verräter lauern,
Weil man dem Feind vergibt.
Wen solche Lehren nicht erfreun,
Verdient nicht, ein Mensch zu sein.”
Implizit ist damit ein weiterer Punkt angesprochen, der einer deutlichen
Frauenfeindschaft in dieser Oper. Auch hier muß man betonen, daß sie
in erster Linie von Sarastro ausgeht. Seine Begründung für den Raub
Paminas lautet abstrakt gesprochen so: “Ein Mann muß eure Herzen
leiten, denn ohne ihn pflegt jedes Weib aus seinem Wirkungskreis zu
schreiten.” Konkreter: “Pamina, das sanfte, tugendhafte
Mädchen, haben die Götter dem holden Jüngling bestimmt; dies ist
der Grund, warum ich sie der stolzen Mutter entriß. Das Weib dünkt
sich groß zu sein, hofft durch Blendwerk und Aberglauben das Volk zu
berücken und unsern festen Tempelbau zu zerstören. Allein, das soll
sie nicht.” Sarastro befindet sich ja in einer bestimmten
Herrschertradition, nicht aber in einer frauenfeindlichen Tradition der
Eingeweihten, wie wir aus dem Dialog Paminas mit ihrer Mutter, der Königin
der Nacht, erfahren:
“Königin: [...] Liebes Kind, deine Mutter kann dich nicht mehr
schützen. Mit deines Vaters Tod ging meine Macht zu Grabe –
Pamina: Mein Vater –
Königin: Übergab freiwillig den siebenfachen Sonnenkreis den
Eingeweihten. Diesen mächtigen Sonnenkreis trägt Sarastro auf seiner
Brust. Als ich ihn darüber beredete, so sprach er mit gefalteter Stirn:
“Weib, meine letzte Stunde ist da – alle Schätze, so ich allein
besaß, sind dein und deiner Tochter. <-> Der alles verzehrende
Sonnenkreis< - fiel ich ihm hastig in die Rede -> ist den Geweihten
bestimmt<, antwortete er. > Sarastro wird ihn so männlich verwalten
wie ich bisher. Und nun kein Wort weiter; forsche nicht nach Wesen, die dem
weiblichen Geist unbegreiflich sind. Deine Pflicht ist es, dich und deine
Tochter der Führung
weiser Männer zu überlassen.” Für die Königin
der Nacht besteht daher eine strikte Feindschaft zu den Eingeweihten und
Sarastro; Tamino muß sich deshalb zwischen Pamina und den Eingeweihten
entscheiden. Pamina hinterfragt jedoch diese deutliche Feindschaft: “Liebe
Mutter, dürft´ ich den Jüngling als Eingeweihten den nicht auch
so herzlich lieben, wie ich ihn jetzt liebe? Mein Vater selbst war ja mit den
weisen Männern verbunden. Er sprach jederzeit mit Entzücken von
ihnen,
preiste ihre Güte- ihren Verstand – ihre Tugend.” In
der Antwort der Mutter ist nur noch vom Todfeind Sarastro die Rede, ja sie
steigert sich in der Rachearie sogar zur Verfluchung ihrer Tochter, wenn diese
nicht eigenhändig Sarastro umbringe.
Die Prüfungen Taminos werden von den Eingeweihten vollzogen, bis auf
eine, die Sarastro selbst vornimmt. Es ist die, in der Tamino von Pamina
Abschied nehmen muß. Diese klare Probe der Enthaltsamkeit von den Frauen
gehört allein Sarastro an. Es wirkt wie eine insgeheime Korrektur, wenn die
Eingeweihten auch Pamina in den Tempel einziehen lassen, weil auch sie den Tod
nicht gescheut hat:
“Froh Hand in Hand in Tempel gehen./ Ein Weib, das Nacht und Tod
nicht scheut,/ ist würdig
und wird eingeweiht.”
Sarastro wird hier ganz eindeutig von den Priestern korrigiert, die den
Geschlechtsunterschied unter Menschen in ihrem Kreis aufheben. (Es ist sogar die
Frage nach weiblichen Eingeweihten zu stellen, da im Chor eindeutig Sopran- und
Altstimmen notiert sind.)
