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Cézanne, Paul (1839-1906)
Paul Cézanne
LEBEN
Paul Cézanne wurde am 19. Jänner 1839 in der
südfranzösischen Kleinstadt Aix geboren und wuchs in
ständiger Angst vor seinem herrischen Vater auf, der zum Mitbesitzer einer
Bank aufgestiegen war. Er kam in das Bourbon-Gymnasium, wo er einige fast
lebenslange Freundschaften schloß, z.B. mit dem später berühmten
Schriftsteller Emile Zola. Nach dessen begeisterten Briefen wollte
auch er nach Paris gehen, doch der Vater ließ ihn Jura studieren, weil so
viel Geld zu verdienen war. Nach einem längeren Familienstreit wurde der
Vater schließlich einsichtig, 1861 durfte er nach Paris
gehen. Während seines Studiums an der Académie Suisse lernte er
berühmte Maler wie Pissarro kennen, doch ihm schienen die
modernen Werke und auch seine im Vergleich zu den alten Meistern höchst
unbefriedigend, was zu einer Krise führte und ihm so zusetzte, daß er
voller Selbstzweifel nach Aix zurückfuhr und in der Bank seines Vaters
arbeitete.
Erst Ende 1862 begann er wieder ernsthaft seine
Malerlaufbahn. Mit großer Hartnäckigkeit reichte er seine Bilder
für den Salon ein, die einzige Möglichkeit für junge
Künstler um bekannt zu werden, doch sie wurden immer abgewiesen, wohl auch
weil er lautstark das öffentliche System kritisierte, seinen Bildern
provokative Titel gab und sie immer erst im letzten Augenblick einreichte.
Überhaupt war der Umgang mit ihm sehr schwierig. Einerseits war er
schüchtern und zurückhaltend, andererseits aber rechthaberisch und
kompromißlos. Trotz quälender Selbstzweifel konnte er sich als
“einzigen Maler” bezeichnen. Schon mit 20 Jahren galt er als
hoffnungsloser Exzentriker. Seine Werke aus den 60er Jahren spiegeln eine
starken inneren Druck wider: Sie zeigen ungeschickt ausgeführt Tod,
Gewalttätigkeit und Orgien.
1869 lernte er Hortense Fiquet kennen, seine
erste und einzige ernsthafte Beziehung. Obwohl das Paar sehr gegensätzlich
war - er zurückhaltend, sie gesellig - war die Beziehung dauerhaft. Nun
veränderte er auch seinen Malstil von romantischen und erotische Phantasien
zu impressionistischen Landschaftsszenerien. Als ihm Hortense 1872
einen Sohn gebar, zogen sie nach Pontoise bei Paris, um die Familie vor
seinem Vater zu verheimlichen. Dort lebte auch Pissarro, mit dem
er zwei Jahre zusammenarbeitete und der ihn in verschiedene Maltechniken
einführte. Außerdem ermöglichte er die Ausstellung seiner Werke
bei der ersten Impressionisten-Ausstellung 1874. Die Verbundenheit
mit der Natur gab ihm als Maler eine neue Kraft und Disziplin, die sich in
seinem Werk in geordneten Strukturen niederschlug. Während der
nächsten 10 Jahre führte er ein einsames, unstetes Leben und
entwickelte sorgfältig seinen eigenen Malstil, jedoch ohne Erfolg in der
Öffentlichkeit.
Das Jahr 1886 brachte drei entscheidende Veränderungen:
Erstens veröffentlichte Emile Zola einen Roman, dessen zentrale Figur, ein
gescheiterter Maler, allzuviel Ähnlichkeit mit Cézanne hatte, worauf
dieser alle Beziehungen zu Zola abbrach. Wenige Wochen später heiratete
er Hortense, und im Oktober starb sein Vater, der ihm ein stattliches
Vermögen Hinterließ. Trotzdem zog er sich noch weiter zurück.
Hortense lebte mit Sohn Paul meist in Paris, während der Maler auf dem
Familiensitz Jas de Bouffon wohnte, wo seine Schwester Marie für ihn
sorgte und ihn genauso beherrschte wie sein Vater. 1891 machte er
seine einzige Auslandsreise in die Schweiz, ansonsten traf er sich nur mit
seinen alten Freunden aus Aix. Nach einigen unbeachteten Ausstellungen
(“Die Zwanzig”, Weltausstellung 1889 in Paris)
organisierte 1895 der Kunsthändler Ambroise
Vollard eine Einzelausstellung. Die Werke stießen zwar nicht auf
Verständnis, doch wurde der Wert erkannt. Zwei Jahre später kaufte
Vollard alle vorhandenen Bilder.
Seine späteren Jahre verliefen recht ereignislos. Nach dem Tod seiner
Mutter verkaufte er 1899 den Jas de Bouffon, mietete in Aix eine
Wohnung und ließ sich am Chemin des Lauves ein Atelier einrichten.
Während er dort einmal im Freien malte, wurde er von einem schweren
Gewitter überrascht und erlitt einen Schlaganfall. Der Versuch zu malen am
nächsten Tag verschlimmerte seinen Zustand, am 22. Oktober
1906 starb er.
WERK:
Cézannes Stil hat sich im Laufe seines Lebens stark geändert,
zwischen seinen früheren romantischen Gemälden und den
wohlausgewogenen Werken des reifen Cézannes sind fast keine
Ähnlichkeiten. Er besaß einen ausgeprägten Sinn für
festgefügte Strukturen und wollte die Leuchtkraft des
Impressionismus beibehalten, jedoch etwas Festes und Beständiges schaffen.
Dies wurde durch die gleichmäßigen, in länglichen
Vierecke ausgeführten Pinselstriche erreicht. Außerdem
verwendete er gestaffelte Farbflächen, verschiedene Blickwinkel in einem
Bild und das Phänomen der visuellen Wahrnehmung, daß warme Farben vor
kalten zu liegen scheinen, um die räumlichen Relationen zu
vergegenwärtigen. Diese einzigartige Maltechnik mußte er sich
mühsam erarbeiten. Im Laufe der Jahre wurde der Farbauftrag dünner,
die Töne wurden satter und aus gleichmäßigen Pinselstrichen
wurden kleine Farbflächen. Diese Maltechnik bildete die Grundlage
für die moderne Malerei des 20. Jh.
Da er die Natur ordnen wollte, malte er viele Stilleben, die nach Belieben
aus natürlichen Gegenständen zusammenstellen konnte. Für Menschen
war er zu ungeduldig, als Modelle ertrug er nur Familienangehörige
und enge Freunde. Cézanne malte fast ausschließlich in der Gegend
von Paris und in seiner Heimat. Bestimmte Plätze malte er immer wieder,
z.B. den Mont Sainte-Victoire etwa 60 mal. Noch am Ende seines Lebens
befand er sich in einer künstlerischen Weiterentwicklung und murrte wie eh
und je.
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