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Venezuela
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Facharbeit Erdkunde LK 12.2 Alexander H. Hermelink Bad
Oeynhausen Mai 1998
Venezuela
Auf der Grundlage und Einfluss unter den in
Punkt 6 angegebenen Quellen verfasst von
Alexander H. Hermelink
Inhaltsverzeichnis:
- Allgemeine Informationen
- Name des Staates
- Lage des Landes und
Zeitzone
- Fläche, Einwohnerzahl,
Hauptstadt und Amtssprache
- Karte von Venezuela
- Nationalfeiertag
- Verfassung
- Einteilung des Landes
- Geschichte
- Land und Leute
- Geographie
- Klima
- Bevölkerung
- Entwicklung und
Wirtschaft
- Stellungnahme
6.
Quellen
- Allgemeine
Informationen
1.1 Venezuela, amtlich "República de Venezuela" ist
ein Staat im Norden Südamerikas. Der Name Venezuela kommt vom spanischen
"bene`suela", was soviel bedeutet wie "Klein-Venedig".
- Das Land liegt in den Koordinaten 73°W bis 60°W und
11°N bis 1°N und befindet sich damit in der Atlantikzeitzone, das
heißt, dass, wenn es nach der MEZ 12:00 Uhr ist, ist es in Venezuela 7:00
Uhr.
- Es umfaßt eine Fläche von 912050 km² und hat
eine Einwohnerzahl von etwa 20,7 Mio., die Hauptstadt ist Caracas, die
Amtssprache Spanisch.
- Karte von Venezuela:
- Der Nationalfeiertag ist der 5.7., der an den Tag der
Unabhängigkeit 1811 erinnert.
- Verfassung: Chef der Exekutive: der Präsident, auf 5
Jahre gewählt, die Wiederwahl ist ein Mal möglich. Legislative:
Nationalkongress aus Senat und Abgeordnetenkammer, Regierung wird vom
Präsidenten ernannt, Wahlpflicht für alle Staatsbürger
über 18 Jahren. In Zukunft: Abbau des Präsidialsystems zu Gunsten
einer parlamentarischen Demokratie.
- Einteilung: Venezuela besteht aus 20 Verwaltungseinheiten und
4 Sondergebieten, die Bundesterritorium sind oder von der Zentralregierung
verwaltet
werden:
|
Verwaltungseinheit
|
Hauptstadt
|
Fläche in km²
|
Einwohner in 1000
|
Ew. je km²
|
|
Staaten
|
|
|
|
|
|
Anzoátegui
|
Barcelona
|
43300
|
860
|
20
|
|
Apure
|
San Fernando de Apure
|
76500
|
285
|
4
|
|
Aragua
|
Maracay
|
7000
|
1120
|
162
|
|
Barinas
|
Barinas
|
35200
|
424
|
12
|
|
Bolivar
|
Ciudad Bolivar
|
238000
|
900
|
4
|
|
Carabobo
|
Valencia
|
4650
|
1453
|
333
|
|
Cojedes
|
San Carlos
|
14800
|
182
|
12
|
|
Falcón
|
Coro
|
24800
|
599
|
24
|
|
Guárico
|
San Juan de los Morros
|
65000
|
489
|
7
|
|
Lara
|
Barquisimeto
|
19800
|
1193
|
60
|
|
Mérida
|
Mérida
|
1130
|
570
|
51
|
|
Miranda
|
Los Teques
|
7950
|
1871
|
235
|
|
Monagas
|
Maturín
|
28900
|
470
|
16
|
|
Nueva Esparta
|
La Asunción
|
1150
|
264
|
229
|
|
Portuguesa
|
Guanare
|
15200
|
576
|
38
|
|
Sucre
|
Cumaná
|
11800
|
680
|
58
|
|
Táchira
|
San Christóbal
|
11100
|
808
|
73
|
|
Trujillo
|
Trujillo
|
7400
|
494
|
67
|
|
Yaracuy
|
San Felipe
|
7100
|
385
|
54
|
|
Zulia
|
Maracaibo
|
63100
|
2235
|
44
|
|
Sondergebiete
|
|
|
|
|
|
Distrito Federal
|
Caracas
|
1930
|
2104
|
1090
|
|
Bundesterritorium
|
|
|
|
|
|
Amazonas
|
Puerto Ayacucho
|
175750
|
56
|
0,3
|
|
Delta Amacuro
|
Tucupita
|
40200
|
85
|
2
|
|
Dependencias Federales
|
.........