Vor dem Hintergrund des Wiener Freimaurertums, in dem auch sogenannte
Adoptionslogen mit gemeinsam arbeitenden Männern und Frauen existierten
– ein historisch noch ganz unerforschtes Feld, weil in der
Freimaurerforschung heruntergespielt -, stellt sich die Zauberflöte als
eine Oper dar, in der die Eingeweihten nicht als monolithischer Block gezeigt
werden, sondern als Gruppierung voller Widersprüche, arbeitend ohne jeden
Anspruch auf Unfehlbarkeit. Mozart unterstreicht mit musikalischen Mitteln
dieses Infragestellen, wenn er z.B. dem Priesterduett “Bewahret euch vor
Weibertücken:/ Dies ist des Bundes erste Pflicht!/ Manch weiser Mann
ließ sich berücken,/ [...]/ Tod und Verzweiflung war sein Lohn”
eine so parodistische Musik unterlegt, daß man nicht weiß, ob die
Priester sich lustig machen (z.B. über Sarastro) oder Mozart die Priester
karikiert.
Bei genauer Textlektüre – die oft gegen den vordergründigen
Sinn des Textes geschriebene Musik fordert geradezu dazu heraus – kann die
Vorstellung, Sarastro verkörpere die Welt des Guten, die Königin der
Nacht das Böse, so nicht aufrecht erhalten werden. Die Entfesselung der
Leidenschaften bis zur Anstiftung zum Mord (Königin der Nacht),
Prachtentfaltung, Herrschaftsgelüste und krasse Ungerechtigkeiten
(Sarastro), zwei Selbstmordversuche (Papageno, Pamina), Unbeherrschtheit und
Schwatzhaftigkeit (Papageno), Frauenverachtung (Sarastro, zwei Priester) –
solche Eigenschaften, die durchaus der Läuterung bedürfen, sind auf
viele Personen der Oper gleichmäßig verteilt, und ebenso
läßt sich von ihnen auch ein Katalog höchst schätzenswerter
Charakterzüge zusammenstellen. Es hat seinen Sinn, daß die drei
Tempel nicht mit den freimaurerischen Begriffen Schönheit, Stärke,
Weisheit überschrieben sind, sondern mit Natur, Vernunft, Weisheit. Sich in
diesem Spannungsfeld zurechtfinden, zwischen Natur und Vernunft einen weisen Weg
zu finden, das ist eher das freimaurerische Programm dieser Oper als das
Vertrauen auf die begrenzte Weisheit des Sarastro. Es scheint als hätten
Schikaneder und Mozart der Freimaurerei ins Stammbuch geschrieben, sie solle an
Stelle von Selbstgerechtigkeit Bescheidenheit üben, Herrschsucht in den
eigenen Reihen bekämpfen, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit lernen
und das helle Licht der Aufklärung nicht verlieren, das
Vernünftigkeit, Gerechtigkeit und Menschenliebe meinte.
Andererseits bedeutete die Zauberflöte in der konkreten historischen
Situation ihres Erscheinens und unter dem Beginn von Verdächtigungen und
Verbotsdrohungen nicht nur ein Bekenntnis zur Freimaurerei, sondern auch der
Versuch, sie aus dem Kreis völlig falscher Vorstellungen herauszulösen
– nicht durch ein geschönertes Bild ihrer Wirklichkeit, sondern mit
theatralischen Mitteln, die nicht mal vor Kasperlefiguren haltmachen. Wie die
Rezeptionsgeschichte dieser Oper deutlich lehrt, haben die komödiantischen,
parodistischen und zauberpossenhaftigen Züge ihre Ernsthaftigkeit keinen
Abbruch getan.
Wie ernst sich Mozart mit der Erneuerung der Freimaurerei im Sommer und
Herbst 1791 beschäftigte, zeigt, die Zauberflöte ergänzend und
ganz für eine Wirkung nach innen bestimmt, die Kleine Freimaurerkantate (KV
623), die als Mozarts letztes in sein Werkverzeichnis eingetragenes Werk so
etwas wie ein Vermächtnis darstellt. Auch diese Kantate hat Schikaneder
zum Verfasser, der ja seit 1788 selbst Freimaurer war. Sie wurde zur Einweihung
eines Logentempels von Mozarts Loge “Zur neugekrönten Hoffnung”
geschrieben und bei dieser Gelegenheit am 18. November von Mozart selbst
dirigiert. Es war sein letztes Auftreten vor seinem plötzlichen Tod zwei
Wochen später. Fast wie ein Kommentar zum grandiosen Gepränge von
Sarastros Welt hört man in einer Tenorarie die folgenden Worte:
“Dieser Gottheit Allmacht
ruhet nicht auf Lärmen, Pracht und Saus,
nein, im Stillen wiegt und spendet
sie der Menschheit Segen aus.
