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Heidelberg (Anthropogeographie)
Sascha Preuße, Kurs 5
Exkursion Anthropogeographie: Heidelberg
16.11.1996
Das Gebiet um das heutige Heidelberg war schon in der
Jungsteinzeit (3500 - 1800 v. Chr.) von Menschen bevorzugtes Gebiet; 400 v. Chr.
errichteten die Kelten einen Ringwall auf dem Heiligenberg und auch Spuren der
Römer, die im Jahre 40 ein Kastell unter dem Heiligenberg bauten kann man
in Heidelberg finden, was archäologische Funde
dokumentieren.
Etwa um 750 als Mönche aus Lothringen in dieses
Gebiet kamen, fanden sie ca. 4m
über dem Neckar nur einige Häuschen von
Fischern und Fuhrleuten auf dem Schwemmkegel des Eschenbaches, was als
ältester Siedlungsteil “Heidelbergs”
betrachtet werden kann.
1196 wird Heidelberg dann das erste mal erwähnt. In
einer Urkunde des Klosters Schönau heißt es, daß “ein
Leutpriester aus Bergheim Gottesdienst an der Peterskirche
versehe”.1225 wird das erste mal ein Castrum erwähnt, 1235 kann
man dann eine Ummauerung nachweisen, die von der heutigen Plankengasse bis zur
Grabengasse reichte (was bedeutete, daß die Peterskirche nicht innerhalb
der Stadtmauern war).
Dies wird heute als “Kern - Altstadt”
bezeichnet.
Die Lage hier eine Stadt zu gründen war geradezu
ideal, denn das enge Neckartal geht westlich in der großen Fläche der
Rheinebene auf.
Das bedeutet somit, daß Heidelberg sich in einer
“ Pfortenlage” befindet, die militärisch aber auch
wirtschaftlich von großer Bedeutung war.
1284 wurde eine erste (hölzerne) Brücke
über den Neckar erwähnt Im Gegenteil zu den Römern, die ihre
Brücke in der Ebene gebaut hatten, befindet sich die “alte
Brücke” im Neckartal selbst.
Diese Brücke, die sieben mal wieder aufgebaut werden mußte, bis sie
1786 durch die bis heute erhaltene steinerne Brücke ersetzt wurde, war bis
ins 18 Jh. die einzige am unteren Neckar.
Da zur Zeit der ersten Brückenbauten bis ins
frühe 19 Jh. der Handel vorwiegend in Nord - Süd Richtung verlief, war
es für Heidelberg (und damit für den Kurfürsten) eine
hervorragende Möglichkeit Geld einzutreiben. Es wurden
Brückenzölle erhoben, und Händler die den Neckar überqueren
mußten, waren gezwungen durch die Stadt zu ziehen und ihre Waren
anzubieten, da Heidelberg das Stapelrecht hatte.
Für die Schiffahrt hatte der Neckar jedoch keine
große Bedeutung, obwohl er der größte Nebenfluß des
Rheins ist. Der Grund darin lag in seiner Unbeschiffbarkeit aufgrund von
Granitklippen (bis Ziegelhausen kann man 60- 70 von ihnen
finden),
die von der Bevölkerung “
Hackteufel” genannt wurden.
Desweiteren war der Neckar für seine
Hochwässer im Februar und an Weihnachten berühmt - berüchtigt.
Eine Vertiefung und Kanalisierung, sowie der Bau von 26
Schleusen, die regulierend auf den Wasserablauf wirken, wurden erst in den
siebziger Jahren des 20 Jh. beendet.
1357 bekam Heidelberg dann das Recht des 2-
wöchigen Marktes von Ruprecht I. verliehen (dieser war
Erztruchseß, und damit der wichtigste der 4 weltlichen Kurfürsten).
Dies war ein großes Privileg, daß nur großen Städten
vorbehalten war (u.a. Basel und Frankfurt).
1386 wurde ebenfalls von Ruprecht I. ein Generalstudium
(Universität) ins Leben gerufen, dessen feierliche Gründung in der
Heiliggeistkirche stattfand.
1390 starb Ruprecht I., und sein Neffe Ruprecht II. trat
seine Nachfolge an.
