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| Ovidius, Publius Naso (43v.-18n.)
Ovidius, Publius Naso (43v.-18n.)
LATEIN
DAS LEBEN DES DICHTERS OVID
1. Vernimm <du> Nachwelt, wer ich war, jener berühmte Spieler
der
zärtlichen Liebeslieder, damit du weißt, wen du liest
(vorliest).
3. Sulmo ist meine Heimatstadt, die äußerst reich an
kalten
Gebirgsbächen <und> 90 römische Meilen (135 km) von Rom
entfernt ist.
5. Hier bin ich zur Welt gebracht worden und damit du auch die Zeit
(den
Zeitpunkt) weißt, als die beiden Konsuln durch das gleiche
Schicksal
fielen (getötet wurden).
7. Wenn das etwas von Bedeutung ist, daß ich ohne Unterbrechung von
den
Urahnen her ein alter Erbe (Besitzer) des Ritterstandes bin und
nicht
eben erst durch die Gunst (das Geschenk) des Schicksals zum
Ritter
gemacht worden bin.
9. Ich bin nicht das erste Kind gewesen; ich bin erzeugt worden,
nachdem
mein Bruder geboren (worden) war, dieser war viermal drei Monate
früher
geboren (entstanden).
11. Der gleiche Tag war da, an dem beide Geburtstag hatten (Der
selbe
Morgenstern war an den Geburtstagen von beiden da); Es gibt eine
Feier
für zwei Opferkuchen:
13. Dieser ist beim fünftägigen Fest (Spiele) der bewaffneten
Minerva,
der Tag, welcher hauptsächlich ein blutiger Kampf zu werden gewohnt
war
(an welchem hauptsächlich die blutigen Gladiatorenkämpfe
stattfanden,
der zweite Tag des Festes [20.03] ).
15. Sofort wurden wir als zarte <Jünglinge> ausgebildet und
durch die
Fürsorge (Sorgfalt) des Vaters gingen wir zu den infolge ihrer Kunst
von
der Stadt ausgezeichneten Männern:
17. Der Bruder strebte schon in der Jugend (im jugendlichen Alter)
zur
Redekunst (Retorik), geboren für die Heldentaten und
Kämpfe
(Redegefechte) des wortreichen Forums.
19. Aber mir gefiel schon als Knabe (Junge) der Dienst für die
Muse
(Dichtkunst) und die Muse zog mich verstohlen (heimlich) zu ihrem
Werk
(Arbeit).
21. Oft sagte der Vater: “Was für unnütze Bemühungen
gehst du an? Homer
selbst hinterließ keine Schätze (hat keine Schätze
hinterlassen)”.
23. Ich war bewegt von den Worten, und nachdem ich den Musenberg
(Helicon) ganz verlassen hatte, versuchte ich Worte zu schreiben,
losgelöst vom Versmaß.
25. Von sich aus kam das Lied zu den geeigneten, eigenen Rhythmen
und
was ich versuchte zu schreiben war ein Vers (Versmaß).
27. Inzwischen wurden vom Vater mit schweigendem Schritt die
wankenden
Jahre verbraucht und ich war ein freier Mann (und ich erhielt die
Toga
des freien Mannes), der Arm wurde bekleidet mit dem breiten Streifen
der
Tunika und uns erwartete das Studium, welches vorher (künftig)
war
(während die Jahre dahinglitten).
31. Und schon hatte der Bruder die zehn Lebensjahre verdoppelt, als
er
starb, und ich begann einen Teil meiner selbst zu vermissen.
33. Ich ergriff auch mit zartem Alter das erste Ehrenamt und ich
war
einst ein Teil des Männerkollegiums.
35. Der Senat blieb übrig; das Maß des Streifens ist verringert
worden;
Jene Last war größer als meine Kräfte (Jene Last war zu
groß für meine
Kräfte).
37. Weder war der Körper strapazierfähig, noch war die Gesinnung
für die
Anstrengung (Arbeit) passend, und ich war vor dem beunruhigenden
Ehrgeiz
flüchtig, und die Musen rieten, die sichere Ruhe aufzusuchen, die
durch
mein Urteil immer geliebt worden ist.
41. Ich habe die Dichter jener Zeit verehrt und gepflegt, und
wieviele
Dichter zugegen waren, so viele Götter waren meiner Meinung nach
da.
