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Probleme im Vorderen Orient und geographisch inter
Probleme im Vorderen Orient und
geographisch interessante Völker dieser Gegend:
I.) Rentenkapitalismus:
Quellen:
Definition: Ein vor allem im Bereich
der altorientalischen Hochkultur verbreitetes Wirtschaftssystem, bei dem das
kapitalistische Erwerbsstreben nicht auf die Produktion von Gütern
ausgerichtet ist, sondern sich auf das Abschöpfen von Ertragsanteilen, den
Renten, aus den abhängig gemachten Betrieben der meist hoch verschuldeten
Bauern konzentriert. Investitionen zur Erhaltung oder gar zur Steigerung der
Produktivität werden nicht geleistet.
Eingeführt wurde der Name dieses Wirtschaftssystems
von Hans Bobek.
Hans Bobek: Der, am 17.5.1903 in
Klagenfurt geborene, österreichische Geograph studierte 1949 bis 1951 an
der Hochschule für Welthandel in Wien, nachdem er zuerst kurze Zeit als
Professor in Freiburg im Breisgau tätig war. Schon kurze Zeit nach seinem
Studiumsende wurde er an der dortigen Universität tätig. Hans Bobek
ist unter anderem auch Begründer der modernen funktionalen
Betrachtungsweise in der Stadtgeographie, sowie auch Mitbegründer der
modernen Sozialgeographie.
Allgemeingeschichtliches: Die
Länder des Orients sind heute rentenkapitalistisch geprägte
Entwicklungsländer alter Kulturtradition. Die vieltausendjährige,
für die Entfaltung unserer Kulten so entscheidend wichtige Geschichte des
Orients ist keineswegs zurückliegende Vergangenheit oder nur eine zu
unserem Bildungsgut gehörende historische Reminiszenz. Sie reicht viel mehr
bis in die unmittelbare Gegenwart hinein. Im Laufe der vergangenen Jahrtausende
haben sich nämlich im Orient sehr spezifische Wirtschafts- und
Gesellschaftssysteme herangebildet. Diese erscheinen heute in festen Formen
geprägt und erweisen sich gegenüber jeder moderneren, wirtschaftlichen
und technischen Erschließung als ein hartnäckig resistenter Faktor.
Gerade die alte und hochentwickelte Zivilisation des Orients verleiht damit der
Problematik der dortigen Entwicklungsländer eine eingerastete
Note.
Der Rentenkapitalismus in der
Landwirtschaft: Insbesondere die traditionellen
Handelsstrategien des Rentenkapitalismus reichen als schwere Hypothek einer
vieltausendjährigen Geschichte bis in die unmittelbare Gegenwart des
Vorderen Orients hinein. Am klarsten und eindeutigsten prägte sich das
System des orientalischen Rentenkapitalismus im Bereich der Landwirtschaft aus.
Bis zum sozialen Umbruch, der mit der ägyptischen Revolution im Jahre 1952
begann, konnte sich die Masse der bäuerlichen Bevölkerung im Orient
nur einen kleinen Teil des Ertrags ihrer Bemühungen für sich behalten.
Die in der Stadt ansässigen Großgrundbesitzer, Notabeln, Geldleiher
oder Kaufleute stellten dem Fellachen zwar Boden, Bewässerungsanlagen,
Saatgut, nicht selten auch Geräte sowie Zugtiere zur Verfügung, hatten
aber auch das Privileg des Rententitels, das ihnen als Gegenleistung für
die zur Verfügung gestellten “Produktionsfaktoren” die
Hälfte, oftmals auch 3/4 und gelegentlich auch 9/10 der Ernte des Fellachen
zusprach. Zusätzlich zur Abgabe solcher Ernteanteile wurde vielfach noch
die Zahlung außerordentlich hoher Zinsen für Darlehen,
Vorschüsse usw. gefordert.