Sein Einfluß ist bis heute unübersehbar, denn
er war es, der Heidelberg um das doppelte seiner Stadtfläche
vergrößerte (1392).
Das Stadtgebiet reichte danach vom Leiertor im Osten bis
zum Speyrer Tor im Westen, was bedeutete, daß das damalige Dörfchen
Bergheim, dessen Bewohner hauptsächlich vom Fischfang und dem Weinanbau
lebten nun direkt an Heidelberg angrenzte. Dies führte zu
Gemarkungsstreitigkeiten und Ruprecht I. zwang die Bauernschaft in die Stadt
einzuziehen.
Ebenfalls 1390 legte er fest, daß das gesamte
jüdische Eigentum der Stadt eingezogen werde. Er machte es der
Universität zum Geschenk, die fortan deren Häuser als Wohnungen
für ihre Professoren, oder für Vorlesungen benutzte.
Die Gründung der Universität war dazu gedacht
seine politische Macht zu legitimieren. Es gab eine starke Verbindung von
politischer Macht und Wissen. Viele Gelehrte und Professoren zogen nach
Heidelberg, und dieses Umgebensein von Gelehrten, besonders des geistlichen
Wissens, brachte die größte Legitimation (von Gottes
Gnaden).
Die folgende Zeit war geprägt von
Religionsstreitigkeiten der Lutheraner, Calviner und
Katholiken.
1518 erläuterte Martin Luther, der von
Kurfürst Ludwig V. unterstützt wurde, seine Thesen in Heidelberg,
1556 wurde der Calviner Ottheinrich
Kurfürst.
Die Calviner waren der Meinung, daß sich
göttliches Außerwältsein im Erfolg zeige, und Ottheinrich war
es, der die Bibliotheca Palatina gründete (eine großartige Sammlung
von Büchern und Schriften), sich als Sammler von Gemälden und
Wandteppichen einen Namen machte, und maßgeblich am Ausbau des Schlosses
beteiligt war.
Immer wieder änderte sich jedoch die Religion der
gerade herrschenden, und die Spannungen zwischen protestantischer Union und
Katholischer Liga mündeten im 30 - jährigen Krieg.
1619 wollten sich die Böhmen gegen Kaiser Ferdinand
II. auflehnen, indem sie den Kurfürst Friedrich V. zum König und damit
zum Gegenkaiser machten.
Friedrichs Truppen wurden jedoch bei der Schlacht am
“weißen Berg” von kaiserlichen und bayrischen Truppen
geschlagen (1620) und er blieb nur König für ein Jahr (der sogenannte
Winterkönig).
1622 wurde Heidelberg von Truppen der Katholischen Liga
unter Tilly eingenommen.10 Jahre lang waren sie die Herrscher der Stadt und
raubten die berühmte Bibliotheca Palatina, die sich in der
Heiliggeistkirche befand. Sie wurde in Kisten verpackt und nach Rom gebracht, wo
sie noch heute im Besitz des Vatikans ist.
1633 wurde Heidelberg dann von den Schweden befreit.
Die Universität konnte 1652 wiedereröffnet werden, nachdem sie 30
Jahre lang geschlossen war, denn alle Professoren waren nach der Einnahme der
Stadt geflohen.
1671 gab Kurfürst Karl Ludwig seine Tochter
Lieselotte dem Bruder des Französischen Sonnenkönigs Louis XIV. als
diplomatisches Pfand zur Frau. Dies geschah in der Überlegung, Frankreich,
daß bestrebt war seine Ostgrenzen abzurunden, milde zu stimmen. Es
verkehrte sich jedoch ins Gegenteil.
Louis XIV. stellte einen Machtanspruch auf die Kurpfalz
an.
1680 beim Tode Karl Ludwigs war die Pfalz wieder schwer
verwüstet. Plündernde Französische Truppen unter der Führung
Marschall Turennes, waren in das Land eingefallen.