|
120
|
2
|
19
|
Bei den "Dependencias Federales" handelt es sich um kleinere
karibische Inseln, die keiner Verwaltungseinheit zugeordnet sind und somit
direkt von der Zentralregierung verwaltet werden.
- Geschichte
Als erster
Europäer erblickte Christoph Kolumbus die Orinocomündung im Nordwesten
Venezuelas, der Name selbst wurde von A. de Hojeda geschaffen, der dem Land den
Namen Venezuela (Klein-Venedig) in bezug auf die indianischen Pfahlbauten gab.
Die erste spanische Siedlung lässt sich auf die reichhaltigen
Perlengründe vor Cumaná - westlich der Orinocomündung -
zurückführen, die allerdings sehr rasch ausgebeutet waren. 1527 wurde
als erste grössere Stadt Coro gegründet, welche heute im Nordosten des
Landes an der Küste liegt, etwa 330km von Caracas, der heutigen Hauptstadt
entfernt. 1567 gründeten die Spanier Caracas als Verwaltungsmittelpunkt. Es
folgten nun mehrere Entdeckungszüge im Bereich des oberen und unteren
Orinocos, dabei kam es 1595 zu Konflikten mit den Engländern, die z.B.
spanische Siedlungen auf Trinidad zerstörten. Um 1620 kamen die
Niederländer, 1717 wurde Venezuela Teil des Vizekönigreiches
Neugranada. Die Revolution vom 19.4.1810 in Caracas unter Simon de
Bolívar brachte die Unabhängigkeit von Spanien, die endgültige
Befreiung brachten allerdings erst mehrere Schlachten um 1820 herum. Das
ehemalige Neugranada schloss sich nun zu einer Republik Großkolumbien mit
den heutigen Staaten Venezuela, Equador, Panama und Kolumbien zusammen, doch
1830 machte sich Venezuela unter General Páez wieder selbständig,
damit brach Bolivars Konzept eines friendensreichen Staates, der alle
Lateinamerikanischen Völker vereinigt, zusammen. Venezuela versank in
Unruhen und Bürgerkriegen. Es folgten mehrere Versuche, den Staat
diktatorisch oder republikanisch in den Griff zu bekommen, mehrere
Militärdiktaturen brachten aussenpolitische Schwierigkeiten mit sich. Erst
seit den 1920ger Jahren stützt sich Venezuelas Wirtschaft auf die
Erdölförderung. Mit Hilfe des Staatsanteils am Erdöl baute der
Diktator Gómez die Staatsschuld langsam ab und stabilisierte die
Währung. Venezuela profitiert von den Erdölaus-beutungen, auf dieser
Grundlage entwickelte es sich zu einem der modernsten Staaten in Lateinamerika.