Das Leben der Fellachen im Alltag:
Aufgrund solcher rentenkapitalistischer Verstrickungen war der Bauer im Orient
noch vor vierzig, fünfzig Jahren vielerorts eine eigenartige Mischung
zwischen Pächter, Landarbeiter und bodengebundenem Leibeigenen. Er erschien
in jeder Hinsicht von außenstehenden Mächten abhängig und hatte
allein das Risiko von Dürrejahren, Überschwemmungen,
Heuschreckenschwärmen usw. zu tragen. Elend, Krankheit,
sklavenähnliche Abhängigkeit und die damit verbundene wirtschaftliche
Unsicherheit waren die entscheidenden Faktoren im Leben des orientalischen
Fellachen.
Ein tiefer Fatalismus beherrschte das Leben der Menschen;
irgendein Plan für die Zukunft, ein Sparen oder Vorsorgen erschien
gänzlich zwecklos.
Da die Arbeit nicht lohnte, wurde sie als Fluch empfunden
und möglichst umgangen.
Rentenkapitalismus in der Gegenwart:
Trotz vieler Reformen der letzten Jahrzehnten trifft man auch heute noch oft auf
solche rentenkapitalistischen Bindungen: Kleinbauern sind zwar heute frei und
nicht mehr “privat” verschuldet, dafür aber sehr hoch bei
staatlichen Geldgebern. An Zurückzahlung ist auch heute fast nicht zu
denken, da allein die Zinszahlung einen zu großen Teil der Ernte
vertilgt.
Dieses altüberlieferte Wirtschafts- und Sozialsystem
hat sich bis heute noch als starr, konservativ und sehr stabil erwiesen,
allerdings werden Fortschritte der westlichen Welt gerne aufgenommen und in das
System eingebaut.
II.) Terroranschläge:
Quellen:
Anschlag vom 11. ´97 in Luxor: Die
Einnahmen von Diensten an Urlaubern, die auch im Vorderen Orient eine
große Rolle spielen und deshalb vielen Menschen im Orient als Haupt- bzw.
Nebeneinnahmequelle dienen, werden immer wieder durch Anschläge von
Fundamentalisten auf Touristen gebremst. Zum Beispiel wurde ein starkes
Zurückgehen des Tourismus in Ägypten nach dem Terroranschlag auf
Touristen verzeichnet, als am 17. November 1997 66 Menschen um ihr Leben kamen,
als islamistische Fundamentalisten wahllos in die Menge von Urlaubern aus
Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Japan feuerten. Zum Attentat, welches
vor den Tempelanlagen “Hatschepsut” bei Luxor stattfand, bekannte
sich bis dato zwar keine Organisation. Doch kann man mit sehr hoher
Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, daß militante Islamisten verantwortlich
sind.
Dieser Anschlag war seit 02.10.1992 schon der vierzehnte
und auch blutigste.
Gründe für solche Anschläge, laut
Standart:
1.) Faschistische Gruppierungen wollen den
Staatsoberhäuptern auf die wirtschaftliche und soziale Misere, die im
ganzen Staat verbreitet ist, aufmerksam machen
2.) National Orientierte Gruppen setzen politische
Propaganda als Selbsthilfe für mehr soziale Gerechtigkeit ein oder wollen
nur auf sich aufmerksam machen, um an mehr Unterstützter und dadurch an
mehr Macht zu gelangen.
3.) Ein weiterer Grund ist die schlechte Befindlichkeit
der arabischen Welt nach Ende des Kolonialismus.
4.) Der triftigste Grund aber sind islamistische,
militante Organisationen, die veralteten, konservativen, bereits abgeschafften
Kulten und Gesetzen ihrer Religion nachtrauern und als letzte Chance die
Vernichtung von Reformationen und andersdenkenden Menschen
sehen.
Fundamentalismus im Islam: Seit 1992
wurden 80 000 Menschen in Algerien Opfer des Bürgerkrieges zwischen der
Regierung und Fundamentalisten. Allein in Algerien starben Anfang 1997 über
200 Menschen bei Bombenanschlägen der GIA, einer Islamistischen Partei
Algeriens.
