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Energiesteuer - Ja oder Nein
ENERGIESTEUER - JA ODER
NEIN???
Deutschland zählt zu den führenden Industrienationen, ist stolz
auf seine Spitzenposition im Exporthandel, auf seinen guten Platz in der
Entwicklung von Hochtechnologie und hat auch in Sachen Umweltschutz die Nase
vorn.
Doch auf diesen Lorbeeren dürfen wir uns nicht ausruhen, denn die
momentane, globale Umweltsituation ist miserabel. Immer mehr Autos und Lkws
rollen auf unseren Strassen. Der Energieverbrauch steigt, besonders der Verkehr
verursacht einen Zuwachs an CO2-Emissionen und fördert so den sogenannten
Treibhauseffekt. Ozonloch und Sommersmog gefährden insbesondere die
Gesundheit von Kindern und alten Menschen. Im Boden und Grundwasser sammeln sich
Gifte aus Landwirtschaft und Industrie. Tier- und Pflanzenarten sterben
unwiederbringlich aus.
Trotz mehrerer Klimakonferenzen der vereinten, europäischen Nationen
herrscht in unserer Umweltpolitik Stillstand.
Bereits in wenigen Jahrzehnten werden wir über alternative Energie
jedoch nicht mehr beraten können, wir müssen sie bereits entwickelt
haben, denn unsere Ressourcen werden bis dahin, durch unseren unkontrollierten,
leichtsinnigen Verbrauch, bereits aufgebraucht sein.
So kann es nicht weiter gehen!
Aus diesem Grund diskutieren unsere Politiker seit langem über die
Einführung einer Energiesteuer, denn wir brauchen eine Steuerreform, die
aus dem Teufelskreis heraufführt, in dem bislang noch Umweltschädigung
begünstigt und Arbeit immer teurer wird.
Vor- und Nachteile der Steuerreform
Die Energiesteuer, auch Ökosteuer genannt, beinhaltet eine
Umverteilung der Steuern. Da die Beitragssätze für Renten-, Kranken-
und Arbeitslosenversicherung in der Zeit von 1980 bis 1998 von 32,4% auf 42,1%
stiegen, ist eine baldige Senkung unumgänglich. Der entscheidende Gedanke
ist die Verknüpfung von steigenden Energieabgaben, zum Beispiel eine
Erhöhung der Mineralölsteuer (insbesondere des Benzinpreises), mit
einer Senkung der Sozialabgaben, sowie einem Wegfall der KFZ-Steuer.
Dadurch würde Umweltverschmutzung für die Firmen verteuert, das
Einstellen von neuen Arbeitskräften, durch die gesenkten Lohnnebenkosten,
jedoch günstiger. Es könnten in Deutschland bis zu eine Millionen neue
Arbeitsplätze innerhalb der nächsten zehn Jahre entstehen. Ein grosser
Vorteil, wenn man bedenkt, das es in Deutschland zur Zeit fast 5 Millionen
Menschen Arbeitslose gibt.
(Die Alternativen zur Energiesteuer wären ein drastischer Abbau der
sozialen Leistungen oder eine weitere Erhöhung der
Mehrwertsteuer.)
Mit entstehenden Mehreinnahmen sollen die Sozialversicherungsbeiträge
bis zum Jahre 2009 wieder gesenkt werden. So sparen alle Beteiligten Geld und
Deutschland hat die Möglichkeit, seine Umweltschutzziele mit dem Kampf
gegen die Massenarbeitslosigkeit zu vereinbaren.
Doch trotz der zum Teil sehr unterschiedlich angesetzten Steuerlast bzw.
betroffenen Energiearten der verschiedenen Parteien, bewirken alle
Vorschläge eine deutliche Erhöhung der Produktionskosten für
Firmen. Durch die sogenannte "Ökologische Steuerreform" würde sich der
energiebedingte Standortnachteil zusätzlich so dramatisch erhöhen,
dass eine Produktion in Deutschland zukünftig nicht mehr für alle
möglich wäre. Eine Industrie hohen technischen Standards und hoher
Produktivität würde somit steuerlich erdrosselt werden, die Folgen
wären der Verlust von Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen
Ländern, sowie Abwanderungen der Industrie ins Ausland.
