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Bundesrepublik Deutschland nach 1945
Bundesrepublik Deutschland nach 1945
Nach der Wahl zum ersten Deutschen Bundestag vom 14.
September 1949 bildete Konrad Adenauer eine Koalitionsregierung aus CDU
(Christlich-Demokratische Union), CSU (Christlich-Soziale Union), FDP (Freie
Demokratische Partei) und DP (Deutsche Partei). Theodor Heuss wurde zum
Bundespräsidenten gewählt. Während die SPD im Wahlkampf
Planwirtschaft und Sozialisierung der Grundstoffindustrien gefordert hatte,
leitete die Regierung Adenauer unter Wirtschaftsminister Ludwig Erhard eine
Politik der sozialen Marktwirtschaft ein. Sie ermöglichte die
wirtschaftliche Eingliederung der Vertriebenen und trug der CDU/CSU in den
Bundestagswahlen von 1953 und 1957 hohe Stimmgewinne ein.
Eine selbständige Außenpolitik ermöglichte
die Revision des Besatzungsstatuts (1951) und das “Petersberger
Abkommen” vom November 1949, das die Errichtung konsularischer
Vertretungen im Ausland und die Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland an
internationalen Organisationen gestattete. 1951 unterzeichnete die
Bundesregierung den Vertrag über die Montanunion.
Die Westintegration
Die von den USA gewünschte und von Adenauer angebotene
Beteiligung der Bundesrepublik an der Verteidigung Westeuropas und damit die
Aufstellung von westdeutschen Streitkräften führte zu scharfen
innenpolitischen Auseinandersetzungen. 1952 wurde dennoch der Vertrag über
die “Europäische Verteidigungsgemeinschaft” (EVG) zusammen mit
dem Deutschlandvertrag unterzeichnet. Nachdem die französische
Nationalversammlung 1954 den EVG-Vertrag abgelehnt hatte, wurde das Problem des
deutschen Verteidigungsbeitrags durch die Schaffung der Westeuropäischen
Union gelöst. Zugleich erhielt die Bundesrepublik erweiterte
Souveränitätsrechte, und es erfolgte ihre Aufnahme in den
Nordatlantikpakt (NATO). Am 5. Mai 1955 wurde nach Ratifizierung der Pariser
Verträge (1954) das Besatzungsstatut aufgehoben und die Bundesrepublik
Deutschland für souverän erklärt.
Die wirtschaftliche Integration der Bundesrepublik in den
Westen erhielt mit der in den Römischen Verträgen (1957) beschlossenen
Schaffung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der
Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM) neuen Auftrieb.
Das Verhältnis zwischen der Bundesrepublik
Deutschland und der Sowjetunion
Das Verhältnis der Bundesrepublik Deutschland zur
Sowjetunion und den osteuropäischen Staaten war durch die kontroverse
Haltung in der Deutschlandfrage bestimmt. Die Angebote Stalins von 1952, ein
wiedervereinigtes neutralisiertes Deutschland zuzugestehen und auch über
freie, gesamtdeutsche Wahlen diskutieren zu wollen, fielen direkt in die
Endphase der Verhandlungen über den EVG- und Deutschlandvertrag im
Anschluß an die erfolgreich verlaufene Londoner
Außenministerkonferenz (17.-19. Februar 1952). Die Westmächte, die in
Stalins Vorstoß nur eine taktische Variante sowjetischen Vormachtstrebens
in Deutschland und Europa sahen, waren nicht bereit, die inzwischen
fortgeschrittene Integration Westdeutschlands in das westliche Bündnis
rückgängig zu machen und die Bundesrepublik zugunsten eines neutralen
Deutschlands aufzugeben. Sie bestanden auf international kontrollierten Wahlen
als Prämisse für die Bildung einer frei gewählten deutschen
Regierung. Auch Adenauer vermutete, daß Stalin mit seinen
Verhandlungsangeboten die erfolgreich begonnene Einigung Westeuropas behindern
und die USA aus Europa verdrängen wollte. Er hielt es daher, im Unterschied
zu Politikern der SPD, FDP und der eigenen Partei, in dieser Situation für
ungünstig, über die sowjetische Offerte zu verhandeln, zumal die unter
alliierter Vormundschaft stehende Bundesrepublik keine
Mitsprachemöglichkeit besaß. Der Tod Stalins am 5. März 1953
weckte Hoffnungen auf eine Entspannung der Lage in Europa, vor allem weil nach
Ende des Koreakrieges mit dem Indochinakrieg neue Komplikationen in der
Weltpolitik entstanden waren.
Die gewaltsame Niederschlagung des Volksaufstands in
Ostberlin und verschiedenen Orten der DDR am 17. Juni 1953 durch die Rote Armee
schien allerdings das Sicherheitsdenken der Bundesregierung zu bestätigen
und führte zu einem großen Wahlerfolg der CDU bei der Bundestagswahl
im September 1953. Als Antwort auf den Abschluß der Pariser Verträge
vom 5. Mai 1955 und die damit erfolgte Einbindung der Bundesrepublik in das
westliche Militärbündnis schlossen sich Mitte Mai acht Staaten des
Ostblocks zu einem Militärbündnis unter der Führung Moskaus
– dem Warschauer Pakt – zusammen. Ihm wurden 1956 auch die
inzwischen geschaffenen Streitkräfte der Nationalen Volksarmee
eingegliedert.
