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| Die Philosophie des Todes in der Antike
Die Philosophie des Todes in der Antike
Die Entwicklung der Lehre von der Unsterblichkeit der Seele
Ø Mythos und Philosophie
Mythos und abendländische
Philosophie standen seit jeher im Widerspruch. Der Mythos besteht aus durch
Tradition weitergegebenen Aussagen über das Werden der Welt, vom Handeln
der Götter, Totengeister, Dämonen, usw. Er erzählt von
typischen, exemplarischen Geschehnissen, die sich ständig wiederholen.
Dadurch bekommt der Mensch eine Orientierung über die Ursachen der
Wirklichkeit.
Der Mythos argumentiert nicht,
sondern stellt dar, wie man die natürlichen Begebenheiten zu verstehen hat,
entwickelt sich im Laufe der Zeit und wird weitergegeben an die nächste
Generation, so daß sich der einzelne Mensch keine Gedanken mehr darum
machen muß, da alles vorgegeben ist.
Der Philosoph hingegen sucht
für sich selber eine logische Erklärung der Ereignisse, denkt
darüber nach und sammelt Argumente. Philosophisches Denken bedeutet eine
Distanzierung des einzelnen gegenüber dem kollektiven Gefüge. Der
abstrakte Verstand des Philosophen versucht die Gesamtheit der natürlichen
Ereignisse in einem logischen Kontext erklären zu können ohne den
naiven Spiegelungen menschlicher Verhältnisse in den göttlichen
Bereich Glauben zu schenken. Ebenso kritisiert sie auch die Trennung in
menschlichen und göttlichen, diesseitigen und jenseitigen Bereich.
Konsekutiv lehnt die Philosophie das Praktizieren ritueller Bräuche ab und
oftmals auch die Religion im Allgemeinen.
Dennoch wurden die Philosophen
der Antike von der griechischen Mythologie natürlich stark
beeinflußt, da sie mit ihr vertraut waren. Es kamen auch Mischformen
zustande.
Die Entwicklung der Philosophie
des Altertums möchte ich im Folgenden darstellen.
Im mythischen Denken wird die
Instanz der Götter als absolut gesehen und nicht angezweifelt, da man ja
gelernt hat, daß es Götter gibt.
Die Philosophen hingegen
überschreiten diese Schranke des Denkens und verlassen sich nicht mehr auf
Überlieferungen, sondern nur noch auf ihre eigene Logik.
v Homer
Homer lebte wahrscheinlich
zwischen 750 und 650 v. Chr. und gilt als ältester epischer Dichter des
Abendlandes. Es hieß, er habe “Ilias” und
“Odyssee” geschrieben. Heute wird jedoch vermutet, daß der
Verfasser der “Odyssee” ein anderer war.
In “Ilias”
läuft parallel zum menschlichen Geschehen ( z.B. im trojanischen Krieg )
eine Götterhandlung. Die Götter lenken dort den Lauf der Dinge nach
ihrem Willen.
Homer beeinflußte die
griechische Mythologie so stark, daß die Homerische Religion zur
offiziellen Religion wurde. Sie lehrte, daß die Toten zu “blutleeren
Schatten” würden, die ewig und ruhelos die Unterwelt durchwandern,
was in der griechischen Vorstellung damals das schlimmste Übel war, das
einem passieren konnte. Sündern erging es besonders schlimm : In Ketten
gelegt mußten sie im Gefängnis Tartaros schmoren, das mit einem
Fluß aus Feuer umgeben war.
Man könnte kurz
zusammenfassen : Die Seele ist tot, doch der Körper
leidet.
Die Menschen dachten damals,
daß der Tod etwas Schlimmes sein muß, da Götter alles tun, was
Spaß macht und unsterblich sind. Wäre der Tod etwas Schönes, so
würden die Götter auch sterben.
Unsterblichkeit der Seele
konnte nicht erreicht werden, wohl aber Unsterblichkeit im Angedenken der
künftigen Generationen, welches Heroen und Weise erlangen, die sich durch
besondere Taten oder Entdeckungen auszeichneten.
