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Das Schlagzeug in unserer Zeit
Das Schlagzeug
in unserer
Zeit
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Referent:
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Franz Sellmeir
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Seminarleiter:
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Prof. Dr. G.
Duré
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Datum:
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23. Oktober 1998
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Ort:
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Fachhochschule
München
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Inhaltsverzeichnis
1) Meilensteine in der Geschichte des Schlagzeugs
2) Bestandteile des Schlagzeugs
a) Unterteilung: “mit / ohne bestimmter Tonhöhe”
b) Unterteilung nach Musikrichtung:
i) Lateinamerikanische Musik; Reggae
ii) Jazz / Swing; Rock- und Popmusik
iii) Orchestrale Musik / Ernste Musik
3) Bestandteile des “Drum-Set”
4) Schlagtechnik beim Drum-Set
a) Allgemeines
b) Technik-Übungen
5) Das Notenblatt des Schlagzeugers
6) Hörbeispiele
7) Schlagzeug – ein Lebensgefühl
Anhang: Literaturverzeichnis, Bilder von
Schlaginstrumente
n1) Meilensteine in der Geschichte des Schlagzeugs 1)
Bereits zu Zeiten um 2000 v. Chr. wurden in der
ägyptischen Orchestermusik Instrumente benutzt, die mit den heutigen
Schlaginstrumenten vergleichbar sind. Auch auf dem “schwarzen”
Kontinent Afrika benutzten und benutzen die Ureinwohner Buschtrommeln, die ihnen
nicht nur als Unterhaltungsmittel und Kulturgut, sondern auch als
Kommunikationsmittel und Warneinrichtung vor Gefahren dienen.
Im Vergleich dazu hinkt die Entwicklung dieser
Instrumentengruppe im Westen deutlich hinterher: Erst viel später
entwickelte man dort die Pauke, die vorwiegend in der orchestralen Musik
verwendet wird und auch heute noch etabliertes Schlaginstrument ist. Jedoch ist
festzustellen, daß das Schlagzeug (“Schlagwerk”) damals in so
berühmten Epochen wie der Klassik, der Romantik und auch in gewissen Teilen
des Barocks immer eine untergeordnete Rolle in der Musik spielte, da es in der
Regel ausschließlich als Hintergrunduntermalung verwendet wurde. Eine
Ausnahme bildeten hier natürlich besondere Klangeffekte wie der
Pistolenschuß oder der Gong.
Die Wende brachte schließlich die Jazz-
und Swing-Ära in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts: Die durch die
Sklaverei der Schwarzen in Nordamerika entstandene Musikrichtung verhalf dem
Schlagzeug zu einer gleichberechtigten Stellung in der Musikgruppe: Es durfte
nun –wie die klassischen Solo-Instrumente Trompete oder Saxophon- die
Musik mit ihren eigenen Soli mitprägen und mitbestimmen.
Ab den Fünfziger Jahren stieg der
Beliebtheitsgrad von Musicals –die moderne Art der Oper- schlagartig an:
Ein weltbekanntes Beispiel dafür ist die im Jahre 1957 aufgeführte
“West Side Story” von Leonhard Bernstein. Obwohl auch hier das
Schlagzeug ein wichtiges Gestaltungsmittel war, verlierte es ihren bis dato
eigenständigen Charakter zusehends: Das Schlagzeugspiel beschränkte
sich bis heute wieder überwiegend auf die Begleitung der
“Lead-Stimmen” (nun zunehmend Gitarre, Keyboard und
Lead-Gesang).
1)
Entnommen aus: “Das neue Buch der Musik”
(S.116-118)
2) Bestandteile des Schlagzeugs
Die Vielzahl der Schlaginstrumente
läßt sich hinsichtlich verschiedener Kriterien unterteilen. Im
Folgenden werden zwei Möglichkeiten der Einteilung
erläutert:
a) Unterteilung: mit / ohne bestimmter Tonhöhe (offizielle
Unterteilung)
Mit einstellbarer (bestimmter) Tonhöhe: Xylophon, Vibraphon,
Glockenspiel, Lyra, Pauken, Röhrenglocken usw.