Die Sowjetunion ging nun von der Existenz zweier
völkerrechtlich getrennter deutscher Staaten aus, die die Deutschlandfrage
künftig in eigener Verantwortung zu lösen hatten. Der Versuch
Adenauers, Moskau von dieser Theorie abzubringen, gelang nicht. Immerhin aber
konnte er die Freilassung der letzten knapp 10 000 deutschen Kriegsgefangenen
sowie circa 20 000 Zivilinternierter aus der Sowjetunion erreichen und damit
einen großen persönlichen Erfolg verbuchen. Als Gegenleistung
mußte der Kanzler der von Moskau geforderten Aufnahme diplomatischer
Beziehungen zustimmen und den Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik
aufgeben. Um zu verhindern, daß künftig auch andere Staaten
außerhalb des Warschauer Paktes diplomatische Beziehungen zu Ostberlin
aufnahmen, wurde im Bonner Auswärtigen Amt die nach dem Außenminister
benannte Hallstein-Doktrin entwickelt, die jede Aufnahme diplomatischer
Beziehungen mit der DDR als “unfreundlichen Akt” gegenüber der
Bundesrepublik betrachtete und mit dem Abbruch der Beziehungen beantwortete. Als
Druckmittel galt die erstarkte westdeutsche Wirtschaft und die mit dem Aufbau
der Bundeswehr erreichte militärische Gleichberechtigung.
Parteienverbot
Im Interesse der im Grundgesetz verankerten
“wehrhaften Demokratie” beantragte das Bundesverfassungsgericht das
Verbot zweier verfassungswidriger Parteien: 1952 wurde die 1949 gegründete
neonazistische Sozialistische Reichspartei (SRP) und 1956 die Kommunistische
Partei Deutschlands (KPD) verboten. Andere kleine Parteien verloren immer mehr
an Stimmen und scheiterten an der Fünfprozentklausel.
Das Godesberger Programm der SPD
Die SPD konnte nach dem Tod ihres Vorsitzenden, Kurt
Schumacher (1952), mit dem Godesberger Programm von 1959 ihre innenpolitische
Stellung verbessern. Die Partei löste sich von marxistischen
Programmteilen, ohne ihren Anspruch auf einen demokratischen Sozialismus
aufzugeben.
Der Mauerbau
Mit der Errichtung der Mauer in Berlin durch die DDR am 13.
August 1961 war jede Hoffnung auf eine Wiedervereinigung zerstört.
Adenauer, der befürchtet hatte, daß sein sofortiges Erscheinen in der
nun geteilten Stadt zu unkontrollierten Aufständen – besonders im
Ostteil – führen würde, kam erst am 22. August nach Berlin. Dies
kostete ihn und seine Partei in den folgenden Bundestagswahlen vom 17. September
1961 zahlreiche Stimmen. Zunehmende Differenzen mit seinen Ministern und seiner
Partei führten am 15. Oktober 1963 zu seinem Rücktritt. Sein
Nachfolger im Amt wurde Ludwig Erhard. Mit seiner bisherigen Tätigkeit als
Wirtschaftsminister hatte sich das sogenannte Wirtschaftswunder verbunden, der
rasche wirtschaftliche Aufschwung mit Vollbeschäftigung, dessen Grundlagen
jedoch bereits durch den amerikanischen Marshall-Plan gelegt worden
waren.
Die von Erhard geführte Koalitionsregierung aus
Unionsparteien und FDP wurde nach den Wahlen von 1965 erneuert. Mit der
Friedensnote vom 25. März 1966, die das Angebot des gegenseitigen
Gewaltverzichts beinhaltete, wagten Kanzler Erhard und sein Außenminister
Gerhard Schröder einen ersten Schritt in Richtung auf einen Abbau der
Konfrontation mit der DDR und eine Ausrichtung der deutschen Außenpolitik
auf die Gegebenheiten der deutschen Spaltung. Dagegen gelang es der Regierung
nicht, die wachsende wirtschaftliche Rezession zu beheben und die u. a. dadurch
entstandene Unruhe im Land zu beruhigen.
