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Kepler, Johannes (1571-1630)
Johannes Kepler
Johannes Kepler wurde am 27. Dezember 1571 in Weil der Stadt, einer sehr
kleinen freien Reichsstadt in Würtenberg geboren. Sein Vater, Heinrich
Kepler, aber wurde nicht seßhaft. Abenteuerlust trieb ihn in den
kriegerischen Zeiten als Soldat durch weite Teile Europas. Anfangs zog Keplers
Mutter mit ihrem Mann umher, während Johannes und seine Geschwister beim
Großvaters blieben. Nach einem gescheiterten Versuch der Eltern, durch den
Betrieb eines Gasthofes in der Nähe der Stadt Fuß zu fassen, zerfiel
die Ehe schließlich. Der Vater kehrte zum Söldnerdienst zurück
und verließ die Frau. Er starb 1590 als Hauptmann in der Gegend von
Augsburg.
Früh erkannte die Mutter die besondere geistige Regsamkeit von
Johannes, und so sie strebte für ihren schwächlichen Jungen einen
geistigen Beruf an. Sie schaffte es, Johannes im nahegelegenen Leonberg auf
einer Lateinschule unterzubringen. Durch Fleiß und Begabung gelang es
Johannes 1583 das gefürchtete “Landexamen” zu bestehen. Damit
eröffnete sich ihm der Weg zum Universitätsstudium. Nach einer harten
Ausbildung an den Klosterschulen in Adelberg und Maulbronn und nach Ablegung
eines Examens in Tübingen gelangte er schließlich 1589 als Stipendiat
an die Universität Tübingen.
Hier studierte Kepler lutherische Theologie. Neben einer strengen Schulung
in Latein, Griechisch und Hebräisch gehörten dazu auch Unterweisungen
in Mathematik und Astronomie.
In Tübingen erhielt Kepler eine für die damalige Zeit
vorzügliche Ausbildung, freilich eingezwängt in religiöse
Unduldsamkeit und starre Orthodoxie.
Einen besonders nachhaltigen Einfluß übte der Tübinger
Professor für Mathematik und Astronomie, Michael Maestlin, auf Kepler aus.
Durch ihn wurde er mit der höchst umstrittenen Lehre des Copernicus
bekannt, die von Maestlin allerdings nur als mathematische Hypothese
aufgefaßt wurde. Die großen Probleme der neuen Lehre, die die Sonne
in den Mittelpunkt der Welt stellte, standen allerdings erst bevor.
Damals aber, 1594, hatte man in Tübingen keine Bedenken, den jungen
Magister, einen erklärten Anhänger der copernicanischen Lehre, nach
Graz zu empfehlen. Obwohl Kepler seine theologischen Studien noch nicht
abgschlossen hatte, folgte er auf Zureden von Maestlin der Berufung. Im
Frühjahr 1594 trat Kepler sein Amt an als “Lehrer der Mathematik und
der Moral” an der dortigen Stiftschule und als Mathematiker der
Landesregierung.
Damit gehörte es zu Keplers Aufgabenbereich, Kalender zu berechnen und
drucken zu lassen, die mit allerlei Voraussagen über Wetter,
Ernteaussichten, politische Ereignisse, Sternkonstellationen und daraus
abgeleitete astrologischen Prophezeiungen versehen waren. Mit seinem ersten
Kalender von 1594 hatte Kepler Glück und konnte seinen Ruf als Astrologe
begründen: Seine Voraussagen über große Winterkälte und
einen gefährlichen Einfall der Türken trafen zufälligerweise
erstaunlich genau zu.
Dies war für Kepler eine wichtige Ennahme. Sein Gehalt war mager. Auch
später besserte sich seine finanzielle Lage nicht durchgreifend, da ihm
zwar bessere Gehälter versprochen, aber im allgemeinen nur höchst
unregelmäßig gezahlt wurden. So blieb ihm, da er seine Bücher
auch im wesentlichen auf eigene Kosten drucken lassen mußte, oftmals nur
der Ausweg, dort Geld zu verdienen, wo es zu haben war. Kepler war zutiefst vom
Einfluß des kosmischen Geschehens auf den Menschen überzeugt, da
dieser seinerseits ein Teil des Kosmos sei. In diese Gedankengänge von
einer umfassenden kosmischen Harmonie versenkt, erschien ihm, wie er es empfand,
1595 die Lösung des “Weltgeheimnisses”, das “Mysterium
Cosmographicum”.
