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Zweig, Stefan: Schachnovelle
“Die
Schachnovelle”
von Stefan Zweig
Facharbeit von Daniel Franken
Janusz-Korczak-Gesamtschule,
Neuss
Hinweise zum Projekt
Die nachfolgende Arbeit entstand als sogenannte
Facharbeit im Schuljahr 1998/99 im Rahmen des Leistungskurses Deutsch der 13.
Jahrgangsstufe der Janusz-Korczak-Gesamtschule in Neuss. Mit Genehmigung der
Schulaufsicht wurde die zweite Klausur des ersten Schulhalbjahres durch diese
Facharbeit ersetzt.
Die fachlichen Grundlagen für die Realisation
dieses Projektes wurden durch die bisherige gemeinsame Arbeit
gelegt:
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Kurshalbjahr
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Kursthemen, Unterthemen
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11/2
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- Die Rolle der Liebe und von Partnerschaft im
gesellschaftlichen Gefüge: Liebeslyrik in verschiedenen literarischen
Epochen an ausgewählten Beispielen
- Text und Wirklichkeit: der Roman und die Novelle
am Ende des 19.
Jahrhunderts
Fontane
“Effi Briest” und Keller “Romeo und Julia auf dem
Dorfe”
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12/1
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- Der Aufklärungsgedanke im bürgerlichen
Trauerspiel des 18. Jahrhunderts am Beispiel
von:
a.) G. E. Lessing
“Nathan der Weise”
b.) Friedrich Schiller “Kabale und
Liebe”
- Der Aufklärungsgedanke in der Literatur des
20. Jahrhunderts am Beispiel
von:
a.) Bertold Brecht
“Das Leben des Galileo Galilei”
b.) Max Frisch “homo
faber”
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12/2
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- Die Wandlung des Realitätsbegriffes in der
Literatur zu Beginn des 20. Jahrhunderts am Beispiel von Franz Kafka
- Die Kurzgeschichte (bes. nach 1945) als
Widerspiegelung zeitgeschichtlicher Entwicklungen und geistesgeschichtlicher
Strömungen
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13/1
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- Die Weimarer Klassik am Beispiel von Goethes
“Faust I”
- Die Kunsttheorie der
Klassik
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Die Facharbeit wurde realisiert im Rahmen des
Unterrichtsvorhabens “Projekt: Literatur des 20. Jahrhunderts”: Aus
einer vorgegebenen Liste von Titeln der (deutschsprachigen) Literatur des 20.
Jahrhunderts hatte jede Schülerin / jeder Schüler einen Titel zu
wählen, wobei es möglich war, selbst Autoren bzw. Werke vorzuschlagen,
die in der Liste nicht erfasst waren. Es durfte allerdings kein Autor von zwei
Schülerinnen / Schülern zugleich bearbeitet werden. Die Gesichtspunkte
der Untersuchung des gewählten Werkes waren vorgegeben: Sie spiegeln sich
in den Kapitelüberschriften wider.
Es war darüber hinaus Auflage, die Facharbeit -
formatiert nach vorgegebenen Kriterien - auf Diskette und als Ausdruck
vorzulegen. Jeder Schülerin / jedem Schüler stand ein Beratungstermin
für seine Facharbeit zur Verfügung: Bei dieser Gelegenheit konnte man
sich Hilfestellungen und Tipps holen.
Ins Internet gestellt wurden die Arbeiten, welche mit
der Note “ausreichend” und besser bewertet wurden. Bis auf drei
zufällige Ausnahmen wurden alle Arbeiten (ähnlich wie bei
Abiturarbeiten) nicht nur von mir, als dem Fachlehrer, sondern von Kolleginnen /
Kollegen als “Zweitkorrektoren/Innen” beurteilt. (Die dabei
feststellbaren Abweichungen in der Bewertung waren in der Regel gering und nur
in einem Fall gravierend: Die Zweitkorrektorin bewertete - zutreffend - eine
Arbeit mit “mangelhaft”, im Unterschied zu mir, der ich
zunächst “ausreichend” erteilt hätte.) Insgesamt erwies
sich, dass die Erstellung einer solchen Facharbeit ein Leistungsvermögen
erfordert, das unter gewissen Gesichtspunkten höher ist als das bei einer
“normalen” Klausur.
