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Brecht, Bertolt: Die Dreigroschenoper
Deutschreferat von Benjamin Biermann bei Herrn
Grätzner. Vorgetragen am 23. November 1994.
Die Dreigroschenoper
von Bertolt Brecht
Referat von Benjamin
Biermann
Jahnschule, Hamburg
e-Mail:
benjamin.biermann@hamburg.netsurf.de
Inhaltsangabe
1. Einleitung
2. Inhalt
3. Form
4. Stil
5.
Entstehungsgeschichte
6. Wirkungsgeschichte
7. Kurzbiographie des
Autors
8. Beurteilung
9. Literaturnachweis
1. Einleitung:
Die Dreigroschenoper von Bertolt Brecht ist
ein TheaterstÜck bestehend aus einem Vorspiel und drei Akten. Die Musik ist
von Kurt Weill. Das StÜck wurde am 21. August 1928 im `Theater am
Schiffbauerdamm` in Berlin uraufgefÜhrt. Der Grundgedanke des StÜcks
besteht darin, daß der eine (Peachum) den anderen (Macheath), an den
Galgen bringen will.
2. Inhalt:
In Brechts Jargon wÄre der Inhalt des
StÜckes nicht die Story, sondern die Fabel. Ich erzÄhle sie in drei
Versuchen zuerst in einem, dann in drei und dann in zehn
SÄtzen.
1. Versuch in einem
Satz:
Weil der londoner Gangsterboß Mackie
Messer die Tochter des Bettlerkänigs der Stadt verfÜhrt, schickt
dieser ihm die Polizei auf den Hals, und so gelingt es dem unfreiwilligen
Schwiegervater fast, den unerwÜnschten Mann seiner Tochter an den Galgen zu
bringen.
2. Versuch in drei
SÄtzen:
Der in London stadtbekannte Gangsterchef
Mackie Messer verfÜhrt die Tochter des sogenannten Bettlerkänigs
Peachum, und heiratet seine hÜbsche Polly heimlich auf einer improvisierten
Hochzeitsfeier in einem geknackten Lagerschuppen im Beisein seines alten Kumpels
"Tiger-Brown" aus Armeezeiten, der inzwischen Polizeichef der Hauptstadt wurde.
Der Bettlerkänig verlangt vom
Polizeichef, Mackie Messer, der wegen Mordes gesucht wird, festzunehmen und
unterstreicht seine Forderung mit einer gemeinen Drohung: Er will all seine
organisierten Bettlerhorden auf die Straße schicken, um die bevorstehenden
Kränungsfeierlichkeiten zu stären, fÜr deren reibungslosen Ablauf
Tiger-Brown verantwortlich ist.
Nachdem der Polizeichef seinen Freund, den
Gangsterkänig im Stich ließ und ihn dem Henker auslieferte, rettet
des Känigs Reitender Bote den Verurteilten unter dem Galgen aus der
Schlinge, und so gibt es ein operettenhaftes Happy-End.
3. Versuch in zehn
SÄtzen:
Ein BÄnkelsÄnger singt auf der
Straße im London des vorigen Jahrhunderts die Ballade vom
märderischen Gangsterboß Mackie Messer. Dieser Mackie, ein von der
Polizei gesuchter Schwerverbrecher, verfÜhrt und entfÜhrt die Tochter
des mÄchtigen Bettlerkänigs der Hauptstadt Jerome Peachum.
In einem geknackten Lagerhaus improvisieren
die MÄnner der Gang eine Hochzeitsfete fÜr ihren Chef und schleppen
auch einen alkoholisierten Priester an, der die Trauung vollzieht und
begrÜßen bei dieser heimlichen Feier sogar Mackies Kumpel aus alten
Tagen in der britischen Kolonialarmee, den londoner Polizeichef Tiger-Brown.
Peachum gelingt es nicht, seine Tochter, die
er lieber gutbÜrgerlich verheiraten will, wieder aus dieser Verbindung
herauszureißen, und deshalb wendet er sich an den Polizeichef der Stadt
London: Brown soll seine schÜtzende Hand nicht lÄnger Über Mackie
Messer halten.
Als Tiger-Brown versucht, seinen alten
Kriegsfreund zu schÜtzen, droht Peachum damit, seine Bettlerhorden so zu
mobilisieren, daß sie die anstehenden Kränungsfeierlichkeiten
dermaßen stären, daß es den verantwortlichen Polizeichef selber
den Kopf kosten kann. Tiger-Brown schÜtzt seinen alten Freund nicht mehr
und lÄßt ihn dort verhaften, wo Mackie sich auch als frischgebackener
Ehemann jeden Donnerstag aufhÄlt: im Puff bei der Hure
Jenny.
Im Knast verfÜhrt Mackie seine heimliche
Geliebte Lucy, die Tochter des GefÄngnisdirektors, ihm die Flucht aus dem
GefÄngnis zu ermäglichen.
Aber daraus wird nichts, denn seine
frischgeheiratete Polly erwischt das PÄrchen im GefÄngnis und
duelliert sich in einem giftigen Haßduett mit ihrer
Rivalin.