Von der Großen Koalition zur sozialliberalen
Regierung
Am ersten Dezember 1966 bildete Kurt Georg Kiesinger (CDU)
eine Große Koalition aus CDU/CSU und SPD, die u. a. eine wirtschaftliche
Neuorientierung einleitete. Die Tatsache einer Großen Koalition
verstärkte die Proteste der Jugend, besonders der Studenten, die seit
Anfang der sechziger Jahre kritisch mit der nationalsozialistischen
Vergangenheit ins Gericht gegangen war und die, beeinflußt durch die
neomarxistische Frankfurter Schule, nach grundlegenden Reformen in Staat und
Gesellschaft rief. Zahlreiche, zum Teil gewalttätige Demonstrationen in den
westdeutschen Großstädten und die Bildung einer
Außerparlamentarischen Opposition (APO) waren die Folge. Nach jahrelangen
Auseinandersetzungen wurde 1968, gegen heftigen Widerstand insbesondere der
Gewerkschaften und gegen die Stimmen der FDP und von
50 Bundestagsabgeordneten der SPD eine Notstandsverfassung mit Vorschriften
für den “Verteidigungsfall”, für Spannungssituationen und
für Katastrophenfälle beschlossen.
Entwicklung zu einer entspannten Ostpolitik
1969 wurde Gustav Heinemann (SPD) zum Bundespräsidenten
gewählt. Gewinner der Bundestagswahl vom 28. September 1969 wurde die SPD.
Zusammen mit der FDP bildete sie unter Bundeskanzler Willy Brandt die neue
Regierung, die antrat, eine neue Politik, vor allem im Verhältnis zur DDR,
zu entwickeln. Die Staatlichkeit der DDR im Rahmen der deutschen Nation wurde
akzeptiert und der Versuch unternommen, mit ihren Führern ins Gespräch
zu kommen. Durch Unterzeichnung eines deutsch-sowjetischen Vertrags in Moskau
über Gewaltverzicht (1970) und eines deutsch-polnischen in Warschau
über die Anerkennung der bestehenden polnischen Westgrenze (unter
Vorbehalt) sowie dem Abschluß eines Berlinabkommens (1971) leitete Brandt
eine neue Deutschland- und Ostpolitik ein. Es folgten ein Verkehrsvertrag und
der Grundlagenvertrag (1973), der die Beziehungen der beiden deutschen Staaten
zueinander auf eine vertragsmäßige Basis stellen sollte. Die
Auseinandersetzungen um die sogenannten Ostverträge bestimmten 1970 bis
1973 die innenpolitische Diskussion.
Durch ein konstruktives Mißtrauensvotum versuchte die
CDU/CSU-Opposition am 27. April 1972 vergeblich, Brandt zu stürzen. Durch
Überwechseln von Abgeordneten der FDP und der SPD zur Opposition verlor die
Regierung zwar Sitze, gewann dann aber in der vorgezogenen Bundestagswahl 1972,
und die SPD wurde stärkste Fraktion im Bundestag.
Am 18. September 1973 wurden die Bundesrepublik und die DDR
in die Vereinten Nationen (UNO) aufgenommen. Die Auswirkungen des Nahostkrieges
vom Oktober 1973 mit der Ölkrise und der beschleunigten Inflation,
große tarifpolitische Zugeständnisse der Regierung, innerparteiliche
Kämpfe in der SPD und Spannungen mit dem Koalitionspartner, u. a.
verursacht durch die Mitbestimmungsfrage, schwächten die Stellung Brandts.
Dagegen konnte die CDU/CSU bei verschiedenen Landtagswahlen seit 1973 an
politischem Terrain zugewinnen.
Nach der Enttarnung des DDR-Spions Günther Guillaume
(siehe Guillaume-Affäre) im Bundeskanzleramt trat Brandt am 7. Mai
1974 zurück. Kurz zuvor, am 2. Mai, hatten die Ständigen Vertretungen
der beiden deutschen Staaten in Bonn und Ostberlin ihre Arbeit aufgenommen.
Akkreditiert wurden am 20. Juni für die Bundesrepublik Günther Gaus
und für die DDR Michael Kohl. Die DDR sagte im Gegenzug Verbesserungen im
Besucher- und Reiseverkehr zu.
Bundeskanzler Helmut Schmidt
Am 15. Mai 1974 wählte die Bundesversammlung den
FDP-Vorsitzenden Walter Scheel zum vierten Bundespräsidenten und einen Tag
später der Bundestag Finanzminister Helmut Schmidt (SPD) zum neuen
Bundeskanzler. Seinem Kabinett gehörten elf SPD- und vier FDP-Minister
an.
Am 1. August 1975 endete nach zweijährigen Beratungen
in Genf und Helsinki die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE) mit der Unterzeichnung der Schlußakte durch
Repräsentanten von 35 Staaten Europas – unter ihnen beide
deutsche Staaten. In der Folge wurde u. a. ein Renten- und Kreditabkommen
mit Polen abgeschlossen und die Ausreise von 125 000 Deutschstämmigen in
die Bundesrepublik in den kommenden vier Jahren vereinbart.
Im November 1975 verabschiedete die SPD auf dem Mannheimer
Parteitag einen ökonomisch-politischen Orientierungsrahmen als
Langzeitprogramm bis 1985, das, vom Godesberger Programm ausgehend, die
Grundwerte des demokratischen Sozialismus präzisierte.
Bei der achten Bundestagswahl vom 3. Oktober 1976 wurde die
CDU/CSU wieder stärkste Fraktion, doch behauptete die sozialliberale
Koalition knapp die Mehrheit.
