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Napoléon, Bonaparte (1769-1821) und die französisc
Napoléon I.
Frankreich und
Europa
Ideen der Französischen Revolution wurden in den übrigen Staaten
Europas zunächst v.a. von aufgeklärten Schichten begrüßt.
Die Entwicklung kehrte sich jedoch ins Gegenteil mit der Radikalisierung der
Ereignisse: Seit der Hinrichtung des Königspaares entstanden in
europäischen Staaten zunehmend geistige und politische
Gegenströmungen. Alles, das aus Frankreich kam bzw. der Idee der
französischen Revolution ähnelte, wurde verurteilt. Diese Entwicklung
wurde zu den Wurzeln der späteren Restauration.
Währenddessen wurde in Frankreich General Napoléon
Bonaparte [1] vom Direktorium mit der Leitung der
Truppen in Italien (Italien-Feldzug) beauftragt. Innerhalb kurzer Zeit wurden
Piemont (Lombardei) und Sardinien von französischen Truppen
besetzt.
Die europäischen Staaten schlossen sich zu Koalitionen
zusammen, um gegen das revolutionäre Frankreich zu kämpfen.
Die ersten 3 Koalitionskriege brachten Frankreich unter der
militärischen Führung Napoléons große territoriale
Gewinne. Es kündigte sich aber jenes Kräfteverhältnis an, das
Napoléon schließlich zum Verhängnis würde.
Napoléon schien bei Landschlachten unschlagbar. Um den Hauptgegner
England zu schwächen, versuchte Napoléon durch 2 Seeschlachten die
britischen Truppen entscheidend zu treffen. Doch beide verlor er gegen seinen
Erzrivalen, Admiral Nelson (1789: Seeschlacht bei Abu Qir =
Ägypten-Expedition, 1805: Schlacht von Trafalgar = 3. Koalitionskrieg).
An diesem Problem, England nicht direkt bezwingen zu können, wird er
schließlich scheitern.
Nach der Niederlage von Abu Qir verließ Bonaparte die Landtruppen in
Ägypten und kehrte im Oktober 1799 ohne Truppen nach Frankreich
zurück.
1799 Sturz des Direktoriums:
Nach seiner Rückkehr aus Ägypten stürzte er am 9./10.
November 1799 das Direktorium durch einen Staatsstreich und führte
eine Konsularverfassung ein. In einem anschließenden Plebiszit
ließ er sich als Erster Konsul die gesamte Macht übertragen.
Das Parlament bestand zwar weiter, war jedoch vollkommen von Napoléon als
Erstem Konsul abhängig: Seine Anordnungen hatten Gesetzeskraft, er konnte
jederzeit in die Rechtsprechung eingreifen.
Es folgte eine innere Umwandlung der annektierten Gebiete und
Satellitenrepubliken (= von Frankreich abhängig):
Ehemal. Kirchenstaat à Römische
Republik
Schweiz à Helvetische
Republik
Genua à Ligurische Republik
Mailand à Cisalpinische
Republik
Belgien à Batavaische
Republik
Gebiete des Heiligen Römischen Reiches links des Rheins
Diese Veränderung hatte eine Reihe von Reformen zur
Folge:
- Einführung neuer Verfassungen, neuer
Verwaltungen
- Abschaffung des bisherigen Steuer- und
Abgabensystems
- Konfiszierung des Vermögens
- Verfolgung der Priester und der
Kirchen
Anfangs gab es keine großen Widerstände, nach außen hin
schienen die neuen “Republiken” auch Souveränität zu
haben, in Wirklichkeit jedoch sind sie von Frankreich abhängig und hatten
viele Verpflichtungen: finanzielle Beiträge, Soldaten für alle
französischen Kriege stellen, nur französischen Interessen
dienen.
Doch Napoléon begnügte sich bald nicht mehr mit der Position
des Konsuls. Führende Royalisten und Republikaner wurden beschuldigt, einen
Staatsstreich zu planen. Der folgende Prozeß wurde propagandistisch
ausgenützt, um Bonaparte als Retter des Vaterlandes und Bewahrer vor einem
neuen Bürgerkrieg darzustellen. So wurde er 1802 durch eine Volksabstimmung
zum Konsul auf Lebenszeit gewählt.
Außenpolitik:
1804 begründete Napoléon das “Empire”, mit
welchem er an römische Kaiser bzw. an die Tradition der Karolinger
anknüpfte (Selbstkrönung zum Kaiser der Franzosen). Er
träumt von einem Europa unter französischer Herrschaft.
Hauptgegner waren Preußen, Österreich und England. Um die
französische Vormacht und seine eigene Herrschaft in Europa zu sichern,
setzte Napoléon in eroberten Staaten seine Brüder ein (Louis
erhält Königreich Holland, Joseph Königreich Neapel, später
Sardinien, und Jérome Königreich Westfalen).