Ohne bestimmter Tonhöhe: Kleine Trommel, Große Trommel, Becken,
Drum-Set, Percussion-Instrumente (z.B. Claves, Maracas, Schüttelrohr,
Cabasa, Tamburin, Cowbell, Triangel), Bongos, Congas usw.
b) Unterteilung nach Musikrichtung
Lateinamerikanische Musik; Reggae:
Drum-Set, Percussion-Instrumente (z.B. Claves, Maracas, Schüttelrohr,
Cabasa, Tamburin, Cowbell, Triangel), Bongos, Congas
Jazz / Swing; Rock- und Popmusik:
Drum-Set, evtl. mit wenigen, ausgewählten Percussion-Instrumenten (Cowbell,
Tamburin)
Orchestrale Musik / Ernste Musik:
Pauken, Große Trommel, Kleine Trommel, Becken, Percussion-Instrumente
(z.B. Triangel, Tamburin, Woodblock), Röhrenglocken, evtl. Drum-Set
3) Die Bestandteile des “Drum-Set”
Entnommen aus: ”Das neue
Buch der Musik” (S.117)
Die im Bild auf der ”Kleinen
Trommel” liegenden Schläger werden ”Sticks” genannt. Sie
werden meist aus speziellem Holz gefertigt und sind die am häufigsten
verwendeten Schläger für das Drum-Set. Für Jazz oder Blues
hingegen werden oftmals sogenannte ”Besen” eingesetzt, wie sie hier
auf der ”Tenortrommel” (”Standtom”) zu sehen sind. Die
zu einem Büschel zusammengebundenen Metalldrähtchen erzeugen weichere,
sanftere Klänge als die herkömmlichen Sticks aus
Holz.
Mit der ”Hi-Hat” (1) spielt man
einen Teil der Begleitung am Drum-Set. Bedient man sie mit dem Fuß, so
wird das obere Becken gegen das Untere gedrückt: Ein kurzes
”Zischen” erklingt. Im Bereich der Popmusik dagegen wird die Hi-Hat
meist im geschlossenem Zustand per Stick auf der Beckenoberfläche
angeschlagen. Der Beckendurchmesser beträgt in der Regel 13 bis 15
Zoll.
”Becken” werden -je nach Form,
Größe und Dicke- für verschiedenste Zwecke benutzt: Neben der
Verwendung auf Hi-Hat-Maschinen werden sie z.B. für die Betonung einzelner,
markanter Stellen benutzt und dabei immer an der Kante angeschlagen. Diese
sogenannten ”Crash”-Becken (3) geben einen scharfen,
durchdringenden Klang von sich ab. Sie sind in den verschiedensten
Größen von 13 bis 18 Zoll Durchmesser erhältlich.
Das rechte Becken im Bild, ein
”Ride”-Becken, wird wie eine Trommel oder
Hi-Hat gespielt und findet seine
Bedeutung vorwiegend im Jazz / Swing und
Pop / Rock. Ihr Durchmesser beträgt
in der Regel 18 oder 20 Zoll.
Das Instrument am Drum-Set, das klanglich am
meisten hervorsticht, ist wohl die ”Kleine Trommel” (3), im
Fachjargon ”Snare Drum” genannt. Ihr Name rührt von den aus
Stahl und/oder Nylon gefertigten Schnarrseiten her, die mittels Hebel an das
untere Fell gepreßt werden und so der Snare Drum den typisch metallischen,
reibenden Klang verleihen.
Das zweite begleitende Instrument am Drum-Set
ist die ”Große Trommel” (4), im Durchmesser zwischen 18 und 24
Zoll groß. Sie begleitet oftmals die Melodie des Kontrabaß in der
Jazzmusik. Im Bereich der Heavy-Metal-Musik sind
Drum-Sets manchmal mit zwei
Großen Trommeln (”Bass-Drums”) ausgestattet. Die zweite
Bass-Drum wird dabei mittels Verbindungsstange durch das Pedal der ersten
Bass-Drum angeschlagen, oder sie besitzt ein eigenes Pedal.
Tomtoms (5) dienen meist nur der Verzierung von
kurzen Schlagzeugsoli (“Fills”); Lediglich in der
lateinamerikanischen Musik prägen sie den Rhythmus entscheidend mit. Es
gibt sie in Größen von 6 bis 18 Zoll.
Tenortrommeln (6) sind auf eigenen
“Füßen” stehende Tomtoms mit einem Durcmesser zwischen 14
und 18 Zoll. Einsatzgebiete siehe Tomtoms.
4) Schlagtechnik beim Drum-Set
a) Allgemeines
Um dem Schlagzeug “heiße”,
“in’s Blut gehende” Rhythmen zu entlocken, muß sich der
Drummer besonderen Schlagtechniken bedienen. Nur wer diese Techniken beherrscht,
ist in der Lage, mit dem Schlagzeug eine besondere Atmosphäre zu schaffen,
die dem Zuhörer das Spiel nicht als “Krach” erscheinen
läßt, sondern als Musik, die bewegt und zum Mitmachen auffordert.
Grundsätzlich gilt:
- Die Sticks
sollten immer ohne jegliche Muskelkraft auf das Fell der Trommel treffen.
Man läßt den Stick einfach fallen.
- Die
Stickbewegung erfolgt immer aus dem Handgelenk, da der Arm für hohe
Tempi zu langsam und träge wäre.
