|
Du bist hier: Referate Datenbank | Deutsch
| Luther, Martin (1483-1546) Sein Philosophiestudium
Luther, Martin (1483-1546) Sein Philosophiestudium
Luthers Philosophiestudium in Erfurt
Martin Luther fing Ende April 1501, mit 17 Jahren, das
Philosophische Grundstudium an der Erfurter Universität an, und beendete es
1505 mit dem Magisterexamen (=akademischer Grad)
Sein Vater war, wohl auf Grund seiner guten
wirtschaftlichen Verhältnisse in der Lage, seinem Sohn das Studium zu
finanzieren.
Es wird berichtet, daß er - im Gegensatz zu vielen
anderen Studenten - sein Studium sehr ernst nahm und es deswegen relativ schnell
beenden konnte.
Von den anderen Studenten wurde Martin "der Philosoph"
genannt, denn argumentieren und disputieren gehörte zu seinen Stärken.
(disputieren = wissenschaftliche
Auseinandersetzung.)
Luther lebte in der Übergangszeit vom Mittelalter
zur Neuzeit. So wurde in Erfurt, anstelle der Theologie (der "Königin der
Wissenschaft") kritische Philosophie gelehrt. Das heißt, die Vorstellungen
des Mittelalters, daß die Theologie über allem steht, verkörpert
durch den Papst, der sich als obersten Weltbeherrscher ansah, zerbrach
allmählich, denn die Menschen entwickelten in anderes Verhältnis zu
Welt und Natur. Man erkannte auch, daß die Erde nicht Mittelpunkt des
Kosmos (Universums) ist.
So konnte man sich in dieser Zeit, die man auch das
Zeitalter der Entdecker nennt, nicht vorstellen daß die "Wilden", die
einerseits bewundert wurden, andererseits von Adam und Eva oder aus der
Nachkommenschaft der Arche Noah stammten. Man sah sie nicht als Menschen an,
deswegen wurden sie eingefangen und als Sklaven verkauft. Man war der
Auffassung, daß sie nichts von Gott wußten, deswegen konnten die
Christen mit ihnen anfangen, was sie wollten.
In der Zeit Luthers, war Deutschland so etwas wie ein
Wirtschaftswunderland, wie uns Leute berichten, die in dieser Zeit lebten.
(z.B.: der Italiener Piccolomini: "Deutschland ist niemals reicher, niemals
glänzender gewesen, als heutzutage.") Ein anderes Beispiel aus dieser Zeit
ist das Verbot Zinsen zu nehmen. Die Kirche begründete dies nämlich
mit der Bibel, danach bekommt Geld keine Kinder (Zinsen). Die Kirche selbst
hielt sich aber nicht an ihr eigenes Verbot, sondern betrieb z. Bsp. Handel mit
dem Ablaß (Freikauf von Sünden).
In dieser Übergangszeit in die Moderne, zerbricht
auch die von der Kirche mitgetragene, soziale Ordnung ; es gab gewisse Reiche
und gewisse Arme Schichten. An dieser Ordnung sollte sich auch nichts
ändern. In seinem Buch "Utopia" vermittelte Thomas Morus, ein englischer
Staatskanzler die Vorstellung von einem Gemeinwesen, "wo alles Eigentum
Gemeingut ist", also wo allen alles gehört.
Die damals politisch Verantwortlichen entwickelten keine
Perspektiven, die für die Gesellschaft hilfreich gewesen wären: Das
Verkehrssystem war veraltet und wurde nicht weiterentwickelt, das
öffentliche Gesundheits- und Bildungswesen war unterentwickelt, obwohl
eigentlich Geld vorhanden gewesen wäre, um es auszubauen. Adel, Klerus und
die reichen Bürger wirtschafteten lieber in die eigene
Tasche.
In Deutschland wurde der aufwendigste Modeluxus
betrieben den es in Europa gab. Die Ausstattung der Kirchen war luxuriös.
Lotterie und Glücksspiele blühten, üppige, stundenlange Essen
waren keine Seltenheit.
"Der schwarze Tod"(die Pest),die Syphilis, der Aussatz
und schweißiges Fieber verursachten in der Bevölkerung Angst. Das
Leben wurde trotzdem genossen, wenn auch mit schlechtem Gewissen, was dazu
führte, daß die Bußprediger sehr gefragt waren und das oft
ausnutzten, indem sie den Ablaß verkauften.
Der allgemeinen Problemlage, war die Kirche aber nicht
gewachsen.
Während seines Studiums in Erfurt, lernte Luther
die kritische Philosophie kennen. Dadurch wurde seine Entwicklung
geprägt.
William von Ockam, der 200 Jahre vor Luther lebte,
begründete die kritische Theorie als sehr schwer zu verstehendes
Denksystem. Er vermittelt, daß Gott eigentlich nicht zu begreifen ist. Nur
die Bibel kann sein Handeln begreiflich machen. In Erfurt wurde diese ganze
Lehre weiterentwickelt, was dazu führte, daß die Kirche nicht damit
einverstanden war, weil der Staat anfing, seine eigenen Spielregeln (ohne den
Einfluß der Kirche) aufzustellen.
Luther lernte in Erfurt die Freiheit und
Selbstbestimmung kennen, einen freien Willen kannte er vorher nicht, denn er war
erzogen worden, sich zu fügen und die Erwartungen seiner Eltern und Lehrer
zu erfüllen. Dadurch geriet Luther in eine innere
Auseinandersetzung.
Eigentlich wollte er Jura studieren, weil ihm das in
seiner Vorstellung unproblematischer (klarer) erschien, als
Philosophie.
Überglücklich bestand er am 07. 01.1505 sein
Examen mit Auszeichnung als zweitbester von 17 Kandidaten. Der Vater, der
darüber überglücklich war, redete seinen Sohn von da an nicht
mehr mit "Du", sondern mit "Ihr" an, und hoffte auf eine erfolgreiche Karriere
seines Sohnes. Er gab ihm Geld für Bücher für das juristische
Studium, und suchte ihm eine Frau aus.
Aber dadurch, daß Martin ein halbes Jahr nach dem
Examen in ein Gewitter geriet, und aus Angst den Schwur ablegte, Mönch zu
werden, kam alles ganz anders, als seine Eltern es geplant
hatten.
|