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| Willhelm Tell in seiner heutigen Bedeutung
Willhelm Tell in seiner heutigen Bedeutung
Tell in seiner heutigen Bedeutung
Diese Lektüre zeigt an sich wie ein Volk politisch mündig wird
und sich demokratisch konstituiert.
Dies geschieht in einem harmonischen Zusammenspiel von Natur, Gott, Moral
und Erfolg, wobei Gott die Natur wirkungsvoll einsetzt
Als nicht ganz nebensächlicher Effekt sollte auch sein, dass durch
dieses Drama ein Stück Historie für den Schüler in lebendiger
Form nahegebracht wird. Im speziellen die Habsburgerzeit, die so
vergegenwärtigt wird. Ebenso erstaunlich ist auch die Tatsache, dass
ausgerechnet ein deutscher Dichter d a s nationale Festspiel der
Schweiz geschrieben hat.
Ebenso wichtig ist aber auch, dass Schiller zeigt wie eine sittliche Idee
die unentbehrliche Grundlage des Menscheins ist. Ein Mensch ohne Vaterland
muß vereinsamen und erkranken. Aber es gibt auch kein Vaterland ohne
Freiheit.
Neu ist auch, dass in dieser Handlung nicht mehr eine einzelne Gestalt,
sondern ein Volk als Träger der Hoffnung steht. Besonders der
Zusammenschluß von Menschen gleicher Herkunft und gleicher Art, gleicher
Not und gleicher Sehnsucht ist bemerkenswert.
Schiller betont auch die Familie als Grundlage natürlicher Ordnung,
die in dem Stück niemals nur rein privaten, sondern zugleich auch
öffentlich-rechtlichen Charakter hat. In der Verteidigung der Familie geht
es auch um die Verteidigung der Menschheit und der Urform
gemeinschaftlich-sittlichen Zusammenlebens. Selbst die Rache hat als sittliche
Bedingung, dass sie frei ist von jeglicher individuellen Maßlosigkeit.
Bescheidenheit selbst im Sieg und Glück.
Der die Familie schützende Vater ist die Ursituation der Natur, aber
auch die sittlich verstandene Gemeinschaft in der Geschichte.
Geßler, der selbst im Tod noch die gewaltsame Unterdrückung der
Freiheit verlangt, ist der Tyrann weil er die Ordnung durch bloße Gewalt
verteidigen will. Damit steht er gleichsam außerhalb der sinngebenden
Natur. Geßler ist damit zugleich der Naturlose, ja Naturwidrige. Durch
dieses Verhalten jedoch hat er Tell zu einem Verhalten gezwungen, die Gegenkraft
entfesselt, die ihn selbst vernichten muss.
Tell braucht keine Rache für den heimlichen politischen Mord zu
fürchten, da die Natur mit ihm im Bunde ist. Seine Tat bleibt für die
Welt gerechtigertigt.
Fünfter Aufzug
- Szene
Diese Szene beginnt mit der wartenden Mutter, den Kindern und dem kurzen
Wiedersehen mit Tell. Diese Szene soll noch einmal die repräsentative
Seite seiner Tag, die Familie als Ordnung der heiligen natur zu retten
verdeutlichen. Denn darum ging es Tell ja, dieses Herdfeuer vor den Willkür
und Unmenschlichkeit des Vogtes zu bewahren.
Der Auftritt in seiner knappen und konzentrierten Art ist aber auch
dichterisch von besonderem Rang. Er vermeidet das Rührselige und zerredet
nichts. Die Scheu und Zurückhaltung Hedwigs vor dem zurückkehrenden
“Mörder” ist ein psychologisch besonders feiner Zug. Schillers
Versuch Tell in den Mittelgrund zu rücken mit der Behauptung Tell´s
Hand habe das Land gerettet ist jedoch eine Übertreibung, die nicht Tells
Charakter entspricht.
Diese Familienszene wird nun durch das Erscheinen von Johannes Parricida
unterbrochen und schiebt nun das eigentliche Anliegen Schillers in den
Vordergrund: die Abgrenzung von Tells Tyrannenmord von der Tat des kaiserl.
Neffen aus Habsucht. Hier soll jede Parallele vermieden werden. Die Anklagen und
das Verhalten Tells gegenüber Johannes sind dann auch unmenschlich hart,
auch wenn der Dichter sie teilweise zu mildern sucht. Dies entspricht eigentlich
nicht dem Wesen Tells und sein Charakter erfährt in dieser Szene schlimme
Einbußen.
Tell steigert sich in diese moralische Überheblichkeit hin, unter
fortwährenden Beteuerungen seiner eigenen Reinheit. Hierbei übersieht
Tell, oder ignoriert es bewußt, dass er ja in Johannes keinen verstockten,
auf die Tat pochenden Sünder vor sicht sieht, sondern einen bereuenden,
unter der Tat zusammenbrechenden Menschen. Tells Frage nach
Johannes´Mordhelfer, sowie sein Verweis auf des Kaisers weisen Schluß
ihm sein Erbe zu verweigern ist eines freien Schweizers unwürdig. Parricida
handelt keineswegs nur aus Ehrsucht, auch er kämüft um sein Recht. Und
well Tell auch “die heilige Natur” gerächt zu haben glaubt, war
doch der Anlaß rein persönlicher Natur, nämlich seine
Rachegelüste. Gerade die moralische Selbstgerechtigkeit Tells reizt zu
Überlegungen die betonte Reinlichkeit anzuzweifeln. Auch psychologisch
betrachtet ist sein wortreiches und überhebliches Gebaren
verdächtig.
Die festliche Schlußszene erweitert das durch Parricidas Auftreten
gestörte Bild der Familie.
Wenn auch Tell letztendlich nicht als “der” Retter des Volkes
gefeiert werden darf, so ist er doch dem Wunsch und Drang der Menge entsprechend
die Verkörperung dieses Freiheitsbegehrens. Neben den Ovationen des Volkes
sprechen die Umarmungen, die in dieser Szene stattfinden, eine viel wichtigere
Rolle. Hier wird durch die Umarmung der Raum der Familie erweitert auf einen
Raum des Volkes, das sich dem Rütlischwur gemäss als ein einzig Volk
von Brüdern versteht.
Die eigentliche Krönung dieser Szene ist dann die Verlobung Bertas mit
Rudenz. Im politisch-historien Sinne bedeutsamer ist jedoch die Aufnahme der
Adeligen in den Bund der Bauern und Bürger, in eine freie Verfassung, die
fürstliche Herrschaft und Standesdünkel ausschließt. Nun
entläßt Rudenz seine Knechte in die Ordnung bürgerlicher
Freiheit.
Im festlichen Schlußbild sind nun die Vertreter der 3 Handlungen
vereint.
Aus politischer Sicht ist dies die Geburtstunde der Schweiz als eigener
freiheitlicher Statt.
Aus deutscher Sicht bedeutet diese Feier das Ausscheiden eines Landes aus
dem Verband des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Das war auch
der Grund, warum zur Hitlerzeit die Aufführung des Tells nicht
erwünscht war. Es ist aber auch ein Zeichen übernationaler Weite
deutsches Geistes, dass Schiller dieses vaterländische Festspiel der
Schweizer schuf.
Historische Grundlagen
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