-
Orphik
Neben der offiziellen
Homerischen Religion gab es auch die Geheimreligion der Orphiker, deren
Begründer Orpheus sein soll. Die Orphik befasste sich vor allem mit dem
Verbleib der Seele im Jenseits. Sie glaubten an die Unsterblichkeit der
Seele, die Seeligkeit im Jenseits und das Ende der
Seelenwanderung, wenn im Leben gewisse ethische Forderungen erfüllt
wurden.
Heroen, Halbgötter und
Weise gelangten nach dem Tod in die Elysischen Gefilde :
“Blumenübersäte, sonnenglänzende Wiesen, erfüllt von
Gesang und Tanz; hier durften die Gesegneten ihren Lieblingstätigkeiten
nachgehen”
Die Mitgliedschaft in der
orphischen Geheimreligion ist jedoch auch für einfache Menschen ein
untrüglicher Weg zur Rettung.
-
Pythagoras von Samos
Durch Pythagoras ( 572-497 v.
Chr. ) fand die orphische Todesvorstellung Eingang in die Philosophie. Er
lehrte, die Seele sei göttlichen Ursprungs, müsse eine
Seelenwanderung, eine Reinigung im Kreislauf der Geburten durchmachen und
vereinige sich schließlich wieder mit dem Göttlichen, wenn sie
komplett gereinigt ist. Zwischen Tod und Geburt liegt immer eine Phase der
Reinigung. Im Leben ist es die Aufgabe des Menschen, diese Reinheit zu erhalten
und wenn möglich zu verbessern. Dadurch kommt man der Vereinigung mit
dem Göttlichen schneller nahe.
Ein schlechter Mensch hingegen
muß ruhelos umherstreifen, statt gereinigt zu werden, um dann, nachdem er
im Fegefeuer war, in einem anderen Menschen oder Tier wiedergeboren zu werden.
Pythagoras gibt praktische
Anweisungen, wie man das Leben rein verbringen kann. Mathematische Vorstellungen
galten als höchster Grad der Reinheit, da Harmonien auf
Zahlenverhältnissen beruhen.
Er selber wurde von seinen
Anhängern als Inkarnation des Apollons verehrt. Apollon verkörperte
die griechischen Ideale von Schönheit, Recht, Ordnung und Sühne der
Schuld. Pythagoras` Lehre ist also eher theologisch als philosophisch.
-
Thales von Milet
Thales von Milet ( ca. 625 -
547 v. Chr. ) gilt als der Begründer der ionischen Naturphilosophie und
damit des wissenschaftlichen Denkens. In einem revolutionären Schritt gab
er die mystische Weltdeutung auf und machte das Wasser als einziges Element zum
Ursprung aller Dinge. Seinsgrund des Kosmos waren für ihn nicht mehr
mystische Kräfte, sondern das Wasser.
Wenn alle Dinge eines sind -
nämlich Wasser - kann der Tod die Substanz nicht angreifen, sondern nur
verändern. Das führt außerdem zu dem Wissen, daß die Welt
belebt ist und verändert wird, letztendlich jedoch alles wieder in seinen
ursprünglichen Zustand - das Wasser - zurückkehrt.
Der Tod ist folglich nichts
furchterregendes, sondern natürlich.
- Anaximander
von Milet
Die Lehren des Naturphilosophen
Anaximander ( 610 - 546 v. Chr. ), Schüler von Thales und Begründer
der wissenschaftlichen Geographie, beschäftigen sich mit der
Vergänglichkeit der Dinge. Danach haben die Menschen kein Existenzrecht,
und der Tod ist die Strafe dafür, das sie sich genommen haben was ihnen
nicht zusteht. Sie müssen ihr Dasein abbüßen durch Leiden und
Tod.