Über die Home-page der Schule (unter der Adresse
http://www.jkg-neuss.de)
bzw. unter der Email-Adresse der Schule
(popjkgs@pop-gun.de)
oder unter der Email-Adresse des verantwortlichen Lehrers
(bialke@online-club.de)
können weitere Informationen eingeholt und - was durchaus erwünscht
ist - Kommentare abgegeben werden.
gez. Bialké
(Kursleiter)
- Inhalte
- Darstellung der
Thematik
Bei der Betrachtung der Thematik, in Stefan Zweigs
“Schachnovelle”, ist ein deutliches gegenüberstehen zweier
Themen zu erkennen. Zum einen ist es die “Menschlichkeit” oder, laut
Zweig, die “Geistigkeit” und zum anderen ist es die
“Unmenschlichkeit” oder auch
“Ungeistigkeit”.
Das erste vordergründige Thema der Novelle ist der
Kampf zweier Monomanen miteinander, genauer: eines von Natur aus völlig
einseitig begabten Menschen mit einem, den aüßere Umstände
zeitweilig in eine Manie verfallen ließen. Beide verkörpern eine
Daseinsform: die “Geistigkeit” und die
“Ungeistigkeit”.
Die “Ungeistigkeit” wird von der Person
Czentovic verkörpert, der, wie schon erwähnt, ein völlig
einseitig begabter Mensch ist. Dies hängt mit seiner frühen Kindheit
zusammen, in der er, nach dem Tode seines Vaters, von einem Pfarrer aufgezogen
wurde. Dies ist ja noch nicht schlecht, jedoch vermochte der Pfarrer nicht,
trotz allen Bemühens, den oft total abwesend erscheinenden Jungen, durch
häusliche Nachhilfe, in der Schule weiter zu bringen. Das ist auch der
Grund, warum Czentovic eigentlich nichts kann, außer
Schachspielen.
Die “Geistigkeit” wird durch einen gewissen
Dr.B. dargestellt. Der gelangte, nach der Inhaftierung durch die Gestapo und
einer wochenlangen totalen Isolierung, an ein Buch, das die Meisterpartien des
Schachs enthielt. In seiner totalen Isolierung, beginnt er diese Partien gegen
sich selbst nach zu spielen. Er erreicht so eine Spaltung seines Geistes,
wodurch er allerdings in eine Manie verfällt.
´´Im Zusammenspiel aller Kräfte unter
Führung des Geistes liegt für Zweig der Ausdruck des rein
menschlichen. Darum ist letzten Endes die einseitige Ausrichtung Dr.B.‘s
zur imaginierenden Abstraktion – während seiner Gefangenschaft
– ein Mangel, der notwendig zur Katastrophe führen mußte und
dem Träger wieder zum Verhängnis wird, sobald er der Manie wieder
verfällt.´´ [1]
- Skizze des
Inhalts
Beim besteigen eines
Passagierdampfers, der von New York nach Buenos Aires fahren soll, wird der
Erzähler von einem Freund darauf aufmerksam gemacht, daß mit
demselben Schiff der Schachweltmeister Czentovic fährt, ein gefeierter aber
sehr unzugänglicher Mann. Das psychologische Interesse des Erzählers
ist geweckt, und er versucht, da der direkte Weg ausgeschlossen ist, durch
öffentliches Schachspielen die Bekanntschaft des Meisters zu machen. Sein
bald gefundener Partner vermittelt, sobald er von der Person des berühmten
Mitpassagiers erfährt, eine Simultanpartie mit der in Czentovic’s
Vertrag festgesetzten Bezahlung.
Mehrere Laien spielen gemeinsam gegen den hochmütig
auftretenden Schachmeister und verlieren die erste Partie. Bei der Revanche
werden sie unerwartet von einem Fremden beraten, der ihnen zum Erstaunen nicht
nur des Meisters zu einem Remis verhilft. Gebeten, alleine eine Partie mit
Czentovic auszutragen, lehnt der Unbekannte bescheiden ab und zieht sich
zurück. Der Erzähler übernimmt es, den Fremden aufzusuchen und zu
einer weiteren Partie zu bewegen. Dabei erfährt er die Leidensgeschichte
des Dr.B.. Nach wochenlanger politischer Haft, in der er, außer in
Verhören, weder sprechen noch lesen noch schreiben durfte, fiel ihm ein
Schachbuch mit Meisterpartien in die Hände. Obwohl nur
mittelmäßiger Schachspieler, spielte er die Partien im Geiste nach,
wobei er sich selbst zum Gegner hatte. Als er das Schachbuch bereits auswendig
konnte, dachte er sich selbst neue Partien aus und rief so, in gesteigertem
Maße gegen sich selbst fechtend, eine allmähliche Spaltung seines
Ich’s hervor. Nach weiteren Wochen der Abgeschiedenheit führte der
quälerische Kampf zu einer schweren Nervenkrise. Dr.B. wurde zwar von
seiner künstlich erzeugten Schizophrenie geheilt und aus der Haft
entlassen, doch rieten ihm die Ärzte, nicht mehr Schach zu spielen. Dennoch
läßt er sich dazu bewegen, zur Probe eine einzige Partie gegen den
Schachweltmeister zu spielen.