Insbesondere in den östlichen Nachbarländern würden Produkte
wegen der niedrigeren technologischen Umweltstandards jedoch mit deutlich
höherem Energieaufwand und Emissionen hergestellt. Dazu kämen die
erhöhten Emissionen aufgrund des Transports nach per Lkw, Bahn oder Schiff.
Die damit verbundenen Umweltbelastungen würden sich um 300 bis 600 Prozent
erhöhen und weiträumig verteilt auftreten.
Um diese Abwanderungen zu vermeiden, wird in einigen Ländern, welche
die Energiesteuer bereits einführten, versucht, die höheren Abgaben,
die dadurch für Betriebe entstehen, zu senken, indem sie auf anderen Wegen
an sie zurückgeführt werden. Diese Rückführung der Gelder an
die Industrie bewirkt wiederum, dass die Kosten auf Haushalte und sozial
Schwächere entfallen, während die grössten Umweltsünder
weiterhin ihren Machenschaften nachgehen können. Kleine Unternehmen
müssten schliessen, da sie sich die Abgaben nicht leisten könnten. Sie
würden von grossen Firmen geschluckt, welche wiederum die Abgaben der
Energiesteuer möglichst gering halten könnten.
Das bedeutet, eine Energiemehrwertsteuer würde ausschliesslich von den
Verbrauchern bezahlt, während die gesamte Industrie ausgeklammert
bliebe.
Viele Firmen, die nur mit Hilfe eines starken Energieaufwandes produzieren
können, versuchen bereits, durch weiterentwickelte Produktionsverfahren,
den Energieverbrauch zu senken. Dieses Phänomen, sowie das `System der
freiwilligen Selbstverpflichtungserklärung der deutschen Wirtschaft`
(hierbei handelt es sich um die Senkung des Energieverbrauches von Firmen bis
zum Jahr 2005 um 20%, auf freiwilliger Basis) würden durch eine
Steuererhöhung zerstört. Die Industrie wäre nicht länger
bereit, auf den Saat zuzugehen und würde ihre Bemühungen unterlassen
und die Erklärungen zurücknehmen.
Trotz der grossen Abneigung der Industrie gegenüber der Steuerreform,
haben sich selbst Konzerne wie Shell und BP bereits für die Einführung
der Ökosteuer ausgesprochen. Auch die IG Metall plädiert für eine
dynamische Energiesteuer auf Erdöl, Erdgas, Steinkohle, Braunkohle und die
Kernenergie. Sie betrachtet es als Anreiz zur Energieeinsparung und zum
verantwortungsbewussten Umgang mit der Energie.
Politiker von gestern versuchen immer noch, die Themen Arbeit und Umwelt
gegeneinander auszuspielen. Doch die Arbeitsmarktzahlen sprechen eine andere
Sprache: In den klassischen arbeitsintensiven Industrien (Stahl, Auto, Chemie)
gehen Tag für Tag Arbeitsplätze verloren, während die
Umweltbranche wächst. Schon jetzt arbeiten hier fast eine Million Menschen,
davon über 500.000 im Dienstleistungsbereich, Tendenz steigend. Es gibt
keine Branche in Deutschland, die ähnlich hohe Zuwächse an
Arbeitsplätzen bietet.
Voraussetzung für weitere Zuwächse der Umweltbranche aber ist,
dass die Politik dafür den Anreiz durch eine ökologisch-soziale
Steuerreform gibt. Es wird eine ökologische Wende in der Energie-,
Verkehrs- und Landwirtschaftspolitik benötigt.
Die Benzinpreiserhöhung
Neben dem Einführen der Energiesteuer wird insbesondere darüber
diskutiert, den Benzinpreis bis zum Jahr 2010DM auf 5,75 pro Liter zu
erhöhen und gleichzeitig das Drei-Liter-Auto einzuführen. Diese neu
entstehenden Kosten verschrecken wiederum die Autofahrer. Bei DM 5,75 pro Liter
Benzin würde Autofahren für Normalverdiener unerschwinglich.
Eine derart drastische Erhöhung des Benzinpreises muss das Autofahren
jedoch nicht verteuern. Würde der Durchschnittsverbrauch auf drei Liter
sinken würden sich die Kosten erheblich verringern. Des Weiteren würde
durch eine erhöhte Mineralölsteuer, die Kfz-Steuer
wegfallen.
Auf lange Sicht gesehen, wäre das Drei-Liter-Auto also günstiger
für den Besitzer, und ausserdem wesentlich umweltverträglicher, als
ein Auto, das unserem jetzigen Standart entspricht.