Andere Interpretationen
behaupten, die Lehre beinhalte nicht, daß die einzelnen Dinge untergehen
müssen, weil sie durch ihre individuelle Existenz Unrecht tun, sondern weil
sie sich gegenseitig Unrecht tun, indem sie einander die
Daseinsmöglichkeiten bestreiten, weshalb sie wieder vergehen müssen um
anderen Platz zu machen. Anaximander hatte die Vorstellung eines unendlichen und
unbestimmbaren “Apeirons”, dem alle Dinge entspringen. Da eine
flüchtige, momentane Existenz keinen großen Wert haben kann, hoffte
er nach dem Tod ins “Apeiron” überzugehen.
Diese Ansicht wurde zum Kern
der philosophischen Lehren der Folgezeit. Man nahm nun seinen individuellen Tod
auf sich, betrachtete ihn aber nicht als sinnlosen Untergang, denn man hoffte,
im ewigdauernden Ganzen eingeschlossen zu bleiben.
Der Unterschied dieser
Philosophien zu den indischen Religionen, besteht darin daß in der Antike
die individuelle Seele in ein Ganzes übergeht, aber dabei
individuell erhalten bleibt, was in indischen Religionen nicht der Fall ist.
Es gab noch einige weitere
ionische Naturphilosophen. Ihnen allen gemein sind ihre kosmischen
Theorien. Sie nehmen einen Ursprung des Lebens an, den sie in einem der Elemente
oder in einem abstrakten Gebilde vermuten. Die Gelassenheit der Naturphilosophen
gegenüber dem Tod wurde als würdige Haltung gepriesen.
Anaxagoras ( ca. 500 -
428 v. Chr. ) nahm neben der menschlichen Vernunft noch eine kosmische Vernunft
an und sah in Forschertätigkeit sowie sinnlichen Qualitäten den
Lebenszweck. Man sollte die Sicht nicht auf Tod und Sterben lenken, da man sich
ganz mit dem Lebensinhalt beschäftigen sollte.
-
Heraklit von
Ephesus
Auch Heraklit ( ca. 550 - 480
v. Chr. ) ist beeindruckt von der Unbeständigkeit und Vergänglichkeit
der Dinge. Für ihn ist Veränderung das wichtigste Merkmal der
Wirklichkeit. Weil alles fließt und sich verändert, ist auch der Tod
nicht von Dauer, da die Dinge nach dem Tod in die Ursubstanz des Feuers
zurückkehren und daraus wieder neues gebildet wird. “Aus Allem wird
Eins, und aus Einem Alles"
Heraklit geht davon aus,
daß alles Werden ein gerechter, natürlicher Kampf ist, in dem die
Gegner eine Einheit bilden und von einander abhängig sind wie die Pole
eines Magneten. Alle Prozesse sind durch ihre wechselseitige Abhängigkeit
umkehrbar, daß heißt : Aus Tod wird Leben und aus Leben wird Tod.
“Das Leben dieser ist der Tod jener, und das Leben jener der Tod
dieser.”
Die Frage nach dem Weiterleben
der Seele stellt sich Heraklit nicht, da Lebendige und Tote, Unsterbliche und
Sterbliche identisch sind.
Heraklit ist wahrscheinlich in
seinem Denken beeinflußt worden von der damals verbreiteten Ansicht,
daß der Großvater im Enkelkind weiterlebt, was das Leben als
Nachfolge des Todes verstehen läßt.
Er meint, eine Lösung des
Todesproblems gefunden zu haben, daß nicht mit den “schimpflichen
Bräuchen der Mysterienkulte” belastet war und dem gesunden
Menschenverstand nicht widersprach. Das naturwissenschaftliche Denken der
Naturphilosophen lehnte er jedoch ab. Sein Verständnis von Ratio folgte
nicht den Naturgesetzen.
-
Parmenides von
Elea
Laut dem Eleaten Parmenides (
ca. 515 - 445 v. Chr. ) gibt es nur ein Seiendes, und Nichtseiendes existiert
nicht. Es gibt also kein Entstehen oder Vergehen, da beides die Existenz eines
Nichtseienden voraussetzt. Daher ist das Seiende unvergänglich und
unveränderlich. Im Gegensatz zu Heraklit leugnet Parmenides die Existenz
von Veränderungen und damit den Tod. Wenn nichts geschieht, kann auch
nichts sterben. Veränderungen, die wir wahrzunehmen meinen sind nur
Einbildungen.
