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Die Berliner S-Bahn
Inhaltsverzeichnis
1.1 Die ersten Bahngesellschaften und die Netzentstehung1.2 Das Material
3.1 Die erste Viaduktbahn Europas3.2 Der große Tunnel
4.1 Der 2. Weltkrieg 4.2 Die Zerstörung4.3 Der Wiederaufbau
5.1 Die Teilung Berlins 5.2 Der Bau der Berliner Mauer am 13. August 19615.3 Boykott der Berliner Stadtbahn
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1. Entwicklung des
Streckennetzes
1.1 Die ersten Bahngesellschaften und die
Netzentstehung
Die große S-Bahn Geschichte begann 1838 mit der Eröffnung der
Eisenbahn Berlin - Potsdam. Danach entwickelten sich zahlreiche
Bahngesellschaften, die ihr Ausgangspunkt in Berlin hatten und ihren
Kopf-Endbahnhof in einem anderen Stadtteil besaßen. Im September 1851 ist
für den Güterverkehr zwischen den einzelnen Kopfbahnhöfen Berlins
die erste Berliner Stadtbahn gegründet, sie verbindet folgende
Kopfbahnhöfe : Stettiner, Hamburger, Potsdamer und Anhalter Bahnhof. Ab
Oktober 1851 ist auch der Frankfurter Bahnhof (heute Ostbahnhof) und ab 1866 der
Görlitzer Bahnhof an diese Verbindungsbahn angeschlossen.
Wegen enger Gleisradien und lebhaften Straßenverkehrs wurde der
Betrieb auf die Verbindungsbahn erschwert, deswegen wurde beschlossen eine
Gürtelbahn weit außerhalb der damaligen Stadt zu bauen. Am 17. Juli
1871 war die Gürtelbahn, jetzt Ringbahn, von Schöneberg über
Tempelhof - Rixdorf (Neuköln) - Stralau - Weißensee - Gesundbrunnen
nach Moabit fertiggestellt. Am 1. Januar 1872 begann auch der Personenverkehr
auf dem ersten Ringbahn-Teilabschnitt.
Am 15. November 1877 wurde der fehlende Teil des Ringes, der von Moabit
(Berlin - Lehrter Eisenbahn) nach Schöneberg über Charlottenburg
(heute Westend), (heute Hallensee) und Wilmersdorf durchgeht, beendet. Der
Durchmesser des Ringes beträgt zirka 8 Kilometer in der Nord-Süd
Richtung und 12 Kilometer in der Ost-West Richtung.
Bereits 1875 beginnt der Bau der Stadtbahn, der erste Viaduktbahn Europas,
von West nach Ost quer durch das “Häusermeer" Berlins. Ab Mai 1882
wird die viergleisige Strecke für den Vorortverkehr und die Fernzüge
eröffnet, aber bald reicht es nicht mehr aus, und die Fernzüge
müssen wieder in den ehemaligen Kopfbahnhöfen anhalten
(Charlottenburg, bzw. Schlesischer Bahnhof).
Mit Stadtbahn, Ringbahn und den ergänzende Vorortstrecken entlang der
Fernbahnen ist Berlins Stadtbahnnetz komplett. Elf Millionen Passagiere werden
1882 befördert.
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1.2 Das MaterialAuf
Stadt-, Ring- und Vorortbahnen fahren die Züge mit Dampflokomotiven. Die
Züge wurden aus einer “Stadtbahnlokomotive" pr T 12 oder pr T 14 und
kurzgekuppelten zwei- und dreiachsigen Abteilwagen zusammengesetzt.
Aber die Leistung der Dampflokomotiven sind für modernen
Schnellverkehr wie in Berlin nicht geeignet, deswegen stellen bereits 1888
Siemens und die Union-Elektrizitäts-Gesellschaft (heute AEG) Projekte
über eine elektrisch betriebene Stadtbahn vor.