Er gewinnt die erste Partie. Zur zweiten aufgefordert,
ist er, vom Spielfieber ergriffen, sofort bereit. Dabei gerät er geistig in
eine andere Partie und spielt statt der realen die ihm vorschwebende irreale.
Aus seinem aufbrausenden Zorn über den vermeintlichen Irrtum seines
Gegners, weckt ihn ein mahnendes Wort des Erzählers. Sofort begreift er die
wirkliche Lage, entschuldigt sich und zieht sich zurück.
- Stilistik
2.1 Die Charakteristik der sprachlichen
Gestaltung des Werks
´´Die Novelle ist eine Ich- Erzählung, in
der die erzählenden Personen jedoch eine untergeordnete, beobachtende
Stellung einnimmt, so daß über weite Abschnitte hinweg der Eindruck
einer Er- Erzählung entsteht. Unterbrochen wird die auf dem Schiff
spielende Handlung durch zwei eingeschobene Erzählungen, von denen die eine
in der Erform, die andere in der Ichform vorgetragen wird. Durch diese
Abwechslung in der Darbietungsweise erfährt die
´´Schachnovelle´´ eine besondere
Auflockerung.
Die Novelle ist deutlich in zwei Teile geteilt. Den
ersten bestimmt die Gestalt des Schachmeisters, den zweiten die des Dr.B.. Beide
Teile zeigen einen ähnlichen, beinahe parallelen Aufbau. Nachdem das
Interesse an der jeweiligen Hauptperson geweckt ist, wird seine
Lebensgeschichte, wiedergegeben. Beide Teile unterscheiden sich durch den
unterschiedlichen Gebrauch der Erzählform, der Personen, der Zeiten, des
Ortes und der Entwicklung. Der Hauptunterschied ist aber, daß der zweite
Teil, durch das Gewicht des Inhalts und der Persönlichkeit des Dr.B. eine
wesentliche Vertiefung und das Schachspiel durch die vorausgegangene Erhellung
beider Gestalten eine fühlbare Verschärfung
erfährt.´´[2]
´´Thema und Stil sind in einander in der
´´Schachnovelle´´ vollkommen angepaßt. Dem
vordergründigen, z.T. vorgetäuschten psychologischen Interesse
entspricht er durchaus, daß die Sprache bewußt sachlich und
unpathetisch gehalten ist und sich weitgehend an die Alltagssprache anlehnt,
dabei allerdings auch häufig versnobt wirkt. Verschiedentlich wurde auf die
Kontraste vermeidende, nur leicht hervorhebende Technik der Betonung aufmerksam
gemacht, die in der Gesamtcharakteristik der Personen wie auch in
Einzelzügen angewandt wird. Ihr Merkmal ist die Zweiteilung der Aussage:
eine sachliche Feststellung wird durch einen bildhaften Vergleich in ihre
Wirklichkeit verstärkt. Weit hergeholte Vergleiche und auffallend viele
Fremdwörter, die sich nur z.T. als der Fachsprache zugehörig
rechtfertigen lassen, sind nicht
selten.´´[3]
2.2 Die sprachliche Analyse einer typischen
Passage
´´Daß nun ein Weltmeister ein halbes
Dutzend mittlerer oder unmittlerer Spieler mit der linken Hand niederfegt, war
an sich wenig erstaunlich; verdrießlich wirkte eigentlich auf uns alle nur
die präpotente Art, mit der Czentovic es uns allzu deutlich fühlen
ließ, daß er uns mit der linken Hand erledigte. Er warf jedesmal nur
einen scheinbar flüchtigen Blick auf das Brett, sah an uns so lässig
vorbei, als ob wir selbst tote Holzfiguren wären, und diese impertinente
Geste erinnerte unwillkürlich an die, mit der man einem räudigen Hund
abgewendeten Blicks einen Brokken zuwirft.´´ (Schachnovelle Seite
33/34)
´´Der Ausschnitt ist im Prinzip so aufgebaut
wie die Mehrzahl der Satzgefüge dieser Novelle.