Dann: Internationales Aufhorchen als es 1996/97 fast zu Friedensverhandlungen
zwischen Regierung und GIA gekommen wäre, die aber scheiterten, da sich die
pro - islamische Hamas - Bewegungen gespalten zeigten: Während die aus den
palästinensischen Autonomiegebieten stammende Anhängerschaft
Bereitschaft zeigte, mit der Palästinenserführung um Präsident
Jasir Arafat zu verhandeln, setzten die in Syrien und dem Libanon beheimatete
Hamas ihre anti – israelischen Anschläge fort.
In Afghanistan forcierten
die Taliban - Milizen den Wiederaufbau des Staatwesens auf der Grundlage der
islamischen Gesetze (Scharia).
Noch schwerer in der Bilanz wiegt aber die skrupellose
Mißachtung der Menschenrechte durch die islamistischen Fundamentalisten in
Iran. Gewiß, auch in “sozialistischen” und
“kapitalistischen” Staaten des Orients werden Menschenrechte
mißachtet – aber nicht so brutal - systematisch und nicht im Namen
und zu Ehren Gottes und des Islam.
Auch, der 1982 ermordete ägyptische Präsident und
Träger des Friedensnobelpreises Anwar Sadat hat kurz vor seinem Tod
festgestellt, daß diese unmenschlichen Regimes den Beinamen
“islamisch” zu Unrecht beanspruchen; “. . .denn der Islam sei
kein Bekenntnis zum Fanatismus, zum Haß, zur gnadenlosen Orthodoxie,
sondern eine Religion der Toleranz, des Ausgleichs, der Menschlichkeit, der
Versöhnung. Angesichts des schiitischen Fundamentalismus und der
islamischen Revolution im Iran ist man als Außenstehender hier zu einer
Stellungnahme aufgerufen und sollte keinesfalls wertfrei – distanziert
bleiben. . .,” so Anwar Sadat.
Eine Wende zum Besseren? Erst seit Beginn der 90er Jahre zeichnet sich im
Vorderen Orient eine allmähliche Wende zum Besseren ab: Die rigorose und
gnadenlose Durchsetzung einer orthodoxisch – islamischen Rechts- und
Gesellschaftsordnung tritt in vielen Ländern, insbesondere im Iran,
gegenüber der pragmatischen Lösung zurück.
Westliche Industriekultur und Technik gelten nicht mehr eo
ipso verderblich; gemäßigtere, kompromißbereitere
religiöse und politische Führer beginnen sich
durchzusetzen.
Argumentation: Fundamentalismus
Denkhaltung und Tathandlung, die ihre Einsicht aus höherer, nicht weiter
ableitbarer Offenbarung bezieht und die prinzipielle Nichtidentität von
intra- und extrapsychischen Vorgängen leugnet.
Der Fundamentalist ist nicht mehr in der Lage, die eigene
Vorgehensweise grundsätzlich zu relativieren, weil er die Relevanz von
alternativen Bezugssystemen leugnet.
Was für den modernen und aufgeklärten Zeitgenossen
eine verhandelbare Position darstellt, ist für den Fundamentalisten eine
Frage ums Ganze und das bedeutet: sie ist eben nicht
verhandelbar.
Fundamentalismus heißt im Allgemeinen: radikales
Vertreten von politischen oder religiösen
Grundsätzen.
III.) Kurdenproblem:
Quellen:
Die Kurden, ein westasiatisches Volk,
welchem 25 Mio. Menschen angehören, zwar eine eigene Kultur und Sprache,
einen iranischen Dialekt, hat, jedoch keinen eigenen Staat.
Ihr hauptsächlicher Lebensraum befindet sich im Gebiet
über dem Euphrat, zwischen Zagrosgebirge und Großem
Kaukasus.
Die meisten Kurden sind Ackerbauern oder Halbnomaden,
betreiben aber auch Kleinhandel.
Etwa die Hälfte der Kurden lebt in der Türkei, die
übrigen sind im Iran (24%), im Irak (18%), in Syrien (5%) und Armenien (3%)
ansässig. Heute leben auch ca. 500 000 wegen der Kurdenkriege
geflüchtete Kurden in unserem Nachbarland Deutschland, während bei uns
in Österreich relativ wenige leben.