Organisierter Terrorismus
Ein Hauptproblem der Innenpolitik in der zweiten Hälfte
der siebziger Jahre ergab sich aus dem Auftreten des bewaffneten Terrorismus in
Form der Baader-Meinhof-Bande und ihrer Nachfolgeorganisation RAF mit mehreren
Attentaten auf Politiker und einflußreiche Repräsentanten der
Wirtschaft sowie der Diskussion um die Methoden der strafrechtlichen Verfolgung
(Kontaktsperregesetz, Verteidigerausschluß).
Im Juni 1978 mußte Innenminister Werner Maihofer (FDP)
wegen Fahndungspannen im Entführungsfall Schleyer und des umstrittenen
“Lauschangriffs” auf den der Kontakte zur Terrorszene
verdächtigten Atomwissenschaftler Klaus Traube zurücktreten. Sein
Nachfolger wurde Gerhard Baum (FDP).
Die Beziehungen zur DDR Anfang der achtziger Jahre
Am 1. Juli 1979 übernahm Carl Carstens (CDU) das Amt
des Bundespräsidenten. Trotz zunehmender Verhandlungsaktivitäten
zwischen beiden deutschen Staaten und angeblich expandierender DDR-Wirtschaft,
nahmen DDR-Bürger nach wie vor große Risiken auf sich, um in die
Bundesrepublik zu flüchten. Mitte September 1979 gelang acht
DDR-Bürgern die Flucht mit einem Heißluftballon. Im August 1980 gab
die Zentrale Erfassungsstelle der deutschen Länderjustizverwaltung bekannt,
daß seit dem 13. August 1961, dem Tag des Baues der Mauer in Berlin, 25
000 Fälle von Gewaltanwendung und Übergriffen von DDR-Organen
registriert und 177 Menschen an der Mauer ums Leben gekommen waren. Ebenfalls im
September 1979 befürwortete die Synode des “Bundes der Evangelischen
Kirche der DDR” in Dessau den baldigen Zusammenschluß der
Landeskirchen.
Die Beziehungen zur DDR wurden auf verschiedenen Ebenen
ausgebaut. Im März 1980 beschlossen die Jungsozialisten in der SPD
(Vorsitzender Gerhard Schröder), ihre Beziehungen zur Freien Deutschen
Jugend (FDJ) zu vertiefen, und bei einem Gespräch mit Bundeskanzler Schmidt
im April erklärte Günter Mittag, Mitglied des Politbüros und
ranghöchster Wirtschaftspolitiker der DDR, seine Regierung wünsche
einen systematischen Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen mit der Bundesrepublik.
Außerdem wurde zur Verbesserung des Berlinverkehrs ein Abkommen
unterzeichnet, nach dem sich die Bundesrepublik mit 507 Millionen DM an den
Kosten beteiligen sollte. Aus Anlaß des Tages der deutschen Einheit am 17.
Juni 1980 betonte Kanzler Schmidt die Vordringlichkeit des Friedens; die
deutsche Einheit sei nicht erzwingbar. Das brachte ihm die Rüge der
Opposition ein, er betrachte die deutsche Frage nur als
Pflichtübung.
Bei den Wahlen zum neunten Bundestag am 5. Oktober 1980
konnte Helmut Schmidt mit der sozialliberalen Koalition seine Mehrheit ausbauen.
Gegenkandidat der Unionsparteien war Franz Josef Strauß (CSU). Die CDU/CSU
blieb stärkste Fraktion im Bundestag, obwohl sie 4,1 Prozent der Stimmen
eingebüßt hatte. Als ihr Vorsitzender wurde für weitere vier
Jahre Helmut Kohl wiedergewählt. Schmidt bekannte sich erneut zur NATO, EG
und zur Partnerschaft mit den USA als Grundlagen westlicher Sicherheit. Ebenso
plädierte er für den Erhalt und Ausbau der Beziehungen zur DDR wie
auch zu den osteuropäischen Staaten. Zur Aufrechterhaltung des
militärischen Gleichgewichts befürwortete er Rüstungskontrolle
statt -wettlauf. Sicherung der Energieversorgung, Intensivierung des
Wohnungsbaues und Integration der Ausländer waren weitere Ziele seiner
Politik.
Am 9. Oktober 1980 (vier Tage nach der Bundestagswahl)
erhöhte die DDR die Mindestumtauschsätze für Westbesucher von 13
DM auf 24 DM pro Tag. Wenige Tage später forderte SED-Generalsekretär
Erich Honecker die Anerkennung der DDR-Staatsbürgerschaft durch die
Bundesrepublik sowie die Umwandlung der Ständigen Vertretungen beider
Staaten in Botschaften. Die Bundesregierung protestierte gegen die Erhöhung
des Zwangsumtauschs, der die Besucherzahlen hatte stark zurückgehen
lassen.