Innenpolitik:
Einrichtungen wurden geschaffen, die von bleibender Dauer waren –
modern, ohne Rücksicht auf die Vergangenheit. Napoléon
läßt sich diese Reorganisationsmaßnahmen immer wieder
durch Plebiszite bestätigen.
- Einführung des metrischen Systems
- Einheitliches Schulsystem
- Finanz- und Bankwesen: Währungsreform, Banque de
France (um Inflation zu bekämpfen)
- Zensur
Höhepunkt und Krise des Empire
In mehreren Koalitionskriegen versuchten v.a. England, Preußen,
Rußland und Österreich, die militärische Überlegenheit der
Truppen Napoléons zu brechen. Die Kontinentalmächte verloren dabei
große Gebiete an Frankreich; Frankreich konnte triumphale
Friedensschlüsse verzeichnen.
Friede von Schönbrunn 1805:
- Österreich mußte Venetien und Dalmatien
(und somit den Zugang zum Meer) an die unter französische Verwaltung
stehende Republik Italien abtreten.
- Das Königreich Bayern erhielt von Österreich
Tirol, Vorarlberg und das Innviertel im Tausch mit
Salzburg.
Friede von Tilsit 1807:
- Das Königreich Preußen wurde nach einem
weiteren Krieg stark verkleinert.
Nun beherrscht Napoléon Europa von den Pyrenäen bzw. der
Straße von Messina bis zur Weichsel.
Neuordnung im deutschen Raum – Ende des Hl. Römischen Reiches
Deutscher Nation
1803: Reichsdeputationshauptschluß
Zur Entschädigung jener Fürsten, die Territorien links des Rheins
verloren hatten: Säkularisierung (Verweltlichung) und Mediatisierung
(kleine, direkt dem Kaiser unterstehende Territorien werden einem
größeren Fürstentum unterstellt).
1806:
Süd- und westdeutsche Fürsten gründeten ein Bündnis
unter französischem Schutz, den Rheinbund. Kaiser Franz II. legt die Krone
nieder, was das Ende des seit 962 bestehenden Hl. Röm. Reiches bedeutete
(Franz II. war seit 1804 Kaiser von Österreich = Franz I.).
Nach der Niederlage Preußens 1807 wurden aus dem
preußischen Besitz das Großherzogtum Warschau, und das
Königreich Westfalen abgetrennt.
Der Gegner England:
Napoléons Traum, England direkt zu besiegen, war durch die
Flottenniederlagen bei Abu Qir und Trafalgar zerstört. Nun sollte England
wirtschaftlich ruiniert werden. Er errichtete eine Kontinentalsperre, die
England in die Knie zwingen sollte. Alle verbündeten und abhängigen
Staaten wurden zu einer Seeblockade verpflichtet. Das Sperrsystem sollte Ostsee,
Nordsee, Mittelmeer und Atlantik umfassen, funktionierte aber nie
vollständig.
Auswirkungen der Kontinentalsperre:
England:
Anfangs war England in einer Absatzkrise, es gab eine Reihe von
Firmenzusammenbrüchen, was zu einer hohen Arbeitslosigkeit führte.
Doch England erschloß schnell und erfolgreich neue Märkte in
Süd- und Mittelamerika. Die Abnahme der Exporte nach Europa wurde durch die
Zunahme nach Amerika mehr als wettgemacht. In Europa belieferte England
weiterhin die Neutralen (Schweden, Portugal, Türkei), von dort an wurden
die Waren in die restlichen europäischen Staaten
weitergeschmuggelt.
Kontinentaleuropa:
Die Agrarexporte nach England und Amerika fielen aus. Die Nordseehäfen
waren besonders betroffen. Auch französische Hafenorte wie Bordeaux,
Marseille und Nantes verloren größere Anteile am Seehandel. Es gab
Warenmangel bei Zucker, Kaffee, Tee und Baumwolle. Einige wenige Industriezweige
profitierten, v.a. in Frankreich und in Belgien fiel die überlegene
Konkurrenz durch britische Produkte weg. Viele Gebiete wurden von Frankreich
abhängig. So wurden Spanien und Portugal besetzt und Katalonien, Rom,
Dalmatien, Holland und die nordwestdeutsche Küste in französisches
Staatsgebiet umgewandelt. Weite Teile Europas verarmten, die versprochenen
Ideale erwiesen sich als unwahr. Die Ausbeutung durch Frankreich erzeugte
Feidgefühle, Haß und Widerstand.