Der Kampf um den eigenen Staat: Die
1978 von Abdullah Öcahan gegründete linksextremistische Arbeiterpartei
Kurdistans, die PKK, setzte sich zunächst für die Anerkennung der
kurdischen kulturellen und nationalen Anerkennung ein, gab aber 1994 die
Forderung nach einem von der Türkei unabhängigen Kurdenstaat auf und
tritt seither für Autonomie und Gleichberechtigung aller Völker ein.
Der Unabhängigkeitskampf im Vorderen Orient forderte allein bis Mitte 1997
rund 21 000 Todesopfer.
Kämpfe zwischen Türken und
Kurden: Bei blutigen Auseinandersetzungen zwischen der
türkischen Armee und Rebellen der PKK in Anatolien kamen im Oktober 1996
mehr als 200 Menschen ums Leben.
Nach wiederholten Angriffen startete die türkische
Armee eine große Offensive gegen PKK-Stützpunkte im Nordirak.
Während sich PKK-Chef Öcahan im Jänner 1997 verhandlungsbereit
zeigte, lehnte die konservativ - islamistische Regierung der Türkei
weiterhin Gespräche mit der PKK ab.
Die beiden rivalisierenden Kurdenorganisationen schlossen
schließlich, in der 1991 nach dem Golfkrieg im Nordirak eingerichteten UNO
- Schutzzone, eine Friedensabkommen: Masuds Barsams Demokratische Partei
Kurdistans (KDP) und Dschahal Talabanis Patriotische Union Kurdistans (PUK)
unterzeichneten im Oktober 1996 nach mehrwöchigen Kämpfen und vielen
Zwischenfällen einen Waffenstillstand.
Eine der Ursachen für diese weitere Auseinandersetzung
war mit Sicherheit der Streit um die Einnahmen aus dem Grenzhandel in der
wirtschaftlich schwachen (UNO-) Schutzzone.
IV.) Schiiten
– Sunniten:
Quellen:
Schiiten: Die Schiiten ist die kleinere
der beiden Hauptgruppen des Islams, die im Unterschied zu den Sunniten
Anhänger der Schia sind, das heißt nur Ali Ibn Talib, den Vetter und
Schwiegersohn Mohammeds, und seine Nachkommen als die rechtmäßigen
Nachfolger des Propheten, als Imame, anerkennen. Mit rund 50 Millionen
Anhängern machen die Schiiten etwa 1/10 der Muslime aus. Während sie
jedoch im Iran, im Irak, in Indien, Pakistan und in Ostafrika die Mehrheit
bilden, sind sie in Bangladesch, in Syrien, Libanon und Jemen nur eine
Minderheit.
Die Schiiten sind in mehrere Sekten gespalten, zum Beispiel
gibt es die Ismailiten, die Zaiditen oder die “extremistischen
Ghulaten”. Die stärkste Gruppe stellen die Imamiten dar. Sie
anerkennen zwölf Imame, die ihnen als frei von Sünde und mit
unmittelbarem Wissen begabt gelten. Der zwölfte Imam befindet sich seit 873
in Verborgenheit, man erwartet seine Wiederkehr als Mahdi. Besondere Verehrung
geniest der zweite Imam, Husain, an dessen Märtyrertod in Karbala im Jahre
680 alljährlich mit Trauerspielen erinnert wird.
Sunniten: Sie bilden nach den Schiiten
die größte Gruppe im Islam, die über 90% der Muslime
umfaßt. Der Begriff Sunna, den die Sunniten auf ihre Gruppe beziehen
(“Menschen der Sunna”), bedeutet vermutlich “Mitte des
Weges”. Er bezieht sich demnach nicht, wie allgemein angenommen, auf
Sunna, das “Vorbild” des Propheten Mohammed, da alle islamischen
Gruppen und Sekten die Sunna, neben dem Koran, als verbindliche Lehre
anerkennen.