Die Denkergebnisse von Heraklit
und Parmenides waren jedoch noch weit entfernt vom Versprechen einer
persönlichen Unsterblichkeit oder der Befreiung der Seele, das als das
Typische an der antiken Philosophie gesehen wird.
-
Empedokles
Die Lehren des Empedokles ( ca.
483 - 425 v. Chr.) sind sehr widersprüchlich und bestehen aus einer
Mischung pythagoräischer Unsterblichkeitslehren und
naturwissen-schaftlicher Theorien. Sie verkünden die Seelenwanderung und
den göttlichen Ursprung der Seele. Gleichzeitig ist der Ursprung aller
Dinge eine Mischung der vier Elemente ( Wasser, Feuer, Erde, Luft ). Werden und
Vergehen erklärte Empedokles als Mischung und Trennung dieser Elemente,
verursacht durch Anziehung und Abstoßung, Liebe und Haß.
- Demokrit
Nach der Lehre des
Leukipp ( um 440 v. Chr.) zerfallen Tiere bei ihrem Tode wieder in ihre
Atome. Sein Schüler Demokrit ( 460 - 371 v. Chr.) lehrte dann die
Sterblich-keit der Seele, da die Atome der Seele nach dem Tod nicht mehr
zusammen halten. Trotzdem sollte man - wie bei Anaxagoras - den Tod als
notwendigen Teil des Lebens nicht fürchten und die Aufmerksamkeit dem Leben
widmen. Dennoch sah Demokrit auch die Leiden, die mit dem Sterben einhergehen.
Demokrits Lebensziel war die “Eudemia", die Freude, die hauptsächlich
durch Bildung entsteht. Übermäßiger Genuß hingegen
führe zu Unglück.
Der Athener Sokrates ( ca. 496
- 399 v. Chr.) sah ein, daß der Mensch endlich und bedingt ist. Seine
Größe bestehe darin, dieses Menschenlos verantwortlich auf sich zu
nehmen und dem Tod seine ganze Charakterstärke entgegenzustellen.
Nachdem ein Gericht Sokrates`
Todesurteil verkündet hatte, wies er die Richter darauf hin, daß er
dem Tod leicht entgangen wäre, wenn er gewollt hätte. Jedoch
würde ein Fortleben bedeuten, der Schlechtigkeit nicht entgehen zu
können.
Er maß es sich nicht an
zu behaupten, er wüßte, was nach dem Tode passiert. Zur Wahl stellte
er vielmehr zwei Möglichkeiten : Der Tod kann entweder ein
“schlafloser Traum" sein, oder “Versetzung und Umzug der Seele von
hinnen an einen anderen Ort." Die Todesfurcht, die den Tod als
größtes Übel erscheinen läßt, ist jedoch
unbegründet. Denn als “traumloser Schlaf” wäre der Tod ein
“wunderbarer Gewinn”. Es gibt außerdem kein
“größeres Gut” als die Auswanderung an einen ( besseren )
Ort. Außerdem gibt es eigentlich gar keine Angst vor dem Tode, sondern nur
vor dem Sterben, aber die wenigsten erkennen dies.
Die Hoffnung auf ein besseres
Leben nach dem Tode ist wahrscheinlich der Hauptaspekt in Sokrates` Lehren. Er
verweist auch auf die Natürlichkeit des Todes. Wichtig war es ihm, bei
seinen Mitmenschen eine angenehme Erinnerung zu hinterlassen. Außerdem
kritisierte er die kosmologischen Spekulationen der Naturphilosophen, die alles
rational beweisen wollten, aber letztendlich doch keine Beweise
hätten.
Sokrates` Lehre hingegen ist
auf Übereinstimmung von begründetem Wissen und Handeln ausgerichtet,
aber er versuchte auch mit rhetorischen Mitteln seine Gesprächspartner von
seinen Ideen zu überzeugen, jedoch ohne sie zu überreden. Vielmehr
versucht er sie zur Einsicht zu bringen.