Ein Lösungsvorschlag ist, das Drei-Liter-Auto sofort einzuführen
und die Produktion "herkömmlicher" Autos so schnell wie möglich zu
stoppen. Der Benzinpreis für "normale" Autos würde wie geplant bis zum
Jahre 2010 erhöht, während Besitzer des Drei-Liter-Autos sofort den
Preis von DM 5,75 pro Liter bezahlen müssten. Da erwiesen ist, dass ein
durchschnittlicher Deutscher sich etwa alle sieben Jahre ein neues Auto zulegt,
ist es also durchaus möglich, diesen Lösungsvorschlag zu realisieren,
weil dann bis zum Jahre 2010 jeder Haushalt ein Drei-Liter-Auto besitzt. Um den
Verbrauchern die Entscheidung zu erleichtern, müssen die Autohäuser
und –händler die alten Autos in Zahlung nehmen und
umrüsten.
Die Autoindustrie profitiert von der Nachfrage nach Pkws mit geringem
Benzinverbrauch und kann Arbeitsplätze schaffen, statt weitere
abzubauen.
In der Anschaffung ist das Drei-Liter-Auto zunächst teurer, als ein
ähnliches, "herkömmliches" Modell. Die Kosteneinsparung würde
sich bei den jetzigen Benzinpreisen demnach erst nach mehreren Jahren
rentieren.
Darüber hinaus wurde in den letzten Jahren die Entwicklung besserer
Motoren durch den Trend zu leistungsstärkeren und schwereren Fahrzeugen
fast vollständig zurückgestellt, obwohl die Fertigstellung von
Drei-Liter-Autos schon lange als technisch machbar gilt.
Letztere besitzen, dank ihres sparsamen Verbrauches, nur etwa die
Grösse eines Polos. Viele Autofahrer bevorzugen deshalb beim Autokauf aus
geschäftlichen oder privaten Gründen grössere und
leistungstärkere Wagen.
Selbst wenn es möglich wäre, das Drei-Liter-Auto zu
vergrössern, könnte es keine endgültige Lösung sein, denn
sein sparsamer Verbrauch verzögert zwar den vollständigen Aufbrauch
der Ressourcen, verhindert ihn jedoch nicht. Trotzdem hätte es gewaltige
Vorteile. Die Umwelt würde durch die verringerten CO2-Emissionen entlastet
und uns bliebe mehr Zeit, für die Entwicklung alternativer Energien.
Würden wir jetzt global auf Drei-Liter-Autos umrüsten, dann
müssten wir in einigen wenigen Jahrzehnten wieder alle Autos auf
alternative Energie umstellen. Durch diesen Umstand würden unnötige
Kosten entstehen. Auch würden sich die Umstellungen um Jahrzehnte
hinauszögern, während die CO2 Emissionen den Treibhauseffekt weiterhin
verstärken könnten.
Deshalb ist es notwendig, jetzt schon andere Möglichkeiten zu
erforschen. Vorschläge, Ideen und Konzepte gibt es bereits, doch
Ölkonzerne und andere Grossunternehmer kaufen die Patente auf, weil sie um
ihre Existenz fürchten. Dabei vergessen sie, dass ihre Firmen auch ohne
diese Patente in wenigen Jahren zugrunde gehen werden, denn die Recourssen sind
fast erschöpft. Zwar können wir uns keine weiteren Arbeitslosen (die
durch das Schliessen dieser Konzerne entstehen würden) mehr leisten, aber
dieses Problem ist lösbar, im Gegensatz zu einer zerstörten Umwelt,
die man nicht mehr reparieren kann!
Um den Benzinverbrauch zu verringern ist es ausserdem notwendig,
umweltfreundlichere Transportmöglichkeiten zu fördern. Das (Aus-)Bauen
von Fahrradwegen in könnte den Verkehr erheblich verringern.
Darüber hinaus ist es wichtig, öffentliche Verkehrsmittel des
Nah- und Fernverkehrs kundenfreundlicher zu gestalten, also die Preise zu senken
und die Verbindungen zu verbessern. Auf diesem Wege wird neben erneutem
Umweltschutz auch einkommensschwachen Gruppen und Menschen geholfen, die sich
ein Auto nicht (mehr) leisten können, denn der Ausbau des öffentlichen
Verkehrs erhöht ihre Mobilität.