Die Lehren der Sunniten bildeten sich gegen Ende des
9. Jahrhunderts heraus, während ihre Theologie als einheitliches
System im 10. Jahrhundert entwickelt wurde. Damit reagierten die Sunniten
auf frühe Abspaltungsbestrebungen anderer islamischer Gruppen, wie
z. B. der Charidschiten, Mutasiliten und der Schiiten. Die Betonung der
Bestimmung des menschlichen Schicksals durch den Willen Gottes entstand in der
Auseinandersetzung mit der Überzeugung der Mutasiliten von der absoluten
Freiheit des menschlichen Willens. Innerhalb der sunnitischen Theologie haben
sich vier Gesetzesschulen entwickelt: die Schafiiten, die Hanefiten, die
Malikiten und die Hanbaliten.
Heute lebt der Großteil der Sunniten im südlichen
Syrien, in Palestina und im Diyarbakïr – Gebiet.
Unterschiede zwischen den Hauptgruppen des Islams
(Sunniten – Schiiten):
Autorität: Im Mittelpunkt des
imamitischen und ismaelitischen Glaubens steht ihre jeweilige Vorstellung von
der Rechtmäßigkeit des Imams, wodurch sie sich von der
Autoritätsauffassung der Sunniten und schiitischen Zaiditen grundlegend
unterscheiden. Sowohl die Sunniten wie auch die Zaiditen lehnen den Glauben an
die absolute Macht der Imame ab, insbesondere die Vorstellung, daß sie
sich im Besitz des wissenschaftlichen Gesamtwissens (wie Rechtswissenschaft,
Theologie und Exegese) befinden.
Gesetz, Ritus und Theologie: Da im
Koran nur wenige Vorschriften, Riten und doktrinäre Stellungnahmen
enthalten sind, greifen die meisten Muslime zur Bekräftigung ihrer Riten,
Gesetze und Theologie auf den Hadith zurück.
Im Unterschied zu den Sunniten glauben die Imamiten und
Ismailiten, daß die Aussprüche und das exemplarische Handeln ihrer
Imame gleichfalls das Ergebnis göttlicher Eingebung sind und somit wie jene
des Propheten (aufgrund ihrer von Gott verliehenen Erkenntnis, Unfehlbarkeit und
Makellosigkeit) auch als Hadith betrachtet werden könne. Obwohl die
Sunniten und Zaiditen die imamitischen und ismaelitischen Imame als echte
Übermittler des prophetischen Hadith anerkennen, lehnen sie jedoch den
Hadith, der nicht auf den Propheten, sondern auf einen Imam zurückgeht,
entschieden ab.
Rechtswissenschaft und neu auftretende Fälle: Sowohl die Zaiditen wie auch
die traditionellen Imamiten zitieren dieselben Gesetzesquellen wie die Sunniten,
und zwar den Koran, den Hadith, den Konsens der Gemeinschaft (Ijma) und die sich
auf die menschliche Vernunft gründenden Rechtsgutachten (Ijtihad).
Allerdings betrachten die Imamiten den Konsens als gemeinschaftliche
Übereinstimmung mit einem Imam.
Das Rechtsgutachten ist eine Gesetzesquelle für neu
auftretende Fälle. Diesbezüglich unterscheiden sich die Imamiten von
den Sunniten bloß darin, daß sie als Vergleichsmittel zwischen
bereits aufgetretenen und neu auftretenden Fällen die deduktive
Beweisführung (Akl) anstatt der analogen (Kijas) einsetzen. Sowohl Sunniten
wie auch Zaiditen und Imamiten betrachten derartige Rechtsgutachten als zeitlich
begrenzt und subjektiv, wobei es zulässig ist, diese offen zu diskutieren.
Folglich werden Sunniten, Zaiditen und Imamiten bezüglich der
Rechtsgutachten gewisse Freiheiten eingeräumt.
Ritus: Die Riten der Schiiten und der Sunniten weichen in einigen Punkten
voneinander ab. Während alle drei schiitischen Gruppen die Ermordung Alis
und seines Sohnes, des Imams Husain, betrauern, haben die schiitischen Imamiten
verschiedene Riten bezüglich der beiden Märtyrer institutionalisiert
und heben sich somit von den anderen Schiiten sowie von den Sunniten ab. Der
zweite von den Imamiten eingeführte Ritus ist die jährliche
Trauerfeier zu Ehren des Enkels des Propheten und dritten Imams Husain Ibn Ali
Ibn Abi Talib, der bei Karbala zu Aschura, im Monat Muharram (Tazija) den
Märtyrertod starb.