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2 Die große
Elektrifizierung
Trotz der Entwicklung leistungsfähiger Dampflokomotiven und
längerer Züge konnte der Verkehrsaufkommen auf den Berliner Stadt-,
Ring und Vorortbahnen nur sehr schwierig gestaltet werden. Dazu kamen die
ständigen Klagen der Bevölkerung über die Umweltverschmutzung
durch die beim Dampfbetrieb verursachten Feuerungsabgase, Qualmentwicklungen und
Rußablagerungen. All dies konnte mit dem elektrischen Betrieb erreicht
werden : sauberer Betrieb,
dichtere Zugfolgen und wesentliche Verkürzung der
Fahrzeiten.
Siemens begann am 13. Juli 1900 auf der 12 Kilometer langen Wannseebahn
einen elektrischen Probebetrieb. Der Triebwagen wurde mit 750 V Gleichstrom
betrieben. AEG folgt erst am 4. Juni 1903 auf der Strecke Berlin-Potsdamer
Ringbahnhof. Der Abteiltriebwagen wurde mit 550 V betrieben. Die erreichte
Durchnittsgeschwindigkeit war 32 Km/h
1913 wird nach langem Kämpfen das Gesetz zur Elektrifizierung der
Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen vom preußischen Landtag
angenommen.
Der erste Weltkrieg unterbrach die Probefahrten und Versuche, aber schon
Ende 1918 wurden die Vorarbeiten für den elektrischen Betrieb der Berliner
Stadt-, Ring- und Vorortbahnen wieder aufgenommen.
Es wurde 1921 nach zahlreichen Versuchen beschlossen die Berliner Stadt-,
Ring- und Vorortbahnen über Energiezuführung durch Stromschienen mit
800 V Gleichstrom zu elektrifizieren. Die Entscheidung für die Stromschiene
war leicht, weil man so eine hohe bauliche Aufwendung in Berlin Stadtmitte mit
seinen vielen Brücken und Tunnels wegen einer Überleitung ersparen
wollte. Man wählte 800 V als Standard Spannung aus um robuste Motoren bauen
zu können. Und weil die Probefahrten mit Triebwagen geführt wurden,
kam es nicht in Frage Lokomotiven einzusetzen.
Bereits 1919 wurden die Bauarbeiten für die Elektrifizierung der
Nordstrecken vom Berliner Stettiner Vorortbahnhof nach Velten angefangen. Aber
durch die Inflation konnte erst am 8. August 1924 der erste elektrifizierte
Streckenabschnitt (Berlin Stettiner Vorortbahnhof - Bernau) in Betrieb genommen
werden. Erst 1927 waren die Bauarbeiten zu Ende, damit war ein erstes 70,5
Kilometer langes, geschlossen betriebenes Netz geschaffen.
Diese Strecke diente der Sammlung von Erfahrungen für die spätere
Elektrifizierung der Stadtbahn und der Vorortstrecken. Endlich entschließ
sich die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft im Juli 1926, die Elektrifizierung
durchzuführen.
Alle Bahnsteige mußten auf 96 cm über Schienenoberkante
erhöht werden. Da laut Eisenbahnbau- und Betriebsordnung nur 76 cm
zugelassen sind, war hierfür eine Ausnahmegenehmigung erforderlich, die
erst nach dem Bau von Versuchsbahnsteigen in dieser Höhe auf dem Bahnhof
Berlin-Tempelhof erteilt wurde.
Am 20. März 1929 wurde auf der Stadtbahn und den Vorortstrecken der
neue Fahrplan für den vollen elektrischen Betrieb eingeführt. Damit
verschwanden die Dampflokomotiven von den Gleisen. Es erbrachte wirklich viele
Vorteile :
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Vor der Elektrifizierung
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Nach der Elektrifizierung
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Zugfolge
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2,5 Minuten
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2 Minuten
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Berufsverkehr
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24 Züge/St.
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28 Züge/St.