Der NATO-Doppelbeschluß
In der Folge SPD-interner Differenzen – insbesondere
um den NATO-Doppelbeschluß von 1979 – drohte Kanzler Schmidt im Mai
1981 mit seinem Rücktritt, falls sich die Partei in ihrer Mehrheit gegen
den Beschluß von 1979 aussprechen sollte. Seiner Einschätzung nach
mußte das angesichts der internationalen Situation unabsehbare
Konsequenzen für das westliche Bündnis haben. Zusammen mit
US-Präsident Ronald Reagan betonte er während einer USA-Reise,
daß Abschreckung und Rüstungskontrolle integrale Bestandteile des
Bündnisses seien. Auf dem Sonderparteitag der SPD am 21. Juni wurde dann,
trotz heftiger Kritik mehrheitlich für den Nachrüstungsbeschluß
gestimmt. Allerdings sprachen sich die Jungsozialisten eine Woche später
ausdrücklich gegen den Beschluß, gegen Kernkraft und für die
Verstaatlichung der Schlüsselindustrien aus. Im Anschluß an eine bei
den Unionsparteien wie auch der US-Regierung auf harte Ablehnung
gestoßenen Reise des SPD-Vorsitzenden Brandt nach Moskau, erläuterte
dieser die sowjetischen Vorschläge für eine Einfrierung der Zahl der
Mittelstreckenraketen und Aufnahme von Abrüstungsverhandlungen mit den USA.
Die Bundesregierung stimmte verhalten zu.
Am 11. Juni 1981 wählte das Berliner Abgeordnetenhaus
Richard von Weizsäcker zum Regierenden Bürgermeister der Stadt Berlin.
Am 13. August bezeichnete dieser die 20 Jahre zuvor errichtete Berliner Mauer
als ein “Symbol der Trennung”, das viele Opfer gefordert hätte.
Am 28. September wurde der DDR-Spion Guillaume durch den Bundespräsidenten
begnadigt und im Rahmen einer Austauschaktion in die DDR
gebracht.
Anfang Dezember reiste Schmidt zu Gesprächen mit Erich
Honecker an den Werbellinsee. Dabei erneuerte die DDR ihren Anspruch auf eine
eigene Staatsbürgerschaft; der zinslose Überziehungskredit wurde
erhöht und verlängert.
Ab Oktober desselben Jahres kam es im Zusammenhang mit dem
Bau der Startbahn West des Frankfurter Flughafens zu schweren Ausschreitungen,
in deren Verlauf auch für Frieden und Abrüstung und gegen den
NATO-Doppelbeschluß demonstriert wurde.
Bundeskanzler Helmut Kohl
Die seit Sommer 1982 virulente Koalitionskrise zwischen SPD
und FDP verschärfte sich im September aus Anlaß eines von
Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff vorgelegten
“Strategiepapiers”. Am 17. September traten die vier FDP-Minister
Baum, Ertl, Genscher und Lambsdorff zurück, nachdem Bundeskanzler Helmut
Schmidt die Koalition mit der FDP aufgekündigt hatte, und die SPD regierte
mit einem Minderheitskabinett weiter. Am 1. Oktober 1982 brachten die CDU/CSU-
und die FDP-Fraktion den Antrag auf ein konstruktives Mißtrauensvotum
gegen Bundeskanzler Schmidt im Bundestag ein. Aus der Abstimmung ging der
Führer der Unionsopposition, Helmut Kohl, mit 223 Stimmen der Union und 33
der FDP als neuer Bundeskanzler hervor. Zahlreiche Delegierte des
FDP-Bundeskongresses am 1. November 1982 traten infolge der Ereignisse aus der
Partei aus. Wie zuvor abgesprochen, verweigerten auch die Abgeordneten der neuen
Regierungsparteien dem Kanzler ihre Vertrauensbezeugung (am 17. Dezember 1982).
Damit war der Weg frei für die Auflösung des Bundestages durch den
Bundespräsidenten (7. Januar 1983), der gleichzeitig die Neuwahlen für
März anberaumte. Aus den Bundestagswahlen vom 6. März 1983 gingen die
Unionsparteien gestärkt, die FDP dagegen geschwächt hervor.
Hans-Jochen Vogel wurde, als Nachfolger von Herbert Wehner,
SPD-Fraktionsvorsitzender und Oppositionsführer im
Bundestag.
Am 23. Mai 1984 wählte die achte Bundesversammlung
Richard von Weizsäcker zum sechsten Bundespräsidenten, der am 1. Juli
sein Amt antrat. Er hielt am 8. Mai 1985 eine weltweit beachtete Rede
anläßlich des “Tages der Befreiung von dem menschenverachtenden
System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft”.
Die Innen- und Außenpolitik der Regierung Kohl bis
1989
Anfang Juli 1985 handelten Bonn und Ostberlin erneut eine
Erhöhung des Überziehungskredits der DDR von 600 auf 850 Millionen DM
für weitere fünf Jahre aus. Gleichzeitig sorgte die DDR – wohl
als Reaktion auf die Festnahmen bzw. Enttarnungen verschiedener DDR-Spione in
der Bundesrepublik – für einen Ausbau der Kontaktsperren, um so eine
weitere Abgrenzung der Deutschen in beiden Staaten zu
erreichen.