Dafür hat er eine Technik
( Mäeutik = Hebammenkunst )entwickelt : Zuerst überführt er den
Gesprächspartner mithilfe gezielter Fragen der Unwissenheit( Elenktik =
Kunst der Überführung), um dann durch weiteres Fragen die richtige
Erkenntnis, die in jedem Menschen im Verborgenen liegt, ans Licht zu bringen (
Protreptik = Kunst der Hinwendung ).
Seine Mitmenschen
überzeugte er schließlich durch sein Handeln und die
Souveräni-tät, mit der er seinen eigenen Tod hingenommen hat, davon,
daß man keine Todesfurcht haben und dem Tod mit Charakterstärke
entgegentreten muß.
Platon (auch Plato /Aristokles;
ca. 428 - 348 v. Chr.) war ein Schüler des Sokrates, der Bekanntschaft mit
den Pythargoreern und dem Eleaten und Mathemathiker Euklid machte. Von Sokrates
übernimmt er die Hoffnung auf ein - wenn möglich besseres - Leben nach
dem Tode, während er von den Pythagoreern die Idee der Unsterblichkeit
übernimmt, ohne sie jedoch als Vereinigung mit dem Göttlichen zu
betrachten. Der Tod bedeutet für ihn weiterhin die Befreiung der Seele
aus dem Gefängnis des Körpers.
Seine Argumente für
die Annahme der Unsterblichkeit lauten :
- Die Seele
existiert schon vor der Geburt. Diese Behauptung ist begründet mit der
Lehre , daß alles Wissen und Lernen Erinnerung ist an Ideen ( Ideenlehre !
) die man vor der Geburt in einem Kosmos erfährt (vgl. die Erkenntnis bei
Sokrates : liegt im Verborgenen, ist aber schon vorhanden).
- Es gibt
ewige und unwandelbare Ideen. Da die Seele sie begreifen kann, muß sie
selber ewig und göttlich sein.
- Die Seele
beherrscht den Körper und ähnelt damit den unsterblichen
Göttern.
- Die Seele
ist einfach. Da sie nicht zusammengesetzt ist, kann sie auch nicht zerfallen.
- Das Wesen
der Seele ist das Leben, also das Gegenteil des Todes. Deshalb kann sie
ebensowenig sterben, wie Feuer kalt werden kann.
- Die Seele
bewegt sich selbst. Sie ist der Ursprung des Lebens und der Bewegung. Deshalb
kann sie niemals aufhören sich zu bewegen und zu leben.
Sehr wichtig für Platon
war auch die Idee des Guten. Da nicht alle Menschen sich an die Ideen
zurückerinnern können oder einfach nicht daran denken, muß es
laut Platon auch ein Totengericht im Jenseits geben, das jedoch nicht über
die Unsterblichkeit entscheidet.
Aristoteles
:
Aristoteles ( 384 - 322 v.
Chr.) war zwar Schüler Platons, stand seinen Ideen später aber sehr
skeptisch gegenüber. Er gilt als Begründer der logischen Denkweise,
orientierte sich ganz am Diesseits und leugnete die Ideenlehre. Für ihn
entsteht Wissen aus Erfahrung im Diesseits, und nicht wie bei Platon aus
Erinnerung an Pränatales. Körper und Seele lassen sich nicht trennen.
Der Mensch soll sich am Diesseits orientieren und lebt nur in seinen Nachkommen
weiter, seine Seele jedoch nicht.
Epikur
:
Epikur ( 341 - 270 v. Chr.)
nimmt die Ansichten des Demokrit wieder auf : Die Seele zerfällt beim Tod
wieder in ihre Atome. Der Tod läßt sich also mechanisch
erklären, womit er seinen Schrecken verliert. Seiner Meinung nach sind die
Götter glücklich und kümmern sich nicht um die Menschen oder die
Ordnung der Welt, weswegen auch kein Eingriff der Götter befürchtet
werden muß. Der Tod geht uns eigentlich sowieso nichts an, da wir Gut und
Böse nach dem Tod nicht mehr wahrnehmen können, da uns mit dem Tod die
Wahrnehmungsfähigkeit abhanden kommt.