Da Tiger-Brown die Hinrichtung nicht mehr
verhindern will, um seinen eigenen Kopf zu retten, steht der
berÜhmt-berÜchtigte Mackie Messer zum Schluß doch unterm Galgen,
mit der Schlinge um den Hals.
Aber weil Brecht einen ironisch-provokanten
Schluß haben wollte, ließ er im richtigen letzten Moment den
"Reitenden Boten des Känigs" erscheinen, der in einem schän verlogenen
Happy-End den Gangster befreit und in den Adelsstand
erhebt.
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3. Form
Die Dreigroschenoper ist ein modernes
TheaterstÜck mit vielen Songs und Balladen. Der Titel ist eine Variation
auf den Originaltitel eines alten englischen StÜckes von John Gay:
"Beggears Opera". Da diese Ärmliche Oper von Bettlern handelt und von
Bettlern fÜr Bettler gespielt wird, gab Brecht ihr diesen Namen:
Drei-Groschen-Oper.
Zu bedenken ist allerdings, daß diese
Oper ein Welterfolg wurde und zwar nicht bei den Bettlern, sondern bei den
Wohlhabenden, die immerhin das Kleingeld haben, sich das StÜck von
gutbezahlten Schauspielern in bÜrgerlichen Theatern vorspielen
lassen.
Brecht hat versucht die bisherige
>>kulinarische<< Oper durch eine Oper des Vorzeigens und Aufdeckens
zu ersetzen, Stichwort: "Episches Theater" (darÜber spÄter). Da der
Stoff in Brechts Bearbeitung also weder eine Oper noch ein `normales`
TheaterstÜck geblieben oder geworden ist, bezeichnet er es als
"Éeine Art Referat Über das, was der Zuschauer im Theater vom Leben
zu sehen wÜnscht." Brecht hat alle Besonderheiten dieser Mischform benutzt,
er hat sich die verschiedenen Elemente, die er fÜr seine Zwecke brauchen
konnte, herausgepickt und zusammengefÜgt.
Kritisch gesagt: er klitschte mit leichter
Hand das alte englische StÜck mit einer Handvoll Balladen von Franois
Villon zusammen. Aber es ist eben die Hand eines Genies. Er hat viel geklaut -
aber wenn solch ein Genie klaut, dann wird es eher noch mehr bewundert. Der
große Shakespeare hat seine Stoffe auch "geklaut" und ist trotzdem kein
Dieb. Von Brecht schnappte ich mal den frechen Satz auf: "In Fragen des
geistigen Eigentums darf man nicht pingelig sein."
Vor jedem neuen Abschnitt dieses gesungenen
und gespielten Bilderbogens, die wie die Bilder einer Moritat vorgezeigt werden,
betont Brecht den Vorzeigegestus mit kalten Ansagen, wie zum Beispiel diese:
"DONNERSTAG NACHMITTAG; MACKIE MESSER NIMMT ABSCHIED VON SEINER FRAU, UM VOR
SEINEM SCHWIEGERVATER AUF DAS MOOR VON HIGHGATE ZU FLIEHEN."(Abschnitt 4). So
hat der Zuschauer immer einen ungefÄhren †berblick Über das, was
kommt und kann sich deshalb darauf konzentrieren, w i e es kommt. Das ist ein
gutes Beispiel fÜr Brechts episches Theater.
4. Stil
Bertolt Brecht versteht es, seine Gestalten
und Gesellschaftliche Beziehungen auf raffinierte Weise zu verbinden: das Elend
als Ware, den RÄuber als BÜrger (und umgekehrt), das Doppelleben des
Beamten und Privatmanns. Motto: "Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die
GrÜndung einer Bank!" Das StÜck spielt historisch genau auf der
Grenze, wo der brutale ungewaschene Gangsterkapitalismus in den modernen
parfÜmierten gutbÜrgerlichen Kapitalismus Überwechselt. Mackie
Messer scheitert also fast daran, daß er diese Kurve nicht kriegt. Das
will Brecht: Der Zuschauer soll begreifen, daß Mackie Messer nach seiner
operettenhaften Rettung das Messer mit einem FÜllfederhalter vertauscht,
mit dem er VertrÄge schließt, die es ihm ermäglichen, die
Menschen viel wirkungsvoller auszuschlachten. Das geht dann Über in das
Thema des Dreigroschenromans, den Brecht danach schrieb.
5. Entstehungsgeschichte
Die Idee zur Dreigroschenoper kam Brecht beim
Studium der `Beggar´s Opera` (1728) von John Gay (1685-1732). Bei der
Aktualisierung der Vorlage ging Brecht keineswegs behutsam vor. Nach vielen
Experimenten und Fassungen entschied er sich Über das epische Theater zur
Form eines Schauspiels mit hauptsÄchlich kommentierenden Songeinlagen. Er
hat das schon damals revolutionÄre Werk Gays in die heutige Zeit
uminterpretiert und ergÄnzt, daß es ein neues StÜck wurde,
welches nur noch dieselbe Rahmenhandlung wie das Original hat.