43. Oft laß der Ältere Macer mir seine Vögel vor, und er
laß mir vor
welche Schlange tötet. und welches Kraut hilft.
45. Oft pflegte Properz seine Liebesgluten vorzulesen, nach dem
Recht
der Freundschaft, mit der er mir verbunden war.
47. Ponticus, der aufgrund des Hexameter (heroischen Versmaß)
berühmt
war, und Bassus der aufgrund seiner Jamben berühmt war, waren
süße
Kinder (Mitglieder) meines Freundeskreises.
49. Und der an Versmaßen reiche Horaz hielt (fesselte) unsere
Ohren,
fast während er kunstvolle Lieder aus der italischen Laute
erklingen
ließ.
51. Ich sah den so großen Vergil; und das bittere Schicksal gab
dem
Tibull keine Zeit für die Freundschaft zu mir.
53. Dieser (Tibull) war der Nachfolger für dich Gallus, jenem
Properz,
jenem (Tibull) war der Nachfolger Properz, ich selbst bin der vierte
von
dieser (der) Reihe der Zeit <gewesen>.
55. Und wie ich die Vorfahren (Ältere) <verehrte>, so verehrten
mich die
jüngeren, und meine Dichtung ist nicht spät bekannt
geworden.
57. Als ich dem Volk zum erstenmal meine Jugendgedichte vorlaß,
wurde
mir entweder zweimal oder auch einmal der Bart abgeschnitten.
59. Der Gesang (Vortrag) hatte meine Sinnesart (meinen Charakter)
beeinflußt, durch die ganze Stadt habe ich mit dem Pseudonym
Corinna
gesprochen (besungen). [59. Die von mir nicht mit dem wahren
Namen
bezeichnete Corinna, die durch die ganze Stadt besungen war, hatte
mein
Talent bewegt.]
61. Gewiß (Freilich) habe ich viel geschrieben, aber ich glaubte
dies
sei fehlerhaft, ich selbst gab es den Feuern (dem Feuer) zur
Verbesserung.
63. Und damals als ich in die Verbannung gehen mußte, habe ich
einige
Metamorphosen , die die mir gewissermaßen gefielen mit meinen
Gedichten
verbrannt.
65. Ich hatte ein weiches Herz, und für die Geschosse Cupidos
nicht
unbezwingliches Herz, daß schon ein leichter Anlaß
bewegte.
67. Obwohl ich ein solcher <Kerl> war, und vom kleinsten
Feuer
entbrannte, war kein Gerede unter meinem Namen. [Weil ich dennoch
hier
blieb und keineswegs die Liebesglut entzündete (entzünden
konnte), gab
es unter unserem Namen nichtiges Gerede.]
69. Mir wurde fast als Knaben weder eine würdige noch nützliche
Frau
gegeben, die nur für eine kurze Zeit vermählt war. [Die Ehefrau,
welche
sich vor kurzer Zeit vermählt hatte, gab mir beinahe einem
Jungen
<gleich> weder passendes noch dienliches.]
71. Jener folgte eine Gemahlin, die , obwohl sie ohne Vorwurf war
(obwohl ohne Fehl und Tadel), dennoch nicht auf Dauer in unserem
Ehebett
sein sollte.
73. Die letzte, die mit mir in späte Jahre blieb, ertrug es,
Gattin
eines Verbannten Mannes zu sein.
75. In frühester Jugend war meine Tochter bis <zu> zweimal
schwanger,
aber nicht von einem Gatten, machte mich meine Tochter zweimal
zum
Großvater.
77. Schon hatte der Vater seinem Schicksal, den 45 Jahren, weitere
45
zugeführt (hinzugefügt).
79. Ich habe nicht anders geweint, als jener mich beweint hätte,
wenn
ich gestorben wäre. Die Mutter ist als nächste
gestorben.
81. Beide sind glücklich und rechtzeitig bestattet worden, weil sie
noch
vor dem Tag meiner Bestrafung gestorben sind.
83. Auch ich bin glücklich, weil ich unglücklich bin, wo jene
nicht
leben, weil sie über mich überhaupt keinen Schmerz empfunden
haben.
85. (??) Wenn von den Toten irgendetwas außer ihrem Namen
übrigbleibt,
wenn der flüchtige Schatten dem aufgeschichteten
Scheiterhaufen
entflieht, wenn mein Ruf euch, ihr Schatten der Eltern erreicht,
so,
bitte ich euch --- und wenn überhaupt die Kunde zu euren Ohren
dringt
--- und wenn meine Vergehen auf dem stygischen Forum sind, so ist
der
Grund meiner Verbannung ein Irrtum und nicht ein Verbrechen.