Stille Gottheit, deinem Bilde
Huldigt ganz des Maurers Brust,
denn du wärmst mit Sonnenmilde
stets sein Herz in süßer Lust.”
Die Turbulenzen und Streitereien in den Logen nach dem Freimaurerpatent
werden diskutiert und man beschließt mit dem neuen Logenlokal zugleich
einen neuen Anfang zu machen. “Wohlan ihr Brüder, überlaßt
euch ganz der Seligkeit eurer Empfindungen, da ihr nie, daß ihr Maurer
seid, vergeßt. Diese heutige Feier sei ein Denkmal des wieder neu und
festgeschloßnen Bundes [...]” Die Logenarbeit als eine ständige
Arbeit an sich selbst kennt keine endlich erreichte Vollkommenheit.
Jedoch ist die Freimaurerei nicht mehr zu retten. Nach dem plötzlichen
Tod Leopolds II. (1792) wurde dessen Sohn Franz Nachfolger auf dem Habsburger
Thron, der ein Regime der Verfolgung aller freigeistigen, aufklärerischen
und fortschrittlichen Ideen einleitete, der in allem nur Keim des Aufstandes,
des Umsturzes der Revolution erblickte. Die Loge “Zur neugekrönten
Hoffnung” stellte am 2. Dezember 1793 durch ein Schreiben an den Kaiser
ihre Arbeit ein, weil ihre Aufgabe nicht mehr erfüllbar sei,
“verkannt, erschwert und angefochten” werde und es “immer
unmöglicher wird, den schönen Zweck der Freymaurerei mit jener
umwölkten Heiterkeit des Geistes die zum segenvollen Anbaue notwendig ist,
und in dem Umfange zu erreichen, als es die Regel des Institutes, das Beste des
Staates und der Menschheit, und die eigene Zufriedenheit der Arbeiter
fordert.”
7. Die Freimaurerei – heute
Worin bestehen die Ziele der Gemeinschaft?
Die Freimaurer bilden eine Gemeinschaft von sechs Millionen weltweit
brüderlich verbundenen Menschen, die durch rituelle Handlungen geistige
Vertiefung und sittliche Vervollkommnung erreichen möchten. Ihre Hauptziele
sind Erziehung zur Nächstenliebe, Duldsamkeit und
Wohltätigkeit.
Was sind das für rituelle Handlungen
Die freimaurerischen Rituale und Symbole entstammen dem Brauchtum der
Steinmetzbruderschaften. Die sind manchmal verbale, manchmal nicht verbale
Ansprachen an unsere Logenbrüder und damit Wegbereiter für eine
geistige Vertiefung. Unsere Logen betrachten wir als Freiräume, in denen
sich jedes Logenmitglied –Bruder-, ohne auf Äußerlichkeiten der
Umwelt Rücksicht zu nehmen, selbst verwirklichen kann.
Immer wieder hört man von einem freimaurerischen Geheimnis. Wie
verhält es sich damit?
Das Geheimnis der Logen ist nicht materieller Art, sondern gelebte Tugend.
Diese kann erlebt, erschaut und geübt, aber nicht gelehrt und
übertragen werden. Ihr Inhalt ist nicht fixierbar; denn das Wissen vom
menschlichen Sein ist im ewigen Fluß.
Wenn die Freimaurerei kein Geheimbund ist, warum werden dann von seinen
Mitgliedern Verschwiegenheitsverpflichtungen verlangt?