Eine spekulative Zusammenschau ordnet den fünf regulären
Polyedern sechs kugelförmige Sphären zu, auf denen die
kreisförmig gedachten Bahnen der damals bekannten Planeten verlaufen. Im
Mittelpunkt steht dabei die Sonne. Die genaue Vorschrift gibt Kepler so an:
”Die Erde ist das Maß für alle anderen Bahnen. Sie umschreibe
ein Dodekaeder; die dieses umspannende Sphäre ist der Mars. Die Marsbahn
umschreibe ein Tetraeder; die dieses umspannende Sphäre ist der Jupiter.
Die Jupiterbahn umschreibe einen Würfel; die diesen umspannende Sphäre
ist der Saturn. Nun lege in die Erdbahn ein Ikosaeder; die diesem
einbeschriebene Sphäre ist die Venus. In die Venusbahn lege ein Oktaeder;
die diesem einbeschriebene Sphäre ist der Merkur.”
Mit einem Schlag wurde Kepler berühmt durch diese Publikation. Der
Professor der Mathematik aus Padua, Galileo Galilei, gab seiner Freude
darüber Ausdruck, einen “Gefährten bei der Erforschung der
Wahrheit” gefunden zu haben.
Aber Kepler erfuhr nicht nur uneingeschränkte Zustimmung: Der
ausgezeichnete dänischen Astronom Tycho Brahe forderte die Erneuerung der
Astronomie auf Grund von Beobachtungen und verwarf die spekulative Methode
Keplers. Immerhin aber erkannte er Begabung und gedanklichte Tiefe Keplers und
lud ihn zu einem Besuch nach Prag ein, wo er bei Kaiser Rudolf II. inzwischen
eine Stellung als Kaiserlicher Mathematiker gefunden hatte. Auf Grund dieser
Einladung hielt sich Kepler Anfang 1600 einige Monate bei Tycho Brahe in Prag
auf.
Die persönlichen Verhältnisse Keplers aber gestalteten sich um
diese Zeit zunehmend schlechter: Die 1597 mit der Witwe Barbara Müller
geschlossenene Ehe wurde nicht glücklich. Auch die finanziellen
Verhältnisse blieben bescheiden. Überdies überlebten nur die
letzten beiden Kinder, Susanne und Ludwig, die Eltern. Mit großer Liebe
hing Kepler auch an seiner Stieftochter Regina, die aus Frau Barbaras erster Ehe
stammte.
Im Sommer 1598 nahmen die Sorgen zu. Die Vertreter der Gegenreformation
griffen zu immer schärferen Maßnahmen. Im Herbst des Jahres 1598
mußten alle Protestanten mit ihren Familien Graz verlassen. Nur für
Kepler, der wegen seiner mathematischen Kenntnisse auch bei den Jesuiten in
hohem Ansehen stand, wurde eine an strenge Bedingungen gebundenen Ausnahme
gemacht. Als aber Kepler seine Tochter in einem Nachbarort evangelisch taufen
und das nach 35 Tagen gestorbene Kind trotz aller Befehle nicht katholisch
begraben ließ, wurde auch er ausgewiesen. Gern wäre Kepler an seine
Heimatuniversität Tübingen zurückgegangen. Aber dort wollte man
ihn nicht haben, da er sich geweigert hatte, die sogenannte Konkordienformel,
die Bekenntnisformel der Lutheraner, anzuerkennen, und daher als ein versteckter
Calvinist galt.
So folgte Kepler einer Aufforderung von Tycho Brahe, zu ihm nach Prag als
Assistent zu kommen. Mitte Oktober traf er mit seiner Familie ein,
niedergedrückt von Schulden und Ungewißheit.
Tycho Brahe hatte in jahrzehntelanger Arbeit ein ganz außerordentlich
umfangreiches und sorgfältiges Beobachtungsmaterial über den Lauf der
Planeten am Himmel aufgehäuft. Seinem neuen Mitarbeiter Kepler stellte
Tycho Brahe die Meßergebnisse über einen einzigen Planeten, die vom
Mars, zur Verfügung. Kepler ging mit Feuereifer an die Arbeit, aber der
Berechnung der Marsbahn stellten sich unerwartete Schwierigkeiten entgegen.