Vor dem zweiten Weltkrieg entstanden neue politische Parteien, die sich den
sozialen Fragen zuwandten und somit den Rückhalt in der Masse des Volkes
suchte. Nach einem Militärputsch wurde die wichtigste von ihnen, die
Acción Democrátia verboten. Nachdem der Diktator Pérez
gestürzt worden war, kam der erste verfassungsmäßige
Präsidentenwechsel 1964 mit der Beilegung sozialer Unruhen. Die
Acción Democrátia kam zwischen 1974 und 1979 wieder an die Macht,
unter ihrer Herrschaft wurden die Eisenerz- und Erdölindustrien
verstaatlicht, daraufhin wurde der Preis des venezolanischen Erdöls um das
vierfache angehoben, was dem Land, welches Gründungsmitglied der OPEC ist,
Reichtum, eine neue wirtschaftliche Elite und Korruption brachte. In den 80ger
Jahren unterzeichnete Venezuela die Vereinbarung zur Schaffung einer
Freihandelszone, die bis heute noch nicht realisiert ist, weiterhin versucht das
Land, mehr Gewicht in der OPEC, und somit auf dem Weltmarkt auszuüben,
Grenzstreitigkeiten mit Guyana und Kolumbien wurden rasch beigelegt. Heute ist
es ein besonderes Anliegen Venezuelas, die Lasten der Entwicklungsländer
gerechter zu verteilen. Der G-15 Gruppe (Ägypten, Algerien, Argentinien,
Brasilien, Chile, Indien, Indonesien, Jamaika, Kenia, Malaysia, Mexiko, Nigeria,
Peru, Senegal, Venezuela, Simbabwe, Sri Lanka), gegründet 1989 als
Gegengewicht zu den Industrienationen (G-7) gehören ein Drittel der
Weltbevölkerung an, jedoch ist dieser Staatenzusammenschluss nur mit 10% am
Welthandel beteiligt.
Aufgrund der wachsenden sozialen Anspannungen, der Armut, der steigenden
Inflation und den staatlichen Sparprogrammen kommt es in Venezuela heute immer
wieder zu Zwischenfällen, so am 11.5.1998, wo mehrere Bombenanschläge
Caracas Innenstadt lahmlegten.
3.0 Land und Leute
3.1 Geographie
An seinem nördlichen Ende im Westen Kolumbiens und
Venezuela teilen sich die Anden in drei Hauptketten: Cordillera Oriental,
Cordillera Central und Cordillera Occidental. Zwischen diesen Ketten liegen
viele Täler und kleinere Bergketten, zur Küste wird das Relief
flacher. Nach Venezuela ragt nur die Cordillera Oriental, die den Maracaibo-See,
der eigentlich gar kein See, sondern eine seichte Lagune des Karibischen Meers
ist, räumlich vom übrigen venezolanischen Boden abtrennt. Die Llanos
-tropisches Grasland- nehmen ein Drittel der Landesfläche ein, Ackerbau
wird in den Überschwemmungsregionen an den Unterläufen des Orinocos
begünstigt. Südlich des Orinocos liegt das alte Massiv des Berglandes
von Guyana, und im äußersten Süden liegt noch ein kleiner Teil
des Amazonas-Tieflandes. Der größte Binnensee ist der Lago de
Valencia mit über 350 km². Als Bodenart herrschen die lateritischen
Böden vor, nur in den Hochlagen kommen graue Gebirgswald- und
Gebirgssteppenböden sowie Gebirgsformen der rotbraunen Böden der
Trockensavanne vor. Von der Desertifikation ist Venezuela nur im Maracaibobecken
betroffen, dort ist die Gefahr durch Abschwemmungen gegeben, die Bekämpfung
des Vorganges ist nur mäßig möglich, da dieser Raum sehr stark
wirtschaftlich genutzt wird.
3.2 Klima
Venezuela liegt im tropisch-wechselfeuchten Klimaraum. Der
Nordwesten ist mit jährlichen Niederschlägen um 250mm relativ trocken.