1688 eröffnete Louis XIV. einen neuen
Eroberungskrieg (Orleanscher Erbfolgekrieg), und im Oktober lagen wieder
Französische Truppen in der Stadt. Diese wurden zwar 1689 von kaiserlichen
Truppen wieder vertrieben, doch 1693 schlugen sie unter der Führung des
Generals Mèlac unerbittlich zurück. Sie besetzten die Stadt und
zerstörten sie völlig. Desweiteren wurde es der Bevölkerung
für vier Jahre verboten in die Stadt zurückzukehren. Bis auf das
“Haus zum Ritter” blieb von den Bürgerhäusern der Stadt
nichts übrig. Dieses gehörte dem Hugenottischen Tuchhändler
Charles Bellièr, der Frankreich als Religionsflüchtling hatte
verlassen müssen. Das Haus wurde 1592 erbaut und ist heute der einzige
erhaltene Renaissancebau der Stadt. Ein weiteres Gebäude das verschont
wurde, war z.B. der “Wormser Hof”, der 1610 vom Wormser Bischof an
den Kurfürstlichen Hof verkauft worden war und diesem als Gästehaus
diente.
Nach der vollständigen Zerstörung Heidelbergs
wollte Kurfürst Johann Wilhelm die Stadt im Barocken Stil und neuem
Grundriß wieder aufbauen. Außerdem war geplant eine große
Rampe von der Märzgasse aus als Auffahrt zum Schloß, und eine neue
Schloßanlage in Wieblingen, die in ihren Dimensionen Versailles
übertreffen sollte, zu bauen.
Als der Kurfürst in die Stadt zurückkehrte gab
er Heidelberg wieder neue Impulse, und wieder strömten Gelehrte und Siedler
aus ganz Europa in die Stadt, und verschafften ihr ein Internationales
Flair.
Das Geld für so gewagte Projekte konnte von der
Bevölkerung jedoch nicht aufgebracht werden, und durch den Architekten
Jakob Rischer wurde die Stadt auf ihrem alten Grundriß wieder
aufgebaut.
Man erkennt den Aufbau einer barocken
Zähringerstadt (typisch z.B. in Freiburg, Basel oder Bern) mit dem
typischen Leitersystem das man in Heidelberg mit der Hauptstraße, der
Unteren Straße und den Querstraßen beobachtet. Den Mittelpunkt der
Stadt bildet der Marktplatz mit der Heiliggeistkirche und dem Rathaus.
Johann Wilhelm hatte aber auch den Plan die Pfalz zu
rekatholisieren, und mit ihm kamen Jesuiten und Franziskaner in die
Stadt.
Am Jesuitenviertel (Jesuitenkirche, Seminarum Carolum)
kann man heute erkennen, wie Heidelberg als Barockstadt mit neuem Grundriß
ausgesehen hätte.
Die Universität wurde von Johann Wilhelm ganz unter
Katholische Direktiven gestellt.
Als er 1716 starb, änderte sich in religiösen
Dingen jedoch nichts. Sein Nachfolger wurde Kurfürst Karl Philipp, der sich
unrühmlich in die Stadtgeschichte eintrug, da er es war, der Heidelberg
nach Streitigkeiten mit dem “ Protestantischen Kirchenrat der
Pfalz”, den protestantischen Fürsten und sogar dem Kaiser
verließ (1720), zunächst in Schwetzingen residierte, um dann den Bau
des Mannheimer Schlosses und somit die Verlegung der Residenz zu initiieren.
Weiteres Zeugnis aus dieser Zeit ist z.B. die
Mariensäule auf dem Kornmarkt (1718), als Zeichen der
Rekatholisierung.
Es wird jedoch angenommen, daß nicht nur diese
Religiösen Gründe, sondern auch Prestigegründe den
Kurfürsten veranlaßten die Stadt zu verlassen, da mit dem alten
Schloß trotz der geplanten Instandsetzungmaßnahmen kein Staat mehr
zu machen war.
Der Nachfolger Karl Philipps wurde 1742 Karl Theodor,
für den das Karlstor am Ostrand der Stadt erbaut wurde. Er war es auch, der
1751 das große Faß im Heidelberger Schloß errichten
ließ.
Die Universität erreichte zu dieser Zeit ihren
Tiefpunkt, da Karl Theodor nicht viel an ihr lag, und er sie kaum förderte.