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außerhalb des Berufsverkehrs
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18 Züge/St.
|
24 Züge/St.
|
Die Reisezeiten wurden auch verkürz. Hier ein paar Beispiele
:
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Strecke
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Vor der Elektrifizierung
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Nach der Elektrifizierung
|
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Charlottenburg-Schlessischer Bahnhof
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31 Minuten
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22 Minuten
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Friedrichstraße-Potsdam
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59 Minuten
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44 Minuten
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Friedrichstraße-Erkner
|
62 Minuten
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46 Minuten
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Friedrichstraße-Grünau
|
44 Minuten
|
33 Minuten
|
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Friedrichstraße-Kaulsdorf
|
37 Minuten
|
27 Minuten
|
Anfang des Jahres 1929 betrug die elektrifizierte Streckenlänge 192
Kilometer.
Das Kürzel “S-Bahn", der 1930 eingeführt wurde, hat keinen
festen Ursprung (Zeitschrift Die Reichsbahn, Heft 52 vom 24. Dezember 1930,
Seite 1322 : “Die Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen werden
künftig kurz S-Bahn heißen. Die Reichsbahn beabsichtigt, soweit es
die knappen Mittel gestatten, nach und nach Tafeln und Transparenten
anzubringen, auf denen das weiße S auf grünem Grunde weithin
leuchtet.")
Aber dieser neue Name und Logo wurde von den Berlinern nur für die
elektrifizierten schnellen Strecken benutzt und nicht für die alten
Dampfstrecken.
In Mai 1933 folgte die Elektrifizierung der letzten Strecken
(Wannseebahn...).
Das Material der Berliner S-Bahn wurde endlich schneller, komfortabler,
leiser und stank nicht mehr wie vorher. Ein voller Zug war aus vier
Viertelzügen zusammengestellt und ein Viertelzug besaß zwei Wagen
(Steur- plus Beiwagen oder Trieb- plus Beiwagen). Das Farbshema der S-Bahn
(gelbe und rote Streifen) entspricht dem Vorkriegsshema der Deutschen Reichsbahn
Gesellschaft (DRG).
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3 Typische Bauwerke der Berliner
S-Bahn
3.1 Die erste Viaduktbahn
Europas
Die Berliner S-Bahn war die erste Viaduktbahn Europas, sie überquerte
Berlin von West nach Ost auf 731 Wölbbögen, die für zahlreiche
Geschäfte, Läger, Handwerksbetriebe und Gasstätten benutzt wurden
und der große Vorteil war, daß es keine Bahnübergänge gab,
die den Straßenverkehr der Stadt störten.
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3.2 Der große
Tunnel
Einer der interessantesten Abschnitte des Berliner S-Bahn-Netzes ist die
Nord-Süd-S-Bahn mit ihrem 5,8 km langen Tunnelstück. Sie verbindet die
nördlichen und südlichen Stadtteile Berlins. Die Trasse der
Nord-Süd-S-Bahn führt mitten durch die dichtbebaute Berliner
Innenstadt, deswegen wurde der Streckenverlauf nicht oberirdisch geführt.
Der Tunnel streckte sich vom Stettiner bis zum Anhalter Bahnhof hin und
unterfuhr zahlreiche Gebäude, die Spree und den Landwehrkanal und zweimal
wird die städtische U-Bahn gekreuzt. Die Bauarbeiten begannen 1934 im
Norden Berlins.
Am 28. Juli 1936 wurde der Nordabschnitt der Nord-Süd-S-Bahn bis zum
Bahnhof Unter den Linden in Betrieb genommen. Damit umfaßte jetzt das
elektrifizierte S-Bahnnetz 270 km Streckenlänge und 667 km Gleise waren
für den elektrischen Zugbetrieb ausgerüstet.
1936 während der Olympischen Spiele in Berlin gab es einen enormen
Betrieb : 38 S-Bahnzüge in der Stunde in gleicher Richtung, alle 90
Sekunden ein Zug. Diese Leistung wurde nie wieder erreicht.
