|
Du bist hier: Referate Datenbank | Deutsch
| Köhlmeier, Michael: Telemach
Köhlmeier, Michael: Telemach
Buchbesprechung
TELEMACH
Autor: Michael Köhlmeier
Autor: Michael Köhlmeier wurde 1949
geboren, und wuchs in Hohenems, in Vorarlberg auf. Dort lebt er auch heute noch
mit seiner Familie. Michael Köhlmeier schrieb
zahlreiche Drehbücher, Hörspiele, Theaterstücke und Romane. 1988
erhielt er für seinen Roman “Spielplatz der Helden” den
Johann-Peter-Hebel-Preis des Landes Baden-Würtenberg und für sein
Gesamtwerk erhielt er 1994 den Manès-Sperber-Preis. 1977 wurde er mit dem
Anton-Wildgans-Preis ausgezeichnet. Sein neuester
Roman “KALYPSO” erschien 1997. Sein
Roman “TELEMACH” wurde sogar zum Buch des Monats erklärt.
(Kritik der “Neuen Züricher Zeitung”: “Mit selten
gewordener Farbigkeit und gütigem Blick entfaltet Köhlmeier seine
Telemachie aus dem Geist fabulierender Sinnlichkeit”)
Titel: Der Titel “TELEMACH”
weist auf die Hauptgestalt des Romans hin. Telemach
(oder Telemachos) ist in der griechischen Mythologie der Sohn des Odysseus und
der Penelope. (Der Sohn des Königs von Itaka, der in den Krieg zog und
für viele Jahre als verschollen galt.) Sein
Name bedeutet soviel wie “Der-in-der-Ferne-kämpft” oder auch
“Der-den-Kampf-vollendet”. Der Titel
weist also auch auf die Aufgabe der Hauptgestalt hin, oder besser gesagt, auf
das, was von ihm erwartet wird.
Thema: Eines der Hauptthemen ist die
Sehnsucht nach einem Vater, an den sich der Sohn nicht erinnern kann, da er von
zu Hause weg mußte als er noch ein Baby war. Aufgrund vieler
Erzählungen über den Vater macht er sich ein Bild von ihm, das ihn
ständig begleitet. Er hat sich sozusagen ein Idealbild seines Vaters
geschaffen. Weiters wird die daraus entstehende
Angst vor der Enttäuschung, daß der Vater womöglich diesem Bild
nicht entspricht, behandelt.
Ein anderer
Schwerpunkt liegt bei den Problemen einer Frau, dessen Mann vor langer Zeit in
den Krieg zog und seit dem nie mehr
zurückkehrte. Ihre Sehnsucht nach ihrem Mann
wird nicht gemindert, als viele Freier kommen, die es eigentlich auf den Besitz
der Frau abgesehen haben. Doch die Frau kann und
will sich keinen neuen Mann aussuchen, da sie sich noch nicht als Witwe sieht.
Sie wird aber mehr und mehr von den Werbern unter Druck
gesetzt. Ein weiteres Thema, das Michael
Köhlmeier behandelt ist die griechische Sagen- und Mythenwelt und der
Glaube der Menschen an diese Götter.
Fabel: Der Sohn eines verschollenen
griechischen Helden wird von einer Göttin, die in Menschengestalt
auftaucht, ermutigt auszuziehen um seinen Vater zu suchen. Er soll damit
gleichzeitig seine Mutter vor den unverschämten Freiern retten, die seit
Jahren ihr Anwesen belagern, und auf Kosten seiner Mutter
leben.
Gattung: ”TELEMACH” ist ein
Roman, der beweist, daß das Epos von Odysseus lebt. Hier jedoch wird eine
bei Odysseus im Hintergrund stehende Person zur Hauptgestalt. Der Autor
läßt Antike und Gegenwart verschmelzen und bringt so eine
Abenteuererzählung, die in einer Umwelt erlebt wird, die dem 20.
Jahrhundert ähnelt. Der Stoff und die
Handlung ist die ursprüngliche, jedoch haben Autos wie Corvette und
Mercedes, Tankstellen, Dieseltraktoren, chemische Fabriken, Gibson
E-Gitarren,...genauso ihren Platz in dieser Erzählung wie griechische
Götter und Schwertkämpfe. Man könnte
dieses Werk von Michael Köhlmeier in etwa mit der Neuverfilmung von
“Romeo und Julia” vergleichen
Der
Autor verwendet auch häufig englische Ausdrücke, wie “a needful
thing” oder “in the bull-shit of reality” und vermittelt so
den Eindruck einer Gesellschaft des 20. Jahrhunderts.