Auch andere Gründe, wie z.B. die Vererbung der Professuren von Vätern
auf ihre Söhne trugen dazu bei.
Dafür erlebte die Wirtschaft einen Aufschwung, und
es gelangte in Mode Maulbeerbäume als Förderung für die
Seidenherstellung anzupflanzen.
Als jedoch das Schloß, in dem sich eine Seiden-
und Tapetenfabrikation etabliert hatte, 1764 von mehreren Blitzen getroffen
wurde, war es endgültig zur Ruine geworden.
Um Heidelberg herum wurden jedoch fleißig Tabak,
Wein, und Krapp angebaut, was die Gründung von Gewerben der
Farbenherstellung, Wachsziehereien, Kattunfabrikationen, Gerbereien und
Tapetenwirkereien positiv beeinflußte.
Eine Industrie entwickelte sich im 19 Jh.daraus jedoch
nicht, da die hohen Gewerbesteuern potentielle Anleger
abschreckte.
Nach dem Reichsdeputationshauptschluß im Jahre
1803 fiel Heidelberg schließlich Baden zu. Dies führte dazu,
daß Heidelberg nicht mehr im Zentrum lag, sondern in die Randlage
Nordbaden gedrängt wurde.
Mit Karl Friedrich erhielt Heidelberg zudem einen neuen
Landesherrn.
Dieser machte sich daran die hochverschuldete
Universität wieder aufzubauen, um eine Badische Landesuniversität zu
besitzen.
Die Universität hatte sich ab jetzt nicht mehr
selbst zu finanzieren, und war in Religionsfragen zur Toleranz verpflichtet, was
im frühen 19 Jh. nicht der Normalfall war.
Dies zog wieder Professoren und Studenten aus ganz
Europa heran.
Im 19 Jh. betrug z.B. die Anzahl von jüdischen
Professoren 12% mehr, als es dem Bevölkerungsanteil entsprochen hätte,
und unter russischen Studenten galt Heidelberg als wichtigstes Zentrum auf dem
Kontinent.
Die Zeit der “jüngeren Romantik”
war angebrochen.
Heidelberg war zum Zentrum der Romantik geworden,
Malerei und Dichtkunst prägten diesen Mythos.
Es gab einen Zustrom von Künstlern aus ganz Europa,
denn jeder der etwas auf sich hielt, mußte die Atmosphäre Heidelbergs
gespürt haben.
Die Stadterweiterung Richtung Westen ging immer weiter,
die Bebauung der Hauptstraße wurde dichter, und Heidelberg erlebte einen
Regelrechten Boom.
Heidelberg wollte sich geben wie Meran, und so wurden
Projekte wie die Molkekur, und der Philosophenweg (1817) geschaffen, auf dem der
Besucher sich durch die besonders romantische Atmosphäre inspirieren lassen
konnte.
Der Aspekt des Tourismus begann für Heidelberg zum
wichtigen Faktor zu werden.
1840 wurde die erste Eisenbahnstrecke zwischen
Heidelberg und Mannheim mit Bahnhof am Adenauerplatz gegründet, was auf ein
Gutachten der Badischen Eisenbahndirektion zurückzuführen ist, in dem
man sich vom Tourismus viel versprach.
Bald bildete sich sogar eine kleine Englische Kolonie,
mit eigener Anglikanischer Kirche und einer Englischen Schule.
Heidelberg begann sich im zunehmenden Maße zu
entwickeln. 1877 wurde die heutige Theodor - Heuss
Brücke gebaut, die eine direkte Verbindung mit Neuenheim darstellte. Es
wurde die Brückenstraße gebaut (1890), die zunächst nur bis zum
Mönchhofsplatz ging. Das bereits im 8 Jh. erwähnte Bauern - und
Fischerdorf wurde 1891 eingemeindet.1884 wurde in Heidelberg eine professionelle
Stadtverwaltung eingesetzt, 1885 fuhr die erste Straßenbahn in der
Hauptstraße.