Der sachlichen Feststellung folgt als Beispiel ein ins
Bild gehobener Vergleich. Auffällig an diesem Zitat ist aber die
Häufigkeit von Pronomen und Adverbien, die dem Ganzen, trotz einiger
hervorstehender, schlagkräftiger Adjektive und bedeutungsgeladener
Substantive das Flüssige, aber auch das Farblose der Alltagssprache geben.
Dies ist ein Zug, der durch die ganze Novelle geht, selten aber so
offensichtlich wie hier. Hervorgehoben werden muß neben der
charakteristischen Neubildung ´´unmittlerer...´´ das
Adjektiv ´´präporiert´´, das hervorstechend das
Überhebliche und zugleich Ungeistige Czentovics bezeichnet. Ebenso
charakteristisch für die geringschätzige Art des Weltmeisters ist die
Wendung ´´mit der linken Hand´´. Während der Vergleich
mit dem räudigen Hund doch etwas zu weit gegriffen
ist.´´[4]
- Biographische
Bezüge
- Die Biographie des
Autors
1881: - Stefan Zweig
wird am 28.11. als Sohn des Textilfabrikanten Moritz Zweig und
dessen Frau Ida, in Wien
geboren
1887-1892:- Besuch der Volksschule
1892-1900:- Schulbesuch des Maximiliangymnasiums in
Wien
ab 1897: - erste Veröffentlichungen von
Gedichten
1900: - nach dem Abitur, erste Reise nach
Frankreich
1900-1904:- Studium an der Universität Wien in den
Studienrichtungen Philosophie, Germa-
nistik und
Romanistik
1901: - erste Buchveröffentlichung unter
dem Titel “Silberne Saiten”, Gedichte
1902: - Zweig verbringt das Sommersemester an
der Universität Berlin
- erster Kontakt zum
Schriftstellerkreis “Die Kommenden”
- Zweigs Übersetzungen der
Gedichte Budelaires werden veröffentlicht
1904: - Abschluß des Studiums mit einer
Dissertation über Hippolyte Taine
- der erste Band mit Erzählungen
erscheint: “Die Liebe der Erika Ewald”
- Begegnung mit Rilke und Rodin in
Paris
1905: - Monographie über Paul Verlaine wird
veröffentlicht
1906: - der zweite Gedichtsband erscheint:
“Die frühen Kränze”
1907: - Zweig zieht in die erste eigene
Wohnung
- das Theaterstück
“Tersites” wird veröffentlicht
1911: - Reise in die USA, nach Kanada, Kuba und
Puertorico
- der Erzählband “Erstes
Erlebnis. Vier Novellen aus Kinderland” erscheint
1914: - Zweig meldet sich bei Kriegsausbruch
freiwillig zum Militär
- Mitarbeit an diversen
Propagandaschriften des Krieges
1918: - Premiere des Theaterstücks
“Jeremias” am neuen Stadttheater in Zürich
- Uraufführung des Theaterstücks
“Legende eines Lebens” in Hamburg
- Zweig übersetzt Romain Rollands Roman
“Clerambault” und sein Theaterstück
“Die Zeit wird kommen”
1920: - Eheschließung mit Friderike von
Winternitz
1924: - Zweigs “Die gesammelten
Gedichte” erscheinen
1926: - Zweigs Vater stirbt
- das Theaterstück
“Volpone”, Zweigs erfolgreichstes Stück, erscheint als
Buch
1927: - der Novellenband “Verwirrung der
Gefühle” erscheint, ebenso die “Sternstunden
der
Menschheit”
1932: - “Marie Antoinette. Bildnis eines
mittleren Charakters” erscheint
1933: - Bücherverbrennung der
Nationalsozialisten, bei denen auch Zweigs Bücher
verbrannt werden
- in Deutschland dürfen seine
Veröffentlichungen nicht mehr vertrieben werden
1934: - Zweig siedelt nach einer polizeilichen
Hausdurchsuchung, in seinem Salzburger
Haus nach London
über
1936: - in Wien erscheinen in zwei Bänden
die gesammelten Erzählungen Zweigs
1938: - Tod von Zweigs Mutter
- Scheidung von
Friderike
- Antrag Zweigs auf britische
Staatsbürgerschaft
1939: - Heirat mit Lotte Altmann
- Übersiedlung von London nach
Bath
1940: - Zweig und seine Frau werden britische
Staatsbürger
1941: - in einem kleinen, gemieteten Haus in
Petropolis, bei Rio de Janeiro, entsteht die
Schachnovelle
1942: - die Nachricht über die Ausweitung
des Weltkriegs führt zu einer schlimmer
werdenden Depression
- am 22.Februar Freitod von Lotte und Stefan
Zweig
- Die Stellung des Werkes in der Vita des
Autors
Die genaue Stellung des
Werkes in Zweigs Vita, ist nicht definierbar, jedoch kann man annehmen,
daß das Werk, da es Zweigs letztes vor seinem Tode war, noch einmal etwas
besonderes sein sollte. Dafür spricht, daß die
´´Schachnovelle” einige Aspekte enthält, die in Zweigs
vorangegangenen Novellen anders dargestellt wurden.