In der Regenzeit im Sommer kommen in manchen Klimastationen an den Gebirgen
Niederschläge von bis zu 3000mm (Bergland von Guyana) vor. In den Llanos
nimmt der Niederschlag von Osten nach Westen zu, somit sind die westlichen
Llanos bewaldet. Von dem Klimaphänomen El Niño ist Venezuela nur
sehr wenig betroffen. Die große Anzahl der ariden Monate an der Küste
(Caracas: 6-9, Maracaibo: 10-12) lässt sich auf den Nordost-Passat
zurückführen, der von der warmen Meeresoberfläche des
Atlantischen Ozeans bzw. des Karibischen Meers an der Küste Venezuelas
entlangweht. Von der Temperatur her sind nur in den Höhenlagen niedrigere
Temperaturen zu verzeichnen, in der übrigen Region sind es im ganzen Jahr
durchschnittlich 25-30°C. Die Trockenzeit von ist von November / Dezember
bis April und die Regenzeit von Mai bis Oktober / November. In den Hochebenen
gibt es häufig sintflutartige Regenfälle. Hagel und Schnee sind
dagegen selten, nur vereinzelt im Hochgebirge, wo trotz Äquatornähe
ein angenehmes Klima vorherrscht.
3.3 Bevölkerung
In Venezuela leben überwiegend Mischlinge, die etwa 5%
Schwarzen leben im karibischen Küstenbereich, was durch die
Kolonisationzeit begründet ist. Der Anteil der Weißen liegt bei 20%.
Es gibt noch etwa 326000 Indianer laut amtlicher Statistik, die im karibischen
Gebirge sowie in den Kordilleren von Mérida und deren Randzonen in 38
Stämmen leben. Die jährliche Wachstumsrate (1959-1990: 3,5%) ist die
höchste in ganz Lateinamerika (Ø 2,5%). 57% der Bevölkerung
sind unter 25 Jahre alt.
Große Probleme machen die sozialen Unterschiede im
Land, die einen Grund in der Verstädterung haben. In den Städten gibt
es nicht genug Arbeitsplätze, hohe Arbeitslosigkeit (10%) und
Unterbeschäftigung sind daher Kennzeichen der venezolanischen Städte,
es entstehen ähnlich wie in Brasilien Hüttenstädte, in Venezuela
Barrios genannt. Anders als in den anderen Lateinamerikanischen Staaten ist es
in Venezuela so, dass der soziale Wohnungsbau im Vordergrund steht, entstehen
dann dadurch, dass der Wohnungsbau nicht mithalten kann, Barrios, dann werden
diese in kürzester Zeit verbessert, durch Einsatz von Beton und Steinen
statt Wellblech und Holz. Der Verstädterung versucht die Regierung durch
Projekte wie Landzuteilung, Neukolonisation und Bau von Straßen
entgegenzuwirken, allerdings sind dies Maßnahmen, die nur einen Tropfen
auf den heißen Stein bewirken.
Die Analphabetenquote liegt bei 11,9%, eine trotz des gut
ausgebauten Schulwesens relativ hohe Quote. Die sechsjährige Schulpflicht
beginnt sehr spät, mit 8 Jahren ist ein Kind schulpflichtig, daher sind
Vorschulen in den Städten vorhanden, die Grundschulbildung vermitteln. 90%
der Kinder der Alterstufe 8-13 Jahren besuchen die unentgeltlichen
Primarschulen, die weiterführenden Sekundarschulen werden von 56% der
Kinder der darauf folgenden Alterstufe (13-18: 62% der Mädchen, 50% der
Jungen) besucht. Die 2500 Einrichtungen zur Erwachsenenbildung werden gut in
Anspruch genommen.
Es gibt 20 Universitäten, davon sind 5 privat. Die
Ausgaben im Bildungsbereich betragen 28,5% des öffentlichen
Haushaltes.
95% der Bevölkerung ist katholisch, der Rest ist
protestantisch, jüdisch, oder gehört einer der verschiedenen
Indianischen Religionen an.