1886 gab es einen weiteren wichtigen Einschnitt, denn
die Einkommensteuer wurde eingeführt. Diese verblieb bei der Gemeinde, und
Heidelberg versuchte möglichst viele reiche Leute in die Stadt zu holen. So
wurden am Fuß des Heiligenberges zwischen 1900 und 1904 Villengebiete
ausgewiesen und Industrie in dieser Gegend verboten. Auch in der
Hauptstraße und der Weststadt wurden viele Villen gebaut; somit kamen
zahlreiche zahlungskräftige Pensionäre in die Stadt.
1895 wurde die Kanalisation gebaut, 1903 die Stadthalle
(heutige Kongreßhalle).
Bis 1904 war die Bebauung bis zum Mönchhofsplatz
geschlossen, wobei westlich der Brückenstraße die Bebauung des
ursprünglichen Dorfes blieb, und östlich vielfach Villen gebaut
wurden.
Die Sozialstruktur wurde von Süden nach Norden
besser, was man in der zeitlichen Entwicklung des Baugeländes erklären
kann.
Heute ist eine Änderung der reinen Wohnfunktion zu
erkennen, eine Aufteilung der Häuser auf mehrere Parteien aber auch zum
tertiären Sektor hin.
1903 wurde Handschuhsheim eingemeindet, und 1904 an das
Straßenbahnnetz angeschlossen.
Dieses, ebenfalls im 8 Jh. erstmals erwähnte Dorf,
dessen Bevölkerung zum größten Teil aus Bauern bestand, besitzt
im Stadtkern die sogenannte Tiefburg, eine Wasserburg, die zwischen dem 7 und 8
Jh. errichtet wurde.
1130 wurden das erste Mal die Ritter von Handschuhsheim
erwähnt. Ebenso findet man in Handschuhsheim das
Grahamschlößchen mit dem Grahampark, das von einem reichen
Engländer errichtete wurde. Ein weiteres Beispiel für die
Internationalität Heidelbergs.
1919 folgte schließlich die Reichssteuerreform,
die die Einkommensteuer den Gemeinden wegnahm, und die nun an das Reich
fielen.
In den zwanziger Jahren mit der Weltwirtschaftskrise
verarmten große Teile der Bevölkerung.
In Heidelberg gab es bis zum 1. Weltkrieg keinen
sozialen Wohnungsbau (der in anderen großen Städten normal zwischen
1870 und1910 stattfand).
Aufgrund der Wohnungsnot niedrigerer sozialer Schichten,
wurde in Handschuhsheim 1919 der sogenannte Atzelhof gebaut. Es war das erste
Sozialbauprojekt, und bis 1926 wurden weitere 2500 (zumeist kleine) Wohnungen,
u.a. im Pfaffengrund, gebaut.
Im alten Dorfkern Handschuhsheims findet man heute
vorwiegend sanierte Altbauten und ausgebaute Scheunen. Er gehört heute zu
den besseren Wohngegenden.
Die vollständige Bebauung zwischen Handschuhsheim
und Neuenheim erfolgte jedoch erst in der Zeit zwischen den
Weltkriegen.
In Heidelberg gab es 1904 erste Pläne für eine
Bahnhofsverlegung, zum Zwecke der Neugliederung der Stadt, in Richtung des
heutigen Hauptbahnhofs, der 1917 fertiggestellt sein sollte. Es kam jedoch
aufgrund des 1.Weltkrieges zunächst nicht dazu.
Diese Pläne wurden erst um 1930 wieder
konkret.
Der damalige Bürgermeister hatte gute Beziehungen
zu Albert Speer, Hitlers Reichsarchitekt.
Auf dessen Empfehlung hin wurde Heidelberg zur
“Reichsangelegenheit” erklärt, und unter die
“Neugestaltungstädte” aufgenommen (wie z.B. auch Linz,
Nürnberg und Wolfsburg).
1939 fand dann ein Städtebaulicher Wettbewerb
statt. Geplant waren auf dem Gebiet des heutigen Bismarckplatzes und des Mengler
- Baus ein großes Theater mit 4000 Plätzen und ein Festspielhaus nach
dem Beispiel Bayreuths.
Sinn war die Selbstdarstellung des
Nationalsozialistischen Systems (Gigantismus).