6. Wirkungsgeschichte
Die Dreigroschenoper zÄhlt zu den
wichtigsten TheaterstÜcken der Deutschen Theatergeschichte und jeder
halbwegs gebildete Mensch sollte das StÜck gesehen und sich damit
auseinandergesetzt haben. Die gesellschaftskritischen Songs, mit denen das
StÜck wirkungsvoll durchsetzt ist, trugen neben der lyrischen
IndividualitÄt entscheidend zum Internationalen Erfolg des StÜckes
bei.
Daß Brecht den Namen des
Villon-†bersetzer, bei dem er sich bedient hatte (K.L.Ammer) verschwieg
und ihn auch an den Nutzungsrechten nicht beteiligen wollte, fÜhrte zu
einem Prozeß, den Brecht verlor. Aber wer denkt heute noch daran.
Die Freude, mit der hier die Aufläsung
jeder menschlichen Ordnung gezeigt wurde, fand in einer Zeit, welche die
demoralisierende Inflation hinter sich hatte und in massive Arbeitslosigkeit
stÜrzte, einen beispiellosen Widerhall. Interessant ist, daß die
Dreigroschenoper, als sie 1959 in Ostberlin wieder aufgefÜhrt wurde, ihre
frÜhere Wirkung nicht mehr erreichte. Das ist kein Wunder, denn es gab
weder die alten Gangster, noch Kapitalisten in der DDR. Das brennende Problem
mit den Bonzen der Partei konnte das StÜck nicht
darstellen.
7. Kurzbiographie des
Autors
Bert(holt) Brecht wurde am 10. Februar 1898
in Augsburg geboren. Der Vater war Papierfabrikant und schickte seinen Sohn nach
dem Abschluß der AbiturprÜfung zum Studium von Naturwissenschaft und
Medizin. Den ersten Weltkrieg verlebte der Überzeugte Pazifist als
SanitÄtssoldat. Doch schon als ZweiundzwanzigjÄhriger brach er mit
seiner großbÜrgerlichen Herkunft und schrieb Theaterkritiken. Brecht
schrieb einige Dramen und erlangte mit ihnen erste Erfolge. Den Durchbruch als
BÜhnenautor schaffte er aber mit der Dreigroschenoper. Vielleicht
Ärgerte ihn aber, daß grade die, die er angriff, im Parkett
saßen und ihn bewunderten und die, statt sich zu schÄmen oder sich zu
Ärgern, nur lachten.
Vielleicht wandte er sich deshalb mehr und
mehr den Kommunisten zu und idealisierte die Arbeiterklasse als das einzig
fortschrittliche Element in der Geschichte. Brecht lebte nun in Berlin und
studierte dort grÜndlich den Marxismus. Hier legte er den Grundstein
fÜr seinen kommunistischen Glauben. Von nun ab fehlte in keinem seiner
StÜcke Elemente des Marxistischen Grundgedankens: In der Dreigroschenoper
hieß es noch bäsartig formuliert: Erst kommt das Fressen, dann kommt
die Moral..." Aber nun hieß es: Das Sein bestimmt das Bewußtsein.
Der Klassenkampf sollte eine bessere Gesellschaft erzwingen.
1933 mußte Brecht aufgrund des
nationalistischem Regimes emigrieren. Von ...sterreich Über DÄnemark,
Schweden, Finnland durch die Sowjetunion an den pazifischen Ozean und mit dem
letzten Schiff entkam er mit seiner Frau, der Schauspielerin Helene Weigel und
den Kindern in die USA. Dort lebte er in der nÄhe Hollywoods.
Nach dem Krieg ging er 1947 in die Schweiz um
nach Westdeutschland einreisen zu kännen. Als die erforderliche Genehmigung
ausblieb, reiste er in die damalige Ostzone. Mit seiner Frau grÜndete er
in Ostberlin sein Theater, das `Berliner Ensemble`. Hier errang er eine
große Zahl bedeutender BÜhnenerfolge. Bertolt Brecht starb am 14.
August 1956 an einem Herzinfarkt in Berlin.
8. Beurteilung
Die Dreigroschenoper war fÜr mich eine
ebenso lehrreiche wie amÜsante LektÜre. Das StÜck ist auch als
Text leicht verstÄndlich zu lesen, was ja bei TheaterstÜcken nicht
immer selbstverstÄndlich ist. Besonders eindrucksvoll finde ich, daß
das StÜck in der damaligen Zeit solch ein Welterfolg war. Heute ist seine
politische und soziale Sprengkraft geringer geworden.
9. Literaturnachweis
1. Bertelsmann SchauspielfÜhrer; Dr.
Felix Emmel; Bertelsmann Lesering.
2. Das neue Fischer Lexikon in Farbe
(Blum-Dzi); Div.; Fischer Verlag.
3. Meyers Taschenlexikon; Div.; B.-I.
Taschenbuchverlag.
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