Die Wehrpflicht in der 52.000 Mann starken Armee
beträgt im allgemeinen 24 Monate, in der Marine sogar 30 Monate. Sie ist
relativ modern mit französischer Technologie ausgerüstet: 80
Kampfpanzer des Typs AMX-30 aus französischer Produktion, 160 leichte
Panzer, 120 Kampfflugzeuge vom Typ F-16, Mirage III, F-5, und Bomber vom Typ
Canberra (jeweils rund 20 Stück), 6 Fregatten, 6 Schnellboote und 2
U-Boote. Neben der Armee existiert eine paramilitärische Nationalgarde mit
23.000 Mann.
- Zitat aus einem Text, auf
den ich im Zusammenhang mit meinen Recherchen gestoßen
bin:
"Trotz
der heterogenen Zusammensetzung sind die Venezolaner auf ihr Land stolz. Obwohl
sie für sich selbst durchaus kritische Bemerkungen erlauben, würden
sie Kritik von Ausländern übelnehmen. Ihr Nationalgefühl wird
durch die praktisch tägliche Konfrontation mit den Ideen und Zielen des
Freiheitsidols und Befreiers, Simón Bolivar, gestärkt. Die
beträchtlichen Anstrengungen des Staates am Erziehungssektor
ermöglichten, hauptsächlich in den Großstädten, den Ausbau
einer gehobeneren Mittelschicht, deren intellektuelles Niveau oft
überrascht. Dennoch ist der Ausbildungsstand des Großteils der
Bevölkerung noch nicht mit dem europäischen zu vergleichen. Als
extrovertierter Mensch trägt der Venezolaner sowohl seine Gefühle als
auch seinen erreichten Wohlstand offen zur Schau. Außerdem wird sehr
großer Wert auf Körperpflege und gepflegte Kleidung gelegt. Die
Leichtlebigkeit und Unbekümmertheit vieler Venezolaner bedarf für
Europäer oftmals erst der Gewöhnung. Wer sich allerdings auf die
Mentalität einstellt, kann in Venezuela viele Freunde
finden." (Anlage zu AW-Länderblatt
Venezuela)
4. Entwicklung und Wirtschaft
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An Hand der Karte lässt sich erkennen, dass Venezuela ein weiteres
Beispiel für das Zentrum-Peripherie-Modell gelten kann. Der
Entwicklungsschwerpunkt liegt eindeutig an der Küste, und zwar in der
Region um Caracas. Nur dort ist die Bevölkerungsdichte als "dicht" zu
bezeichnen. Während sich die Erdöl- und Erdgasförderung an der
Küste beim Maracaibo-See in Westen und im Nordosten des Landes
konzentrieren, floriert um die Hauptstadt Caracas das gesamte Wirtschaftsleben
Venezuelas. Vor allen Dingen Verbrauchsgüter wie Textil- und Chemiewaren
sowie Nahrungsmittel und Fahrzeugbau sind in diesem Raum maßgeblich
vertreten. Seit Mitte der 70ger Jahre wurde eine Dezentralisierung angestrebt,
es entstanden Freihandelszonen wie z.b. auf Isla Margarita. Seit den 60ger
Jahren wurde der Anteil des sekundären Sektors durch staatliche
Fördermaßnahmen stark angehoben. Kennzeichnende Industrien sind die
Aluminiumverarbeitenden Industrien, sowie die Eisen-, Gießerei- und
Stahlerzeugnisindustrien. Das stärkste Kennzeichen der venezolanischen
Wirtschaft ist jedoch die Erdöl- und Erdgasindustrie. Die
Mineralölerzeugnisse insgesamt tragen zu 60% zu den Staatseinnahmen bei und
erbringen rund 80% der Exporterlöse. Obwohl nur ein Prozent der
Erwerbstätigen in der Erdölindustrie arbeiten, ist sie der wichtigste
Wirtschaftszweig in Venezuela. Weltweit liegt Venezuela mit seiner
Fördermenge von 127,1 Mio.t. (1992) auf Platz 7, mittlerweile wurden die
Fördermengen gesenkt. Auf Grund eines Beschlusses der OPEC im März ist
die Tagesfördermenge der Organisation im April gegenüber März um
800.000 Barrel auf 27,95 Millionen Barrel zurückgegangen. Die OPEC
reagierte damit auf die Forderungen von Firmen, die der äußerst
niedrige Ölpreis in finanzielle Schwierigkeiten gebracht hatte. Drei
Viertel der Erdölproduktion von Venezuela wird im Maracaibobecken
gefördert. Große Lager von schwer zu raffinierendem Schweröl
(Orimulsion) am Nordufer des Orinoco werden nach und nach erschlossen. Trotz des
Ölreichtums ist das nach dem BSP (1991: 2610 $/ Ew.) gesehen reichste Land
von Lateinamerika von einer starken Armut betroffen. Dazu beigetragen hat ein
Reformprogramm des Staates, welches die Privatisierung unrentabler
Staatsbetriebe sowie die Senkung der staatlichen Ausgaben vorsah. Die
Inflationsrate betrug von 1980 - 1991 jährlich 20%, 1992 betrug sie 31,9%
und die Arbeitslosigkeit liegt bei 10% (1990). Etwa ein Viertel der
Exporterlöse müssen zur Schuldenrückzahlung der Auslandsschulden
(1992: 34,4 Mrd. US-$) aufgewendet werden.