In den Steinmetzbruderschaften des Mittelalters war die Kenntnis von
Zeichen und Paßwort ein streng gehütetes Geheimnis. Für den in
der Regel des Lesens und Schreibens Unkundigen hing die Höhe des Lohnes
davon ab. Heute besitzen derartige Kenntnisse selbstverständlich nur noch
symbolischen Wert. Wenn ihre Bewahrung dennoch jedem Freimaurer zur Pflicht
gemacht wird, geschieht das aus pädagogischen Gründen, als Übung
zur Verschwiegenheit und Selbstbeherrschung. Die Kunst des Schweigens, in
unserer Zeit vielfach verlernt, fördert die Besinnung und die
Fähigkeit wieder zuhören zu können. Ihr Erwerb gehört zur
Vervollkommnung, ohne sie kann es kein Vertrauen geben. Mit anderen Worten:
Schwätzer sind bei und fehl am Platz.
Ist das Erlebnis einer Bruderschaft für die Freimauerei als
tragender Grund ausreichend? Verläßt sich damit in der Loge der
einzelne nur auf Menschen einer Gemeinschaft?
Seit bestehen der Freimaurerei haben viele Millionen Brüder in aller
Welt dieses “Geheimnis” als wertvollen Schatz gehütet und ihn
von Generation zu Generation weitergegeben. Die aus Vertrauen,
Brüderlichkeit, Duldsamkeit erwachsene Hinwendung zum Du des anderen, des
Andersdenkenden, bedeutet kein einfaches Verlassen auf eine Gemeinschaft von
Menschen. Das gemeinsame Erlebnis macht das Geheimnis aus.
Wie steht die Freimaurerei zum Staat?
Verhältnis aller Freimauererlogen zum Staat wird auch heute noch durch
die “Alten Pflichten” der ersten englischen Freimaurerverfassung von
1723 geregelt. Es heißt dort: “Der Maurer ist ein friedlicher
Bürger des Staates, wo er auch wohne und arbeite. Er darf sich nie in einen
Aufstand oder eine Verschwörung gegen den Frieden der Nation verwickeln
lassen.” Die meisten Logen in Deutschland sind eingetragene Vereine, deren
Satzungen beim zuständigen Amtsgericht hinterlegt sind. Dort wird jeder
Wechsel im Amt des Logenmeisters oder Vorstand angezeigt. Mitgliederlisten
erhält das zuständige Gericht, wie in Deutschland üblich,
nicht.
Wenn Freimaurer verpflichtet sind, friedliche Bürger zu sein, wie ist
es dann zu erklären, daß manche von ihnen an Revolutionen und
Freiheitskämpfen teilgenommen haben?
Der einzelne Freimaurer ist an der Stelle, wo er im Leben steht,
selbstverständlich auch oft politisch aktiv und handelt nach seiner
Überzeugung und seinem Gewissen. Dagegen darf und soll seine Loge keine
Stellung in parteipolitischen Auseinandersetzungen beziehen. Kein Freimaurer ist
befugt, im Namen der Loge oder der Großen Landesloge derartige
Erklärungen abzugeben. Nur die Unabhängigkeit von Parteien und
Interessensgruppen macht die Logen zu einer Stätte brüderlicher
Begegnung für Menschen aus allen Gruppen der Gesellschaft.
Erläuterungen:
- Aristokratie [gr.]: Staatsform, Herrschaft des Adels
- Kaiser Jospeh II., * 13.3.1741, + 20.2.1790, Kaiser seit 1765, Sohn Ks.
Franz und Maria Theresias, Vertreter des aufgeklärten Absolutismus,
versuchte in überstürzten Reformen die habsburgischen Territorien zu
einem zentralistischen Staat deutscher Staatssprache umzugestalten.
- Despot [gr.]: Gewalltherr, Willkürherrschaft
- Rezension [lat.]: kritische Besprechung eines Theaterstücks
- Scherge: Gerichtsdiener, verächtlich für
Befehlsempfänger
- Maria Theresia, * 13.5.1717, + 29.11.1780, konnte trotz Übermacht
Preußens ihre Thronrechte behaupten
- Illuminaten [lat.] = Erleuchtete
- Exterritorialität [lat.]; der völkerrechtlich geregelte Status von
Staaten auf dem Gebiet eines anderen Staates
- Opportun [lat.]: passend, nützlich, günstig,
zweckmäßig
- Profan [lat.]: vor dem Tempel gelegen, weltlich,
alltäglich
Quellen:
- 6. Mozart und die Freimaurerei
- Große Landesloge der Freimaurer von
Deutschland
- (INTERNET)
|