Die Inbetriebnahme des Südabschnittes bis zur Wannseebahn geschah am
9. Oktober 1939. Die Reststrecke Anhalter Bahnhof - Yorckstraße folgte am
6. November 1939.
Die Gesamtbaukosten der Nord-Süd-S-Bahn betrug rund 142 Millionen
Reichsmark, davon 127 Millionen Reichsmark für die 5,8 km langen
Tunnelstrecke.
Der Ausbau der Berliner-S-Bahn war damit in der Innenstadt abgeschlossen.
1939 beförderte die S-Bahn rund 1,2 Millionen Fahrgäste mit 3500
S-Bahn-Zügen täglich.
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4 Krieg, Zerstörung und
Wiederaufbau
4.1 Der 2.
Weltkrieg
Im zweiten Weltkrieg konnte der Betrieb der elektrische Berliner S-Bahn
einigermaßen erhalten werden, trotz Verdunklung und Bombenkrieg, dies war
ziemlich wichtig für die innerstädtische Kommunikation. Erst im Laufe
des Jahres 1944 kam es, besonders in den Abend- und Nachtstunden, zu
wesentlichen Betriebseinschränkungen.
Die Fenster der Trieb-, Steuer-, und Beiwagen wurden mit Pappe verkleidet
und man konnte nur aus “Bullaugen" nach draußen sehen und die
Stirnwände wurden mit Schutzbügeln versehen, die bei
Dunkelheit auf den unbeleuchteten Bahnsteigen die große Lücke
zwischen zwei Viertelzügen absicherten.
Wegen der Kämpfe um Berlin am 16. April 1945 gab es ab dem 20. April
immer mehr Betriebseinstellungen, besonders auf dem östlichen Teil des
Netzes. Am 24. April konnte man nur noch im Südwesten der Stadt mit der
S-Bahn fahren und am 26. April brach die Stromversorgung ein, wegen
Kohlemangel.
Während in den Jahren 1941 bis 1944 täglich rund 2 Millionen
Fahrgäste befördert waren, waren es im Oktober 1945 circa 1 Million
Reisende. Für den Zugbetrieb standen 1941 rund 1050 und 1945 nur etwa 260
Viertelzüge zur Verfügung.
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4.2 Die
Zerstörung
Die Kriegsschäden waren gewaltig und kaum übersehbar :
beschädigte und zerstörte Unterwerke (Transformatoren) und
Kabelverbindungen, durch Bomben oder Artillerie zerstörte Bahnbetriebswerke
(Werkstätten), an zahlreichen Stellen konnte
man den Oberbau nicht mehr benutzen, die meisten Brücken waren
zerstört oder unpassierbar, die Tunneldecke des
Nord-Süd-S-Bahn-Tunnels unter dem Landwehrkanal gesprengt, und durch
Luftangriffe waren ein Großteil des Fahrzeugparks, Bahnhöfe,
Stellwerke, Signale und Sicherrungseinrichtungen beschädigt
worden.
Bald fiel die Berliner-S-Bahn unter die Demontagen zum Opfer : die
elektrischen Einrichtungen der Unterwerke wurden geklaut, das Ausbesserungswerk
Schöneweide wurde gestürmt und die gesamte Strecke von Ostkreuz bis
Erkner zerstört.
Von den gebliebenen Fahrzeugen mußten ungefähr 80
Viertelzüge an die Polnische Staatsbahn abgegeben werden und sind zum Teil
noch heute auf den Strecken Danzig-Zoppot-Gedingen-Neustadt und
Danzig-Neufahrwasser im Einsatz. Danach requirierte die Sowjetunion eine
große Zahl von S-Bahnwagen, die sie aber 1952 zum Teil
zurückgab.