Im primären Sektor sind 11,5% der Erwerbstätigen tätig,
jedoch trägt dieser Sektor nur zu 5% zum BSP bei, dies ist der geringste
Anteil des Agrarsektors im ganzen Lateinamerikanischen Raum. Diese Entwicklung
beruht darauf, dass zur Zeit des Erdölbooms die Landwirtschaft sehr
vernachlässigt wurde. Ein Viertel der Gesamtfläche Venezuelas wird
landwirtschaftlich genutzt, ein Fünftel davon als Ackerland (3,9 Mio. ha),
der Rest (17,6 Mio. ha) als Weidefläche für die über 12,8 Mio.
Rinder (1988), dies geschieht vornehmlich in den tropischen Graslandebenen, den
sogenannten Llanos. Ähnlich wie in Brasilien und Argentinien dominiert in
der Hauptanbauregion im Nordwesten des Landes der Großgrundbesitz (mehr
als 500ha Nutzfläche). Das Hauptanbauprodukt ist Mais, der mit 1,4 Mio. t
auf einem Viertel des Ackerlandes zum festen Produkt geworden ist. Bis 1920
dominierte allerdings der Kaffee im Agrarwirtschaftlichen Bereich. An den
Kordillerenhängen angebaut, bildete er das wichtigste Exportprodukt.
Ausser den beiden Produkten wird unter anderem Reis, Baumwolle, Bohnen,
Zuckerrohr, Sorghum-hirse, Maniok, Sesam, Bananen, Ananas und Orangen angebaut.
Hinzu kommt der nichtregistrierte Anbau von Koka-Sträuchern, Hanf und
Marihuana. Von wesentlicher Bedeutung zur Versorgung der Bevölkerung ist
der Fischfang. 40.000 t Süßwasserfisch wurden 1987 gefangen, das
entspricht etwa 13% der Gesamtfangmenge. Der Thunfischfang ist ein weiteres
Standbein der Fischindustrie, weltweit belegt Venezuela mit seinem Thunfischfang
Platz 3.
Bei der Energieerzeugung ist der wichtigste Name der des Guri-Staudammes.
Das Kraftwerk am 160m hohen und 1200m langen Staudamm am unteren Rio Caroni -
90km vor der Mündung des Flusses - hatte ursprünglich eine
installierte Leistung von 2065 MW, nach weiteren Planungen der Erbauer und der
endgültigen Fertigstellung liegt die Leistung des Kraftwerkes bei 8800 MW,
was über die Hälfte der Stromversorgung Venezuelas sichert.
Zukünftig sollen noch mehr Wasserkraft und Kohleenergie zur Stromversorgung
genutzt werden.
In der Aussenwirtschaft dominiert trotz Diversifizierungsbemühungen
der Erdölbereich (80%). Zweitwichtigster Exportartikel ist Aluminium (4%).