V.) Armenien:
Quellen:
Armenien, Republik in der
westasiatischen Region Transkaukasien, die im Norden von Georgien, im Osten von
Aserbaidshan sowie im Westen und Süden von der Türkei begrenzt wird.
Armenien, das früher eine Republik der Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken (UdSSR) war, ist ein gebirgiges Land mit einer begrenzten
Fläche landwirtschaftlich nutzbaren Bodens. Heute ist Armenien Mitglied der
Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS). Das Land ist ein
hochindustrialisierter Staat.
Bevölkerung: 1992 zählte
Armenien rund 3,4 Millionen Einwohner. Mehr als 90 Prozent davon sind
Armenier. Etwa fünf Millionen Armenier leben im Ausland, unter anderem
1,5 Millionen in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion, eine Million in
den Vereinigten Staaten und 400 000 in Frankreich.
Geschichte:
Armenien ist einer der ersten Orte menschlicher Besiedlung.
Ein Großteil seiner Geschichte wurde Armenien von fremden Mächten
kontrolliert, zum Beispiel von den Assyrern, Persern, Römern, Mongolen,
Türken und Russen. Zwischenzeitlich war das Land immer wieder für
kurze Perioden unabhängig, am längsten unter der Herrschaft des
armenischen Königs Tigranes des Großen. Später wurde Armenien
der erste christliche Staat der Weltgeschichte (301
n. Chr.).
Kyros II. (der Große), König von Persien und
Gründer des Persischen Reiches, eroberte das Land 549 v. Chr., und Armenien
wurde eine Provinz (Satrapie) des Persischen Reiches. Das führte
dazu, daß Armenien ein Satellitenstaat Roms wurde.
Doch der asarkidische König Tiridates III. befreite mit
Hilfe des römischen Kaisers Diokletian das Land.
Christliches Armenien: Als ein Zentrum
der Christenheit bekämpfte Armenien nach dem 4. Jahrhundert die Perser, die
Anhänger des Zoroastrismus waren. Die Araber übernahmen mit ihrer
Eroberung Persiens 642 auch die Oberherrschaft in Armenien. 653 jedoch
wählte der arabische Kalif einen armenischen Prinzen zum Verwalter des
Landes und ernannte ihn zum Patrizier von Armenien. Dagegen wurden die im
türkischen Teil lebenden Armenier bereits nach dem Fall Konstantinopels im
Jahre 1453 unter der Führung eines armenischen Bischofs neu organisiert.
Nachdem die Russen 1828/29 einen Teil der Region eingenommen hatten, zogen die
meisten Armenier in das von den Russen besetzte Gebiet. Türkische
Greueltaten
Geschichte in diesem
Jahrhundert:
Durch machtpolitische Überlegungen wurde auch
Großbritannien in armenische Angelegenheiten verwickelt. Während des
1. Weltkrieges (1914-1918) wurde Armenien zum Schlachtfeld russischer und
türkischer Armeen. Man schätzt, daß rund 800000 Armenier
während des Krieges bei Massakern starben oder verhungerten. Das moderne
Armenien
Am 26. Mai 1918 riefen die Armenier, die bis dahin unter der
Herrschaft des Zaren gestanden hatten, ihre Unabhängigkeit aus und
errichteten die Unabhängige Republik Armenien, die 1920 von den Alliierten
anerkannt wurde.
Während des Griechisch-Türkischen Krieges von 1920
bis 1922 stellten sich die Armenier auf die Seite der Griechen. 1921 wurde
schließlich ein Abkommen geschlossen: Die Republik Armenien trat rund die
Hälfte ihres kaukasischen Gebiets an die Türkei ab. 1922 gründete
die Armenische Republik zusammen mit den Sozialistischen Sowjetrepubliken
Aserbaidschan und Georgien die Transkaukasische Sozialistische Föderative
Sowjetrepublik, die eine der vier ursprünglichen Republiken der Union der
Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) wurde. Eine eigene Armenische
Sozialistische Sowjetrepublik wurde 1936 gebildet.