Am 9. Dezember 1986 verzeichnete der Bundesminister für
innerdeutsche Beziehungen Heinrich Windelen eine “gute Bilanz” der
Kontakte: Mehrere innerdeutsche Städtepartnerschaften wurden abgeschlossen,
der Reiseverkehr hatte einen Höchststand erreicht, und im März 1987
nahmen erstmals Bundeswehroffiziere als Beobachter an Manövern der
Warschauer-Pakt-Staaten teil.
Die Bundestagswahl vom 25. Januar 1987 brachte erneut eine
Bestätigung der Bonner Regierungskoalition, obwohl die Union starke
Verluste hinnehmen mußte. Während die FDP zulegte, verlor die SPD
Stimmen. Am 23. März 1987 erklärte der langjährige
SPD-Vorsitzende Brandt in der Folge innerparteilicher Kritik wegen der Berufung
einer neuen SPD-Sprecherin seinen Rücktritt (Nachfolger wurde am 14. Juni
Hans Jochen Vogel).
Mit dem Besuch des israelischen Staatspräsidenten,
Chaim Herzog, in der Bundesrepublik Anfang April 1987 betrat erstmals ein
Staatsoberhaupt Israels deutschen Boden. Am 1. Juni einigte sich die Bonner
Koalition über die Zustimmung zu einer erweiterten
amerikanisch-sowjetischen Nullösung bei Mittelstreckenraketen. Anfang
September 1988 begann der Abzug der amerikanischen Pershing II-Raketen aus der
Bundesrepublik auf dem Stützpunkt Waldheide bei Heilbronn.
Die Bundestagswahl vom 25. Januar 1987 brachte erneut eine
Bestätigung der Bonner Regierungskoalition, obwohl die Union starke
Verluste hinnehmen mußte. Während die FDP zulegte, verlor die SPD
Stimmen.
Die Jahresbilanz 1987 zeigte außerdem deutlich,
daß trotz zunehmender Reise- und Kulturaktivitäten nach beiden Seiten
auch die Zahl der Flüchtlinge und der Übersiedler in die
Bundesrepublik laufend angestiegen war. Am 1. November 1987 traten zudem die von
Honecker in Bonn zugesagten Reise- und Paketzusicherungen in Kraft. Einen Tag
zuvor hatten die drei westlichen Stadtkommandanten Schüsse von
DDR-Wachtposten auf Flüchtlinge als “grobe Mißachtung
grundlegender Menschenrechte” verurteilt. Am 9. November
verständigten sich Vertreter beider deutscher Staaten auf circa 100
Vorhaben der kulturellen Zusammenarbeit im Rahmen des Kulturabkommens von
1986.
1988 registrierten die Aufnahmelager in der Bundesrepublik
über 200 000 Aussiedler aus Osteuropa. Knapp 40 000 Zuwanderer kamen aus
der DDR (1987: rund 19 000). Im Januar 1989 verurteilte Honecker
“extremistische Ausfälle gegen die DDR” auf der
KSZE-Folgekonferenz in Wien. In den folgenden Monaten ereigneten sich mehrere
spektakuläre, zum Teil tödlich endende Fluchtversuche von
DDR-Bürgern, was zu Protesten der Bundesregierung und der drei westlichen
Alliierten sowie zu Absagen von Besuchen von Politikern auf verschiedenen Ebenen
führte. Im April installierten DDR-Soldaten zusätzliche
Signaldrähte an der innerdeutschen Grenze.
Bei einem Besuch in Bonn Mitte des Monats bekannte sich der
sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow für die UdSSR
erstmals zum Selbstbestimmungsrecht der Völker und zum Schutz von
Minderheiten. Zur Berliner Mauer sagte er, diese könnte auch wieder
verschwinden, wenn die Voraussetzungen wegfielen, die sie hervorgebracht
hätten.
Schritte zur Wiedervereinigung
Im August 1989 spitzte sich die Flüchtlingsbewegung aus
der DDR dramatisch zu; 55.970 DDR-Bürger waren zwischen Januar und Juli
1989 bereits in die Bundesrepublik gekommen, davon 46.634 mit
Ausreisegenehmigung. Weit über 100 Menschen hatten sich in die
diplomatischen Missionen der Bundesrepublik in Ostberlin, Budapest und Prag
geflüchtet. Eine Lösung des Problems wurde dadurch erschwert,
daß die DDR-Führung den Ausreisewilligen nur noch Straffreiheit
zusicherte, aber keine Ausreisezusagen mehr machte.
Nach Öffnung der österreichisch-ungarischen Grenze
durch Ungarn reisten innerhalb von drei Tagen 15.000 Bürger der DDR aus.
Sonderausreisegenehmigungen am 1. und 4. Oktober durch die DDR-Regierung (am 5.