Einer dieser Aspekte ist, daß Zweig in dieser
Novelle, weit weniger Wert auf Einzelheiten des Stils legte als auf den
ungehemmten Fluß des Ganzen, ohne daß der Stil ungepflegt wäre.
Auch die in früheren Werken Zweigs, kaum gebrauchten Fremdwörter, sind
in der ´´Schachnovelle´´ nicht mehr so störend.
Ebenfalls die Wendung von einem mehr lyrischen zu einem möglichst
sachlichen Stil ist erkennbar.
- Bewertung
- Die Bedeutung der Inhalte für das
Leserpuplikum
4.1.1
In der ´´Schachnovelle´´, von Stefan
Zweig, geht es, wie schon zu Beginn erwähnt, um zwei Themen. Zum einen die
“Geistigkeit” und zum anderen die “Ungeistigkeit”. Wenn
man die beiden Themen einzeln und jedes für sich betrachtet, dann
fällt einem wohl kaum ein anderes Werk ein, indem das Thema
“Geistigkeit” oder das Thema “Ungeistigkeit” behandelt
wird. Allerdings bilden die beiden Themen in dieser Novelle so etwas wie eine
Einheit, denn sie laufen in- und nebeneinander her. Betrachtet man die Themen
also zusammen, so wird in dieser Novelle auch das angesprochene, und zur Zeit
der Entstehung der ´´Schachnovelle´´ aktuelle,
Kriegsgeschehen thematisiert. Dargestellt wird dieses Geschehen durch die Person
Dr.B’s, denn der hat in der ´´Schachnovelle´´ am
eigenen Leib erfahren müssen, wie rauh die Sitten, in Form der Gestapo,
während des Krieges waren.
Dies ist dann wiederum ein Thema, daß mit
Sicherheit keinen Einzelfall darstellt, da während des Krieges mehr als
genug Menschen davon betroffen waren und auch in der heutigen Zeit gibt es noch
Länder, in denen dieses Problem des Krieges und dessen Auswirkungen auf die
Menschen aktuell ist.
4.1.2
Ich finde, daß über den sehr kompakt
geschriebenen Inhalt der ´´Schachnovelle´´, ein guter
Kontakt zum Leser gelingt. Dies hat zur Folge, daß eine Spannung
entwickelt wird, die den Leser fesselt. Bei mir war es so ,daß ich, obwohl
ich keine Ahnung vom Schach habe, schon nach den ersten gelesenen Seiten
gespannt war, was denn wohl als nächstes kommen wird. Meiner Meinung nach
ist es Zweig, durch die Trennung der Novelle in zwei miteinander verbundene
Themen, sehr gut gelungen, auch den Schach unerfahrenen Leser zum unbedingten
weiterlesen zu bewegen, da das Schachspiel zwar eine Zentrale Stellung einnimmt,
aber bei weitem nicht alles ist, was die Novelle zu bieten hat. Mit dem ersten
Auftritt Dr.B.‘s, bekommt die Novelle nachmal einen besonderen Kick, denn
man ist doch sehr gespannt, warum dieser Mann nicht alleine gegen Czentovic
Schachspielen will. Ab dem Erzählen der Lebensgeschichte Dr.B.‘s,
bewirkt Zweig, daß sich der Leser mit den Umständen der
Kriegsgefangenen auseinandersetzen muß, wodurch erneut Spannung erzeugt
wird.