Blick- Der Roman wird aus der Position
eines allwissenden Erzählers geschrieben.
winkel: Er kann in die Menschen
hineinblicken und weiß genau, was sie denken bzw. fühlen.
Der Autor vergleicht die Götter mit einem
Kinopublikum, die sich das Treiben auf der Erde wie auf einer Kinoleinwand
ansehen. Genau dieses Gefühl bekommt der Leser
vermittelt. Andererseits wechselt die
Erzählposition in die eines Ich-Erzählers, der wie ein unsichtbarer
Geist die Hauptgestalt begleitet und die Geschehnisse aus dieser Position
beschreibt. Allerdings treten gelegentlich auch hier die Merkmale eines
allwissenden Erzählers auf.
Charaktere:
Telemach Telemach war der Sohn der
griechischen Sagengestalt Odysseus und seiner Frau Penelope und steht im
Mittelpunkt dieser Erzählung. Er ist ziemlich groß und sehr schlank.
Sein Gesicht ist lang und schmal und wirkt mit den nicht zu einem Mann passenden
üppigen Lippen eher zart und weich. Sein dunkelbraunes Haar fällt in
engen Spiralen bis auf die Schultern. Alles in allem hat Telemach nicht die
Haltung eines Helden. Er sieht nicht aus wie ein tollkühner Kämpfer,
wie ein Verteidiger der Ehre seines Vaters, sondern eher wie ein friedfertiger,
gutmütiger und träumerischer junger Mann, dem alles egal ist, solange
er keinen Schaden erleidet. Telemach ist sehr
intelligent und wißbegierig. Er liebt es mit seinem Lehrer Mentor zu
philosophieren und kann ihm stundenlang zuhören. Einerseits scheint
Telemach teilweise keine eigene Meinung zu haben. Jedenfalls läßt er
sich vieles von anderen einreden und nimmt deren Meinungen an. Andererseits
bekommt er regelrecht einen Zorn auf Pallas Athene, da sie einfach
Beschlüsse machte und ihn damit überfällt und vor vollendete
Tatsachen stellte.
Pallas Athene:
Sie spielt eine fast ebenso wichtige Rolle wie
Telemach. Laut der griechischen Sage ist sie die Tochter von Metis (der Tochter
des Titanen Okeanos) und Zeus. Gaia, die Erde, warnte Zeus, daß dieses
Kind mächtiger werde als der Vater, und so verschlang Zeus seine schwangere
Gattin. Das ungeborene Kind aber stieg in Zeus Körper empor bis in seinen
Kopf, und als Hephaistos mit einer Axt Zeus´ Haupt spaltete, trat unter
furchtbarer Aufruhr Pallas Athene hervor. Sie ist Obrimopatre - die
Tochter des Gewaltigen, Agoraia hyion - die Sammlerin der Söhne
für den Krieg. (so schreibt M.
Köhlmeier) Athene ging nie als sie selbst in
die Welt hinunter. Meistens nahm die Gestalt und Rolle eines wirklichen Menschen
an. Die eines Lebenden und manchmal auch die eines Verstorbenen. Sie sieht die
Menschen wie Maschinen, wie Generatoren, die Kraftstoff benötigen. Athene
blickt mit ihren kalten blauen Augen eines Neugeborenen aus dem Menschen, in dem
sie sich gerade befindet und bestimmt in einem gewissen Maße dessen
Gedanken und Handlungen. Sie möchte Telemach kontrollieren und es scheint,
als ob sie sich und den übrigen Göttern etwas beweisen möchte.
Nämlich, daß sie imstande ist, aus einem träumerischen,
gutmütigen jungen Mann einen erbarmungslosen Krieger zu
machen.
Zeitspanne: Der Zeitraum, in dem sich die
Erzählung abspielt erstreckt sich über wenige Jahre. Die eigentliche
Erzählung beginnt dort, wo die Götter beschließen, daß
Odysseus Kalypso verlassen und nach Ithaka heim kehren soll, und endet an dem
Zeitpunkt, an dem Telemach aufgibt, seinen Vater zu suchen.
Orte: Ogygia (Insel der Kalypso), Grotte
der Kalypso; Ithaka, Odysseus´ Haus, Stadt Melite (dort Wohnt Mentor),
Schiff, Elis (Stadt am Hafen), Pylos (Palast), Lake daimon,
....
1998
©
rb
|