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4.3 Der
Wiederaufbau
Trotz der Kriegszerstörungen konnte schon am 6. Juni 1945 der
elektrische Zugbetrieb eingleisig und mit nur einem Zugpaar morgens und abends
zwischen Zehlendorf und Schöneberg wiederaufgenommen werden. Ab 21. Juli
1945 kam es zum ersten regelmäßigen S-Bahn Betrieb mit 12 Zugpaaren
täglich zwischen Wannsee und Großgörschenstraße über
Zehlendorf und Schöneberg.
Bis zum Ende des Jahres 1945 gelang es, den größten und
wichtigsten Teil des Netzes, zum Teil eingleisig, unter großen
Schwierigkeiten wieder in Betrieb zu nehmen, ausgenommen die
Nord-Süd-S-Bahn und die Strecken Ostkreuz-Treptower Park und Berlin
Potsdamer Fernbahnhof-Zehlendorf. Und aus der anfänglichen 60-Minuten
Zugfolge wurde auf Ring- und Stadtbahn langsam wieder ein
10-Minuten-Betrieb.
Da der Nord-Süd-S-Bahn-Tunnel durch die Sprengung unter dem
Landwehrkanal am 2. Mai 1945 um 7.55 Uhr zum Teil unter Wasser stand und nicht
mehr befahren werden konnte, wurden im oberirdischen Stettiner Fernbahnhof und
Potsdamer Ringbahnhof eine oberirdische Umleitung eingerichtet.
Obwohl dieser Tunnel im 2. Weltkrieg Tausende von Berlinern eine Zuflucht
gab, barg man etwa 90 Leichen als der Tunnel im November 1945 leergepumpt wurde.
Andere Opfer waren auch die hier, zum Schutz vor den Bomben und Luftangriffen,
abgestellten S-Bahnwagen.
Trotz der erheblichen Schwierigkeiten beim Wiederaufbau konnte der
Nord-Südbahntunnel am 31. Januar 1946 wieder befahren werden, aber erst am
16. November 1947 konnte der Tunnel wieder in seiner vollen Länge in
Betrieb genommen werden.
Der Wiederaufbau der Strecke Ostkreuz-Erkener wurde im November 1948
abgeschlossen.
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5.1 Die Teilung
Berlins
Die Aufteilung Berlins in vier Sektoren gab der S-Bahn einen besonderen
Status, zum Beispiel sind 1945 die Betriebsrechte von den Westmächten der
Deutschen Reichsbahn überlassen worden, die dem Verkehrsministerium der
Deutschen Demokratischen Republik unterstand.
Der Betrieb der Berliner S-Bahn wurde der Ostberliner Reichsbahndirektion
überantwortet inklusive den Westsektoren, aber die Untergrundbahn (U-Bahn)
kam unter Regie der Westberliner Verkehrsgesellschaft BVG. 1952 wurden
plötzlich die Straßenbahnen und Omnibusse nicht mehr über die
Grenze nach Ostberlin gelassen, aber U- und S-Bahn fuhren weiter hin zwischen
den beiden Ost- und Westsektoren.
Eine Besonderheit des Berliner S-Bahn-Verkehrs der 50er Jahre
waren die sogenannten “Durchläufer", Züge, die nur im
Berufsverkehr zwischen Ostberliner und in der DDR gelegenen Bahnhöfen
verkehrten, und die die Westberliner S-Bahnhöfe ohne Halt passierten. Die
“Durchläufer" waren an den Richtungsschildern an der Zugspitze, die
mit einem Diagonalstrich von links unten nach rechts oben versehen waren, zu
erkennen.
Aber in den 50er Jahren wurde die Situation immer gespannter : die
Berliner-S-Bahn wurde exterritorial in Westberlin. Dies überwachte eine
sogenannte ostdeutsche Bahnpolizei. Noch dazu unternahm die oststädtische
Stadtverwaltung Symbole ihres Staates auf Stadtbahnhöfen auszuhängen.
Die Berliner S-Bahn fuhr sogar nur mit Ostberliner Strom und es war um die
Hälfte billiger mit der S-Bahn in Westberlin zu fahren als mit der dortigen
Verkehrsgesellchaft.