Die Ältere Stoa
:
(Materialismus)
Zenon von Kition ( 335 -
265 v. Chr.), Begründer der stoischen Philosophenschule,
konzipierte das praktische
Ideal der Apathie, das nach dem Tode eintritt, aber schon vorher angestrebt
wird. Mit Apathie ist ein Zustand der Seele gemeint, in der sie von
Leidenschaften nicht mehr verwirrt werden kann und jenseits von Furcht,
Begierde, Trauer und Lust steht, wodurch Seelenfrieden und die Erkenntnis des
Guten eintreten. Nach Zenon ist der größere Teil der Seelenmaterie
vergänglich, doch die Vernunft als feine Materie soll erhalten bleiben (
Materialismus).
Die Mittlere Stoa
:
Für Poseidonios (130 - 51
v. Chr.) verbreitete die Sonne ihre Wärme, ihr Licht und ihre Klugheit
durch das ganze Weltall. Obwohl die Seele von der Körperlichkeit, von den
Leidenschaften und Begierden verunreinigt wird, bleibt sie göttlich (
Pythagoras ! ), da sie Teil eines Gottes ist. Die wichtigste Aufgabe des
Menschen besteht darin, sich von seinem Körper zu befreien. (Anmerkung :
Viele Philosophen nahmen sich das Leben; insbesondere viele stoische Philosophen
suchten den Freitod. )
Cicero (106 - 43 v. Chr.)
zweifelt, kommt dann aber zu der Überzeugung, daß der Tod nicht zu
fürchten sei, denn “der größte Beweis dafür,
daß die Natur selbst stillschweigend für die Unsterblichkeit der
Seele plädiert, ist, daß alle Menschen sich die größten
Sorgen darüber machen, was nach ihrem Tode geschehen wird.” Der
Gedanke an den Tod soll jedoch nicht davor abschrecken seine gesamte Kraft dem
Interesse des Staates und der Familie zu widmen.
Die Jüngere Stoa :
(Abkehr vom
Materialismus)
Für Seneca ( 4 v.- 65
n.Chr.) ist die Beschäftigung mit den Texten der Philosophen
maßgeblich. Denkmale zerfallen, aber der Weisheit, die man durch das
philosophische Studium erlangt, kann kein Abbruch getan werden. Die Philosophen
“werden dir den Weg zur Ewigkeit anweisen um dir zu dem Platz verhelfen,
von dem dich niemand verdrängen wird." Das ist der Weg zur
Unsterblichkeit.
Epiktet ( 60 - 117 n. Chr.) war
der Ansicht, es gäbe kein Übel auf der Welt, da alles einen Vorteil
hat. Es ist besser würdevoll zu sterben, als zu jammern, doch darf man
sehnsuchtsvoll nach einer besseren Existenz in Gott streben.
- Das
Todesverständnis im Wandel der Zeit
Die Lehre von der
Unsterblichkeit der Seele wird häufig als die antike Philosophie
dargestellt. Es heißt, alle Philosophen nach Platon hätten seine
Lehre im Kern über-nommen.
Meiner Meinung nach spaltet
sich die antike Philosophie aber in zwei Lager, an deren Spitze Platon und
Aristoteles stehen.
Das Christentum des
Mittelalters ist von Platons Lehren stark beeinflußt worden.
Das Volk wurde mit Hilfe der
Verheißung eines schönes Lebens, wenn sie sich auf Erden der
göttlichen Ordnung unterwerfen, vom Adel
unterdrückt.
Dieser jedoch orientierte sich
am Diesseits und führte ein ausschweifendes Leben. Vor allem mit der
Renaissance, der Wiederentdeckung der Antike, nahmen die Gelehrten die Lehren
des Aristoteles wieder auf, was auch Folgen bis in die Neuzeit
hat.