“Mars wehrt sich ständig”, so klagte Kepler.
Schon im Herbst 1601 starb Tycho Brahe an Urämie. Kaiser Rudolf II.
vertraute die kostbaren Instrumente Kepler an und ernannte ihn als Nachfoger
Tycho Brahes zum Kaiserlichen Mathematiker.
Doch der Ärger nahm kein Ende. Wohl war Kepler ein gutes Gehalt
versprochen worden, aber bei den leeren Staatskassen erhielt er es nur
höchst unregelmäßig und nach erst viel Bittstellerei. Dennoch
waren die zwölf Jahre seines Prager Aufenthaltes für Kepler eine Zeit
fruchtbaren Schaffens. Das herausragende Ereignis stellte die Publikation der
“Astronomia Nova”, der “Neuen Astronomie”, im Jahre 1609
dar.
Durch einen glücklichen Zufall hatte Tycho Brahe an Kepler gerade die
Bearbeitung des Mars übertragen, jenes Planeten unter den damals bekannten,
dessen Bahn die größte Exzentrizität aufweist. In unvorstellbar
mühsamen Berechnungen mußte sich Kepler überzeugen, daß
die Beobachtungsdaten nicht mit der damals als selbstverständlich gemachten
Annahme in Übereinstimmung zu bringen waren, daß die Planetenbahnen
Kreise sind.
Es blieb, auch bei Berücksichtigung der Fehlergrenzen von Tycho Brahes
Beobachtungen, bei einer Abweichung von 8 Winkelminuten.
Auch die Zusammensetzung der Marsbahn aus Kreisbogenstücken
führte schließlich nicht weiter. Erst die Annahme einer elliptischen
Bahn ergab die geforderte Übereinstimmung. Hier tritt uns Kepler als einer
der großen, echten Naturforscher überhaupt entgegen: Eine
jahrtausendalte, unumstößliche Gewißheit, die von
kreisförmigen Bahnen aller Himmelskörper, wird aufgegeben,
ausschließlich unter dem Druck von Beobachtungsergebnissen. Die
Naturbeobachtung wird über die Autorität, auch über die Bibel
gestellt, ein unerhörter Schritt für die damalige Zeit. Neun Jahre nur
vor dem Erscheinen der “Neuen Astronomie” hatte wegen derselben
Ketzerei G. Bruno in Rom auf dem Scheiterhaufen sterben müssen.
In der “Neuen Astronomie” werden die ersten beiden Keplerschen
Gesetze ausgesprochen. Diese besagen, daß die Planeten auf elliptischen
Bahnen laufen, und zwar so, daß die Sonne in dem einen Brennpunkt der
Ellipse steht und die Verbindungslinie Sonne-Planet in gleichen Zeiten gleiche
Flächen überstreicht.
Das dritte keplersche Gesetz, wonach sich die Quadrate der Umlaufzeiten der
Planeten verhalten wie die Kuben der großen Halbachsen der entsprechenden
Bahnellipsen, hat Kepler erst wesentlich später entdeckt. Niedergelegt ist
dieses dritte keplersche Gesetz in dem 1619 erschienen Werk “harmonices
Mundi” (Weltharmonik).
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Mit der Entdeckung der Keplerschen Gesetze war die copernicanische
Astronomie um ein wesentliches Stück weitergebracht worden. Kepler selbst
hat noch ein Lehrbuch der copernicanischen Astronomie geschrieben; es erschien
in drei Teilen unter dem Titel “Epitome Astronomiae Copernicae”
(Abriß der Copernicanischen Astronomie). Kepler mußte vor seinen
Veröffentlichungen ausführliche Studien zur antiken Kegelschnittlehre
treiben und diese für seine Absichten weiterentwickeln.
Die elliptische Planetenbewegung beschrieb er mit der Brennpunktsgleichung
r = a + e cos u, in der u die exzentrische Anomalie bedeutet. Von Kepler stammen
ferner die Fachausdrücke “Exzentrizität” sowie
“Aphel” und “Perihel” für sonnenfernsten bzw.
sonnennächsten Punkt der Ellipsenbahn.
Auch für die weitere Entwicklung der Physik wurde die “Neue
Astronomie” schrittmachend: Erstmals wurden hier nicht nur die Formen der
Planetenbahnen untersucht, sondern auch von Mystik und Religion befreite
Vorstellungen über die Ursachen der Planetenbewegung entwickelt. Nicht mehr
Engel führten die Planeten, sondern eine Art Magnetismus.