Oktober begannen die großen Feierlichkeiten zur DDR-Gründung) hatten
die Flucht von mehreren tausend Ausreisewilligen über Prag, Warschau und
aus Dresden zur Folge. Anläßlich seines Besuchs in Ostberlin mahnte
der sowjetische Partei- und Staatschef Gorbatschow die Notwendigkeit von
Reformen in der DDR an. In Leipzig demonstrierten bei Friedensgebeten Tausende
(am 23. Oktober circa 300.000) für Reformen in der DDR.
Am 26. Oktober telephonierte Kohl mit dem neuen Partei- und
Staatschef der DDR, Egon Krenz (Honecker hatte am 18. Oktober alle Ämter
niedergelegt) über die Fortsetzung der Zusammenarbeit, am 9. November
öffnete die DDR alle Grenzen, und noch in derselben Nacht eilten Tausende
in den Westen.
Am 7. Dezember begannen die Gespräche zwischen
DDR-Regierung und Opposition am “runden Tisch” in Ostberlin. Die
Botschafter Englands, Frankreichs und Amerikas in der Bundesrepublik sowie der
sowjetische Botschafter in der DDR trafen sich am 11. Dezember zu
Gesprächen in Berlin; Kohl fuhr am 19. Dezember zum
Ministerratsvorsitzenden Modrow nach Dresden, und sie beschlossen die Bildung
einer Vertragsgemeinschaft. Bis Ende des Jahres waren insgesamt 34.000
DDR-Bewohner in die Bundesrepublik gekommen (1988: 39.800). Die erste
deutsch-deutsche Bankenbeteiligung wurde am 17. Januar 1990 vereinbart;
gleichzeitig trafen sich die ranghöchsten Offiziere der Bundeswehr und der
Nationalen Volksarmee (NVA); am 23. Januar trat die deutsch-deutsche
Wirtschaftskommission zusammen; am 1. Februar legte Modrow eine
“Erklärung über den Weg zur deutschen Einheit vor”, deren
“Konzept deutscher Neutralität” der Bundeskanzler allerdings
strikt ablehnte; im Anschluß an einen Besuch in Bonn vermeldete Modrow die
Weichenstellung für die “baldige Vereinigung von DDR und BRD zu einem
deutschen Bundesstaat”; am 18. März erkannten die
Mitgliedsstaaten des Warschauer Paktes in Prag das Recht beider deutscher
Staaten auf Einheit an. Am 20. März verständigten sich die
Regierungsparteien in Bonn auf einen “Fahrplan zur deutschen
Einheit”. Ende April begannen DDR-Grenzsoldaten mit dem Abbruch der
Berliner Mauer. Am 10. Mai setzte der Bundestag den Ausschuß
“Deutsche Einheit” ein, eine Woche später einigten sich Bund
und Länder auf einen “Kreditfonds Deutsche Einheit”, und am 18.
Mai unterzeichneten Bundesfinanzminister Waigel und sein DDR-Kollege Romberg im
Bonner Palais Schaumburg den Staatsvertrag zur Wirtschafts-, Währungs- und
Sozialunion, die am 1. Juli in Kraft trat (Kernbestimmung: die D-Mark wurde ab
diesem Datum offizielles Zahlungsmittel in der DDR). Anfang August kündigte
Bundesverteidigungsminister Stoltenberg die Bildung einer gesamtdeutschen Armee
mit 320.000 Bundeswehr- und 50.000 NVA-Soldaten an.
Die Wiedervereinigung
Am 23. August beschloß die DDR-Volkskammer den
“Beitritt der DDR zur Bundesrepublik zum 3. Oktober 1990 gemäß
Art. 23 des Grundgesetzes” (am 2. Dezember fand die erste gesamtdeutsche
Bundestagswahl statt). Am 12. September unterzeichneten die Außenminister
der beiden deutschen Staaten sowie Frankreichs, Englands, der USA und der
Sowjetunion in Moskau den “2+4”-Vertrag, in dem die
äußeren Aspekte der Herstellung der deutschen Einheit
einschließlich der Fragen der Sicherheit der Nachbarstaaten geregelt und
dem vereinten Deutschland nach 45 Jahren die volle Souveränität
zuerkannt wurde. Er trat nach der Ratifizierung durch die Parlamente der vier
Alliierten im Frühjahr 1991 in Kraft.
Mit der Verabschiedung der westalliierten Stadtkommandanten
am 2. Oktober war der Besatzungsstatus Berlins beendet. Am selben Tag trat die
Volkskammer zum letztenmal zusammen und löste sich ebenso auf wie die NVA.
Am 20. September hatten Bundestag und Volkskammer mit der erforderlichen
Zweidrittelmehrheit den “Einigungsvertrag” über den Beitritt
der DDR sowie die rechtlichen und sozialen Fragen im zusammenwachsenden
Deutschland endgültig verabschiedet, der am 29. September
rechtskräftig wurde. Weitere wichtige Etappen in der Entwicklung
Deutschlands nach dem 3. Oktober waren der deutsch-sowjetische
Stationierungsvertrag (12. Oktober), der den Abzug der rund 380.000
Sowjetsoldaten und ihrer 220.000 Angehörigen festlegte, die Eingliederung
der ehemaligen DDR in die EG (22. Oktober), der von Kohl und Gorbatschow
unterzeichnete “deutsch-sowjetische Vertrag über gute Nachbarschaft,
Partnerschaft und Zusammenarbeit” (9. November) und der deutsch-polnische
Grenzvertrag (14. November).