Quellenverzeichnis
:
- anonym :
Apologica Sokratoys.
http://www.referate.at
- anonym :
Die Philosophie der Stoa.
http://www.referate.at
- anonym :
M. Tullius Cicero - Leben und Werk.
http://www.fundus.org
- Barloewen,
Constantin von : Der Tod in den Weltkulturen und Weltreligionen. München,
1996
- Choron,
Jaques : Der Tod im abendländischen Denken. BRD, 1967
- Digel,
Werner; Kwiatkowski, Gerhard : Meyers Großes Taschenlexikon in 24
Bänden. Mannheim, 1981
- Gensler,
Andé : Seneca. http://www.fundus.org
- Scherer,
Georg : Das Problem des Todes in der Philosophie. Darmstadt, 1988
( 1
1979 )
Mythos :
ß
à
- Homer
- Orphiker
- Verständnis
natürlicher Begebenheiten wird vorgegeben
- wird
weitergegeben an nächste Generation
- Instanz
der Götter wird absolut gesehen
àEinzelner
muß nicht mehr
darüber
nachdenken
è
Menschen meinen
Orientierung
über die
Ursachen der
Wirklichkeit
zu
bekommen
Philosophie
:
Einzelner
- auf der
Suche nach Erklärung der Wirklichkeit für sich selbst
- denkt
darüber nach
- sammelt
Argumente
- versucht
Gesamtheit der Vorgänge in logischen Kontext zu
bringen
è
Philosoph meint Einsicht in
die kosmischen
Begeben-
heiten und
Verständnis über
Sein und Nichtsein zu
erlangen
Ontologie :
Lehre von Wesen und
Eigenschaft des
Seienden
-
Homer
- 750 -
650 v. Chr.
- Ilias +
Odyssee ?
- Homerische
Religion
=
offizielle Religion
- Götter
lenken menschliches Schicksal
- wenn
sterben schön wäre, würden die Götter auch
sterben
à
nach dem Tod :
Seele ist Tod / Körper
leidet
Achill : Lieber
Tagelöhner als
König der
Unterwelt
- Pythagoras
- 527 -
497 v. Chr.
- Seele
ist göttlichen Ursprungs
- wird
nach jedem Tod und vor jeder Wiedergeburt gereinigt
- wenn
sie ganz rein ist, vereinigt sie sich wieder mit dem
Göttlichen
- Ziel
des Lebens : Reinheit zu erhalten oder zu verbessern
- Mathematik
: höchster Grad der Reinheit
- schlechte
Menschen werden nicht gereinigt
- Orphik
- Begründer
: Orpheus
- Geheimreligion
- Unsterblichkeit
der
Seele,
Seeligkeit im Jenseits,
Ende der
Seelenwanderung,
wenn ethische
Forderungen
erfüllt
sind
- Heroen,
Halbgötter und Weise kommen nach dem Tod in die Elysischen
Gefilde
- Mitgliedschaft
bei den Orphikern
à
Weg zur Rettung
- Thales
von
Milet
- 625 -
547 v. Chr.
- Begründer
der ionischen Naturphilosophie
- keine
Götter
- Wasser
als Ursprung aller Dinge und Seinsgrund des Kosmos
- Leben :
Veränderungen des
Wassers
à
Tod kann Substanz nicht
angreifen
à
keine Furcht
- Anaximander
- 610 -
546 v. Chr.
- Schüler
von Thales
- Menschen
haben kein Existenzrecht
- Leiden
und Tod als Strafe dafür, daß sie sich genommen haben, was ihnen
nicht zusteht
- Dinge
bestreiten sich einander die Daseinsmöglich-keiten
- müssen
anderen Platz machen
- Individuum
entspringt und vergeht wieder ins Apeiron
( =
unendliches, unbestimm-
bares Ganzes
)
- Heraklit
- 550 -
480 v. Chr.
- Veränderung
als Merkmal der Wirklichkeit
- Tod nur
Veränderung
à
natürlich
- Ursubstanz
: Feuer
- Lebenige
= Tote
- Sterbliche
= Unsterbliche
- Großvater
lebt im Enkelkind weiter
- Anaxagoras
- 500 -
480 v. Chr.