Schließlich, 1621, bezeichnete Kepler als die Ursache der Bewegung eine
von der Sonne ausgehende Kraft (vis). Nur dreizehn Jahre nach Keplers Tode wurde
Isaac Newton geboren. Er schloß aus den Keplerschen Gesetzen zurück
auf die Existenz einer allgemeinen Anziehungskraft (Gravitation).
Zu dieser Zeit hatte Galileo Galilei als erster das Fernrohr auf den Himmel
gerichtet und eine Reihe sensationeller Entdeckungen gemacht.
Begeistert über Galileis Entdeckungen schrieb Kepler eine
ausführliche Abhandlung. Sein kühner Gedankenflug ging hin bis zur
Vision kosmischer Flüge.
In die Prager Zeit fiel schließlich auch Keplers Beitrag zur Optik,
seine “Dioptrie” vom Jahre 1611, in der die geometrische Optik
behandelt und der Strahlengang in dem nach ihm benannten Fernrohr konstruiert
wird.
Underdes aber war Keplers Lage in Prag unhaltbar geworden, trotz des
überaus hohen Ansehens, das er in aller Welt unter den Astronomen
genoß. Seine Feinde, denen der Protestant Kepler am Hofe des katholischen
Kaisers schon immer ein Ärgernis gewesen war, witterten Morgenluft, da
Kepler seinem alten Beschützer Rudolf II. noch die Treue hielt, als dieser
längst schon seine Macht an Kaiser Matthias verloren hatte. Eine von Kepler
angestrebte Berufung nach Tübingen zerschlug sich abermals wegen des
Verdachtes, ein Calvinist zu sein.
Mitte 1611 fand Kepler eine Anstellung durch die Stände des
Erzherzogtums Österreich ob der Enns, und zwar im protestantischen Linz. Im
Jänner 1612 starb Rudolf II., bald darauf reiste Kepler endgültig nach
Linz ab.
Keplers Frau Barbara starb 1611 in Prag am Fleckfieber. Die
zehnjährige Susanne und der fünfjährige Ludwig waren zu
versorgen. Im Spätherbst 1613 ging Kepler mit Susanne Reuttinger, eine
zweite Ehe ein.
In einer merkwürdigen Weise ist Keplers zweite Ehe mit dem Entstehen
eines Buches verknüpft, das zur Herausbildung der Integralrechnung
beigetragen hat. Er hatte zur Feier der Wiedervermählung Weinfässer
bestellt und der Verkäufer hatte diese unterschiedlich großen
Fässer mit einer Meßrute ohne Rücksicht auf ihre Form den Inhalt
gemessen.
Demnach sah sich Kepler mit dem unbefriedigenden Zustand der sogenannten
Kunst des Visierens konfrontiert, jener Methode, mit Hilfe einer ins Spundloch
gesteckten Meßlatte den Rauminhalt des Fasses zu bestimmen. Kepler fand
genauere Regeln und Beweise; sie sind niedergelegt in dem 1615 erschienenen Buch
“Nova stereometria doliorum vinariorum” (Neue Stereometrie der
Weinfässer). Einen Auszug in deutscher Sprache, in dem praktische Regeln
für die Visierer zusammengestellt waren, ließ Kepler ein Jahr
später unter dem Titel “Auszug aus der Uralten Messekunst
Archimedis” erscheinen. Kepler griff dabei zurück auf die aus der
Antike stammenden Methoden der Volumenberechnung, insbesondere auf die
hervorragenden Leistungen, die Archimedes erzielt hatte. Und doch ging Kepler
methodisch weit über Archimedes hinaus, indem er Begriff und Redeweise vom
unendlich Kleinen in mathematische Rechenmethoden einbezog.
Aus Kugeln, Zylindern, Kegeln und Kegelstümpfen setze Kepler
komplizierte Körper näherungsweise zusammen, zum Beispiel das
Faß aus Zylinder und zwei Kegelstümpfen. Hier hat man die
ursprüngliche Form der heutigen Integralrechnung.
Insgesamt war Kepler so imstande, weit über Archimedes auch
hinsichtlich der Fülle von Körpern hinauszugehen, die dem Inhalt nach
berechenbar wurden. Kepler gab unter anderem auch Verfahren an für Torus,
Quitte, Kürbis, Olive, Spindeln und andere mehr.
