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Dürrenmatt, Friedrich: Der Richter und sein Henker
walter-ludwig skolud <waluliso@gmx.net>
Titel: Der Richter und sein Henker
Autor: Dürrenmatt
Im Mittelpunkt des Romans steht der alternde, kranke Kommissar
Bärlach. Ihm bleibt nicht mehr viel Zeit, seine Wette zu gewinnen, die er
einst in der Türkei als junger Kriminalbeamter mit dem Verbrecher Gastmann
abgeschlossen hatte. Während Bärlach behauptete, daß "die
menschliche Unvollkommenheit, die Tatsache, daß wir die Handlungsweise
anderer nie mit Sicherheit voraussagen können und daß ferner der
Zufall, der in alles hineinspielt, der Grund sei, der die meisten Verbrecher
zwangsläufig zutage fördern müsse", sah Gastmann darin gerade
eine Möglichkeit, ein perfektes, unaufklärbares Verbrechen zu
verüben. Vor den Augen des Kommissars stößt Gastmann einen
Unbeteiligten über eine Brücke, Bärlachs Beteuerungen finden kein
Gehör bei der Polizei, und in der Folgezeit schützen internationale
Beziehungen Gastmanns kriminelle Aktivitäten. Esrt am Ende seiner Laufbahn
bietet sich Bärlach die Chance, als ein Kollege ermordet wird. Bärlach
kennt den Mörder, den Polizisten Tschanz, aber er lenkt den Verdacht auf
Gastmann. Zu spät durchschaut dieser die skrupellose Intrige, Tschanz
erschießt ihn in angeblicher Notwehr, um sich selbst zu retten. In einem,
für Bärlach beinahe tödlich endenden Essen mit Tschanz gelingt es
ihm schließlich ihn zu überführen; Tschanz verunglückt auf
der Flucht tödlich.
Die Figur des Kommissars hat ihre Vorbilder in den verlorenen Helden der
amerik. Autoren wie Chandler. Weniger diese literarischen Anleihen, vielmehr die
Verstöße dagegen machen den Reiz des Romans aus. Während
für den herkömmlichen Kriminalroman die Welt und das Verhalten der
Menschen erklärbar sind, ist in diesem Roman der Zufall bestimmend.
(Ausspruch Bärlachs oben) Sie spielen mit den Handlunsgmustern des
"Heldens", parodieren ihn teilweise und negieren damit den Mythos der
ausgleichenden Kraft der Gerechtigkeit. So kann Bärlach nur Gerechtigkeit
üben, indem er einen kriminellen Akt begeht. Wie schwer nun das
Verschweigen der Schuld Tschanz ist, im Gegensatz zu der späten
Gerechtigkeit, die ja mehr Jagdgelüste Bärlachs waren, sei
dahingestellt. Der Staatsbeamte Bärlach pflegt jedenfalls ein ausgesprochen
individualistisches Verhältnis zum Prinzip der Gerechtigkeit, seine
Handlungsweisen unterscheiden sich nur wenig von dem seiner Gegner. Er soll
dämonisch wirken, als ein verschwiegener Moralist mit dem Revolver in der
Tasche, gebannt vom Bösen, ein unheimlicher Richter, der seinen Henker
kaltblütig in den Tod schicken würde. Persönlicher klingen die
Seitenhiebe auf das helvetische Beamtenwesen und auf geduldete
Schieberaffären, persönlich ist natürlich auch das für die
ganze Erzählung nicht unwichtige Dichterporträt. Der mit den
Polizisten konfrontierte Schriftsteller, dessen Beruf es auch ist, den Menschen
auf die Finger zu sehen und der sich seiner harmlosen Rolle schämt, gleicht
dem Verfasser.
Das Werk kann nur mit dem Werk "Der Verdacht" gemeinsam betrachtet und
interpretiert werden.
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