1989 erklärte der Oberste Gerichtshof die Enklave zu
einem Teil Armeniens und erklärte Armenien zu einem unabhängen Staat.
1992 wurde Armenien Mitglied der Vereinten Nationen.
Im Jahre 1990 erklärte der Oberste Sowjet von Armenien
das Land zur unabhängigen Republik und wählte Lewon Ter-Petrosjan, den
Führer der Armenischen Nationalen Bewegung, zu seinem Präsidenten.
1993 besiegten die armenischen Truppen die aserbaidshanische
Armee in mehreren Schlachten, was zur Errichtung einer armenischen Kontrolle in
Nagornyi-Karabach und den angrenzenden Gebieten führte.
Sprache: Die Armenische Sprache ist
eine indogermanische Sprache, die man lange für einen iranischen Dialekt
hielt, weil sie viele iranische Lehnwörter enthält, die bereits im
Altertum in den armenischen Wortschatz eingegangen waren. Das Alphabet
umfaßt 38 verschiedene Buchstaben. Armenisch wird von den Armeniern
in der Republik Armenien, in der Türkei und in armenischen Gemeinden im
Nahen Osten, Europa und den USA gesprochen. Man weiß, daß das
Armenische die älteren Sprachen des historischen Armenien spätestens
im 7. Jahrhundert v. Chr. ersetzt hat. Im 5. Jahrhundert, einer
Blütezeit der armenischen Kultur, entstand eine reiche armenische
Literatur. Man schätzt, daß vor dem 2. Weltkrieg in Armenien
rund 50 Dialekte gesprochen wurden. Russisch ist ebenfalls weit
verbreitet.
Armenien, kulturgeographisch gesehen,
ist das historische Gebiet in Westasien, das bereits im Altertum ein
unabhängiges Land, welches aus dem südlichen Kaukasien und dem
nordöstlichen Kleinasien bestand. Der südwestliche Teil der Region
gehört heute zur Türkei, der südöstliche zu Iran und der
nordwestliche Teil zur Republik Armenien. Armenien hat ein angenehmes Klima, das
von kühl-gemäßigt bis subtropisch reicht. Anders als im
türkischen und iranischen Teil Armeniens werden im Bereich der Republik
Armenien die Mineralvorkommen und das ertragreiche Agrarland ausgiebig
genutzt.
Die Armenische Kirche ist eine der
ältesten christlichen Kirchen. Durch die Bibelübersetzung des
armenischen Mönches und Gelehrten Sankt Mesrop festigte sich das
Christentum in Armenien. 1439 willigte ein Teil der Mitglieder der armenischen
Kirche in eine Union mit der römisch-katholischen Kirche ein. Der
überwiegende Rest der armenischen Kirche wird von einem Katholikos
angeführt, der in Etschmiadsin, einem Kloster neben Erewan in Armenien
lebt.
Die Kirche der Armenier ist die armenisch-apostolische
(orthodoxe) Kirche.
Die Armenische Literatur sind in
armenischer Sprache geschriebene literarische Werke. Die armenische Literatur
gehört zu den ältesten Literaturen der Welt. Vor der Einführung
des Christentums in Armenien im 3. Jahrhundert v. Chr. war die armenische
Literatur in assyrischer oder medopersischer Schrift gehalten. Mesrops
Systematisierung des armenischen Alphabets im Jahr 410 leitete im 5.
Jahrhundert, dem Goldenen Zeitalter der armenischen Kultur, eine Periode reger
literarischer Aktivität ein. Die bedeutendsten armenischen Schriftsteller
dieser Zeit arbeiteten als Übersetzer. Von Moses von Chorene stammt ein
Geschichtswerk und ein topographisches Werk über Armenien. Der Einfall der
Seldschuken und die arabische Herrschaft über Armenien vom 6. bis zum 10.
Jahrhundert führte zu einem Niedergang der armenischen Literaturproduktion.
Um 1850 entstand vor allem in den russischen und türkischen Gebieten
Armeniens eine moderne Schule armenischer Schriftsteller, deren Mitglieder
ausschließlich in zeitgenössischen armenischen Dialekten
schrieben.
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