- Skizze eines produktorientierten
Interpretationsansatzes
Mit dem schreiben der
´´Schachnovelle´´ hat sich Stefan Zweig gegen die Rechte,
die die Menschen zu der Zeit, 1942, hatten aufgelehnt. Es war die Zeit, in der
die Nationalsozialisten unter der Führung Hitlers, die Geschehnisse und die
Rechte bestimmten. Zweig jedoch scheinen die gegebenen Rechte und die
Geschehnisse, zu der Zeit, nicht gepaßt zu haben, denn die
´´Schachnovelle´´ ziehlt mit dem Geschehen um Dr.B., darauf
ab, das was die Nationalsozialisten als normal bezeichneten, zu verurteilen.
Dafür spricht auch, daß bereits Jahre vor dem erscheinen der
´´Schachnovelle´´ Werke Zweigs von den Nationalsozialisten
verbrannt wurden. Zweig muß also auch schon in anderen Werken Kritik an
den Machenschaften der Nationalsozialisten geübt haben, denn ansonsten
wären seine Werke nicht verbrannt und von den Nationalsozialisten in
Deutschland, 1933, verboten worden. Das Zweig ein Jahr nach dem Verbot seiner
Werke in Deutschland, nach London übersiedelte, spricht dafür,
daß er sich vielleicht in Salzburg nicht mehr so sicher fühlte, wie
im Alliierten England. Die Situation, in der Dr.B. in der
´´Schachnovelle´´ steckte, nämlich in der
Gefangenschaft der Gestapo, könnte auf ein mögliches Geschehen um
Zweig abzielen, in das er geraten wäre, wenn er nicht nach London gezogen
wäre.
´´...: die Geistigkeit wird nur
äußerlich von der Ungeistigkeit besiegt. Mit diesem Problem behandelt
Zweig eine der großen Fragen der Zeit. Zu allen Zeiten war es für
einen geistigen Menschen, eine Idee schwer, sich gegen die Masse durchzusetzen;
in einer Epoche gedrängter – vorwiegend politischer –
Erschwernisse dennoch den geheimen Sieg zu zeigen, ist Zweigs
Anliegen.´´[5]
- Zusammenfassendes
Urteil
Wie schon einmal unter 4.1.2 angedeutet, gefiel mir die
´´Schachnovelle´´ ausgesprochen gut. Dazu trug im besonderen
Maße die schlichte und gut zu verstehende Sprache, in der die Novelle
geschrieben ist, bei. Einmal angefangen das Werk zu lesen, war ich sofort so
davon gefesselt, daß ich es bis zum allerletzten Buchstaben nicht mehr aus
der Hand legte. Ein Aspekt, der auch sehr wichtig ist, ist die kompakte
Schreibweise des Werkes. Man kommt beim lesen eigentlich nie aus dem Takt, da
alles sehr flüssig und in fließenden Übergängen geschrieben
ist. Zweig hat die ´´Schachnovelle´´ bis ins kleinste Detail
genau ausgeklügelt, denn man hat nie das Gefühl etwas nicht verstanden
zu haben oder etwas wichtiges überlesen zu haben. Es hängt einfach
alles unzertrennlich zusammen.
Auch die bereits erwähnte Spannung, die, wie ich
fand, von Anfang an die Novelle kennzeichnet, trägt zu einer sehr positiven
Bewertung meinerseits bei. Man hat hier einfach nie das Gefühl, daß
die Handlung künstlich in die Länge gezogen wird, es ist vielmehr
alles recht knapp, dennoch sehr präzise geschrieben.
Auch die Handlung an sich ist mal etwas neues, denn wann
geht es schon mal vordergründig ums Schachspielen?
Besonders das Geschehen um Dr.B., während seiner
Haft, ist sehr Interessant und Spannend zugleich, denn nicht oft bekommt man so
genau beschrieben wie die Nationalsozialisten versuchten ihren Gefangenen
wichtige Informationen, auf eine solch psychologische Weise, zu
entlocken.
Abschließend kann ich nur jedem Empfehlen die
´´Schachnovelle´´ mal zu lesen, denn sie ist, meiner Meinung
nach, wirklich gut zu lesen und sie ist vorallem nicht zu lang und nicht zu
kompliziert.
[1] Ingrid Lent: Seite
110
[2] Ingrid Lent: Seite
82f.
[3] Ingrid Lent: Seite
114
[4] Ingrid Lent: Seite
99
[5] Ingrid Lent: Seite
110
Ingrid Lent: Das Novellenwerk Stefan Zweig. Eine Stil- und
Typenuntersuchung.
Inaugural-Dissertation zur Erlassung des Doktorgrades der
Philosophischen Fakultät der Ludwig-Maximilians.Uni.
München,1945
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