Aus der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl ging die
CDU/CSU/FDP-Regierungskoalition mit 54,8 Prozent als Sieger hervor – auch
in Berlin wurde am selben Tag die CDU stärkste Partei. Am 17. Januar 1991
trat Helmut Kohl zum viertenmal die Bundeskanzlerschaft an.
Aufarbeitung des DDR-Unrechts
Am 30. November 1990 erließ das Amtsgericht
Berlin-Tiergarten Haftbefehl gegen Honecker wegen gemeinschaftlich begangenen
Totschlags (“Schießbefehl”). Wegen seines akut
verschlechterten Gesundheitszustands und der ungeklärten Rechtslage wurde
der unter sowjetischer Obhut stehende ehemalige DDR-Chef aber nicht
ausgeliefert.
Verschiedene RAF-Terroristen, die im Zuge der
Wiedervereinigung in der DDR aufgespürt worden waren, weil sie seit Ende
der siebziger Jahre mit Hilfe des ehemaligen Ministeriums für
Staatssicherheit (Stasi) hier Unterschlupf und Unterstützung gefunden
hatten, wurden zu hohen Strafen verurteilt. Gegen den ehemaligen Stasi-Chef
Mielke und einige seiner Mitarbeiter wurde Ende März Haftbefehl
erlassen.
Folgen der deutschen Einheit
In der Folgezeit wurden gemäß dem
Einigungsvertrag zahlreiche Beschäftigte des öffentlichen Dienstes der
DDR – vor allem auch der Universitäten – entlassen. Unmut in
Ostdeutschland weckte darüber hinaus eine Regelung, nach der zur Gewinnung
westdeutschen Personals für die ostdeutsche Verwaltung Westbeamte
uneingeschränkt nach Westniveau besoldet wurden und ihre Verwendungszeit im
Osten für das Ruhegeld doppelt zählen sollte.
Gegen verschiedene Machtinhaber der ehemaligen DDR wurden
wegen der Todesschüsse an der Mauer, der Veruntreuung von Geldern und
anderer Delikte Haftbefehl erlassen.
Am 20. Juni 1991 beschloß der Bundestag die Verlegung
des Sitzes von Bundesregierung und Bundesrat nach Berlin. Die Berliner
Treuhandanstalt verkaufte bis Ende Juni 2.583 Unternehmen aus ehemaligem
DDR-Staatsbesitz für insgesamt 10,6 Milliarden DM. Im September 1991
häuften sich Anschläge Rechtsradikaler auf Asylbewerberheime;
insgesamt stieg, besonders in den neuen Bundesländern, die Zahl
fremdenfeindlicher Straftaten.
Das vereinte Deutschland
Die folgenden Jahre waren gekennzeichnet durch die
Diskussionen um die Haltung der Bundesrepublik angesichts des Krieges im
ehemaligen Jugoslawien und um den Einsatz der Bundeswehr außerhalb des
NATO-Gebietes sowie die Verabschiedung des Vertrages von Maastricht über
die europäische Union. Rechtsradikale Ausschreitungen nahmen weiter zu, in
mehreren Prozessen gegen ehemalige Repräsentanten der DDR (Markus Wolf,
Erich Mielke u. a.) sowie gegen informelle Mitarbeiter der Stasi und
Mauerschützen wurde das DDR-Erbe juristisch aufgearbeitet; die
Arbeitslosigkeit stieg an, gleichzeitig aber kam es in den neuen
Bundesländern zu einem raschen wirtschaftlichen
Aufschwung.
Am 23. Mai 1994 wurde der Präsident des
Bundesverfassungsgerichts Roman Herzog zum neuen Bundespräsidenten als
Nachfolger Richard von Weizsäckers gewählt. Die
Wirtschaftsverträge mit ehemaligen Ostblockstaaten wurden angekurbelt, die
Kurdenproblematik trat durch gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen
verschiedenen Kurdenorganisationen auf deutschem Boden deutlich zum Vorschein,
und in der Asylbewerber-, Flüchtlings- und Aussiedlerproblematik wurde mit
wechselndem Erfolg nach Lösungen gesucht.
Bei der Wahl zum 13. Bundestag im Oktober 1994 konnte sich
die Regierungskoalition behaupten. Ende des Jahres 1994 stellte die
Treuhandanstalt ihre Tätigkeit ein. Im Mai 1995 jährte sich zum 50.
Mal das Ende des 2. Weltkrieges sowie der nationalsozialistischen Herrschaft und
wurde von den ehemaligen Alliierten wie auch in Deutschland
gewürdigt.
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