- menschliche
Vernunft parallel zu kosmischer Vernunft
- Blick
auf das Leben und nicht auf das Sterben richten
- Lebenssinn:
Forschertätigkeit und sinnliche
Qualitäten
- Parmenides
- 515 -
445 v. Chr.
- Nichtseiendes
existiert nicht
- Veränderungen
sind
Einbildung
à
es gibt kein Entstehen oder
Vergehen
- Empedokles
- 483 -
425 v. Chr.
- Seelenwanderung
- göttlicher
Ursprung der Seele
- Ursubstanz
: Mischung der vier Elemente
- Werden
und Vergehen als Mischung und Trennung der Elemente, verursacht durch Liebe und
Haß
à
widersprüchlich
- Demokrit
- 460 -
371 v. Chr.
- Atome
der Seele zerfallen nach dem
Tod
àdie
Seele stirbt
- Lebensziel
: gemäßigte Freude,
die durch Bildung entsteht
- Platon
- 428 -
348 v. Chr.
- Schüler
Sokrates
- Ideenlehre
( Wissen = Erinnerung an Pränatales)
- Unsterblichkeit
der Seele
- Hoffnung
auf besseres Leben nach dem Tode
- Tod =
Befreiung der Seele aus dem Gefängnis des
Körpers
- Epikur
- 341 -
270 v. Chr.
- Seele
löst sich in Atome
auf
àkeine
Furcht, da mechanisch/
natürlich
- Götter
kümmern sich nicht um die
Menschen
à
Der Tod geht uns nichts an, da wir mit dem Tod die Wahrnehmungsfähigkeit
verliern.
- Sokrates
Tod :
- entweder
schlafloser Traum
- oder
Umzug der Seele an einen besseren
Ort
èwunderbarer
Gewinn
- Tod mit
Charakterstärke gegenübertreten
- Übereinstimmung
von begründetem Wissen und Handeln
à
Sokrates` Tod
- Gesprächspartner
soll selber Einsicht erlangen, die in jedem verborgen
ist
- Aristoteles
- 384
-
322 v.
Chr.
- Schüler
Platons
- Orientierung
am Diesseits
- leugnet
Ideenlehre
- Wissen
entsteht aus Erfahrung im Diesseits
- Körper
und Seele sind untrennbar
- Seele
stirbt
- Mensch
lebt in Nachkommen weiter
- Zenon
- 335 -
265 v. Chr.
- nach
Tod : Ideal der Apathie
- Apathie
= Seelenfrieden, Erkenntnis des Guten
- Materialismus
: Vernunft als feine Materie bleibt
erhalten
- Poseidonios
- 130 -
51 v. Chr.
- Sonne
verbreitet Klugheit
- Körper
verunreinigt, aber Seele bleibt göttlich
- Aufgabe
des Menschen : Befreiung vom Körper
- Cicero
- 106 -
43 v. Chr.
- Natur
plädiert für Unsterblichkeit der Seele, da Menschen sich darum
Gedanken machen
- Kraft
dem Interesse des
Staates und der Familie
widmen
- Seneca
- 4 v. -
65 n. Chr.
- Weisheit,
die durch das philosophische Studium erlangt wird,
überlebt
àWeg
zur Unsterblichkeit
- Epiktet
- 60 -
117 n. Chr.
- es gibt
kein Übel auf der Welt
- würdevoll
sterben
- Sehnsucht
nach besserer Existenz in Gott
blichkeit der
Seele
MystikèVorsokratiker
èSokrates
èPlaton
Furcht
àLeugnen
àHoffnung
àUnsterb-
vor dem des Todes/
auf besseres lichkeit
Tod Gelassenheit
Leben der Seele;
gegenüber Befreiung
Tod
vom
Körper
Antike
è
Mittelalter
Platon
à
Christentum
(einfaches Volk)
Aristoteles
à
Gelehrte, Adel
( Renaissance)
èèè
Neuzeit
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