Doch galt Keplers Hauptinteresse während der Linzer Zeit der
Astronomie. Nach der Enthüllung des Bauplanes des Planetensystems und der
Aufstellung der Bewegungsgesetze der Planeten machte sich Kepler an die Arbeit,
die “Rudolphinischen Tafeln” zu berechnen.
Hier vollbrachte Kepler die vom Arbeitsaufwand her größte
Leistung. Die Rechnungen wuchsen ins Uferlose, ein Ende schien unabsehbar. Doch
kam Kepler zu rechten Zeit ein neues Hilfsmittel zustatten, die Einführung
der Logarithmen.
Im Frühjahr 1624 war Kepler endlich mit beiden Teilen der
“Rudolphinischen Tafeln” fertig. Sie stellen astronomische Tafeln
zur Berechnung der Sonnen- und Mondörter und damit der
Verfinsterungstermine, ferner der Planetenorte dar, und zwar für jede Zeit,
vor oder nach Beginn der christlichen Zeitrechnung. Ein zweiter Teil enthielt
die Anweisungen zur Benutzung der Tafeln.
Die Schwierigkeiten, denen sich Kepler bei der Drucklegung
gegenübersah, sind kaum zu schildern: das Problem der Finanzierung und der
immer stärker das Wirtschaftsleben einschnürrende Krieg. Nachdem er
fast ganz Süddeutschland nach einem noch zum Druck geeigneten Ort
durchstreift hatte, fand er schließlich in Ulm einen Drucker. Anfang
September 1627 endlich war die Drucklegung der 1000 Exemplare der
“Rudolphinischen Tafeln” vollendet. Sie wurden für nahezu zwei
Jahrhunderte zum unentbehrlichen Hilfsmittel der Astronomie.
Allerdings hatte der Druck nur auf eingene Kosten erfolgen können. Das
Werk belastete daher Keplers Finanzlage sehr, zumal es wegen des Krieges nicht
günstig verkauft werden konnte.
Kepler selbst und seine Familie waren aufs schwerste von der
Zerrüttung der gesellschaftlichen Zustände betroffen.
Nur mit größter Mühe, schließlich nur, indem er
seinen hohen Titel “Kaiserlicher Mathematiker” in die Waagschale
warf, vermochte er die von Protestanten als Hexe angeklagte Mutter vor dem
Scheiterhaufen zu retten.
Mit der protestantischen Gemeinde Linz kam es zum Bruch, für den
tiefgläubigen Kepler ein schwerer Schlag.
Ein Antrag auf Revision des Linzer Urteils in Tübingen verschlimmerte
die Lage noch, er erhielt eine von Hohn und Haß diktierte Antwort.
Zusätzlich lastete man ihm noch sein Eintreten für das Copernicanische
Weltbild an. Als Folge des Ausschlusses ging die Zahl der Schüler von
Kepler stark zurück; dies bedeutete einen weiteren schweren finanziellen
Schlag.
Ende 1625 wurden die Protestanten aus Linz ausgewiesen; Kepler erhielt nur
einen Aufschub.
Nach dem Druck der “Rudolphinischen Tafeln” geriet Kepler in
die größte Sorge um seinen Lebensunterhalt. Schließlich fand er
eine Anstellung bei dem von astrologischen Wahn besessenen Kaiserlichen
Oberbefehlshaber Wallenstein, der Kepler hauptsächlich als Astrologen in
seine Dienste nahm. Als Wohnort wurde Kepler zunächst Sagan im damaligen
Schlesien zugewiesen. Kepler ging unverzagt an die Arbeit, er rechnete weiter an
den “Ephemeriden”, das sind Tabellen künfitiger
Planetenstellungen, von Sonnen- und Mondfinsternissen und anderem mehr. Bereits
im Sommer 1630 begann Kepler in einer von Wallenstein eingerichteten Druckerei
mit dem Druck eines neuen Buches, dem “Traum vom Mond”, in dem die
Verhältnisse auf dem Mond und unter seinen Bewohnern geschildert
werden.