Der 2. Weltkrieg kam jedoch dazwischen, und so wurden
diese Ideen nie verwirklicht; der Bahnhof blieb bis 1955 am
Adenauerplatz.
Nach Abriß der alten Gleisanlagen bildete sich
dann der Adenauerplatz wie man ihn heute erkennt, mit einer breiten Straße
Richtung neuem Hauptbahnhof, an der viele Öffentliche Gebäude gebaut
wurden wie z.B. das Finanzamt.
Auch heute kann man noch viele Hotels um de Adenauer -
Platz herum finden, die sich im Laufe der Jahre um den Bahnhof gegründet
haben.
Nach 1945 stellte Heidelberg nicht das Bild vieler
zerstörter Städte Deutschlands dar. Da die Amerikaner die Stadt als
ihr Hauptquartier und “Erholungsort” für ihre Soldaten nach dem
Krieg nutzen wollten, wurde Heidelberg von den Zerstörungen durch
Luftangriffe verschont.
Die Amerikaner nahmen zudem Flüchtlinge (vorwiegend
aus den Ostgebieten) in ihre Besatzungszone auf (im Gegenteil zu den
Franzosen).
Da Heidelberg unzerstört war, kamen demzufolge auch
viele Flüchtlinge in die Stadt, und 20000 Personen mehr bevölkerten
die Altstadt.
Die Altstadt behielt eine schlechte Wohnqualität
bis in die siebziger Jahre des 20 Jh..
Eine ständige Fluktuation der Bevölkerung, mit
einem statistischen Austausch der Bevölkerung (Gentrification) nach vier
Jahren, trug zur Verschlechterung der Wohnqualität bei.
Man wollte jedoch eine Bevölkerungsbelebung der
Altstadt erreichen. Dazu plante man 3. Sanierungsstufen, die die Entkernung der
Altstadt und Austausch der sozial schwächeren Schichten durch Sanierung und
somit Verteuerung der Wohnungen vorsehen.
Die ersten beiden Stufen wurden bis heute verwirklicht,
und man denkt, die 3. Stufe zur Jahrtausendwende erreicht zu
haben.
Die Hauptstraße hat ebenso eine Veränderung
erfahren. Man findet hier heute viele kleine Läden, vorwiegend
Kettenfilialen und billige Geschäfte. 1974 wurde die Hauptstraße zur
Fußgängerzone. Sie hat heute einen großen Symbolgehalt, da sich
hier die Geschäfte konzentrieren.
In der Plöck, der parallel verlaufenden Straße findet man kaum
Geschäfte.
Diese findet man aber auch noch um den Bismarckplatz.
Auf ihm standen einst Festungswerke. Nachdem diese abgeschliffen worden waren,
war hier der botanische Garten der Universität. Heute ist er der
Verkehrsknotenpunkt Heidelbergs. Auf ihm steht der sogenannte Mengler - Bau, ein
großes Kaufhaus. Flankiert wird er vom Klinikviertel Bergheims auf der
einen Seite und der Hauptstraße auf der anderen Seite, wo der Zustrom der
Passanten in die Hauptstraße am größten ist.
Die Universität hat heute eine große
Bedeutung für Heidelberg. Sie ist mit 10000 Arbeitsplätzen der
größte Arbeitgeber der Stadt. 22 Milliarden DM werden inklusive
Baukosten jedes Jahr ausgegeben. Sie erspart der Stadt durch die medizinische
Fakultät 40 Millionen DM Kosten im Jahr (Stadt muß kein Krankenhaus
bauen).
Desweiteren decken 30000 Studenten der Universität
1/3 ihres allgemeinen Bedarfs in Heidelberg. Im näheren Umkreis werden
weitere 47% des Bedarfs gedeckt.
Um 1950 begann man die Universität aus der Altstadt
auszulagern. Sie bildet heute im Neuenheimer Feld eine Art
“Universitätsviertel”.
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Quellen:
Heinemann, Günther : “Traumstadt
Heidelberg” (1986) S.6/7, 10 - 14, 16 - 31
Knoll, Gabriele M. : “Heidelberg, Darmstadt und
die Bergstraße” (1994) S.60, 68, 86/87, 98
Exkursionsaufschrieb
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