Ausserdem sichern Investitionen in Bus und Bahn Arbeitsplätze. Wenn
sich für Betriebe Energiesparen rentiert, dann werden auch neue
Energiespartechniken entwickelt. Das schafft neue Arbeitsplätze in einem
Zukunftsmarkt.
Während sich die Deutschen noch immer über die Einführung
der Ökosteuer streiten, sind andere, europäische Länder schon
einen Schritt weiter.
Beispielsweise die skandinavischen Staaten, die Niederlande sowie
Grossbritannien zeigten uns, dass eine Einführung der Ökosteuern
positive Auswirkung auf die Arbeitsplatz- und Umweltsituation, sowie die
öffentlichen Haushalte hat.
Wenn sich Energiesparen rechnet, wird in Energiespartechniken und
Zukunftsenergien wie Wind, Wasser und Sonne investiert. Neue und vor allem
zukunftssichere Arbeitsplätze entstehen auch in der Automobilindustrie,
wenn die Nachfrage nach Pkws mit geringem Benzinverbrauch steigt. Das ist auch
gut für den Export. "Made in Germany" soll in Zukunft ein Markenzeichen
für doppelte Qualität sein: Technisch Spitze und gleichzeitig
effizient.
Meine Meinung zur Steuerreform
Bei Umfragen in Deutschland stellte sich heraus, das nur etwa ein Drittel
aller Bürger über die ökologische Steuerreform informiert waren.
Daraus lässt sich schliessen, dass der Grossteil der Wähler nicht
weiss, wie ernst die (Umwelt-)Lage ist und was auf sie zukommt. Durch diese
Informationslücke entstehen leicht Missverständnisse. Die
Benzinpreiserhöhung entpuppt sich als Katastrophe, wenn dabei das
Drei-Liter-Auto unerwähnt bleibt. Die Steuererhöhung wird als neuer
Kostenfaktor betrachtet, weil die Senkung der Lohnnebenkosten in keinen
Zusammenhang gebracht wird.
Als ich zum ersten Mal von der Ökosteuer hörte, wusste ich nur,
dass der Benzinpreis erhöht werden sollte, um die Umwelt zu schützen.
Da ich die Zusammenhänge nicht kannte, war ich mir unsicher, ob ich mich
dafür, oder dagegen entscheiden sollte. Erst als ich mich ausreichend
informiert hatte, entschloss ich mich, bei der Pro- und Contra-Debatte, die wir
in unserer Klasse über die Energiesteuer führten, den Part des
Pro-Anwaltes zu übernehmen.
Trotzdem liess ich mich von den Gegnern der Steuerreform überzeugen,
dass das Konzept der Ökosteuer zum Teil unüberlegt ist.
Es ist auf jeden Fall wichtig, die Umwelt zu schützen und in unserer
Gesellschaft haben wir durchaus die Mittel zu neuen Möglichkeiten. Das
Drei-Liter-Auto ist jedoch keine ausreichende Lösung und auch die
Erhöhung des Benzinpreises stoppt den Verbrauch der Ressourcen
nicht.
Wir benötigen deshalb neue, alternative Energiesparmassnahmen und
müssen unsere Möglichkeiten auf dem bereits bekannten Gebiet der Wind-
und Sonnenenergie ausbauen.
Die ökologische Steuerreform, das heisst die Umverteilung von
Steuergeldern, befürworte ich weiterhin, denn eine effektive Industrie- und
Umweltpolitik braucht auch Sanktionen gegen Umweltsünder. Durch die
Kostenumverteilung wird ja auch versucht, die Ausgaben möglichst niedrig zu
halten, den Vorwurf der Industrie betreffend zu hoher (Energie-)Steuern, weise
ich damit zurück. Die Abwanderungen von Betrieben ins Ausland kann man
hingegen mit einer globalen Steuerreform unterbinden. Umweltschutz ist ein
Thema, dass uns alle betrifft und es nützt nichts, wenn ein einziges Land
an seiner Verbesserung arbeitet. Trotzdem, oder gerade deshalb, sollten wir mit
gutem Beispiel voran gehen und allen anderen Ländern zeigen, was
Energiesparen bedeutet! Vielleicht lassen sich dann ja doch Kompromisse finden,
mit denen jedem geholfen wird.
(Nur) Gemeinsam sind wir stark!
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