- Die Idee
beim Schlagzeugspiel liegt darin, dem Stick möglichst viele
Bewegungsmöglichkeiten offenzulassen. Der Stick erfährt durch
die Hand nur eine leichte Führung.
b) Technik-Übungen
Zwei Beispiele:
- Man stellt sich mit einem Stick wahlweise in der
linken oder rechten Hand in die Mitte des Raumes und läßt den Arm
baumeln, bis er in der Ruheposition auf den Fußboden zeigt. Dann hebt man
den Stick hoch, so daß er über die Schulter hinweg nach hinten zeigt.
Anschließend läßt man den Arm fallen, indem man alle durch das
Heben des Sticks angespannten Muskeln entspannt. Die Schwerkraft alleine
läßt den Stick wieder nach unten auspendeln.
Ziel dieser Übung ist,
sich bewußt zu machen, daß die Schlagbewegung im Zeitraum des
Fallenlassens auf das Fell immer ohne jegliche Muskelkraft vollzogen
werden soll.
- Man vollzieht auf der Kleinen Trommel wahlweise
mit der linken oder rechten Hand einzelne Schläge in der Weise, daß
man den Stick -ohne eigene Kraftanstrengung- von der Trommel durch den
“Rebound” (“Trampolin”-Effekt) zurückkommen
läßt. Dabei ist darauf zu achten, daß sich einzig und allein
das Handgelenk, auf keinen Fall aber der ganze Arm bewegt. Diese Übung
zielt also darauf ab, sich bewußt zu machen, daß die Bewegung des
Sticks lediglich eine Bewegung des Handgelenks verursachen darf, und
daß sich der auf das Fell auftreffende Stick von selbst wieder nach
oben bewegt – eine entscheidende Voraussetzung für
“kraftloses”
Schlagzeugspiel.
5) Das Notenblatt des Schlagzeugers
Grundsätzlich steht es dem Komponisten frei, welche Tonhöhen in der
Notenzeile welchem Schlagzeug-Instrument zugeordnet werden. In der Praxis jedoch
hat sich eine gewisse Normierung eingestellt, die hier anhand eines für das
Drum-Set geschriebenen Beispieles erläutert werden soll.
Entnommen aus: “Score
Partition No.2” (S.13)
• Die
Noten in der obersten Zeile stellen die Schläge für die Hi-Hat
dar;
• Diejenigen
in der dritten Zeile (von unten nach oben gezählt) symbolisieren die
Schläge auf der Snare Drum, während
• die
untersten Noten die Bass Drum darstellen.
• Die
Zeichen in Takt 2, 3, 6 und 7 bedeuten die Wiederholung des vorangegangenen
Taktes.
• Seltener
kommen Schläge auf die Tomtoms vor, deren Notenköpfe gegebenenfalls
auf der Höhe zwischen Snare- und Bass-Drum notiert werden. Oft ist aber
auch der Vermerk “little Fill” oder nur “Fill” zu lesen,
bei denen dem “Drummer” die Gestaltung der meist kurzen
Schlagzeugsoli freigestellt ist.
Da es beim Drum-Set keine Tondauer gibt,
werden die Noten stets so aufgeschrieben, daß eine Notierung von Pausen
nicht oder nur selten notwendig ist.
6) Hörbeispiele
- Notenzeile
aus Gliederungspunkt 5: “Das Notenblatt des
Schlagzeugers”
Herauszuhören
sind: Hi-Hat, Bass Drum und Snare Drum
- Ausschnitte
aus den Songs “America” und “Rumble” des Musicals
“West Side Story” (L.
Bernstein) Herauszuhören sind:
Cowbell, Triangel, Pauken, Schüttelrohr, Drum-Set
- Ausschnitte
aus “Einfach mit Jazz”
(Jazzkantine)
Herauszuhören sind:
Ride-Becken, Drum-Set
7) Schlagzeug – ein Lebensgefühl
Folgendes Zitat aus dem Aufsatz
“Bewegende Rhythmen” von Peter Su Markus gibt wieder, daß
selbst hinter einer scheinbar primitiven Trommel Tieferes, Nachdenkliches
stecken mag - das eigene Ich, das es zu spüren und zu erleben
gilt:
“Dem Vorbild des Schamanen folgend, geht
es in erster Linie beim Schlagen der Trommel darum, sich selbst in einen anderen
Bewußtseinszustand zu versetzen. Die Trommel als Reittier in andere Welten
zu nutzen. Sie zum Spiegel seiner selbst werden zu
lassen. Ohne sich nach einem sterilen
Metrum zu richten, wird der Trommler selbst zum Metrum. Jeder Schlag wird zum
Ausdruck eines Gemütszustandes. Mit der Trommel lassen sich nur mit
unangemessener Mühe Stimmungen erzeugen, die nicht im Hier und Jetzt des
Trommlers stecken.”
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