Ende 1957 hatte das elektrifizierte Streckennetz eine Ausdehnung von 344,7
Kilometern. Für den Betrieb standen 733 Viertelzüge zur Verfügung
, dabei handelte es sich ausschließlich um unbeschädigt gebliebene
Fahrzeuge und wiederhergestellte, im Krieg beschädigte Trieb-, Steur- und
Beiwagen.
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5.2 Der Bau der Berliner Mauer am 13.
August 1961
Die politischen Ereignisse führten im August 1961 auch zu einer
Trennung des S-Bahn Netzes. Im Westteil der Stadt entstand ein vom restlichen
Netz vollkommen isolierter Inselbetrieb, sämtliche über die Grenzen
der Westsektoren führenden Strecken wurden bis auf eine
Überführungsmöglichkeit für S-Bahn-Fahrzeuge am Bahnhof
Friedrichstraße unterbrochen. Noch wurde der elektrische Betrieb bis auf
zwei Ausnahmen (Velten - Hennigsdorf und Oranienburg - Hohen Neuendorf) auf
allen an West-Berlin anstoßenden Vorortstrecken eingestellt und die
über die Grenzen führenden Gleise zum Teil abgebaut.
In den ersten Tagen nach der Absperrung begannen die Fahrgastzahlen zu
sinken, aber die einzige Strecke nach Ostberlin war ungewöhnlich voll,
solange die Bürger Westberlins die andere Stadt noch betreten
durften.
Der Bahnhof Friedrichstraße wurde zum östlichen Endpunkt des
westlichen Teiles und westlicher Endpunkt des östlichen Abschnittes der
Stadtbahn ; die S-Bahn-Gleise endeten an verschiedenen Bahnsteigen und hatten
keine Berührung miteinander, sie waren auch mit Sichtblenden getrennt. Das
war auch der Bahnhof, wo die Fahrgäste der Nord-Südstrecke umsteigen
mußten um wieder nach Westberlin zu kommen.
Auf der Nord-Süd-S-Bahn wurden die Bahnhöfe Potsdamer Platz,
Unter den Linden, Oranienburger Straße, Nordbahnhof (Stettiner Bahnhof)
und der Bahnhof Bornholmer Straße geschlossen, die Züge fuhren ohne
Halt durch.
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5.3 Boykott der Berliner
Stadtbahn
Am 17. August rief der westdeutsche Gewerkschaftsbund in Berlin (DGB) auf
zum Boykott der Stadtbahn und nahm dabei Bezug auf die Mauer. Und sofort wurde
der Fahrpreis für Westberliner von der Ostberliner Reichsbahndirektion in
Westgeld erhoben, wenn sie im Osten einstiegen.
Am 19. August boykottierten schon 100.000 Fahrgäste der 500.000 die
S-Bahn, weil sie einfach empört waren der kommunistischen Regierung mit
Westgeld zu helfen.
Es wurden auch Leute am Bahnhof Zoo angegriffen und als
“Kommunistenschweine" beschimpft, wenn sie zum Fahrkartenschalter traten.
Das Motto war einfach : “Keinen Pfennig für Ulbricht !", “Die
S-Bahn unter Westkontrolle !", “Jeder Westberliner S-Bahn-Fahrer bezahlt
den Stacheldraht am Brandenburger Tor !".
Der DGB erklärte am 20. August, er wollte nicht zu Gewalt gegen
Einzelgänger geraten haben. Am 21. standen Plakatträger vor 46
Stadtbahnhöfen. Am 24. August
betraten nur noch 100.000 Fahrgäste die Stadtbahn. Die SPD rief am 17.
Oktober 1961 zur Fortsetzung des Boykotts.. Trotz der Erpressungen blieb die
Zahl von etwa 100.000 Fahrgästen am Tag bis 1963 beständig.