So schien sich alles wenigstens erträglich zu entwickeln, nur das Geld
blieb knapp. Als aber Wallenstein beim Kaiser in Ungnade gefallen und damit die
Hoffnung geschwunden war, Wallenstein könne die beträchtlichen Gelder
beitreiben, die der Kaiser noch an Kepler schuldete, da machte sich Kepler im
Herbst 1630 über Leipzig und Nürnberg auf den Weg nach Regensburg, wo
er selbst auf dem Kurfürstentag beim Kaiser vorstellig werden wollte.
Geschwächt von den Strapazen des langen Rittes durch das vom Krieg
gepeinigte Land, erkrankte Kepler in Regensburg. Er starb nach schwerem Leiden
am 15. November 1630.
Als Lutheraner durfte Kepler nur außerhalb der Stadtmauern des
katholischen Regensburg bestattet werden. Schon 1634, während der
Belagerung Regensburgs durch schwedische Truppen, wurde das Grab zerstört.
Die Stelle wurde unauffindbar.
Alle Hoffnungen von Frau Susanne auf Auszahlung der rückständigen
Gehälter zerschlugen sich. In großer Armut starb sie 1636. Keplers
umfangreicher Nachlaß wurde 1765 in einem Koffer in Frankfurt am Main
wiederentdeckt, doch fand sich in Deutschland niemand, der ihn übernehmen
wollte. Schließlich kaufte auf Empfehlung L. Eulers die russische Zarin
Katharina II. Keplers nachgelassene Schriften und Briefe auf. Sie werden heute
in Leningrad bei der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften als kostbarer
Besitz aufbewahrt.
Erklärungen:
Orthodoxie - Rechtgläubigkeit, Strenggläubigkeit;
Lateinschule - Gymnasium, das alte Sprachen (vor allem Latein) lehrte;
Griechisch trat erst seit 1500 hinzu, wurde aber bis 1750 nur zum Studium des NT
erlernt;
Polyeder - vielfach, von geradlinigen, ebenen Vielecken begrenzter
Körper;
Dodekaeder - von 12 Flächen begrenzter Körper;
Tetraeder - eine von 4 kongruenten, gleichseitigen Dreiecken begrenzte
Pyramide;
Ikosaeder - von 20 gleichseitigen Dreiecken begrenzter
regelmäßiger Körper;
Oktaeder - 4seitige Doppelpyramide mit 8 kongruenten gleichseitigen
Dreiecken;
Calvinist - Anhänger der Lehre des Calvinismus = unterscheidet sich
vom Luthertum in der Auffassung des Abendmahls (Gegenwart Christi im Geiste) und
durch die Betonung der Prädestination (Erlösung oder Verdammung des
einzelnen Menschen sind vorherbestimmt);
Urämie - Harnvergiftung;
Exzentrizität - bei Kegelschnitten: 1. lineare E., Abstand zwischen
Brennpunkt und Mittelpunkt 2. numerische E., das Verhältnis zwischen
linearer E. und großer Halbachse
Integralrechnung - die Umkehrung der Differernzialrechnung: das Verfahren
(Integrationsverfahren), aus der Ableitung einer Funktion die Funktion selbst zu
ermitteln;
Stereometrie - Raumlehre, die Geometrie des dreidimensionalen
Raums;
Torus - schlauchringförmiger mathematischer Körper;
Quitte - Cydonia, Gattung der Rosengewächse; die Gemeine Q. ist ein
2-4 m hoher Obstbaum mit gelben, birnen- oder apfelförmigen
Scheinfrüchten, die hauptsächlich zu Gelee verarbeitet
werden;
Logarithmen - die Zahl mit der man in der Gleichung ab =
c die Zahl a (Basis) potenzieren muß, um die Zahl c zu
erhalten;
Ephemeriden - Tabellen, in denen die Stellung eines Gestirns am Himmel oder
sein Ort innerhalb seiner Bahn um einen Zentralkörper für eine
regelmäßige Folge von Zeitpunkten angegeben ist.
L. Euler - Leonhard Euler, schweizer Mathematiker;
1. Keplersche
Gesetz:
Planeten bewegen sich auf
Ellipsenbahnen, wobei die Sonne in einem Brennpunkt der Ellipse
steht.
2. Keplersche
Gesetz:
Die Verbindungslinie Sonne-Erde
überstreicht in gleichen Zeiten gleiche Flächen.
3. Keplersche
Gesetz:
Die Quadrate der Umlaufzeiten
verhalten sich wie die Kuben der Großen Halbachsen.
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