91. Den Seelen der Verstorbenen ist dies genug, zu euch ihr
eifrigen
Leser kehre ich zurück, welche ihr nach den Ereignissen meines
Lebens
gefragt habt.
93. Schon war mir ein graues Haar (die graue Farbe der Haare)
gekommen,
nachdem die besseren Jahre vertrieben waren, und hatte die alten
Haare
vermischt;
95. Und nach (seit) meiner Geburt hatte das mit dem pisäischen
Ölzweig
umwundene siegreiche Pferd den Preis (die Belohnung) zehnmal
davongetragen, als der Zorn des verletzten Kaisers befahl, daß ich
die
Einwohner von Tomi, die am linken Gestade des Schwarzen Meeres
wohnten
(gelegen waren) aufsuchen (suchen) solle.
99. Der allen überaus bekannte Grund meiner Verbannung darf durch
meine
Aussage <auch> nicht bezeugt werden.
101. Was soll ich berichten, den Frevel der Begleiter und die
schädlichen Diener? Vieles, nicht geringfügiger (leichter) als
die
Flucht selbst, habe ich ertragen <müssen>.
103. Der Verstand erachtete für unwürdig, den Fehlern zu
unterliegen und
es war (ist) besser, daß er seine Kräfte unbesiegbar
gebrauchte
(gebrauche).
105. Als ich mich sowohl vergessen hatte, und als auch mein Leben
durch
die <literarische> Muse geführt (gestaltet) hatte, ergriff ich
mit
ungewohnter Hand die Waffen der Zeit [Gleichmut, Vergessenheit].
107. Und ich habe soviele Vorfälle (Dinge) zu Wasser und zu
Land
ertragen wie Sterne (Gestirne) zwischen dem Südpol und dem Nordpol
sind.
109. Von mir wurde endlich die samatische Küste, die den
köchertragenden
Geten benachbart ist (mit den köchertragenden Geten verbunden
ist)
erreicht, nachdem ich durch lange Irrfahrten (von langen
Irrfahrten)
umhergetrieben wurde.
111. Auch wenn ich hier noch so durch die benachbarten Waffen
umschwirrt
wurde, erleichtere ich mein trauriges Schicksal durch die Dichtung,
wie
weit (wodurch) ich kann.
113. Obwohl es niemanden gibt, zu dessen Ohren die Dichtung
gelangen
könnte (auf dessen Ohren sich die Dichtung beziehen könnte)
verschwende
und verbringe ich so dennoch den Tag.
115. Das ich lebe und den harten Anstrengungen widerstehe und das
mich
nicht der Ekel des kummervollen
Lebens beherrscht (packt), dafür danke ich der Muse! (sei dir
Dank
Muse)! Denn du (die Muse) gewährst (spendest) Trost, du kommst als
Ruhe
und Heilmittel der Sorge (für die Sorge).
119. Du bist die Führerin und Begleiterin; du führst mich weg von
der
Donau und gibst mir einen Platz mitten auf dem Helicon (dem Berg
der
Musen);
121. Du gabst mir, was selten ist, zu Lebzeiten einen berühmten
Namen,
den der Ruhm (Überlieferung/öffentliche Meinung) gewöhnlich
nach dem
Tode gibt (pflegt zu geben).
123. Und der blasse Neid, der gegenwärtiges verkleinert, hat
nicht
irgendein Werk von uns mit dem ungerechten Zahn gebissen.
125. Denn auch wenn unser Jahrhundert große Dichter hervorgebracht
hat,
gab es kein schwaches Gerede/Ruf über meine Begabung, und wenn ich
auch
viele mir voranstellte, werde ich <doch> nicht geringer als
jene
bezeichnet (genannt) und werde am meisten (am häufigsten) auf dem
ganzen
Erdkreis gelesen.
129. Wenn also die Prophezeiungen der Seher etwas Wahres haben,
werde
ich nicht dein sein, Erde, auch wenn ich bald sterbe (sterben
werde).
131. Wenn ich durch die Gunst oder durch die Dichtung (Gedicht)
diesen
Ruhm davongetragen habe, sage ich zurecht dir, dem weißen Leser,
Dank.
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