Widerstand gegen Napoléon:
Österreich:
1809 rief Österreich andere Völker zum Freiheitskampf auf. Der
Krieg ging zwar verloren, aber erstmals gelang einer österreichischen Armee
unter Erzherzog Karl der Sieg über französische Truppen (Schlacht von
Aspern). Gleichzeitig gab es auch einen Aufstand in Tirol unter Andreas
Hofer (à Friede von
Schönbrunn).
Spanien:
Spanien wird als Verbündeter nach 1807 wie ein Besiegter behandelt.
Napoléon setzte seinen Bruder als König ein, der jedoch einen
Guerillakrieg gegen Napoléon führt und die Kontinentalsperre
unterlief.
Freiheitskriege – Sturz Napoléons
1812 Rußland-Feldzug:
Da Rußland (Alexanders I.) die Kontinentalsperre nicht wirklich
durchgeführt hatte und einer Periode fortgesetzten Spannungen zwischen
Frankreich und Rußland, eröffnete Napoléon 1812 ohne
Kriegserklärung mit einem Aufgebot von 700.000 Mann (“Große
Armee”) den Kampf gegen Rußland (Rußlandfeldzug 1812). Doch
der Angriff auf Rußland wurde zum Fiasko. Am 14. September zog
Napoléon in Moskau ein. Die Weigerung des Zaren, Frieden zu
schließen, der Brand von Moskau und in Rußland früh einsetzende
Winter zwangen Napoléon zum Rückzug. Von der anfänglichen fast
700.000 Mann starken Großen Armee blieben am Ende nur noch etwa 5.000
Männer übrig. Das Scheitern des Feldzuges gegen Rußland sollte
zum Wendepunkt der Napoléonischen Herrschaft werden.
Rußland, Österreich und Preußen, England und
Schweden schlossen sich zu einer Koalition zusammen und gingen zum
Gegenangriff über. Sie besiegten Napoléon bei Leipzig
(“Völkerschlacht”) 1813. Im Frühjahr 1814
marschierten Truppen der Verbündeten in Paris ein (31. März),
Napoléon dankte ab (6. April).
Bei den anschließenden Friedensbestimmungen (1. Friede von Paris)
wurde Napoléon ehrenvoll behandelt, er erhielt eine Leibgarde, ein
Jahresgehalt und die Insel Elba als souveränes Fürstentum. Doch der
Friede sollte nicht lange halten.
Während die europäischen Mächte in Wien über die
Neuordnung Europas beraten (Wiener Kongreß), gelingt es Napoléon
1815 überraschend nach Frankreich zurückzukehren und neuerlich ein
Heer aufzustellen. Die darauf folgende “Herrschaft der Hundert
Tage” wird durch die Niederlage bei Waterloo (Belgien) beendet.
Laut den Bestimmungen des 2. Frieden von Paris, wurde
Napoléon auf die Insel St. Helena im Atlantik verbannt.
Frankreich erhielt durch geschicktes Verhandeln des französischen
Außenministers Talleyrand eine Anerkennung der Grenzen von 1789 (vor der
Revolution). Als Nachfolger Napoléons wird der Bourbone Ludwig XVII als
König bestimmt. Frankreich mußte jedoch Kriegsentschädigungen
zahlen und geraubte Kunstschätze ausliefern.
Zeittafel:
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1789 .............................
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Expedition nach Ägypten
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1799 ..............................
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Sturz des Direktoriums
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1799 .............................
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Erster Konsul
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1802 ..............................
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Konsul auf Lebenszeit
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1803 ..............................
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Reichsdeputationsausschuß
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1804...............................
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Begründung des Empire,
Selbstkrönung
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1805 ..............................
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Schlacht von Trafalgar
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1805 ..............................
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Niederlage Österreichs (Friede von
Schönbrunn)
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1806 .............................
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Gründung des Rheinbundes
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1807...............................
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Niederlage Preußens (Friede von
Tilsit)
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1810 ..............................
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Errichtung der Kontinentalsperre
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1812 ..............................
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Rußlandfeldzug
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1813 ..............................
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Völkerschlacht von Leipzig
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6. April 1814 ................
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Abdankung, Verbannung auf Elba
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1815 ..............................
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Herrschaft der Hundert Tage
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1815 ..............................
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Niederlage bei Waterloo
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1815 ..............................
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2. Friede von Paris, Verbannung auf St.
Helena
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[1] Napoléon wurde 1769 als Sohn
einer korsischen Familie Bonaparte in Korsika geboren. Er besuchte die
Militärschulen von Brienne und Paris. 1793 zeichnete er sich bei der
Belagerung von Toulon aus und wurde zum Brigadegeneral ernannt. Im Auftrage des
Konvents schlug er 1785 den royalistischen Aufstand in Paris nieder und wurde
Divisionsgeneral.
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