Die Einnahmen der Berliner-S-Bahn in Westberlin nahmen kräftig
zurück, von 2 Millionen Westmark auf 600.000 Westmark nach der Sperrung.
“Eine Rolle Stacheldraht zu zwölf Metern kostet, bei Abnahme
größerer Posten, 4 Mark".
Wegen des Boykotts kamen Rund 400.000 Fahrgäste zur BVG und die
mußte sogar private Omnibusse mieten. Es wurden sogar vorher unrentable
Buslinien, die parallel zu S-Bahn Strecken waren, eingesetzt.
Aber die Berliner Stadtbahn gehörte nicht mal dem ostdeutschen Staat,
sondern sie war ein Bestandteil der Reichsbahn, wie in Hamburg. Das gesamte
Vermögen der Reichsbahn wurde nach der deutschen Kapitulation von den
alliierten Siegermächten beschlagnahmt. Das Betriebsvermögen der
Stadtbahn wurde der Reichsdirektion in Ostberlin übergeben, da sie mit dem
Betrieb und Verkehr der Stadtbahn beauftragt war. Das Eigentum der Stadtbahn
hatten die Stadtkommandanten Westberlins. Dann gab es also keinen Grund einen
Boykott zur machen.
Die Berliner-S-Bahn wurde immer mehr von den Westberlinern verlassen und
schließlich wurde der westliche Teil des Netzes von der DDR verlassen. Der
Zustand der Anlagen wurde von Jahr zu Jahr schlimmer. Die Bahnhöfe wurden
Ruinen, die Gleise lagen nicht mehr richtig und Pflanzen fingen an zwischen den
Schienen zu wachsen...
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6 Die Rettung der Berliner
S-Bahn
In der Nacht zum 9. Januar 1984 wurde die S-Bahn in Westberlin von der BVG
übernommen, diese Übernahme war nicht “freiwillig". Zum ersten
Mal übernahm ein Komunalesnahvekehrssytem eine Volleisenbahn.
Von den ursprünglichen 344,7 km konnten in Westberlin nur 21,2 km
gleich nach der Übernahme betrieben werden, weil die stillgestellten
Strecken, Bahnhöfe und Anlagen völlig zerstört waren. Zum
Beispiel wurde der Bahnhof Feuerbachstraße bis auf seinem Stahlgerüst
abgerissen und neu aufgebaut. Die deutsche Reichsbahn hat natürlich nicht
seine besten Züge abgegeben und jede Generalüberholung kostete
1,3 Millionen Mark.
Die Berliner nannten ihre neueeröffnete S-Bahn “Schrumpfbahn",
weil sie ziemlich verkleinert war. Ende Oktober 1984 wurden auf dem 53 km langen
Netz schon 50.000 Fahrgäste täglich gezählt. Am 1. Februar 1985
wurde die Wannseebahn wieder in Betrieb genommen und 71,5 km konnten schon nach
einem guten Jahr befahren werden.
Die aktuellen Planungen zur Erweiterung der S-Bahn sind zunächst, das
Ausbauen der Strecke S25 von Tegel nach Heningsdorf und im Süden von
Lichterfelde Süd bis Teltow Stadt, das Erweitern der S4 und das
verlängern der S5 von Westkreuz bis nach Falkensee. Das Renovieren des
Ringes ist schon seit Jahren begonnen und ein schnelles Ende der riesigen
Baustellen ist nicht vorzusehen, aber der südliche Teil wird schon
befahren.
Leider werden auch die alten und schönen S-Bahnzüge in den
nächsten Jahren verschwinden, weil sie mit neueren Versionen ausgetauscht
werden, zum Beispiel die Baureihe 480.
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7 Bibliographie
“Berliner S-Bahn : 50 Jahre
elektrischer Schnellverkehr 1924-1974", Hans D Reichardt, Alba
Bücherverlag
Berlinerstadtkarten aus der Zeit
der Mauer
“Berliner Stadtbahn-Bilder",
Alfred Behrens, Volker Noth, Ullstein
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