Weitere Waren sind Stahlerzeugnisse, Kaffee, Kakao, Tropenfrüchte und Rum.
Von den Einfuhren von chemischen, pharmazeutischen, Konsum- und
Investitionsprodukten ist Venezuela langfristig abhängig. Der wichtigste
Handelspartner sind die USA (48% des Außenhandelsvolumen), es folgen die
BRD, Niederlande, Antillen und Italien. Seit 1970 ist die Handelsbilanz fast
immer positiv: 1991 lag der Einfuhrwert bei 6,8 Mrd. US-$, der Ausfuhrwert bei
17,6 Mrd. US-$.
Der Tourismus wird durch die verschiedenen klimatischen und
landwirtschaftlichen Unterschiede begünstigt. Hauptanziehungspunkt ist die
Küste (Isla de Margarita), doch auch historische Sehenswürdigkeiten im
Inneren des Landes finden Ihre Besucher unter den heute 552.000 Touristen
(1990). Trotz der Unruhen im Augenblick hat das Aussenministerium bisher nur die
Empfehlung gegeben: "In Venezuela besteht ein Sicherheitsrisiko. Offenes
Tragen von Wertsachen ist nicht ratsam. Bei der Auswahl der Wohnung bzw. eines
Hauses sollte ebenfalls auf die Sicherheit Rücksicht nehmen. Bei neuen
Fahrzeugen besteht eine hohe Diebstahlsgefahr. Bei Überfällen ist zu
beachten, daß die Täter meist bewaffnet sind."
- Stellungnahme
Nach der Sichtung der Materialien war mein erster Eindruck
von diesem Land recht positiv: Die Wirtschaft stimmt, große räumliche
Probleme mit Ungunstfaktoren schien es auch nicht zu geben, ausserdem war mit
dem Erdöl ein großer Gunstfaktor gegeben. Warum wird ist Venezuela
aber ein Entwicklungsland, wo es doch das reichste Land in ganz Lateinamerika
ist?
Das Land befindet sich im Augenblick in einer schwierigen
Lage. Da in den letzten Jahrzehnten große politische Fehler gemacht
wurden, viele Reformversuche unter anderem an der Korruption gescheitert waren,
nur wenig gegen die Arbeitslosigkeit, Inflation getan. So ging durch den
Erdölboom fast die Agrarwirtschaft zugrunde, die Folge bestand in der
Landflucht: 1990 lebten 84% der Bevölkerung in Siedlungen über 2.500
Einwohnern, und 50% in Städten mit über 100.000 Einwohnern. Die
typischen Verstädterungsprobleme setzten ein: Arbeitslosigkeit,
Unterbeschäftigung, Wohnungsnot und Slumbildung. Dies führte dazu,
dass die soziale Schere in Venezuela immer weiter aufklaffte: Die
wirtschaftliche Elite, die mit den Mitteln der Korruption und Vetternwirtschaft
sämtliche Reformen verhinderten standen gegenüber den Menschen, die
gar nichts hatten, denen aus Angst vor Hunger nur noch die Flucht in die Stadt
geblieben war. Mittlerweile wird aber wieder etwas getan. Peu á peu
werden Reformen durchgeführt, mit dem politischen- auch das
wirtschaftliche- und soziale System verändert, nur ob das zum Erfolg
führt, ist ungewiß.
Venezuela ist ein von wirtschaftlichen Faktoren
begünstigtes Land, jedoch bleibt dafür die soziale Frage auf der
Strecke.
- Quellen:
Quelle Verlag
Brockhaus Enzyklopädie Bände 9 und 23, 19.Aufl.
1994 F.A.Brockhaus Mannheim
Diercke Weltatlas, 1. Auflage 1989 Westermann
DuMont Weltatlas, 1997 DuMont
Internetangebote:
Ausserdem noch vielen Dank an den Online-Dienst AOL und die
Nachrichtenagenturen dpa und Reuters, die mir über den elektronischen Weg
viele Informationen zugeschickt haben!
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